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Postillon-Newsticker – Teil 1: Semantik – Polysemie vs. Homonymie 🗨️ Sprachwissenschaft beispielhaft
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 27 Zeilen
- Ausgangspunkt ist diesmal der sicherlich allseits bekannte "Postillon". Neben all den seriösen Meldungen gibt es dort auch eine Rubrik, in der alberne Wortspiele versammelt werden. Eine meiner größten Schwächen.
- Witze zu erklären ist eigentlich nie lustig. Nun, aber nötig, um daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Die meisten Wortspiele sind entweder semantischer oder aber phonetischer Natur.
- In diesem Video geht es um die semantischen Wortspiele. Hier entsteht der Humor dadurch, dass das Verb "sägen" eine Doppeldeutigkeit aufweist. Tatsächlich haben sehr viele Wörter mehrere Bedeutungen.
- Teilweise wird hier der Begriff der lexikalischen Bedeutung gebraucht, wenn es um die Gesamtbedeutung eines Wortes geht. Das Wort "Maus" etwa kann neben seiner Hauptbedeutung verschiedene weitere annehmen. Die aktuelle Bedeutung ist dann diejenige, die im konkreten jeweiligen Kontext vorliegt,
- wie etwa in diesem Beispielsatz. Wer, wie etwa mein Opa, diese Bedeutung nicht kennt, wird mit dem Satz wenig anfangen können. Das Besondere an den Wortspielen ist nun aber, dass sozusagen zwei aktuelle Bedeutungen parallel vorliegen,
- je nach Lesart kann ich hier "eine Säge benutzen" oder "schnarchen" einsetzen. In diesem Video soll es nun aber um die Unterscheidung zwischen zwei Formen der Ambiguität gehen: Die Polysemie und die Homonymie.
- Polysemie liegt vor, wenn wir einen Ausdruck haben, der verschiedene, miteinander zusammenhängende Bedeutungen hat. Bei der Homonymie haben wir hingegen einen Ausdruck mit mehreren Bedeutungsinhalten, die nur zufällig dieselbe Form haben. Sie hängen aber nicht miteinander zusammen, sie sind etymologisch, in ihrer Wortherkunft, nicht miteinander verwandt.
- Mit Beispielen wird das klarer. In den beiden Sätzen "Anna starrt an die Decke" und "Anna zieht Sören die Decke weg." haben wir verschiedenen Bedeutungen von "Decke". Die hängen aber miteinander zusammen, das gemeinsame semantische Merkmal ist hier 'den oberen Abschluss bildend'.
- Einfacher ausgedrückt: Sowohl die Zimmerdecke als auch die Bettdecke liegen auf etwas drauf, sie bedecken etwas. Es sind also Polyseme. In den Sätzen "Ein schriller Ton erklingt" und "Diese Schüssel ist aus Ton" liegt "Ton" ist verschiedenen Bedeutungen vor.
- Zwischen "Ton" im Sinne von "Laut" und "Ton" im Sinne von "Lehm" finden wir aber kein gemeinsames Merkmal, sie hängen etymologisch nicht miteinander zusammen, sondern wir haben nur eine zufällige Gleichnamigkeit. Es sind also Homonyme.
- In Wörterbüchern werden Polyseme meistens direkt in einem Eintrag erfasst, die verschiedenen Bedeutungen werden einfach aufgelistet. Homonyme haben dagegen jeweils einen eigenen Eintrag.
- Damit wird klar, dass die beiden Wörter nicht zusammenhängen. Naja, so trennscharf, wie es hier scheint, ist die Unterscheidung oft leider nicht. Die Wortverwandtschaft kann nicht immer sofort und eindeutig beurteilt werden.
- In vielen Fällen ist aber schnell klar, ob Polysemie oder Homonymie vorliegt. Das sägen-Beispiel ist natürlich eines für Polysemie, denn wie so oft bei der Polysemie liegt eine metaphorische Übertragung vor:
- Das Geräusch des Holzsägens wird auf das Schnarchen ausgeweitet. Hier dagegen hätten wir einen Fall von Homonymie: "Schuppen: Ehemann muss wegen ungepflegter Haare im Garten wohnen."
- Die beiden Bedeutungen von "Schuppen" hängen nicht miteinander zusammen, wir können kein gemeinsames semantisches Merkmal finden. Ich würde sagen, dass die Homonymie sogar tendenziell lustiger ist,
- da die semantische Verbindung abseitiger und somit überraschender ist als bei der Polysemie. Bei der Homonymie können wir aber noch zwei Sonderfälle unterscheiden, nämlich die Homophonie und die Homographie.
- Ein Beispiel für die Homophonie haben wir hier: "Wal fiel auf ihren Mann: Witwe nimmt Auszeichnung für ungewöhnlichste Todesart entgegen." Die "Wahl" und der "Wal" werden genau gleich ausgesprochen,
- die Schreibung unterscheidet sich aber. Und die Bedeutung natürlich auch. Das Gegenstück dazu ist die Homographie,
- wie hier "beamte" gegenüber "Beamte". Die Begriffe werden gleich geschrieben, aber unterschiedlich ausgesprochen. Das kommt aber vergleichsweise selten vor.
- Hier noch eine zusammenfassende Übersicht über die verschiedenen Formen der Ambiguität. Wenn ein Bedeutungszusammenhang bzw. etymologische Verwandtschaft besteht, sprechen wir von Polysemie. Homonymie im engeren Sinne liegt vor, wenn Lautung und Schreibung übereinstimmen.
- Sonderfälle sind die Homophonie, wenn nur die Lautung, aber nicht die Schreibung übereinstimmt, sowie die Homographie im genau umgekehrten Fall. Auch viele klassische Witze basieren auf solchen Bedeutungsspielchen.
- Einen davon haben wir hier: Dracula kommt in eine Polizeikontrolle. Polizist: "Haben Sie was getrunken?" Dracula: "Zwei Radler." Hier fällt es vielleicht schwer, eine semantische Verbindung zwischen Fahrradfahrer und alkoholischem Getränk zu finden.
- In so einem Fall lohnt sich der Blick ins etymologische Wörterbuch. Das Radler ist demnach "das Getränk derjenigen, die mit dem Fahrrad in die Ausflugslokale gefahren sind und nicht zu viel Alkohol trinken wollten." Dementsprechend haben wir hier eine Polysemie.
- Zugegeben, der Zusammenhang ist hier nur noch schwach. Es ist generell umstritten, wie weit man in der Sprachgeschichte zurückgehen sollte. Die Unterscheidung zwischen Polysemie und Homonymie ist also nicht ganz unproblematisch.
- Hier sehen Sie acht weitere Wortspiele vom Postillon. Wenn Sie möchten, können Sie das Video anhalten und sich überlegen, ob hier Polysemie oder Homonymie oder ein Sonderfall davon vorliegt.
- Ein etymologisches Wörterbuch sollten Sie dazu nicht benötigen, überlegen Sie sich am besten einfach, ob ein gemeinsames semantisches Merkmal besteht oder nicht. Und zum Schluss noch der Hinweis, dass Ambiguität natürlich nicht nur Potenzial für Wortspiele bietet, sondern auch für Missverständnisse.
- Hier ein sehr schönes Beispiel dafür.
Zum Nachlesen
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