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Das Märchen vom Wirtschaftswunder - Marshall-Plan | D-Mark | Marktwirtschaft | Ludwig Erhard | 2008
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 269 Zeilen
- [Musik] Mit diesen Bildern bin ich groß geworden. Deutschland im Wirtschaftswunder.
- Voller Stolz wurde in meiner Familie immer erzählt, wie das damals war, als wir Deutschen die Ärmel hochkrelten und uns mit harter Arbeit aus den Trümmern
- des verlorenen Krieges befreiten. Schon bald liefen die Fabriken wieder auf Hochtouren und es ging allen immer besser. Jetzt gönnten wir es uns, den
- Lohn unserer Arbeit zu genießen. [Applaus] [Musik]
- Heute 60 Jahre später, die Finanzkrise erschüttert Europa. Deutschland zwingt anderen Ländern einen harten Sparkurs auf und erteilt ihnen
- Ratschläge. Wenn ihr so fleißig seid wie wir nach dem Krieg, dann werdet auch ihr einen Wirtschaftswunder erleben.
- Das wirkt arrogant und selbstgerecht. Woher nehmen wir eigentlich die Sicherheit, den anderen Vorschriften zu machen? Stimmt unsere Version des
- Wirtschaftswunders denn überhaupt? Was wäre, wenn es auch eine ganz andere Sicht der Dinge gäbe?
- Ich [Musik] beschließe, die so oft gehörte Geschichte des Wirtschaftswunders zu
- überprüfen. Meine Recherche beginnt in Berlin. Als erstes will ich herausfinden, welche Rolle der sprichwörtliche Fleiß der Deutschen
- spielte. Im Bundeswirtschaftsministerium bin ich mit Professor Werner Abelshauser verabredet. Er ist der bekannteste
- deutsche Wirtschaftshistoriker und forscht im Auftrag der Bundesregierung. Niemand hat sich so lange mit dem Wirtschaftswunder beschäftigt wie er.
- Waren die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg wirklich fleißiger als andere? Fleiß ist eine Eigenschaft, die zumindest in Europa, aber auch sonst in
- der Welt ziemlich gleichmäßig verteilt ist. Die Deutschen waren natürlich fleißig, sie waren motiviert, aber entscheidend war etwas anderes. Von
- daher ist das eine äh ja, eine Stammtischdimension, sonst nichts. [Musik]
- Die Zahlen sind eindeutig. Vergleicht man die Jahresarbeitszeiten europäischer Länder, dann haben wir Deutschen nach dem Krieg nicht mehr gearbeitet als
- andere. Und noch etwas überrascht, wir sind gar nicht das einzige Land gewesen, das ein Wirtschaftswunder erlebte. Im Gegenteil, überall in Europa gab es
- Rekordwachstum. Trotzdem halten wir uns für fleißiger. Diese falschen Auffassungen über die Ursache des Wirtschaftswundes sind sehr
- sehr problematisch und zeigt, dass es vielleicht doch besser wäre allmählich die Ergebnisse der Wirtschaftshistorischen Forschung auf
- diesem Gebiet zur Kenntnis zu nehmen. Kaum zu glauben, aber offenbar ist der Forschung längst bekannt, dass der Fleiß der Deutschen für das Wirtschaftswunder
- keine wesentliche Rolle gespielt hat. Was mir immer erzählt wurde, stimmt also nicht. Wie ist das aber dann mit den anderen Wahrheiten? Das zweite, was ich
- als Kind lernte, war, dass Deutschland nach dem Krieg komplett in Trümmern lag. Frühjahr 1945. Der Krieg war zu Ende. Ganz Deutschland
- war ein Trümmerfeld. Das Erbe der Hitlerzeit hieß totale Zerstörung. Wie das Land, so waren auch Wirtschaft, Industrie und Verkehr verwüstet. Überall
- zerstörte Transportanlagen, zerfetzte Geleise. Nur Stück für Stück konnte das ungeheure Chaos entwirft, der gewaltige Aufbau begonnen werden.
- In Wiesbaden treffe ich Peter Sichel, der 1945 das Ausmaß der Zerstörungen in Deutschland untersucht hat. Sichel war damals Offizier des
- amerikanischen Geheimdienstes, der nach dem Krieg im Gebäude der Sektkellerei Henkel Quartier bezogen hatte.
- Die Luftwaffe wollte herausfinden, wie sehr die Bombardierung Deutschlands die Industrieproduktion beeinträchtigt hatte. Also fertigte man eine Analyse
- der Bombenschäden an. Hierfür wurden die Hauptzielorte der Bombardements in den Städten und Industrieregionen besucht und die Zerstörungen statistisch
- erfasst. Auf diese Weise fand man heraus, dass die deutsche Kriegsproduktion nicht maßgeblich beeinträchtigt war und die
- Schäden schnell repariert werden konnten, sodass die Produktion unverzüglich wieder aufgenommen werden konnte.
- Das Bombardement war eher kontraproduktiv. [Musik]
- Ernüchtert stellten die Amerikaner damals fest, dass viele ihre Angriffe das Ziel verfehlt hatten, weil die Nationalsozialisten Fabriken in Gebiete
- verlagert hatten, die außerhalb der Reichweite der Alliierten Bomber lagen. Zudem waren ganze Rüstungswerke unter Tage verlegt worden.
- [Musik] Das Ergebnis war, dass all diese Bombardements nicht den vermuteten
- Schaden angerichtet haben. Deutschland war durch den Bombenkrieg keineswegs flächendeckend so verwüstet,
- wie immer behauptet. Wieso hat sich dann aber das Bild eines restlos zerbombten Landes so lange in den Köpfen gehalten?
- Flughafen Brüssel. Hier bin ich mit Professor Albrecht Ritchel verabredet. Er lehrt an der renommierten London School of Economics und hat die
- Ausgangssituation der deutschen Industrie nach dem Krieg präzise erforscht. Seine These: Es existiert immer noch ein völlig falsches Bild von
- der Nachkriegszeit. Es gibt ja so die Vorstellung, ich kenne das von meinen Studenten. Ähm im Jahr 1945 war Deutschland flach. Man konnte
- gewissermaßen von Göln äh bis über das Berliner Brandenburger Tor einfach durchschauen, weil kein Stein mehr auf dem anderen gestanden hätte. Das stimmt
- für einige Innenstädte, da waren die Zerstörungen wirklich gewaltig, aber schon, wenn man an den Stadtrand geht oder wenn man in die Kleinstädte geht,
- ist es eben oft gar nicht mehr so. Und wenn man es zusammenzählt für die gesamte Volkswirtschaft, war eben doch ein ganz erstaunlicher Teil des
- Produktionsapparates noch vorhanden. Es musste also nicht von null aufgebaut werden. [Musik]
- Doch die Bilder von den unfassbaren Zerstörungen der Innenstädte brannten sich ins Bewusstsein der Deutschen ein. Sie wurden noch verstärkt durch die
- Aufnahmen der Wochenschauen, die damals viele Menschen in den Kinos sahen. Immer zeigten sie Trümmer. und Ruinen. Natürlich sind diese Zerstörungsbilder
- immer nur ein Ausschnitt. Hätte man die den Fotorabapparat damals um 180° gedreht, hätte man intakte Vorstätte gesehen. Man hätte oft erstaunlich
- intakte Industrieanlagen gesehen. Wir wissen heutzutage, dass trotz aller Zerstörungen der Anlagepark der deutschen Industrie nach dem zweiten
- Weltkrieg größer war als vorher. Was hatte zu tun mit den immensen Investitionen während der Kriegszeit? Die Voraussetzungen waren durchaus gut.
- Das war aber dem Zeitgenossen nicht klar. Dass man aus diesem Schlamassel wieder herauskommen würde, muss als Wunder erschienen sein.
- Was mir meine Eltern immer erzählt hatten, war also nur die halbe Wahrheit. Weder lag Deutschland nach dem Krieg komplett in Trümmern, noch war es allein
- der deutsche Fleiß, der aus diesen Trümmern wiederblühende Landschaften machte. Wenn aber schon das nicht stimmt, was
- ist dann noch alles falsch an der Geschichte von unserem Wirtschaftswunder?
- Mein Wirtschaftswunder begann mit meiner Geburt. Ich wuchs im Wohlstand auf. Wir hatten alles, was wir brauchten. Ein Haus, zwei Autos und jedes Jahr Zeit für
- eine große Reise. Es ging immer Berg auf. Warum das so war, wussten meine Eltern ganz genau.
- Das haben wir der Demark zu verdanken. Mit ihr begann das Wirtschaftswunder und Ludwig Erhard hat sie eingeführt. So wurde dieser Herr Erhard auch für
- mich zu dem, der er für meine Eltern längst war, der Garant unseres Wohlstands, der Vater der deutschen Mark.
- Doch stimmt das eigentlich? kam der Wohlstand tatsächlich mit der DMark und war Ludwig Erhard dafür verantwortlich.
- Um das herauszufinden, fahre ich auf ein abgelegenes Kasernengelände in der Hessischen Provinz. Hier soll die Geburtsstätte der Demark liegen. Ich
- treffe Bernt Niesel. Er leitet das Museum der Währungsreform, das heute an dieser Stelle steht. Das ist das Haus, in welchem das
- Konklave stattfand, wie das Vorhaben Währungsreform genannt wurde. Ich erfahre, dass die amerikanische Militärregierung im sogenannten Konklave
- von Rotwesten 1948 die führenden deutschen Währungsexperten zusammenzog. Der Begriff Konklave ist deswegen gewählt worden, weil es eine
- ähnliche Situation dem Konklave in Rom einer Papstwahl war. Die Finanzfachleute waren für die Zeit der Arbeit hier völlig von der Außenwelt abgeschottet.
- Das Gebäude war separiert, indem man einen zusätzlichen Zaun um das Gebäude machte. Und während der sieben Wochen, die sie hier waren, durfte keiner dieses
- Areal verlassen, um die Geheimhaltung sicherzustellen. Die deutsche Öffentlichkeit sollte nicht zu früh von einer bevorstehenden
- Währungsreform erfahren. Zugleich sollten die hier versammelten deutschen Währungsexperten glauben, selbst wichtige Entscheidungen zu
- treffen. Die Wahrheit war anders. Die deutschen Vorschläge wurden komplett ignoriert. Alle Vorgaben standen längst fest.
- Die Amerikaner haben bestimmt und das führt letztendlich dazu, dass die Deutschen sagen, wenn die Währungsreform nicht klappt, alle ihr seid ihr Schuld.
- Ihr habt's ja nicht so gemacht, wie wir wollten. Die neue Währung und ihr neuer Kurswert waren längst beschlossene Sache.
- In einer Geheimaktion hatten die Amerikaner bereits neue Geldscheine gedruckt und sie nach Deutschland verschifft.
- In Bremerhafen wurde das Geld in Holzkisten verpackt, die die Aufschrift Doorknop, also Türknaufe hatten, von Schiff auf Eisenbahn umgeladen und in
- Frankfurt in Bunkeranlagen, die nicht mehr gebraucht wurden, eingelagert. Es waren insgesamt 23 000 Holzkisten, Türknaufe.
- Tatsächlich war es Geld. Ein deutscher Währungsexperte saß in Ruthwesten nicht einmal mit am Tisch.
- Während des Konklaves war Ludwig Erhard überhaupt nicht hier. Er hat wahrscheinlich die Währungsreform wie erlebt, wie die Bevölkerung auch, als am
- 18. Juni die Aufgabe der Demark angekündigt wurde. Doch Ludwig Ehrart nutzte die Gunst der Stunde und wandte sich in eine
- Radioansprache als erster an das deutsche Volk. Die Währungsreform wird uns alle in der Überzeugung festigen, dass ein fleißiges
- Volk in harter Arbeit trotz aller Witrigkeit zufrieden gesunden und auch wieder zu neuer Wohlfahrt kommen kann.
- Fleißiges Volk und harte Arbeit. Als sich am Tag nach der Währungsreform die Schaufenster wieder mit Waren füllten, erlebten die Deutschen das als ihr
- Wunder. Doch sie jubelten dem Falschen zu. [Musik] Ludwig Erhard strickte weiter an seiner
- Legende. Er habe gegen die Anweisung der amerikanischen Militärregierung durchgesetzt, verkündet er stolz, als er die Preisbindungen aufheben ließ.
- Darüber konnten die Amerikaner nur staunen. Erhard hätte dies ohne die Zustimmung der Alliierten nicht tun können, denn
- Ludwig Erhard stand unter Aufsicht der ökonomischen Abteilung des Alliierten Hauptquartiers auf. Gegen den Willen der Amerikaner hätte
- Erhard also gar nichts durchsetzen können. Seine Rolle bei der Währungsreform war allenfalls zweitrangig.
- Aber wie bedeutend war die Währungsreform für das Wirtschaftswunder?
- Erst nach der Währungsreform begannen die Menschen wieder zu arbeiten und kam die Industrie wieder auf die Beine.
- [Musik] Bis dahin gab es keinen Grund für die Menschen hart zu arbeiten, weil es keine harte Währung gab, mit der sie etwas
- hätten kaufen können. Und die Währungsreform war sehr schnell sehr erfolgreich. Ohne sie hätten wir keinen Wirtschaftswunder gehabt.
- Langsam wird mir klar, dass es die Amerikaner waren, die nach dem Krieg die wirtschaftlichen Weichen in Westdeutschland stellten.
- Der Währungsreform ließen sie bald ein groß angekündigtes Hilfsprogramm folgen, das allen Deutschen eine bessere Zukunft versprach. Der Marshallplan.
- [Musik] Das ist die Ruhe. Das ist eine Kohlengrube und das bin ich.
- Name: Hans Fischer. Für mich bedeutet Amerikas Hilfe genug Stahl für die Friedensindustrie, genug Maschinen, um die Sachen
- herzustellen, die uns fehlen. Ja und genug Brot und Butter und was wir sonst zum Leben brauchen. [Musik]
- Und es wird sich für Europa, für Deutschland, für mich bezahlt machen. [Musik]
- Auch in meiner Familie wurde der Marshallplan als ein Segen empfunden. Maschinen seien damals ins Land gekommen, ganze Fabriken wurden wieder
- aufgebaut. Warum aber waren die Amerikaner so großzügig?
- Die Überlegung war ganz einfach. Wenn wir den westeuropäischen Ländern nicht geholfen hätten, ihre Industrie und Wirtschaft wieder in Gang zu bringen,
- dann wären sie alle Kommunisten geworden. Es war eine politische Entscheidung, nicht weil die Bevölkerung uns leid tat,
- sondern weil wir begriffen, dass nur der ökonomische Erfolg Europa davon abhalten konnte, kommunistisch zu werden. [Musik]
- Der Marshallplan entsprang also ganz dem Denken des kalten Kriegs. Das Versprechen auf Wohlstand sollte die Europäer gegen die Verheißungen des
- Kommunismus immunisieren. Deshalb begleiteten die Amerikaner den Marshallplan von Beginn an mit einer großen Propagandaoffensive.
- Spektakuläre Konsumausstellungen sollten das Hilfsprogramm populär machen. Es gab in den Verdrehen mit den Teilnehmerstaaten eine Klausel, die die
- verpflichtet haben, ein Teil des Geldes für Propagandazwecke einzusetzen. Das heißt, es wurde permanent behauptet, dass Millionen Dollars nach Deutschland
- geflossen sein zu einem Zeitpunkt, wo dies weder in Form von Dollar noch in Form von Waren überhaupt der Fall war. Die Propaganda inszenierte Amerikas
- Hilfe als großherzigen Akt, aber es gab auch einen ganz praktischen Grund. Man konnte Rohstoffe in Westeuropa absetzen, die man im eigenen Land in Hülle und
- Fülle produzierte. Vor allem Deutschland war als Absatzmarkt gefragt. Was die Deutschen bekommen haben über den Marshallplan waren sogenannte
- industrielle Rohstoffe und das waren zu fast 100% Baumwolle, Rohbaumwolle und Tabak und darüber hinaus so wieder Aufbaugüter Maschinen oder sonst etwas,
- was man damit vielleicht verbindet, gab es aus dem Marshallplan nicht. Er war auf dem rein wirtschaftlichen Gebet für Deutschland nicht wichtig.
- Eine ungeheure Vorstellung. Der legendäre Marshallplan war für das Wirtschaftswunder unbedeutend. Selbst in der Schule hat man uns also
- noch Legenden beigebracht. Was war es aber dann, das den ungeheuren Boom der deutschen Wirtschaft nach dem Krieg auslöste?
- Meine Recherche führt mich an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze bei Hof. Hier treffe ich den 90-jährigen Edgar Friedrich. Er hat in der
- Nachkriegszeit miterlebt, womit das Wirtschaftswunder im Westen tatsächlich begann. Als 22-jähriger kam ich zurück vom Krieg
- zurück zu meinen Eltern und da waren gerade an demselben Tag waren die Leute von der Aurunion da von Kemnitz von der Hauptverwaltung und die sagten zu mir ja
- Friedrich ist gut, dass sie kommen. Sie sind Infanterist gewesen und haben Erfahrung hier in im Wald und auf der Heide und sie können man gebrauchen. Sie
- können eigentlich die Leute rüberholen, denn die Russen haben nun in der Sicht von den Wergen schon 35 bis 40 Leute rausgeholt und verschleppt. Und es muss
- auf jeden Fall vermieden werden, dass wir noch weitere Leute verlieren. Wir müssen die hier nach Bayern rüber bringen und da brauchen wir einen
- Schläusser, der nur die Leute rüber bringt. Von nun an führte Edgar Friedrich, zwei Jahre lang im Schutz der Dunkelheit, gut
- ausgebildete Ingenieure aus dem Osten in den Westen. Ein gefährliches Unterfangen. Die Russen waren als Wachen an der
- Grenze. Wenn sich irgendwas kriert hat, haben die gleich geschlossen. Die haben nun indem sich die Leute durch den Wald durchgehen lassen und haben sie dann
- erschossen oder haben sie nun der sie verschleppt. war schon ganz schlimm, wie das also nun nach dem Krieg, obwohl der Krieg vorbei war, also noch weiterging
- mit diesen sag schlimmen Daten. Nicht alle schafften es also in den Westen, aber jene, die dort ankamen, wurden bereits erwartet, denn oft hatten
- sie wertvolle Konstruktionspläne von Maschinen und Anlagen im Gepäck. Es waren ja wichtige Leute, die wir rüber haben. Wir haben nun in denen sich
- dann immer geschaut, dass die dann ja natürlich dann hier mit den Plänen nach Ingelstadt sind und die haben mir dann den Aufbau durchgeführt in Ingelstadt.
- Die Flüchtlinge gründeten in Ingolstadt ein neues Autower. Aus ihm erwuchs in den Folgejahren der Automobilkonzern Audi. Und Audi war kein Einzelfall. Auch
- Siemens und andere Unternehmen flüchteten in den Westen. Während die ostdeutsche Wirtschaft auf diese Weise schleichend ausblutete, gewann der
- Westen durch Flüchtlinge und Vertriebene wertvolle Arbeitskräfte und technisches Wissen. dieser dieser Braintrain, also dieser Zug nach nach Westen vom Osten,
- äh der war natürlich viel wichtiger als der Marshallplan äh oder die Währungsreform oder die soziale Marktwirtschaft, sondern da ging es um
- handfeste Einflüsse, die hier in Westdeutschland ganz konkret genutzt werden konnte, ohne dass man dafür investieren muss.
- Mit dem Flüchtlingsstrom aus dem Osten stiegen im Westen von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, die Chancen auf ein Wirtschaftswunder.
- Doch wann genau setzte dieses Wunder ein? Ich besorge mir die Wachstumszahlen der westdeutschen Wirtschaft. Etwas springt dabei sofort ins Auge. Im
- Jahr 1950 explodierte der Export förmlich. Damals erlebte die Bundesrepublik ihren ökonomischen Urknall. Erstmals überstieg die Waren
- Ausfuhr, die Einfuhr. Deutschland wurde zum Exportland. Der Grund: Krieg in Korea. Der Hafen von Pusan ist die Lebensader,
- durch die immer neue Truppen und neues Material für die Streitmacht der UN an die Front fließen. Mehr Panzer, mehr Geschütze. Das bedeutet größere
- Unterstützung der in schwierigem Gelände kämpfenden Infantrieg. Der Koreakrieg hatte dazu beigetragen, dass die deutsche Produktion wieder auf
- dem Weltmarkt heiß begehrt war. Was man nachfragte, waren selbstverständlich Maschinen äh Ausrüstungen, mit denen man rüsten
- konnte und die einzigen, die da noch freie Kapazitäten hatten, weil man es ihnen verboten hat. Bis dahin, waren die Deutschen. Man hatte vor allem genau das
- Angebot, was nachgefragt wurde. Das heißt, der Koreakrieg hat Östdeutschland die Rückkehr zum Weltmarkt ermöglicht. [Musik]
- So zynisch es klingt, der Krieg in Korea erwies sich als Glücksfall für die Wirtschaft der Bundesrepublik. Der Export von Stahl und Maschinen zum Bau
- von Waffen, Panzern und Bomben schoss in astronomische Höhen. Ich fahre nach Wolfsburg. Hier sitzt jenes Unternehmen, das wie kein zweites
- für den Begriff Wirtschaftswunder steht. Volkswagen. Ich will herausfinden, warum gerade die deutsche Autoindustrie zum Motor des
- Wirtschaftsaufstiegs wurde. Ich treffe den ehemaligen Vorstandschef von VW Karl Hahn. Er erklärt mir, dass die deutsche Autoindustrie ihr Erfolgsrezept aus
- Amerika kopierte. Amerika in den Stückzahlen schon auf einem sehr, sehr hohen Niveau, war ja eine hochmotorisierte
- Nation. Man war ja mit anderen Worten erfahren in der Massenproduktion, von der hatten wir keine Ahnung und dementsprechend äh lernten wir sehr viel
- auch durch Rückkehrende Deutsch-Amerikaner und wir wurden damit auch zum Pionier der Automatisierung in Europa und hatten damit einen
- Konkurrenzvorsprung, der fabelhaft war. Die ersten deutschen Autofabriken Ford, Opel, aber auch das VW-werk waren
- vollständig mit amerikanischen Maschinen ausgerüstet. Die gesamte Technologie der Fließbandfertigung war keine deutsche Sache, sondern eine amerikanische Sache.
- Volkswagen baute sein Werk zu einer der größten Fließbandfabriken der Welt aus. Dies ermöglichte dem Unternehmen Jahre ungeahnten Wachstums.
- Ich treffe Odert von Rutenberg. Er erlebte damals in Wolfsburg bei Volkswagen sein ganz persönliches Wirtschaftswunder.
- Als junger Ingenieur war mein Gehalt 690 Dmark und als ich hier anfing in der 1. Januarwoche 1956 bekam ich einen Bescheid, dass mein
- Gehalt schon um 30 Dmark gestiegen war. Da hatte ich noch keine Stunde hier gearbeitet. Äh das war also so ein ein Indikator
- dafür. Äh, es ging aufwärts, aber ich fand das ganz toll. Dachte, warum warum bezahlen dir jetzt schon mehr? Du hast do noch gar nichts getan.
- [Musik] Bei Volkswagen setzte man konsequent darauf nur ein Auto zu produzieren, den Käfer. Damit ließen sich die
- Herstellungskosten auf ein Minimum senken und man konnte den Wagen billig anbieten. Schon bald lief die Produktion des Käfers auf Hochtouren. Ein
- Produktionsrekord jagte den anderen. Die Fertigstellung des 20000 Wagens 50 000 Volkswagen. Fertigstellung des 100tausend Wagens
- nach dem Kriege. Eine halbe Million Volkswagen. Wir waren stolz. Jetzt gab's schon wieder einen neuen Verkaufsrekord. Wie
- toll, wir haben uns darüber gefreut, aber so ernsthaft äh daran zu denken, dass das vielleicht gar mal aufhören könnte, das kam uns nicht in den Sinn.
- Doch warum war ausgerechnet der VWKäfer so erfolgreich? Ich fahre nach Bocho. An der Ruhuniversität bin ich mit dem Wirtschaftshistoriker Lutz Budras
- verabredet, der den Aufstieg deutscher Konzerne im Wirtschaftswunder erforscht hat. Wie erklärt er sich den einzigartigen Triumphzug von Volkswagen
- nach dem Krieg? Der VW Käfer ist kein gutes Auto im Vergleich zu anderen zu zur Automobiltechnik in anderen Ländern, also vor allen Dingen in den Vereinigten
- Staaten oder in Großbritannien ist der VW-Käfer na ja mittelmaß schon von der Auslegung her. Also es ist ein auf einen möglichst geringen Preis hin
- zugeschnittenes Auto und dieses Auto kann eigentlich nur deswegen in Massen abgesetzt werden, weil es so billig ist. Der VW Käfer ist im Grunde noch ein
- Produkt des Zweiten Weltkriegs. Er entsprang ganz dem Denken deutscher Rüstungsingenieure in der NSD. Nicht das beste Produkt war damals
- gefragt, sondern das billigste, denn nur so konnte der Nachschub für Hitlers Eroberungskriege sichergestellt werden. Am Anfang des Krieges ist es so, dass
- die deutschen Rüstungsprodukte so gut sind, dass es eigentlich Verschwendung ist, sie so gut herzustellen. Also Flugzeuge oder Panzer werden davor
- ausgelegt, dass sie 100 Stunden funktionieren und sie sind nach drei oder vier Stunden abgeschossen. Deswegen lernt die deutsche Industrie in Maßen
- schlecht zu werden. Also, das heißt, man versucht die Lebensdauer der Produkte zu senken, weil jeder Aufwand, der zusätzlich in so ein Produkt
- hineingesteckt wird, ist Verschwendung. Und das ist natürlich auch eine äh eine gewisse Fähigkeit, die man erst erlernen muss, dass man halt die Lebensdauer von
- Produkten senkt. Mindere Qualität zu unschlagbaren Preisen. Das war ein Erfolgsrezept der deutschen Industrie im Krieg und blieb
- es in weiten Teilen auch nach 1945. Nicht mit Spitzentechnologie eroberte man den Weltmarkt, sondern mit erschwinglicher Massenware.
- Auch Volkswagen wäre nie so groß geworden, wie der Konzern heute ist, hätte man nicht frühzeitig auf den Massenmarkt gesetzt. Der damalige
- Unternehmenschef Heinrich Nordhoff verfolgte von Beginn an nur ein Ziel. VW sollte Weltmarktführer werden. Nordhof war zweifellos der Chef und der
- Herr, ich weiß noch, als er in Bonn seinen Plan vorlegte, auf eine Produktion von 1000 pro Tag zu gehen, das war unter dem damaligen Denken
- Deutschlands äh Hochstabelei. Ganz einfach. Auf jeden Fall war er der Mann, der verantwortlich ist äh für den Erfolg von VB.
- Heinrich Nordhoff verkörperte wie kein zweiter den Typus des Wirtschaftswunderkapitäns.
- Manager wie er hatten ihre Karrieren in der NSDktatur begonnen und konnten diese nach dem Krieg nahtlos fortsetzen. Viele von ihnen waren noch sehr jung,
- als sie die Rüstungsproduktion unter Minister Albert Speer in unfassbare Höhen trieben. Deshalb nannte man sie scherzhaft auch Speers Kindergarten.
- Mich interessiert, welche Erfahrungen diese Manager im totalen Rüstungskrieg der Nazis gemacht haben. Es ist tatsächlich so, dass sie diese
- Männer aus Sper Kindergarten Erfahrung damit hatten, beispielsweise, dass sie befehlen können, dass 2000 russische Zwangsarbeiter vor ihrer Tür zu stehen
- haben und dann stehen die dann am nächsten Tag vor der Tür und sie können diesen russischen Zwangsarbeitern befehlen, dass sie 72 Stunden in der
- Woche arbeiten müssen. Das geht einfach, weil eben die das nationalsozialistische Arbeitsrecht das so vorsieht. Sie haben schon eine ja eine Erfahrung mit
- Machtausübung oder mit unendlicher Machtausübung äh die sie aus dem Krieg mitbringen. Jetzt ich beginne zu begreifen, dass die
- Arbeitsorganisation nach dem Führerprinzip sich aus Sicht dieser Manager auch bestens für das Wirtschaftswunder eignete.
- Vor 1945 kommandierten sie Zwangsarbeiter, jetzt riesige Belegschaften williger Fachkräfte.
- Der große Vorteil ist, dass man einen deutschen Ingenieur im Jahre 1947 für viel viel viel weniger Geld bekam als an seinen seinen britischen
- Kollegen. Also wir müssen uns ja das so vorstellen. Es gibt in Deutschland eine Rüstungsproduktion, die umfasst ähm auf dem Höhepunkt vielleicht 3 Millionen
- Leute. Also 3 Millionen Leute arbeiten in der Rüstungsproduktion mit einem entsprechenden Anteil von Ingenieuren. Diese Rüstungsproduktion wird von einem
- Tag auf den anderen lah gelegt und diese Ingenieure müssen sich neue Stellen suchen und deswegen konnte man ein hochqualifizierten Ingenieur in
- Deutschland Ende der 40er Jahre für vergleichsweise wenig Geld bekommen. Die Nachkriegszeit in Deutschland schuf ein wahres Schlaraffenland für
- Unternehmer. Hochqualifizierte Arbeitskräfte zu niedrigen Lohnkosten. Das kann man als späte Früchte von Diktatur und Krieg ansehen.
- Die Deutschen sind arm. Sie arbeiten für alles, für jeden, der ihnen ein einigermaßen gutes Auskommen verschafft. Und in diesen Amenhäusern hat natürlich
- ein Unternehmer die Chance, eine grenzenlos unterwürfige, aber gleichzeitig auch hoch hochqualifizierte Arbeiterschaft zu finden.
- Es war also die besondere Kombination aus machtbewussten Managern und untertäigen Belegschaften, die deutsche Unternehmen nach dem Krieg groß machte.
- So auch bei Volkswagen in Wolfsburg. Hier war Heinrich Nordhoff der unumschränkte Herrscher, dem die Belegschaft ergeben folgte.
- Für ein Foto, das zeigen sollte, wie er über allen schwebte, ließ er sämtliche VW-Arbeiter auf dem Werkhof antreten. [Musik]
- Als Nordhoorf starb, ging aus Sicht der VW Belegschaft ein Heilsbringer. In Wolfsburg brach eine Welt zusammen.
- Also, es war ersten vergleichbar mit äh dem Staatsbegräbnis für einen Monarchen. Es gab wohl kaum
- jemanden, der nicht berührt warf und der nicht auch spürte, äh, dass mit dem Tod Nordfs eine Era zu Ende ging. So war es wohl
- auch inszeniert. Hat sich mir sehr eingeprägt. [Musik]
- Die Bilder der Beerdigung zeigen, wie sehr die Deutschen ihre Wirtschaftswunderkapitäne verehrten.
- Aber waren sie denn tatsächlich auch große Unternehmer? Das Wirtschaftswunder hat Bedingungen geschaffen, die eigentlich Unternehmer
- überflüssig gemacht haben. Unternehmer sind ja Menschen, die die das Talent haben, die Fähigkeit haben und der Unsicherheit die richtigen
- Entscheidungen zu treffen. Das ist ein großes Talent, sehr sehr selten. Äh, aber gerade in der in der Wirtschaftswunderzeit
- waren ja die Märkte nicht unsicher, sondern es war die Richtung der Märkte war klar. Es ging immer aufwärts. Man musste also nicht komplizierte
- unternehmerische Entscheidungen treffen, sondern man musste die Wirtschaft oder das Unternehmen so organisieren, dass man mit diesem Wachstumstempo Schritt
- halten konnte. Und das äh das konnten die wirklich gut. [Musik] Das heißt, bald schon lief das
- Wirtschaftswunder wie von selbst. Die deutsche Industrie erzielte zweistellige Wachstumsraten. Die Unternehmen fuhren riesige Gewinne
- ein, von denen sie neue Anlagen kauften, mit denen sie ihre Produktion abermals ausweiteten. Das Wirtschaftswunder beschleunigte
- sich. So begann Mitte der 50er Jahre Deutschlands Aufstieg zum
- Exportweltmeister. Er bestimmte die Schlagzeilen. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Weltmeister, wir sind wieder
- Exportweltmeisterische Autoritäte kletterten die Ausführung fast 8% auf erwarten, dass Deutschland 2006 den Titel des Exportweltmeisters
- behalten wird. [Musik] Doch standen wirklich alle Deutschen auf der Gewinnerseite des
- Wirtschaftswunders, wie es mir immer erzählt wurde? Ich will herausfinden, was eigentlich nach dem Krieg mit jenen Unternehmen geschah, die die Nazis
- jüdischen Besitzern geraubt hatten. In seinem Thüringerbetrieb treffe ich Turpin Rosental. Er ist der Enkel des bekannten Porzellanfabrikanten Philip
- Rosental, der einst in Oberfranken die weltberühmte Marke Rosental erschuf. Als das Unternehmen gegründet wurde, wie jedes Unternehmen war es klitze klein.
- Die haben zu zweit angefangen und alle deutschen Unternehmen, die groß geworden sind, haben exportiert und Rosental war vor allem in Amerika und Kanada und
- Australien und solchen Ländern außerhalb Deutschlands groß, aber war auch in Deutschland die größte Marke und ich nehme an schon in den 30ern.
- 1935 wurde die Rosentalag AG arisiert. Als Jude durfte Philip Rosental im Dritten Reich kein Unternehmen mehr besitzen. Seine Familie floh ins
- Ausland. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die Rosentals, das Familienunternehmen zurückzuerhalten. Vier Jahre kämpften sie darum. Am Ende
- stand aus Erinnerung Rosentals ein ernüchterndes Ergebnis. Was mir bekannt ist, ist, dass äh meines Vaters Familie 11% von den Anteilen
- zurückbekommen hat. Wie die auf 11% gekommen sind, weiß ich nicht. Warum er nicht 100% zurückbekommen hat, das ist ja auch sicherlich Teil ihrer
- Recherchen. Ich fahre nach München zum Institut für Zeitgeschichte. Hier liegen die Akten,
- die sich mit der Rückgabe jüdischer Unternehmen nach dem Krieg befassen. Der Historiker Jürgen Lillteicher hat sie erforscht. Dabei ist er auch auf den
- Fall der Rosentalag gestoßen. Also die Rückerstattung des Betriebs war eine komplizierte Angelegenheit. Die Ariseure waren sich schon bewusst, dass
- sie in Steckerposition sind. Wir können uns in Ruhe zurücklehnen. Wir haben alle Zeit der Welt. Ähm wir versuchen verschiedenen Argumentationen eben zu
- widerlegen. Waren die überhaupt verfolgt? War die Ehefrau äh Philips Rosentals sogenannt kollektiv verfolgt? Sie war ja gar keine Jüdin. Ähm hatte
- für Librosental Senior nicht irgendeine Nähe zum Nationalsozialismus. ähm im Grunde genommen ist Ausweichstrategie zu fahren, obwohl wenn
- man das Gesetz anguckt, die Eigentumsübertragung hat unter Gewalt stattgefunden. Ganz klare Sache. Nach dem Krieg saßen im Vorstand der
- Rosentalag AG weiterhin jene Männer, die das Unternehmen mit Hilfe der Nazis übernommen hatten. Den Akten zufolge setzten sie alles daran, eine Rückgabe
- des Betriebs zu verhindern. Offenbar verfügten sie hierfür über beste Beziehungen. Natürlich hatten diese Unternehmer äh
- Verbindung in die Politik ähm zur Verwaltung und ähnliches und haben das natürlich genutzt äh um ihre Position zu festigen und dann beginnen die Arsure im
- Grundommen sich ans Wirtschaftsministerium zu wenden, an das Justizministerium bis hin auch zu Ludwig Erhard.
- Ludwig Erhard nutzte seine einflussreiche Position und forderte die amerikanische Militärregierung in einem Brief auf, eine Rückgabe der Rosentalag
- an die rechtmäßigen Eigentümer im Interesse der Wirtschaft zu verhindern. Die Amerikaner fragten sich, wieso Erhard so vehement Partei für die
- Ariseure ergriff. Die Antwort hat Jürgen Lillteicher in einem amerikanischen Geheimdokument gefunden.
- Die Amerikaner entdecken, dass er halt ein Beratervertrag mit der Rusenal AG hat und im im Jahr 12000 Dmark für einen Beratervertrag äh bezieht und in dem
- Fall sagen, das äh damit verliert er eigentlich seine Integrität. Im Grunde genommen dann so argumentiert wird, er hat wurde gekauft.
- Der Fund war eine Sensation. Er zeigte, dass der deutsche Wirtschaftsminister gemeinsame Sache mit den Ariseuren machte und dabei eigene finanzielle
- Interessen verfolgte. Insofern stufte der amerikanische Geheimdienst eher hart von da an als bestechlich ein.
- Das war schlichtweg Charakterschwäche. Er hätte sich nicht einmischen dürfen, aber er war auf Geld aus, so wie viele andere auch.
- Ge schreckliche Krankheit. Ganz offenbar verärgerte das trübe Spiel Ehrarts die Amerikaner. Sie machten
- Druck auf die deutsche Politik und erreichten, dass es im Rückgabeverfahren der Rosental AG wenigstens zu einem Vergleich kam. Die Familie Rosental
- erhielt eine Entschädigung, die allerdings immer noch unter dem tatsächlichen Firmenwert lag. Ich
- erzähle Turpin Rosental von den Ergebnissen meiner Recherchen und von der Rolle, die Ludwig Erhard damals spielte.
- Ludwig Erhard ist mir als Persönlichkeit und als einer der Köpfe hinter dem deutschen Wirtschaftsausschwung bekannt und dass
- er diese Rolle gespielt hat, wusste mein Vater sicher nicht. Sag mal so, Geschichte ist ja immer von dem Sieger geschrieben. Das ist ja nicht nur im
- Krieg so, das ist ja auch in in der Wirtschaft so. Und die Geschichte von Rosental würde vielleicht etwas anders geschrieben werden, wenn diese
- Geschichte bekannt wäre. Der Fall Ehrart wirft die Frage auf, ob auch andere Politiker bereit waren, die Moral über Bord zu werfen, nur um das
- Wirtschaftswunder nicht zu gefähren. Damals stellten die Deutschen keine Fragen, sondern pflegten lieber die Legende vom Fleiß, der angeblich
- Wohlstand und Wachstum brachte. Allerdings schwebte von Beginn an ein Damockles Schwert über dem Wirtschaftswunder.
- Kein anderes Land war nach dem Krieg so hoch verschuldet wie Deutschland. Die Schuldenlast betrug 30 Milliarden Dmark. Nach heutiger Wirtschaftsleistung sind
- dies unfassbare 500 Milliarden Euro. Aber dann ereignete sich tatsächlich ein Wunder. Auf der Londoner Schuldenkonferenz 1953
- wurde Deutschland die Hälfte aller Schulden erlassen. Albrecht Ritschel hat die Konferenzakten erforscht.
- Stellen wir uns vor, es hätte kein Londoner Schuldenabkommen gegeben, dann wären diese ganzen Schulden auf dieses neue Westerstand zugekommen. Deutschland
- wäre dann in einer Situation gewesen nicht sehr viel besser als heutzutage Griechenland oder Portugal. Das Wirtschaftswunder
- konnte deswegen so äh so schmerzfrei verlaufen, weil eben unter anderem eben weil die öffentlichen Haushalte entschuldet waren.
- Zudem verzichteten all jene Länder, die im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen rücksichtslos ausgeplündert worden waren, in London auf ihre
- Reparationsansprüche. Sie ließen sich aber nur deshalb darauf ein, weil die Amerikaner ihnen eine andere Lösung schmackhaft machten, die
- eines deutschen Wirtschaftswunders, von dem ganz Europa profitieren sollte. Die Amerikaner haben damals den Europäern gesagt, was ihr braucht für
- den Wiederaufbau in Westeuropa sind deutsche Maschinen, deutsche Lokomotiven, deutsche Warenlieferungen, aller Ort. Das können die Deutschen sehr
- gut. Wir werden einfach die deutsche Kriegsmaschinerie zivilisieren und dir und als Kapitalgüterindustrie, als Investitionsgüterindustrie
- für den westeuropäischen Aufbau nutz machen. Da wird zwar dann irgendeinem deutschen Vermögenskonto was gut geschrieben, äh aber ob das dann auf die
- Dauer wirklich geleistet und bezahlt wird, das kann man ja erstmal sehen. Das ist dann ein Problem der Zukunft. Ihr kriegt also von Deutschland mehr als ihr
- nach eur nach Deutschland liefern müsst und dieses Spiel spielen wir jetzt seit 60 Jahren. Das große Spiel, das damals in London
- hinter verschlossenen Türen beschlossen wurde, führte die junge Bundesrepublik geradewegs ins Wirtschaftswunder. Das war die schöne Seite der Medaille.
- Man vergaß aber den Deutschen zu sagen, dass all dies nur möglich war, weil andere Länder uns unsere Schulden erließen und auf Reparationen
- verzichteten. Das ist die Kehrseite des Wirtschaftswunders. Ganz zynisch gesagt kann man sagen,
- eigentlich haben die Griechen durch ihre Verschuldung sich ihre Reparationen geholt. Wenn sie jetzt ihre Schulden nicht bezahlen oder nur mit ganz
- geringer Quote bezahlen und darauf wird es hinauslaufen, dann könnte man aus wirtschaftlicher Sicht argumentieren, man ist quid.
- Es waren also die Griechen und andere Länder Europas, die unser Wirtschaftswunder erst möglich machten. Und es waren die Amerikaner, die aus
- Angst vor einem Übergreifen des Kommunismus auf Westdeutschland dafür die entscheidenden Weichen stellten. Für mich ist dies die wahre Geschichte
- unseres Wirtschaftswunders. Alles andere nur Legende. [Musik]
Zum Nachlesen
MarktwirtschaftDie Marktwirtschaft ist ein zentraler Begriff der ökonomischen Theorie und der Wirtschaftsgeschichte. In der Theorie der Wirtschaftsordnungen bezeichnet …
Ludwig ErhardErhard wird häufig als Vater des „deutschen Wirtschaftswunders“ angesehen; sein tatsächlicher Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung ist allerdings umstritten.
MärchenMärchen (Diminutiv zu mittelhochdeutsch mære „Kunde, Bericht, Nachricht“) sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen.
WirtschaftswunderUrsachen des Wirtschaftswunders · Marshallplan-Hilfen · Keynesianische Erklärung · Angebotstheoretischer Ansatz · Nachfragetheoretischer Ansatz · Spezifisch deutsche …