ZEITGESCHEHEN #1 mit Peter Brandt: Die 68er-Bewegung weltnetzTV https://www.youtube.com/watch?v=mbKN12opYxs Transkript (automatisch erstellt) 0:03 [Gelächter] [Musik] [Musik] 0:22 das jahr 1968 gilt sowohl bei denen die damals beteiligt waren oder die zeitgenossen waren als auch bei denen die damals oder heute kritisch auf diese 0:39 zeit blicken als ein einschnitt in der geschichte der bundesrepublik aber nicht nur der bundesrepublik denn es handelte sich um einen durchaus internationales 0:51 ereignis man kann sagen fast weltweites einschließlich bestimmter länder des damaligen ostblocks bekannt ist der 1:01 prager frühling wir können aber auch an polen denken und auch an jugoslawien dieses dieses internationale dieser internationale charakter der ereignisse 1:16 macht schon deutlich dass es nicht ausreicht auf bestimmte deutsche ereignisse zu stauen und darüber nachzudenken ob wenn dieses oder jenes 1:29 nicht oder anders passiert wäre beispielsweise die ermordung von benno ohnesorg bei der demonstration gegen den schah besuch in west berlin am 2 juni 1:42 1967 war es oft so als ausgangspunkt der explosion des protests gesehen wird also der internationale charakter macht deutlich dass man darüber hinausgehende 2:00 ursachen die jenseits von zufälligkeiten liegen suchen muss es gab einen offenkundigen internationalen bezugspunkt das war die bewegung gegen 2:12 den vietnam krieg gegen die amerikanische interventionen vietnam das hatte längst vorher begonnen aber kulminierte in gewisser weise im jahr 2:24 1968 nicht zuletzt in den vereinigten staaten selbst und manche der formen der protestbewegung wie sitz sit ins und so 2:38 weiter wie auch einige der parolen stammten aus der amerikanischen protestbewegung der radikalisierung der bürgerrechtsbewegung in erster linie und 2:47 daneben auch dem vietnam protest also wenn wir dieses historische ereignis versuchen einzuordnen dann müssen zwei dinge unterschieden werden die sich dann 3:01 allerdings überschnitten das eine kann man als einen etwas längerfristigen soziokulturellen oder auch wertewandel zwischen den frühen 3:15 1960 er und den mittleren 1970 er jahren ansehen das hat zu tun mit der herausbildung des konsum kapitalismus mit der ausbildung 3:34 der jugend mit als einer eigenen gewissermaßen marktmacht entstehung einer neuen musik kultur der des allgemeinen abschleifen von von 3:49 autoritären formen das alles verstärkt in deutschland das betrifft jetzt nicht nur die nazi vergangenheit aber auch sondern auch ältere autoritäre 4:02 dispositionen die jetzt erodierten die in frage gestellt wurden zunehmend alles das beginnt vor 68 auch die veränderungen im lebensstil nicht 4:16 zuletzt denken wir an die erfindung der anti baby pille die ja nichts mit protest bewegung zu tun hatte aber die eine neue entfaltung von sexualität 4:27 neben ehe überhaupt in größerem maße möglich machte die zunahme von von von ehescheidungen die zunahme von wehrdienstverweigerung alles das sind 4:39 beispiele für eine ja eine eine stärkere individualisierung und eine abkehr von obrigkeitlichen orientierung wie immer man das bewertet und diese tendenz die 4:59 wir in allen entwickelten kapitalistischen ländern finden läuft parallel zu einer auch schon deutlich vor 68 einsetzenden herausbildung einer 5:15 neuen linken die sich absetzt sowohl von den tradierten sozialdemokratin als auch von den existierenden kommunistischen parteien und den sogenannten real 5:28 existierenden sozialismus in osteuropa diese neue linke wird in westdeutschland vor allem dargestellt durch den sozialistischen deutschen studentenbund 5:41 der ende 1961 aus der sozialdemokratie ausgeschlossen wurde und sich dann auch eigenständig entwickelt die alte marxistisch autoren der 5:58 zwischenkriegszeit entdeckt also die theoretisch ist die phase vor 68 fasst die interessanteste weil es eben noch kein massenphänomen ist die leute müssen 6:12 sich unglaublich intellektuelle anstrengung um jetzt in den universitäten wenn sie studenten oder assistenten sind dort zur geltung zu 6:25 kommen also diese herausbildung der neuen linken in etlichen europäischen ländern dann haben wir auch mit dem 6:37 sozialistischen deutschen wenden und als kern so etwas wie eine hochschule wollte das betrifft wiederum auch entwicklungen in der gesellschaft 6:46 die jetzt durchaus nicht sozialrevolutionär im ausgangspunkt waren man sprache von der bildungskatastrophe von der erschließung 6:55 von begabten reserven in der breiten bevölkerung anfang der 60er jahre waren es ja nur einige wenige prozente der bevölkerung die überhaupt abitur machten 7:05 es werden die originale die allmacht der ordinarien in den hochschulen wird in frage gestellt die veralteten lehrinhalte man 7:16 thematisiert jetzt auch die nationalsozialistische belastung von wichtigen an trägern auch in der hochschule und diese bewegung niveau 7:29 wenn man so will die hochschulreform bewegung radikalisiert sich in dem dann auch protestformen wie vorlesungsboykotts und der so genannte 7:42 streiks entsteht dann so wird sogar eine kritische universität als eigene organisationsform in west berlin gegründet und das alles um in 7:54 deutschland zu bleiben explodiert zwischen dem vorfall ermordung von benno ohnesorg bei den protesten zweiter juni 1967 und dem mordanschlag auf rudi 8:07 dutschke am 11 april 1968 und da kann man sagen entwickelt sich auch so etwas wie eine massenbewegung bis hin dann zur roten 8:21 ersten mal die monster zu 1968 mit 30 bis 40 tausend teilnehmern und das ist dann schon ein gewaltiger faktor den sozialistischen deutschen 8:36 studentenbund hatte ich erwähnt die ostermarschbewegung entstanden seit den frühen 60er jahren ist ein zweiter wichtiger faktor es werden dann betriebs 8:46 und vor allem stadtteil basis gruppen gebildet um die deutlich erkennbare den den graben zwischen dieser überwiegend intellektuellen bewegung die 9:00 dann zunehmend auch auf schüler oberschüler und und dann auch lehrlinge und junge arbeiter übergreift um diesen graben zu überwinden 9:13 man kann deutlich sehen dass diese bewegung dann uns auch wiederum nicht nur in deutschland im frühjahr und sommer 1968 ihren höhepunkt erreicht 9:28 also dass sie ist dann der sternmarsch auf bonn bei der behandlung der notstandsgesetze das war ja auch so ein punkt an dem sich der protest seit 1965 9:45 entzündet hat wir können dann aber auch ab mitte des jahres spätestens 1 ein zerfall eine allgemeine ratlosigkeit auch deswegen weil alle die 10:03 apokalyptischen vorstellungen die man sich über die notstandsgesetze gemacht hatte die deutlich liberalisiert worden waren in der im lauf der beratung im 10:15 parlament wo der druck der außerparlamentarischen bewegung ein wichtiger faktor war also mann war jetzt im ratlos wie geht das überhaupt weiter 10:24 der sozialistischen studentenbund konnte seinen riesen erfolg gar nicht verkraften hat sich dann erst dezentralisiert 1970 endgültig aufgelöst 10:37 und es entstanden in der folge ab ende 1968 eine reihe von splittergruppen also zunächst mal hatten wir ja im herbst 1968 die wiedergründung einer 10:55 kommunistischen partei dkp war bekanntlich seiten unserer 56 verbotenen der bundesrepublik man hat dann ausgehandelt eine 11:04 gründung eine neue die dkp eben die hat einen teil der protestbewegung für sich gewinnen können und ein anderer großer teil vor allem 11:19 aus den randbereichen der bewegung ging dann zur sozialdemokratie also die jungsozialisten sind enorm stärker geworden und wir können auch als eine 11:29 der folgen dieser bewegung dann die links entwicklung der jungsozialisten die bis dahin ein partei konformer verband gewesen waren die links 11:40 entwicklung im jahr 1969 mit der wahl eines neuen vorstands ansehen und dann gibt es aber weitere bereiche der protestbewegung die weder zur linken 11:55 sozialdemokratie noch zum partei kommunismus gehen und sich dann entweder in einer vielzahl von maoistischen sogenannten marxistisch leninistischen 12:06 parteien oder organisationen zusammen finden wo man die lehre aus der em nicht zu einem sichtbaren ergebnis gekommenen wollte von 1968 wo man die konsequenz 12:31 daraus gezogen hat jetzt zu einem kruden organisations fetischismus überzugehen der fast schon eine karikatur auf die historische kpd der 1900 20er und frühen 12:45 30er jahre ist das ist die eine der eine strang ein zweiter strang sind also die sogenannten sponti gruppen die teilweise dann auch versuchen an vor allem die 13:03 junge arbeiterklasse heran zu kommen das sind dann gruppen wie in berlin die proletarische linke partei initiative die wo auch gezielt studenten 13:15 in die betriebe gehen oder in frankfurt der revolutionäre kampf dem damals daniel cohn bendit und auch der spätere außenminister joseph fischer angehörten 13:31 das ist ein feld was offen ist auch für gewaltsame konfrontation mit der polizei und den ordnungskräften und wir haben vielleicht wenn man so will einen 13:47 weiteren strang mit dem sozialistischen büro wo dann er reale initiativen in den verschiedenen gesellschaftlichen bereichen koordiniert werden sollen mit 14:01 schwerpunkt auf gewerkschaften und großbetrieben aber auch nicht in strikte abgrenzung zur sozialdemokratie dieses ganze feld zusammengenommen 14:13 expandiert ungemein bis mitte der 70er jahre da zählt also der verfassungsschutz knapp 150000 sogenannte linksextremisten wo der linke 14:24 flügel der spd noch nicht mitgezählt ist also da kann man sehen was man auf jeden fall festhalten kann für deutschland ist eine also die überwindung des zeitweise 14:38 marginalisierten status von links sozialistischen positionen auch in der intellektuellen diskussion also verschiedene marxistischen positionen 14:50 werden wieder einbezogen in die intellektuelle auch die universitäre diskussion selbst wenn berufungen von erklärten marxisten auf lehrstellen die 15:03 ausnahme bleiben aber das intellektuelle klima verändert sich doch erheblich es gibt einen breiten zeitschriftenmarkt von organen die sich der bewegung 15:15 ausdrücklich verbunden fühlen die zeitschriften wie konkret wie pardon das kursbuch teilweise mit hunderttausender auflagen 15:27 also da ist schon enorm was in bewegung gekommen und wir müssen immer bedenken parallel läuft sozusagen das was man auch als 15:37 individualisierung und fundamental liberalisierung der gesellschaft im nicht politischen bereich feststellen kann und was eingangs von mir erwähnt 15:51 wurde vielleicht noch ein wort zur zum verhältnis von protestbewegung die von anfang an über die studentenschaft 16:04 hinaus ging aber auf jeden fall eine jugendliche oder junge erwachsene erfassende protestbewegung war zur lohnabhängigen mehrheitsbevölkerung und 16:15 da kann man sicher sagen das ist länder gab wo diese bereiche nicht klar getrennt beziehungsweise also der graben nicht tief war also wir haben in 16:33 frankreich erlebt das aus zusammenstößen von studentischen gruppen mit der polizei ein generalstreik der größte generalstreik in der französischen 16:47 geschichte hervorgegangen ist wie ab daraus ergibt sich wie abwegig ist das ganze nur als als sozusagen einen etwas übersteigerten studenten und 16:56 darzustellen wir haben in italien eine entwicklung wo man die studentischen beziehung der jugendlichen proteste als eine art detonator von von einem etwas 17:12 längerfristigen aufbegehren insbesondere junger arbeiter in den betrieben feststellen kann also die die dinge sind nicht überall so wie in deutschland wo 17:26 in der tat ein breiter graben besteht auch hier kann man allerdings sehen das ist parallel zu der protestbewegung eine gewisse reaktivierung von arbeiter- 17:37 protest gibt das beginnt mit den protesten gegen die zechenschließungen im ruhrgebiet 1966 und geht hin zu den ersten größeren 17:50 spontanen streiks damals wilde streiks genannt im september 1969 also dass das ist nicht steht nicht in verbindung mit der prozess bewegung aber es läuft 18:02 parallel und zeigt dass die gesamtgesellschaftlich etwas in bewegung gekommen ist und das hat auch damit zu tun dass wir es jetzt mit einer mit 18:15 neuen generationen von arbeitern und angestellten zu tun haben die die demoralisierenden erfahrungen der zwischenkriegszeit mit schließlich 18:27 faschismus mit dem der stalinistischen entartung der sowjetunion mit dem zweiten weltkrieg nicht mehr bewusst erlebt haben und die die in enorm 18:44 wohlstandszuwachs gerade für die lohnabhängigen in der nachkriegszeit er als einen aktivierenden faktor erlebt haben und jetzt ihre proteste auch 19:01 zusätzlich zu den traditionellen auseinandersetzungen um lohn arbeitszeit und so weiter auf die autorität strukturen in den betrieben richten also 19:13 wenn man alles zusammennimmt wird man feststellen können dass wir es hier tatsächlich mit einer gesellschaftlichen umbruchs situation zu tun haben die sich 19:24 nicht auf 1968 beschränkt aber in 1968 sozusagen den höhepunkt findet manche entgleisungen dieser bewegung wie die sogenannte rote armee fraktion also der 19:43 linke terrorismus war sicher eine starke herausforderung nicht nur für die innenpolitik der bundesrepublik auch für die gesamte linke aber sie wird 19:57 quantitativ meines erachtens heute maßlos überschätzt das waren doch gruppen die weit weniger engere sympathisanten hatten als das 20:08 heute dargestellt wird