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Bahnwärter Thiel to go (Hauptmann in 7 Minuten)
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 67 Zeilen
- [Musik] Guten Tag meine Damen und Herren und herzlich willkommen zu Bahnwerter Tiel
- von Gerhard Hauptmann. Um es gleich zu sagen, das ist eine ganz schön traurige Geschichte. Ja, mit dabei sind Tiel, der
- in schönnstein südöstlich von Berlin lebt und als ob das noch nicht einsam genug wäre, arbeitet er als
- Streckenwerter der Eisenbahn mitten im Wald. Er ist in zweiter Ehe verheiratet mit Lene, die vor kurzem ein Söhnchen
- zur Welt gebracht hat, während der kleine Tobias der Sohn Tiels aus erster Ehe ist. seine Mutter Mina starb bei der
- Geburt und ansonsten gibt's noch ein paar Nebenfiguren. Hauptmann schreibt seine novelistische Studie 1887. Es ist
- eine knappe Geschichte, die es in sich hat. Tiel ist fleißiger Kirchgänger. In 10 Jahren fehlt er nur an zwei Sonntagen
- aufgrund von massiven Verletzungen, weil die Leute immer Sachen aus dem Zug schmeißen. Wo ist denn hier eigentlich
- die Kirche? Na ja, die Natur um ihn herum fungiert in dieser Erzählung sehr oft als sakraler Ort. Gleichzeitig ist
- es aber auch so eine Industrieehölle. Ja, mit stahlglänzenden Blättern und feurigen Sonnenuntergängen. Herr
- Pfarrer, ja, ich würde gerne noch mal heiraten, aber das mit der Miner ist doch erst ein Jahr her. Ja, wegen
- Tobias, dass sich wer um ihn kümmert. Ach so, ist was anderes. Also heiratet er Leene. Genau. Wie ist sie ein
- Arbeitstier? Zuverlässig wie ein Uhrwerk. Aber sieht man hier, sie hat echt Haare auf dem Zehen. Vielleicht
- hätte ich das doch nicht machen sollen. Die kann den Tobias echt nicht leiden. Vor allem, seit sie das Kleine hat. Aber
- jetzt ist es halt so und ihr Dekoltee, er ist ihr sexuell verfallen. Na ja, hier in meinem Bahnwerterhäuschen habe
- ich ja nachts nichts zu tun. Da sta ich auf die Fotografie von meiner Minner, singe Lieder aus dem Gesangbuch und lese
- in der Bibel. Das macht man halt so, wenn man Streckenwerter ist. Eines Juni morgens kommt er vom Dienst nach Hause
- und die Frau nöllt ihm die Ohren voll. Unser Kartoffellaker ist weg, der Gepachtete. Wir werden verhungern. ist
- alles deine Schuld. Und er so: "Mein Chef, der Bahnmeister verpachtet uns ein Acker an der Bahn." Nee doch, glaube ich
- nicht. Sind zwei Obstbäume drauf. Was? Das muss ich gleich rumerzählen. Und während sie mit der Neuigkeit abdampft,
- kümmert er sich um seinen Sohn. Na Tobiaschen, was willst du denn werden? Bahnmeister. Das ist eine Fantasie, die
- sie beide erfreut, wenn es auch unwahrscheinlich ist, weil er ein bisschen zurückgeblieben ist. Nachmittag
- spielt er dann mit ihm und den anderen Kindern aus dem Dorf hilft ihn beiden Hausaufgaben, auch wenn das ganze Dorf
- darüber lästert. So, jetzt muss ich aber zum Dienst. Und er geht ab zum Dienst. Oh, der Wald sieht ja heute wieder wie
- eine Industriehölle aus. Scheiße, ich habe mein Butterbrot vergessen. Geht nach Hause. Von weitem hört er schon
- spitze Schreie und dumpfe Schläge, denn Lene hat sich mal wieder über den Tobias her gemacht und misshandelt ihn. Du
- kleines Mist. Tierel, spionierst du mir nach? Ich habe nichts zu verbergen und ihr reiß mich zusammen. Es hat eh keinen
- Sinn. welt mit dem Butterbrot, dampft wieder ab, während sein Sohn in der Ecke weiter wimmert. Das ist echt hart. Seine
- Hauptaufgaben während des Dienstes bestehen darin, rechtzeitig die Barriere zu schließen, wenn zukommt und ansonsten
- die Strecke zu inspizieren. Er hat also viel Zeit. Jetzt geht er mal mit dem Sparten zu diesen neuen Acker direkt an
- der Bahnschiene und gräbt ein bisschen plötzlich so: "Nee, das geht ja nicht. Wenn die Lehne hier immer herkommt und
- an dem Kartoffelacker arbeitet, dann stürte mich ja an meiner Männerandacht." Und diese Vorstellung nimmt ihn so mit,
- dass er während des Dienstes in seiner Hütte einschläft, was ein Supergau ist. Oh Gott, fünf Vor Schnellzug, aber noch
- rechtzeitig wacht er auf. Es regnet, er nimmt die Mütze ab und schließt die Barriere. Und dann während der Zug auf
- ihn zurollt, sieht er von weitem hat er die Vision seiner toten Frau, ja, die ein blutiges Bündel im Arm trägt und auf
- ihn zustürzt. Und er so: "Minner, sie flieht offensichtlich mit ihrem Kind." Ja, trotz dieser verstörenden Erfahrung
- vergeht der Sonntag einigermaßen normal im Hause. Tiel abends nur sagt die Lehne dann so und morgen komme ich d mal mit
- zum Kartoffelacker und der so und die so hey Tier. Aber er sagt mal wieder nichts. Also packt die Familie am
- nächsten Morgen Kind und Kegel, denn es soll ja dann den ganzen Tag gearbeitet werden, also müssen alle mitkommen und
- macht sich auf den Weg zum neuen Kartoffelacker. Die kommen an, die Frau prüft die Qualität des Bodens und ist
- zufrieden, was ihn zufrieden macht. Und dann fängt sie an zu graben und sagt zu, aber der Tobias bleibt bei dem kleinen,
- ich höre nichts. Und dann gehen Vater und Sohn erstmal ein bisschen da im Wald spazieren und der Kleine freut sich und
- der Papa freut sich deswegen und dann läuft ihn ein Eichhörnchen überm Weg. Das wä jetzt mal ein Eichhörnchen und
- der Sohn so: "Papa, ist das der liebe Gott?" Ach du kleiner Dep. Dann ist Mittagessenszeit und endlich ist mal ein
- bisschen Ruhe in dieser Familie und der Tiel so nahlehne, kannst du dir vorstellen, dass in einer einzigen
- Schiene 46 Schrauben sind? Oh wow. Also, ich pflanze jetzt Kartoffeln und jetzt bleibt der Tobias hier und so: "Na gut,
- aber passt auf." Ja, wir sind ja an entschiedenen. Und er inspiziert seine Strecke weiter. Ah, der schlesische
- Schnellzug. Wieso pfeift denn der dreimal? Wieso bremsen die? Nein, Jesus Christus. Und
- er sieht eine dunkle Masse unterm Zug. Tobias ist überfahren worden. Der Zug hält. Leute strömen heraus und sag, er
- lebt noch schnell. Wir können ihn vielleicht zum Bahnarzt bringen. Tiel nimmt ihn erst auf den Arm. Dann gibt er
- ihn aber Lehne, weil er natürlich seinen Posten nicht verlassen kann, was ganz schrecklich für ihn ist. Also fährt die
- ganze Truppe mit dem halbtoten Kind im Arm ab und er irrt umher. Er muss leben. Mner, gib ihm mir wieder. Dann kommt das
- Eichnchen vom Einkaufen zurück. So, der liebe Gott springt über den Weg und ihr Balk lebt und er beugt sich über
- das Kind im Kinderwagen und will es schon erwirgen. Da besinnt er sich eines Besseren, sagt: "Es lebt, Gott sei
- Dank." Und dann kommt der Kieszug. Der Kieszug ist ein langsamer Zug, der die Arbeiter aus der Gegend, die im Kieswerk
- leben, arbeiten und so weiter, nach Hause bringt. Der Zugführer kommt auf ihn zu und gibt ihm die Hand, denn sie
- haben die Leiche von Tobias dabei. Er ist tot und dann wird Tiel ohnmächtig. Sie legen die Leiche von Tobias in das
- Bahnwärterhäuschen. Tiel wird nach Hause gebracht. Dort kümmert sich seine Frau relativ rührend um ihn, macht ihm kalte
- Umschläge und die Arbeiter gehen noch mal weg, um die Leiche von Tobias zu bringen. Als sie wiederkommen, finden
- sie Lehene mit eingeschlagenem Schädel und ihren kleinen Sohn mit durchschnittener Kehle. Tiel ist
- offensichtlich wieder zu sich gekommen und hat sie umgebracht. Er wird gesucht und zunächst mal nicht gefunden. Etwas
- später dann entdecken Sie ihn an der Stelle, an der Tobias überfahren worden ist auf den Gleisen sitzen mit Tobias
- brauner Mütze in der Hand. Die wäre jetzt mal braun. Nur mit Gewalt können Sie ihn von den Schienen entfernen,
- damit der nächste Zug vorbeifahren kann. Dann wird er in eine Psychiatrie gebracht, wo er wahrscheinlich bis ans
- Ende seiner Tage bleibt. Und so endet der Mann, der sich so in seiner Pflicht gefangen fühlt, dass er sein Liebstes
- verrät und verliert. Und das liebe Gemeinde war Bahnwärter Tiel von Gerhard Hauptmann.
- Vielen Dank.
Zum Nachlesen
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