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Expressionismus - Literaturepoche einfach erklärt - Merkmale, Literatur, Geschichte, Vertreter
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 59 Zeilen
- Stell dir vor, dass du deine Gefühle in Farben ausdrücken kannst. Das klingt nicht nur super spannend,
- sondern führt uns auch in die Epoche des Expressionismus. Ursprung, Definition, historischer
- Kontext, Merkmale und die wichtigsten Werke, sowie deren Autoren, lernst du in diesem Video kennen. Also, spannende
- Minuten und ab geht's. Anfangs dachte noch niemand an expressionistische Literatur, die etwa
- zwischen 1905 und 1925 vorherrschte. Der Begriff Expressionismus stand nämlich in Verbindung zur französischen
- Malerei. Expressionismus kommt vom Lateinischen "Expressio" für Ausdruck.
- Was bedeutete das aber konkret? Die Maler dieser Strömung benutzten die Farbe frei als Ausdruck ihrer Gefühle.
- Dazu ein einfaches Beispiel. Wäre ein Expressionist traurig gewesen und hätte einen Baum malen wollen, so
- hätte er diesen in blau gemalt. Kurt Hiller, ein bekannter Autor dieser Zeit, benutzte den Begriff, um die neue
- Generation an Autoren zu beschreiben. Wirklich festgelegt als eine Epoche wurde der Expressionismus aber zuerst
- während des Ersten Weltkriegs. Wie die vorangegangenen Epochen auch, beschäftigt sich der Expressionismus mit
- den Auswirkungen der Industrialisierung. Nur ist es hier bereits fortgeschrittener, denn die Städte sind
- voll, die Infrastrukturen aufgebaut, Werbetafeln aufgestellt und auch die Kommunikation geht plötzlich schneller
- als je zuvor. Der Mensch brauchte Zeit, um sich mit diesen Verhältnissen abzufinden.
- Deswegen ist ein beliebtes Thema des Expressionismus die Großstadt mit ihrer Reizüberflutung.
- Ein anderes Thema dieser Epoche war der erste Weltkrieg, der von vielen Autoren überraschenderweise begrüßt wurde.
- Während man heutzutage mit dem Krieg Zerstörung und Leid assoziiert, dachten die Expressionisten, dass dieser Krieg
- eine letzte Reinigung und den Anfang einer neuen Welt darstellt. Diese Vorstellungen bzw. Antizipationen
- besaßen einen fast schon religiösen Charakter. Die, die überlebten, sollten durch
- leidhafte Fronterfahrungen oder durch die qualvollen Tode ihrer Freunde bitter enttäuscht werden.
- Sowohl euphorische Kriegsbegeisterung als auch entrüstete Kriegsablehnung sind deshalb ein weiteres immer wieder
- aufkommendes Thema. Wie bei der Malerei auch, spielen in der Literatur dieser Epoche auf formaler
- Ebene Farben eine große Rolle. Besonders in der Lyrik werden Farben immer wieder erwähnt und erhalten eine
- größere Symbolbedeutung. Ein Beispiel dafür ist das Gedicht "Der Gott der Stadt" von Georg Heym.
- In diesem findet die Farbe Schwarz in zahlreichen Kontexten Verwendung und deutet auf die Industrialisierung und
- den Dreck hin. Um die Irrungen und Wirrungen der Zeit besser zu veranschaulichen, schrieben
- die Expressionisten ohne Form. So entstanden Gedichte ohne Reime, ohne Strophenform, mit schwerverständlichen
- Satzkonstrukten und fragmentarischen Strukturen. Das Stationendrama findet ebenfalls
- immer mehr Verwendung. Dort stehen nämlich nicht die Handlung mit einem Protagonisten im Vordergrund, sondern
- die Szenerie und die damit verbundenen Konflikte. Anknüpfend an den Naturalismus findet
- sich bei dem Expressionismus ebenfalls die Integration des Hässlichen und Grotesken.
- Hinzu kommen aber noch das fantastischer Elemente und Pathologie. Pathologie weist in diesem Fall nicht
- auf den Beruf des Leichenbeschauers hin, sondern deutet auf Krankheiten im Allgemeinen hin.
- Expressionisten scheuen sich nicht davor, über Protagonisten mit psychischen Krankheiten zu schreiben und
- diese zu stilisieren. Krank war nämlich das Alte, gesund war die Jugend.
- Die Expressionisten brechen mit alten literarischen Strömungen und wollen fast schon übereifrig eine neue, bessere Welt
- erschaffen. Beliebtes Klischee war das der Alten, die im Materialismus schwelgten, Ordnung
- forcierten und Menschen als Masse betrachteten. Dagegen standen die jungen
- Expressionisten, die das Individuum zurückholten und von einer Gemeinschaft sprachen, nicht von einer Masse.
- Nun lässt sich ziemlich einfach von den Alten reden, aber ohne eine klare Vorstellung davon, lässt sich die
- Abneigung dagegen nur sehr schwer nachvollziehen. Was haben die Expressionisten denn so
- gehasst? Schau dir dafür dieses Bild an. Dieses Bild gibt ganz gut wieder, wie
- der künstlerische Mainstream aussah. Realistisch, symmetrisch und vor allem eins: Im Vordergrund steht die obere
- Schicht. Schönheit war ein Stil, der vornehmlich zur Verschleierung des Schlechten
- genutzt wurde. Er stellte privilegierte Personen in den Vordergrund und kümmerte sich nicht um
- die Realität einfacher Leute. Gegen dieses Ideal arbeiteten die Avantgardisten, zu denen die
- Expressionisten gehörten. Diese Strömung ist bekannt als der Wilhelminismus,
- der den Mainstream der damaligen Zeit widerspiegelt. In der Literatur sah das ähnlich aus.
- Dort herrschte auch ein hohes Schönheitsideal. Alles musste geordnete Strophen haben und mit konsistenter
- Metrik geschrieben sein. Beliebtes Thema der damaligen Romane waren der Krieg und der damit verbundene
- Patriotismus. Fassen wir noch mal kurz zusammen. Die expressionistischen Autoren waren
- gegen die Degradierung des Menschen als Arbeitskraft, gegen die alte bürgerliche Schicht und gegen den Verlust von
- Emotion und Leidenschaft. Alles Festgesetzte wurde deshalb aufgesprengt, alle Formen wurden neu
- erfunden und immer wieder stand die Selbstreflektion im Vordergrund. Die Epoche des Expressionismus ist
- gleichzeitig die Zeit des Aufbruchs und die Zeit von nüchternen Feststellungen. Einige der typischen Werke kennst du
- vielleicht, z.B. Professor Unrat von Heinrich Mann oder Die Verwandlung von Franz Kafka oder
- auch Masse Mensch von Ernst Toller. In der nächsten Folge unserer Epochenserie sehen wir uns die Neue
- Sachlichkeit genauer an. Mehr Videos gibt es natürlich in unserer Playlist, einfach hier tippen. Also, abonniere uns
- gerne und teile das Video an deine Freunde. In dem Sinne, bis bald. Mach's gut und ciao.
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