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Anleitung zum Unglücklichsein
Anleitung zum Unglücklichsein ist ein Sachbuch, das der österreichische Psychologe Paul Watzlawick im Jahr 1983 veröffentlichte. Er parodiert damit ironisch …
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Buch und Grundgedanke
„Anleitung zum Unglücklichsein“ ist ein Sachbuch des österreichischen Psychologen Paul Watzlawick aus dem Jahr 1983. Es parodiert ironisch die besonders in den USA verbreitete Ratgeberliteratur: Statt zu erklären, wie man glücklich wird, zeigt es zum Schein Wege, das eigene Leben unerträglich zu machen. Das Motto lautet: „Unglücklich sein kann jeder; sich unglücklich machen aber will gelernt sein.“
Grundlage sind Erkenntnisse der Palo-Alto-Schule, zu deren Mitbegründern Watzlawick gehörte. Das Buch behandelt Fallstricke der menschlichen Kommunikation und Einstellungen, durch die Menschen sich selbst ins Unglück führen können. Zugleich legt die umgekehrte Darstellung nahe, solche Fehler zu erkennen und zu vermeiden.
Die Einleitung betont, dass Glück schwer zu bestimmen ist: Augustinus zählte mit Terentius Varro 289 Ansichten darüber, was Glück sei. Watzlawick verweist außerdem auf die große Bedeutung von Unglück und Tragödien in der Weltliteratur. Nach seiner Darstellung schützen weder äußere Versorgung noch Sicherheit zwangsläufig vor Unzufriedenheit: Tiere im Zoo seien etwa vor Hunger, Gefahr und Krankheit geschützt und würden dennoch zu Neurotikern. Auch der moderne Sozialstaat könne Menschen durch seine Begleitung „von der Wiege bis zur Bahre“ entmündigen.
Wie Menschen ihr Unglück erzeugen
In 14 kurzen Kapiteln entfaltet Watzlawick verschiedene Verhaltensweisen, die zum Unglück führen können. Dazu gehören die Verherrlichung der Vergangenheit als eines goldenen Zeitalters, ständiges Zurückblicken und die starrsinnige Vermeidung von Veränderungen. Besonders problematisch sei es, für alte Probleme keine neuen Lösungen zuzulassen.
Unglück kann auch entstehen, wenn jemand sich in Gedanken über mögliche Reaktionen anderer verliert und dadurch eine Lage selbst verschärft. Als Beispiel nennt das Buch den geplanten Besuch beim Nachbarn, um einen Hammer zu leihen: Bedenken und Angst vor dessen Reaktion können sich so steigern, dass sie schließlich in Aggression gegen den Nachbarn umschlagen.
Wichtig ist ferner das Zusammenspiel von Sach- und Beziehungsebene in jeder Kommunikation. Die Sachebene betrifft den Inhalt einer Mitteilung; die Beziehungsebene zeigt, wie die Beteiligten zueinander stehen. Werden beide Ebenen missverstanden, können Konflikte entstehen. Bei einer selbsterfüllenden Prophezeiung trägt die eigene Erwartung dazu bei, dass das erwartete Unglück tatsächlich eintritt.
Als Gegenüberstellung erklärt Watzlawick das Nichtnullsummenspiel: Dabei können zwei Spieler jeweils gewinnen. Viele Menschen behandelten Beziehungen jedoch wie ein Nullsummenspiel, bei dem das eigene Glück nur durch das Unglück des anderen möglich sei und umgekehrt. Der Epilog nennt Fairness, Vertrauen und Toleranz als Wege, es besser zu machen. Der zentrale Gedanke lautet: Jeder kann sein Unglück, aber auch sein Glück selbst schaffen.
Wirkung und Ausgaben
Der Titel wirkte als Parodie auf Ratgeberliteratur; das Buch entwickelte sich zu einem Kultbuch. Allein in Deutschland wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft. Bereits 1983 erschien es auf Englisch; außerdem wurde es auf Italienisch, Französisch und Spanisch veröffentlicht.
Der „Anti-Ratgeber“ kann paradoxerweise als wirklicher Ratgeber dienen: Wer sich ernsthaft bemüht, die beschriebenen Fehler zu vermeiden, kann ein weniger unglückliches Leben führen. Die Erstausgabe erschien 1983 bei Piper in München/Zürich unter der ISBN 3-492-02835-7. Eine Taschenbuchausgabe erschien 2009 als 15. Auflage. Außerdem gibt es ein 2002 veröffentlichtes Hörbuch, gelesen von Ernst Konarek, mit 2 CDs und einer Dauer von 116 Minuten.