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November-Pogrome 1938: Wie wurden aus Nachbarn Todfeinde?
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 23 Zeilen
- Deutschland im Herbst – November 1938. Synagogen werden gebrandschatzt, jüdische Geschäfte demoliert, Mitbürger verfolgt, erniedrigt - und aus dem Land getrieben, das ihre Heimat war - bis dahin.
- "Alles hat sich geändert nach dem Tag. Der 9. November war für alle Juden in Deutschland war das das Ende des Lebens." Woher kommt dieser Hass? ...im Novemberpogrom 1938. Wieso trifft er Juden?
- "Die SA-Leute, das waren zwei, die ich kannte. Das waren praktisch Nachbarn von uns. " Zum jüdischen Glauben bekennen sich damals etwa 400.000, ein halbes Prozent der Deutschen, zu denen seit 1938 auch Österreicher und Sudetendeutsche zählen.
- Die meisten Juden leben in Großstädten wie Berlin, Breslau oder Wien. Nach Jahrhunderten der Unterdrückung scheinen sie mit dem 20. Jahrhundert inmitten der deutschen Gesellschaft angekommen.
- Sie haben Kultur und Wissenschaft ihres Heimatlandes mitgeprägt. Nun wird ihnen erstmals vollkommene Gleichberechtigung zuteil. "Erkennbar war die jüdische Minderheit in Deutschland kaum. Viele Juden waren assimiliert, fühlten sich auch nicht unbedingt als Juden, sondern als deutsche Staatsbürger."
- Erst der 1933 verstaatlichte Judenhass erklärt die angestammten Mitbürger zu Feinden. "Der Antisemitismus hat in Deutschland eine lange Tradition, war auch religiös begründet und legitimiert.
- Er hat sich Ende des 19. Jahrhunderts dann auch verändert, das war der sogenannte Rassenantisemitismus. Letztlich sollte nachgewiesen werden, dass sich Juden eben unterscheiden im Blut in Anführungszeichen und dass sie eine Weltverschwörung betreiben gegen die nicht-jüdische Bevölkerung."
- So mischen sich uralte Vorurteile mit Neid gegenüber den in Beruf und Bildung oft erfolgreicheren Konkurrenten jüdischer Herkunft. "Es war für die Nationalsozialisten dann ganz einfach, die Ängste in der Bevölkerung gegen die Juden zu wenden,
- die eben verantwortlich gemacht worden sind für die Umbrüche, für die Nöte, die mit der Industrialisierung eingezogen sind. Zum Beispiel war es einfach, den Ladenbesitzern Angst vor den Warenhäusern, die in der Regel in jüdischer Hand waren, zu machen."
- Juden gelten als Sündenböcke, überall wo Unzufriedenheit herrscht. Schritt für Schritt werden sie aus Berufen, Vereinen, Schulen, schließlich aus der Wirtschaft gedrängt, ihre Geschäfte gezielt boykottiert.
- Im Oktober ‘38 beginnt Hitlers Regime mit der Abschiebung, zunächst von 17.000 Juden polnischer Herkunft. Da auch Polen sie anfangs nicht aufnimmt, sitzen sie im Grenzgebiet fest - darunter auch die Familie eines jüdischen Emigranten in Paris, Herschel Grynszpan.
- Mit seinem Attentat auf einen deutschen Diplomaten will der 17jährige auf das Schicksal seiner Angehörigen aufmerksam machen. Doch die Propaganda verfälscht die einsame Verzweiflungstat wirkungsvoll zum Angriff einer angeblichen „jüdischen Weltverschwörung“.
- "Man kann davon ausgehen, dass die Nationalsozialisten dieses Attentat als ganz willkommenen Anlass genommen haben, um diesen Krieg gegen die Juden – etwas anderes war es ja nicht – letztlich zu entfesseln."
- Im Alten Rathaus in München, wo die Parteiführung alljährlich am 9. November Hitlers Putschversuch von 1923 feiert, schlachtet Propagandachef Goebbels den Vorwand geschickt aus. Seine Hetzrede wird von den versammelten Befehlshabern als Wink verstanden, landesweit einen sogenannten "Rachefeldzug" in Szene zu setzen.
- Sturmtrupps der Partei zünden jüdische Gotteshäuser an. Die Feuerwehr darf nur die Nachbargebäude schützen. Die Pogromwelle gegen die jüdische Minderheit wird vielerorts von einer volksfestartigen Stimmung begleitet.
- Wieso erhebt niemand vernehmbar Einspruch? "Gleichgültigkeit war kennzeichnend für die Haltung der Mehrheit der deutschen Bevölkerung.
- Das kann man sicherlich auch erklären mit einer Art Gewöhnung an die nationalsozialistische Agitation und auch damit nachvollziehen, dass die Ausgrenzung der Juden, die soziale, die berufliche Ausgrenzung der Juden, ja relativ schnell vollzogen gewesen ist."
- Kaum eine jüdische Gemeinde bleibt verschont. Über 1400 verwüstete Synagogen, tätliche Angriffe, Vergewaltigungen, etwa 400 Todesfälle, mehr als 7500 zerstörte und geplünderte Geschäfte sind die Bilanz. 37 00:05:49,000 --> 00:05:53,000 Täter und Mitläufer stammen meist aus der Mitte der Gesellschaft.
- "Wie Sie und ich. So Leute waren das. Die haben dann mitgemacht. Die haben, waren Parteigenossen, haben Braunhemden angezogen. Es waren Menschen, die vorher normale Berufe nachgegangen sind."
- Andere nutzen die Chance, sich an jüdischem Eigentum zu bereichern – weithin unbehelligt. "Es gab von Seiten des Staates sozusagen die Erlaubnis zu hemmungsloser Gewalt, das klare Signal, dass es gewünscht sei, gegen jüdische Nachbarn, Händler, vorzugehen.
- Also sozusagen die Gelegenheit die war nun da, und wenn man immer schon neidisch war auf den Besitz von Juden, auf den Erfolg von jüdischen Geschäftsleuten, auf Konkurrenten womöglich – dann war jetzt die Gelegenheit gegeben, zuzuschlagen."
- So steckt hinter den Pogromen auch eine durchaus berechnende Raub- und Umverteilungsaktion - hier wird jüdischer Besitz für eine Auktion begutachtet. Auch durch Erzwingungshaft im Lager noch im November ’38 wird den deutschen Juden systematisch ihr Vermögen abgepresst.
- Um sie anschließend aus dem Land zu jagen, unter großen Schikanen. Wenig später ist auch dieser Ausweg versperrt. Die letzte Reise führt in den geplanten Tod.
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