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Prof. Dr. Martin Laube: Der Ursprung der Religion
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Transkriptautomatisch erstellt · 597 Zeilen
- Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass wir wieder da sind und dass wir unsere Ringvorlesung fortsetzen können. Heute mit einem
- geisteswissenschaftlichen Vortrag äh von dem Kollegen Martin Laube aus der Theologischen Fakultät. Es ist mir eine Freude, Herrn Laube kurz vorzustellen.
- Nach dem Studium der Theologie und der Philosophie wurde Martin Laube 1995 mit einer Studie zur analytischen Religionsphilosophie des 20.
- Jahrhunderts. Ein Thema, das in der Theologie bis datu nicht viel Beachtung gefunden hat, an der Theologischen Fakultät der Ludwigs Maximilians
- Universität in München promoviert. 2005 habilitierte sich Laube in Münster mit einer Studie zum Verhältnis von Theologie und neuzeitlicher
- Christentumstheorie bei trotz Renddorf, dem bedeutendsten theologischen Ethiker des deutschen Protestantismus im 20. Jahrhundert.
- Zwischen zwischen 2008 und 2011 hatte Laube dann einen Lehrstuhl für systematische Theologie an der Universität Bonninne. Seit 2011 ist er
- entgötting. Mit seiner Professur ist außer den klassischen Gegenständen der systematischen Theologie insbesondere die Tradition des reformierten
- Protestantismus verbunden, in die sich Laube umfassend eingearbeitet hat und die er in einer ausstrahlenden Weise in die fachwissenschaftlichen Diskussionen
- einzubringen versteht. Laubes besonderes Anliegen besteht darin, in engem Austausch mit anderen Disziplinen, insbesondere der
- Religionsphilosophie, der Religionssoziologie, der Literatur und der Geschichtswissenschaft
- traditionelle Themen der Theologie in einer den Bedingungen der wissenschaftlich technischen moderne gemäßen Weise zu reformulieren.
- Seit zwei Jahren gehört Laube der Göttinger Akademie der Wissenschaften an. Seit einiger Zeit arbeitet er an einer Dogmatik in der Perspektive der
- Freiheitsthematik, die gewiss ein sehr markanter Beitrag zur gegenwärtigen systematischen Theologie sein wird. Martin, ich freue mich, dass du zugesagt
- hast. Äh du hast das Wort. Ja, lieber Thomas, habe vielen Dank äh für deine nette Vorstellung und Einführung. Vor allen Dingen möchte ich
- mich aber auch äh für die Ehre bedanken, an dieser Ringvorlesung mitwirken zu dürfen. Sehr geehrte Damen und Herren, ähm oder wie es früher hieß, liebe
- Zuschauer draußen an den Bildschirmen, äh sein Sie herzlich willkommen zu meinem Vortrag über den Ursprung der Religion. Und äh nun stehe auch ich vor
- der Aufgabe, es hoffentlich hinzubekommen, meinen Bildschirm freizugeben und damit die Sache zu starten.
- Wie sich die Religion, zumal die christliche Religion den Ursprung der Welt denkt, ist gemeinhin bekannt als Schöpfungsakt eines weltüberlegenden
- Gottes. Aber wie hat man sich umgekehrt in der so geschaffenen Welt den Ursprung der Religion zu denken? Jedenfalls dann, wenn man es nicht bei der biblischen
- Auskunft belassen will, dass eben jener Gott seit den Zeiten des Paradieses mit den Menschen kultischen Verkehr und Umgang pflegt.
- Für die Bibel scheint die Sachlage klar: Die Religion ist den Menschen von Anbeginn der Schöpfung eingeschrieben. Sie hat ihren Ursprung bei Gott.
- Umgekehrt erweist sich so der Mensch als ein von Natur aus religiöses Wesen. Die Theologie hingegen weiß nur zu gut, dass ihr Gegenstand, die komplexe
- Wirklichkeit des Christentums, immer schon verwoben und eingespannt ist in den übergreifenden Zusammenhang der menschlichen Kultur und Gesellschaft.
- Anders gesagt, der christliche Glaube fällt nicht einfach vom Himmel, sondern entsteht und besteht im Horizont der menschlichen Geschichte als eine
- Religion neben anderen Religionen in einer gesellschaftlichen Umwelt, welche zudem mehr und mehr die Signatur eines säkularen Zeitalters aufweist.
- Eben darin liegt das elementare Interesse der Theologie beschloss beschlossen, über die eigenen Fachgrenzen hinauszugehen und sich mit
- Kultur und sozialwissenschaftlichen Forschungsperspektiven auf die Religion zu beschäftigen. Insbesondere die Frage nach dem Ursprung
- der Religion hat hier stets eine besondere Faszinationskraft ausgeübt. Freilich zeigt sich rasch, dass diese Frage nur auf den ersten Blick klar und
- eindeutig erscheint. Bei näherem Hinsehen droht ein ganzes Geflecht von Fallstricken, indem man in denen man sich ausweglos verfangen kann. Das
- beginnt schon beim Begriff des Ursprungs. Er kann zum einen den zeitlichen Anfang von etwas bezeichnen, zum anderen den sachlichen Grund von
- etwas. Im Lateinischen bildet sich diese Ambivalenz in der Differenz von Initium und Prinzipium ab. Der Anfang ist prospektiv der Initialpunkt, von dem
- etwas Neues seinen Ausgang nimmt. Entsprechend betont die Figur des Anfangs zumeist den Bruch gegenüber dem Vorausgehenden, die Entstehung von etwas
- Neuem, das sich von einem früheren absetzt. Dem gegenüber verweist das andere Bedeutungsmoment retrospektiv auf den Grund und die
- Herkunft von etwas gewordenem. Hier sind die Konnotation der Ursache und des Prinzips im Spiel. Auf den Ursprung zurückzugehen bedeutet sich eines
- Fundaments, eines Wesenkerns zu vergewissern. Es geht da nicht um die Genese, sondern viel mehr um die Geltung von etwas. Beide Begriffe, Anfang ebenso
- wie Grund, sind dabei nicht ohne gedankliche Probleme. Doch das mag hier auf sich beruhen. Entscheidend ist vielmehr, dass damit auch die Frage nach
- dem Ursprung der Religion in einem zweifachen Sinne verstanden werden kann. als Frage nach dem Anfang oder der Entstehung der Religion einerseits oder
- als Frage nach ihrem Grund und ihrer Wurzel andererseits. Im Fall geht es um eine Frage der Religionsgeschichte, im anderen Fall um
- eine Frage der Religionstheorie. Theologie und Philosophie haben die Ursprungsfrage nun zum meist im letzteren Sinne aufgenommen und
- bearbeitet als Frage nach dem konstitutiven Grund der Religion. In den neuzeitlichen Entwürfen wird die Religion dabei als eine allgemeine
- Anlage des Menschseins bestimmt und in der Struktur des Bewusstseins verankert. Näherhin lassen sich hier volutative, emotive und kognitive Ansätze
- unterscheiden. So verortet Immanuel Kant die Religion primär auf der Ebene des Wollens. Sie zielt ihm zufolge auf die Erkenntnis aller unserer Pflichten als
- göttlicher Gebote. Friedrich Schleiermacher hingegen verweist auf die Dimension des Gefühls. Anfänglich bestimmt er die Religion als Sinn und
- Geschmack fürs Unendliche. In der späteren Glaubenslehre heißt es dann Zitat: "Die Frömmigkeit ist rein für sich betrachtet. Weder ein Wissen noch
- ein Tun, sondern eine Bestimmtheit des Gefühls und zwar in dem Sinne, dass wir uns unserer selbst als schlechthinig abhängig bewusst sind.
- Friedrich Wilhelm Hegel schließlich verknüpft die Religion mit dem Denken. Sie ist für ihn die Erhebung des endlichen Bewusstseins zum Gedanken
- Gottes. In ihrer vollendeten Form erweist sie sich letztlich als Selbstbewusstsein des absoluten Geistes. Gemeinsam ist allen drei Ansätzen, dass
- sie die Religion als ein allgemeines Wesensmerkmal des Menschen bestimmen. In kritischer Wendung gegen die aufgeklärte Religionskritik bringen sie zur Geltung,
- dass die Religion kein überständiges Relikt vor moderner Zeiten darstellt, sondern gerade umgekehrt der der menschlichen Humanität überhaupt erst zu
- ihrer vollgültigen Entfaltung verhilft. Hier entbrennen dann auch die harten Kämpfe der Folgezeit. Während Ludwig Feuerbach, Karl Marx und Sigmut Freud je
- auf ihre eigene Weise nachzuweisen versuchen, dass die Religion der Verwirklichung menschlichen Selbstseins entgegenstehe, kehrt die Theologie den
- Spieß um. Nicht etwa der religiöse Mensch bleibe hinter seinen Möglichkeiten zurück, sondern viel mehr der religionslose Mensch, da er die ihm
- eigene Anlage zur Religion verkümmern lassen. Eine gewisse Analogie zu dieser Auseinandersetzung findet sich in der gegenwärtigen Debatte um neuro-on
- kognitionswissenschaftliche Ansätze. Bestritten wird hier um die Frage, ob die nun hirnphysiologisch verortete Religion eine vorteilhafte evolutionäre
- Adaptation darstellt oder umgekehrt als ein fehlgeleitetes evolutionäres Nebenprodukt begriffen werden muss. Das problematische kalkülfreilich,
- dem Eigensinn des Religiösen dadurch auszuweichen, dass er schlicht auf neuronale Prozesse reduziert wird, lässt solche Ansätze wenig überzeugend
- scheinen. Doch auch die klassischen Versuche, den Menschen als Homoreligios zu bestimmen, geraten zunehmend in die Defensive.
- Gegen Sie spricht die schlichte Tatsache, dass immer mehr Menschen ihr Leben ohne einen erkennbaren religiösen Bezug führen. Sie kommen gänzlich ohne
- Religion aus und brauchen sie offenkundig nicht, um Haltorientierung und Sinn in ihrem Leben zu finden. die verbreitete Strategie quasi religiöse
- Substitute ausfindig zu machen, um so an einem anthropologischen Religionsbegriff festhalten und scheinbar nicht religiösen Menschen auf den zweiten
- Blink und gegen ihr Selbstverständnis dann doch religiöse Bedürfnisse und Motive unterschieben zu können, ist theoretisch unhaltbar und kommunikativ
- desaströs. Recht verbietet es sich das Faktum religionsfreier Lebensführung, ob nun ausgesprochen oder nicht, als ein
- anthropologisches Defizit zu behandeln. Schließlich und vor allem aber setzt sich zunehmend die Einsicht durch, dass die Religion ein von Grund auf soziales
- Phänomen darstellt. Sie wurzelt eben nicht in privatnerlichen Erfahrungen, die erst in einem zweiten Schritt sprachlich artikuliert und in
- gemeinschaftliche Kultus und Praxisformen umgesetzt äh würden. Viel verhält es sich geradewegs umgekehrt. Der Mensch ist nicht von Natur aus
- religiös. Was als religiöse Erfahrung gilt, ist nicht a priori gegeben, sondern wird erst durch Sozialisation und Praxis gelernt. Zugespitzt gesagt,
- nicht die religiöse Erfahrung führt zur Ausbildung einer entsprechenden Kultpraxis. Stattdessen eröffnet erst eine gegebene
- Kultpraxis die Möglichkeit entsprechende religiöse Erfahrungen machen zu können. Die individuelle Främigkeit ist nicht der Ursprung, sondern viel mehr das
- Produkt einer sozialen Religions und Kultgemeinschaft. Vor diesem Hintergrund verschiebt sich die Frage nach dem anthropologischen
- Konstitutionsgrund der Religion zu der anderen Frage, wann und wie es zur Entstehung solcher sozialen Religions und Kultgemeinschaften gekommen ist.
- Anders gesagt, die Frage nach dem Grund der Religion leitet über zur Frage nach ihrem Anfang. Sie soll nun im folgenden im Vordergrund stehen.
- Erste Ansätze zu einer historischen Betrachtung der Religion reichen bis in die vorchristliche Antike zurück. In der Neuzeit entwickelt sich dann
- beginnend mit David Hum eine weitgefächerte Debatte, um insbesondere dem geschichtlichen Ursprung der Religion auf die Spur zu kommen. Dieser
- wird abwechselnd naturmythologisch auf die personifizierende Deutung von Naturphänomenen, animistisch auf einen allgemeinen Seelen und Geisterglauben
- oder präanimistisch auf die Vorstellung einer unpersönlich wirkenden Macht zurückgeführt. Intellektualistische Deutungen der
- Religion als einer Form primitiver Welterklärung und Wissenschaft wechseln sich ab mit emotionalistischen Ansätzen, welche die Wurzeln der Religion in
- Gefühlen wie Angst, Ehrfurcht oder Schuld erblicken. Daneben treten funktionalistische Theorien, welche die Religion an die Aufgabe knüpfen,
- kognitive Sinnstiftungsleistungen zu erbringen, Kontingenerfahrungen abzumildern oder den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.
- Intensiv gestritten wird über das Verhältnis der Religion zur Magie, aber auch über die Frage, ob die Ursprünge der Religion in der mythischen
- Überlieferung oder in der kultischen Praxis zu suchen sein. War am Anfang der Mythos oder gilt umgekehrt die Feststellung Robert Merits, primitive
- Religionen werden mehr getanzt als gedacht. Handelt es sich vielleicht um zwei Dimensionen des Religiösen, die zwar zu
- unterscheiden sind, aber nicht voneinander getrennt werden können? Angesichts dieser komplexen Vielfalt zeigt sich, dass die
- religionsgeschichtliche Fragestellung ohne einen beständigen Seitenblick auf das Gebiet der Religionstheorie nicht angemessen bearbeitet werden kann. Die
- Frage nach dem Ursprung der Religion setzt notwendig einen vorgängigen Begriff dessen voraus, nach dessen Ursprung dann gesucht werden soll.
- Diese Feststellung mag auf den ersten Blick nahezu banal erscheinen, hat aber doch weitreichende Folgen. Denn Debatte um den Religionsbegriff gehört zu den
- unabschließbaren Dauerbaustellen der Religions-Multurwissenschaften. Obgleich es ein durchaus verlässliches Gespür dafür gibt, religiöse Phänomene
- als solche erkennen zu können, ist es bisher nicht gelungen und wird es wohl auch niemals gelingen, einen allgemein gültigen und anerkannten
- Religionsbegriff zu formulieren. Das hängt keineswegs nur damit zusammen, dass der Religionsbegriff ein Produkt der neuzeitlichen Christentumsgeschichte
- darstellt und mit hin eine christlich europäische Prägung aufweist, die es überall überaus problematisch erscheinen lässt ihn auf außereuropäische,
- außerchristliche oder gar vorzeitliche Phänomene und Kulturen zu übertragen. Denn auch innerhalb des europäischen Kontextes selbst ist der
- Religionsbegriff notorisch umstritten, je nachdem, ob der Akzent auf bestimmte religiöse Vorstellungen, spirituelle Erfahrungen, kultische Praktiken oder
- gesellschaftliche Institutionen gelegt wird. substanzialistische Ansätze, welche die Religion an bestimmte inhaltliche
- Gegebenheiten knüpfen, etwa den Glauben an ein höheres Wesen, erweisen sich regelmäßig als zu eng, um der Vielfalt religiöser Phänomene angemessen Rechnung
- zu tragen. Funktionalistische Bestimmungen hingegen, welche die Religion durch die Angabe einer ihr spezifischen Aufgabe zu fassen
- versuchen, greifen umgekehrt zu weit. Im Fall wird zu viel ausgeschlossen, im anderen zu viel eingeschlossen. Offenbar entzieht sich das Phänomen der
- Religion einem allgemein definierbaren Zugriff. Das mag zum einen daran liegen, dass der Vielfalt des Religiösen eine eigentümliche Meerdimensionalität
- eignet, die begrifflich nicht befriedigend aufgelöst oder eingefangen werden kann. Zum anderen wirkt sich der Umstand aus,
- dass es eine vollständig neutrale Beobachtungsdistanz zum Phänomen des Religiösen eben nicht gibt. Jedem Bestimmungsversuch liegt immer schon
- eine perspektivisch geprägte Voreinstellung zugrunde. Handel es sich dabei um einen bestimmten kulturellen Deutungskontext,
- einen positionell formatierten Theorierahmen oder auch eine wie immer geartete persönliche Haltung. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage
- nach dem geschichtlichen Ursprung der Religion eine besondere Pounte, denn sie lässt sich nun als der Versuch verstehen, aus den genannten
- Schwierigkeiten einen Ausweg zu finden, in dem auf die ersten Anfänge der Religion zurückgegangen wird. Im Hintergrund steht die Vorstellung, im
- Spiegel ihrer frühen Erscheinungsformen das Wesen der Religion klarer bestimmen zu können. So erklärt Emil Dürgheim unumwunden. Er studiere die archaische
- Religion nicht Zitat, nur um das Vergnügen zu haben, ihre Wunderlichkeiten und ihre Seltsamkeiten zu berichten. Wenn wir sie als Objekt
- unserer Untersuchung gewählt haben, so geschah das, weil sie uns geeigneter erschien als jede andere, die religiöse Natur des Menschen verständlich zu
- machen. Es heißt, uns einen wesentlichen und dauernden Aspekt der Menschheit zu offenbaren. Der Rückgang auf das frühe Anfangsstadium der Religion eröffnet die
- Möglichkeit noch unverstellt von späteren Zusätzen, Weiterungen und Wicklungen ihrem allgemeinen Begriff auf die Spur zu kommen. Zitat: "Das
- zusätzliche, das Zweitrangige, die Luxusentwicklungen haben noch nicht haben noch nicht die Hauptsache verdeckt. Alles ist auf das
- Unumgängliche beschränkt, auf das, ohne dass es keine Religion gäbe. Aber das Unumgängliche ist auch das Wesentliche, das heißt das, was wir vor allem wissen
- wollen. So betrachtet verfolgt die Suche nach dem Ursprung der Religion also primär gerade keine religionsgeschichtliche
- Zielsetzung. Viel geht es darum, im Spiegel des Rückgangs zu den Anfängen die Frage nach dem bleibenden Wesen der Religion zu beantworten. Im Hintergrund
- steht dabei ein dezidiert gegenwartsdiagnostisches Motiv. Es wird nach dem Ursprung der Religion gefragt, um daraus Folgerungen
- abzuleiten für die Stellung der Religion in der Gegenwart. Handelt es sich bei ihr um ein überständiges Relikt der Vergangenheit?
- Bildet sie ein notwendiges Fundament sozialer Gemeinschaft? oder wirkt sie gar Potentiale, die es heute neu zu entdecken gilt? Kurz gefasst, im Gewand
- der Frage nach dem geschichtlichen Ursprung der Religion wird de facto die Frage nach ihrer gegenwärtigen Bedeutung verhandelt.
- Wichtig ist nun, dass der Blick in die Geschichte keineswegs eine unpartei neutrale Antwort auf jene Gegenwartsfrage zu finden erlaubt. Denn
- natürlich kommt auch die Strategie, den Religionsbegriff durch einen Rückgang auf ihren Ursprung zu klären, nicht der Tatsache äh nicht an der Tatsache
- vorbei, dass umgekehrt jede Suche nach einem solchen Ursprung bereits einen entsprechenden Religionsbegriff voraussetzt.
- Es bleibt dabei, dass es keinen unmittelbaren oder neutralen Zugriff auf das Phänomen der Religion gibt, sondern immer schon perspektivisch geprägte
- Einstellungen, Haltungen und Vorile im Spiel sind. Das entwertet die religionsgeschichtliche Suche nicht,
- lässt aber erkennen, dass hier immer schon aus einer bestimmten positionellen Haltung herausgearbeitet wird und stets ein impliziter Kommentar zur religiösen
- Gegenwartslage mitschwingt. Wenn etwa der schottische Religionsethnolog zu Beginn des 20. Jahrhunderts die
- Religion als einen aus Angst und Furcht geborenen defizitären Versuch der Welterklärung bestimmt, steht im Hintergrund die evolutionäre Auffassung,
- dass die moderne Wissenschaft das kulturelle Stadium der Religion erfolgreich hinter sich gelassen haben. Max Webers berühmtes Narrativ von der
- fortschreitenden Entzauberung der Welt wiederum ist getragen von der skeptischen Einschätzung, dass im rationalistischen Stahlgehäuse der
- Moderne die Religion ihrer einstigen Gestaltungskräfte und Wirkpotenziale verlustig gegangen sei. umgekehrt schließlich verankert Hans Joas den
- Ursprung der Religion in einer kollektiv kultisch vermittelten Erfahrung der Selbsttranszendenz und verbindet damit die Absicht, die Religion als eine auch
- in der säkulären moderne fidale und attraktive Option der Weltdeutung und Lebensführung zur Geltung zu bringen. Dieses hintergründige
- Gegenwartsinteresse erklärt die anhaltende Faszination der Frage nach dem Ursprung der Religion und macht vielleicht verständlich, warum dabei
- zugleich die Grenzen des wissenschaftlich nachprüfbaren nicht selten deutlich überschritten werden. So hält etwa Emil Dürheim die Suche nach
- einem absoluten ersten Anfang der Religion überhaupt für unsinnig. Es könne nur darum gehen, ihren Ursprüngen näher zu kommen. Dennoch verstrickt auch
- eher sich in überaus fragwürdige Hypothesen und Voraussetzungen. Ich bitte um Entschuldigung. Jetzt ist genau das eingetreten, was ich gedacht hatte,
- vermieden zu haben, nämlich, dass mir meine Präsentation ein Streich spielt. Äh so.
- Durheims Grundthese lautet, dass die Wurzel der Religion im Ritual zu suchen sei. Im kultischen Vollzug stelle sich die kollektive Erfahrung einer
- begeisternd motivierenden Kraft ein, welche den Einzelnen über sich heraushebe und ihn dazu bringe, den Kult als Ort und Quelle einer höheren
- Wirklichkeit des Heiligen zu betrachten. Er selbst spricht hier von aufschäumend rauschafter Effeszensz. Möglicherweise hat ihm dabei seine
- französische Vertrautheit mit den mit dem Champagner die Feder geführt. Rechtsehen versichere sich im Symbol des Heiligen, also die kultische
- Gemeinschaft ihres eigenen Zusammenhalts. Eben diese solidaritätsstiftende Funktion der Religion begründet
- schließlich auch ihre aktuelle Gegenwartsbedeutung. Zitat: "In der Religion gibt es also etwas ewiges, das Schicksal hat, alle
- Einzelsymbole zu überleben, mit denen sich das religiöse Denken nach und nach bekleidet hat. Es gibt keine Gesellschaft, die nicht das Bedürfnis
- fühlte, die Kollektivgefühle und Kollektivideen in regelmäßigen Abständen zum Leben zu erwecken und zu festigen. Problematisch ist nun, dass Durkheim zur
- Begründung dieser These auf den vermeintlichen Totemismus der australischen Urbevölkerung verweist, ihn zur elementarsten Form noch
- auffindbaren religiösen Lebens erklärt und daraus eine evolutionäre Gesamtdeutung entwickelt. Zum einen hat sich schon zu Zeiten Dirkheims selbst
- die Totemismusfigur als empirisch unhaltbar erwiesen. Zweitens geht Durkheim, indem er umstandslos aus seiner Rekonstruktion der religiösen
- Anfänge auf eine Deutung der religiösen Gegenwartslage schließt, von einer prinzipiellen Kontinuität der Religionsentwicklung aus, die bei
- näherem Hinsehen als überaus fragwürdig gelten muss. Nicht nur die Annahme, es gebe den einen Anfang der Religion lässt sich wohl kaum
- halten. Das gleiche gilt für die Vorstellung. Aus diesem einen Anfang habe sie im Laufe eines kontinuierlichen Entwicklungsprozesses die heutige
- Vielfalt der Religionen entwickelt. Schließlich und vor allem aber meint Dürheim drittens die ethnologische Beschäftigung mit den australischen
- Aboriginies gleichsam als historischen Fahrstuhl zurück zu den Anfängen der Menschheit nutzen zu können. Hier macht sich ein kolonialistisches Erbe
- bemerkbar, wie es in der zeitgenössischen Rede von den sogenannten primitiven oder archaischen Kulturen durchgängig zu beobachten ist.
- Es verbindet sich mit der Unterstellung, schriftlose Kulturen seien zugleich geschichtslose Kulturen, sodass ihre Religion den menschheitlichen Anfängen
- des religiösen besonders nah stehe. Doch diese Unterstellung ist durch nichts gedeckt. Aus dem Umstand, dass hier keine der europäischen
- Religionsgeschichte vergleichbare Entwicklung stattgefunden hat, lässt sich allein auf die kulturelle Selbständigkeit des indigenen
- Entwicklungspfades schließen. Diese weitere problematische Vorannahmen finden nicht nur bei Dürkheim, sondern auch bei anderen zeit zeitgenössischen
- Autoren Anwendung. Spätestens in der Mitte des 20. Jahrhunderts gerät die Suche nach dem geschichtlichen Ursprung der Religion
- dazu daher zunehmend in Misskredit. Exemplarisch unterzieht der britische Sozialanthropologe Edward Evans Bridget die verschiedenen Ansätze einer ebenso
- bissigen wie vernichtenden Kritik. Man könne mit ihnen Zitat wenig oder gar nichts anfangen. Im Nachhinein sei Zitat gar oft schwer zu verstehen, wie sie
- überhaupt je publiziert werden konnten. Dabei liege der Kardinalfehler in der Fragestellung selbst. Laronisch bemerkt Evens Bridget. Ich glaube, die meisten
- Anthropologen würden heute darin übereinstimmen, dass es sinnlos ist, nach dem Ursprung der Religion zu fragen. Mit dem Versuch hinter die
- historisch eruen Frühformen zurückgehen zu wollen, werde der Bereich des wissenschaftlich nachprüfbaren verlassen und das Gebiet bloßer Mutmaßung und
- Spekulation betreten. Diese Kritik hatte weitreichende Folgen. Von vereinzelten Ausnahmen abgesehen kam die Debatte um den Ursprung der Religion in der
- Folgezeit weitgehend zum Erliegen. Seit hier ist das religionsgeschichtliche Wissen enorm angewachsen. Doch zugleich hat sich allgemein die Erkenntnis
- durchgesetzt, wie sehr jeder Versuch hinter die schriftlichen Zeugnisse der antiken Hochrionen Ägyptens und Mesopotamiens zurückgreifen zu wollen,
- hochgerad hypothetisch und spekulativ bleibt. Am Beispiel der neueren archäologischen Funde sei das exemplarisch gezeigt.
- Vor etwa 6 bis 7 Millionen Jahren verlässt eine Population von Menschenaffen den afrikanischen Regenwald und beginnt aufrecht zu
- laufen. Es entsteht der Australophekus. Vor etwa 2 Millionen Jahren erfolgt der Übergang zum Homo Erektus, dem ersten Menschen.
- Offenkundig ist er bereits in der Lage, zumindest grobe Steinwerkzeuge herzustellen. Auch die Entdeckung des Feuers geht auf ihn zurück. Die ältesten
- Feuerstellen sind etwa 1,7 Millionen Jahre alt. Vor etwa 600.000 Jahren taucht dann der Homo Helbergens auf, der sich von Afrika aus bis nach Europa
- ausbreitet und dort zum Homo Neandalensis weiterentwickelt. Er verfügt schon über fortgeschrittene Steinwerkzeuge. Zudem geht er mit Lanzen
- und Holzsperen auf die Jagd. Davon äh wurde uns ja in der Ringvorlesung bereits berichtet. Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin,
- dass auch die physiologischen Grundlagen für die Sprache bereits vorhanden sind, wenn gleich die Geschichte der Sprachwerdung selbst noch immer im
- Dunkeln liegt. Es wird vermutet, dass sie vor etwa 300.000 Jahren beginnt. Wahrscheinlich wird man hier mit einem langen Übergangsstadium zu rechnen
- haben. In den Zeitraum zwischen 200.000 und 100.000 Vor Christus fällt dann schließlich das Auftreten des Homo Sapiens, der sich in einer weiteren
- Welle von Afrika aus nach Europa, Asien, Amerika und Australien ausbreitet und in der Folge aller anderen Menschenarten verdrängt.
- Von der Religion war bisher noch nicht die Rede. Veranschaulicht man sich die Stammesgeschichte des Menschen beginnend mit dem Auftreten des Homo Erektus in
- der Form eines Kalenders mit 365 Tagen. Dann beginnt die belegbare Geschichte der Religion wohl erst in der vorletzten Woche des Jahres. So stammen die
- ältesten Spuren menschlicher Bestattungen aus dem Zeitraum zwischen 60.000 und 40.000 vor Christus. Freilich ist durchaus umstritten, ob sie als
- solche bereits religiös motiviert sind. Der Neanderla etwa hat seine Toten bestattet, wie der Gräberfrund in La Ferassie in Südfrankreich eindrucksvoll
- belegt. Jedoch gibt es keinerlei Hinweise auf damit verknüpfte Rituale und Kulthandlungen. Gleiches gilt für einen wie immer gearteten
- Jenseitsglauben. Als gesichert kann freilich gelten, dass der Neandertaler zumindest einige Verstorbene, darunter auffällig viele
- Kinder, nicht einfach entsorgt hat, sondern auf pietätvolle und mit hin trauernde Weise mit ihnen umgegangen ist.
- Rätsel gibt der Umstand auf, dass gelegentlich offenbar die Schädel abgetrennt und vermutlich sichtbar gesondert deponiert wurden. Dies mag
- einen religiösen Hintergrund haben. Denkbar wäre aber auch, dass die Schädel territoriale Ansprüche markieren. Denn was kann, wenn es darum geht, den
- Anspruch auf ein Stück Land oder auf ein Jagdrevier zu rechtfertigen, überzeugender sein als der Verweis auf ein legitimes Erbe und zwar durch einen
- Hinweis auf die Vorfahren, die das Land bereits vor Generationen in Besitz genommen hat. Wehin bekannt sind zudem jene
- vorgeschichtlichen Frauenstatuetten, die zumeist ein wenig Missverständnis äh missverständlich als Venusfigurinen bezeichnet werden. Sie gelten häufig als
- Darstellungen einer frühen Erdgöttin oder Muttergottheit. Das älteste bisher gefundene Exemplar stand aus dem Zeitraum zwischen 38 000 und 33 000 vor
- Christus. Dabei handelt es sich um die erst 2008 entdeckte nur 6 cm hohe Venus vom Hohlefels auf der schwäbischen Alb. Etwa 30.000 Jahre alt ist die Venus vom
- Galgenberg bei Stratzingen Niederösterreich. Nur wenig jünger die berühmte Venus von Willendorf, die bereits 1908 in der Wachau gefunden
- worden war und heute im Naturhistorischen Museum in Wien zu besichtigen ist. Mittlerweile gibt es mehr als 500 solcher prähistorischer
- Figurine. Charakteristisch für sie sind stark ausgeprägte weibliche Merkmale, eine weitgehende Vernachlässigung des Gesichts sowie die Hervorhebung des
- Bauches und der Schenkel, wodurch viele von ihnen hochschwanger oder stark übergewichtig wirken. Es legt sich daher ein Bezug zur Fruchtbarkeit, vielleicht
- auch zu Schwangerschaft und Geburt nach. Gelegentlich wird vermutet, dass die abwährend ihre mächtigen Brüste entblösenden Figurinen apotropäische
- Funktion hatten. Klare Indizien und Hinweise fehlen freilich. Die Vermutung, es habe sich um Darstellungen einer Göttin gehandelt, bleibt reine
- Spekulation. Nicht wesentlich anders fällt der Befund bei den berühmten Höhlenmalereien aus. Im Jahre 1868 wurde Nordspanien die
- berühmte Höhle von Altamira entdeckt, die wohl von 33000 bis etwa 11000 vor Christus genutzt wurde. Ihre beeindruckenden Deckengemälde, insgesamt
- über 900 an der Zahl, stammen aus dem Zeitraum von etwa 16 000 bis 13 000 vor Christus. Zu sehen sind überwiegend größere Tiere wie Mammuts, Bären, Rinder
- und Pferde mit Ockerfarben in vielfältigen Abstufungen gemalt, teilweise graviert, sodass sie überraschend plastisch und realistisch
- wirken. Daneben finden sich abstrakte geometrische Figuren, die umrissse menschlicher Hände mit weit gespreizten Fingern sowie schließlich auch weniger
- detailliert ausgeführte menschliche Gestalten. Eine Nachbildung der Höhle lässt sich im Deutschen Museum in München besichtigen.
- Vergleichbare Malereien gibt es auch in anderen Höhlen, so etwa in der Schau Höhle, in der Küsackhöhle und in der Höhle von Lasco. Alle in Frankreich.
- Auffällig ist, dass weitere Spuren menschlicher Anwesenheit in den Höhlen weitgehend fehlen und die Bilder offenbar bevorzugt an schwer
- zugänglichen und weit abgelegenen Bereichen der Höhle angefertigt worden sind. Das hat schon früh zu für der Vermutung geführt, die Bilder hätten
- nicht dekorativen, sondern rituellen Zwecken gedient. Dabei wurden sie zunächst als Ausdruck einer allsteinzeitlichen Jagdmagie gedeutet.
- So findet sich in der Trof Frch Höhle in Südfrankreich die seltene Darstellung eines Mischwesens aus Mensch und Tier, bei dem es sich möglicherweise um einen
- tanzenden Schamanen handeln könnte. In diese Richtung weist dann auch die aus Elfenbein geschnitzte Figur des Löwenmenschen, die etwa 35 000 bis
- 40.000 Jahre alt in der Hohlensteinhöhle im schwäbischen Lohnetal gefunden wurde. Mittlerweile jedoch wird zumeist vermutet, dass die Höhlenbilder zu
- komplexen Initiationsräten gehörten, in deren Verlauf ein Herwachsender in die versteckten Höhlennischen hinabsteigen musste, um die in die Gemeinschaft der
- Jäger aufgenommen zu werden. Da schriftliche Zeugnisse fehlen, bleibt es freilich auch hier bei bloßen Spekulationen, die zudem ersichtlich
- davon abhängen, welches Verständnis vorzeitlicher Religion jeweils in Anschlag gebracht wird. Die bisher benannten Funde fallen allen samt in die
- Epochen des Jungpaleolitikums und Mesolitikums, also in den Zeitraum von etwa 40.000 bis 10.000 vor Christus. Um 10.000 vor Christus beginnt,
- wennngleich in Vorderasien, sehr viel früher als in Europa, der Übergang zum Neolitikum. Mit ihm vollzieht sich die wohl
- folgenreichste Umwälzung in der Geschichte der Menschheit, deren Folgen und Ende noch nicht abzusehen sind. Sie wird gemeinhin als neolitische
- Revolution bezeichnet. Nachdem die Menschen 2 Millionen Jahre lang als Jäger und Sammler gelebt hatten, gehen sie nun zu Ackerbau und Vielzucht über.
- Anders gesagt, an die Stelle der Aignenden tritt nun die produzierende Ernährungssicherung. Möglicherweise geben klimatische Veränderungen dazu den
- Anstoß. Vielleicht spielen aber auch andere Gründe eine Rolle. Davon wird noch die Rede sein. Die Folgen jedenfalls sind tiefgreifend. Mit dem
- Übergang zur bäuerlichen Lebensweise werden die Menschen sesshaft. Es entstehen dauerhafte Siedlungen und Dörfer. Mit zunehmender Arbeitsteilung
- und wachsender Bevölkerungsdichte dann auch erste Städte. Politische Herrschaft und Verwaltungsstrukturen bilden sich aus. Die Schrift wird erfunden. Zur
- Verteidigung werden bewaffnete Verbände aufgestellt. Innerhalb weniger Jahrtausende entstehen schließlich in Ägypten und Vorderasien die ersten
- Hochkulturen und Großreiche. Unzweifelhaft bezeugen die archäologischen Funde nun auch eine vielfältige mythisch religiöse
- Vorstellungswelt und Kultpraxis. Wenn gleich es das Fehlen schriftlicher Überlieferungen für immer unmöglich macht, die jeweiligen Rituale und ihren
- religiösen Sinngehalt schlüssig zu rekonstruieren. Zu den ältesten Bauwerken der Menschheitsgeschichte zählt der
- sogenannte Turm von Jericho. Er stammt aus dem 9. Jahrtausend vor Christus, hat einen Durchmesser von 8 m und ist etwa ebenso hoch. In seinem Inneren befindet
- sich die älteste bekannteste Treppe mit 22 Steinstufen. Zunächst galt der Turm geradezu selbstverständlich, dem biblischen Vorbild folgend, als Überrest
- einer vorgeschichtlichen Stadtmauer oder Befestigungsanlage. Neuere Überlegungen tendieren jedoch dazu, ihm eine wie immer geartete
- kultisch religiöse Bedeutung zuzuschreiben. Darauf verweisen die zahlreichen Skelettfunde insbesondere die eigentümlich übermodellierten
- Schädel. Offenbar war es braucht, die Köpfe vom übrigen Körper abzutrennen und gesondert niederzulegen. Einige von ihnen wurden dabei entfleischt, mit
- einem Überzug aus Leben oder Gips nachmodelliert und schließlich bemalt. Die Abtrennung der Schädel fand sich bereits bei den Neandertalern. Ihre
- kunstvolle Bearbeitung wiederum wird durch vergleichbare Funde in Jordanien bestätigt. Thomas Macho schlägt vor, die Bearbeitung der Schädel als Versuch zu
- verstehen, das Leben eines Verstorbenen über seinen Tod hinaus zu bewahren, indem die Spuren der Verwesung beseitigt und dem Toten gleichsam ein bleibendes
- zweites Antlitz verlieren wird. Plausibler noch scheint die Vermutung, dass die Anlage in Jericho einen kultischen Bestattungsplatz darstellt
- und die Schädel in diesem Zusammenhang als Kultgegenstände oder gar Reliquien benutzt worden sind. Darauf deutet nicht zuletzt der Umstand hin, dass die
- Schädeldecken häufig ein künstliches Loch aufweisen. Vielleicht um sie so an einer Schnur aufhängen zu können. Etwa 1000 Jahre jünger als der Turm von
- Jericho ist die steinzeitliche Siedlung Chatal Höjük im anatholischen Hochland, auf die der britische Archäologe James Mellard im Jahr 1958 erstmals stieß.
- Dort lebten bis zu 8000 Menschen. Wie bei den indianischen Pueblos standen die Häuser dicht an dicht, waren also nicht durch Straßen voneinander getrennt. Sie
- hatten keine Türen und nur kleine Fenster. Der Zugang erfolgte über die Flachdächer. Die Innenräume zieren häufig Wandreliefs, farbige Malereien
- und übermodellierte Stierschädel. Das deutet darauf hin, dass in den Häusern mythische Kulthandlungen vollzogen wurden.
- Gesonderte Kulthäuser hingegen scheint es nicht gegeben zu haben. Genauere Interpretationen sind allerdings schwierig. So findet sich in mehreren
- Häusern das Hochrelief einer offenbar menschlichen Person mit erhoblen Armen und gespreizten Beinen. Der Nabel ist durch einen konzentrischen Kreis
- betrogt. Mellat deutet dieses Motiv als gebärende Göttin, obwohl die Gesichter nicht erhalten sind und es keinerlei Hinweise auf das Geschlecht gibt. Die
- Häuser dienten in Chatal Höjük zugleich als Grabstädten. Die Toten wurden unter dem Boden des Wohnbereiches bestattet. Dabei finden sich auch häufig
- Grabbeigaben. Freilich stellt diese Bestattungsform für die jüngere Steinzeit nichts Besonderes da. Die Verstorbenen bleiben
- so im Lebensumfeld der Hinterbliebenen. Ob und in welcher Form damit ein Ahnen oder Totenkult verbunden war, lässt sich nur spekulieren.
- Von überragender Bedeutung ist schließlich, die im Jahre 1994 von dem deutschen Archäologen Klaus Schmidt entdeckte und seither in mehreren
- Etappen ausgegrabene Anlage Görbeckli Tepppe in Südostanatolien. Ihre früheste Schicht geht bis in das zehnte Jahrtausend vor Christus zurück.
- Damit ist sie nochmals tausend Jahre älter als der Turm von Jericho. Das allein wäre schon spektakulär genug. Im Zuge der archäologischen Freilegung mehr
- sich jedoch rasch die Hinweise darauf, dass es sich keineswegs, wie zunächst vermutet, um eine vorzeitliche Siedlungsstätte handelt, sondern um ein
- monumentales gleich aus mehreren Kultstätdten bestehendes zentrales Großheiligtum. Insgesamt rund 200 teförmige Steinquader
- von etwa 4 m Höhe und gut 10 Tonnen Gewicht verziert vorwiegend mit Tierreljefs bilden in ovaler Anordnung die einzelnen Kultstätdten. 2 7 m hohe
- Quader stehen jeweils zusätzlich in der Mitte. Die Anthropomorphe Grundfeiler der Teppfeiler Grundform der Teppfeiler gilt
- als gesichert, sodass sie gleichsam nach innen auf die beiden mittleren Pfeiler blicken, die in der Regel reicher verziert sind und mit hin im Zentrum des
- rituellen Geschehens gestanden haben dürften. Etwa 20 solcher Steinkreise gibt es. Sechs davon sind bisher ausgegraben.
- Eingefasst werden sie jeweils von Rundmauern aus geschichteten kleineren Feldsteinen. Im Boden finden sie Steinschalen, die wohl Opferzwecken
- gedient haben können. Die Reliefs an den Quadern stellen verschiedene Tiere dar, Gazellen, Füchse und Wildschweine, aber auch Schlangen, Kröten und Spinnen.
- Daneben finden sich vereinzelt Symbole. Menschendarstellungen fehlen. Die Bild und Symbolsprache scheint insgesamt hoch entwickelt zu sein. Freilich gelangt die
- Interpretation auch hier nicht über Vermutungen hinaus. Klaus Schmidt ist davon überzeugt, dass Göbecklieppe ein Moment des Totenkdes darstellt. Seine
- Belege allerdings bleiben dürftig, zumal bisher weder Gräber noch Schädelbestattungen gefunden worden sind. Möglicherweise ändert sich das
- noch, wenn die Steinbänke und Fußböden geöffnet werden. Angesichts der vielen realistisch ausgearbeiteten Tierdarstellungen wäre allerdings
- ebenfalls denkbar, dass im Vordergrund die Jagd und die gemeinschaftliche Verbundenheit mit der Tierwelt stand. Aber natürlich könnte man auch
- überlegen, ob und in welcher Weise die Tierdarstellungen auf mythische Wesen verweisen oder als Gefahren abwehrende Wächtersymbole dienen sollten.
- Die Funde in Göbecklit Tepppe führen eindrucksvoll vor Augen, dass die Bedeutung des Religiösen im Neolitikum überwältigend gewesen sein muss. Sie
- könnten von einer kultisch religiös geprägten Welt, die alles bis dahin Bekannte sprengt. Denn der Bau einer solchen Anlage lässt sich nur als
- organisierte Gemeinschaftsleistung einer technisch bereits hochgradig entwickelten und zudem arbeitsteilig differenzierten Kultur verstehen.
- Scheint kaum denkbar, dass Göbeckli Teppel nur von einer einzelnen Stammesgemeinschaft oder Wildbeutergruppe errichtet worden ist.
- Für den Transport nur eines der monumentalen Steinpfeiler sind wohl bereits etwa 500 Menschen nötig gewesen. Das deutet darauf hin, dass ich hier
- mehrere Gruppen Clans oder Verbände zusammengetan haben. Da zu dem in und um Göbekliteppe bisher jedenfalls keine Überreste von Häusern oder Gasiedlungen
- gefunden worden sind, scheinen sich nomadische, jedenfalls noch nicht dauerhaft sesshaft lebende und weithin selbständige Wildbeuter ein gemeinsames
- Kultzentrum geschaffen zu haben. Offenbar kam einem solchen Zentrum als Versammlungsort und Knotenpunkt für den wechselseitigen Austausch eine
- elementare Bedeutung zu. Es wird hier ein organisiertes soziales, kultisches und in Ansätzen gewiss auch politisches Netzwerk sichtbar, dessen Entstehung und
- Wirkung in erster Linie rituell begründet war. Klaus Schmidt vermutet gar, dass es sich bei der Anlage in Göbecklitepel um das zentrale Heiligtum
- einer steinzeitlichen Amphitonie gehandelt haben könnte. Mittlerweile mehren sich die Stimmen, welche den Fund in Göbentlieppe sogar
- noch sehr viel bedeutsamer einschätzen, denn er nötige dazu, das bisherige Bild der neolitischen Revolution grundsätzlich zu überdenken. So legten
- die riesigen Ausmaße der Anlage nahe, dass bei den kultischen Zusammenkünften ausschweifende Feste gefeiert wurden. Dafür freilich sei eine entsprechende
- Versorgung notwendig gewesen. Und eben dieser Umstand habe den menschheitsgeschichtlich epochalen Übergang zur produzierenden
- Nahrungsgewinnung maßgeblich vorangetrieben. Immer größere Feste der Wildbeuter zwangen zu einer nachhaltigen Forcierung
- der Nahrungsbeschaffung, an deren Ende dann die organisierte Nahrungsmittelproduktion stand. Die neolitische Revolution hätte dann
- nicht im kleinen Hausgarten begonnen. Viel mehr Läge ihre Wurzel in einer bereits im großen Stil organisierten gemeinschaftlichen Kultpraxis.
- Erst war der Tempel, dann die Stadt. So lautet die entsprechende Kurzformel Klaus Schmitz. Damit wäre die Religion als kulturelles Epiphänomen gerade nicht
- zureichend begriffen. Viel mehr erwiese sie sich als bestimmende Triebfeder der frühmenschheitlichen Entwicklungsgeschichte.
- Zugespitzt gesagt, die berühmte Max Weberthese von den gesellschaftlichen Wirkkräften der Religion hätte so ihr prähistorisches Pendant gefunden.
- Der Überblick über die neueren archäologischen Funde führt im Blick auf die Frage nach dem Ursprung der Religion zu einem doppelten Ergebnis.
- Auf der einen Seite finden sich spätestens im Jungpaleolitikum zahlreiche Spuren eines reichen kultischrösen Lebens. Die menschliche
- Religionsgeschichte beginnt nicht erst mit dem Aufkommen der ersten geschichtlichen Großreiche und es wäre auch nicht angemessen die monumentalen
- Anlagen bei In Göbeck Liteppe als Zeugnis einer bloß primitiven Religionskultur zu bezeichnen. Auf der anderen Seite freilich bleibt jede
- weitergehende Deutung und Ausdeutung der archäologischen Funde unaufhebbar, hypothetisch und spekulativ. Natürlich ist es möglich, zwischen
- überzeugenderen und weniger überzeugenden Interpretationsversuchen zu unterscheiden. Gleichwohl können Sie alle die Grenze des nur ungefähren nicht
- überschreiten. Wir befinden uns eben noch in der vorschriftlichen Phase der menschlichen Kulturgeschichte. Es gibt daher keine schriftlichen Quellen,
- Zeugnisse oder Berichte, welche über den Verlauf und Sinn der Rituale, über mythische Traditionen oder gar religiöse Erfahrungen näheren Aufschluss geben
- könnte. Umso erstaunlicher erscheint nun, dass einigen Jahren sich eine neue Debatte entwickelt, um dem Ursprung der Religion
- auf den Grund zu gehen. Sie greift sogar noch weit hinter das Neolitikum zurück und verortet die Anfänge der Religion im Zusammenhang der Sprachentstehung vor
- etwa 300.000 Jahren, wenn gleich dabei mit allmählichen Lernvorgängen gerechnet wird, die sich über einen Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren
- erstrecken. Die Debatte hat ihren disziplinären Ort in der Soziologie und Sozialphilosophie. Zugleich beruft sie sich auf die
- Ergebnisse der evolutionären Anthropologie und Kognitionspsychologie. Sie sollen es erlauben, auf wissenschaftlich abgesicherte Weise das
- Feld der geschichtlichen Spekulation zu betreten. Im folgenden sei es gestattet, mich auf zwei maßgebliche Ansätze zu beschränken.
- Vor etwas mehr als einem Jahr erschien unter dem melancholisch anmutenden Titel auch eine Geschichte der Philosophie, das lang erwartete große Alterswerk von
- Jürgen Habermas. Auf mehr als 1700 Zeichen Seiten zeichnet er hier die wechselvolle geschichtliche Konstellation von Glauben und Wissen
- nach dem Ziel der säkularen modernen Stammbuch zu schreiben, sich nicht vorschnell gegenüber dem noch immer lebendigen Erbe der religiösen
- Überlieferung zu verschließen. Gegenüber seinem früheren Vernunftpathos, welcher eine fortschreitende Aufhebung des Heiligen in den Konsens verheißen
- hatte, bedeutet das eine bemerkenswerte Selbstkorrektur. Habermaß ist nachhaltig irritiert über die widerständige Fortexistenz der
- Religion in der Moderne. Sie nötigt ihn zu dem Eingeständnis die Religion jedenfalls vorerst noch als Zitat eine andere gleich wohl zeitgenössische
- Gestalt des Geistes anerkennen zu müssen. Gleich wohl will er die Gründe [räuspern] dafür offenlegen. Den Ausgangspunkt bildet die schlichte
- Beobachtung, dass die Religion ihr spezifisch ihr spezifisches Alleinstellungsmerkmal im Kultus habe. Es greife zu kurz, die Religion
- lediglich als eine Form mythisch symbolischer Weltdeutung zu bestimmen. Zitat: Religion spiegelt sich nicht primär in einem Weltbild, sondern
- verkörpert sich in jener Praxis, mit der die Gemeinde der Gläubigen die Inhalte ihres Glaubens performativ bezeugt. Im Vollzug des Kultus hätten sich die
- Gläubigen den Zugang zu einer archarischen Erfahrung bewahrt, welcher den religiös unmusikalischen Zeitgenossen der Moderne verschlossen
- sei. Hier liege der Grund dafür, dass sich die Religionen bisher erfolgreich dem Zugriff des säkularen Denkens gegenüber hätten behaupten können. Mit
- hin gelte es den spezifischen Eigensinn der kultischen Praxis genauer aufzuschlüsseln. Aus diesem Grund wendet sich Habermaß der Frage nach dem
- geschichtlichen Ursprung der Religion zu, denn er ist davon überzeugt, dass die religiöse Kultpraxis die Verarbeitung zutiefst ambivalenten
- Gattungserfahrung widerspiegelt. Sie habe ihre evolutionäre Wurzel in den Erschütterungen, die einst mit dem Übergang zur sprachlichen Kommunikation
- verbunden gewesen sein und wiederhole sich in abgeschwächter Form immer dann, wenn das gesellschaftliche Kollektiv durch unerwartet unbeherrschbare
- Umstände in Krisen stürzt oder der einzelne an Bruchstellen des Lebenszyklus aus dem Gleichgewichtgerät. Dabei geht Habermas weit ins
- Paleolitikum zurück. Als Folge einer zunehmenden Komplexität des frühmenschlichen Gruppenlebens habe vor etwa 300.000 Jahren allmählich die
- Entwicklung zur Sprache eingesetzt. Für die Menschen habe sich daraus eine doppelte Herausforderung ergeben. Sie mussten zum einen die kognitiven Folgen
- der neuen sprachlichen Weltoffenheit verarbeiten. Zum anderen in sozialer Hinsicht lernen, mit den tiefgreifenden Ambivalenzen
- kommunikativergesellschaftung zurechtzukommen. Denn der kooperative Modus sprachlicher Kommunikation führe zum
- Auseinandertreten von Ego und Alter und damit breche das Grundproblem des Verhältnisses des Einzelnen zu seiner sozialen Umwelt auf. Dem einzelnen müsse
- das gesellschaftliche Kollektiv als rettende Gemeinschaft und drückende Übermacht zugleich begegnet sein. Daraus ergebe die dauerhaft konfliktreiche
- Spannung zwischen den imperativen individueller Selbsterhaltung und gesellschaftlicher Kommunikation und Kooperation, also zwischen Solidarität
- und Eigeninteresse. Während nun die kognitive Aufgabe durch die Ausbildung mythisch narrativer Weltbilder gelöst werde, antwortet der
- religiöse Ritus mit seiner sozialintegrativen Kraft auf die soziale Herausforderung. Er biete die Möglichkeit, die
- vielfältigen Spannungen zwischen Individuum und Gesellschaft aufzufangen und in Krisenf Fällen die gefährdete Balance zu erneuern.
- Freilich lasse sich eine solche Erneuerung gerade nicht diktieren. Sie könne viel mehr nur vorübergehend im Vollzug des kultischen Prozesses selbst
- gelingen. Allen Beteiligten sei bewusst, dass niemand den glücklichen Ausgang dieses Prozesses in der Hand habe. Eben daraus erkläre schließlich die
- gemeinsame Unterstellung und eine höhere Macht. Im Gedanken des Heiligen verdichte sich mit Hinzitat die kollektive Erfahrung des Aufatmens, wenn
- sich Verknotungen im kommunikativ geworenen Band der Intersubjektivität lösen. Ein überwältigendes, nicht intendierbares Geschehen, das sich jeder
- Verfügung der noch so konzentrierten Macht des Einzelnen entzieht. Auf den ersten Blick mag es nun so scheinen, als habe Habermaß sein
- früheres Modell einer fortschreitenden Versprachlichung des Sakralen tiefgreifend revoziert. Davon, dass die Religion durch die
- Sprache aufgehoben werde, ist nicht mehr die Rede. Stattdessen kommt ihr nun die Aufgabe zu, die Folgen des Übergangs zur Sprache zu bewältigen.
- Bei näherem Hinsehen zeigt sich freilich, dass Habermaß seiner anfänglichen Perspektive auf die Religion durchaus treu bleibt. Wohl wird
- die Religion evolutionär nun gleichsam in der Menschwerdung des Menschen selbst verankert, aber doch nicht, um daraus ihre bleibende Relevanz abzuleiten,
- sondern vielmehren urtümlich archarischen Charakter herauszustellen. Zugespitzt gesagt, die Funktion des Mythos ist ohnehin längst in Vernunft
- und Wissenschaft übergegangen. Der fortdauende Kultus hingegen stellt ein evolutionäres Fossil da, ein aus dem vorgeschichtlichen Anfangsstadium des
- Menschen in die moderne, fremd, abständig und opak hineinreichendes Relikt. Ein Zweilien habe zwar sich die säkulare
- Vernunft mit der Persistenz des religiösen Kultes zu arrangieren. Ja, mehr noch, sie habe sich lernbereit zu zeigen gegenüber den in der Religion
- bewahrten Potenzialen zu einer versöhnenden Regenerierung gesellschaftlicher Solidarität. Im Hintergrund steht Habermaßwachsende
- Skepsis. ob die säkulare Vernunft aus sich selbst heraus noch die Kraft aufbringe. Zitat: "I profanen Gemütern ein Bewusstsein für die weltweit
- verletzte Solidarität, ein Bewusstsein von dem, was fehlt, von dem, was zum Himmel schreit, zu wecken und wach zu halten." Dennoch lässt er keinen Zweifel
- an der Aufgabe, unermüdlich daran zu arbeiten, die in den rituellen Praktiken verkapselten Bedeutungsgehalte in eine vernünftig säkulare Begrifflichkeit zu
- übersetzen und so dem diskursiven Spiel öffentlicher Gründe zuzuführen. Das heißt also, auch wenn Habermaß der Religion eine zentrale, noch immer
- unabgegoldene Rolle im evolutionären Entwicklungsprozess der Menschwertung zuillt, steht seine Beschäftigung mit der Frage nach dem geschichtlichen
- Ursprung der Religion doch nach wie vor in der Fluchtlinie ihrer zukünftig zu erwartenden Aufhebung. Von einer gänzlich entgegengesetzten
- Interessenlage aus wendet sich schließlich der heamerikanische Soziologe Robert Bella der Frage nach dem Ursprung der Religion zu. Im Jahre
- 2011 bereits erschien sein monumentales Spätwerk Religion in Human Evolution, das unter dem Titel der Ursprung der Religion seit einigen Wochen auch in
- deutscher Übersetzung vorliegt. Es handelt sich um den ersten Band einer soziologisch inspirierten Weltgeschichte der Religion, die vom Paleolitikum bis
- in die Gegenwart reichen sollte. Der plötzliche Tod Bellas im Sommer 2013 hat die Realisierung dieses Vorhabens verhindert. Der erste Band führt nun von
- den Anfängen bis in die Achsenzeit. Allerdings ist mit dem Begriff der Achsenzeit zugleich ein zentraler Schlüsselbegriff Bellas benannt. Dieser
- Begriff geht ursprünglich zurück auf Karl Jaspas und bezeichnet jene Zeitspanne zwischen etwa 800 und 200 vor Christus, in welcher sich in den frühen
- eurasischen Hochkulturen unabhängig voneinander ein vergleichbarer kognitiver Entwicklungssprung vollzogen habe. Dieser wird gemeinhin als
- Entdeckung der Transzendenz bezeichnet. Aus ihm seien die bis heute nachwirkenden religiösen und metaphysischen Weltbilder
- hervorgegangen. Das Achsenzeitthe wird derzeit breit diskutiert und ist zugleich hoch umstritten. Nicht nur wegen seiner
- massiven geschichtsphilosophischen Voraussetzungen, sondern auch deshalb, weil es nicht recht gelingt, schlüssig anzugeben, worin genau eigentlich jene
- achsenzeitliche Wände bestanden haben soll. Das mag hier auf sich beruhen. Bella jedenfalls übernimmt das Konzept und modifiziert es zugleich auf eine
- Weise, die sein spezifisch eigenes Interesse erkennen lässt. Zunächst verteidigt er das Grundmotiv der Achsenzeitfigur.
- Es gelte, die gängige Blickverengung auf das christliche Abendland zu überwinden und konsequent die evolutionäre Gleichrangigkeit aller Kulturen und
- Weltreligionen zur Geltung zu bringen. Sie liege gerade im Umstand eines gemeinsamen achsenzeitlichen Durchbruchs begründet. Dabei relativiert Bella
- jedoch zugleich die Unterstellung. Im Zugegenes Durchbruchs werde eine niedere Stufe von einer nun beginnenden höheren Stufe abgelöst. Dem gegenüber lautet
- Bellas Leidformel: "Nichts geht jemals verloren." Wohl gebe es ein tiefgreifende Wohlgebe es tiefgreifende Verschiebungen und Veränderungen. Diese
- aber seinen vornehmlich als Komplexitätssteigerungen zu verstehen. Mit denin gelte es bei aller diskontinutierlichen Stufengliederung
- des geistlichen Entwicklungsganges des mit der Menschheit den Aspekt der Kontinuität im Blick zu behalten. Eine Umsetzung folgt daraus, dass die
- achsenzeitliche Wände für Bella letztlich nur ein allgemeines Strukturmoment deutlicher hervortreten lässt, welches der Religion bereits von
- Anbeginn zu eigen Bella zufolge zeichne sich nun die Achsenzeit selbst durch die Entstehung eines Denkens zweiter Ordnung aus.
- Darunter versteht er die Ausbildung eines kritischen Distanzbewusstseins zur gegebenen Wirklichkeit. die Fähigkeit zur alltäglichen und vorfindlichen
- Ordnung der Welt in Abstand zu treten, sich ihre Unmittelbarkeit zu entziehen, ja mehr noch sie im Namen einer höheren Transzendenz in ihrer Geltung und
- Reichweite zu relativieren. Eben diese Distanzierungsfigur legt also dann auch seiner Deutung des Ursprungs der Religion zugrunde. Den
- entscheidenden Schlüssel findet er dabei im Phänomen des Spiels. So habe die menschliche Praxis der kooperativen Brutpflege zu einer Lockerung des
- Selektionsdrucks geführt. Daraus sei der Freiraum erwachsen, spielen zu können. John Johann Hösinger hatte das Spiel zum Ursprung der menschlichen Kultur
- erklärt. Denn im Spiel trete der Mensch aus den Grenzen seines natürlich bedingten Alltages heraus und gewinne den Zugang zu einer anderen in gewisser
- Weise heilen Wirklichkeit. Der Gegensatz zum Spiel sei insofern gerade nicht der Ernst, sondern die Arbeit. In der Praxis des Spiels findet das Gefühl des
- Eingebettet Seins des Menschen in den Kosmos seinen ersten, höchsten und heiligsten Ausdruck. In dem Maße, in dem dieses Gefühl dann selbst rituell zur
- Darstellung gebracht werde, wandelte sich das Spiel zum Kultus. Bella übernimmt Häusingers Gedanken. Die Praxis des Spiels stelle die Urform
- kultischreligiöser Rituale dar. Noch vor der Ausbildung sprachlich mythischer Sinnwelten erfahre der Mensch im rhythmisch leibhaften Vollzug des
- kultischen Spiels eine Form gemeinschaftlicher Solidarität, welche zugleich eine Wirklichkeit ahnen lasse, wie sie eigentlich sein sollte.
- Zitat: "Mit Hilfe mimetischer Rituale überwindet die Gesellschaft all das unablässige Gezenk, die gruppen internen Streitigkeiten und Verletzungen, die Wut
- und Misskunst, die endemisch in jeder Gesellschaft auftreten und zeigt sich stattdessen als eine geeinte Gesellschaft."
- Anders als bei Habermas geht für Bella so die Urform der Religion der Sprachwertung sogar noch voraus. Sie bewältigt nicht die mit der sprachlichen
- Kommunikation aufbrechende Fragilität der sozialen Beziehungen. Viel vermutet Bella, dass der wirklichkeitsordnende und überschießende Grundzug des
- kultischen Rituals den Übergang zum mythischen Denken und schließlich zum vollen Sprachgebrauch überhaupt erst ermöglicht und vorangetrieben habe.
- Freilich werde damit bereits die nächste kulturelle Stufe erreicht. Sie erlaube es, die zunächst performativ heraufgeführte Freiheit und Distanz zur
- alltäglichen Wirklichkeit, nun auch sprachlich narrativ zu entfallen. Im Hintergrund steht offenkundig ein Religionsverständnis, welches dieses mit
- der Fähigkeit des Menschen verknüpft, die Bindung als die alltäglich gegebene Wirklichkeit kultisch performativ, mythisch narrativ oder schließlich auch
- symbolisch begrifflich zu überschreiten. Die entscheidende Parte aber liegt noch an einer anderen Stelle, denn Bella will es bei der Suche nach einem möglichen
- Ursprung der Religion gerade nicht belassen. Sie soll viel mehr nur den Ausgangspunkt bilden, um auf ihrer Grundlage die komplexe Vielfalt der
- menschlichen Religionsgeschichte in eine evolutionäre Ordnung zu bringen. Bella sucht den Nachweis zu führen, Zitat: "Dass alle Religionen historisch
- miteinander zusammenhängen. dass es trotz aller Brüche, Diskontinuitäten und Entwicklungssprünge möglich bleibt, die Vielfalt der Religionen als einen von
- ihrem Ursprung her miteinander verbundenes Ganzes aufzuweisen. Damit wird schließlich das poentierte Gegenwartsinteresse erkennbar, welches
- auch Bellas Entwurf von Grund auf leitet. Ihm ist daran gelegen, die drückende Konfliktsignatur des religiösen Pluralismus zu überwinden,
- aber nicht dadurch, dass die Religionen aus der Öffentlichkeit verbannt werden, sondern indem die in ihrem gemeinsamen Ursprung begründete innere
- Verwandtschaft und Verständigungsfähigkeit offengelegt wird. Mit ihrer Perspektive eines moralischen Universalismus komme
- den Religionen in den zahlreichen politischkulturellen Auseinandersetzungen der Gegenwart eine eminente Bedeutung zu. Damit diese
- Perspektive aber ihre fruchtbare Wirkung entfalten könne, müssten die Religionen ihre inneren Streitigkeiten überwinden und lernen, Zitat, gemeinsam an der
- Verwirklichung von Kanz Traum einer weltweiten Zivilgesellschaft mitzuarbeiten. Auf seine Weise bestätigt so auch Robert
- Beller nochmals, was im Gang der zurückgelegenen über Überlegungen gezeigt werden sollte. Die Frage nach dem Ursprung der Religion bezieht ihre
- geradezu unerschöpfliche Faszinationskraft aus dem Umstand, dass im Medium der Beschäftigung mit dem geschichtlichen Ursprung der Religion
- stets zugleich die Frage nach ihrer gegenwärtigen Bedeutung zu bearbeiten versucht wird. Jede Antwort auf die Frage nach dem Ursprung der Religion
- erfolgt aus einem perspektivisch gebundenen Zugriff heraus heraus, dem dabei letztlich, ob eingestanden oder nicht, eine positionelle Haltung zu
- Eigenart, Stellung und Zukunft der Religion in der Moderne zugrunde liegt. Das schmällert den Wert der religionsgeschichtlichen Ansätze und
- Hypothesen nicht. Ganz im Gegenteil. Es zeigt und bestätigt viel mehr die Einsicht ernst tröllisch, dass alle Beschäftigung mit der Geschichte, will
- sie nicht nur von antiquarischem Wert sein, letztlich darauf zielt, Gegenwart und Zukunft besser zu verstehen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
- Hallo, will ich hören? Hallo, ich glaube, ich muss erst mal eine Weile reden, damit ich irgendwie hörbar werde.
- Äh, es scheint jetzt aber so zu sein, oder? Ja, gut. Alles klar. Ja, Martin, ganz herzlichen
- Dank für den fulminanten Vortrag. Du hast in eindrucksvoller Weise Genesung und Geltung zusammengeführt und zusammengehalten.
- Ähm, ich fange einfach mal mit einer ersten Frage an. Verstehe ich dich richtig, dass du im Grunde äh die sozusagen religionstheoretische
- Begründung des religiösen im Sozialen dann deinerseits sozusagen historisch verifiziert hast? also letztlich sozusagen die religionstheoretische
- äh Prämisse äh eine äh vor allem dann am Neolitikum oder vom Neolitikum an aufwärts ähm äh verlaufende ähm ja historische Verifikation erfahren
- hat. Ja, also ich wollte sozusagen erstmal grundsätzlich auf die Ampivalenz dieser beiden Perspektiven aufmerksam machen,
- ne? Also die Frage nach der Geltung der Religion dem Religionsverständnis und die Frage nach der historischen Entstehung, dass das eben das eine nie
- ohne das andere zu betrachten ist. Ähm auf der inhaltlichen Ebene glaube ich hast du recht. Das was man wirklich sagen kann und sagen muss ist, dass die
- Wurzel der Religion im Ritual liegt im Kultus. also nicht äh äh äh in irgendwelchen dogmatischen Lehren ähm äh schon gar nicht in irgendwelchen
- individuellen Främigkeitserfahrung, sondern tatsächlich zunächst in einem sozialen Zusammensein. Und dabei wird man sich natürlich irgendwie diese
- Frage, wie soll man sagen, der Unterscheidung von Ritualen und Mythos. Was war jetzt zuerst? Das wird man wahrscheinlich sehr vorsichtig
- betrachten müssen, ne? Also ähm äh äh Bella sagt nun sogar noch vorsprachlich sei das möglich. Umgekehrt würden wir natürlich schon auch sagen, wie soll ein
- Ritual stattfinden? wenn man nicht in irgendeiner Weise dann miteinander spricht, ja, oder irgendwas rezitiert, ja, äh äh aber vielleicht in den
- Vorstufen kann man sogar zurückgehen. Aber der Punkt ist in der Tat ähm ich würde sagen äh an der Tatsache, dass am Ausgangspunkt der soziale Kult steht,
- der rituelle Kult, eine Praxis, das äh äh lässt sich, glaube ich, nicht bezweifeln. Ja, da hätte ich eine Frage und zwar
- gerade das, wann fängt denn das eigentlich an, ne? Wenn ich mich also erinnere, äh ich habe viel in diesen Höhlen äh gearbeitet, auch mit den
- Malereien und so weiter. Ich könnte mir schon vorstellen, dass das also schon lange äh vor der neolitischen Revolution passiert ist. Und äh wir sehen das ja
- auch. Ich meine, ich habe einiges in in den Höhlen von Pyäen gesehen, wo ich mich also schon gewundert habe, was man da alles sieht. Und das waren
- nicht Neanderataler, aber doch frühe Homo Sapiens, aber immerhin so um um ja vielleicht 30.000 1000 Jahre alt und das war schon derartig komplex, wie wir es
- eigentlich heute auch haben, wenn wir das also auf das Rituelle äh ich finde die Idee ganz gut und ich glaube, das müssen wir viel früher verorten, als wie
- als wie nur im Neolitikum, ne? Ja, ich meine äh wenn Sie auf die Höhlenmalerei äh noch mal anspielen, also diese Höhle von Alter Mira, diese
- Bilder sind ja der Art beeindruckend. Das sind doch keine Anfänger gewesen. Wir haben das doch schon lange äh ausgebildet. äh äh und diese Techniken
- äh sag äh ähm ähm gelernt und perfektioniert. Ja, also äh das ist doch geradezu schon der Höhepunkt einer eines Entwicklungsstadiums und er recht äh
- muss ich sagen, hat mich beeindruckt. Das wusste ich eben vorher gar nicht, was diese Ausgrabung von Göbertlippe bedeuten. Ja, also diese riesige
- Kultanlage, das das das muss ja eine enorme Vorgeschichte gehabt haben. Ja, da muss eine Arbeitsteilung vorgelegen haben. Es
- muss geplant geworden ähäh sein. Ja. Äh ähm da zeigt sich doch irgendwie eine auch der Höhepunkt s einer kulturellen Entwicklungsgeschichte. Ja. Ähm, ich
- will eben ja nur immer sagen äh äh äh Vorsicht bei allen Überlegungen. Wir befinden uns in einer Zeit, in der es keine schriftlichen Dokumente gibt. Das
- ist die vorschriftliche Phase menschlicher Kultur und insofern bleiben alle weiteren Überlegungen schlicht irgendwie und ähm äh Hypothesen. Und man
- hat an der reichen äh religionsgeschichtlichen Debatte auf der Wende zum 19. zum 20. Jahrhundert gesehen, dass das der das Einfallstor
- war, um das was man schon immer von der Religion gehalten gedacht hat oder sagen wollte nun in den Anfang zurückprojiziert hat. Ja, festhalten
- jedenfalls z.B. können wir, dass in allen diesen Phasen und Berichten und den Funden, die ich da bericht habe, von einer Gött Gottheit oder einer äh
- Transzendenzvorstellung oder einem höheren Wesen keine Rede ist. Ja, äh äh die Ausbildung einer Gottheit, glaube ich, geschieht erst sehr sehr sehr viel
- später. Ja, und insofern sind alle diese Theorien, da habe man irgendwie äh irgendwie höhere Wesen verehrt, äh mit hoher Vorsicht zu betrachten, wenn damit
- gemeint sein soll, äh etwas, was den als solchen immer schon als kontinuierlichen gedachten hang gedachten Zusammenhang menschlichen Lebens und Sterbens
- irgendwie zu bedenken. Wir haben eine Frage im Chat, Martin, ich lese die mal vor. Äh Annette fragt: "Mir fehlt bei den bisherigen sehr
- vielfältigen Überlegungen noch ein wenig der Aspekt der Religio, also der Rückbindung an eine höhere Macht. Dabei interessiert mich das persönliche Gebet,
- wenn die Gehirne der Hominiden in der Lage waren, doppelbödig zu denken, ist es dann nicht wahrscheinlich, dass sie in Notsituationen im um Hilfe gerufen
- oder in Danksituation gedankt haben? Greif es nicht zu kurz anzunehmen, dass Religion nicht im privaten entstünde. Irgendjemand muss doch als erster die
- Idee gehabt haben. Ja. Ähm [räuspern] äh denkbar ist vieles. Ja. Und möglicherweise auch das. Ich würde jetzt aus äh meiner äh meiner
- Kenntnis der theoretischen Entwicklung, meiner eigenen Überzeugung her sagen, religiös etwas erfahren zu können, religiöse Erfahrung zu machen, muss
- gelernt werden. Natürlich muss jemand damit ähäh begonnen haben, das ist völlig klar, aber möglicherweise nicht irgendwie einzelnes Supergenie, sondern
- eben soll diese Situation eines kultischen Zusammenseins, deren Ausdeutung und den damit zunächst unspezifischen
- sagen Mehrwert über die Wirklichkeit hinausgehen, dann allmählich zu solchen symbolischen äh Bildern geführt hat, wie einer höheren Macht oder so etwas. Ja,
- äh äh noch mal, das ist alles hochgradig spekulativ und vielleicht ähm äh befinde ich mich dann mit allen anderen dann auf einem völligen Irrweg. Das kann ja sein,
- wir werden es nicht belegen können. Mir scheint es nur eben sehr plausibel einfach dem Umstand nachzugeben oder deutlicher in Rechnung zu stellen. Ja,
- dass äh die Fähigkeit individuelle religiöse Erfahrungen machen zu können, ein soziales Phänomen ist, dass man äh äh dass man das gelernt haben muss, das
- zu können und das insofern die Sozialität der erste Schritt ist. Vielleicht kann man sogar noch zuspitzen und etwas deutlicher sagen, die
- Tatsache, dass wir so gewohnt sind, Religion als ein individuelles Phänomen zu betrachten. Ja, das ist etwas, ja, Herr Kratz wird das vielleicht in der
- nächsten Woche dann sagen, vielleicht etwas, was mit den altisraelitischen Propheten beginnt oder so etwas oder vielleicht sogar noch später in der
- Reformationszeit oder noch noch später in der äh in der Aufklärung. Das kann man ja, da lasse ich mich gerne mit mir streiten. Ich glaube nur, dass diese
- Herangehensweise an das Phänomen der Religion nicht dem entspricht, was wir verantwortlich rechtfertigen und ausdeuten können, wenn wir uns auf diese
- frühen Belege äh stützen. Der eben schon angesprochene Kratz hat eine Frage gestellt.
- Ursprung der Religion in Praxis und Kultus. Gibt es einen Unterschied zwischen sozialer in Klammern feierlicher Praxis der Gemeinschaft und
- religiöser Praxis? Wann kommen andere Mächte und Götter ins Spiel? [schnauben] Äh äh das mit dem Unterschied habe ich noch
- nicht ganz geschaglicher Praxis. Meint er das? Zwischen sozialer und religiöser Praxis.
- Ach so, sozial. Ja. ähm präzisiert. Nein, individuelle Religion ist älter auch in Ägypten und Mesopotanien, aber möglicherweise
- sekundär gegenüber der sozialen Praxis. Genau. Also wann das mit Ich wollte ja nur sagen, in dem Bereich, den ich jetzt bearbeitet habe, ja, der liegt ja noch
- mal gut 6000 Jahre äh äh vor dem äh vor dem Befunden, mit den Herr Kratzlern zu tun hat. Da wäre ich mit der Individualität äh vorsichtig. Ich ich
- bin kein ich würde keine These jetzt wagen, gültige These, wann denn s die Indivalisierung stattgefunden hat. Und natürlich ja ähm äh äh bedeutet ja diese
- Erfahrung, die man dem Kult macht, dann auch eine Erfahrung, die sozusagen persönlich äh gemacht wird. Das ist ja völlig klar. diese starke Unterscheidung
- sozusagen im Unterschied zu einer Teilnahme am sozialen Ritual oder äh äh sagen individuelle religiöse Erfahrung zu machen, das ist möglicherweise eine
- Kulturleistung, die erst sehr viel später kommt. Ähm in der Frage würde ich jetzt zweierlei äh sagen bei dem ersten Teil, den zweiten muss mir gleich noch
- mal sagen lassen. Äh die Unterscheidung zwischen äh sozialem Ritual und religiösem Ritual ist natürlich eine ganz schwierige Unterscheidung in dieser
- ganz ganz frühen Form. Ja, weil möglicherweise die äh äh damit bereits ein Entwicklungsstadium vorausgesetzt ist, was wir in dieser Form gar nicht äh
- äh annehmen können. Offenbar jedenfalls ist doch deutlich, dass an diesem Tempelberg da Göbelly Teppel ähm es wirklich die Gelegenheit gegeben hat, in
- besonderer Weise sich kultisch zu versammeln und zu feiern, also eine Ausnahme vom Alltag zu machen, sich zu einem Fest zu versammeln und das ist
- dann noch mal stark unterschieden. in welcher Weise es privatreligiöse Kulte und kultische Rituale gegeben hat. Ähm ist möglicherweise etwas, wo man je
- nach Region und je nach Jahrtausend hätte ich jetzt beiner gesagt näher gucken muss. Ja. Ähm ich hatte ja gesagt, die dann äh äh sehr viel jüngere
- äh Städte in Chatal Höjük hat gar keinen gemeinsamen Kultraum, sondern da ist offensichtlich der Kult in Wohnhäusern begangen worden. Ja, das war glaube ich
- die eine Frage. Die zweite weiß ich jetzt schon gar nicht mehr genau. Kannst du die noch mal wiederholen, Thomas?
- Es geht um den Unterschied zwischen, also es geht ja kratz um den Unterschied zwischen sozialem Ritus und religiösem Ritus.
- Ja. Ja, ich wichtige Frage, also bestanden als Erfahrung von höheren Mächten, also die soll, also äh da muss ich noch mal nachfangen.
- Natürlich muss man sagen, Ritus ist etwas, was nicht nur religiöse Sachverhalte beschreibt, ne? also Samstagnchmittags ins Stadion zu gehen,
- wenn das wieder möglich ist, ist ein Ritus, aber äh nichts Religiöses. Da würde ich jedenfalls dran festhalten. Ja. Ähm äh auch wenn man manchmal
- Passionserfahrung macht, die ganz besondere Eigenart haben. Ja, aber äh äh äh äh das sprich der HSV Fan. Ja, es gibt also äh
- er will da wahrscheinlich darauf hinaus irgendwie ähm, dass offensichtlich es mit einem besonderen Programm oder einer besonderen Symbolik verbunden sein muss,
- ein solche eine solche ein solchen Ritus, ein solches Ritual dann als etwas religiöses zu erleben. Da hat er natürlich da hat er natürlich recht, das
- würde ich schon auch unterstreichen. wäre nur vorsichtig, zu schnell äh ja mit äh religiösen Symbolen oder im Verständnis von religiösen Symbolen zu
- kommen, wie sie sich uns so tief kulturellich kulturgeschichtlich eingegraben haben. Ja, möglicherweise ist tatsächlich ähm äh es zunächst eine
- Form, wie soll man sagen, eines rituellen Geschehens, um möglicherweise irgendeinen Gegenstand oder irgendetwas, bei dem diese Gemeinschafts Erfahrung
- als solche sich verdichtet, dieses dann irgendwie wiederholt wird, äh mit einer entsprechenden Deutung versehen wird und dann entsteht das so allmählich im Laufe
- der Jahrhunderte oder mehr oder weniger sogar Jahrtausende. Ja, ich gebe zu, also äh äh man da man muss vorsichtig sein, dass man da die entsprechenden
- unter äh ähm äh dass man da richtig vorsichtig ist, aber wir haben eben da so enorm lange Entwicklungsphasen offensichtlich.
- Darf ich dazu vielleicht ganz kurz was fragen? Äh bitte gerne. Vielen Dank auch für den Vortrag von
- mir. Äh ist es dann nicht auch irgendwie eine Frage der Definition? Ja, das wollte ich spreche. Ich meine ähm [gelächter]
- ja, also genau das war ja so der Punkt, den ich äh auf den ich hinweisen wollte, s diese innere Verwobenheit oder Zirkularität. Ja. Ähm äh ich glaube
- eben, dass sehr sehr sehr häufig, also sagen wir es mal so, ich würde sagen, die Frage nach dem Ursprung der der Religion ist nicht beantwortbar. Das ist
- eine spekulative Frage, weil wir hinter alles das zurückgehen, was wir in irgendeiner Form verantwortlich belegen können. Wer das tut, tut es, weil wir
- diese Frage stellen, die interessiert uns. Wir tun es aber immer schon mit einem vorgefassten ähm Religionsbegriff, um das überhaupt als Religion
- identifizieren zu können, dessen Spuren wir dann sehen. Und wir tun es letztlich aus dem Interesse heraus, jedenfalls oder wir die jetzt ist jetzt sehr
- vereinnahmt, entschuldigen Sie bitte Herr Duda, die Literatur ja tut es dann, um damit ein Gegenwartsinteresse zu verfolgen. Aber man will sagen,
- religiöse Menschen sind eigentlich in der Steinzeit hellen geblieben. Ja. Äh Bella möchte sagen irgendwie Leute, ihr müsst alle doch irgendwie klar sein, ihr
- gehört alle zur gleichen Familie. Ja. äh äh äh Phraser würde sagen, das sind alles schlechte Wissenschaftler und wir haben durch die moderne Wissenschaft das
- endlich hinter uns gelassen. Ich weiß gar nicht, warum es diese blöden Männer noch gibt. Ja, also äh diese dieses normative Interesse, welches immer
- schon, wie soll man sagen, ist überhaupt ermöglicht, etwas als Religion zu identifizieren und damit immer aber auch eine eigene Perspektive schon anlegt,
- das ist so das was man sich an dieser Stelle klar machen muss. Interessant. Ist ja schon Schnittmengen mit der naturwissenschaftlichen
- Forschung. [gelächter] Danke. Ja,
- danke Ihnen für dass ich das noch mal äh so etwas ruppig klaren konnte. Also, wir kommen gleich noch mal auf eine
- Frage von Herrn Katz zurück. Jetzt habe ich zwischendrin noch eine Frage von Herrn Gunner Anger. Welches schriftliche Zeugnis gilt als die älteste religiöse
- Textquelle der Menschheit? Puh, das gebe ich gleich an Herrn Kratz weiter. Das weiß ich. kann ja leider nicht reden.
- Also es äh da gibt es also sagen mal so, ähm äh es gibt da eine Debatte, die gerade im Umbruch befunden befindlich ist. Äh lange Zeit wurde gesagt, die
- ältesten Schriftzeugnisse äh haben äh gehen also auf Mesopotamien zurück und so ungefähr 3in5000 vor vor Christus und die Poarte nicht religiös, sondern
- Listen äh mit denen irgendwie Inventarlisten oder Organisationslisten geführt wurden. Seit einigen Jahren verändert sich das Bild. Jetzt wird
- gesagt, die Schrift habe ihren Ursprung nicht im vorderen äh Orient äh sondern in Europa und zwar bereits 5000 vor Christus, weil da offensichtlich äh
- Texte, Textfragmente gefunden worden sind auf äh bestimmten äh äh Tafeln, die äh soweit sie bisher entschlüsselt worden sind, offenbar religiösen Inhalts
- sind. Ja, äh aber da kann ich nur auf den Streitter Fachleute verweisen. Ähm äh und mehr dazu äh präziser selber nicht sagen.
- Also [räuspern] äh jetzt noch mal zu der Frage von Herrn Kratz. Es geht ihm nicht um die Unterscheidung von privat und öffentlich,
- sondern es geht um die Unterscheidung zwischen Feiern der Gemeinschaft, also sozialen Events, ähm Feiern der Gemeinschaft ihrer selbst
- sozusagen und Feiern eines höheren Wesens. Ja. Ähm
- ja, die harte religionssoziologische These äh von Dürheim begründet heißt, das ist dasselbe, weil äh das höhere Wesen sorgen die
- symbolische Vergegenständlichung der Sicht der selbstfeiernden äh Gemeinde darstellt. Ja. äh äh und die ist natürlich hochgradig umstritten. Ob man
- da jetzt an in äh aus den, wie soll man sagen, sowieso spärlichen Funden und auf dem schwachen äh tierisch Fundament, in dem man da steht, überhaupt jetzt
- irgendwelche äh äh Entscheidung treffen kann, da wäre ich sehr vorsichtig. Ich würde zunächst in der Tat sagen irgendwie ähm, dass nicht das höhere
- Wesen den Anfang macht, sondern äh, dass das Spiel, also die Form Song der einer Form des aus dem Alltag heraustetenden äh äh Regel geregelten Zusammenseins,
- welches irgendwie Distanz bringt in Alltag, welches plötzlich irgendwie eine Vorstellung von Gemeinschaft entstehbar werden lässt, welches die heilsamer oder
- vollständiger ist als die wirkliche dass da etwas beschlossen liegt, was sich dann mit religiöser Symbolik äh anlagert, wenn das irgendwie rituell
- praktiziert und als solches zu Bewusstsein kommt. Noch einmal, wir reden hier um Entwicklungsprozesse, wenn das nicht völliger Blödsinn ist, die
- mehrere hunderttausend Jahre umfassen. Ja, das wird nicht einfach mal so schnell passiert sein, aber dass das an als ein höheres Wesen dann tatsächlich
- zur Darstellung gebracht wird, da bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt in den Bereich dessen Fällt äh von dem ich jetzt gesprochen habe. Ähm, ich
- hätte jetzt noch kurz eine eigene Frage. Äh, könnte es sein, dass die bellersche Spieltheorie etwas harmonistisch ist?
- Ja, also das agonistische Moment des Spiels, ja, dass uns nicht erst auf dem Fußballplatz vor Augen treten muss, äh
- scheint mir doch auch äh ja erwegenswert und dann in Hinblick auf, sag mal, religionstheoretisch alles
- andere als belanglos. Und noch ein anderer kurzer Aspekt, ähm den Totenkult äh hast du relativ äh äh distanziert behandelt, äh auch höhere
- Säugetiere trauern. Mhm. Ähm mir scheint aller allerdings doch die Frage, ob nicht sozusagen in dieser
- äh in dem Moment der Trauer, vielleicht neige ich selber und fühle mich dabei sofort entlarft religionstheoretisch. äh äh doch in dem Sinne äh einer einer
- einem solchen Zugang nah, als ich in der äh Verarbeitung und Endlichkeitserfahrung einen wesentlichen äh Stimulans von Religion
- sehe, ähm das hast du äh ja in gewisser Weise gemieden. Könntest du dazu noch was sagen? Ja, also erstmal zu dem ersten Punkt mit
- der Konfliktsignatur ist völlig richtig. Allerdings ist sie im Spiel natürlich hochgradig geregelt. Ja. Und äh äh äh da äh da da müsste man genau hinsehen
- irgendwie, das würde jetzt zu weit führen, das auszuarbeiten. Aber dass man bei der gesamten Figur von Bella ähm äh aufpassen muss, äh dass das sagen
- pologene Element, welches in der religiösen äh Tradition immer drin liegt, nicht unterbelichtet wird. Das ist in der Tat äh ähäh beachten
- bedenkenswert. Zu deiner anderen Frage, na, das führt zurück auf die Frage irgendwie, wie Religion zu verstehen und vor allen Dingen, wie sie heute Menschen
- zuzuschreiben ist. Ähm, wir haben heute den Umstand ähm äh äh, dass äh die Akzeptanz der äh religiösen Bestattung zurückgeht. Es gibt Menschen äh sehr,
- sehr sehr viel Menschen, und das ist ja ein rapider Umschwung, den wir da haben, die eben nicht mehr auf die äh auf das kaalangebot äh der Kirchen oder anderer
- religiöser Gemeinschaften an dieser Stelle zurückgreifen. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann sagen, die sind kulturell
- depraviert, ja, irgendwie die haben einen Defizit, die wissen gar nicht, was sie tun. äh äh ja, irgendwie das ist eben die Verfalls Erscheinung, wie auch
- immer. Eigentlich ja würden sie so, da bin ich mir eben nicht richtig äh nicht sicher, ob man äh ob das nicht ein äh Überlegenheitsgestus ist, äh zu sagen,
- dass diese Menschen irgendwie äh äh nicht gleichsam defizitär sind, ja, wenn man das jetzt mal sehr ruppig sagt, oder ob wir nicht doch einfach genötigt sind
- durch dieses durch dieses schlichte Faktum, dass das so ist und sich so verbreitet. unsere eigenen Denkgewohnheiten zu verändern und
- anerkennen zu müssen, dass äh es Menschen gibt, die auch bei diesem Umstand offensichtlich eine Form gefunden haben, mit dem Problem des
- Todes umzugehen, ohne sich einer religiösen Tradition äh ähm anzunäheren oder von ihr Gebrauch zu machen. Ja, und das würde mich dazu führen, das hat mich
- dazu geführt, irgendwie gegenüber dieser sehr schnellen klassischen und sehr verbreiteten These bei Bestattung irgendwie sagen, den Ausgangspunkt des
- zumindest ein Fragezeichen zu setzen. Jetzt aus der Perspektive dessen, was ich gemacht habe, würde ich ja sagen, äh wir haben halt diese ähm wir haben die
- Bestattung. Also, es ist ein pietätvoller Umgang. Du hast Recht, nicht nur Menschen machen es, auch Tiere. Ähm äh wir haben auch
- offensichtlich diese gestalteten Schädel. Das heißt, da ist irgendwas hat da stattgefunden. Ja, ob das aber die ursprüngliche Wurzel war und ob der
- Neandertaler dadurch, dass er angefangen hat zu bestatten, irgendwie schon als solches religiös war und wenn überhaupt in welcher Weise man dann eigentlich von
- einer Religiosität sprechen kann, ja? Äh äh äh oder ob nicht hier auch noch viele Entwicklungsstalien zu berücksichten wären, da wäre ich eben vorsichtig. Aber
- wichtiger ist mir eigentlich oder als mein eigenes Motiv, dass ich mich selber zwingen möchte äh äh anzuerkennen und zu respektieren den Umstand der
- religionsfreien Lebensführung und mir zu durchdenken, was das dann für solche anthropologischen Generalsituationen heißt.
- Wir haben der der Chat ist noch gefüllt, deshalb äh müssen wir jetzt ein bisschen Tempo machen. Ein anonymer Zuschauer fragt: "Wenn man religiöses Erleben
- erlernen muss, gibt es dann auch Forschung zu zeitgenössischen Unterschieden in der Fähigkeit des religiösen Erlebens und Faktoren, die
- das vielleicht fördern?" M äh was heißt zeitgenössisch? Jetzt auf unsere Zeit bezogen oder
- heute? Ja, ich denke, die gibt's ja klar. Ich meine, die Religionsdidaktik Religionschnologie ist ja äh äh voll davon. sag, da würde sich
- ein ganz neues weites Feld öffnen. Ja. Äh ja, aber also du kannst die Frage mit ja
- beantworten. Ja. Ja. der der Umstand einfach sich zum Umstand recht zu sag äh jeder ist für sich
- selbst religiös, aber niemand allein. Okay. Anette fragt äh ich möchte mal etwas ketzerisch in
- den Raum werfen, dass die Religion sich zwar methodisch nicht in die Naturwissenschaften einzumischen hat, dass sie aber sehr wohl zuständig ist
- für die Bereiche menschlichen Lebens, die sich nicht zählen, messen und labortechnisch nachstellen lassen. Der Mensch ist ja auch Geist und Seele und
- diese Erfahrung ist trotz ihrer mangelnden Beweisbarkeit existentiell. Erfüllt Religion damit nicht unabhängig von ihren von ihrer konkreten Ausbildung
- eine wichtige Funktion. Kann ich nur zustimmen. Das ist gilt ü, es gilt für alle kulturellen Phänomene. Äh die haben eine Eigenlogik, die
- naturwissenschaftlich nicht erreichbar ist. Darum hatte ich ja, wenn das aufgefallen ist, diese neuere Debatte um kognitionsähäh wissenschaftliche Ansätze
- zur Deutung des Religiösen recht knapp behandelt, weil ich die ehrlich gesagt ziemlich primitiv finde. [schnauben] Hans Arnold
- äh frag folgendes noch vor 60 Jahren hat meine Großmutter bei Gewitter eine Kerze angezündet und gebetet. führt nicht der erste Versuch zur Erklärung von
- Naturgewalten wie Blitz, Donner, Erdbeben, Sonnenfinsternissen fast zwangsläufig zu übergeordneten Kräften und schließlich zu Religion und
- Kultus, um sich mit sein mit diesen Mächten durch Opfer etc. zu arrangieren. Ähm, das ist das ist uns plausibel. Äh ja, äh
- das und natürlich ist diese These äh äh äh äh äh auch wirklich massiv vertreten worden in der Debatte von zum 19. Zum 20. Jahrhundert. Ich will nur noch
- einmal sagen, das ist schon voll von Denkgewohnheiten, Symbolen, ähm Unterscheidungen, kulturellen Entwicklungen, die äh äh äh unserer
- Religionskultur und der langen Geschichte dessen entstammen. Ja, irgendwie ist ich finde es so schwer äh sie mal wirklich klar zu machen ein
- Götterglaube, ein höheres Wesen, was das für eine kulturelle Leistung ist, sich das überhaupt zu denken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwie am
- Anfang von vorne rein so da war. Aber noch einmal, das sind Spekulationen. Ich kann das nicht, ich kann es ich kann weder meine
- Vermutung äh äh bestätigen noch irgendwie äh jetzt äh äh äh äh äh äh eine andere äh bestätigen. Wir haben ja nichts anderes als diese Funde irgendwie
- äh aus denen wir uns einen Reim machen sollen. Ich würde nur warnen, also bei Ivan Pritchat, ich hatte diese These dann nicht zitiert, wie harsch er mit
- diesen psychologischen emotionalistischen Erklärungsmustern umgeht. Das wäre so eine, wenn ich ein Pferd wäre, so zitiert er das, ja, äh äh
- äh also das sind Erklärung der Form, wenn ich ein Pferd wäre, würde ich folgendes tun. Ja. Ähm äh ich will damit ich will das damit nicht abwerten. Ich
- will nur sagen, dass wir uns deutlich machen müssen, nicht von vorne rein unwillkürlich ein Entwicklungsstadium unserer heutigen Zeit in eine Epoche
- zurückzuverlegen, die offenkundig irgendwie mehrere hunderttausend Jahre äh äh alt ist. Ja, äh nur darum alsoagen die die Erkenntnis des eigenen Abstandes
- und vor allen Dingen auch der eigenen Kultur geprägt im religiösen Erleben nicht notwendigerweise in die Anfänge zu verlegen. [schnauben]
- Kranz fast noch mal nach beim äh beim Toten und Ahnenkult. Kann ich mir denken, heute noch tragen Menschen ihre Ahnen im
- Herzen. Ist Toten und Ahnenkult nicht doch ein zumindest altes Modell einer religiösen Erfahrung? Und äh
- ja, es ist er hat eine starke Tradition auf seiner Seite. Ich will das ja auch gar nicht leugnen. Ich möchte nur erstmal vorsichtig nachfragen, dass man
- hier nicht vorschnell etwas irgendwie darstellt. Ja. Ähm äh äh äh noch mal, es kann ja sein, dass ich an dieser Stelle so jetzt dann doch ein systematisch
- theologisches Herz hab irgendwie, was mir mal sag meinem eigenen historischen Befunden in die Quere läuft. Ja, ich möchte nur
- warnen davor, auf diese Weise doch ein Denkmuster noch zu verfolgen, irgendwie, dass es anthropologische Situationen gibt, bei denen notwendig eine
- Religiosität sozusagen zu erwarten ist, weil das bedeuten würde, dass wir in der heutigen komplexen säkularen Situation dann den Menschen, die sich so nicht
- verhalten, ähm ein Defizit zu schreiben müssten. Und ich halte das für schwierig. Äh, aber vielleicht, das gebe ich zu, kommt mir an dieser Stelle sag
- ein Gegenwartsgehen sozusagen störend in die Quere. Ja. Ähm äh ich würde jedenfalls trotzdem vor Vorsicht waren, irgendwie das zu schnell
- irgendwie in der Vergangenheit als solches für Normativ zu erklären. [schnauben] Letzte Frage äh Abgrenzungsmöglichkeit
- zum Tier, was das Spiel angeht. Das äh Spiel ist ja nun offenbar nicht nur etwas süß Menschenun äh wie auch der Drogenkonsum, wie ich gelernt habe. Auch
- Bären berauschen sich an vergorenen Äpfeln äh oder Delfine stupen ähm Kugelfische an, die irgendwelche äh ähm ja
- Drogenwirkung würden wir sagen, haben. Wie ist es mit dem Spiel? Ja, das ist jetzt äh äh das ist eine das müsste man auch länger debattieren, weil damit die
- Frage verbunden ist natürlich, wie scharf man s die Abgrenzung an dieser Stelle zwischen Mensch und Tier machen kann oder ob über es überhaupt möglich
- ist zu sagen, das eine gibt es nur dort und dann nicht mehr dort, sondern man ja auch mit Übergängen zu rechnen hat, nicht? Also, dass natürlich irgendwie
- früh Bärenkinder oder sowas auch irgendwie spielen und dabei etwas einüben ist das ist äh ja das Phänomen, was dahinter steht, leucht mir ein. Die
- Kultivierung des Spiels allerdings ist eine vielleicht eine Form, der man dann sagen muss, äh da entwickelt sich etwas, was den Menschen eigen ist. Aber ähm in
- aller Vorsicht ähm äh äh ähäh die Frage, da müsste man länger drüber nachdenken. [schnauben] Alles klar. Vielen Dank. Ich glaube, wir
- sind durch. Ganz herzlichen Dank für die konzentrierte Beantwortung der Fragen. Vielen Dank an die Fragenden. Ähm und äh wir sind gespannt auf die äh den Vortrag
- in der nächsten Woche den Herr Kratz über äh Schöpfungsmythen im alten Orienthalten wird. Vielen Dank. Schönen Abend.
- Schönen Abend. Tschüss. Tschüss.
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