Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Adelungsche s-Schreibung
Häufig wird sie auf die Entscheidung reduziert, ob der stimmlose s-Laut [s] als „ss“ oder als „ß“ (Eszett) zu schreiben ist, sofern er nicht als einfaches „ …
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee der adelungschen s-Schreibung
Die adelungsche s-Schreibung ist eine frühere Regel der deutschen Rechtschreibung für s-Laute. Sie regelte vor allem, wann der stimmlose Laut [s] als „ss“ und wann als „ß“ (Eszett) geschrieben wird; in anderen Fällen steht einfaches „s“.
Entscheidend ist die Laut- und Silbenumgebung: Nach einem gedehnten, also langen, Vokal oder einem Diphthong wird „ß“ geschrieben. Außerdem steht nach Adelung „ß“ am Ende einer Silbe oder vor einem Konsonanten. Das schließt Wortenden und Wortfugen ein.
Mit der Rechtschreibreform von 1996 wurde diese Schreibung durch die heysesche s-Schreibung ersetzt. Bei Heyse gilt die zweite Bedingung nicht mehr: Dort hängt „ß“ grundsätzlich von einem langen Vokal oder Diphthong ab, nicht zusätzlich von der Stellung am Silbenende oder vor einem Konsonanten.
ss, ß und das Silbengelenk
Die Regel lässt sich auch von „ss“ aus formulieren: Nach einem kurzen Vokal schreibt man „ss“, wenn im selben Wort unmittelbar ein Vokal folgt.
Dafür wird der Begriff Silbengelenk verwendet. Ein Silbengelenk liegt vor, wenn der s-Laut zugleich zum Ende der vorhergehenden Silbe und zum Anfang der folgenden Silbe gehört. In diesem Fall steht „ss“.
Beispiele für „ss“ im Silbengelenk sind „Wasser“, „wässerig“, „müssen“ und „Klasse“. Liegt kein Silbengelenk vor, steht nach der adelungschen Schreibung statt „ss“ ein „ß“, zum Beispiel in „wäßrig“, „muß“, „du mußt“ und „Erstkläßler“.
Geltung und Ablösung
Die Schreibung geht auf den Orthographen Johann Christoph Adelung (1732–1806) zurück. In verschiedenen Ländern wurde sie bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbindlich. Seit der Zweiten Orthographischen Konferenz von 1901 galt sie im gesamten deutschen Sprachraum.
In der Schweiz wurde sie seit den 1930er Jahren schrittweise aufgegeben: Das „ß“ wurde dort stets durch „ss“ ersetzt. Die Rechtschreibreform von 1996 ersetzte die adelungsche durch die heysesche s-Schreibung.
Adelungs ursprüngliche Einteilung der s-Laute
Adelung beschrieb seine Regel in dem 1774–1786 veröffentlichten „Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen“. Er unterschied drei hörbar verschiedene s-Laute:
- das gelinde oder sanfte s, etwa in „Rose“, „blasen“, „sausen“, „Muse“ und „Maser“;
- das scharfe s, etwa in „ich las“, „weislich“, „Haus“, „Buße“, „Muße“, „Roß“ und „Maß“;
- das stärkste, doppelte ss, etwa in „Roß“, „lassen“, „Schloß“, „müssen“ und „Masse“.
Das gelinde s steht nach Adelung immer am Wortanfang und häufig am Anfang einer Silbe innerhalb eines Wortes, etwa in „Salz“, „säumen“, „selig“, „seltsam“, „rasen“, „Blase“ und „summsen“. Es wurde damals durch das lange „ſ“ dargestellt.
Das scharfe s konnte durch „s“, „ſ“ oder „ß“ geschrieben werden. Einfaches „s“ stand unter anderem am Ende eines Wortes oder einer Silbe, wenn es bei Verlängerung wieder zu einem gelinden s wurde oder daraus entstanden war, etwa „Haus – Häuser“, „weislich“ von „weise“ oder „ich las – lies“ von „lesen“. „aus“, „das“ und „was“ nennt Adelung dabei Ausnahmen. Auch vor weiteren Konsonanten oder nach einem gedehnten Vokal konnte am Silben- oder Wortende „s“ stehen, beispielsweise in „Dachs“, „Fuchs“, „Gans“, „Hals“, „es“ und „des Mannes“.
„ß“ schrieb Adelung beim scharfen s stets nach einem gedehnten Selbstlaut, zum Beispiel „Fuß“, „Füße“, „groß“, „größer“, „Buße“, „Kloß“, „Muße“, „fließen“, „Meißen“, „Gruß“, „ich saß“ und „ich aß“. Welche Fälle vorliegen, müsse die richtige Aussprache zeigen. Er weist darauf hin, dass Mundarten den langen Selbstlaut unterschiedlich aussprechen können.
Doppeltes s in Adelungs Regel
Das doppelte s wurde nach Adelung entweder mit „ß“ oder mit „ss“ ausgedrückt. „ß“ stand am Ende eines Wortes oder einer Silbe, wenn eine vorhergehende geschärfte Silbe vorausgesetzt wurde und die Verlängerung zu „ss“ führte, etwa „Schloß“, „Faß“, „Haß“, „häßlich“ und „Flußwasser“. Es stand auch innerhalb einer Silbe, wenn nach „ss“ ein „e“ weggefallen war oder wenn es aus „ss“ entstanden war, etwa „er ißt“ von „isset“, „heißt“, „beißt“, „haßt“, „gewußt“ und „ich wußte“.
„ss“ stand zwischen zwei Vokalen, wenn die Aussprache ein doppeltes s verlangte, etwa in „lassen“, „hassen“, „fassen“ und „Gasse“.
Adelung begründete die Unterscheidung mit der Aussprache, etwa bei „Rose“ und „Roß“, „Muse“ und „Muße“, „Maser“, „Maß“ und „Masse“ sowie „weise“ und „weiß“. Er räumte ein, dass die Verteilung der vier damaligen Zeichen „ſ“, „s“, „ß“ und „ſſ“ Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten habe, besonders weil „ß“ am Wortende sowohl scharfes als auch doppeltes s bezeichnen könne. Zugleich erklärte er, es sei kein besserer Ersatz vorgeschlagen worden.
Lernvideos zu Adelungsche s-Schreibung
18:04
s - ss - ß - Aussprache & Rechtschreibung - pronunciation and spelling - B2
LanguageSheep | Learn German Online Course · 71.329 Aufrufe
3:19
s, ss oder ß einfach erklärt - Was ist der Unterschied? Wann benutzt man ss oder ß? Regeln erklärt!
EinfachSchule · 60.225 Aufrufe
3:07
S, ss oder ß? Wann benutzt man was?
schoolseasy · 197.706 Aufrufe
3:03
Die s, ss und ß Regeln mit Übungen & Beispielen! | Deutsch verstehen mit dem Studienkreis
Studienkreis · 14.807 Aufrufe