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Baumhaus an der Mauer

Baumhaus an der Mauer, 2012. Während der Teilung der Stadt befand es sich im Niemandsland der Berliner Mauer; später wurde es von den städtischen Stellen …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Besonderheiten
  2. 2. Lage und Nutzung während der Teilung
  3. 3. Veränderungen nach dem Mauerfall

Gegenstand und Besonderheiten

Das Baumhaus an der Mauer ist eine zweigeschossige Hütte am Bethaniendamm an der Grenze zwischen den Berliner Ortsteilen Mitte und Kreuzberg. Der türkische Einwanderer Osman Kalin (1925–2018) errichtete sie aus Sperrmüll auf einer besetzten Verkehrsinsel. Genau genommen ist sie kein Baumhaus, sondern ein Gartenhaus, das um zwei Bäume herum gebaut wurde. Scherzhaft wird der Ort auch „Gecekondu von Kreuzberg“ oder „Guerilla-Garten“ genannt.

Während der deutschen Teilung lag das Grundstück im Niemandsland der Berliner Mauer. Nach dem Mauerfall wurde die Nutzung von städtischen Stellen toleriert, obwohl das Gebäude ohne Baugenehmigung und ohne Pachtvertrag im öffentlichen Raum errichtet wurde. Wegen seiner ungewöhnlichen Geschichte und seines auffälligen Erscheinungsbildes gilt das Baumhaus als Sehenswürdigkeit und Touristenattraktion.

Das etwa 350 Quadratmeter große Grundstück besitzt weder einen Strom- noch einen Wasseranschluss. Die Beete werden überwiegend mit Regenwasser versorgt.

Lage und Nutzung während der Teilung

Das dreieckige Grundstück gehörte zu Ost-Berlin, lag aber auf der westlichen Seite der Berliner Mauer. Dadurch war es für die östliche Verwaltung außerhalb der Zugänglichkeit und für die westliche Verwaltung außerhalb der Zuständigkeit.

Osman Kalin war 1963 aus der zentralanatolischen Stadt Yozgat zunächst für fünf Jahre nach Österreich migriert und danach in Stuttgart und Mannheim tätig. 1980 zog er mit seiner Frau Hatice und seinen Kindern nach Berlin, zuerst nach Spandau und später nach Kreuzberg.

1983 begann Kalin als Rentner und sechsfacher Vater, die Brache von Sperrmüll zu befreien und dort Gemüse anzubauen. Zunächst errichtete er eine eingeschossige Hütte, die niedriger als die Mauer war. Ein höheres Gebäude wurde ihm nach einem Besuch von DDR-Grenzsoldaten des Grenzregiments Nummer 33 seitens der DDR untersagt. Es bestand der Verdacht, Kalin könne das Grundstück für einen Fluchttunnel nutzen. Für die Nutzung des Geländes erhielt er jedoch eine Genehmigung von der DDR-Seite; die Angelegenheit soll bis zum Zentralkomitee der SED gegangen sein. Einen anschließenden Teil des Grundstücks bewirtschaftete eine weitere türkischstämmige Familie.

Veränderungen nach dem Mauerfall

Nach dem Mauerfall erweiterte Kalin den Garten nach Osten. Auf einer Fläche von etwa 80 Quadratmetern errichtete er ein zweigeschossiges Gebäude mit Betonfundament, weil er nicht mehr an die frühere Auflage aus der DDR gebunden war. Als imaginäre Postanschrift gab er dem Haus „Bethaniendamm Nr. 0, Berlin 10997“.

1991 wurde das Haus durch Brandanschläge zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Nach der politischen Wende war zunächst der Bezirk Mitte für das Grundstück zuständig. Im Rahmen der Sanierung des Luisenstädtischen Kanals wollte der Bezirk gegen die „illegale Nutzung“ vorgehen und forderte Kalin zur Räumung auf. Er weigerte sich. Unterstützung erhielt er von Anwohnern, dem Bezirksamt Kreuzberg und dem Pfarrer der nahe gelegenen St.-Thomas-Kirche. Außerdem fehlten dem Bezirk die finanziellen Mittel, um den Abschnitt zwischen dem Engelbecken und der Köpenicker Straße vollständig zu sanieren.

2003 gab es erneut einen Brandanschlag; danach wurde das Haus wieder aufgebaut. Medien berichteten, das Grundstück sei 2004 im Zuge einer Grenzbegradigung unter der Bezirksbürgermeisterin Cornelia Reinauer an Kreuzberg übergegangen und habe mit Unterstützung des Bezirksbürgermeisters Franz Schulz eine Sondernutzungsgenehmigung erhalten. Tatsächlich war diese Grenzbegradigung bis September 2017 nicht umgesetzt.

Nachdem Osman Kalin seine Aktivitäten aus gesundheitlichen Gründen beendet hatte, übernahm sein Sohn Mehmet Kalin die Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit. Osman Kalin starb am 16. April 2018. Nach den Plänen seines Sohnes könnte das Baumhaus als Museum geöffnet werden.

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