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Disparitäre Entwicklungen | Überblick | Globale Herausforderungen | Geographie Abitur #abi
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 224 Zeilen
- Hey, heute geht es um ein Abiturthhema, das im Geoabi richtig, richtig wichtig ist, nämlich die disparitären Entwicklungen, ein Teil der globalen
- Herausforderung und es ist ein Video, das ihr euch gewünscht habt. Also die Frage, warum sind manche Länder oder Regionen wirtschaftlich,
- gesellschaftlich und politisch deutlich besser entwickelt als andere? Über dieses besser entwickelt sprechen wir im Laufe dieses Videos noch. Warum
- profitieren denn manche Räume stark von der Globalisierung, während andere eher abgehängt werden? Und mit welchen Theorien und Strategien versucht man
- diese Ungleichheiten zu erklären und dann auch zu verringern? Genau das schauen wir uns jetzt Schritt für Schritt an. Abiturrelevant und
- verständlich. Alles, was wir hier besprechen ist direkt Abiturrelevant für das Geografieabitur in Badenwürtemberg. Am Ende dieses Videos kannst du Räume
- unterschiedlichen Entwicklungsstandes im Globalisierungsprozess von Wirtschaft und Gesellschaft in ihren Grundzügen analysieren. Die Ursachen und Folgen
- disparitärer Entwicklung in der einen Welt und daraus abgeleitete Entwicklungstheorien und Entwicklungsstrategien
- erläutern und zwei Projekte der Entwicklungszusammenarbeit vor dem Hintergrund von Entwicklungsstrategien bewerten. Lass
- uns direkt loslegen. Abiturrelevante Begriffe, die du in diesem Video kennenlernen wirst, sind Disparität, Räume unterschiedlichen
- Entwicklungsstandes, Entwicklungsindikatoren, unter anderem Protonationaleinkommen, Human Development Index und Human Sustainable
- Development Index, endogene Ursache, exogene Ursache, Migration, Chancengerechtigkeit, Menschenrechte, Landgrabbing, Entwicklungstheorien,
- unter anderem die Dependenztheorie, Modernisierungstheorie und Fragment entierungstheorie und die Entwicklungsstrategien unter anderem die
- Dissoziationsstrategie, nachholende Entwicklung, Befriedigung der Grundbedürfnisse, nachhaltige Entwicklung, nachhaltige
- Entwicklungsziele, die Sustainable Development Goals, SDGs, die Entwicklungszusammenarbeit und die Teilhabe.
- Worum geht es bei disparitären Entwicklungen überhaupt? Es beschreibt die Ungleichheit im Entwicklungsstand zwischen verschiedenen Staaten, Regionen
- oder Bevölkerungsgruppen. Es geht also um Unterschiede bei z.B. dem Einkommen, der Gesundheitsversorgung, der Bildung, der Infrastruktur, politische
- Teilhabemöglichkeiten, den Lebensbedingungen. Die zentrale Erkenntnis lautet: Globalisierung führt nicht automatisch
- dazu, dass alle Räume gleichermaßen profitieren. Im Gegenteil, die Weltwirtschaft ist hochgradig vernetzt, aber die Chancen davon zu profitieren
- sind sehr ungleich verteilt. Manche Räume werden stark in die globalen Wirtschaftsprozesse eingebunden. Andere dagegen bleiben strukturell
- benachteiligt oder werden sogar weitergeschwächt. Sind also klare Verlierer. Früher hat man die Begriffe oft verwendet wie Unterentwicklung,
- dritte Welt, Industrie und Entwicklungsländer. Und das Problem ist, dass diese Begriffe häufig wertend, veraltet oder ungenau sind. Das heißt,
- bitte nutze diese Begriffe auf keinen Fall im Abitur. Sie vereinfachen sehr komplexe Realitäten und deswegen verwendet man heute oft Begriffe wie
- globaler Norden und globaler Süden. Der globale Norden umfasst meist wirtschaftlich und politisch privilegierte Staaten. Das heißt, es ist
- natürlich nicht nur der Norden der Welthalbkugel, sondern z.B. Auch Australien zählt natürlich ganz klar dazu. Der globale Süden dagegen
- bezeichnet überwiegend Staaten, die im globalen Vergleich benachteiligt sind, ob wirtschaftlich, gesellschaftlich oder politisch. Wichtig ist, dass eben auch
- diese Einteilung definitiv nicht perfekt ist, denn weder alle Länder des globalen Nordens gleich, noch sind alle Länder des globalen Südens gleich stark
- benachteiligt. Und es ist natürlich auch die Frage, wann zählt man denn jetzt zu welchem Land, welchen Entwicklungsstand muss man erreichen und spricht man dann
- nicht wieder automatisch von der Unterentwicklung gegenüber anderen Staaten? Es gibt enorme Unterschiede auch innerhalb der Gruppen und deswegen
- spricht man in der Entwicklungspolitik auch häufig von der einen Welt. Dieser Begriff betont nämlich, dass alle Räume miteinander verbunden sind und dass
- globale Probleme auch nur gemeinsam bewältigt werden können. Jetzt kommt ein wichtiger zentraler Punkt fürs Abitur. Entwicklung ist kein eindeutig messbarer
- neutraler Begriff, denn schon die Frage, was überhaupt als entwickelt gilt, enthält nämlich Wertvorstellungen und bei uns in Europa natürlich häufig
- westlich eurozentrierte Wertvorstellungen. Früher [räuspern] wurde Entwicklung oft fast ausschließlich an wirtschaftlichem
- Wachstum gemessen. Heute ist klar, das reicht nicht. Ein Land kann wirtschaftlich wachsen und trotzdem massive soziale Probleme haben. Deshalb
- arbeitet man heute mit verschiedenen Entwicklungsindikatoren. Das sind messbare Größen, mit denen man den Entwicklungsstand eines Landes oder
- einer Region einschätzen kann. Wichtige Bereiche sind Wirtschaft, z.B. das Bruttonationaleinkommen, das Bruttoinlandsprodukt
- pro Kopf und die Außenhandelsbilanz. Bei der Demographie sind wichtige Indikatoren die Geburtenrate oder Fertilitätsrate,
- also wie viel Kinder pro Frau geboren werden, dann der die Verstätterungsrate oder der Anteil der Stadtbevölkerung in Prozent und das natürliche
- Bevölkerungswachstum in Prozent. Beim Thema Gesundheit sind es Lebenserwartung von Mann und Frau, die Ärztedichte pro Einwohner, die Säuglingssterblichkeit
- pro Geburten und der Zugang zu sanitären Anlagen bzw. Zugang zu sauberem Trinkwasser. Und zuletzt die Bildung. Hier schauen wir uns oft die
- Alphabetisierungsrate in Prozent an bzw. auch die Analphabetenrate, das ist wichtig, dass ihr den Unterschied kennt. Also Alphabetisierungsrate ist in
- Deutschland, glaube ich, um die 90%. Sicher bin ich mir da gerade gar nicht. Das heißt, 90% der Bevölkerung sind in der Lage zu lesen und zu schreiben. Bei
- der Analphabetisierung ist es so, wie viel können eben nicht lesen und schreiben. Dann haben wir die durchschnittliche Schulbesuchsdauer von
- 25-Jährigen. Das ist aber immer auch angegeben. 25-Jährige ist jetzt hier nur ein Beispiel. Dann der erwart die erwartbaren Schuljahre bei Einschulung,
- Hochschulabschluss, beschäftigte in Forschung und Wissenschaft und die Anzahl von Schülerinnen pro Lehrkraft. Das Ganze sind jetzt nur einige
- Beispiele, die kann man weit ausdehnen und im Abitur hat man das häufig auch in tabellarischer Form, sodass man z.B. zwei Länder im Vergleich hat, wo man
- disparitäre Entwicklungen eben sehr gut herausarbeiten kann. Ganz wichtig, Entwicklung ist mehrdimensional. Das heißt, du darfst im Abitur niemals nur
- über z.B. Einkommen, nur über das BIP, nur über das BE oder Bildung, Gesundheit und so weiter erklären. Das heißt, es ist mehrdimensional, es muss immer
- miteinander vernetzt werden. Und wenn du z.B. verschiedene Länder vergleichen sollst, dann macht das bitte unbedingt auch immer über die verschiedenen
- Entwicklungskategorien, das heißt Überbildung, Gesundheit, Demografie und Wirtschaft. Ein wichtiger wirtschaftlicher Indikator ist das
- Brutonationaleinkommen, also das BE. Es beschreibt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes, indem es das Einkommen erfasst,
- das von den Innenländerinnen und Innenländer eines Staates erwirtschaftet wird. Das heißt, Personen, die im Ausland leben, aber die
- Staatsangehörigkeit haben, werden nicht mit einbezogen. Für die Analyse ist das hilfreich, weil man damit grob einschätzen kann, wie hoch das
- ökonomische Niveau eines Landes ist. Aber das BNE ist nicht alleine ausreichend, um eine Entwicklung zu bewerten. Warum? Weil es nichts darüber
- aussagt, wie gerecht Einkommen verteilt ist, ob es regionale Disparitäten gibt, ob Menschen Zugang zu Bildung haben, z.B. auch Frauen, Kinder, Mädchen, wie
- gut die Gesundheitsvorsorge ist oder ob politische Teilhabe möglich ist. Ein Land kann also ein relativ hohes Einkommen haben im Schnitt und trotzdem
- große soziale Ungleichheiten aufweisen. Genau deshalb wurde ein umfassender Index entwickelt, der Human Development Index kurz HDI. Der HDI wurde 1990 im
- Rahmen des Human Development Report der Vereinten Nation eingeführt. Das Ziel war Entwicklung nicht nur wirtschaftlich, sondern breiter zu
- betrachten. Der HDI besteht deshalb aus drei verschiedenen Kategorien, nämlich erstens der Gesundheit, gemessen über die Lebenserwartung bei Geburt. Zweitens
- die Bildung, gemessen über die durchschnittliche Schulbesuchsdauer der Erwachsenen Bevölkerung und die erwartbare Schulbesuchsdauer von
- Kindern. Drittens, der Lebensstandard, gemessen über das BNE pro Kopf in Kaufkraftparität. Im Atlas ist eine Karte zum HDI zu
- finden. Hier stehen auch die drei Teilbereiche. Allerdings steht im Atlas Einkommen statt Lebensstandard. Das ist nicht korrekt. Schreib daher bitte
- unbedingt Lebensstandard, wenn du den HDI genauer anschaust und schau dir auf jeden Fall auch mal die Karte genauer an. Im Bezug auf die Teilbereiche werden
- wird ein Wert zwischen 0 und 1 ermittelt. Und je näher der Wert an eins liegt, desto höher ist der Entwicklungsstand eines Landes. Je näher
- Wert an null liegt, desto niedriger ist der Entwicklungsstand. Der große Vorteil des HD ist also er betrachtet Entwicklung mehrdimensional und eben
- nicht nur ökonomisch, sondern auch in Bezug auf die Gesundheit und die Bildung in einem Land. Schau dir bitte unbedingt jetzt die passende Karte im Atlas an und
- gewinne einen groben Überblick darüber, welche Länder einen hohen bzw. einen niedrigen HDI haben und schau dir mal die globale Verteilung der Länder an.
- Es gibt eine relativ umfassende Kritik am HDI, denn der HDI ist definitiv nicht perfekt und genau das ist jetzt im Abitur wichtig. Du sollst nicht nur
- definieren, sondern auch kritisch einordnen können. Und typische Kritikpunkte gegenüber dem HD sind beispielsweise, dass Bereiche fehlen wie
- Menschenrechte, Qualität, der Regierungsführung negativer betrachtet, weil eben die politische Teilhabe geringer ist. Die
- politische Stabilität hat einen großen Einfluss und auch die Geschlechtergerechtigkeit. Das heißt, wie werden z.B. Frauen bzw. Mädchen
- benachteiligt oder eben auch gleichgestellt? Die Gewichtung der drei Bereiche ist definitiv umstritten. Also momentan ist
- es ja beim HD auf jeden Fall so, dass jeder Bereich gleich viel gewichtet wird. Das heißt, jeder Bereich zählt gleich stark und das wird eben immer
- wieder kritisiert. Und zuletzt das BNE pro Kopf bleibt problematisch, weil es nichts über die Verteilung des Wohlstands innerhalb eines Landes
- aussagt. Außerdem werden verschiedene Bereiche, die vor allem in globalen Süden eine größere Rolle spielen, nämlich der informelle Sektor und die
- Subsistenzwirtschaft nicht oder nur unzureichend erfasst. Das bedeutet, der HDI ist nützlich, ist sehr nützlich, aber er bildet Entwicklung
- trotzdem nicht vollständig ab. Weil der HDI einen ganz wichtigen Bereich vernachlässigt wurde, er erweitert und zwar um die ökologische Dimension.
- Daraus entstand der Human Sustainable Development Index, also der HSDI. Hier wird zusätzlich berücksichtigt, wie stark ein Land die Umwelt belastet,
- insbesondere durch Treibhausgasemissionen pro Kopf. Insbesondere die CO2 Äquivalente bzw. der CO2 Ausstoß wird
- hier genauer betrachtet. Das ist wichtig, weil ein Land zwar sehr hohe Lebensstandards haben kann, diese aber möglicherweise auf einer extrem
- ressourcensiveren und klimaschädlichen Wirtschaftsweise beruhen. Der HSDI versucht deshalb Entwicklung und Nachhaltigkeit stärker
- zusammenzudenken. Das ist im Sinne der heutigen Leitidee besonders wichtig, denn Entwicklung soll nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern auch
- sozial und vor allem auch ökologisch tragfähig sein, damit sie auch zukunftsfähig ist. Spätestens seit der Agenda 2030 werden Entwicklungsfragen
- eng mit den 17 Sustainable Development Goals, also den SGS verbunden. Wichtig für dich, auch hier wird deutlich, dass Entwicklung kein einfacher Zustand ist,
- sondern aus vielen verschiedenen Teilbereichen besteht. Ein Land kann in manchen Bereichen sehr gut abschneiden und in anderen deutliche Defizite haben.
- Entwicklung ist also nicht schwarz oder weiß, sondern eben immer differenziert zu betrachten. Schau bitte unbedingt im Atlas nach, dass du die Karte zu
- Sustainable Developments Goals gefunden hast, denn hier stehen alle 17 Ziele auch in der Legende tatsächlich drin. Das heißt, schau, dass du sie, dass du
- diese Karte hast und dass du die auch bei den disparitären Entwicklungen, wenn eine Aufgabe dazu drank kommt, auf jeden Fall mit einbeziehen kannst.
- Diese Ziele betreffen unter anderem keine Armut, kein Hunger, Gesundheit und Wohlergehen, hochwertige Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser
- und sanitäre Einrichtungen, bezahlbare und saubere Energie, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, Industrieinnovation und Infrastruktur,
- weniger Ungleichheiten, nachhaltige Städte und Gemeinden, nachhaltiger Konsum und Produktion, Maßnahmen zum Klimaschutz, Leben unterwasser, Leben an
- Land, Friedengerechtigkeit und starke Institution. sowie Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. Was bedeutet jetzt Disparität
- genau? Jetzt zur Grunddefinition. Disparitäten sind Ungleichheiten oder Unterschiede im Entwicklungsstand von Staaten, Regionen oder in
- Bevölkerungsgruppen. Das Ganze haben wir vorhin schon gesehen. Diese Unterschiede zeigen sich vor allem in der Wirtschaftskraft, in der
- Infrastrukturbildung, Gesundheitsvorsorge oder Versorgung, politische Teilhabe, Lebensqualität. Disparitäten können global, national und
- regional auftreten, also nicht nur zwischen Ländern, sondern auch innerhalb eines Landes. Ein klassisches Beispiel wäre der Unterschied zwischen einer
- wirtschaftsstarken Metropolregion und strukturschwachen ländlichen Räumen, wie wir sie beispielsweise in Deutschland ja auch haben. Die Ursachen werden im
- Bildungsplan ganz zentral unterschieden in endogene Ursachen und exogene Ursachen. Das heißt, disparitäre Entwicklungen sind z.B. Ursachen, die im
- Raum selbst liegen oder auch Ursachen, die von außen auf einen Raum einwirken. Endogene Ursachen können z.B. sein ungünstige naturräumliche Bedingungen,
- eine geringe Wirtschaftsvielfalt, politische Instabilität, Korruption, schwache Bildungssysteme, eine unzureichende Infrastruktur, soziale
- Ungleichheit und fehlende Chancengerechtigkeit. Exogene Ursachen, also Ursachen, die von außen auf einen Raum einwirken, können
- sein koloniale Prägung, ungünstige Einbindung in den Weltmarkt, Rohstoffabhängigkeit, Export von Cashcrops, also ähm
- landwirtschaftlichen Produkten, die nur zum Verkauf ähm angebaut und produziert werden. Die Importabhängigkeit bei Fertigprodukten, negative terms of
- Trade, also negative Handelsverträge für ein Land, globale Machtasymmetrien und externe politische oder wirtschaftliche Einflussnahme.
- Ganz wichtig, in der Realität wirken endogene und exogene Ursachen meistens zusammen. Und genau das solltest du in einer guten Klausur auch immer deutlich
- machen. Zwei Begriffe, die in diesem Themenfeld immer wichtiger geworden sind, es sind Chancengerechtigkeit und Menschenrechte.
- Chancengerechtigkeit bedeutet, dass Menschen faire Möglichkeiten haben, sich zu bilden, wirtschaftlich aktiv zu sein und politisch teilzuhaben. Wenn
- bestimmte Gruppen systematisch benachteiligt werden, wirkt sich das als Entwicklungshemmnis auf ein Land aus. Typische Beispiele hierfür sind
- eingeschränkter Bildungszugang für Mädchen, fehlende politische Mitspracherechte, Diskriminierung, ungleiche
- Arbeitsmarktchancen und frühe Schwangerschaften oder Zwangsverheiratungen. Auch die Abhängigkeit von männlichen
- Personen dann in dem Beispiel. Menschenrechte sind grundlegende Rechte, die jedem Menschen zustehen. Wenn Menschenrechte verletzt werden, hat das
- direkte Auswirkung auf die Entwicklung, weil Menschen dann ihr Potenzial nicht frei entfalten können. Deshalb sind Menschenrechte heute nicht nur ein
- ethisches Prinzip, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Entwicklungsansätze. Jetzt kommen wir zu den
- Entwicklungstheorien. Die erste wichtige Theorie ist die Modernisierungstheorie. Ihre Grundidee lautet, dass alle Gesellschaften auf ihren Weg zur
- Entwicklung ähnliche Stufen durchlaufen, von der traditionellen Agrargesellschaft hin zu modernen Industrie und Dienstleistungsgesellschaften.
- Ein bekanntes Modell dazu stammt von Walt Rostoff aus dem Jahr 1960. Die ist also schon paar Jahre alt, die Modernisierungstheorie, und er
- beschreibt fünf Entwicklungsstufen. Die traditionelle Gesellschaft, die Übergangsgesellschaft, wirtschaftlicher Aufstieg, die Entwicklung zur Reife und
- das Zeitalter des Massenkonsums. Die Modernisierungstheorie erklärt Entwicklungsunterschiede vor allem durch endogene Ursachen, also z.B. durch
- fehlende Modernisierung innerhalb eines Landes, veraltete Wirtschaftsstrukturen, geringe Produktivität, politische Instabilität und mangelnde Bildungs- und
- Innovationskraft. Jeder Entwicklungstheorie, also einer Theorie darüber, wie ein Land sich entwickelt und warum es sich so
- entwickelt hat, folgt auch eine Entwicklungsstrategie, also wie man dem Land bei der weiteren Entwicklung helfen kann bzw. dieses Land
- unterstützen kann. Aus der Modernisierungstheorie als Entwicklungstheorie ergibt sich also die Entwicklungsstrategie
- der nachholenden Entwicklung. Die Idee dahinter ist, dass weniger entwickelte Staaten mit Hilfe von Industrialisierung,
- Infrastrukturaufbau, Kapital, Wissen und externer Hilfe einen ähnlichen Entwicklungsweg einschlagen als Industrieländer. Und du siehst jetzt
- hier noch mal, wie alt diese Theorie ist, nämlich von 1960. Man hoffte außerdem auf den sogenannten Tickledekt.
- Das bedeutet, wirtschaftliches Wachstum an der Spitze der Gesellschaft soll nach unten auch den unteren Bevölkerungsschichten zugute kommen. Das
- heißt, wenn man Kapital an die oberen Schichten der Bevölkerung gibt, investieren sie z.B. in Infrastrukturprojekte, in Wohnungsbau
- etc. Und somit kommt es der den unteren Bevölkerungsschichten zugute. Das Problem ist leider, dass das in vielen Fällen nicht funktioniert hat. Nämlich
- oft profitieren vor allem Eliten oder urbane Zentren, während große Teile der Bevölkerung kaum Verbesserungen erfahren haben. Die Dependenztheorie setzt an
- einem ganz anderen Punkt an. Man könnte schon fast sagen an dem gegenteiligen Punkt. Sie sagt, die Ursache von Unterentwicklung liegen nicht primär im
- Land selbst, sondern in äußeren Abhängigkeiten. Diese Abhängigkeiten zeigen historisch entstanden durch Kolonialismus, postkoloniale
- Verhältnisse und neokoloniale Strukturen. Unterentwicklung wird hier also nicht als Rückstand verstanden, sondern als Ergebnis eines ungleichen
- Weltsystems. Typische Probleme sind Rohstoffexport statt eigener Weiterverarbeitung, Import, teurer Fertigwaren,
- Monostrukturen, ungünstige terms of Trade, einseitige Handelsbeziehungen und starke Abhängigkeit vom Weltmarkt. Die Dependenztheorie
- erklärt also die sogenannte Unterentwicklung eines Landes durch exogene Ursachen. Auch diese Theorie ist schon ein paar Jahre älter. Aus diesem
- Grund haben wir hier eben das Problem, dass es mit Begrifflichkeiten arbeitet, wie Unterentwicklung, Weiterentwicklung und so weiter. Aus der Dependenztheorie
- als Entwicklungstheorie ergibt sich als Entwicklungsstrategie die sogenannte Dissoziationsstrategie. Das bedeutet, ein Land soll sich
- zumindest teilweise oder ganz vom Weltmarkt abkoppeln, um eine eigenständigere Entwicklung aufzubauen. Dazu gehört z.B. der Schutz des
- Binmarktes, eine Aufbau eigener Industrie, Nutzung eigener Ressourcen für die Grundversorgung, Zölle und andere Handelsschranken und eine
- geringere Abhängigkeit von Importen. Es hat also drei zentrale Punkte, nämlich einmal den Protektionismus des eigenen Landes, Handelszölle für andere Länder,
- sodass eben weniger Handel mit anderen Ländern stattfinden kann. Und letztlich auch wird eine Auty angestrebt, dass eben alles, was für das Land gebraucht
- wird, auch innerhalb des Landes produziert werden kann, sodass eben weniger Import stattfindet. Eine Kritik gibt's natürlich an dieser
- Stelle auch. Auch diese Strategie hat in vielen Fällen nicht die erhoffte Wirkung gebracht, weil wirtschaftliche Abschottung ebenfalls verschiedene
- Probleme erzeugen kann, z.B. eine Unterversorgung der Bevölkerung, weil man nicht mehr so viel importiert und dadurch z.B. Hungersnöte ausbrechen
- können. Ein sehr wichtiges aktuelles Beispiel für exogene Einflussfaktoren ist das sogenannte Landcrabbing. Darunter
- versteht man den großflächigen Kauf oder die langfristige Pachtung landwirtschaftlicher Flächen in Staaten des globalen Südens durch ausländische
- Staaten, Unternehmen und Investoren. Die Ursachen sind eben, dass die Länder Nahrungsmittel für den Export
- produzieren wollen, Futtermittel oder Energiepflanzen. Und das Problem dabei ist oft, dass lokale Bevölkerungsgruppen ihre Nutzungsrechte verlieren, obwohl
- sie diese Flächen schon seit Generationen bewirtschaftet haben. Die Folgen können sein Verlust von Lebensgrundlagen, Verträngung
- kleinbäuerlicher Strukturen, Verschärfung von Armut, eine steigende Abhängigkeit, soziale Konflikte. Landcrabbing ist also ein sehr gutes
- Beispiel für globale Machtasymmetrien und für exogene Ursachen disparitärer Entwicklungen, die aktuell sehr stark zunehmen und auch in den kommenden
- Jahren vermutlich zunehmen werden. Neuere Ansätze haben erkannt, dass weder die Modernisierungstheorie noch die Dependenztheorie alle Probleme
- ausreichend erklären. Deshalb rückt stärker der Begriff Vulnerabilität in den Mittelpunkt. Vulnerabilität bedeutet Verwundbarkeit. Das kennst du sicherlich
- schon von den anderen Abiturthemen. Und die Grundidee lautet, dass manche Räume besonders anfällig für Krisen und Schocks, z.P. durch Naturkatastrophen,
- Dürre, Hungerkrisen, politische Konflikte, Kriege und wirtschaftliche Zusammenbrüche sind. Solche Ereignisse treffen nicht alle Räume gleich stark
- und entscheidend ist auch, wie anfällig ein Raum strukturell bereits ist, wenn ein Land z.B. schwache Institutionen eine geringe Infrastruktur, Armut und
- geringe soziale Absicherung aufweist, dann können Krisen dort deutlich gravierendere Folgen haben. Entwicklung wird damit nicht nur als Ergebnis
- innerer und äußerer, also endogene und exogene Ursachen verstanden, sondern auch als Frage der Krisenanfälligkeit und Bewältigungsakapazität.
- Die Fragmentierungstheorie ist eine für die heutige Globalisierung besonders wichtige Theorie, die ist von Fred Scholz. Die Globalisierung führt nicht
- dazu, dass ganze Staaten gleichmäßig profitieren. Stattdessen entstehen räumliche Disparitäten, also Gewinner, Teilgewinner und Verlierer innerhalb und
- zwischen verschiedenen Ländern. Das heißt, einige wenige globale Orte sind stark in die Weltwirtschaft eingebunden. Andere Räume sind nur teilweise
- integriert. und wieder andere bleiben weitgehend abgehängt. Wichtige Gewinner sind z.B. Kommandozentralen der Weltwirtschaft,
- also Global Cities, Hightechzentren, Forschungsstandorte und bedeutende Industrie und Dienstleistungsräume. Teilgewinner können sein Standorte von
- Billiglohnprodukten, Rohstoffräume und touristische Wachstumsräume sowie ausgelagerte Dienstleistungsstandorte.
- Zuletzt sind Verlierer, stagnierende ländliche Peripherien, marginalisierte Stadtviertel und abgekoppelte Regionen ohne relevante Einbindung. Ganz zentral
- ist hier, dass der Tickle Downffekt, den wir vorhin schon angeschaut haben, oft ausbleibt. Also selbst wenn ein Land in Teilräumen stark wächst, profitieren
- große Teile der Bevölkerung oder andere Regionen nicht automatisch mit. Die Theorie passt besonders gut zur heutigen Weltwirtschaft mit transnationalen
- Unternehmen, globalen Produktionsketten sowie Prozessen wie Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung. Zusätzlich können viele weitere
- Entwicklungen bremsen oder erschweren. Das sind die sogenannten Entwicklungshindernisse, z.B. Ungünstige terms of Trade, hohes
- Bevölkerungswachstum, eine politische Instabilität, Korruption, Kapitalmangel, geringe Auslandsdirektinvestitionen,
- eine hohe Auslandsverschuldung, die Abhängigkeit von einzelnen Exportgütern, Hungerkrisen, Kriege und Naturkatastrophen.
- Wichtig ist, diese Faktoren wirken häufig nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig. Das ist im Abitur ein ganz entscheidender Gedanke,
- denn Entwicklungshemmnisse bilden oft komplexe Wirkungsgefüge und deswegen ist es auch eine beliebte Methode oder eine beliebte Aufgabe, ein Wirkungsgefüge zu
- disparitären Entwicklungen zu erstellen. Aus den verschiedenen Theorien wurden unterschiedliche Entwicklungsstrategien abgeleitet. Erstens, die nachholende
- Entwicklung. Sie basiert auf der Modernisierungstheorie und Kennzeichen sind die Orientierung an Entwicklungsweg der Industriesta die Industrialisierung,
- Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Aufbau und ein externer Big Push z.B. durch Kapital und Wissen. Zweitens die Dissoziationsstrategie.
- Sie geht aus der Dependenztheorie hervor. Kennzeichen sind die Abkopplung vom Weltmarkt, Schutz der Winmarktes, Förderung eigener Produktion und
- Verringerung externer Abhängigkeiten. Drittens, die Befriedigung der Grundbedürfnisse. Ab den 1970er Jahren wurde klar, dass Wachstum alleine nicht
- ausreicht. Deshalb konzentriert man sich stärker auf die Frage, ob grundlegende Bedürfnisse von Menschen erfüllt werden. Materielle Grundbedürfnisse sind z.B.
- Nahrung, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Immaterielle Grundbedürfnisse sind Bildung, politische Teilhabe und
- gesellschaftliche Mitbestimmung. Viertens, die nachhaltige Entwicklung. Seit den 1990er Jahren steht immer stärker die nachhaltige Entwicklung im
- Mittelpunkt. Dabei geht es darum, ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden. Wichtige Grundlagen dessen sind die Rio Konferenz
- von 1992, die Agenda 21 bzw. Agenda 2030 und heute vor allem die Sustainable Development Goals, die SGS.
- Entwicklung soll so gestaltet werden, dass heutige Bedürfnisse befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generation zu zerstören.
- Also das klassische Grundverständnis von Nachhaltigkeit. Migration als Folge disparitärer Entwicklungen. Auch Migration gehört zu
- diesem Themenfeld. Migration bedeutet die langfristige Verlagerung des Lebensmittelpunkts über größere Distanzen und häufig über administrative
- Grenzen hinweg. Man unterscheidet unter anderem die internationale Migration, die Binnenmigration, die regionale Freizügigkeitsmigration,
- z.B. innerhalb der EU. Typische Ursachen sind bessere Einkommenschancen, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, der Familiennachzug als ähm Pullfaktoren
- und als Pushfaktoren, politische Verfolgung, Gewalt, Umweltveränderung und Perspektivlosigkeit. Im Zusammenhang mit disparitären
- Entwicklungen ist Migration oft eine Folge ungleicher Lebensbedingungen. Wichtig ist aber, Migration kann für Herkunft und Zielräume sowohl Chancen
- als auch Probleme mit sich bringen. Auch das solltest du im Abitur differenziert darstellen. Heute spricht man bewusst nicht mehr von
- Entwicklungshilfe, sondern von Entwicklungszusammenarbeit. Der Begriff betont, dass Länder und Region nicht einfach von außen
- entwickelt werden, sondern dass das auf Zusammenarbeit beruht und auf Augenhöhe stattfinden soll. Ein zentrales Prinzip dessen ist die Teilhabe.
- Entwicklungszusammenarbeit bedeutet also Menschen vor Ort sollen mitentscheiden, ihre Erfahrungen einbringen, Verantwortung übernehmen und aktiv an
- Planung und Umsetzung beteiligt sein. Teilhabe ist wichtig, weil Entwicklungsprojekte nur dann langfristig tragfähig sind, wenn sie
- sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren. Zu den Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit gehören
- staatliche Institutionen, private Organisation, Nichtregierungsorganisation, sogenannte NGOs und supranationale
- Organisationen. In Deutschland spielt z.B. das BMZ eine wichtige Rolle, also das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
- Entwicklung. Ein wichtiger Akteur ist, der in der praktischen Umsetzung ist die Giz. Auf internationale Ebene ist unter anderem das UNDP zentral. Recherchier
- bitte unbedingt mal für Deutschland, BMZ und vor allem Giz. Hier gibt's nämlich auch immer tolle Beispiele für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit, aber das
- schauen wir uns jetzt an. Die internationale Zusammenarbeit. Was haben KKO und Arztbesuch mit internationaler Zusammenarbeit zu tun? Die GZ hat gerade
- eine Kampagne, wo internationale Zusammenarbeit eben abstrakt klingt, wo man aber merkt, wie sehr sie unseren Alltag prägt. Das haben Sie in so einem
- kurzen Clip. 40 Sekunden geht das Video. Findest du hier bei dem QR Code. Ähm, was also wäre, wenn wir keine internationale Zusammenarbeit hätten.
- Das finde ich ganz nett gemacht, deswegen schaut es euch unbedingt mal an. Bei den zwei Projekten für Entwicklungszusammenarbeit, die man eben
- auch mit verschiedenen Entwicklungsstrategien und verschiedenen Entwicklungstheorien ausarbeiten soll, möchte ich hier tatsächlich gar nicht so
- genau auf ein drauf eingehen, weil ich möchte, dass du hier rein nach deinem Interesse dir mal eines von 364 super coolen laufenden Projekten auf der
- GEZ anschaust. Du siehst, dass die GZ in 25 verschiedenen Ländern aktiv ist und z.B. Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika, Karibik, Überregional in
- der Welt verschiedene detaillierte Projektdaten, Projektdarstellungen zu laufenden und auch schon zu beendeten Vorhaben präsentiert. Such dir da
- einfach ein zwei aus, liest dich ein bisschen ein und schau dir die Projekte in Ruhe an. Mit den Bildern, mit den Texten ist es toll aufgearbeitet, sodass
- du da bestimmt zwei Projekte findest, wo du dir einfach mal Gedanken dazu machen kannst, was für eine Entwicklungsstrategie ist das, wie gut
- hat das Projekt funktioniert, wo gibt's denn Risiken oder ähm Probleme, die man vielleicht künftig auch anders angehen kann und welche Chancen und welchen
- Gewinn hat dieses Projekt? Okay, fassen wir zusammen, was du in diesem Video gelernt hast. Du hast gelernt, dass Globalisierung nicht automatisch zur
- gleichmäßigen Entwicklung führt. Manche Räume werden integriert, andere bleiben zurück. Entwicklung muss immer mehrdimensional gemessen werden, denn
- Wirtschaft allein reicht nicht aus. Gesundheit, Bildung, Teilhabe und Nachhaltigkeit sind genauso wichtig. Disparitäre Entwicklungen entstehen
- durch das durch das Zusammenspiel endogener und exogener Ursachen. Fehlende Chancengleichheit und Menschenrechtsverletzungen
- hämen die Entwicklung eines Landes massiv. Die Modernisierungstheorie, Dependenztheorie und Fragmentierungstheorie liefern
- unterschiedliche Erklärungsansätze für die verschiedenen Entwicklungen innerhalb von Ländern. Entwicklungsstrategien haben im Laufe
- der Zeit haben sich im Laufe der Zeit verändert von rein wachstumsorientierten Ansätzen wie der nachholenden Entwicklung hin zu stärker sozialen und
- nachhaltig ausgerichteten Konzepten. Entwicklungszusammenarbeit funktioniert dann besonders gut, wenn Teilhabe, lokale Anpassung und Nachhaltigkeit
- zusammenkommen. Ich hoffe, dieses Video hat dir super viel gebracht für das Themenfeld globale Herausforderung, disparitäre Entwicklungen. Wenn du noch
- mehr Videos möchtest, like gerne dieses Video und abonniere den Kanal. Ich freue mich immer sehr über liebe Kommentare und wenn du die beste Vorbereitung auf
- dein Geografieabitur möchtest mit Zusammenfassung, Quizen, Audios, Klossaren, Lernkarten und Übungsaufgaben mit Lösungen, mit einer ganz klaren
- Struktur, wie du vorgehen sollst, dann buch dir gerne den Kurs über den Link für den Abiturkurs Badenwürtemberberg in der Beschreibung.
- Ich freue mich dich daz sehen und wünsche dir ein großartiges Geographieabitur.
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