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ZEITGESCHEHEN #1 mit Peter Brandt: Die 68er-Bewegung
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 90 Zeilen
- [Gelächter] [Musik] [Musik]
- das jahr 1968 gilt sowohl bei denen die damals beteiligt waren oder die zeitgenossen waren als auch bei denen die damals oder heute kritisch auf diese
- zeit blicken als ein einschnitt in der geschichte der bundesrepublik aber nicht nur der bundesrepublik denn es handelte sich um einen durchaus internationales
- ereignis man kann sagen fast weltweites einschließlich bestimmter länder des damaligen ostblocks bekannt ist der
- prager frühling wir können aber auch an polen denken und auch an jugoslawien dieses dieses internationale dieser internationale charakter der ereignisse
- macht schon deutlich dass es nicht ausreicht auf bestimmte deutsche ereignisse zu stauen und darüber nachzudenken ob wenn dieses oder jenes
- nicht oder anders passiert wäre beispielsweise die ermordung von benno ohnesorg bei der demonstration gegen den schah besuch in west berlin am 2 juni
- 1967 war es oft so als ausgangspunkt der explosion des protests gesehen wird also der internationale charakter macht deutlich dass man darüber hinausgehende
- ursachen die jenseits von zufälligkeiten liegen suchen muss es gab einen offenkundigen internationalen bezugspunkt das war die bewegung gegen
- den vietnam krieg gegen die amerikanische interventionen vietnam das hatte längst vorher begonnen aber kulminierte in gewisser weise im jahr
- 1968 nicht zuletzt in den vereinigten staaten selbst und manche der formen der protestbewegung wie sitz sit ins und so
- weiter wie auch einige der parolen stammten aus der amerikanischen protestbewegung der radikalisierung der bürgerrechtsbewegung in erster linie und
- daneben auch dem vietnam protest also wenn wir dieses historische ereignis versuchen einzuordnen dann müssen zwei dinge unterschieden werden die sich dann
- allerdings überschnitten das eine kann man als einen etwas längerfristigen soziokulturellen oder auch wertewandel zwischen den frühen
- 1960 er und den mittleren 1970 er jahren ansehen das hat zu tun mit der herausbildung des konsum kapitalismus mit der ausbildung
- der jugend mit als einer eigenen gewissermaßen marktmacht entstehung einer neuen musik kultur der des allgemeinen abschleifen von von
- autoritären formen das alles verstärkt in deutschland das betrifft jetzt nicht nur die nazi vergangenheit aber auch sondern auch ältere autoritäre
- dispositionen die jetzt erodierten die in frage gestellt wurden zunehmend alles das beginnt vor 68 auch die veränderungen im lebensstil nicht
- zuletzt denken wir an die erfindung der anti baby pille die ja nichts mit protest bewegung zu tun hatte aber die eine neue entfaltung von sexualität
- neben ehe überhaupt in größerem maße möglich machte die zunahme von von von ehescheidungen die zunahme von wehrdienstverweigerung alles das sind
- beispiele für eine ja eine eine stärkere individualisierung und eine abkehr von obrigkeitlichen orientierung wie immer man das bewertet und diese tendenz die
- wir in allen entwickelten kapitalistischen ländern finden läuft parallel zu einer auch schon deutlich vor 68 einsetzenden herausbildung einer
- neuen linken die sich absetzt sowohl von den tradierten sozialdemokratin als auch von den existierenden kommunistischen parteien und den sogenannten real
- existierenden sozialismus in osteuropa diese neue linke wird in westdeutschland vor allem dargestellt durch den sozialistischen deutschen studentenbund
- der ende 1961 aus der sozialdemokratie ausgeschlossen wurde und sich dann auch eigenständig entwickelt die alte marxistisch autoren der
- zwischenkriegszeit entdeckt also die theoretisch ist die phase vor 68 fasst die interessanteste weil es eben noch kein massenphänomen ist die leute müssen
- sich unglaublich intellektuelle anstrengung um jetzt in den universitäten wenn sie studenten oder assistenten sind dort zur geltung zu
- kommen also diese herausbildung der neuen linken in etlichen europäischen ländern dann haben wir auch mit dem
- sozialistischen deutschen wenden und als kern so etwas wie eine hochschule wollte das betrifft wiederum auch entwicklungen in der gesellschaft
- die jetzt durchaus nicht sozialrevolutionär im ausgangspunkt waren man sprache von der bildungskatastrophe von der erschließung
- von begabten reserven in der breiten bevölkerung anfang der 60er jahre waren es ja nur einige wenige prozente der bevölkerung die überhaupt abitur machten
- es werden die originale die allmacht der ordinarien in den hochschulen wird in frage gestellt die veralteten lehrinhalte man
- thematisiert jetzt auch die nationalsozialistische belastung von wichtigen an trägern auch in der hochschule und diese bewegung niveau
- wenn man so will die hochschulreform bewegung radikalisiert sich in dem dann auch protestformen wie vorlesungsboykotts und der so genannte
- streiks entsteht dann so wird sogar eine kritische universität als eigene organisationsform in west berlin gegründet und das alles um in
- deutschland zu bleiben explodiert zwischen dem vorfall ermordung von benno ohnesorg bei den protesten zweiter juni 1967 und dem mordanschlag auf rudi
- dutschke am 11 april 1968 und da kann man sagen entwickelt sich auch so etwas wie eine massenbewegung bis hin dann zur roten
- ersten mal die monster zu 1968 mit 30 bis 40 tausend teilnehmern und das ist dann schon ein gewaltiger faktor den sozialistischen deutschen
- studentenbund hatte ich erwähnt die ostermarschbewegung entstanden seit den frühen 60er jahren ist ein zweiter wichtiger faktor es werden dann betriebs
- und vor allem stadtteil basis gruppen gebildet um die deutlich erkennbare den den graben zwischen dieser überwiegend intellektuellen bewegung die
- dann zunehmend auch auf schüler oberschüler und und dann auch lehrlinge und junge arbeiter übergreift um diesen graben zu überwinden
- man kann deutlich sehen dass diese bewegung dann uns auch wiederum nicht nur in deutschland im frühjahr und sommer 1968 ihren höhepunkt erreicht
- also dass sie ist dann der sternmarsch auf bonn bei der behandlung der notstandsgesetze das war ja auch so ein punkt an dem sich der protest seit 1965
- entzündet hat wir können dann aber auch ab mitte des jahres spätestens 1 ein zerfall eine allgemeine ratlosigkeit auch deswegen weil alle die
- apokalyptischen vorstellungen die man sich über die notstandsgesetze gemacht hatte die deutlich liberalisiert worden waren in der im lauf der beratung im
- parlament wo der druck der außerparlamentarischen bewegung ein wichtiger faktor war also mann war jetzt im ratlos wie geht das überhaupt weiter
- der sozialistischen studentenbund konnte seinen riesen erfolg gar nicht verkraften hat sich dann erst dezentralisiert 1970 endgültig aufgelöst
- und es entstanden in der folge ab ende 1968 eine reihe von splittergruppen also zunächst mal hatten wir ja im herbst 1968 die wiedergründung einer
- kommunistischen partei dkp war bekanntlich seiten unserer 56 verbotenen der bundesrepublik man hat dann ausgehandelt eine
- gründung eine neue die dkp eben die hat einen teil der protestbewegung für sich gewinnen können und ein anderer großer teil vor allem
- aus den randbereichen der bewegung ging dann zur sozialdemokratie also die jungsozialisten sind enorm stärker geworden und wir können auch als eine
- der folgen dieser bewegung dann die links entwicklung der jungsozialisten die bis dahin ein partei konformer verband gewesen waren die links
- entwicklung im jahr 1969 mit der wahl eines neuen vorstands ansehen und dann gibt es aber weitere bereiche der protestbewegung die weder zur linken
- sozialdemokratie noch zum partei kommunismus gehen und sich dann entweder in einer vielzahl von maoistischen sogenannten marxistisch leninistischen
- parteien oder organisationen zusammen finden wo man die lehre aus der em nicht zu einem sichtbaren ergebnis gekommenen wollte von 1968 wo man die konsequenz
- daraus gezogen hat jetzt zu einem kruden organisations fetischismus überzugehen der fast schon eine karikatur auf die historische kpd der 1900 20er und frühen
- 30er jahre ist das ist die eine der eine strang ein zweiter strang sind also die sogenannten sponti gruppen die teilweise dann auch versuchen an vor allem die
- junge arbeiterklasse heran zu kommen das sind dann gruppen wie in berlin die proletarische linke partei initiative die wo auch gezielt studenten
- in die betriebe gehen oder in frankfurt der revolutionäre kampf dem damals daniel cohn bendit und auch der spätere außenminister joseph fischer angehörten
- das ist ein feld was offen ist auch für gewaltsame konfrontation mit der polizei und den ordnungskräften und wir haben vielleicht wenn man so will einen
- weiteren strang mit dem sozialistischen büro wo dann er reale initiativen in den verschiedenen gesellschaftlichen bereichen koordiniert werden sollen mit
- schwerpunkt auf gewerkschaften und großbetrieben aber auch nicht in strikte abgrenzung zur sozialdemokratie dieses ganze feld zusammengenommen
- expandiert ungemein bis mitte der 70er jahre da zählt also der verfassungsschutz knapp 150000 sogenannte linksextremisten wo der linke
- flügel der spd noch nicht mitgezählt ist also da kann man sehen was man auf jeden fall festhalten kann für deutschland ist eine also die überwindung des zeitweise
- marginalisierten status von links sozialistischen positionen auch in der intellektuellen diskussion also verschiedene marxistischen positionen
- werden wieder einbezogen in die intellektuelle auch die universitäre diskussion selbst wenn berufungen von erklärten marxisten auf lehrstellen die
- ausnahme bleiben aber das intellektuelle klima verändert sich doch erheblich es gibt einen breiten zeitschriftenmarkt von organen die sich der bewegung
- ausdrücklich verbunden fühlen die zeitschriften wie konkret wie pardon das kursbuch teilweise mit hunderttausender auflagen
- also da ist schon enorm was in bewegung gekommen und wir müssen immer bedenken parallel läuft sozusagen das was man auch als
- individualisierung und fundamental liberalisierung der gesellschaft im nicht politischen bereich feststellen kann und was eingangs von mir erwähnt
- wurde vielleicht noch ein wort zur zum verhältnis von protestbewegung die von anfang an über die studentenschaft
- hinaus ging aber auf jeden fall eine jugendliche oder junge erwachsene erfassende protestbewegung war zur lohnabhängigen mehrheitsbevölkerung und
- da kann man sicher sagen das ist länder gab wo diese bereiche nicht klar getrennt beziehungsweise also der graben nicht tief war also wir haben in
- frankreich erlebt das aus zusammenstößen von studentischen gruppen mit der polizei ein generalstreik der größte generalstreik in der französischen
- geschichte hervorgegangen ist wie ab daraus ergibt sich wie abwegig ist das ganze nur als als sozusagen einen etwas übersteigerten studenten und
- darzustellen wir haben in italien eine entwicklung wo man die studentischen beziehung der jugendlichen proteste als eine art detonator von von einem etwas
- längerfristigen aufbegehren insbesondere junger arbeiter in den betrieben feststellen kann also die die dinge sind nicht überall so wie in deutschland wo
- in der tat ein breiter graben besteht auch hier kann man allerdings sehen das ist parallel zu der protestbewegung eine gewisse reaktivierung von arbeiter-
- protest gibt das beginnt mit den protesten gegen die zechenschließungen im ruhrgebiet 1966 und geht hin zu den ersten größeren
- spontanen streiks damals wilde streiks genannt im september 1969 also dass das ist nicht steht nicht in verbindung mit der prozess bewegung aber es läuft
- parallel und zeigt dass die gesamtgesellschaftlich etwas in bewegung gekommen ist und das hat auch damit zu tun dass wir es jetzt mit einer mit
- neuen generationen von arbeitern und angestellten zu tun haben die die demoralisierenden erfahrungen der zwischenkriegszeit mit schließlich
- faschismus mit dem der stalinistischen entartung der sowjetunion mit dem zweiten weltkrieg nicht mehr bewusst erlebt haben und die die in enorm
- wohlstandszuwachs gerade für die lohnabhängigen in der nachkriegszeit er als einen aktivierenden faktor erlebt haben und jetzt ihre proteste auch
- zusätzlich zu den traditionellen auseinandersetzungen um lohn arbeitszeit und so weiter auf die autorität strukturen in den betrieben richten also
- wenn man alles zusammennimmt wird man feststellen können dass wir es hier tatsächlich mit einer gesellschaftlichen umbruchs situation zu tun haben die sich
- nicht auf 1968 beschränkt aber in 1968 sozusagen den höhepunkt findet manche entgleisungen dieser bewegung wie die sogenannte rote armee fraktion also der
- linke terrorismus war sicher eine starke herausforderung nicht nur für die innenpolitik der bundesrepublik auch für die gesamte linke aber sie wird
- quantitativ meines erachtens heute maßlos überschätzt das waren doch gruppen die weit weniger engere sympathisanten hatten als das
- heute dargestellt wird
Zum Nachlesen
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