DER STEPPENWOLF Hermann Hesse / Teil 1: "Wolf oder Mensch?" SCHÄFER liest... https://www.youtube.com/watch?v=v9KTEZZyAGY Transkript (automatisch erstellt) 0:00 [Musik] Hermann Hesse der Steppenwolf Vorwort des Herausgebers 0:30 dieses buthält die uns gebliebenenichnung jenes Mannes welchen wir einem ausrck den er selbst 0:38 mehrmalsuchte den steenwolfannten sein manuskpt eines einführenden Vorortes bedürfe sei 0:48 dahestt mir jedenfalls ist einedfnis den Blätter des steenwolfes einigeügen aufen ich Vers me Erinnerung 0:57 ihen es ist nur wenig was ich über ihn weiß und namentlich ist seine ganze 1:05 Vergangenheit und Herkunft mir unbekannt geblieben doch habe ich von seiner Persönlichkeit einen starken und wie ich 1:14 trotz allem sagen muss sympathischen Eindruck behalten der Steppenwolf war ein Mann 1:21 von annähernd 50 Jahren der vor einigen Jahren eines Tages im Hause meiner Tante vorsprach und nach einem möblierten 1:29 Zimmer suchte er mietete die mansade oben im Dachstock und die kleine Schlafkammer daneben kam nach einigen 1:38 Tagen mit zwei Koffern und einer großen Bücherkiste wieder und hat neun oder 10 Monate bei uns gewohnt er lebte sehr 1:47 still und für sich und wenn nicht die nachbarliche Lage unserer Schlafräume manche zufällige Begegnung auf Treppe 1:55 und Korridor herbeigeführt hätte wären wir wohl überhaupt nicht miteinander bekannt geworden denn gesellig war 2:05 dieser Mann nicht er war in einem hohen von mir bisher bei niemandem beobachteten gerade 2:14 ungesellig er war wirklich wie er sich zuweilen nannte ein Steppenwolf ein fremdes wildes und auch scheues sogar 2:24 sehr scheues Wesen aus einer anderen Welt als der meinigen in wie tiefe Vereinsamung er sich 2:32 aufgrund seiner Anlage und seines Schicksals hineingelebt hatte und wie bewusst er diese Vereinsamung als sein 2:40 Schicksal erkannte dies erfuhr ich allerdings erst aus den von ihm hier zurückgelassenen 2:47 Aufzeichnungen doch habe ich ihn immerhin schon vorher durch manche kleine Begegnungen und Gespräche 2:53 einigermaßen kennengelernt und fand das Bild das ich aus seinen Aufzeichnungen von ihm gewann im Grunde übereinstimmend 3:03 mit dem freilich blasseren und lückenhafteren wie es sich mir aus unserer persönlichen Bekanntschaft 3:10 ergeben hatte zufällig war ich in dem Augenblick zugegen wo der Steppenwolf zum ersten 3:18 Mal unser Haus betrat und bei meiner Tante sich einmietete er kam in der Mittagszeit die 3:27 Teller standen noch auf dem Tisch und ich hatte noch eine halbe Stunde Freizeit ehe ich in mein Büro gehen 3:34 musste ich habe den sonderbaren und sehr zwiespältigen Eindruck nicht vergessen den er mir beim ersten begegnen machte 3:43 er kam durch die Glastür wo er vorher die Glocke gezogen hatte herein und die Tante fragte ihn im halbdunklen Flur was 3:51 er wünsche er aber der Steppenwolf hatte seinen scharfen kurzhaarigen Kopf witternd in die höher gereckt 4:01 schnupperte mit der nervösen Nase um sich her und sagte noch ehe er Antwort gab oder seinen Namen nannte oh ihr 4:11 riecht es gut er lächelte dazu und meine gute Tante lächelte auch ich aber fand diese Begrüßungsworte eher komisch und 4:22 hatte etwas gegen ihn nun ja sagte er ich komme wegen des Zimmers das sie zu vermieten haben erst als wir alle drei 4:32 die Treppe zum Dachboden hinaufstiegen konnte ich den Mann genauer ansehen er war nicht sehr groß hatte aber den Gang 4:39 und die Kopfhaltung von großgewachsenen Menschen er trug einen modernen bequemen Wintermantel und war im übrigen 4:48 anständig aber unsorgfältig gekleidet glatt rasiert und mit ganz kurzem kopfhar das hier und dort ein wenig grau 4:57 flimmerte sein Gang gefiel mir anfangs gar nicht er hatte etwas mühsames und 5:05 unentschlossenes das nicht so dem scharfen heftigen Profil und auch nicht zum Ton und Temperament seiner Rede 5:13 passte erst später merkte und erfuhr ich dass er krank war und dass das gehen ihm Mühe machte mit einem 5:22 eigentümlichen Lächeln das mir damals ebenfalls unangenehm war betrachtete er die Treppe die Wände und Fenster und die 5:31 alten hohen Schränke im Treppenhaus dies alles schien ihm zu gefallen und schien ihm doch zugleich 5:40 irgendwie lächerlich überhaupt machte der ganze Mann den Eindruck als komme er aus einer fremden 5:47 Welt etwa aus überseischen Ländern zu uns und finde hier alles sehr hübsch aber ein wenig 5:54 komisch er war wie ich nicht anders sagen kann höflich ja freundlich er war auch mit dem Haus dem Zimmer dem Preis 6:03 für Miete und Frühstück und allem sofort und ohne Einwände einverstanden und dennoch war um den 6:10 ganzen Mann herum eine fremde und wie man scheinen wollte ungute und feindliche Atmosphäre er mietete das 6:21 Zimmer mietete noch die Schlafkammer zu ließ sich über Heizung wasserbedienung und Hausordnung unterrichten hört alles 6:30 aufmerksam und freundlich an war mit allem einverstanden bot auch sogleich eine 6:35 Vorauszahlung auf die Miete an und doch schien er bei allldem nicht recht dabei zu sein schien sich selber in seinem Tun 6:44 komisch zu finden und nicht ernst zu nehmen so als sei es ihm seltsam und neu ein Zimmer zu mieten und mit Leuten 6:54 Deutsch zu sprechen während er eigentlich und im Innern mit ganz ander Sachen beschäftigt wäre so etwa war mein 7:03 Eindruck und er wäre kein guter gewesen wenn er nicht durch allerlei kleine Züge durchkreuzt und korrigiert worden 7:11 wäre vor allem war es das Gesicht des Mannes das mir von Anfang an gefiel trotz jenem Ausdruck von Fremdheit 7:21 gefiel es mir es war ein vielleicht etwas Eigenartiges und trauriges Gesicht aber ein waches sehr gedankenvolles 7:31 durchgearbeitetes und vergeistigtes und dann kam um mich versöhnlicher zu stimmen dazu dass eine 7:40 Art von Höflichkeit und Freundlichkeit obwohl sie ihm etwas Mühe zu machen schien doch ganz ohne Hochmut war im 7:49 Gegenteil es war darin etwas beinah rührendes etwas wie flehendes wofür ich erst später die Erklärung fand 8:00 dass mich aber sofort ein wenig für ihn einnahm noch ehe die Besichtigung der beiden Räume und die anderen 8:09 Verhandlungen beendet waren war meine Mittagszeit abgelaufen und ich musste in mein Geschäft gehen ich empfahl mich und 8:17 überließ ihn der Tante als ich am Abend wiederkam erzählte sie mir der fremder habe 8:24 gemietet und werde dieser tager einziehen er habe nur darum gebeten seine Ankunft nicht polizeilich zu 8:31 melden da ihm einem kränklichen Mann diese Formalitäten und das herumstehen in polizeistuben und so weiter 8:41 unerträglich sein ich erinnere mich noch genau daran wie das mich damals stutzig machte und 8:49 wie ich meine Tante davor warnte auf diese Bedingung einzugehen gerade zu dem unvertrauten 8:57 und fremden das der Mann an sich hatte schien mir diese Scheu vor der Polizei allzu gut zu passen um nicht als 9:03 verdächtig aufzufallen ich legte meiner Tante da dass sie auf dies ohnehin etwas 9:11 eigentümlicher Ansinnen dessen Erfüllung unter Umständen recht widerliche Folgen für Sie haben könne einem völlig Fremden 9:19 gegenüber unter keinen Umständen eingehen dürfe aber da stellte sich heraus dass 9:27 die Tante ihm die Erfüllung seines Wunsches schon zugesagt hatte und dass sie überhaupt sich von dem fremden 9:34 Menschen schon hatte einfangen und bezaubern lassen denn sie hat niemals Mieter 9:40 aufgenommen zu denen sie nicht in irgendein menschliches freundliches und tantenhaftes oder vielmhr mütterliches 9:50 Verhältnis treten konnte was denn auch von manchen früheren Mietern reichlich ausgenützt worden 9:58 ist und in den ersten Wochen blieb es denn auch so dass ich an dem neuen Mieter mancherlei auszusetzen hatte 10:05 während meine Tante ihn jedes Mal mit Wärme in Schutz nahm da diese Sache mit dem Unterlassen der polizeilichen 10:13 Meldung mir nicht gefiel wollte ich wenigstens erfahren was die Tante über den Fremden über seine Herkunft und 10:20 Absichten wisse und da wusste sie schon dies und jenes obwohl er nach meinem Weggang um Mittag nur noch ganz kurz da 10:30 geblieben war er hatte ihr gesagt er gedenke sich einige Monate in unserer Stadt 10:36 aufzuhalten die Bibliotheken zu benutzen und die Altertümer der Stadt anzusehen eigentlich passte es der Tante 10:45 nicht dass er nur für so kurze Zeit mieten wollte aber er hatte sie offenbar schon für sich gewonnen trotz seinem 10:52 etwas sonderbaren auftreten kurz die Zimmer waren vermietet und mein Einwende kam zu 11:01 spät warum hat er das wohl gesagt dass es hier so gut rieche fragte ich da sagte meine Tante welche manchmal recht 11:09 gute Ahnungen hat das weiß ich ganz genau es riecht ja bei uns nach Sauberkeit und Ordnung und nach einem 11:17 freundlichen und anständigen Leben und das hat ihm gefallen er sieht aus wie wenn er daran nicht mehr gewöhnt wäre 11:26 und es entbeht hätte nun ja dachte ich meinetwegen aber sagte ich wenn er an 11:36 ein ordentliches und anständiges Leben nicht gewöhnt ist wie s das dann werden was willst duchen wenn er 11:42 unreinlich undes verdreckt oder wenn er zu allen nachtstundenofen heimkt das werden wir sehen sagte sie und lachte 11:52 und ich ließ es gut sein und in der Tat waren meine Befürchtungen unbegründet der Mieter obwohl er keineswegs ein 12:01 ordentliches und vernünftiges Leben führte hat uns nicht belästigt noch geschädigt wir denken noch heute gerne 12:09 an ihn im Innern aber in der Seele hat dieser Mann uns beide die Tante und mich doch sehr viel gestört und belästigt und 12:21 offen gesagt bin ich noch lange nicht mit ihm fertig ich träume nachts manchmal von 12:28 ihm und fühle mich durch ihn durch die bloße Existenz eines solchen Wesens im Grunde gestört und beunruhigt obwohl er 12:38 mir gerade zu lieb geworden ist zwei Tage später brachte ein Fuhrmann die Sachen des Fremden der Harry Haller hieß 12:48 ein sehr schöner Lederkoffer machte mir einen guten Eindruck und ein großer flacher kabinenkoffer schien auf frühere 12:55 weite Reisen zu deuten wenigstens war er beeklebt mit den vergilbten firmenzetteln von Hotels und 13:03 Transportgesellschaften verschiedener aber überseeischer Länder dann erschien er selbst und es 13:12 begann die Zeit in der ich diesen sonderbaren Mann allmählich kennenlernte anfangs tat ich von meiner 13:20 Seite nichts dazu obwohl ich mich für Haller von der ersten Minute an in der ich ihn sah interessierte tat ich in den 13:28 ersten paar Wochen doch keinen Schritt um ihn anzutreffen oder ins Gespräch mit ihm zu 13:34 kommen dagegen habe ich allerdings dies muss ich gestehen schon von allem Anfang an den man ein wenig beobachtet auch zu 13:44 weilen während seiner Abwesenheit sein Zimmer betreten und überhaupt aus Neugierde ein klein wenig Spionage 13:55 Betrieben über das Äußere des steppenwolfes habe ich einige Angaben schon gemacht er machte durchaus und 14:01 gleich beim ersten Anblick den Eindruck eines bedeutenden eines seltenen und ungewöhnlich begabten Menschen sein 14:11 Gesicht war voll Geist und das außerordentlich zarte und bewegliche Spiel seiner Züge spiegelte ein 14:19 interessantes höchst bewegtes ungemein zartes und sensibles Seelenleben wenn man mit ihm sprach und 14:29 er was nicht immer der Fall war die Grenzen des konventionellen überschritt und aus einer Fremdheit heraus 14:37 persönliche eigene Worte sagte dann musste unser einer sich ihm ohne weiteres unterordnen er hatte mehr 14:45 gedacht als andere Menschen und hatte in geistigen Angelegenheiten jene beinah kühle Sachlichkeit jenes sichere gedacht 14:54 haben und wissen wie es nur wahrhaft geistige Menschen haben welchen jeder Ehrgeiz fehlt welche niemals zu glänzen 15:03 oder den anderen zu überreden oder Recht zu behalten wünschen eines solchen Ausspruches welcher aber nicht einmal 15:12 ein Ausspruch war sondern lediglich in einem Blick Bestand erinnere ich mich aus der letzten Zeit seines 15:19 hieins da hatte ein berühmter geschichtsphilosof und Kulturkritiker ein Mann von europäischem Namen einen 15:27 Vortrag in der Aula angekü und es war mir gelungen den Steppenwolf der erst gar keine Lust dazu hatte zum 15:35 Besuch des Vortrages zu überreden wir gingen zusammen hin und saßen im Hörsaal nebeneinander als der Redner seine 15:45 Kanzel bestieg und seine Ansprache begann enttäuschte er manche Zuhörer welcheer eine Art von Propheten in ihm 15:52 vermutet hatten durch die etwas geschniegelte und eitle Art seines Auftretens als er nun zu reden begann 16:02 und zum Beginn den Zuhörern einige Schmeicheleien sagte und für Ihr zahlreiches Erscheinen dankte da warf 16:10 mir der Steppenwolf einen ganz kurzen Blick zu einen Blick der Kritik über diese 16:17 Worte und über die ganze Person des Redners einen unvergesslichen und furchtbaren Blick über dessen Bedeutung 16:26 man ein ganzes Buch schreiben könnte der Blick kritisierte nicht bloß jenen Redner und machte den berühmten Mann 16:34 durch seine zwingende obwohl sanfte Ironie zu nichte das war das wenigste daran der Blick war viel eher traurig 16:44 als ironisch er war sogar abgründig und hoffnungslos traurig eine stille gewissermaßen 16:53 sichere gewissermaßen schon Gewohnheit und Form gewordene verz war der Inhalt dieses Blickes er 17:03 durchleuchtete mit seiner verzweifelten Helligkeit nicht bloß die Person des eitlen Redners ironisierte und erledigte 17:11 die Situation des Augenblicks die Erwartung und Stimmung des Publikums den etwas anmaßenden Titel der angekündigten 17:20 Ansprache nein der Blick des steppenwolfes durchdrang unsere ganze Zeit das ganze betriebsame tue die ganze 17:30 streberei die ganze Eitelkeit das ganze oberflächliche Spiel einer eingebildeten seichten Geistigkeit 17:40 ach und leider ging der Blick noch tiefer ging noch viel weiter als bloß auf Mängel und hoffnungslosigkeiten 17:48 unserer Zeit unserer Geistigkeit unserer Kultur er ging bis ins Herz alles Menschentums er sprach bered in ein er 17:59 einzigen Sekunde den ganzen Zweifel eines Denkers eines vielleicht Wissenden aus an der würde am Sinn des 18:07 Menschenlebens überhaupt dieser Blick sagte Schau solche Affen sind 18:17 wir schau so ist der Mensch und alle Berühmtheit alle Gescheitheit alle Errungenschaften des 18:26 Geistes alle anläuf zu Erhabenheit Größe und Dauer im menschlichen vielen zusammen und waren ein 18:37 affenspiel ich habe damit weit vorgegriffen und eigentlich gegen meinen Plan und Willen im Grunde schon das 18:45 Wesentliche über Halla gesagt während es ursprünglich meine Absicht war sein Bild nur allmählich im Erzählen meines 18:53 stufenweisen bekannt werdens mit ihm zu enthüllen nachdem ich nun denn so vorgegriffen habe erübrigt es sich noch 19:02 weiter über die rätselhafte Fremdheit Hallers zu sprechen und im Einzelnen zu berichten wie ich allmählich die Gründe 19:09 und Bedeutungen dieser Fremdheit dieser außerordentlichen und furchtbaren Vereinsamung ahnte und 19:19 erkannte es ist besser so denn ich möchte meine eigene Person möglichst im Hintergrunde lassen ich will nicht meine 19:28 bekenn vortragen oder Novellen erzählen oder Psychologie treiben sondern lediglich als Augenzeuge etwas zum Bild 19:37 des eigentümlichen Mannes beitragen der diese Steppenwolf Manuskripte hinterlassen 19:45 hat schon beim allerersten Anblick als er durch die Glastür der Tante hereintrat den Kopf so vogelartig reckte 19:54 und den guten Geruch des Hauses röhmte da mir wie das Besondere an diesem Manne aufgefallen und meine erste naive 20:03 Reaktion darauf war Widerwille gewesen ich spürte und meine Tante die im Gegensatz zu mir ja ganz und gar kein 20:13 intellektueller Mensch ist spürte ziemlich genau dasselbe ich spürte dass der Mann krank 20:20 sei auf irgendeiner Art Geistes oder Gemüts oder charakterkrank und whrte mich dagegen 20:29 mit dem Instinkt des gesunden diese Abwehr wurde im Lauf der Zeit abgelöst durch Sympathie beruhend 20:39 auf einem großen Mitleid mit diesem Tief und dauernd leidenden dessen Vereinsamung und Inneres sterben ich mit 20:50 ansah in dieser Periode kam mir mehr und mehr zum Bewusstsein dass die Krankheit dieses leidenden nicht auf irgendwelchen 20:58 Mängeln seiner Natur beruhte sondern im Gegenteil nur auf dem nicht zur Harmonie gelangten großen Reichtum seiner Gaben 21:07 und Kräfte ich erkannte dass Halla ein Genie des Leidens sei dass er im Sinne mancher 21:17 Ansprüche nietzses in sich eine geniale eine unbegrenzte furchtbare Leidensfähigkeit herangeebildet habe 21:26 zugleich erkannte ich dass nicht wel Verachtung sondern Selbstverachtung die Basis seines 21:33 Pessimismus sei denn so schonungslos und vernichtend er von Institutionen oder Personen reden konnte nie schloss er 21:43 sich aus immer war er selbst der erste gegen den er seine Pfeile richtete war er selbst der erste den er hasste und 21:55 verneinte hier muss ich eine psychologische ung einfügen obgleich ich über das Leben des steppenwolfes sehr 22:03 wenig weiß habe ich doch allen Grund zu vermuten dass er von liebevollen aber strengen und sehr frommen Eltern und 22:11 Lehren in jenem Sinne erzogen wurde der das Brechen des Willens zur Grundlage der Erziehung 22:19 macht dieses vernichten der persönndlichkeit und Brechen des Willens nun war bei diesem Schüler nicht 22:27 gelungen dazu war er viel zu stark und hart viel zu stolz und geistig statt seine Persönlichkeit zu 22:35 vernichten war es nur gelungen ihn sich selbst hassen zu lehren gegen sich selber gegen dies 22:45 unschuldige und edle Objekt richtete er nun zeitlebens die ganze Genialität seiner Fantasie die ganze Stärke seines 22:56 Denkvermögens denn darin war er trotz allem durch und durch Christ und durch und durch mertyer dass er jede Schärfe 23:05 jede Kritik jede Bosheit jeden Hass dessen er fähig war vor allem und zuerst auf sich selbst 23:15 losließ was die anderen was die Umwelt betraf so machte er beständig die heldenhaftesten und ernstesten versuche 23:23 sie zu lieben ihnen gerecht zu werden Ihnen nicht weh zuutun denn das liebe deinen Nächsten war ihm 23:32 ebenso tief eingebleut wie das hassen seiner selbst und so war sein ganzes Leben ein 23:40 Beispiel dafür dass ohne Liebe zu sich selbst auch die nächsten Liebe unmöglich ist dass der Selbsthass genau dasselbe 23:49 ist und am Ende genau dieselbe grausige Isoliertheit und Verzweiflung erzeugt wie der grelle Egoismus 24:01 aber es wird nun Zeit dass ich meine Gedanken hint anstelle und von Wirklichkeiten 24:08 spreche das erste also was ich über Herrn Haller in Erfahrung brachte teils durch meine Spionage teils durch 24:16 Bemerkungen meiner Tante bezog sich auf die Art seiner Lebensführung dass er ein Gedanken und 24:23 büchermensch war und keinen praktischen Beruf ausübte wari er lag immer sehr lange im bet oft stand 24:32 er erst kurz vom Mittag auf und ging im Schlafrock die paar Schritte von derkammer seinem wnimmer 24:39 hin dies wnimmer eine grße und freundliche mans zwei fensternah schonch wersus als zurit da eson anderen Mietern 24:51 bewohn gewesen war esüllte sich und mit deritur es immer voller an den Wänden wurden Bilder aufgehängt 25:01 Zeichnungen angeheftet zuweilen aus Zeitschriften ausgeschnittene Bilder die häufig wechselten eine südliche 25:10 Landschaft Fotografien aus einem deutschen Landstädtchen offenbar der heimathallas hingen da farbige 25:17 leuchtende Aquarelle dazwischen von denen wir erst spät erfuhren dass er sie selbst gemalt 25:24 hatte dann die Fotografie einer hübschen jungen Frau oder eines jungen Mädchens eine Zeit lang hing ein 25:33 siamesischer Buddha an der Wand er wurde abgelöst durch eine Reproduktion der Nacht von 25:41 Michelangelo dann von einem Bildnis des mahatmandi Bücher füllten nicht nur den großen Bücherschrank sondern lagen auch 25:51 überall auf den Tischen auf dem hübschen alten Sekretär auf dem Divan auf den Stühlen auf dem Boden herum 25:59 Bücher mit eingelegten papierzeichen die beständig wechselten die Bücher nahmen beständig 26:06 zu denn er brachte nicht nur ganze Packen von den Bibliotheken mit sondern bekam auch sehr häufig Pakete mit der 26:14 Post der Mann der diese Stube bewohnte konnte ein Gelehrter sein dazu passte auch der Zigarrenrauch der alles 26:23 einhüllte und die überall herumliegenden zigarrenreste und 26:30 aschenschalen ein großer Teil der Bücher jedoch war nicht Gelehrten Inhalts die große Mehrzahl waren Werke der Dichter 26:38 aus allen Zeiten und Völkern eine Zeitl lagen auf dem Divan wo er oft ganze Tage liegen zubrachte 26:47 alle sechs dicken Bänder eines Werkes herum mit dem Titel sopiens Reise von mhmel nach Sachsen vom 26:56 Ende des 18 Jahrhunderts eine Gesamtausgabe von Goethe und eine von Jean-Paul schien benutzt zu werden 27:04 ebenso novales aber auch Lessing Jakobi und Lichtenberg einige Dostojewski Bände starken voll von beschriebenen 27:14 Zetteln auf dem größeren Tisch zwischen den vielen Büchern und Schriften stand häufig ein 27:21 Blumenstrauß dort trieb sich auch ein aquarellierkasten herum der aber stets voller Staub war daneben die 27:29 aschenschalen und um auch dies nicht zu verschweigen allerlei Flaschen mit Getränken eine strohumflochtene Flasche 27:39 war meist mit italienischem Rotwein gefüllt den er in der Nähe in einem kleinen Laden holte manchmal war auch 27:46 eine Flasche Burgunder zu sehen sowie Malaga und eine dicke Flasche mit kirschgeist sah ich innerhalb recht 27:55 kurzer Zeit nahezu leer werden dann aber in eine stubenecke verschwinden und ohne dass der Rest sich weiter verminderte 28:05 verstauben ich will mich über die von mir getriebene Spionage nicht rechtfertigen und gestehe auch offen 28:12 dass in der ersten Zeit alle diese Anzeichen eines zwar von geistigen Interessen erfüllten aber doch recht 28:19 verbummelten und suchtlosen Lebens bei mir Abscheu und Misstrauen hervorriefen ich bin nicht nur ein bürgerlicher 28:31 regelmäßig lebender Mensch an Arbeit und genaue Zeiteinteilung gewohnt ich bin auch abstinent und nicht raucher und 28:40 jene Flaschen in Hallas Zimmer gefiel mir noch weniger als die übrige malerische 28:46 Unordnung wie mit Schlaf und Arbeit so lebte der Fremde auch in Bezug auf Essen und Trinken sehr ungleichmäßig und 28:56 launisch an man Tagen ging er überhaupt nicht aus und nahm außer dem Morgenkaffee gar nichts zu sich zuweilen 29:05 fand die Tante als einzigen Rest seiner Mahlzeit eine Bananenschale liegen aber an anderen Tagen speiste er in 29:12 Restaurants bald in guten und eleganten bald in kleinen vorstadtkneipen seine Gesundheit schien 29:21 nicht gut zu sein außer der Hemmung in den Beinen mit denen er oft recht mühsam seine Treppen stieg schien er auch von 29:29 anderen Störungen geplagt zu sein und einmal sagte er nebenbei er habe seit Jahren nicht mehr richtig verdaut noch 29:37 richtig geschlafen ich schrieb es vor allem seinem Trinken zu später als ich ihn 29:45 zuweilen in eines seiner Wirtshäuser begleitete war ich manchmal Zeuge wie er rasch und launisch die Weine hinunter 29:53 gooss richtig betrunken aber habe weder ich noch sonst jemand ihn je gesehen nie vergesse ich unsere erste 30:03 persönliche Begegnung wir kannten einander nur so wie eben Zimmernachbarn in einem 30:09 Mietshaus ich kennen da kam ich eines Abends aus dem Geschäft nach Hause und fand zu meinem Erstaunen Herrn Haller 30:16 beim Absatz der Treppe zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk sitzen er hatte sich auf die oberste Treppenstufe 30:24 gesetzt und rückte beiseite um mich vorbeizulassen ich fragte ihn ob er nicht wohl sei und 30:32 bot mich an ihn vollends nach oben zu begleiten Halla sah mich an und ich merkte dass ich ihn aus einer Art von 30:40 Traumzustand geweckt hatte langsam begann er zu lächeln sein hübsches und jämmerliches Lächeln mit dem er mir so 30:50 oft das Herz schwer gemacht hat dann lud er mich ein mich neben ihn zu setzen ich ich dankte und sagte ich sei 31:00 nicht gewohnt auf der Treppe vor anderer Leute Wohnungen zu setzen ach ja sagte er und lächelte 31:08 stärker sie haben Recht aber warten Sie noch einen Augenblick ich muss ihnen doch zeigen warum ich hier ein wenig 31:15 sitzen bleiben musste dabei deutete er auf den Vorplatz der Wohnung im ersten Stock wo eine Witwe wohnte auf dem 31:25 kleinen Parkett belegten Platz zwischen Trepp Fenster und Glastüre stand ein hoher mahagonischrank an der Wand mit 31:33 altem Zinn darauf und vor dem Schrank am Boden standen auf zwei kleinen niedern ständerchen zwei Pflanzen in großen 31:43 Töpfen eine azal und eine Araukarie die Pflanzen sahen hübsch aus und waren immer sehr sauber und tadellos 31:53 gehalten das war auch mir schon angenehm aufgefallen sehen sie fuhr Haller fort dieser kleine 32:02 Vorplatz mit der araokarie der riecht so fabelhaft ich kann ihr oft gar nicht vorbeigehen ohne 32:10 eine Weile halt zuumachchen auch bei Ihrer Frau Tante duftet es ja gut und herrscht Ordnung und höchste 32:18 Sauberkeit aber der Araukarien Platz hier der ist so strahlend rein so abgestaubt und 32:27 gewichst und abgewaschen so unantastbar sauber dass er förmlich ausstrahlt ich muss da immer eine Nase 32:38 voll Einatmen riechen sie es nicht auch wie da der Geruch von Bodenwachs 32:46 und ein schwacher Nachklang von Terpentin zusammen mit dem Mahagoni den abgewaschenen Pflanzenblättern und allem 32:55 einen Duft ergibt einen Superlativ von bürgerlicher Reinheit von Sorgfalt und Genauigkeit von Pflichterfüllung und 33:08 Treue im kleinen ich weiß nicht wer da wohnt aber es mus hinter dieser Glastür ein 33:16 Paradies von Reinlichkeit und abgestaubter Bürgerlichkeit wohnen von Ordnung und ängstlich rührender Hingabe 33:26 an kleine Gewohnheiten und Pflichten da ich schwieg fuhr er fort glauben Sie bitte nicht dass ich ironisch spreche 33:37 lieber Herr nichts liegt mir ferner als diese Bürgerlichkeit und Ordnung etwa verlachen zu wollen es ist ja richtig 33:45 ich selbst lebe in einer anderen Welt nicht in dieser und vielleicht wäre ich nicht imstande es auch nur einen Tag 33:52 lang in einer Wohnung mit solchen Araukarien auszuhalten aber wenn ich auch ein alter und etwas 34:00 ruppiger Steppenwolf bin so bin doch auch ich der Sohn einer Mutter und auch meine Mutter war eine bürgersfrau und 34:09 zog Blumen und wachte über Stube und Treppe Möbel und Gardinen und bemühte sich ihrer Wohnung und ihrem Leben so 34:18 viel Sauberkeit Reinheit und Ordentlichkeit zu geben als nur immer gehen 34:24 wollte daran erinnert mich der Hauch von pentin daran die Araukarie und da sitze ich denn hier und 34:32 da sehe in diesen stillen kleinen Garten der Ordnung und freue mich dass es das noch gibt er wollte aufstehen hatte aber 34:44 Mühe damit und wies mich nicht ab als ich ihm dabei ein wenig half ich blieb schweigsam aber ich 34:52 unterlag ebenso wie es zuvor meiner Tante ergangen war irgendeinem Zauber den der seltsame Mensch zuweilen haben 35:00 konnte wir gingen langsam miteinander die Treppe hinauf und vor seiner Türe schon die Schlüssel in der Hand blickte 35:08 er mir nochmals voll und sehr freundlich ins Gesicht und sagte sie kommen aus ihrem Geschäft nun ja 35:16 davon verstehe ich nichts ich lebe so etwas abseits etwas am Rande wissen sie aber 35:24 ich glaube sie haben auch Interesse für Bücher und dergleichen ihre Tante sagte mir einmal dass sie das Gymnasium 35:32 absolviert haben und ein guter Grieche war nun ich habe da heute morgen einen Satz bei novales gefunden darf ich Ihnen 35:43 den zeigen sie werden auch Freude daran haben er nahm mich mit in sein Zimmer wo es stark nach Tabak roch zog ein Buch 35:52 aus einem der Haufen heraus blätterte suchte ach das ist gut sehr gut sagte er hören Sie einmal den 36:03 Satz man sollte stolz auf den Schmerz sein jeder Schmerz ist eine Erinnerung unseres hohen 36:14 Ranges fein 80 Jahre vor nietche aber das ist nicht der Spruch den ich meinte warten sie da 36:24 habe ich ihn also die meisten Menschen wollen nicht eher schwimmen als bis sie es 36:33 können ist das nicht witzig natürlich wollen sie nicht schwimmen sie sind ja für den Boden 36:41 geboren nicht fürs Wasser und natürlich wollen sie nicht denken sie sind hier fürs Leben geschaffen nicht fürs 36:49 Denken ja und wer denkt wer das Denken zur Hauptsache macht der kann es darin zwar weit bringen aber er hat doch eben 36:59 den Boden mit dem Wasser vertauscht und einmal wird er ersaufen er hatte mich nun eingefangen und interessiert und ich 37:09 blieb eine kleine Weile bei ihm und von da an kam es nicht selten vor dass wir auf der Treppe oder auf der Straße wenn 37:16 wir uns trafen ein wenig miteinander sprachen dabei hatte ich im Anfang ebenso wie bei der 37:24 Araukarie immer ein wenig das Gefühl dass er mich ironisierte aber es war nicht so er 37:31 hatte vor mir wie vor der Araukarie geradezu Hochachtung er war von seiner 37:38 Vereinsamung seinem schwimmen im Wasser seiner Entwurzelung so bewusst überzeugt dass tatsächlich und ohne jeden hohen 37:47 zuweilen der Anblick einer alltäglichen bürgerlichen Handlung die Pünktlichkeit z.B mit der ich zu meinen Bürostunden 37:55 ging oder der Ausspruch eines Dienstboten oder trambahnschaffners ihn begeistern konnte 38:03 zuerst erschien mir das recht lächerlich und übertrieben so eine Herren und bummlerlaune eine spielerische 38:12 Sentimentalität aber mehr und mehr musste ich sehen dass er in der Tat unsere kleine bürgerliche Welt aus 38:19 seinem luftleeren Raume aus seiner Fremdheit und steppenwolfigkeit heraus geradezu 38:26 bewundert und liebte als das feste und sichere als das ihm Ferne und unerreichbare als die Heimat und den 38:36 Frieden zu denen ihm kein Weg gebannt war er zog vor unserer zugängerin einer braven Frau den Hut jedes Mal mit einer 38:47 wahren Ehrfurcht und wenn meine Tante sich einmal mit ihm ein wenig unterhielt oder 38:53 ihn auf eine Reparaturbedürftigkeit an seiner Wäsche auf einen hängenden Knopf an seinem 38:59 Mantel aufmerksam machte dann hörte er mit einer merkwürdigen Aufmerksamkeit und Wichtigkeit zu als gäbe er sich eine 39:09 unsägliche und hoffnungslose Mühe durch irgendeinen Spalt in diese kleine friedliche Welt einzudringen und dort 39:18 heimisch zu werden sei es auch nur für eine Stunde schon bei jenem ersten Gespräch 39:26 bei der Araukarie nannte er sich den Steppenwolf und auch dies befremdete und störte mich ein wenig was waren das für 39:37 ausdrücke aber ich lernte den Ausdruck nicht nur durch Gewöhnung gelten zu lassen sondern bald nannte ich den Mann 39:44 bei mir selbst in meinen Gedanken nie mehr anders als den Steppenwolf und wüsste auch heute noch kein treffenderes 39:53 Wort für diese Erscheinung ein zu uns in die Städte und ins herdenleben verirrter Steppenwolf schlagender konnte kein 40:04 anderes Bild ihn zeigen seine scheue Vereinsamung seine Wildheit seine Unruhe sein Heimweh und seine 40:16 Heimatlosigkeit einmal konnte ich ihn einen ganzen Abend lang beobachten in einem symfoniekonzert wo ich ihn zu 40:24 meiner Überraschung in meiner Nähe sitzen sah ohne dass er mich bemerkte erst wurde Hänel gespielt eine edle und 40:33 schöne Musik aber der Steppenwolf saß in sich versunken und ohne Anschluss weder an die Musik noch an seine 40:42 Umgebung unzugehörig einsam und fremd saß er mit einem kühlen aber sorgenvollen Gesicht vor sich 40:53 niederblickend dann kam ein anderes Stück eine kleine von friedemannbach und da war ich ganz erstaunt zu sehen wie 41:02 nach wenigen Takten mein Fremdling anfing zu lächeln und sich hinzugeben er sank ganz in sich hinein und sah wohl 10 41:13 minutenlang so glücklich versunken und in gute Träume verloren aus dass ich mehr auf ihn als auf die Musik 41:22 achtete als das Stück zu Ende war erwachte er setzte sich gerade machte ma aufzustehen und schien gehen zu wollen 41:32 blieb dann aber doch sitzen und hörte auch noch das letzte Stück an es waren Variationen von reger eine Musik die von 41:41 vielen als etwas lang und ermüdend empfunden wurde und auch der Steppenwolf der anfangs noch aufmerksam und 41:49 gutwillig zugehört hatte fiel wieder ab er steckte die Hände in die Taschen und sank wieder in sich hinein 41:58 diesmal aber nicht glücklich und träumerisch sondern traurig und schließlich böse sein Gesicht war wieder 42:07 fern grau und erloschen er sah alt und krank und unzufrieden aus nach dem Konzert sah ich ihn auf der 42:16 Straße wieder und ging hinter ihm her in seinen Mantel verkrochen schritt er unlustig und müde in der Richtung nach 42:24 unserem Viertel davon vor V einem kleinen altmodischen Wirtshause aber blieb er stehen sah unschlüssig auf die 42:32 Uhr und ging dann hinein ich folgte einem augenblicklichen Gelüste und ging ihm nach da saß er an 42:42 einem kleinenbürgerlichen wirtstisch Wirtin und Kellnerin begrüßten ihn als bekannten Gast und ich grüßte und setzte 42:50 mich zu ihm eine Stunde saßen wir dort und während ich zwei Gläser mit er trank 42:58 ließ er sich einen halben und dann noch einen viertellitter Rotwein geben ich sagte dass ich im Konzert 43:06 gewesen sei aber er ging nicht darauf ein er las die Etikette meiner Wasserflasche und fragte ob ich keinen 43:15 Wein trinken wolle zu dem er mich einlade als er hörte dass ich nie Wein trinke machte er wieder sein hilfloses 43:24 Gesicht und sagte er da haben sie recht ich habe auch jahrelang inthaltsam gelebt und auch 43:32 lange Zeiten gefastet aber zur Zeit stehe ich wieder im Zeichen des Wassermanns einem dunklen 43:40 und feuchten Zeichen und als ich nun scherzend auf diese Anspielung einging und andeutete 43:47 wie unwahrscheinlich es mir sei dass gerade erer an Astrologie glaube dann nahm er wieder den zu höflichen Ton an 43:55 der mich oft verletzte sagte ganz richtig auch an diese Wissenschaft kann ich leider nicht glauben ich ging und 44:05 empfall mich und er kam erst sehr spät in der Nacht nach Hause aber sein Schritt war der gewohnte und wie immer 44:13 ging er nicht so gleich zu Bett ich hörte das als sein zimmernchbar ja genau sondern hielt sich wohl noch eine Stunde 44:21 bei Licht in seinem Wohnzimmer auf auch einen anderen Abend habe ich vergessen da war ich allein Hause die Tante war 44:30 nicht da und es läutete an der Haustür und ich öffnete stand da eine junge sehr hübche D und sie nach Herrn Haller 44:40 fragte erkannte ich sie es war die auf der fotogfie in seinem Zimmer ich zeigte ihr seine Tür und zog 44:48 mich zurü sielieb eine Weile oben bald darauf aber hörte ich sie miner die Treppe hinab undusgeh lebhaft und sehr 44:58 vergnügt in scherzendem Gespräch ich war sehr erstaunt dass der Einsiedler eine Geliebte habe und eine so junge hübsche 45:07 und elegante und alle meine Vermutungen über ihn und sein Leben wurden mir wieder 45:14 ungewiss aber eine kleine Stunde später kam er schon wieder nach Hause allein mit schwerem traurigem Schritt mühte 45:23 sich die Treppe hinauf und schlich dann stundenlang in seinem Wohnzimmer leise auf und ab richtig wie ein Wolf im Käfig 45:32 geht die ganze Nacht bis fast zum Morgen war Licht in seinem Zimmer ich weiß über dies Verhältnis gar 45:40 nichts und will nur hinzufügen noch einmal sah ich ihn mit jener Frau zusammen in einer Straße der 45:47 Stadt sie gingen Arm in Arm und er sah glücklich aus ich wunderte mich wieder wie viel Anmut ja kindlich it sein 45:58 versorgtes einsames Gesicht gelegentlich haben konnte und Begriff die Frau und Begriff auch die Teilnahme die meine 46:07 Tante für diesen Mann hatte aber auch an jenem Tage kam er abends traurig und Elend nach Hause ich 46:16 traf ihn an der Haustür an er hatte wie manches Mal unter Mantel die italienische Weinflasche bei sich und 46:24 saß mit ihr die halbe Nacht in seiner Höhle oben er tat mir leid aber was war das 46:33 auch für ein trostloses verlorenes und wehrloses Leben das er führte nun es ist genug geplaudert es 46:44 bedarf weiter keiner Berichte und Schilderungen um zu zeigen dass der Steppenwolf das Leben eines 46:49 Selbstmörders führte aber dennoch glaube ich nicht dass er sich das Leben genommen hat 46:56 damals als er unversehens und ohne Abschied aber nach Bezahlung aller Rückstände unsere Stadt eines Tages 47:04 verließ und verschwunden war wir haben nie wieder etwas von ihm gehört und bewahren noch immer einige Briefe auf 47:12 die noch für ihn ankamen zurück ließ er nichts als sein Manuskript dass er während seines 47:20 hiesigen Aufenthaltes geschrieben hat und dass er mit wenigen Zeilen mir zueignete 47:27 mit dem Bemerken ich könne damit machen was ich wolle es war mir nicht möglich die 47:34 Erlebnisse von denen Hallas Manuskript erzählte auf ihren Gehalt an Realität nachzuprüfen ich zweifle nicht daran 47:41 dass sie zum größten Teil Dichtung sind nicht aber im Sinn willkürlicher Erfindung sondern im Sinne eines 47:50 ausdrucksversuches der tieferlebte seelische Vorgänge im Kleide sichtbarer Ereignisse 47:58 darstellt die zum Teil fantastischen Vorgänge in Hallas Dichtung stammen vermutlich aus der letzten Zeit seines 48:05 hiesigen Aufenthaltes und ich zweifle nicht daran dass Ihnen auch ein Stück wirklichen äußeren Erlebens zugrunde 48:14 liegt in jener Zeit zeigte unser Gast in der Tat ein verändertes benehmen und Aussehen war sehr viel außer Hause 48:22 zuweilen auch ganze Nächte und seine Bücher len unberührt die wenigen Male die ich ihn 48:29 damals antraf schien er auffallend lebendig und verjüngt einige Male geradezu 48:37 vergnügt gleich darauf folgte allerdings eine neue schwere Depression er blieb tagelang im Bett ohne Essen zu begehren 48:45 und in jene Zeit fiel auch ein außerordentlich heftiger ja brutaler Zank mit seiner wieder aufgetauchten 48:53 geliebten der das ganze Haus revoltierte und für welchen hallertags darauf meine Tante um Entschuldigung gebeten hat nein 49:03 ich bin davon überzeugt dass er sich nicht das Leben genommen hat er lebt noch er geht irgendwo auf seinen müden 49:11 Beinen die Treppen fremder Häuser auf und ab starrt irgendwo auf blank gescheuerte Parkettböden und auf sauber 49:19 gepflegte Araukarien setzt Tage in Bibliotheken und Nächte in Wirtshäusern od liegt einem gemieteten kanap hört 49:30 hinter den Fenstern die Welt und die Menschen leben und weiß sich ausgeschlossen tötet sich aber nicht 49:39 denn ein Rest von Glaube sagt ihm dass er dies leiden dies böse leiden in seinem Herzen zu Ende kosten und dies 49:49 leiden es sei woran er sterben müsse ich denke of an ihn er hat mir das Leben nicht leichter gemacht er hatte 49:59 nicht die Gabe das starke und frohe in mir zu stützen und zu fördern im 50:06 Gegenteil aber ich bin nicht er und ich führe nicht seine Art von Leben sondern das meine ein kleines und bürgerliches 50:14 aber gesichertes und von Pflichten erfülltes und so können wir seiner in Ruhe und Freundschaft denken ich und 50:25 meine Tante welche mehr über ihn zu sagen wüsste als ich aber das bleibt in ihrem gütigen Herzen 50:33 verborgen was nun die Aufzeichnungen Hallas betrifft diese wunderlichen zum Teil krankhaften zum Teil schönen und 50:42 gedankenvollen Fantasien so muss ich sagen dass ich diese Blätter wären sie mir zufällig in die Hand gefallen und 50:49 ihr Urheber mir nicht bekannt gewesen gewiss entrüstet weggeworfen hätte aber durch meine Bekanntschaft mit 50:58 Haller ist es mir möglich geworden sie teilweise zu verstehen ja zu billigen ich würde Bedenken tragen sie 51:07 anderen mitzuteilen wenn ich in ihnen bloß die pathologischen Fantasien eines einzelnen eines armen gemütskranken 51:15 sehen würde ich sehe in ihnen aber etwas mehr ein Dokument der Zeit denn Hallas seelenkrankheit ist das weiß ich heute 51:26 nicht die Schrulle eines Einzelnen sondern die Krankheit der Zeit selbst die Neurose jener Generation welcher 51:34 Haller angehört und von welcher keineswegs nur die Schwachen und minderwertigen Individuen befallen 51:41 scheinen sondern gerade die starken geistigsten begabtesten diese Aufzeichnungen 51:49 einerlei wie viel oder wenig realen Erlebens ihnen zugrunde liegen mag sind ein Versuch die große zeitkrankheiten 51:57 nicht durch umgehen und beschönigen zu überwinden sondern durch den Versuch die Krankheit selber zum Gegenstand der 52:05 Darstellung zu machen sie bedeuten ganz wörtlich einen Gang durch die Hölle einen bald angstvollen bald mutigen Gang 52:16 durch das Chaos einer verfinsterten Seelenwelt gegangen mit dem Willen die Hölle zu durchqueren dem Chaos die Stirn 52:25 zueten das Böse bis zu Ende zu erleiden ein Wort Hallers hat mir den 52:33 Schlüssel zu diesem Verständnis gegeben er sagte einmal zu mir nachdem wir über sogenannte Grausamkeiten im 52:42 Mittelalter gesprochen hatten diese Grausamkeiten sind in Wirklichkeit keine ein Mensch des 52:50 Mittelalters würde den ganzen Stil unseres heutigen Lebens noch ganz anders als grausam setzlich und barbarisch 52:59 verabscheuen jede Zeit jede Kultur jede Sitte und Tradition hat ihren Stil hat ihre ihr zukommenden zartheiten und 53:09 Herten Schönheiten und Grausamkeiten hält gewisse leiden für selbstverständlich nimmt gewisse übel 53:18 geduldig hin zum wirklichen leiden zur Hölle wird das menschliche Leben nur da wo zwei Zeiten zwei Kulturen und 53:28 Religionen einander überschneiden ein Mensch der Antike der Mittelalter hätte leben müssen wäre 53:36 daran jämmerlich erstickt ebenso wie ein Wilder inmitten unserer Zivilisation ersticken 53:43 müsste es gibt nun Zeiten wo eine ganze Generation so zwischen zwei Zeiten zwischen zwei Lebensstile 53:52 hineingerätt dass ihr jede selbstverständlich jede Sitte jede Geborgenheit und 53:59 Unschuld verloren geht natürlich spürt das nicht ein jeder gleich stark eine Natur wie Nietsche hat das heutige Elend 54:10 um mehr als eine Generation voraus erleiden müssen was er einsam und unverstanden auszukosten hatte das 54:19 Erleiden heute Tausende dieses Wortes musste ich beim Lesen der aufzeichn 54:26 oft gedenken Haller gehört zu denen die zwischen zwei Zeiten hineingeraten die aus aller Geborgenheit und Unschuld 54:35 herausgefallen sind zu denen deren Schicksal es ist alle Fragwürdigkeit des Menschenlebens gesteigert als 54:44 persönliche Qual und Hölle zu erleben darin scheint mir liegt der Sinn den seine Aufzeichnungen für uns haben 54:54 können und darum entschloss ich mich sie mitzuteilen im übrigen will ich sie 55:02 nicht in Schutz nehmen noch über sie aburteilen möge jeder Leser dies nach seinem Gewissen tun 55:16 Ende erster Teil [Musik]