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Dependenztheorie vs Modernisierungstheorie | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 6:24 310 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 46 Zeilen
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  1. Hey, hast du dich eigentlich schon mal gefragt, warum manche Länder scheinbar im Geld schwimmen, während andere Armut rauskommen? Das ist echt eine der
  2. größten und kniffligsten Fragen überhaupt. Lass uns da heute mal ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Im Grunde prallen da zwei komplett
  3. gegensätzliche Welten aufeinander. Die einen sagen: "Klarer Fall, die reichen Länder sind schuld, die beuten die Armen systematisch aus und die anderen halten
  4. dagegen und sagen: "Moment mal, jedes Land hat sein Schicksal selbst in der Hand. Wir schauen uns jetzt mal beide Seiten ganz genau an. Fangen wir mal mit
  5. der ersten Sichtweise an, der sogenannten Dependenztheorie. Der Name klingt kompliziert, aber die Grundidee ist eigentlich ganz einfach.
  6. Die Ursachen für die Armut, die liegen gar nicht im Land selbst, sondern außerhalb. Die Schuld liegt also bei den anderen. Und das ist der Kernpunkt der
  7. Dependenztheorie. Sie sagt im Klartext: "Entwicklungsländer sind nicht arm, weil sie unfähig sind oder etwas falsch machen. Nein, sie sind arm, weil sie in
  8. einem globalen Wirtschaftssystem gefangen sind, das sie ganz bewusst und systematisch von den reichen Industriestaaten abhängig macht." Puh,
  9. das ist schon eine ziemlich krasse Aussage, oder? Okay, aber woher soll diese Abhängigkeit kommen? Also, die Theorie nennte ein paar ganz konkrete
  10. Punkte. Alleman, die koloniale Vergangenheit. Viele Länder waren ja mal Kolonien und diese alten Machtverhältnisse, die wirken bis heute
  11. nach. Dann kommt noch die enorme Macht von internationalen Konzernen dazu und Handelsbedingungen, die na ja, alles andere als fair sind. So werden die
  12. Länder in eine bestimmte Rolle gedrängt. Sie liefern die billigen Rohstoffe und die billigen Arbeitskräfte, aber der große Gewinn wird woanders gemacht. So
  13. und was ist der Ausweg aus diesem Dilemma? Achtung, die Lösung ist ziemlich radikal. Kompletter Abkopplung. Der Gedanke ist sich ganz bewusst vom
  14. Weltmarkt zu verabschieden. Das Fachwort dafür ist Dissoziation. Statt für den Export zu schuften, soll das Land eine eigene unabhängige
  15. Wirtschaft aufbauen, die sich erstmal nur um die Menschen im eigenen Land kümmert. Also eine Entwicklung von innen heraus, statt von außen aufgezwungen.
  16. Das klingt ja in der Theorie erstmal ganz schlüssig, oder? Aber jetzt kommt natürlich die entscheidende Frage. Funktioniert sowas in unserer vernetzten
  17. Welt überhaupt? Kann sich ein Land heute einfach so ausklinken und sein eigenes Süppchen kochen? Tja, und da wird's schwierig, denn es gibt einige massive
  18. Kritikpunkte. Z.B. waren gar nicht alle armen Länder mal Kolonien. Thailand ist so ein Fall und umgekehrt sind ehemalige Kolonien wie Australien heute
  19. steinreich. Das passt also nicht so richtig zusammen. Außerdem ist eine totale Abkopplung heute praktisch unmöglich. Und selbst wenn, löst das
  20. nicht automatisch den Teufelskreis im Inneren, wo Armut wieder zu Armut führt. Okay. Und jetzt machen wir eine 180° Wände. Wir wechseln die Perspektive
  21. komplett und schauen uns Theorie Nummer 2 an, die Modernisierungstheorie. Und wie der Titel schon sagt, geht es hier vor allem um die eigene
  22. Verantwortung. Der Kerngedanke hier ist genau das Gegenteil. Unterentwicklung ist Hausgemacht. Die Ursachen liegen also im Land selbst in veralteten
  23. Traditionen, in überholten Strukturen und Denkweisen, die den Fortschritt einfach ausbremsen. Man ist also hart gesagt selbst schuld, weil man den
  24. Sprung in die moderne Welt nicht geschafft hat. Und was sind das für Bremsklötze? Na ja, laut der Theorie ist es oft das starre Festhalten an alten
  25. Traditionen, aber dann auch ganz handfeste Sachen, zu wenig Bildung, fehlendes Wissen und natürlich eine miese Infrastruktur. Ist ja klar, ohne
  26. gute Straßen, ohne Strom, ohne schnelles Internet, da kann sich keine moderne Wirtschaft entwickeln. Die Strategie ist also, du ahnst es schon, das exakte
  27. Gegenteil von Abkopplung. Hier heißt es öffnen und zwar so weit wie möglich. Man soll den Weg der westlichen Industriestaaten quasi kopieren. Das
  28. nennt man nachholende Entwicklung. Also Hilfe von außen annehmen, Wissen importieren, massiv in Bildung und Infrastruktur pumpen und dann eine
  29. starke Exportindustrie aufbauen. Klingt ja auch wieder ziemlich logisch, oder? Einfach das Erfolgsrezept der Reichen kopieren. Aber und du ahnst es
  30. wahrscheinlich schon, auch hier stellt sich die kritische Frage, wenn ein Land moderner wird, heißt das automatisch, dass es auch wirklich allen Menschen
  31. besser geht? Die Realität zeigt leider oft ein anderes Bild. Ein Riesenproblem ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich innerhalb des Landes oft noch viel
  32. viel größer wird. Eine kleine Elite wird unfassbar reich, aber bei der breiten Masse kommt davon nichts an. Außerdem kann man westliche Modelle nicht einfach
  33. eins zu eins auf jede Kultur übertragen. Und am Ende bleibt die Frage, ist die Hilfe der Industriestaaten wirklich so selbstlos oder wollen sie sich am Ende
  34. nur neue Märkte und billige Arbeitskräfte sichern? So. Jetzt haben wir diese beiden Lager kennengelernt, die ja wirklich nicht unterschiedlicher
  35. sein könnten. Zeit für den direkten Vergleich. Lass uns die beiden mal in den Ring schicken und schauen, wo die Knackpunkte liegen. Hier sehen wir es
  36. schwarz auf weiß. Bei der Schuldfrage zeigt die Dependenztheorie mit dem Finger nach außen auf die reichen Länder. Die Modernisierungstheorie sagt:
  37. "Schaut mal bei euch selbst, die Probleme sind intern." Der Weg einmal totale Isolation und auf sich allein gestellt sein. Das andere Mal volle
  38. Öffnung und das westliche Vorbild kopieren. Und die Beispiele zeigen, wie diese Theorien genutzt werden. Mit der Dependenztheorie lassen sich auf die
  39. Probleme in Lateinamerika erklären, während Südkorea als das absolute Paradebeispiel für eine erfolgreiche Modernisierung gilt. Puh. Okay, zwei
  40. Theorien, zwei komplett verschiedene Welten. Was machen wir jetzt damit? Wer hat denn nun recht? Das ist hier die große Frage und hier kommt der
  41. vielleicht wichtigste Punkt von allen. In der echten Welt hat keine der beiden Theorien die alleinige einfache Antwort parat. Die Wahrheit ist wie so oft
  42. irgendwo in der Mitte und viel viel komplizierter. Natürlich spielen äußere Abhängigkeiten eine Rolle, aber genauso tun es hausgemachte Probleme. Meistens
  43. ist es eine Mischung aus beidem. Und genau mit diesem Gedanken möchte ich dich jetzt mal losschicken. Achte doch mal drauf, wenn du das nächste Mal
  44. Nachrichten schaust oder einen Artikel liest, wenn es um Entwicklungshilfe geht, um Handelsverträge oder globale Armut. Versuch mal zu überlegen, welche
  45. dieser beiden Denkweisen da gerade durchscheint. Welche Argumente klingen nach, die sind doch selbst schuld und welche nach das System ist unfair. Das
  46. ist nämlich der Schlüssel, um diese globalen Zusammenhänge wirklich ein bisschen besser zu verstehen.

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