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Das Frauenbild der DDR vs. Frauen in der Bundesrepublik I Geschichte

MrWissen2go Geschichte | Terra X9:23 288.038 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 96 Zeilen
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  1. in welcher Gesellschaft es die Frauen eigentlich besser gehabt haben: In der Bundesrepublik Deutschland
  2. oder in der Deutschen Demokratischen Republik, der DDR. Ich versuche mich am Thema.
  3. Hier ist der große Ost-West-Vergleich zur gesellschaftlichen Rolle der Frau.
  4. 1.Punkt: Arbeit. Lassen wir die Zahlen sprechen:
  5. Mitte der 1980er üben mehr als 90% der Frauen in der DDR einen Beruf aus, in Westdeutschland nur etwa 50%.
  6. Das liegt daran, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der DDR ein politisches Ziel der Regierung ist.
  7. Nicht, weil die Emanzipation gefördert werden soll, sondern Frauen werden als Arbeitskräfte gebraucht.
  8. In Westdeutschland heuert man im Wirtschaftswunder Arbeiter aus anderen Ländern an.
  9. Die Möglichkeit hat die DDR nicht oder nur ganz eingeschränkt. Deshalb will sie das Arbeitskräfte- Potenzial der Frauen heben.
  10. Punkt 2: Betreuungsangebote. Damit die Frauen auch wirklich arbeiten können,
  11. muss der Staat eine ausreichende Kinderbetreuung anbieten. In der DDR sind viel mehr Krippen- und Kindergartenplätze vorhanden
  12. als im Westen. Ende der 80er liegt die ostdeutsche Versorgungsquote
  13. mit Krippen und Kindergartenplätzen bei fast 100%. In der Bundesrepublik gibt es zwar auch für 80% der Kinder
  14. Kindergartenplätze, aber Krippen sind fast unbekannt. Kleinkinder werden zu Hause betreut, in der Regel von der Mutter.
  15. Was die Regierung der DDR und die SED für die Frauen tun, das tun sie eigentlich nicht, weil sie Frauen fördern wollen,
  16. sondern weil sie Arbeitskräfte brauchen und aus ideologischen Gründen.
  17. Diese Kritik ist sicher gerechtfertigt. Andererseits ist es im alltäglichen Leben egal,
  18. aus welchen Gründen es Kita-Plätze gibt, Hauptsache, es gibt sie. Punkt 3: Frauentag.
  19. Die DDR feiert den Internationalen Frauentag am 8.März im ganz großen Stil.
  20. Schließlich ist seine Einführung der sozialistischen bzw. sozialdemokratischen Bewegung zu verdanken.
  21. So ist der Frauentag in der DDR auch eine hochpolitische Angelegenheit. Das Idealbild der Frau
  22. als gleichberechtigte und voll- erwerbstätige Mutter wird beschworen. Kritiker finden, dass dadurch,
  23. dass Partei und Staat den Frauentag so stark steuern, er als eine Art sozialistischer Muttertag gefeiert wird.
  24. Im Westen spielt der Frauentag lange gar keine Rolle. Erst als ab den 1960ern die Frauenbewegung an Bedeutung gewinnt,
  25. wird der Frauentag populär. Im Westen geht es um Themen
  26. wie rechtliche Gleichstellung von Frau und Mann. Frauen dürfen z.B. ohne Zustimmung ihres Gatten
  27. lange keine Arbeit aufnehmen. Es geht um Gewalt gegen Frauen und um das Recht auf Abtreibung.
  28. Das bringt uns zum Punkt 4: rechtliche Stellung. In der DDR
  29. steht die Gleichberechtigung von Frauen und Männern von Beginn an in der Verfassung.
  30. Die rechtliche Gleichstellung geschieht v.a. über den Beruf. Warum? Die DDR ist ein sozialistisches Land.
  31. Vereinfacht gesagt ist nach der marxistischen Lehre nur der Mensch, der arbeitet, ein Mensch, der sich selbst verwirklichen kann.
  32. Dieser zentrale ideologische Stellenwert der Arbeit wirkt sich natürlich aus.
  33. Über die Berufstätigkeit der Frau verändert sich automatisch die Stellung zum Mann.
  34. Letztlich will die SED alle BürgerInnen zu neuen sozialistischen Menschen erziehen.
  35. In der klassenlosen Gesellschaft, die entstehen soll, lösen sich die Unterschiede der Geschlechterrollen eh auf.
  36. Auch im Grundgesetz der Verfassung der Bundesrepublik heißt es im Artikel 3, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind.
  37. Der Satz... ...steht allerdings erst seit dem Jahr 1994,
  38. also nach der Wiedervereinigung im Grundgesetz. Punkt 5: Ehe und Scheidung.
  39. Einen klaren Unterschied gibt es beim Thema Scheidung. In der DDR ist es unbürokratisch möglich, eine Ehe zu trennen.
  40. Das hängt letztlich wiederum mit der Berufstätigkeit der Frauen zusammen. Denn berufstätige Frauen verdienen Geld
  41. und sind somit nicht wirtschaftlich vom Mann abhängig. Im Westen ist dagegen das Alleinverdienermodell die Regel.
  42. Der Mann arbeitet, die Frau erledigt den Haushalt. Wenn sich eine Frau von ihrem Mann trennen will,
  43. hat sie zunächst mal das Problem, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten kann.
  44. Denn sie hat kein eigenes Gehalt, da sie in keinem bezahlten Arbeitsverhältnis steht.
  45. Sie arbeitet zu Hause. Aber dafür gibt es logischerweise kein Geld. Es dauert sehr lange,
  46. bis die Gesetze der Bundesrepublik so geändert werden, dass eine Scheidung für Frauen leichter möglich ist.
  47. 6.Punkt: Kinder. Vielleicht ist es besser, wenn ich sage: Geburtenrate.
  48. Die DDR braucht Kinder. Deshalb führt sie
  49. für ihre berufstätigen Frauen Vergünstigungen ein: die 40-Stunden-Woche, das Babyjahr, einen Haushaltstag pro Woche.
  50. Letztlich bedeutet das, dass die klassische Rolle der Frau als Mutter wieder etwas stärker wird.
  51. Ende der 1980er schimpfen viele Frauen der DDR, sie müssten gebärfreudige Arbeitsbienen sein.
  52. Auch in der Bundesrepublik sterben seit den 1970ern mehr Menschen als geboren werden.
  53. Aber im Gegensatz zur DDR schafft der Staat weniger Anreize, damit die Leute mehr Kinder kriegen.
  54. Punkt 7: Feminismus. Die Frauenbewegung
  55. in der Bundesrepublik hat in der DDR einen schlechten Stand. Auf den 1.Blick erscheint das komisch.
  56. Die westdeutschen Frauen kämpfen für Gleichberechtigung, dafür, dass sie auch als Arbeiterinnen anerkannt werden usw.
  57. Frauen im Osten aber haben das ja schon. Sie fühlen sich als gleichberechtigte Partner.
  58. Verständnis für die Emanzipationsbewegung jenseits der Mauer gibt es kaum.
  59. Die Feministinnen in der Bundesrepublik werden als Männerhasserinnen beschimpft,
  60. als frustrierte Hausfrauen, die ein bisschen hysterisch sind. Andersherum werfen die Feministinnen im Westen den Ostfrauen vor,
  61. dass sie nicht wirklich ernst machen mit der Gleichberechtigung. Denn die entscheidet sich eben nicht nur daran, ob Frauen arbeiten.
  62. Zudem erkämpfen sich die Westfrauen ihre Gleichberechtigung in jahrelangen Auseinandersetzungen.
  63. Die Ostfrauen dagegen, so der Vorwurf aus dem Westen, bekämen all das vom Staat auf dem Silbertablett serviert.
  64. Deshalb seien sie unkritischer gegenüber dem Staat, brav und angepasst.
  65. Sie hinterfragen das System nicht, wie es die Westfrauen tun würden. Bei diesem Punkt seht ihr:
  66. Unterschiedliche Lebenssituationen sorgen dafür, dass man unterschiedliches Bewusstsein von sich selbst,
  67. seiner sozialen Stellung, seinen Ansprüchen entwickelt. In der Art und Weise, wie Frauen mit der Emanzipation umgehen,
  68. wird wie bei kaum einem anderen Thema deutlich, wie unterschiedlich sich DDR und BRD entwickelten.
  69. Punkt 8: Hausarbeit. Wenn man die Aufteilung der Hausarbeit zwischen Frauen und Männern ansieht,
  70. gibt es praktisch keinen Ost-West-Unterschied. Männer helfen in den 70er und 80er Jahren im Haushalt mit:
  71. Auto waschen, tapezieren, Garten umgraben. Also alle Tätigkeiten,
  72. bei denen man sich als starker und handwerklich versierter Mann beweisen kann, wo man mit männlichen Statussymbolen hantieren kann.
  73. Autos, Hammer, Kettensägen... Ist jetzt eher ironisch gemeint, aber nicht zu sehr,
  74. denn es ist eben auch wahr. Schaut euch nur mal die aktuellen Werbungen von Baumärkten an,
  75. da sieht man die Klischees immer noch. Und in Ost und West bleiben den Frauen
  76. Hausarbeiten wie Putzen, Waschen und Aufräumen. Der einzige Unterschied, den die Frauen in beiden Staaten haben,
  77. ist der, dass die Frauen im Osten praktisch alle voll berufstätig sind. Punkt 9: Bezahlung.
  78. Wenn Frauen arbeiten, dann verdienen sie bei gleicher Arbeit in der DDR und in der Bundesrepublik weniger als ihre männlichen Kollegen.
  79. Die Ungerechtigkeit ist heute immer noch ein Problem. 10.Punkt: Macht.
  80. In der DDR und der BRD geben in der Politik Männer den Ton an. Im Osten schaffen es nur wenige Frauen
  81. ins Politbüro an die Parteispitze. Eigentlich werden sie nur als sogenannte Kandidatinnen nominiert.
  82. Vollmitglied in der obersten Spitze zu werden, das schafft keine Frau. Natürlich gibt es die mächtige Margot Honecker, die Ministerin ist.
  83. Von insgesamt 130 Ministern, die in der DDR bis 1989 amtieren, sind nur 4 Frauen.
  84. In der Bundesrepublik gibt es bis 1989 immerhin 11 Ministerinnen. Allerdings ist die Bundesrepublik auch größer als die DDR.
  85. Im Endeffekt nimmt es sich also nicht so viel. Erst nach der Wiedervereinigung
  86. spielen Frauen in der Politik eine wichtigere Rolle. Die 1.Bundeskanzlerin wird trotzdem erst 15 Jahre
  87. nach der Wiedervereinigung gewählt. Das war der große 10-Punkte-Vergleich
  88. zum Thema Frauenrolle in Ost und West. Man könnte noch viel mehr darüber sagen,
  89. z.B., dass die Pille im Osten kostenlos war, dass Abtreibungen sehr lange erlaubt waren in der DDR,
  90. anders als in der Bundesrepublik usw. Aber, ich glaube, das reicht erst mal.
  91. Mich würde interessieren: Wie seht ihr das heute? Waren Frauen in der DDR besser dran als in der Bundesrepublik?
  92. Oder muss man über all das stellen, dass die Frauen trotzdem in einer Diktatur lebten, nicht frei waren?
  93. Eure Meinung dazu gerne in die Kommentare. Lasst uns diskutieren. Diskutieren können wir auf unserem neuen Instagram-Account.
  94. Jeden Tag gibt es dort spannende Geschichts-Facts. Empfehle ich euch absolut. Wenn ihr dort unterwegs seid
  95. und jeden Tag mit Geschichte versorgt werden wollt, folgt unserem Account. Eingeblendet auch in der Infobox.
  96. Danke fürs Zuschauen, bis nächstes Mal. Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)

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