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Alprazolam
Alprazolam, auch als Xanax bekannt und in Deutschland als Tafil verkauft, ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit mittlerer Wirkungsdauer, …
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Überblick und Anwendung
Alprazolam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine und ein Anxiolytikum, also ein angstlösendes Mittel. Es hat eine mittlere Wirkungsdauer und wird zur kurzzeitigen Behandlung von Angstzuständen und Panikstörungen eingesetzt. Es wirkt beruhigend und angstlösend. Bei akuten oder kurzzeitigen Behandlungen kann es auch antidepressive Eigenschaften zeigen und wird bei Depressionen beziehungsweise Begleitdepressionen bei Angstzuständen verwendet.
Als Schlafmittel wird Alprazolam zwar häufig eingenommen, dafür besteht jedoch keine zugelassene Indikation; dies ist ein Off-Label-Use. Bekannte Handelsnamen sind Xanax und, in Deutschland, Tafil.
Einnahme, Gegenanzeigen und besondere Gruppen
Dosis und Behandlungsdauer richten sich nach individueller Reaktion, Erkrankung und Schweregrad. Die Dosis soll möglichst niedrig und die Behandlung möglichst kurz sein, weil psychische und körperliche Abhängigkeit entstehen kann. Die Gesamtdauer einschließlich des Ausschleichens soll acht bis zwölf Wochen nicht überschreiten. Regelmäßige ärztliche Untersuchungen sollen prüfen, ob eine Weiterbehandlung nötig ist. Zum Absetzen wird die Dosis schrittweise reduziert; beispielsweise kann mit Diazepam ausgeschlichen werden.
Problematisch ist Alprazolam unter anderem bei Myasthenia gravis, schweren Atemstörungen, Schlafapnoe-Syndrom, schwerer Leberinsuffizienz, akutem Engwinkelglaukom sowie spinalen und zerebellaren Ataxien. Ebenso genannt werden Depressionen mit psychotischen Zügen, bipolare beziehungsweise endogene Depressionen, Aggressionsausbrüche, frühere Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit und akute Vergiftungen mit Alkohol oder zentral wirksamen Arzneimitteln.
In der Schwangerschaft darf Alprazolam nicht verwendet werden. Bei unvermeidbarer Anwendung spät in der Schwangerschaft oder hoch dosiert während der Geburt können beim Neugeborenen unter anderem Hypotonie, Ateminsuffizienz, Hypothermie, herabgesetzte Muskelspannung und Trinkschwäche auftreten. Da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht und sich dort anreichert, soll er auch in der Stillzeit nicht gegeben werden. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nicht untersucht.
Nebenwirkungen, Verkehrstüchtigkeit und Überdosierung
Am häufigsten treten Somnolenz sowie Benommenheit oder Schwindel auf. Besonders zu Beginn der Behandlung sind verringerte Aufmerksamkeit, Müdigkeit, gedämpfte Emotionen, Verwirrtheit, Muskelschwäche, Ataxie sowie Bewegungs- und Gangunsicherheit möglich; dadurch besteht besonders bei älteren Menschen Sturzgefahr. Weitere mögliche Beschwerden sind Tremor, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Störungen des vegetativen Nervensystems, etwa Gewichtsänderungen, Magen-Darm- oder Blasenfunktionsstörungen. Diese Symptome nehmen bei wiederholter Anwendung meist ab.
Beobachtet wurden außerdem Appetitlosigkeit, Hyperprolaktinämie, Menstruations- und Leberfunktionsstörungen wie Gelbsucht. Möglich sind anterograde Amnesien, also Gedächtnislücken für die Zeit nach der Einnahme. Eine vorhandene Depression kann sichtbar werden. Insbesondere bei älteren Menschen oder Kindern können paradoxe Reaktionen wie Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Wut, Albträume, Halluzinationen, Psychosen oder unangemessenes Verhalten auftreten; dann soll die Behandlung beendet werden. Selten kommt es, besonders nachts, zu Atemdepression.
Bis geklärt ist, ob die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird, sollen Betroffene kein Auto fahren, keine komplexen Maschinen bedienen und keine anderen gefährlichen Tätigkeiten ausführen. Eine Überdosierung dämpft das zentrale Nervensystem von Benommenheit bis Koma. Allein ist sie meist nicht lebensgefährlich, zusammen mit Alkohol oder anderen zentral wirksamen Substanzen kann jedoch Atemstillstand auftreten. Als Maßnahmen werden je nach Situation Erbrechen, Magenspülung nach Intubation, Aktivkohle und gegebenenfalls Flumazenil als Antidot genannt; forcierte Diurese und Dialyse sind wirkungslos.
Wechselwirkungen und Abhängigkeitsrisiko
Alkohol kann die Wirkung unvorhersehbar verändern. Zusammen mit Sedativa, Hypnotika, Narkotika, Analgetika, Neuroleptika, Antiepileptika, Antihistaminika, Antidepressiva oder Lithium können sich zentraldämpfende Wirkungen gegenseitig verstärken. Arzneimittel, die über Cytochrom P450 3A4 abgebaut werden, können Konzentration und Wirksamkeit von Alprazolam erhöhen. Ketoconazol, Itraconazol und andere Azol-Antimykotika dürfen nicht gleichzeitig gegeben werden.
Ritonavir hemmt bei niedriger Dosierung deutlich die Alprazolam-Clearance, verlängert dadurch die Halbwertszeit und verstärkt die Wirkung. Bei längerer Ritonavir-Anwendung hebt eine CYP3A-Induktion diese Hemmung wieder auf; erforderlich sind Dosisreduktion oder Absetzen von Alprazolam. Auch bei Nefazodon, Fluvoxamin, Cimetidin, Imipramin, Desipramin, Fluoxetin, Propoxyphen, oralen Kontrazeptiva, Sertralin, Diltiazem und Makrolidantibiotika können Probleme auftreten.
Bereits nach kurzer Einnahme kann eine psychische und körperliche Abhängigkeit entstehen; das Risiko steigt mit Dosis und Dauer. Nach mehreren Wochen kann Toleranzentwicklung die Wirkung abschwächen. Abruptes Absetzen bei körperlicher Abhängigkeit kann Kopf- und Muskelschmerzen, Angst, Spannung, Unruhe, Verstörtheit und Reizbarkeit auslösen. In schweren Fällen sind unter anderem Halluzinationen oder epileptische Anfälle möglich. Beim Rebound-Phänomen kehren die ursprünglichen Beschwerden verstärkt zurück. Daher soll die Dosis schrittweise reduziert werden. Die schnelle Aufnahme, die biologische Halbwertszeit von 8–16 Stunden, 68 % Proteinbindung und geringe Lipophilie tragen zum Missbrauchspotenzial bei.
Wirkung und Verteilung im Körper
Alprazolam bindet im Gehirn an GABA-Rezeptoren. Dadurch verstärkt es die hemmende Wirkung des Neurotransmitters GABA und erklärt seine beruhigende und angstlösende Wirkung.
Nach oraler Einnahme wird der Wirkstoff rasch und gut aufgenommen. Die höchsten Plasmaspiegel werden nach einer Einzeldosis nach ein bis zwei Stunden erreicht; die Bioverfügbarkeit beträgt 80 %. Die Plasmaproteinbindung liegt bei 70 bis 80 %, das durchschnittliche Verteilungsvolumen bei 1,0 bis 1,2 l/kg und ist bei adipösen Patienten deutlich größer. Die Eliminationshalbwertszeit nach einmaliger Gabe beträgt 12 bis 15 Stunden und kann bei älteren männlichen Patienten verlängert sein. Retardtabletten verändern Distribution, Metabolismus und Elimination nicht, erreichen ihre Serumspitzenwerte aber erst nach fünf bis elf Stunden.
Ausgeschieden werden etwa 20 % unverändertes Alprazolam und als Hauptmetaboliten etwa 17 % α-Hydroxyalprazolam sowie 4-Hydroxyalprazolam. α-Hydroxyalprazolam besitzt etwa 50 % der pharmakologischen Aktivität von Alprazolam; 4-Hydroxyalprazolam ist nicht pharmakologisch aktiv. Wegen ihrer niedrigen Konzentrationen tragen die Metaboliten wahrscheinlich kaum zur therapeutischen Wirkung bei.
Stoffdaten und Untersuchung
Alprazolam hat die Summenformel C17H13ClN4, eine molare Masse von 308,76 g·mol−1 und liegt fest vor. Es ist in Ethanol löslich, in Wasser unlöslich und schmilzt bei 228–228,5 °C. Die Substanz kann in verschiedenen Kristallformen vorkommen, darunter zwei polymorphe Formen und ein Dihydrat; Polymorph II hat mit 233 °C einen etwas höheren Schmelzpunkt.
Für den Nachweis und die Mengenbestimmung in Plasma und Muttermilch wird nach geeigneter Probenvorbereitung die Kopplung von HPLC und Massenspektrometrie verwendet. Das Verfahren eignet sich auch für Urin sowie Abwasser- und Flusswasserproben.