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Expressionismus - Literaturepoche einfach erklärt - Merkmale, Literatur, Geschichte, Vertreter

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  1. Stell dir vor, dass du deine Gefühle in Farben ausdrücken kannst. Das klingt nicht nur super spannend,
  2. sondern führt uns auch in die Epoche des Expressionismus. Ursprung, Definition, historischer
  3. Kontext, Merkmale und die wichtigsten Werke, sowie deren Autoren, lernst du in diesem Video kennen. Also, spannende
  4. Minuten und ab geht's. Anfangs dachte noch niemand an expressionistische Literatur, die etwa
  5. zwischen 1905 und 1925 vorherrschte. Der Begriff Expressionismus stand nämlich in Verbindung zur französischen
  6. Malerei. Expressionismus kommt vom Lateinischen "Expressio" für Ausdruck.
  7. Was bedeutete das aber konkret? Die Maler dieser Strömung benutzten die Farbe frei als Ausdruck ihrer Gefühle.
  8. Dazu ein einfaches Beispiel. Wäre ein Expressionist traurig gewesen und hätte einen Baum malen wollen, so
  9. hätte er diesen in blau gemalt. Kurt Hiller, ein bekannter Autor dieser Zeit, benutzte den Begriff, um die neue
  10. Generation an Autoren zu beschreiben. Wirklich festgelegt als eine Epoche wurde der Expressionismus aber zuerst
  11. während des Ersten Weltkriegs. Wie die vorangegangenen Epochen auch, beschäftigt sich der Expressionismus mit
  12. den Auswirkungen der Industrialisierung. Nur ist es hier bereits fortgeschrittener, denn die Städte sind
  13. voll, die Infrastrukturen aufgebaut, Werbetafeln aufgestellt und auch die Kommunikation geht plötzlich schneller
  14. als je zuvor. Der Mensch brauchte Zeit, um sich mit diesen Verhältnissen abzufinden.
  15. Deswegen ist ein beliebtes Thema des Expressionismus die Großstadt mit ihrer Reizüberflutung.
  16. Ein anderes Thema dieser Epoche war der erste Weltkrieg, der von vielen Autoren überraschenderweise begrüßt wurde.
  17. Während man heutzutage mit dem Krieg Zerstörung und Leid assoziiert, dachten die Expressionisten, dass dieser Krieg
  18. eine letzte Reinigung und den Anfang einer neuen Welt darstellt. Diese Vorstellungen bzw. Antizipationen
  19. besaßen einen fast schon religiösen Charakter. Die, die überlebten, sollten durch
  20. leidhafte Fronterfahrungen oder durch die qualvollen Tode ihrer Freunde bitter enttäuscht werden.
  21. Sowohl euphorische Kriegsbegeisterung als auch entrüstete Kriegsablehnung sind deshalb ein weiteres immer wieder
  22. aufkommendes Thema. Wie bei der Malerei auch, spielen in der Literatur dieser Epoche auf formaler
  23. Ebene Farben eine große Rolle. Besonders in der Lyrik werden Farben immer wieder erwähnt und erhalten eine
  24. größere Symbolbedeutung. Ein Beispiel dafür ist das Gedicht "Der Gott der Stadt" von Georg Heym.
  25. In diesem findet die Farbe Schwarz in zahlreichen Kontexten Verwendung und deutet auf die Industrialisierung und
  26. den Dreck hin. Um die Irrungen und Wirrungen der Zeit besser zu veranschaulichen, schrieben
  27. die Expressionisten ohne Form. So entstanden Gedichte ohne Reime, ohne Strophenform, mit schwerverständlichen
  28. Satzkonstrukten und fragmentarischen Strukturen. Das Stationendrama findet ebenfalls
  29. immer mehr Verwendung. Dort stehen nämlich nicht die Handlung mit einem Protagonisten im Vordergrund, sondern
  30. die Szenerie und die damit verbundenen Konflikte. Anknüpfend an den Naturalismus findet
  31. sich bei dem Expressionismus ebenfalls die Integration des Hässlichen und Grotesken.
  32. Hinzu kommen aber noch das fantastischer Elemente und Pathologie. Pathologie weist in diesem Fall nicht
  33. auf den Beruf des Leichenbeschauers hin, sondern deutet auf Krankheiten im Allgemeinen hin.
  34. Expressionisten scheuen sich nicht davor, über Protagonisten mit psychischen Krankheiten zu schreiben und
  35. diese zu stilisieren. Krank war nämlich das Alte, gesund war die Jugend.
  36. Die Expressionisten brechen mit alten literarischen Strömungen und wollen fast schon übereifrig eine neue, bessere Welt
  37. erschaffen. Beliebtes Klischee war das der Alten, die im Materialismus schwelgten, Ordnung
  38. forcierten und Menschen als Masse betrachteten. Dagegen standen die jungen
  39. Expressionisten, die das Individuum zurückholten und von einer Gemeinschaft sprachen, nicht von einer Masse.
  40. Nun lässt sich ziemlich einfach von den Alten reden, aber ohne eine klare Vorstellung davon, lässt sich die
  41. Abneigung dagegen nur sehr schwer nachvollziehen. Was haben die Expressionisten denn so
  42. gehasst? Schau dir dafür dieses Bild an. Dieses Bild gibt ganz gut wieder, wie
  43. der künstlerische Mainstream aussah. Realistisch, symmetrisch und vor allem eins: Im Vordergrund steht die obere
  44. Schicht. Schönheit war ein Stil, der vornehmlich zur Verschleierung des Schlechten
  45. genutzt wurde. Er stellte privilegierte Personen in den Vordergrund und kümmerte sich nicht um
  46. die Realität einfacher Leute. Gegen dieses Ideal arbeiteten die Avantgardisten, zu denen die
  47. Expressionisten gehörten. Diese Strömung ist bekannt als der Wilhelminismus,
  48. der den Mainstream der damaligen Zeit widerspiegelt. In der Literatur sah das ähnlich aus.
  49. Dort herrschte auch ein hohes Schönheitsideal. Alles musste geordnete Strophen haben und mit konsistenter
  50. Metrik geschrieben sein. Beliebtes Thema der damaligen Romane waren der Krieg und der damit verbundene
  51. Patriotismus. Fassen wir noch mal kurz zusammen. Die expressionistischen Autoren waren
  52. gegen die Degradierung des Menschen als Arbeitskraft, gegen die alte bürgerliche Schicht und gegen den Verlust von
  53. Emotion und Leidenschaft. Alles Festgesetzte wurde deshalb aufgesprengt, alle Formen wurden neu
  54. erfunden und immer wieder stand die Selbstreflektion im Vordergrund. Die Epoche des Expressionismus ist
  55. gleichzeitig die Zeit des Aufbruchs und die Zeit von nüchternen Feststellungen. Einige der typischen Werke kennst du
  56. vielleicht, z.B. Professor Unrat von Heinrich Mann oder Die Verwandlung von Franz Kafka oder
  57. auch Masse Mensch von Ernst Toller. In der nächsten Folge unserer Epochenserie sehen wir uns die Neue
  58. Sachlichkeit genauer an. Mehr Videos gibt es natürlich in unserer Playlist, einfach hier tippen. Also, abonniere uns
  59. gerne und teile das Video an deine Freunde. In dem Sinne, bis bald. Mach's gut und ciao.

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