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Das Frauenbild der DDR vs. Frauen in der Bundesrepublik I Geschichte
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 96 Zeilen
- in welcher Gesellschaft es die Frauen eigentlich besser gehabt haben: In der Bundesrepublik Deutschland
- oder in der Deutschen Demokratischen Republik, der DDR. Ich versuche mich am Thema.
- Hier ist der große Ost-West-Vergleich zur gesellschaftlichen Rolle der Frau.
- 1.Punkt: Arbeit. Lassen wir die Zahlen sprechen:
- Mitte der 1980er üben mehr als 90% der Frauen in der DDR einen Beruf aus, in Westdeutschland nur etwa 50%.
- Das liegt daran, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der DDR ein politisches Ziel der Regierung ist.
- Nicht, weil die Emanzipation gefördert werden soll, sondern Frauen werden als Arbeitskräfte gebraucht.
- In Westdeutschland heuert man im Wirtschaftswunder Arbeiter aus anderen Ländern an.
- Die Möglichkeit hat die DDR nicht oder nur ganz eingeschränkt. Deshalb will sie das Arbeitskräfte- Potenzial der Frauen heben.
- Punkt 2: Betreuungsangebote. Damit die Frauen auch wirklich arbeiten können,
- muss der Staat eine ausreichende Kinderbetreuung anbieten. In der DDR sind viel mehr Krippen- und Kindergartenplätze vorhanden
- als im Westen. Ende der 80er liegt die ostdeutsche Versorgungsquote
- mit Krippen und Kindergartenplätzen bei fast 100%. In der Bundesrepublik gibt es zwar auch für 80% der Kinder
- Kindergartenplätze, aber Krippen sind fast unbekannt. Kleinkinder werden zu Hause betreut, in der Regel von der Mutter.
- Was die Regierung der DDR und die SED für die Frauen tun, das tun sie eigentlich nicht, weil sie Frauen fördern wollen,
- sondern weil sie Arbeitskräfte brauchen und aus ideologischen Gründen.
- Diese Kritik ist sicher gerechtfertigt. Andererseits ist es im alltäglichen Leben egal,
- aus welchen Gründen es Kita-Plätze gibt, Hauptsache, es gibt sie. Punkt 3: Frauentag.
- Die DDR feiert den Internationalen Frauentag am 8.März im ganz großen Stil.
- Schließlich ist seine Einführung der sozialistischen bzw. sozialdemokratischen Bewegung zu verdanken.
- So ist der Frauentag in der DDR auch eine hochpolitische Angelegenheit. Das Idealbild der Frau
- als gleichberechtigte und voll- erwerbstätige Mutter wird beschworen. Kritiker finden, dass dadurch,
- dass Partei und Staat den Frauentag so stark steuern, er als eine Art sozialistischer Muttertag gefeiert wird.
- Im Westen spielt der Frauentag lange gar keine Rolle. Erst als ab den 1960ern die Frauenbewegung an Bedeutung gewinnt,
- wird der Frauentag populär. Im Westen geht es um Themen
- wie rechtliche Gleichstellung von Frau und Mann. Frauen dürfen z.B. ohne Zustimmung ihres Gatten
- lange keine Arbeit aufnehmen. Es geht um Gewalt gegen Frauen und um das Recht auf Abtreibung.
- Das bringt uns zum Punkt 4: rechtliche Stellung. In der DDR
- steht die Gleichberechtigung von Frauen und Männern von Beginn an in der Verfassung.
- Die rechtliche Gleichstellung geschieht v.a. über den Beruf. Warum? Die DDR ist ein sozialistisches Land.
- Vereinfacht gesagt ist nach der marxistischen Lehre nur der Mensch, der arbeitet, ein Mensch, der sich selbst verwirklichen kann.
- Dieser zentrale ideologische Stellenwert der Arbeit wirkt sich natürlich aus.
- Über die Berufstätigkeit der Frau verändert sich automatisch die Stellung zum Mann.
- Letztlich will die SED alle BürgerInnen zu neuen sozialistischen Menschen erziehen.
- In der klassenlosen Gesellschaft, die entstehen soll, lösen sich die Unterschiede der Geschlechterrollen eh auf.
- Auch im Grundgesetz der Verfassung der Bundesrepublik heißt es im Artikel 3, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind.
- Der Satz... ...steht allerdings erst seit dem Jahr 1994,
- also nach der Wiedervereinigung im Grundgesetz. Punkt 5: Ehe und Scheidung.
- Einen klaren Unterschied gibt es beim Thema Scheidung. In der DDR ist es unbürokratisch möglich, eine Ehe zu trennen.
- Das hängt letztlich wiederum mit der Berufstätigkeit der Frauen zusammen. Denn berufstätige Frauen verdienen Geld
- und sind somit nicht wirtschaftlich vom Mann abhängig. Im Westen ist dagegen das Alleinverdienermodell die Regel.
- Der Mann arbeitet, die Frau erledigt den Haushalt. Wenn sich eine Frau von ihrem Mann trennen will,
- hat sie zunächst mal das Problem, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten kann.
- Denn sie hat kein eigenes Gehalt, da sie in keinem bezahlten Arbeitsverhältnis steht.
- Sie arbeitet zu Hause. Aber dafür gibt es logischerweise kein Geld. Es dauert sehr lange,
- bis die Gesetze der Bundesrepublik so geändert werden, dass eine Scheidung für Frauen leichter möglich ist.
- 6.Punkt: Kinder. Vielleicht ist es besser, wenn ich sage: Geburtenrate.
- Die DDR braucht Kinder. Deshalb führt sie
- für ihre berufstätigen Frauen Vergünstigungen ein: die 40-Stunden-Woche, das Babyjahr, einen Haushaltstag pro Woche.
- Letztlich bedeutet das, dass die klassische Rolle der Frau als Mutter wieder etwas stärker wird.
- Ende der 1980er schimpfen viele Frauen der DDR, sie müssten gebärfreudige Arbeitsbienen sein.
- Auch in der Bundesrepublik sterben seit den 1970ern mehr Menschen als geboren werden.
- Aber im Gegensatz zur DDR schafft der Staat weniger Anreize, damit die Leute mehr Kinder kriegen.
- Punkt 7: Feminismus. Die Frauenbewegung
- in der Bundesrepublik hat in der DDR einen schlechten Stand. Auf den 1.Blick erscheint das komisch.
- Die westdeutschen Frauen kämpfen für Gleichberechtigung, dafür, dass sie auch als Arbeiterinnen anerkannt werden usw.
- Frauen im Osten aber haben das ja schon. Sie fühlen sich als gleichberechtigte Partner.
- Verständnis für die Emanzipationsbewegung jenseits der Mauer gibt es kaum.
- Die Feministinnen in der Bundesrepublik werden als Männerhasserinnen beschimpft,
- als frustrierte Hausfrauen, die ein bisschen hysterisch sind. Andersherum werfen die Feministinnen im Westen den Ostfrauen vor,
- dass sie nicht wirklich ernst machen mit der Gleichberechtigung. Denn die entscheidet sich eben nicht nur daran, ob Frauen arbeiten.
- Zudem erkämpfen sich die Westfrauen ihre Gleichberechtigung in jahrelangen Auseinandersetzungen.
- Die Ostfrauen dagegen, so der Vorwurf aus dem Westen, bekämen all das vom Staat auf dem Silbertablett serviert.
- Deshalb seien sie unkritischer gegenüber dem Staat, brav und angepasst.
- Sie hinterfragen das System nicht, wie es die Westfrauen tun würden. Bei diesem Punkt seht ihr:
- Unterschiedliche Lebenssituationen sorgen dafür, dass man unterschiedliches Bewusstsein von sich selbst,
- seiner sozialen Stellung, seinen Ansprüchen entwickelt. In der Art und Weise, wie Frauen mit der Emanzipation umgehen,
- wird wie bei kaum einem anderen Thema deutlich, wie unterschiedlich sich DDR und BRD entwickelten.
- Punkt 8: Hausarbeit. Wenn man die Aufteilung der Hausarbeit zwischen Frauen und Männern ansieht,
- gibt es praktisch keinen Ost-West-Unterschied. Männer helfen in den 70er und 80er Jahren im Haushalt mit:
- Auto waschen, tapezieren, Garten umgraben. Also alle Tätigkeiten,
- bei denen man sich als starker und handwerklich versierter Mann beweisen kann, wo man mit männlichen Statussymbolen hantieren kann.
- Autos, Hammer, Kettensägen... Ist jetzt eher ironisch gemeint, aber nicht zu sehr,
- denn es ist eben auch wahr. Schaut euch nur mal die aktuellen Werbungen von Baumärkten an,
- da sieht man die Klischees immer noch. Und in Ost und West bleiben den Frauen
- Hausarbeiten wie Putzen, Waschen und Aufräumen. Der einzige Unterschied, den die Frauen in beiden Staaten haben,
- ist der, dass die Frauen im Osten praktisch alle voll berufstätig sind. Punkt 9: Bezahlung.
- Wenn Frauen arbeiten, dann verdienen sie bei gleicher Arbeit in der DDR und in der Bundesrepublik weniger als ihre männlichen Kollegen.
- Die Ungerechtigkeit ist heute immer noch ein Problem. 10.Punkt: Macht.
- In der DDR und der BRD geben in der Politik Männer den Ton an. Im Osten schaffen es nur wenige Frauen
- ins Politbüro an die Parteispitze. Eigentlich werden sie nur als sogenannte Kandidatinnen nominiert.
- Vollmitglied in der obersten Spitze zu werden, das schafft keine Frau. Natürlich gibt es die mächtige Margot Honecker, die Ministerin ist.
- Von insgesamt 130 Ministern, die in der DDR bis 1989 amtieren, sind nur 4 Frauen.
- In der Bundesrepublik gibt es bis 1989 immerhin 11 Ministerinnen. Allerdings ist die Bundesrepublik auch größer als die DDR.
- Im Endeffekt nimmt es sich also nicht so viel. Erst nach der Wiedervereinigung
- spielen Frauen in der Politik eine wichtigere Rolle. Die 1.Bundeskanzlerin wird trotzdem erst 15 Jahre
- nach der Wiedervereinigung gewählt. Das war der große 10-Punkte-Vergleich
- zum Thema Frauenrolle in Ost und West. Man könnte noch viel mehr darüber sagen,
- z.B., dass die Pille im Osten kostenlos war, dass Abtreibungen sehr lange erlaubt waren in der DDR,
- anders als in der Bundesrepublik usw. Aber, ich glaube, das reicht erst mal.
- Mich würde interessieren: Wie seht ihr das heute? Waren Frauen in der DDR besser dran als in der Bundesrepublik?
- Oder muss man über all das stellen, dass die Frauen trotzdem in einer Diktatur lebten, nicht frei waren?
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- Danke fürs Zuschauen, bis nächstes Mal. Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)
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