Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Berliner Mauerweg

Überwiegend verläuft er auf dem früheren Postenweg der Grenztruppen der DDR oder nutzt den an der Umlandgrenze auf West-Berliner Gebiet verlaufenden Zollweg.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau
  2. 2. Entstehung und Ausbau
  3. 3. Vom Zentrum durch den Süden
  4. 4. Westen, Norden und Rückweg ins Zentrum
  5. 5. Erinnerungskultur und Mauerweglauf

Bedeutung und Aufbau

Der Berliner Mauerweg ist ein etwa 160 Kilometer langer Rad- und Fußwanderweg in Berlin und Brandenburg. Er folgt weitgehend dem früheren Verlauf der Berliner Mauer, die West-Berlin bis 1989 umschloss. Dadurch verbindet er Freizeitverkehr mit historischer Erinnerung: Entlang der Strecke informieren erhaltene Grenzanlagen, Gedenkorte, Stelen und Tafeln über die deutsche Teilung und über Ereignisse an der Mauer.

Etwa 50 Kilometer führen entlang der früheren innerstädtischen Grenze, weitere rund 110 Kilometer entlang der damaligen Grenze zwischen West-Berlin und dem Umland der DDR. Der Weg nutzt überwiegend den ehemaligen Postenweg, auf dem die DDR-Grenztruppen Kontrollfahrten durchführten. An anderen Stellen verläuft er über den früheren Zollweg auf West-Berliner Gebiet oder über Ersatzstrecken.

Die Strecke ist in 14 Teiletappen gegliedert, deren Anfangs- und Endpunkte meist in der Nähe von Eisenbahn- oder U-Bahn-Stationen liegen. Sie ist durchgehend mit der weißen Aufschrift „Berliner Mauerweg“ auf grauem Grund beschildert. Der Weg ist größtenteils asphaltiert; daneben gibt es kurze unbefestigte oder gepflasterte Abschnitte sowie ältere Teile mit dem ursprünglichen, teilweise abgenutzten Belag. Wo die ehemalige innerstädtische Grenze über Straßen führte, kennzeichnet häufig eine doppelte, in den Straßenbelag eingelassene Pflastersteinreihe ihren Verlauf.

Der Mauerweg ist mit mehreren Fernradwegen verbunden, darunter der Europaradweg R1, der Radweg Berlin–Kopenhagen, der Radfernweg Berlin–Usedom, der Havelradweg, der Spreeradweg und der Radweg Berlin–Leipzig.

Entstehung und Ausbau

Die Grenze zu West-Berlin wurde ab dem 13. August 1961 durch die Berliner Mauer befestigt. Die Grenzanlagen bestanden typischerweise aus mehreren hintereinanderliegenden Mauern oder Zäunen und weiteren Sicherungseinrichtungen. Dadurch entstand ein breiter, abgeriegelter Grenzstreifen mit einem Postenweg für die DDR-Grenztruppen.

Nach der Grenzöffnung am 9. November 1989 begann der Abbau der Mauer. Mit der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Juli 1990 und dem vollständigen Wegfall der Grenzkontrollen wurden die Anlagen endgültig überflüssig. Fast alle Sperranlagen wurden demontiert; der Postenweg war zunächst auf nahezu seiner gesamten Länge zugänglich.

Umweltschützer und Fahrradverbände wollten die Freiflächen des Mauerstreifens erhalten, renaturieren und als Grün-, Wander- und Radweg nutzen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club markierte den Weg 1990 mit Fahrrad- und Fußgängerzeichen; 1991 schlug auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland einen durchgehenden Weg vor. Gleichzeitig forderten Denkmalschützer den Erhalt von Grenzresten, während manche Anwohner und Gemeinden einen schnellen Abriss bevorzugten oder Sicherheitsprobleme befürchteten.

Da der Weg zunächst nicht systematisch gesichert wurde, wurden Teile des Mauerstreifens bebaut und Abschnitte des Postenwegs beseitigt oder unterbrochen. Nach neuen Protesten und wachsendem politischen Interesse beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus 2001 eine Beschilderung und einen fahrradfreundlichen Ausbau. Von 2002 bis 2006 wurde der Weg ausgebaut; fehlende Abschnitte erhielten Ersatzführungen. 2004 entstand bei Lichterfelde eine Unterführung unter der Bahnstrecke Berlin–Halle.

Mehrere Lücken und Konflikte blieben bestehen. Seit April 2009 ist ein Abschnitt am Griebnitzsee, seit Sommer 2009 auch ein Uferweg am Groß Glienicker See durch Grundstückseigentümer gesperrt. 2013 sperrte ein Eigentümer einen Abschnitt in Schönefeld. An der Dresdener Bahn bei Lichtenrade fehlt weiterhin eine direkte Querung. Nach langjährigen Planungen wurde für eine dort vorgesehene Unterführung am 30. September 2021 ein Planfeststellungsbeschluss erlassen.

Ende der 2010er Jahre waren mehrere Wegabschnitte sanierungsbedürftig. Der Berliner Senat beschloss im Januar 2019, den gesamten Mauerweg zu sanieren und zu erhalten, und meldete zunächst 12,4 Millionen Euro für den Doppelhaushalt 2020/21 an. Tatsächlich standen 2019 bis 2021 lediglich 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, darunter jährlich 170.000 Euro für den Unterhalt und 330.000 Euro für Neubauten.

Vom Zentrum durch den Süden

Vom Potsdamer Platz folgt der Weg zunächst der innerstädtischen Grenzlinie. Er passiert unter anderem die Topographie des Terrors, den Checkpoint Charlie, den ehemaligen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße und das Engelbecken. An der Spree führt er auf der früheren Ost-Berliner Seite an der East Side Gallery entlang und wechselt an der Oberbaumbrücke, einem ehemaligen Grenzübergang, nach Kreuzberg.

Über Treptow und Neukölln erreicht die Route den Schlesischen Busch mit einem erhaltenen Wachturm. Danach folgt sie abschnittsweise dem Landwehrkanal, dem Heidekampgraben, dem Britzer Verbindungskanal und dem Teltowkanal. An der Chris-Gueffroy-Allee erinnert eine Stele an Chris Gueffroy, der dort 1989 von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde. Über Adlershof verläuft der Weg zwischen Rudow und Altglienicke zur Stadtgrenze bei Schönefeld.

Entlang der südlichen Stadtgrenze führen teilweise provisorische Routen um gesperrte oder schwer befahrbare Abschnitte. Zwischen Großziethen und Lichtenrade folgt der Weg einer weit nach Norden reichenden Einbuchtung der Grenze. Von Lichtenrade über Marienfelde und Lichterfelde bis Teltow liegt er größtenteils im ehemaligen Grenzstreifen. Während die Berliner Seite teilweise bis zur Grenze dicht bebaut ist, blieb die Brandenburger Seite in vielen Bereichen fast unbebaut.

Nördlich des ehemaligen Dorfes Osdorf, dessen Bewohner 1968 wegen der Grenznähe umgesiedelt wurden, führt die Strecke zum Japaneck. Dort wurde nach dem Mauerfall ein 1,5 Kilometer langer Abschnitt mit japanischen Zierkirschen bepflanzt; jedes Frühjahr findet ein Kirschblütenfest statt. Anschließend verläuft der Weg über Teltow, Zehlendorf und Kleinmachnow durch den Wald am Königsweg. Am Griebnitzsee muss er wegen des gesperrten Postenwegs durch die Karl-Marx-Straße ausweichen. Über Klein Glienicke und die Glienicker Brücke erreicht er Potsdam.

Westen, Norden und Rückweg ins Zentrum

Von der Glienicker Brücke führt der Mauerweg am Wannsee, an der Pfaueninsel und an Nikolskoe vorbei zur Fähre Wannsee–Kladow. Nach der Havelüberquerung verläuft er wieder zur früheren Grenze und zum Groß Glienicker See. Wegen der Sperrung des Uferwegs wird die Strecke dort durch Ortsstraßen geführt.

Danach erreicht der Weg Staaken, folgt überwiegend dem früheren West-Berliner Zollweg und führt über Eiskeller zur Havel. Über Nieder Neuendorf und Hennigsdorf gelangt er nach Stolpe-Süd. Anschließend verläuft er auf dem ehemaligen DDR-Postenweg, überquert die frühere Transitautobahn nach Hamburg nahe dem einstigen Grenzübergang Heiligensee/Stolpe und erreicht zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf seinen nördlichsten Punkt.

Von Frohnau führt die Route überwiegend auf dem Postenweg nach Süden. Sie verläuft über Glienicke/Nordbahn und Schildow durch die naturnahe Landschaft am Tegeler Fließ und folgt anschließend der Heidekrautbahn nach Wilhelmsruh. In Rosenthal ist ein Teil des West-Berliner Zollwegs im ursprünglichen Zustand erhalten. Über Wittenau und den S-Bahnhof Wollankstraße gelangt der Weg zum früheren Grenzübergang Bornholmer Straße und weiter durch den Mauerpark.

An der Bernauer Straße passiert er die Gedenkstätte Berliner Mauer und führt über den Nordbahnhof, die Friedhöfe an der Liesenstraße und den ehemaligen Grenzübergang Chausseestraße zum Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Ein Abschnitt verläuft über den Invalidenfriedhof, von dem 1961 ein Teil für die Grenzanlagen eingeebnet wurde. Danach führt der Mauerweg am historischen Campus der Charité vorbei, überquert an der Luisenstraße die Spree und erreicht über Reichstagsgebäude, Brandenburger Tor und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas wieder den Potsdamer Platz.

Erinnerungskultur und Mauerweglauf

Der Weg berührt zentrale Erinnerungsorte der deutschen Teilung. Dazu zählen die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße, der Gedenkturm für Günter Litfin am Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal, die Gedenkstätte Weiße Kreuze für die Mauertoten am Reichstagsgebäude und die East Side Gallery. Entlang der gesamten Strecke erinnern Stelen an alle bekannten Mauertoten, an besondere Ereignisse und an auffällige topographische Situationen.

Japanische Zierkirschen wurden im Rahmen der Sakura-Campaign ab 1990 aus Freude über die Deutsche Einheit gepflanzt. Ein japanischer Fernsehsender sammelte die dafür benötigten Spenden. Pflanzungen am Mauerweg befinden sich unter anderem nahe der Bornholmer Straße, an der Lohmühlenbrücke in Treptow und am Japaneck zwischen Teltow und Berlin-Lichterfelde.

Seit 2011 wird entlang der ehemaligen Mauer der Ultramarathon „100 Meilen Berlin“ veranstaltet. Weil die Strecke auf dem früheren Grenzstreifen verläuft, heißt die Veranstaltung auch Mauerweglauf.

Weiterlesen