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5 Tage im Juni
5 Tage im Juni ist ein Roman von Stefan Heym der sich mit dem Aufstand am 17. Juni 1953 in der Deutschen Demokratischen Republik beschäftigt.
Inhalt4 Abschnitte
Roman und historischer Bezug
„5 Tage im Juni“ ist ein Roman von Stefan Heym über den Aufstand am 17. Juni 1953 in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Er erschien erstmals 1974 im westdeutschen Bertelsmann-Verlag; 1989, im „Wende“-Jahr, veröffentlichte ihn in der DDR der Buchverlag Der Morgen.
Das Werk ist ein Zeitroman: Heym rekonstruiert den Arbeiteraufstand mithilfe tatsächlicher Dokumente und Zitate, verbindet diese aber mit einer erfundenen Handlung. Dadurch sollen Widersprüche des sozialistischen Systems der DDR sichtbar werden.
Handlung
Im Mittelpunkt steht Martin Witte, Vorsitzender der Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL) im Volkseigenen Betrieb (VEB) Merkur. Er zweifelt an einer vom Ministerrat beschlossenen Normerhöhung von 10 Prozent. Eine Normerhöhung bedeutet hier, dass Arbeiter mehr Arbeitsleistung erbringen sollen. Der Parteisekretär Banggartz tadelt Witte dafür, während viele Arbeiter die Maßnahme als Ausbeutung ablehnen.
Der Arbeiter Kallmann droht Witte mit Streik. Witte wird wegen seiner Haltung beurlaubt und von der Staatssicherheit verhört, weil er die Betriebsleitung vor einem drohenden Streik warnen wollte. Im Betrieb wächst die Unzufriedenheit; Kallmann wird als parteiloser, daher als neutral geltender Anführer einer Delegation ausgewählt.
Witte versucht, zwischen Arbeitern und Partei zu vermitteln. Er verspricht, im Ministerium die Rücknahme der Normerhöhung zu verlangen, wenn die Arbeiter zunächst weiterarbeiten. Eine Demonstration von Bauarbeitern verstärkt jedoch den Druck auf die Regierung, sodass diese die Normerhöhung zurücknimmt. Die Rücknahme beruhigt die Lage nicht: Die Arbeiter richten ihren Protest nun gegen das gesamte DDR-Regime, legen die Arbeit nieder und ziehen gemeinsam mit Beschäftigten anderer Betriebe auf die Straße. Das russische Militär greift die Demonstranten an und hält sie auf.
Ein Jahr später ist Witte mit Anna verheiratet und hat mit ihr einen Sohn. Der neue Parteisekretär Sonneberg verlangt seine Zustimmung zu einem Parteibeschluss. Um seine Stelle zu behalten und ein Parteiverfahren zu vermeiden, gibt Witte nach.
Aufbau und Erzählweise
Der Roman gliedert sich in „Vorspiel“, „Ereignisse“ und „Nachspiel“. Das Vorspiel umfasst unter anderem die Diskussion Wittes mit Banggartz am 13. Juni um 14 Uhr, den Ministerratsbeschluss vom 28. Mai sowie Kommuniqués vom 9. und 11. Juni. Der Hauptteil spielt vom 13. bis 17. Juni 1953; das Nachspiel zeigt das Gespräch Wittes mit Sonneberg genau ein Jahr nach dem Aufstand.
Die Handlung folgt chronologisch. Segmente tragen jeweils Datum und Uhrzeit und wirken deshalb wie Stundenprotokolle. Dazwischen stehen politische Dokumente, Beschlüsse, Radioausschnitte und Zeitungsartikel. Dem Roman liegt eine dreitausendseitige Materialsammlung zugrunde. Er ähnelt einem Tatsachenroman, also einem Roman, der reale Ereignisse als Grundlage nutzt, bleibt aber durch die erfundene Geschichte um Witte und den VEB Merkur fiktional.
Ein auktorialer Erzähler schildert das Geschehen als allwissender Außenstehender und kann Gedanken und Gefühle der Figuren darstellen. Bei Gudrun Kasischke, genannt Goodie Cass, verändert sich der Stil: Ihre inneren Monologe stehen als Fließtext ohne Punkt und Komma und sollen ihren schnellen Gedankenfluss zeigen.
Veröffentlichung und Wirkung
Ein früheres Manuskript mit dem Arbeitstitel „Der Tag X“ wurde von allen DDR-Verlagen abgelehnt. Die später veröffentlichte Fassung kritisiert die Widersprüche im DDR-System. Der Roman durfte zunächst nicht in der DDR erscheinen; dieses Verbot und die große Nachfrage erhöhten das Medieninteresse. 1975 erschien wegen der als überteuert empfundenen Hardcover-Ausgabe und der Nachfrage eine Raubkopie.
Die Veröffentlichung in der DDR war für Heym wiederholt mit Auseinandersetzungen um Zensur, Vertragslizenzen und Visa für Vortragsreisen verbunden. Auch „Schwarzenberg“ und „Colin“ wurden DDR-Lesern zunächst vorenthalten. Der Abstand von 15 Jahren zwischen der Veröffentlichung in der BRD und in der DDR gilt als bedeutsam für die Geschichte des geteilten Deutschlands. Bereits 1976/77 wurde der Roman ins Englische übersetzt und veröffentlicht, bevor er in Ostdeutschland erscheinen durfte.