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Das Märchen vom Wirtschaftswunder - Marshall-Plan | D-Mark | Marktwirtschaft | Ludwig Erhard | 2008

HomosapienFloraFauna43:32 142.297 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 269 Zeilen
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  1. [Musik] Mit diesen Bildern bin ich groß geworden. Deutschland im Wirtschaftswunder.
  2. Voller Stolz wurde in meiner Familie immer erzählt, wie das damals war, als wir Deutschen die Ärmel hochkrelten und uns mit harter Arbeit aus den Trümmern
  3. des verlorenen Krieges befreiten. Schon bald liefen die Fabriken wieder auf Hochtouren und es ging allen immer besser. Jetzt gönnten wir es uns, den
  4. Lohn unserer Arbeit zu genießen. [Applaus] [Musik]
  5. Heute 60 Jahre später, die Finanzkrise erschüttert Europa. Deutschland zwingt anderen Ländern einen harten Sparkurs auf und erteilt ihnen
  6. Ratschläge. Wenn ihr so fleißig seid wie wir nach dem Krieg, dann werdet auch ihr einen Wirtschaftswunder erleben.
  7. Das wirkt arrogant und selbstgerecht. Woher nehmen wir eigentlich die Sicherheit, den anderen Vorschriften zu machen? Stimmt unsere Version des
  8. Wirtschaftswunders denn überhaupt? Was wäre, wenn es auch eine ganz andere Sicht der Dinge gäbe?
  9. Ich [Musik] beschließe, die so oft gehörte Geschichte des Wirtschaftswunders zu
  10. überprüfen. Meine Recherche beginnt in Berlin. Als erstes will ich herausfinden, welche Rolle der sprichwörtliche Fleiß der Deutschen
  11. spielte. Im Bundeswirtschaftsministerium bin ich mit Professor Werner Abelshauser verabredet. Er ist der bekannteste
  12. deutsche Wirtschaftshistoriker und forscht im Auftrag der Bundesregierung. Niemand hat sich so lange mit dem Wirtschaftswunder beschäftigt wie er.
  13. Waren die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg wirklich fleißiger als andere? Fleiß ist eine Eigenschaft, die zumindest in Europa, aber auch sonst in
  14. der Welt ziemlich gleichmäßig verteilt ist. Die Deutschen waren natürlich fleißig, sie waren motiviert, aber entscheidend war etwas anderes. Von
  15. daher ist das eine äh ja, eine Stammtischdimension, sonst nichts. [Musik]
  16. Die Zahlen sind eindeutig. Vergleicht man die Jahresarbeitszeiten europäischer Länder, dann haben wir Deutschen nach dem Krieg nicht mehr gearbeitet als
  17. andere. Und noch etwas überrascht, wir sind gar nicht das einzige Land gewesen, das ein Wirtschaftswunder erlebte. Im Gegenteil, überall in Europa gab es
  18. Rekordwachstum. Trotzdem halten wir uns für fleißiger. Diese falschen Auffassungen über die Ursache des Wirtschaftswundes sind sehr
  19. sehr problematisch und zeigt, dass es vielleicht doch besser wäre allmählich die Ergebnisse der Wirtschaftshistorischen Forschung auf
  20. diesem Gebiet zur Kenntnis zu nehmen. Kaum zu glauben, aber offenbar ist der Forschung längst bekannt, dass der Fleiß der Deutschen für das Wirtschaftswunder
  21. keine wesentliche Rolle gespielt hat. Was mir immer erzählt wurde, stimmt also nicht. Wie ist das aber dann mit den anderen Wahrheiten? Das zweite, was ich
  22. als Kind lernte, war, dass Deutschland nach dem Krieg komplett in Trümmern lag. Frühjahr 1945. Der Krieg war zu Ende. Ganz Deutschland
  23. war ein Trümmerfeld. Das Erbe der Hitlerzeit hieß totale Zerstörung. Wie das Land, so waren auch Wirtschaft, Industrie und Verkehr verwüstet. Überall
  24. zerstörte Transportanlagen, zerfetzte Geleise. Nur Stück für Stück konnte das ungeheure Chaos entwirft, der gewaltige Aufbau begonnen werden.
  25. In Wiesbaden treffe ich Peter Sichel, der 1945 das Ausmaß der Zerstörungen in Deutschland untersucht hat. Sichel war damals Offizier des
  26. amerikanischen Geheimdienstes, der nach dem Krieg im Gebäude der Sektkellerei Henkel Quartier bezogen hatte.
  27. Die Luftwaffe wollte herausfinden, wie sehr die Bombardierung Deutschlands die Industrieproduktion beeinträchtigt hatte. Also fertigte man eine Analyse
  28. der Bombenschäden an. Hierfür wurden die Hauptzielorte der Bombardements in den Städten und Industrieregionen besucht und die Zerstörungen statistisch
  29. erfasst. Auf diese Weise fand man heraus, dass die deutsche Kriegsproduktion nicht maßgeblich beeinträchtigt war und die
  30. Schäden schnell repariert werden konnten, sodass die Produktion unverzüglich wieder aufgenommen werden konnte.
  31. Das Bombardement war eher kontraproduktiv. [Musik]
  32. Ernüchtert stellten die Amerikaner damals fest, dass viele ihre Angriffe das Ziel verfehlt hatten, weil die Nationalsozialisten Fabriken in Gebiete
  33. verlagert hatten, die außerhalb der Reichweite der Alliierten Bomber lagen. Zudem waren ganze Rüstungswerke unter Tage verlegt worden.
  34. [Musik] Das Ergebnis war, dass all diese Bombardements nicht den vermuteten
  35. Schaden angerichtet haben. Deutschland war durch den Bombenkrieg keineswegs flächendeckend so verwüstet,
  36. wie immer behauptet. Wieso hat sich dann aber das Bild eines restlos zerbombten Landes so lange in den Köpfen gehalten?
  37. Flughafen Brüssel. Hier bin ich mit Professor Albrecht Ritchel verabredet. Er lehrt an der renommierten London School of Economics und hat die
  38. Ausgangssituation der deutschen Industrie nach dem Krieg präzise erforscht. Seine These: Es existiert immer noch ein völlig falsches Bild von
  39. der Nachkriegszeit. Es gibt ja so die Vorstellung, ich kenne das von meinen Studenten. Ähm im Jahr 1945 war Deutschland flach. Man konnte
  40. gewissermaßen von Göln äh bis über das Berliner Brandenburger Tor einfach durchschauen, weil kein Stein mehr auf dem anderen gestanden hätte. Das stimmt
  41. für einige Innenstädte, da waren die Zerstörungen wirklich gewaltig, aber schon, wenn man an den Stadtrand geht oder wenn man in die Kleinstädte geht,
  42. ist es eben oft gar nicht mehr so. Und wenn man es zusammenzählt für die gesamte Volkswirtschaft, war eben doch ein ganz erstaunlicher Teil des
  43. Produktionsapparates noch vorhanden. Es musste also nicht von null aufgebaut werden. [Musik]
  44. Doch die Bilder von den unfassbaren Zerstörungen der Innenstädte brannten sich ins Bewusstsein der Deutschen ein. Sie wurden noch verstärkt durch die
  45. Aufnahmen der Wochenschauen, die damals viele Menschen in den Kinos sahen. Immer zeigten sie Trümmer. und Ruinen. Natürlich sind diese Zerstörungsbilder
  46. immer nur ein Ausschnitt. Hätte man die den Fotorabapparat damals um 180° gedreht, hätte man intakte Vorstätte gesehen. Man hätte oft erstaunlich
  47. intakte Industrieanlagen gesehen. Wir wissen heutzutage, dass trotz aller Zerstörungen der Anlagepark der deutschen Industrie nach dem zweiten
  48. Weltkrieg größer war als vorher. Was hatte zu tun mit den immensen Investitionen während der Kriegszeit? Die Voraussetzungen waren durchaus gut.
  49. Das war aber dem Zeitgenossen nicht klar. Dass man aus diesem Schlamassel wieder herauskommen würde, muss als Wunder erschienen sein.
  50. Was mir meine Eltern immer erzählt hatten, war also nur die halbe Wahrheit. Weder lag Deutschland nach dem Krieg komplett in Trümmern, noch war es allein
  51. der deutsche Fleiß, der aus diesen Trümmern wiederblühende Landschaften machte. Wenn aber schon das nicht stimmt, was
  52. ist dann noch alles falsch an der Geschichte von unserem Wirtschaftswunder?
  53. Mein Wirtschaftswunder begann mit meiner Geburt. Ich wuchs im Wohlstand auf. Wir hatten alles, was wir brauchten. Ein Haus, zwei Autos und jedes Jahr Zeit für
  54. eine große Reise. Es ging immer Berg auf. Warum das so war, wussten meine Eltern ganz genau.
  55. Das haben wir der Demark zu verdanken. Mit ihr begann das Wirtschaftswunder und Ludwig Erhard hat sie eingeführt. So wurde dieser Herr Erhard auch für
  56. mich zu dem, der er für meine Eltern längst war, der Garant unseres Wohlstands, der Vater der deutschen Mark.
  57. Doch stimmt das eigentlich? kam der Wohlstand tatsächlich mit der DMark und war Ludwig Erhard dafür verantwortlich.
  58. Um das herauszufinden, fahre ich auf ein abgelegenes Kasernengelände in der Hessischen Provinz. Hier soll die Geburtsstätte der Demark liegen. Ich
  59. treffe Bernt Niesel. Er leitet das Museum der Währungsreform, das heute an dieser Stelle steht. Das ist das Haus, in welchem das
  60. Konklave stattfand, wie das Vorhaben Währungsreform genannt wurde. Ich erfahre, dass die amerikanische Militärregierung im sogenannten Konklave
  61. von Rotwesten 1948 die führenden deutschen Währungsexperten zusammenzog. Der Begriff Konklave ist deswegen gewählt worden, weil es eine
  62. ähnliche Situation dem Konklave in Rom einer Papstwahl war. Die Finanzfachleute waren für die Zeit der Arbeit hier völlig von der Außenwelt abgeschottet.
  63. Das Gebäude war separiert, indem man einen zusätzlichen Zaun um das Gebäude machte. Und während der sieben Wochen, die sie hier waren, durfte keiner dieses
  64. Areal verlassen, um die Geheimhaltung sicherzustellen. Die deutsche Öffentlichkeit sollte nicht zu früh von einer bevorstehenden
  65. Währungsreform erfahren. Zugleich sollten die hier versammelten deutschen Währungsexperten glauben, selbst wichtige Entscheidungen zu
  66. treffen. Die Wahrheit war anders. Die deutschen Vorschläge wurden komplett ignoriert. Alle Vorgaben standen längst fest.
  67. Die Amerikaner haben bestimmt und das führt letztendlich dazu, dass die Deutschen sagen, wenn die Währungsreform nicht klappt, alle ihr seid ihr Schuld.
  68. Ihr habt's ja nicht so gemacht, wie wir wollten. Die neue Währung und ihr neuer Kurswert waren längst beschlossene Sache.
  69. In einer Geheimaktion hatten die Amerikaner bereits neue Geldscheine gedruckt und sie nach Deutschland verschifft.
  70. In Bremerhafen wurde das Geld in Holzkisten verpackt, die die Aufschrift Doorknop, also Türknaufe hatten, von Schiff auf Eisenbahn umgeladen und in
  71. Frankfurt in Bunkeranlagen, die nicht mehr gebraucht wurden, eingelagert. Es waren insgesamt 23 000 Holzkisten, Türknaufe.
  72. Tatsächlich war es Geld. Ein deutscher Währungsexperte saß in Ruthwesten nicht einmal mit am Tisch.
  73. Während des Konklaves war Ludwig Erhard überhaupt nicht hier. Er hat wahrscheinlich die Währungsreform wie erlebt, wie die Bevölkerung auch, als am
  74. 18. Juni die Aufgabe der Demark angekündigt wurde. Doch Ludwig Ehrart nutzte die Gunst der Stunde und wandte sich in eine
  75. Radioansprache als erster an das deutsche Volk. Die Währungsreform wird uns alle in der Überzeugung festigen, dass ein fleißiges
  76. Volk in harter Arbeit trotz aller Witrigkeit zufrieden gesunden und auch wieder zu neuer Wohlfahrt kommen kann.
  77. Fleißiges Volk und harte Arbeit. Als sich am Tag nach der Währungsreform die Schaufenster wieder mit Waren füllten, erlebten die Deutschen das als ihr
  78. Wunder. Doch sie jubelten dem Falschen zu. [Musik] Ludwig Erhard strickte weiter an seiner
  79. Legende. Er habe gegen die Anweisung der amerikanischen Militärregierung durchgesetzt, verkündet er stolz, als er die Preisbindungen aufheben ließ.
  80. Darüber konnten die Amerikaner nur staunen. Erhard hätte dies ohne die Zustimmung der Alliierten nicht tun können, denn
  81. Ludwig Erhard stand unter Aufsicht der ökonomischen Abteilung des Alliierten Hauptquartiers auf. Gegen den Willen der Amerikaner hätte
  82. Erhard also gar nichts durchsetzen können. Seine Rolle bei der Währungsreform war allenfalls zweitrangig.
  83. Aber wie bedeutend war die Währungsreform für das Wirtschaftswunder?
  84. Erst nach der Währungsreform begannen die Menschen wieder zu arbeiten und kam die Industrie wieder auf die Beine.
  85. [Musik] Bis dahin gab es keinen Grund für die Menschen hart zu arbeiten, weil es keine harte Währung gab, mit der sie etwas
  86. hätten kaufen können. Und die Währungsreform war sehr schnell sehr erfolgreich. Ohne sie hätten wir keinen Wirtschaftswunder gehabt.
  87. Langsam wird mir klar, dass es die Amerikaner waren, die nach dem Krieg die wirtschaftlichen Weichen in Westdeutschland stellten.
  88. Der Währungsreform ließen sie bald ein groß angekündigtes Hilfsprogramm folgen, das allen Deutschen eine bessere Zukunft versprach. Der Marshallplan.
  89. [Musik] Das ist die Ruhe. Das ist eine Kohlengrube und das bin ich.
  90. Name: Hans Fischer. Für mich bedeutet Amerikas Hilfe genug Stahl für die Friedensindustrie, genug Maschinen, um die Sachen
  91. herzustellen, die uns fehlen. Ja und genug Brot und Butter und was wir sonst zum Leben brauchen. [Musik]
  92. Und es wird sich für Europa, für Deutschland, für mich bezahlt machen. [Musik]
  93. Auch in meiner Familie wurde der Marshallplan als ein Segen empfunden. Maschinen seien damals ins Land gekommen, ganze Fabriken wurden wieder
  94. aufgebaut. Warum aber waren die Amerikaner so großzügig?
  95. Die Überlegung war ganz einfach. Wenn wir den westeuropäischen Ländern nicht geholfen hätten, ihre Industrie und Wirtschaft wieder in Gang zu bringen,
  96. dann wären sie alle Kommunisten geworden. Es war eine politische Entscheidung, nicht weil die Bevölkerung uns leid tat,
  97. sondern weil wir begriffen, dass nur der ökonomische Erfolg Europa davon abhalten konnte, kommunistisch zu werden. [Musik]
  98. Der Marshallplan entsprang also ganz dem Denken des kalten Kriegs. Das Versprechen auf Wohlstand sollte die Europäer gegen die Verheißungen des
  99. Kommunismus immunisieren. Deshalb begleiteten die Amerikaner den Marshallplan von Beginn an mit einer großen Propagandaoffensive.
  100. Spektakuläre Konsumausstellungen sollten das Hilfsprogramm populär machen. Es gab in den Verdrehen mit den Teilnehmerstaaten eine Klausel, die die
  101. verpflichtet haben, ein Teil des Geldes für Propagandazwecke einzusetzen. Das heißt, es wurde permanent behauptet, dass Millionen Dollars nach Deutschland
  102. geflossen sein zu einem Zeitpunkt, wo dies weder in Form von Dollar noch in Form von Waren überhaupt der Fall war. Die Propaganda inszenierte Amerikas
  103. Hilfe als großherzigen Akt, aber es gab auch einen ganz praktischen Grund. Man konnte Rohstoffe in Westeuropa absetzen, die man im eigenen Land in Hülle und
  104. Fülle produzierte. Vor allem Deutschland war als Absatzmarkt gefragt. Was die Deutschen bekommen haben über den Marshallplan waren sogenannte
  105. industrielle Rohstoffe und das waren zu fast 100% Baumwolle, Rohbaumwolle und Tabak und darüber hinaus so wieder Aufbaugüter Maschinen oder sonst etwas,
  106. was man damit vielleicht verbindet, gab es aus dem Marshallplan nicht. Er war auf dem rein wirtschaftlichen Gebet für Deutschland nicht wichtig.
  107. Eine ungeheure Vorstellung. Der legendäre Marshallplan war für das Wirtschaftswunder unbedeutend. Selbst in der Schule hat man uns also
  108. noch Legenden beigebracht. Was war es aber dann, das den ungeheuren Boom der deutschen Wirtschaft nach dem Krieg auslöste?
  109. Meine Recherche führt mich an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze bei Hof. Hier treffe ich den 90-jährigen Edgar Friedrich. Er hat in der
  110. Nachkriegszeit miterlebt, womit das Wirtschaftswunder im Westen tatsächlich begann. Als 22-jähriger kam ich zurück vom Krieg
  111. zurück zu meinen Eltern und da waren gerade an demselben Tag waren die Leute von der Aurunion da von Kemnitz von der Hauptverwaltung und die sagten zu mir ja
  112. Friedrich ist gut, dass sie kommen. Sie sind Infanterist gewesen und haben Erfahrung hier in im Wald und auf der Heide und sie können man gebrauchen. Sie
  113. können eigentlich die Leute rüberholen, denn die Russen haben nun in der Sicht von den Wergen schon 35 bis 40 Leute rausgeholt und verschleppt. Und es muss
  114. auf jeden Fall vermieden werden, dass wir noch weitere Leute verlieren. Wir müssen die hier nach Bayern rüber bringen und da brauchen wir einen
  115. Schläusser, der nur die Leute rüber bringt. Von nun an führte Edgar Friedrich, zwei Jahre lang im Schutz der Dunkelheit, gut
  116. ausgebildete Ingenieure aus dem Osten in den Westen. Ein gefährliches Unterfangen. Die Russen waren als Wachen an der
  117. Grenze. Wenn sich irgendwas kriert hat, haben die gleich geschlossen. Die haben nun indem sich die Leute durch den Wald durchgehen lassen und haben sie dann
  118. erschossen oder haben sie nun der sie verschleppt. war schon ganz schlimm, wie das also nun nach dem Krieg, obwohl der Krieg vorbei war, also noch weiterging
  119. mit diesen sag schlimmen Daten. Nicht alle schafften es also in den Westen, aber jene, die dort ankamen, wurden bereits erwartet, denn oft hatten
  120. sie wertvolle Konstruktionspläne von Maschinen und Anlagen im Gepäck. Es waren ja wichtige Leute, die wir rüber haben. Wir haben nun in denen sich
  121. dann immer geschaut, dass die dann ja natürlich dann hier mit den Plänen nach Ingelstadt sind und die haben mir dann den Aufbau durchgeführt in Ingelstadt.
  122. Die Flüchtlinge gründeten in Ingolstadt ein neues Autower. Aus ihm erwuchs in den Folgejahren der Automobilkonzern Audi. Und Audi war kein Einzelfall. Auch
  123. Siemens und andere Unternehmen flüchteten in den Westen. Während die ostdeutsche Wirtschaft auf diese Weise schleichend ausblutete, gewann der
  124. Westen durch Flüchtlinge und Vertriebene wertvolle Arbeitskräfte und technisches Wissen. dieser dieser Braintrain, also dieser Zug nach nach Westen vom Osten,
  125. äh der war natürlich viel wichtiger als der Marshallplan äh oder die Währungsreform oder die soziale Marktwirtschaft, sondern da ging es um
  126. handfeste Einflüsse, die hier in Westdeutschland ganz konkret genutzt werden konnte, ohne dass man dafür investieren muss.
  127. Mit dem Flüchtlingsstrom aus dem Osten stiegen im Westen von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, die Chancen auf ein Wirtschaftswunder.
  128. Doch wann genau setzte dieses Wunder ein? Ich besorge mir die Wachstumszahlen der westdeutschen Wirtschaft. Etwas springt dabei sofort ins Auge. Im
  129. Jahr 1950 explodierte der Export förmlich. Damals erlebte die Bundesrepublik ihren ökonomischen Urknall. Erstmals überstieg die Waren
  130. Ausfuhr, die Einfuhr. Deutschland wurde zum Exportland. Der Grund: Krieg in Korea. Der Hafen von Pusan ist die Lebensader,
  131. durch die immer neue Truppen und neues Material für die Streitmacht der UN an die Front fließen. Mehr Panzer, mehr Geschütze. Das bedeutet größere
  132. Unterstützung der in schwierigem Gelände kämpfenden Infantrieg. Der Koreakrieg hatte dazu beigetragen, dass die deutsche Produktion wieder auf
  133. dem Weltmarkt heiß begehrt war. Was man nachfragte, waren selbstverständlich Maschinen äh Ausrüstungen, mit denen man rüsten
  134. konnte und die einzigen, die da noch freie Kapazitäten hatten, weil man es ihnen verboten hat. Bis dahin, waren die Deutschen. Man hatte vor allem genau das
  135. Angebot, was nachgefragt wurde. Das heißt, der Koreakrieg hat Östdeutschland die Rückkehr zum Weltmarkt ermöglicht. [Musik]
  136. So zynisch es klingt, der Krieg in Korea erwies sich als Glücksfall für die Wirtschaft der Bundesrepublik. Der Export von Stahl und Maschinen zum Bau
  137. von Waffen, Panzern und Bomben schoss in astronomische Höhen. Ich fahre nach Wolfsburg. Hier sitzt jenes Unternehmen, das wie kein zweites
  138. für den Begriff Wirtschaftswunder steht. Volkswagen. Ich will herausfinden, warum gerade die deutsche Autoindustrie zum Motor des
  139. Wirtschaftsaufstiegs wurde. Ich treffe den ehemaligen Vorstandschef von VW Karl Hahn. Er erklärt mir, dass die deutsche Autoindustrie ihr Erfolgsrezept aus
  140. Amerika kopierte. Amerika in den Stückzahlen schon auf einem sehr, sehr hohen Niveau, war ja eine hochmotorisierte
  141. Nation. Man war ja mit anderen Worten erfahren in der Massenproduktion, von der hatten wir keine Ahnung und dementsprechend äh lernten wir sehr viel
  142. auch durch Rückkehrende Deutsch-Amerikaner und wir wurden damit auch zum Pionier der Automatisierung in Europa und hatten damit einen
  143. Konkurrenzvorsprung, der fabelhaft war. Die ersten deutschen Autofabriken Ford, Opel, aber auch das VW-werk waren
  144. vollständig mit amerikanischen Maschinen ausgerüstet. Die gesamte Technologie der Fließbandfertigung war keine deutsche Sache, sondern eine amerikanische Sache.
  145. Volkswagen baute sein Werk zu einer der größten Fließbandfabriken der Welt aus. Dies ermöglichte dem Unternehmen Jahre ungeahnten Wachstums.
  146. Ich treffe Odert von Rutenberg. Er erlebte damals in Wolfsburg bei Volkswagen sein ganz persönliches Wirtschaftswunder.
  147. Als junger Ingenieur war mein Gehalt 690 Dmark und als ich hier anfing in der 1. Januarwoche 1956 bekam ich einen Bescheid, dass mein
  148. Gehalt schon um 30 Dmark gestiegen war. Da hatte ich noch keine Stunde hier gearbeitet. Äh das war also so ein ein Indikator
  149. dafür. Äh, es ging aufwärts, aber ich fand das ganz toll. Dachte, warum warum bezahlen dir jetzt schon mehr? Du hast do noch gar nichts getan.
  150. [Musik] Bei Volkswagen setzte man konsequent darauf nur ein Auto zu produzieren, den Käfer. Damit ließen sich die
  151. Herstellungskosten auf ein Minimum senken und man konnte den Wagen billig anbieten. Schon bald lief die Produktion des Käfers auf Hochtouren. Ein
  152. Produktionsrekord jagte den anderen. Die Fertigstellung des 20000 Wagens 50 000 Volkswagen. Fertigstellung des 100tausend Wagens
  153. nach dem Kriege. Eine halbe Million Volkswagen. Wir waren stolz. Jetzt gab's schon wieder einen neuen Verkaufsrekord. Wie
  154. toll, wir haben uns darüber gefreut, aber so ernsthaft äh daran zu denken, dass das vielleicht gar mal aufhören könnte, das kam uns nicht in den Sinn.
  155. Doch warum war ausgerechnet der VWKäfer so erfolgreich? Ich fahre nach Bocho. An der Ruhuniversität bin ich mit dem Wirtschaftshistoriker Lutz Budras
  156. verabredet, der den Aufstieg deutscher Konzerne im Wirtschaftswunder erforscht hat. Wie erklärt er sich den einzigartigen Triumphzug von Volkswagen
  157. nach dem Krieg? Der VW Käfer ist kein gutes Auto im Vergleich zu anderen zu zur Automobiltechnik in anderen Ländern, also vor allen Dingen in den Vereinigten
  158. Staaten oder in Großbritannien ist der VW-Käfer na ja mittelmaß schon von der Auslegung her. Also es ist ein auf einen möglichst geringen Preis hin
  159. zugeschnittenes Auto und dieses Auto kann eigentlich nur deswegen in Massen abgesetzt werden, weil es so billig ist. Der VW Käfer ist im Grunde noch ein
  160. Produkt des Zweiten Weltkriegs. Er entsprang ganz dem Denken deutscher Rüstungsingenieure in der NSD. Nicht das beste Produkt war damals
  161. gefragt, sondern das billigste, denn nur so konnte der Nachschub für Hitlers Eroberungskriege sichergestellt werden. Am Anfang des Krieges ist es so, dass
  162. die deutschen Rüstungsprodukte so gut sind, dass es eigentlich Verschwendung ist, sie so gut herzustellen. Also Flugzeuge oder Panzer werden davor
  163. ausgelegt, dass sie 100 Stunden funktionieren und sie sind nach drei oder vier Stunden abgeschossen. Deswegen lernt die deutsche Industrie in Maßen
  164. schlecht zu werden. Also, das heißt, man versucht die Lebensdauer der Produkte zu senken, weil jeder Aufwand, der zusätzlich in so ein Produkt
  165. hineingesteckt wird, ist Verschwendung. Und das ist natürlich auch eine äh eine gewisse Fähigkeit, die man erst erlernen muss, dass man halt die Lebensdauer von
  166. Produkten senkt. Mindere Qualität zu unschlagbaren Preisen. Das war ein Erfolgsrezept der deutschen Industrie im Krieg und blieb
  167. es in weiten Teilen auch nach 1945. Nicht mit Spitzentechnologie eroberte man den Weltmarkt, sondern mit erschwinglicher Massenware.
  168. Auch Volkswagen wäre nie so groß geworden, wie der Konzern heute ist, hätte man nicht frühzeitig auf den Massenmarkt gesetzt. Der damalige
  169. Unternehmenschef Heinrich Nordhoff verfolgte von Beginn an nur ein Ziel. VW sollte Weltmarktführer werden. Nordhof war zweifellos der Chef und der
  170. Herr, ich weiß noch, als er in Bonn seinen Plan vorlegte, auf eine Produktion von 1000 pro Tag zu gehen, das war unter dem damaligen Denken
  171. Deutschlands äh Hochstabelei. Ganz einfach. Auf jeden Fall war er der Mann, der verantwortlich ist äh für den Erfolg von VB.
  172. Heinrich Nordhoff verkörperte wie kein zweiter den Typus des Wirtschaftswunderkapitäns.
  173. Manager wie er hatten ihre Karrieren in der NSDktatur begonnen und konnten diese nach dem Krieg nahtlos fortsetzen. Viele von ihnen waren noch sehr jung,
  174. als sie die Rüstungsproduktion unter Minister Albert Speer in unfassbare Höhen trieben. Deshalb nannte man sie scherzhaft auch Speers Kindergarten.
  175. Mich interessiert, welche Erfahrungen diese Manager im totalen Rüstungskrieg der Nazis gemacht haben. Es ist tatsächlich so, dass sie diese
  176. Männer aus Sper Kindergarten Erfahrung damit hatten, beispielsweise, dass sie befehlen können, dass 2000 russische Zwangsarbeiter vor ihrer Tür zu stehen
  177. haben und dann stehen die dann am nächsten Tag vor der Tür und sie können diesen russischen Zwangsarbeitern befehlen, dass sie 72 Stunden in der
  178. Woche arbeiten müssen. Das geht einfach, weil eben die das nationalsozialistische Arbeitsrecht das so vorsieht. Sie haben schon eine ja eine Erfahrung mit
  179. Machtausübung oder mit unendlicher Machtausübung äh die sie aus dem Krieg mitbringen. Jetzt ich beginne zu begreifen, dass die
  180. Arbeitsorganisation nach dem Führerprinzip sich aus Sicht dieser Manager auch bestens für das Wirtschaftswunder eignete.
  181. Vor 1945 kommandierten sie Zwangsarbeiter, jetzt riesige Belegschaften williger Fachkräfte.
  182. Der große Vorteil ist, dass man einen deutschen Ingenieur im Jahre 1947 für viel viel viel weniger Geld bekam als an seinen seinen britischen
  183. Kollegen. Also wir müssen uns ja das so vorstellen. Es gibt in Deutschland eine Rüstungsproduktion, die umfasst ähm auf dem Höhepunkt vielleicht 3 Millionen
  184. Leute. Also 3 Millionen Leute arbeiten in der Rüstungsproduktion mit einem entsprechenden Anteil von Ingenieuren. Diese Rüstungsproduktion wird von einem
  185. Tag auf den anderen lah gelegt und diese Ingenieure müssen sich neue Stellen suchen und deswegen konnte man ein hochqualifizierten Ingenieur in
  186. Deutschland Ende der 40er Jahre für vergleichsweise wenig Geld bekommen. Die Nachkriegszeit in Deutschland schuf ein wahres Schlaraffenland für
  187. Unternehmer. Hochqualifizierte Arbeitskräfte zu niedrigen Lohnkosten. Das kann man als späte Früchte von Diktatur und Krieg ansehen.
  188. Die Deutschen sind arm. Sie arbeiten für alles, für jeden, der ihnen ein einigermaßen gutes Auskommen verschafft. Und in diesen Amenhäusern hat natürlich
  189. ein Unternehmer die Chance, eine grenzenlos unterwürfige, aber gleichzeitig auch hoch hochqualifizierte Arbeiterschaft zu finden.
  190. Es war also die besondere Kombination aus machtbewussten Managern und untertäigen Belegschaften, die deutsche Unternehmen nach dem Krieg groß machte.
  191. So auch bei Volkswagen in Wolfsburg. Hier war Heinrich Nordhoff der unumschränkte Herrscher, dem die Belegschaft ergeben folgte.
  192. Für ein Foto, das zeigen sollte, wie er über allen schwebte, ließ er sämtliche VW-Arbeiter auf dem Werkhof antreten. [Musik]
  193. Als Nordhoorf starb, ging aus Sicht der VW Belegschaft ein Heilsbringer. In Wolfsburg brach eine Welt zusammen.
  194. Also, es war ersten vergleichbar mit äh dem Staatsbegräbnis für einen Monarchen. Es gab wohl kaum
  195. jemanden, der nicht berührt warf und der nicht auch spürte, äh, dass mit dem Tod Nordfs eine Era zu Ende ging. So war es wohl
  196. auch inszeniert. Hat sich mir sehr eingeprägt. [Musik]
  197. Die Bilder der Beerdigung zeigen, wie sehr die Deutschen ihre Wirtschaftswunderkapitäne verehrten.
  198. Aber waren sie denn tatsächlich auch große Unternehmer? Das Wirtschaftswunder hat Bedingungen geschaffen, die eigentlich Unternehmer
  199. überflüssig gemacht haben. Unternehmer sind ja Menschen, die die das Talent haben, die Fähigkeit haben und der Unsicherheit die richtigen
  200. Entscheidungen zu treffen. Das ist ein großes Talent, sehr sehr selten. Äh, aber gerade in der in der Wirtschaftswunderzeit
  201. waren ja die Märkte nicht unsicher, sondern es war die Richtung der Märkte war klar. Es ging immer aufwärts. Man musste also nicht komplizierte
  202. unternehmerische Entscheidungen treffen, sondern man musste die Wirtschaft oder das Unternehmen so organisieren, dass man mit diesem Wachstumstempo Schritt
  203. halten konnte. Und das äh das konnten die wirklich gut. [Musik] Das heißt, bald schon lief das
  204. Wirtschaftswunder wie von selbst. Die deutsche Industrie erzielte zweistellige Wachstumsraten. Die Unternehmen fuhren riesige Gewinne
  205. ein, von denen sie neue Anlagen kauften, mit denen sie ihre Produktion abermals ausweiteten. Das Wirtschaftswunder beschleunigte
  206. sich. So begann Mitte der 50er Jahre Deutschlands Aufstieg zum
  207. Exportweltmeister. Er bestimmte die Schlagzeilen. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Weltmeister, wir sind wieder
  208. Exportweltmeisterische Autoritäte kletterten die Ausführung fast 8% auf erwarten, dass Deutschland 2006 den Titel des Exportweltmeisters
  209. behalten wird. [Musik] Doch standen wirklich alle Deutschen auf der Gewinnerseite des
  210. Wirtschaftswunders, wie es mir immer erzählt wurde? Ich will herausfinden, was eigentlich nach dem Krieg mit jenen Unternehmen geschah, die die Nazis
  211. jüdischen Besitzern geraubt hatten. In seinem Thüringerbetrieb treffe ich Turpin Rosental. Er ist der Enkel des bekannten Porzellanfabrikanten Philip
  212. Rosental, der einst in Oberfranken die weltberühmte Marke Rosental erschuf. Als das Unternehmen gegründet wurde, wie jedes Unternehmen war es klitze klein.
  213. Die haben zu zweit angefangen und alle deutschen Unternehmen, die groß geworden sind, haben exportiert und Rosental war vor allem in Amerika und Kanada und
  214. Australien und solchen Ländern außerhalb Deutschlands groß, aber war auch in Deutschland die größte Marke und ich nehme an schon in den 30ern.
  215. 1935 wurde die Rosentalag AG arisiert. Als Jude durfte Philip Rosental im Dritten Reich kein Unternehmen mehr besitzen. Seine Familie floh ins
  216. Ausland. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die Rosentals, das Familienunternehmen zurückzuerhalten. Vier Jahre kämpften sie darum. Am Ende
  217. stand aus Erinnerung Rosentals ein ernüchterndes Ergebnis. Was mir bekannt ist, ist, dass äh meines Vaters Familie 11% von den Anteilen
  218. zurückbekommen hat. Wie die auf 11% gekommen sind, weiß ich nicht. Warum er nicht 100% zurückbekommen hat, das ist ja auch sicherlich Teil ihrer
  219. Recherchen. Ich fahre nach München zum Institut für Zeitgeschichte. Hier liegen die Akten,
  220. die sich mit der Rückgabe jüdischer Unternehmen nach dem Krieg befassen. Der Historiker Jürgen Lillteicher hat sie erforscht. Dabei ist er auch auf den
  221. Fall der Rosentalag gestoßen. Also die Rückerstattung des Betriebs war eine komplizierte Angelegenheit. Die Ariseure waren sich schon bewusst, dass
  222. sie in Steckerposition sind. Wir können uns in Ruhe zurücklehnen. Wir haben alle Zeit der Welt. Ähm wir versuchen verschiedenen Argumentationen eben zu
  223. widerlegen. Waren die überhaupt verfolgt? War die Ehefrau äh Philips Rosentals sogenannt kollektiv verfolgt? Sie war ja gar keine Jüdin. Ähm hatte
  224. für Librosental Senior nicht irgendeine Nähe zum Nationalsozialismus. ähm im Grunde genommen ist Ausweichstrategie zu fahren, obwohl wenn
  225. man das Gesetz anguckt, die Eigentumsübertragung hat unter Gewalt stattgefunden. Ganz klare Sache. Nach dem Krieg saßen im Vorstand der
  226. Rosentalag AG weiterhin jene Männer, die das Unternehmen mit Hilfe der Nazis übernommen hatten. Den Akten zufolge setzten sie alles daran, eine Rückgabe
  227. des Betriebs zu verhindern. Offenbar verfügten sie hierfür über beste Beziehungen. Natürlich hatten diese Unternehmer äh
  228. Verbindung in die Politik ähm zur Verwaltung und ähnliches und haben das natürlich genutzt äh um ihre Position zu festigen und dann beginnen die Arsure im
  229. Grundommen sich ans Wirtschaftsministerium zu wenden, an das Justizministerium bis hin auch zu Ludwig Erhard.
  230. Ludwig Erhard nutzte seine einflussreiche Position und forderte die amerikanische Militärregierung in einem Brief auf, eine Rückgabe der Rosentalag
  231. an die rechtmäßigen Eigentümer im Interesse der Wirtschaft zu verhindern. Die Amerikaner fragten sich, wieso Erhard so vehement Partei für die
  232. Ariseure ergriff. Die Antwort hat Jürgen Lillteicher in einem amerikanischen Geheimdokument gefunden.
  233. Die Amerikaner entdecken, dass er halt ein Beratervertrag mit der Rusenal AG hat und im im Jahr 12000 Dmark für einen Beratervertrag äh bezieht und in dem
  234. Fall sagen, das äh damit verliert er eigentlich seine Integrität. Im Grunde genommen dann so argumentiert wird, er hat wurde gekauft.
  235. Der Fund war eine Sensation. Er zeigte, dass der deutsche Wirtschaftsminister gemeinsame Sache mit den Ariseuren machte und dabei eigene finanzielle
  236. Interessen verfolgte. Insofern stufte der amerikanische Geheimdienst eher hart von da an als bestechlich ein.
  237. Das war schlichtweg Charakterschwäche. Er hätte sich nicht einmischen dürfen, aber er war auf Geld aus, so wie viele andere auch.
  238. Ge schreckliche Krankheit. Ganz offenbar verärgerte das trübe Spiel Ehrarts die Amerikaner. Sie machten
  239. Druck auf die deutsche Politik und erreichten, dass es im Rückgabeverfahren der Rosental AG wenigstens zu einem Vergleich kam. Die Familie Rosental
  240. erhielt eine Entschädigung, die allerdings immer noch unter dem tatsächlichen Firmenwert lag. Ich
  241. erzähle Turpin Rosental von den Ergebnissen meiner Recherchen und von der Rolle, die Ludwig Erhard damals spielte.
  242. Ludwig Erhard ist mir als Persönlichkeit und als einer der Köpfe hinter dem deutschen Wirtschaftsausschwung bekannt und dass
  243. er diese Rolle gespielt hat, wusste mein Vater sicher nicht. Sag mal so, Geschichte ist ja immer von dem Sieger geschrieben. Das ist ja nicht nur im
  244. Krieg so, das ist ja auch in in der Wirtschaft so. Und die Geschichte von Rosental würde vielleicht etwas anders geschrieben werden, wenn diese
  245. Geschichte bekannt wäre. Der Fall Ehrart wirft die Frage auf, ob auch andere Politiker bereit waren, die Moral über Bord zu werfen, nur um das
  246. Wirtschaftswunder nicht zu gefähren. Damals stellten die Deutschen keine Fragen, sondern pflegten lieber die Legende vom Fleiß, der angeblich
  247. Wohlstand und Wachstum brachte. Allerdings schwebte von Beginn an ein Damockles Schwert über dem Wirtschaftswunder.
  248. Kein anderes Land war nach dem Krieg so hoch verschuldet wie Deutschland. Die Schuldenlast betrug 30 Milliarden Dmark. Nach heutiger Wirtschaftsleistung sind
  249. dies unfassbare 500 Milliarden Euro. Aber dann ereignete sich tatsächlich ein Wunder. Auf der Londoner Schuldenkonferenz 1953
  250. wurde Deutschland die Hälfte aller Schulden erlassen. Albrecht Ritschel hat die Konferenzakten erforscht.
  251. Stellen wir uns vor, es hätte kein Londoner Schuldenabkommen gegeben, dann wären diese ganzen Schulden auf dieses neue Westerstand zugekommen. Deutschland
  252. wäre dann in einer Situation gewesen nicht sehr viel besser als heutzutage Griechenland oder Portugal. Das Wirtschaftswunder
  253. konnte deswegen so äh so schmerzfrei verlaufen, weil eben unter anderem eben weil die öffentlichen Haushalte entschuldet waren.
  254. Zudem verzichteten all jene Länder, die im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen rücksichtslos ausgeplündert worden waren, in London auf ihre
  255. Reparationsansprüche. Sie ließen sich aber nur deshalb darauf ein, weil die Amerikaner ihnen eine andere Lösung schmackhaft machten, die
  256. eines deutschen Wirtschaftswunders, von dem ganz Europa profitieren sollte. Die Amerikaner haben damals den Europäern gesagt, was ihr braucht für
  257. den Wiederaufbau in Westeuropa sind deutsche Maschinen, deutsche Lokomotiven, deutsche Warenlieferungen, aller Ort. Das können die Deutschen sehr
  258. gut. Wir werden einfach die deutsche Kriegsmaschinerie zivilisieren und dir und als Kapitalgüterindustrie, als Investitionsgüterindustrie
  259. für den westeuropäischen Aufbau nutz machen. Da wird zwar dann irgendeinem deutschen Vermögenskonto was gut geschrieben, äh aber ob das dann auf die
  260. Dauer wirklich geleistet und bezahlt wird, das kann man ja erstmal sehen. Das ist dann ein Problem der Zukunft. Ihr kriegt also von Deutschland mehr als ihr
  261. nach eur nach Deutschland liefern müsst und dieses Spiel spielen wir jetzt seit 60 Jahren. Das große Spiel, das damals in London
  262. hinter verschlossenen Türen beschlossen wurde, führte die junge Bundesrepublik geradewegs ins Wirtschaftswunder. Das war die schöne Seite der Medaille.
  263. Man vergaß aber den Deutschen zu sagen, dass all dies nur möglich war, weil andere Länder uns unsere Schulden erließen und auf Reparationen
  264. verzichteten. Das ist die Kehrseite des Wirtschaftswunders. Ganz zynisch gesagt kann man sagen,
  265. eigentlich haben die Griechen durch ihre Verschuldung sich ihre Reparationen geholt. Wenn sie jetzt ihre Schulden nicht bezahlen oder nur mit ganz
  266. geringer Quote bezahlen und darauf wird es hinauslaufen, dann könnte man aus wirtschaftlicher Sicht argumentieren, man ist quid.
  267. Es waren also die Griechen und andere Länder Europas, die unser Wirtschaftswunder erst möglich machten. Und es waren die Amerikaner, die aus
  268. Angst vor einem Übergreifen des Kommunismus auf Westdeutschland dafür die entscheidenden Weichen stellten. Für mich ist dies die wahre Geschichte
  269. unseres Wirtschaftswunders. Alles andere nur Legende. [Musik]

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