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Die Wahrheit über die Stasi
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 164 Zeilen
- Wolfgang Templin ist auf dem Weg zur Kirche. Kurz bevor er aus dem Zug aussteigt, wirft er ein Stück Papier weg. Nur
- wenige Sekunden später sammelt es ein anderer Mann wieder ein. Er ist Agent beim berüchtigten Geheimdienst der DDR, der Stasi.
- Das hier ist nur ein kleiner Ausschnitt einer extrem aufwendigen Operation, um Templin zu überwachen. Denn in den Augen der Stasiatsfeind.
- Dabei ist Templin kein ausländischer Spion. Er plant auch nicht die Regierung zu stürzen oder einen sozialistischen Führer umzubringen. Er hat lediglich
- dabei geholfen, eine kleine Gruppe zu gründen, um über die Menschenrechte in der DDR zu diskutieren. Für die Stasies Verbrechen.
- Zehn Mitarbeiter verfolgen Templin auf Schritt und Tritt. Sie lauern ihm morgens vor seinem Haus auf, folgen ihm in die Bäckerei und setzen sich neben
- ihm ins Kaffee. Sie fahren im gleichen Zug, lesen seine Post und Kontoauszüge. Sie hören sein Telefon ab. Sie infiltrieren Templins Freundeskreis,
- schikanieren ihn, verbreiten Gerüchte über ihn, sabotieren seine Karriere und nehmen ihm seine Kinder weg. Die minutiöse Überwachung und heimtürkischen
- Attacken werden in einer monströsen Akte feinsäuberlich dokumentiert auf über 12000 Seiten Papier. Für die Stasi kommt nicht in Frage, Templin hinter Gitter zu
- bringen. Das würde ihn nur zum Meertürer machen. Stattdessen will sie ihn psychisch sprechen, ohne eine einzige Spur zu hinterlassen.
- Noch nie zuvor hat ein Staat seine Bürger so flächendeckend überwachen lassen und dabei so massiv in ihr Privatleben eingegriffen. Die
- Kreativität der Stasi kennt dabei keine Grenzen. In diesem Video schauen wir uns an, mit welchen Techniken die Stasi vorgegangen ist, wie genau sie die
- Bürger der DDR in ihrem Alltag überwacht hat, welche Spionageräte sie benutzt hat und welche Methoden sie angewandt hat, um Menschen völlig zu zerstören.
- Am 7. Oktober 1949 entsteht ein neuer Staat. Die Deutsche demokratische Republik. Kurz DDR. Unter sowjetischer Aufsicht will die sozialistische
- Regierung ein Paradies für die Arbeiterklasse schaffen. Aber die Realität sieht anders aus. Bürger protestieren gegen die
- Einparteiendiktatur. Tausende fliehen in den Westen. Die Sowjetunion sieht die DDR als fragiles Experiment, [musik]
- nicht als verlässlichen Verbündeten. Der sowjetische Diktator Josef Stalin bezweifelt sogar, dass eine Bevölkerung mit einer so ausgeprägten faschistischen
- Vergangenheit bereit für einen eigenen [musik] Staat ist. Die mächtigsten Männer der DDR wollen ihm unbedingt das Gegenteil beweisen. Einer von ihnen ist
- Erich Milke. Milke wächst im Berliner Arbeiterviertel Wedding auf. Mit 14 Jahren tritt er in die kommunistische Partei ein. Später kämpft er auf offener
- Straße gegen Nazis. Um seine Loyalität zur Partei zu beweisen, geht er aber noch weiter. 1931 erschießt er am helligsten Tag zwei Polizisten, weil die
- zuvor zwei Kommunisten getötet [musik] haben. Zu dieser Zeit drängen die Nazis an die Macht. Menschen mit einer anderen politischen Meinung geraten verstärkt in
- ihr Visier. Außerdem wurde gegen Milke ein Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Deswegen flieht er mit Hilfe der Kpd in die Sowjetunion. Dort beginnt er für den
- sowjetischen Geheimdienst zu arbeiten. So erlebt er Stalin in seiner paranoidesten Phase. Alles, was [musik] Milke in Moskau lernt, wird er später in
- der DDR selbst anwenden. Nach dem Fall des Naziregimes kehrt Milke zurück nach Ostberlin. 1957 wird er dort Minister für Staatssicherheit.
- Er ist jetzt also Chef der Stasi und er hat große Pläne. Seine Geheimpolizei soll für das neue Regime unverzichtbar werden. So unverzichtbar, dass sich
- [musik] niemand die DDR ohne die Stasi oder ohne Milke vorstellen kann. Die Stasi gilt als Schild und Schwert der Regierungspartei. Ihre Aufgabe besteht
- darin, sogenannte feindliche Elemente auszuschalten. Bedrohungen gibt es aus Sicht der Staatssicherheit genug. Sie lauern
- überall. auch mitten im eigenen Land. Die Stasi [musik] geht mit Gewalt gegen vermeintliche Feinde und Verräter vor. Sie greift mit Härte und Brutalität
- durch und schreckt nicht davor zurück, ihre eigenen Bürger nach Schauprozessen hinzurichten. Doch diese rücksichtslose Brutalität wird schnell zu schlechte
- Marketing für den Sozialismus und das ist ein Problem. Schließlich will die DDR international als Vorzeigestaat wahrgenommen werden. Also muss die
- Stasire Methoden ändern. Von nun an setzt sie auf Geheimhaltung und Überwachung. Und so entsteht der wohl umfassendste
- Überwachungsstaat, den die Welt [musik] bis dato gesehen hat. Es wurde nachgewiesen, dass es sich bei solchen Personen wie Templin um
- unverbesserliche Feinde des Sozialismus handelt. Wer sich mit solchen Leuten einlässt, muss ich über die Konsequenzen im Klaren sein. 6 Uhr. Die Beobachtung
- am Wohnhaus von Zentrale 1 hat begonnen. Es ist ein ganz normaler Tag für Wolfgang Templin. Um 7:30 Uhr verlässt er sein Haus, stoppt kurz in einer
- Bäckerei und nimmt dann die Bahn. Er fährt zu einem Wohnhaus. Eine Stunde später macht er sich wieder auf den Heimweg. Was Temple ihn an diesem Morgen
- nicht ahnt, jemand verfolgt ihn auf Schritt und Tritt. Und nicht nur das. Jeder seiner Schritte wird dokumentiert und an einer Akte zusammengetragen.
- Templins Codename ist Zentrale 1.45 Uhr kam Zentrale 1 mit seinem Kleinkind und einem Fahrrad heraus. Seinen Umhängebeutel trug er bei sich. Er fuhr
- zur kirchlichen Einrichtung. Dort unterhält er sich mit dem Pfahrer. Viel mehr passiert an diesem Tag nicht. Die Schicht des Stasiagenten endet um
- 23:35 Uhr. nach 17 mehr oder weniger ereignisreichen Stunden. 16 Jahre lang wird Templin schon beobachtet und er ist bei weitem nicht der einzige. In den
- 80er Jahren laufen ztausende sogenannte Operationen gegen Personen, die die Stasiuft.
- Niemand ist vor der Überwachung durch die Stasier. Milke lässt sogar den mächtigsten Mann der DDR überwachen. Parteichef und Staatsüberhaupt Erich
- Honeker. Die brisantesten Informationen zu Honeeker soll Milke in einem roten Kunstlederkoffer aufbewahren. Vielleicht kann er sie später ja mal gebrauchen.
- Die Stasi hat Zugriff auf alles. Krankenakten, Kontoraauszüge, Schulzeugnisse. Am meisten interessiert sie sich aber
- für etwas anderes. Was erzählen sich die Menschen? Wenn niemand zuhört. Damals wurden wichtige Dokumente noch auf Papier gedruckt und in dicken
- Ordnern abgeheftet. Heute ist unser Leben zu einem großen Teil digital organisiert. Finanzen, Versicherungen, Verträge. Das alles ist über ZicApps und
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- du drei Versicherungen in der Clarapp hochladen und je 15 € sparen. Dieses unscheinbare Gebäude in Ostberlin sieht aus wie ein ganz normales Postamt.
- Die Angestellten darin tragen Postuniformen. Ihr Ziel war es so unauffällig wie möglich zu wirken. In Wahrheit ist das hier aber die Zentrale
- der Abteilung M, eine Abteilung der Stasi, die den gesamten Briefverkehr kontrollieren soll. Hunderte Stasiangestellte arbeiten hier. Jeden
- Tag öffnen Sie heimlich zehntausende Briefe mit Wasserdampf und dokumentieren ihren Inhalt. Auf der Suche nach verbotenen Waren aus dem Westen öffnen
- Sie auch Pakete. Und wenn Sie Geld oder andere Wertgegenstände darin finden, behalten Sie die oft einfach selbst. In diesem Gebäude in Berlin sitzt die
- Zentrale der Abteilung 26. Sie ist für Abhörmaßnahmen zuständig. Über 1000 Stasibeamte wählen sich heimlich in öffentliche Telefone, Wohnungen von
- Informanten und Telefonzentralen ein. So können Sie tausende Telefonate gleichzeitig aufnehmen. Zum Auswerten dieser ganzen Daten bräuchte die Stasi
- allerdings viel mehr Personal. Daher werden die Aufnahmen erstmal archiviert, für den Fall, dass sie irgendwann mal nützlich sein könnten.
- Das hier ist ein abgeriegelter, streng gesicherter Bereich in Ostberlin. Kaum jemand weiß, was hier eigentlich passiert. Erst als die Sowjetunion
- zusammenbricht, werden die Bürger erfahren, wer hier gearbeitet hat. Eliteingenieure, die zum sogenannten operativtechnischen Sektor, dem OTS
- gehören. Sie entwickeln raffinierte Spionagetechnik, um Bürger genau dann zu beobachten, wenn sie es am wenigsten erwarten. Sie verstecken Kameras hinter
- Jackenknöpfen oder tarnen winzige Mikrofone als Zuckerwürfel. Je kleiner die Geräte, desto besser. Geräteinbürger ins Visier der Stasi dringen Agenten
- heimlich in seine Wohnung ein und planen, wo sie Wanzen verstecken. Sie verbauen Mikrofone in Wänden, Lampen und Deckenleisten. Kein Winkel der DDR ist
- zu privat oder heilig, um nicht überwacht zu werden. Sogar Arztpraxen, Beichtstühle und private Badezimmer werden abgehört. Einige ahnen, dass sie
- überwacht werden und verlegen heikle Gespräche beispielsweise an Tischtennisplatten im Park. Aber auch das entgeht der Stasi natürlich nicht.
- Von nun an werden sogar Bäume verwand, damit die Geheimpolizei ja kein Gespräch verpasst. Bei Wohnungsdurchsuchungen nehmen Stasiagenten auch mal Unterwäsche
- mit oder ein Stück Stoff von dem Stuhl, auf dem die Zielperson gesessen hat. Duftproben wie diese bewahrt die Stasi in einer Geruchskonserve auf. Schon bald
- besitzt die Stasi eine ganze Bibliothek voller Konserven mit menschlichen Körpergerüchen. Mit diesen Proben trainiert der Geheimdienst Hunde, um
- Regimiker aufzuspüren. Sie werden auch genutzt, um herauszufinden, ob Verdächtige an einem Tatort waren. Manchmal müssen Stasienten in einer
- Menschenmenge an jemandem dran bleiben, ohne bemerkt zu werden. Dafür nutzen sie einen ziemlich ausgeklügelten Trick, einen, mit dem sie die Gesundheit der
- Verdächtigen Person gefährden. Die Stasi markiert Oppositionelle mit einer radioaktiven Substanz. Verdächtige Autos, Wohnungen und manchmal auch die
- Person selbst werden mit einer hohen Dosis Scandium besprüht. Der Spitzel selbst trägt ein spezielles Gerät an sich, einen sogenannten Geigerzähler mit
- Vibration. Damit verfolgt er sein Ziel. Nähert sich der Agent der markierten Person, nimmt die gemessene Strahlung zu. Die Vibration wird stärker oder
- häufiger. Dass die Methode ein extremes Risiko für die Gesundheit birgt, ist der Stasi durchaus bewusst. Sie entwickelt deshalb eine spezielle Vorrichtung, mit
- der sich die Substanz aus sicherer Entfernung einsetzen lässt, damit wenigstens ihre eigenen Leute sicher sind. Der Geheimdienst markiert sogar
- Dmarkscheine, um herauszufinden, wie Geld aus Westdeutschland in der DDR zirkuliert. So wollen Sie die Banknoten später wiederfinden und rekonstruieren,
- wer illegal mit dem Klassenfeind Geschäfte macht. Die Stasi weiß, dass schon zwei markierte Scheine in einer Hosentasche erheblichen Schaden
- anrichten können. Ihre Wirkung ist fast mit der einer Kastration vergleichbar. Später sterben mehrere Kritiker der DDR an seltenen Krebserkrankungen.
- Einige DDR-Bürger vermuten, die Stasi habe Regimiker während ihrer Haft absichtlich einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt. Eindeutig
- beweisen lässt sich das nicht, aber die Stasi geht noch viel weiter. Templin ist zu Besuch bei seinem alten vertrauten Werner Fischer. Doch es ist
- keineswegs ein gewöhnliches Wiedersehen. Fischer richtet hier das zweite Treffen der Initiative Frieden und Menschenrechte aus. Templin weiß, wie
- viel er mit seiner Teilnahme riskiert. Er ist bereits von der Stasi verhört und beschattet worden. Gut möglich also, dass sie ihm immer noch auf den Fersen
- ist. Aber dieser Kreis besteht ja nur aus Leuten, die er schon seit Jahren kennt. Auch Lota Pavly Jug ist dabei, ein guter Freund aus Unizeiten. In den
- Abendstunden des 17.05.187 fand in der Wohnung des Fischer eine weitere Zusammenkunft im Rahmen des von Templin initiierten Vortragszyklus zu
- Osteuropa statt. Die Initiative Frieden und Menschenrechte ist eine Seltenheit in der DDR. Sie ist eine oppositionelle Gruppe, in der Menschen mit ganz
- unterschiedlichen Ideologien zusammenkommen. Marxisten, die [musik] finden, dass der Sozialismus im Land falsch umgesetzt wird, aber auch
- Christen, Liberale und Anhänger anderer Weltanschauungen, die der Staatslinie widersprechen. Für die Regierungspartei SED und die Stasi Initiative extrem
- beunruhigend. Was Templin [musik] nicht weiß, sein Freund Pavly Chuck ist heute nicht gekommen, weil er sich für die Geschichte Osteuropas interessiert.
- [musik] Er ist einzig und allein hier, um Templin zu bespitzeln, eine Aufgabe, der schon seit mehr als 10 Jahren nachgeht.
- Pavly Jack ist aber kein offizieller Spion der Stasi. Eigentlich führt er ein ganz normales Leben und hat einen ganz normalen Job. Wer ist ein sogenannter
- inoffizieller Mitarbeiter? Ein EM. Im Prinzip sowas wie ein Zuarbeiter für die Stasi. Noch nie zuvor hat ein europäischer
- Staat seine Bevölkerung so umfassend überwacht wie die DDR. 1989 leben rund 16 Millionen Menschen im Land. Im gleichen Jahr stehen etwa 102000
- Stasibeamte auf der Gehaltsliste. Das heißt ein Geheimpolizist auf 156 Einwohner. Das Verhältnis ist damit deutlich höher als bei der sowjetischen
- Geheimpolizei KGB oder der Gestapo der Nazis. Zusätzlich unterstützen je nach Quelle bis zu 200.000 inoffizielle Mitarbeiter die gut 100.000 offiziellen
- Stasienten. Damit kommt ein Spitzel auf rund 53 Bürger. Viele IM arbeiten freiwillig für die Stasi. Sie unterstützen die Geheimpolizei aus
- ideologischen Gründen. Pavle Jack ist mit 17 IM geworden. [musik] Er sagt später, er sei abenteuerlustig gewesen und habe gehofft, einmal als Agent im
- Ausland arbeiten zu können. Andere spitzeln für Geld oder Karrierevorteile. Wieder andere werden manipuliert, erst anderweitig zur Arbeit als Informant
- gezwungen. In der DDR wimmelt es von Spion. Nachbarn, Kollegen, sogar Kinder, verraten heimlich und unauffällig ihre Mitmenschen an die Stasi. Sogar
- Familienmitglieder spionieren einander aus. In einem der bekanntesten Fälle meldet ein Ehemann jahrelang jede Aktivität seiner Frau an die Stasi. Die
- Ehefrau erfährt erst davon, als sie nach der Wiedervereinigung ihre Akte liest. Darin findet sie sogar Gespräche aus dem Ehebett und Details aus ihrem
- Liebesleben. Das Netzwerk der inoffiziellen Mitarbeiter schürt Misstrauen und Angst. Die Stasi bezeichnet die IM als Hauptwaffe im
- Kampf gegen den Feind. Pavlju Jack macht sich an diesem Abend gemeinsam mit jemand anderem aus der Gruppe auf den Heimweg, Ibrahim Böhme.
- Auf dem Nach Hauseweg hatte der IM Gelegenheit, sich mit dem Böhme Ibrahim zu unterhalten. Der IM bezeichnete Böhme als einen intelligenten Menschen mit
- hohemischen Selbständigkeitspruch. Pavly Jack prägt sich das Gespräch genau ein, um später darüber Meldung zu machen. Was er nicht weiß, Böhme macht
- genau dasselbe. Pavlyck berichtet über Böhme, Böhme berichtet über Pavlyck und beide berichten über Templin. Wie sich später herausstellen wird, arbeiten an
- diesem Abend vier von 16 Teilnehmern für die Stasi. Aber es reicht der Stasi nicht, Templin wie einen Schatten zu verfolgen, denn Templin hat eine
- Vorgeschichte. Früher war er selbst einmal im IM, doch als er das Doppelleben nicht mehr aushält und sich Freunden anvertraut,
- stellt die Stasiusarbeit mit ihm ein. Seitdem gilt er für sie nicht mehr als Vertrauter, sondern als Verräter. Ein Stasihauptmann setzt deshalb schon
- seit einiger Zeit die ultimative Waffe der Staatssicherheit gegen ihn ein, den sogenannten operativen Vorgang. Die Initiative Frieden und
- Menschenrechte ist erst vor wenigen Wochen entstanden. Ein Mann klingelt bei Templin und fragt, wohin er das Auto liefern soll. Aber
- Templin hat nie einen Wagen bestellt. [musik] Der Fremde zeigt ihm einen Kaufvertrag mit Templins Namen und seiner Unterschrift. Es ist ein Vertrag
- für ein sehr teures Auto. Selbst wenn er wollte, Templin könnte sich so einen Wagen [musik] niemals leisten. Zwar hatte er früher mal einen guten Job an
- der Akademie der Wissenschaften, doch dann wurde er plötzlich entlassen. [musik] Jetzt ist er arbeitslos. Und das, obwohl die DDR Verfassung
- eigentlich jedem Bürger ein Recht auf Arbeit garantiert. Offiziell gibt es keine Arbeitslosigkeit, deswegen gibt es auch keinen Arbeitslosen Geld. Templin
- und seine Frau versuchen sich mit Gelegenheitsjobs [musik] durchzuschlagen. Später wird Templins Akte zeigen, dass die Stasi seine
- Karriere systematisch sabotiert hat. Zuerst hält Templin die Sache mit dem Auto noch für ein großes Missverständnis, aber am gleichen Abend
- klingeln zwei weitere Lieferanten mit Verträgen an seiner Tür. Auch am nächsten Tag bekommt er unerwartet Besuch. Dutzende Fremde stehen in den
- kommenden Wochen an seiner Tür mit neuen unerwünschten Lieferungen. Autos, Elektronik, wertvolle Antiquitäten. Dann wird es völlig absurd. Er bekommt einen
- Betonmischer, kilowweeise Vogelfutter, ztausende Kondome und hunderte lebende Hühner nach Hause geliefert. Er muss alle Lieferanten abweisen. Manche drohen
- ihm Gewalt an. Viele sind stundenlang zu ihm unterwegs gewesen. Alle wollen bezahlt werden. Die ständigen Besuche zermürben Templin und sie halten ihn von
- seiner politischen Arbeit ab. Für die Stasi der Sohnun Zweck des Ganzen und sie legen gerade erst los. Zeit für die nächste Phase des operativen Vorgangs.
- Der Stasihauptmann tippt einen Maßnahmenplan. Hauptzielstellungen. Isolierung und Diskreditierung des
- Templin gegenüber anderen Initiatoren politischer Untergrundtätigkeit. Persönliche Verunsicherung und Kriminalisierung.
- Diese Methode stammt von Erich Milke persönlich und ist offiziell in der Richtlinie 176 verankert. Laut der Vorschrift zielt das operative Vorgehend
- darauf ab, den öffentlichen Ruf systematisch zu diskreditieren, berufliche Misserfolge zu organisieren und das Selbstvertrauen zu untergraben,
- sowie Misstrauen und gegenseitige Verdächtigungen innerhalb von Gruppen zu erzeugen. Milke animiert seine Agenten zu Kreativität. Ihr müsst jedes
- Mittelrecht, um das Leben von Andersdenkenden zu ruinieren. Er will Regimkritiker handlungsunfähig machen. Templin weiß, dass ihm die Stasien ist.
- Trotzdem gibt er seinen politischen Aktivismus nicht auf. Im Gegenteil, bis Dezember 1987 beteiligt er sich fast täglich an sogenannten Aktionen und die
- Stasi kommt nicht mehr hinterher, sie alle zu dokumentieren. Zu dieser Zeit wird die Opposition in der DDR stärker. Bürgerrechtler treten immer offener auf
- und Templin ist ganz vorne mit dabei. Also verschärft die Stasire Maßnahmen. Inoffizielle Mitarbeiter werden jetzt darauf angesetzt, Verläumdungen über
- Templin zu verbreiten. Sie wollen seinen Ruf als Aktivisten ruinieren. Die Stasi weist ihm eine großzügige Wohnung mit Zentralheizung zu. Da er gerade so über
- die Runden kommt, könnte er sich so eine Wohnung normalerweise nie leisten. Und genau das ist der [musik] Plan. Die Leute sollen glauben, dass Templin von
- der Stasi bezahlt wird. Gleichzeitig streut die Stasi, er habe den Widerstand verraten. Dann nimmt die Staatssicherheit seine Familie ins
- Visier. Ein inoffizieller Mitarbeiter soll Templins Frau Regina verführen. Eine Methode, die die Stasi normalerweise im Westdeutschen Ausland
- einsetzt. Geschulte Verführer, sogenannte Romeoagenten, bekommen dort den Auftrag, Frauen in Regierungsnahen Positionen näher zu kommen. So will die
- Stasi geheime Informationen aus der BRD gelangen. Aber die Methode funktioniert auch im eigenen Land. [musik] Die Stasi setzt Untreue und Gerüchte darüber,
- gezielt als Waffe ein, um Familien zu zerstören. [musik] Im Fall der Familie Templin geht der Plan jedoch nicht auf. Vielleicht hat
- die Stasi den Romeo letztlich nie eingesetzt oder er hat seinen Job einfach nicht [musik] gut genug gemacht. Stattdessen verhaftet die Geheimpolizei
- die beiden Eheleute Templin und schickt sie in ein zeitlich begrenztes Exil in Westdeutschland. Einen Prozess gibt es nicht. Ihre Kinder
- werden ins Heim gesteckt. Ein Schicksal, das viele Regimegner trifft und das Templin endgültig zermürben soll. In der Sprache der Stasi heißt dieses
- Vorgehen Zersetzung. Zwei ist jeder Fall anders, aber das Ziel dahinter ist immer das gleiche. Die Stasi setzt alles daran, unliebsame Personen gezielt und
- systematisch zu brechen. Sie will Menschen an ihrem wundersten Punkt treffen. Bei Templin ist das seine Familie, seine Karriere und sein Ruf als
- Aktivist. Eine beliebte Taktik der Stasi ist es außerdem Selbstzweifel zu sehen. Dafür brechen Agenten heimlich in die Wohnung der Zielperson ein. Sie
- verrücken Möbel, verstellen die Uhren oder räumen den Kühlschrank um. Die Veränderungen sind minimal, gerade genug, dass die Bewohner anfangen, an
- ihrem Verstand zu zweifeln. Noch viele Jahre nach dem Mauerfall leiden Opfer der Zersetzung unter extremem Misstrauen. Sie sind häufiger von
- Herzproblemen betroffen und manche von ihnen nehmen sich sogar das Leben. Selbst im Exil in Westdeutschland überwacht die Stasi und lässt sie von
- ihren Agenten einschüchtern. Trotzdem bleiben die beiden politisch aktiv und in engem Kontakt zur Opposition in der DDR. Auch führende Bürgerrechtler werden
- verhaftet. [musik] Die Festnahmen lösen eine gewaltige Protestwelle aus. Die Menschen in der DDR haben das sozialistische Regime und
- seine Führung satt. Hunderte Störer werden inhaftiert, einige von ihnen später in den Westen abgeschoben.
- Als im November 1989 die Mauer fällt, kehren Regina und Wolfgang in die DDR zurück. Ihre Zeit im Exil ist vorbei. Zu Hause setzen sie ihre politische Arbeit
- fort. Templin wird sogar mit an dem Tisch sitzen, an dem über die deutsche Wiedervereinigung gesprochen wird. Nach der Wiedervereinigung können ehemalige
- DDRBürger Einsicht in ihre Stasiakte nehmen. Bis Mitte der 90er fordern Millionen Menschen ihre Akten an. Was sie darin lesen, ist für viele kaum zu
- ertragen. [musik] Sie müssen schockiert feststellen, dass sie von ihren eigenen Freunden und sogar von Familienmitgliedern ausspioniert wurden.
- Die DDR wird als Volk von Spitzeln bekannt. Das verlorene Vertrauen in ihre Mitmenschen ist für viele das schlimmste Trauma, das der Überwachungsstaat
- hinterlassen hat. Heute gehört Deutschland zu den Ländern mit dem stärksten Datenschutzbewusstsein weltweit. In der DDR war
- Alkoholmissbrauch überdurchschnittlich weit verbreitet. Auch die Selbstmordrate war auffällig hoch. Zwischen 1949 und 1990 beging in der DDR 50% mehr Menschen
- Suizid als in Westdeutschland. Dafür allein das politische System verantwortlich zu machen wäre zu stark vereinfacht. Der durch das Regime
- entstandene emotionale Schaden erscheint dennoch offensichtlich. Nach der Wiedervereinigung wurde Erich Milke inhaftiert. für den Mord an den
- beiden Polizisten im Jahr 1931. Für seine Verbrechen als Chef der Staatssicherheit wurde er allerdings nie offiziell angeklagt. Er starb im Jahr
- 2000. Sein Grab wurde nur wenige Stunden nach seiner Beerdigung geschändet. Cheers.
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