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Barock (Malerei)

Die Malerei des Barock wird in der Kunstgeschichte als Folgeepoche nach der Malerei der Renaissance begriffen. Wichtige Tendenzen innerhalb der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Kennzeichen
  2. 2. Italienische Hauptströmungen
  3. 3. Flandern und Holland
  4. 4. Frankreich, Spanien und Österreich
  5. 5. Akademien und Ausbildung

Einordnung und Kennzeichen

Die Barockmalerei folgt in der Kunstgeschichte auf die Malerei der Renaissance. Ihre Wurzeln und Anfänge liegen im Italien des ausgehenden 16. Jahrhunderts; der Epochenbegriff wird seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet. Wichtige Tendenzen sind Bewegtheit, Illusionismus, Naturalismus und Klassizismus.

Im 17. Jahrhundert wurde Malerei stärker für bestimmte Zwecke eingesetzt: Die Kirche stellte sie in den Dienst der gegenreformatorischen Bewegung, absolutistische Höfe nutzten sie programmatisch zur Verherrlichung des Regenten. Zugleich wurde das Tafelbild zu einem begehrten Sammelobjekt für Adlige, Könige, Höflinge und das sich emanzipierende Bürgertum.

Italienische Hauptströmungen

In Venedig nahmen Tizian und Paolo Veronese barocke Eigenschaften vorweg. Tizian zeigte bereits um 1520 in der Pesaro-Madonna Diagonalkompositionen und bewegte Lichteffekte; Veronese entsprach mit vielfigurigen Kompositionen dem Geschmack für das Spektakuläre.

Um 1600 begründeten Caravaggio und Annibale Carracci in Rom gegensätzliche, prägende Richtungen. Caravaggio vertrat einen provokanten Naturalismus mit Chiaroscuro, also einer stark durch Hell-Dunkel-Kontraste bestimmten Malweise, und Nahsichtigkeit. Carracci prägte den Barockklassizismus, besonders mit den Fresken der Galleria Farnese. In den 1630er-Jahren standen innerhalb seiner Nachfolge Andrea Sacchis „klassische“ Partei und Pietro da Cortonas explosiv „barocke“ Richtung gegenüber.

Der Illusionismus der Deckenmalerei erreichte mit Andrea Pozzos Fresko für Sant’Ignazio in Rom am Ende des 17. Jahrhunderts einen Höhepunkt: Die gemalte Architektur setzt sich perspektivisch fort und öffnet sich mit zahlreichen Figuren zum freien Himmel. Bei den Caravaggisten sind Artemisia Gentileschi mit der drastischen Enthauptung des Holofernes und Jusepe de Ribera mit wuchtigen, blutrünstigen Darstellungen wichtig. Francesco Solimena formte Caravaggios naturalistisches Chiaroscuro um 1700 in der variazione di maniera zu einem gefälligeren Stil um.

Guido Reni ist der berühmteste Meister der klassizistischen Tafelbildmalerei; Raffael beeinflusste ihn und blieb auch für Carlo Maratta ein Bezugspunkt. Um 1700 rückte mit Sebastiano Ricci und den Anfängen der Rokokomalerei Venedig wieder in den Mittelpunkt. Giovanni Battista Tiepolo gilt als großer Vertreter dekorativer Malerei des 18. Jahrhunderts. In der Vedutenmalerei, also der Malerei von Stadtansichten, wurde Canaletto mit Ansichten von Venedig, Rom und London bedeutend.

Flandern und Holland

Die politische Trennung der Niederlande in katholisches Flandern und protestantisches Holland entsprach unterschiedlichen Stilrichtungen. Die flämische Malerei seit Peter Paul Rubens ist von bewegten Bildinhalten und flüssiger Malweise geprägt. Bei Rubens betrifft die Bewegung sowohl die Komposition und die „gewaltige Torsion der Gestalten“ als auch das spontan geformte Gefüge der Binnengestaltung. Jacob Jordaens’ Historien- und Genrebilder sind von Lebens- und Erzählfreude erfüllt, Anthonis van Dyck wurde international gefragter Bildnismaler.

Typisch für Flandern war die Arbeitsteilung: Spezialisten übernahmen etwa Landschaften, Tiere oder Früchte in Rubens’ Gemälden. Frans Snyders zeichnete sich durch lebendige Tierdarstellungen aus, Jan Fyt durch naturnahe Fell- und Federpartien und Jan Davidsz. de Heem durch Gefäße, Geschirr und Früchte.

In Holland löste die realistischere Landschaft den bisherigen Typus der Weltlandschaft in Aufsicht ab. Der abgesenkte Blickpunkt führte zu ausschnitthaften Darstellungen; Esaias van de Velde war ein Pionier. In den 1630er-Jahren prägten braun-grünes Kolorit und Diagonalkompositionen etwa Jan van Goyen, Pieter Claesz und Willem Claesz. Heda. Dies passte zum häufig vermittelten Vanitasgedanken, also zur Erinnerung an Vergänglichkeit. Um die Jahrhundertmitte erreichte die realistische Motivwiedergabe ihren Höhepunkt. Spezialgenres waren etwa Aert van der Neers winterliche Nachtlandschaften, Aelbert Cuyps italianisante Landschaften und Willem van de Velde des Jüngeren Meerstücke. Jacob van Ruisdael erhöhte die Landschaftsmalerei durch metaphysische Qualitäten.

Auch Genremalerei gewann an Gewicht: Adriaen Brouwer untersuchte extreme Gefühlsausdrücke bei Bauern, Jan Steen zeigte häusliche Unordnung bis ins Bizarre. Solche Bilder sollten vor Liederlichkeit warnen; bei Gerard Terborch erscheint dies auch in Interieurs gehobener Schichten. Pieter de Hooch interessierten Licht und Durchblicke in Bürgerhäusern. Jan Vermeer erreichte mithilfe der Camera obscura fotografische Qualitäten; das Licht kommt bei ihm stets von links.

Rembrandt van Rijn verwandelte Caravaggios Chiaroscuro in ein metaphysisches inneres Glühen im geheimnisvollen Dunkel religiöser Bildinhalte. Samuel van Hoogstraeten steigerte genaue Wirklichkeitswiedergabe mit Trompe-l’œil-Motiven, also Täuschungen des Auges; Gerrit Dou machte Leiden zu einem Zentrum detailreicher Feinmalerei. Frans Hals schuf mit schnellen, lockeren Pinselstrichen lebendige Porträts.

Frankreich, Spanien und Österreich

Die klassizistisch ausgerichtete französische Kunst wurde besonders von Künstlern geprägt, die vorwiegend in Italien arbeiteten. Nicolas Poussin malte Bilder strenger Feierlichkeit, in denen jede Geste „spricht“ und nichts überflüssig oder unklar ist. Claude Lorrains klassische Landschaften sind durch poetische Stimmung gekennzeichnet. Gemäßigt klassizistisch wirken Georges de la Tours beruhigter Caravaggismus mit vereinfachten Formen sowie die Genremalerei der Brüder Le Nain, die Bauern würdevoll statt spöttisch darstellt.

In der französischen Porträtmalerei steht Philippe de Champaigne für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts; sein Bildnis Kardinal Richelieus ist besonders bekannt. Später wirkten Pierre Mignards Eleganz, Hyacinthe Rigauds repräsentative Qualität und Nicolas de Largillières Lebendigkeit einflussreich.

In Spanien sind Diego Velázquez, Francisco de Zurbarán und Bartolomé Esteban Murillo hervorgehoben. Velázquez’ Spätwerke lösen „die plastische Modellierung“ in „Werte reiner Farbe“ auf. Bei Zurbarán wurden in der Moderne in einzelnen Werken „mystische Ekstase“ und „Naivität eines Primitiven“ aufgenommen. Murillos Darstellungen spielender Kinder waren im stark religiös geprägten Spanien eine Ausnahme.

In Österreich entwickelte sich erst um 1700 eine eigenständige Barockmalerei, besonders in der Deckenmalerei. Daniel Gran vertrat eine klassizistische Tendenz mit geordneten, oft rautenartig gegliederten Kompositionen. Paul Troger strebte stärkere Bewegtheit und Raumtiefe an. Franz Anton Maulbertsch entfernte sich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts mit schwer entwirrbaren Figurenkonstellationen am weitesten vom klassischen Ideal.

Akademien und Ausbildung

Für die Barockzeit ist die Gründung weiterer Akademien kennzeichnend. Giorgio Vasari ließ 1564 die Accademia del Disegno errichten; 1593 wurde in Rom die Accademia di San Luca eröffnet. Ihre Statuten bestimmten die Künstlerausbildung als Hauptziel. Neben praktischem Unterricht gab es Vorlesungen und Dispute über Kunsttheorien.

Die Akademie gewann großen kunstpolitischen Einfluss, weil alle öffentlichen Aufträge ihrem Monopol unterstanden. Zu ihren Mitgliedern gehörten auch Velázquez, Poussin und Lorrain. Daneben bestand in Rom die Académie de France à Rome, die 1666 auf Betreiben Colberts als Zweigstelle der Pariser Akademie gegründet wurde.

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