7 Tage... Leben im Kloster | SWR Doku SWR Doku https://www.youtube.com/watch?v=UmZ7WRwlLYw Transkript (automatisch erstellt) 0:00 . Das bin ich, Sara. 0:04 (Türsummer) Hallo. - Guten Morgen, herzlich willkommen. 0:11 Sieben Tage ziehe ich ins Kloster, zu Ordensschwestern. Für mich eine völlig fremde Welt. 0:16 Danke fürs Aufnehmen. - Gerne. Sollen wir einen Rundgang machen, bevor wir ins Noviziat gehen? 0:22 Ja. - Ja, ist vielleicht ganz gut. Das ist Schwester Ursula. 0:26 Sie ist die nächsten Tage meine Ansprechpartnerin für alle Fragen. Davon werde ich bestimmt viele haben. 0:32 Die Tafel ist ganz wichtig, da steht so das Tagesprogramm drauf., was los ist. 0:37 Laudes ist dann... - Das ist das Morgengebet, die Messe, Frühstück, Mittagsgebet, Mittagessen. Damit steigen wir gleich ein. - Aha. 0:45 Mittagessen, dann Rosenkranz, Vesper, Tisch. Auf den Fluren reden wir nicht, 0:50 also, nur in den Fensternischen und am Telefon reden wir. - Ach so. Und generell, wenn es nicht notwendig ist, zu sprechen, 0:57 wird hier nicht gesprochen. Und hier aber ist so ein Raum, wo man reden kann. 1:01 Das Schweigen soll die Grundlage unseres Lebens sein und nicht das Reden. 1:06 Das Reden ist die Ausnahme. Merkt man vielleicht grad nicht. Hm, die Grundlage meines Lebens ist eher das Reden. 1:14 Ich bin jetzt echt gespannt, was das so mit Ihnen macht, die Zeit. Eben nichts Schlechtes. - Nee, also, im Gegenteil wahrscheinlich. 1:24 Sieben Tage werde ich im Kloster Arenberg unter Dominikanerinnen leben. 1:28 Ich bin nicht getauft, christliche Rituale sind mir fremd. Und wie ich es überhaupt mit dem Glauben an einen Gott halte, 1:35 habe ich immer offengelassen. Aber je älter ich werde, desto mehr beschäftigt mich diese Frage. 1:41 (Melancholische Musik) ♪ Oh Gott, komm mir zu Hilfe. 1:48 (alle:) ♪ Herr, eile mir zu helfen. ♪ Ehre sei dem Vater und dem Sohn. 1:59 Ich habe mir vorgenommen, alles mitzumachen. Das bedeutet vor allem: beten. 2:03 Morgens, mittags, abends, zu festen Zeiten. ♪ Die Weisung des Herrn ist vollkommen. 2:09 ♪ Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist. (alle:) ♪ Behüte deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen. 2:20 ♪ Singet, lobt und preist. Der Tag ist durch die Stundengebete völlig durchgetaktet. 2:28 Schon das würde mich eher nerven. Ich sehe mein erstes Vorurteil bestätigt: 2:32 Das Leben im Kloster ist unfrei. Aber dieser Gedanke ist eigentlich anmaßend, 2:37 ich bin ja gerade eine Stunde hier. (Sie unterhalten sich.) 2:41 Du bist zur Probe? Kloster auf Zeit, so wie du. Oder Sie. - Ach so. Du, oder? 2:46 Sollen wir "du" oder "Sie" sagen? - Sehr gerne "du". Ja? Super! Gerne. - Super. Sehr schön. 2:52 Ich muss dich nach deinem Namen fragen. - Sara. Janina, ne? - Genau. 2:57 (Sie unterhalten sich.) Wir sitzen am sogenannten Noviziatstisch. 3:03 Das ist der Tisch für die Neulinge, also für Frauen, die sich fürs Ordensleben interessieren 3:08 oder sogar planen einzutreten. Viel Besuch bekommen die Dominikanerinnen 3:12 allerdings nicht von jungen Frauen. (Melancholische Musik) 3:20 (Sie unterhalten sich.) Die Schwestern Ursula, Christa, Anna, Monika sind für Neulinge 3:26 oder Interessentinnen wie Janina und mich feste Ansprechpartnerinnen. Ihr trefft euch regelmäßig jeden Tag? 3:33 Montag, Dienstag und Donnerstag. - Okay. Und dann wird was besprochen? 3:39 Nichts. Gequatscht ― über Gott und die Welt. Ist das eigentlich wie so eine Familie hier? 3:45 Ja. Mit Schwiegermüttern. Kann man vergleichen. 3:53 Es sind nicht diese Bande, aber trotzdem haben wir große Fürsorge füreinander. 3:58 Wir suchen uns nicht aus, das ist auch wie Familie. Deshalb sind wir Schwestern und nicht per se Freundinnen. 4:04 Das gibt es auch. Das Nichtaussuchen ist schon eine Herausforderung. 4:08 Wie in jeder Familie. Wann ist man denn passend? 4:12 Also, wann ist man ... Wer Kloster auf Zeit macht wie Janina, 4:16 ist ja schon ein echtes Interesse da. Ich kann mir vorstellen, dass diese Lebensform zu mir passt. 4:23 Und dann ist es ja, wie ein ... gegenseitiges Schauen. Was findest du daran reizvoll? 4:31 Also ... - Schwer zu sagen wahrscheinlich. Hm ... so das Ganze eigentlich. 4:36 Die Kombination aus mehreren Aspekten. Gut, ich finde es immer sinnvoll, 4:41 wenn man als Mensch nicht alleine lebt, sondern mit anderen Menschen. Andere heiraten. 4:47 Könnte man auch machen. Wenn man sich auf eine Person konzentrieren wollte, 4:51 dann könnte man das machen. Das wäre mir aber zu ... Zu eng. - Mhm. 4:57 Also eine Ehe wäre zu ... Ja, gut, das könnte ich auch machen. 5:02 Aber irgendwie ist der Platz schon vergeben. - Ja. Fühlst du das so richtig? - Ja, doch. 5:08 Schon. Cool. - Schauen wir mal. 5:12 Schwester Ursula war übrigens mal Apothekerin, hat sogar promoviert. 5:17 Seit 2006 lebt sie hier im Kloster. Deine Mutter, die fand das nicht so toll? 5:23 Ja, weil wir uns so gut verstanden haben. Ich habe früher in der Apotheke mit meiner Schwester gearbeitet. 5:29 wir verstanden uns super. Was ist das denn, was das Kloster mehr kann als wir? 5:34 So, und ... - Was hast du da geantwortet? Das wusste ich nicht. 5:38 Das wollte ich aber rausfinden. Das war für mich genau der Punkt. Als ich eintrat, war das die offene Frage. 5:44 Da dachte ich: Ist es richtig, hier zu sein? Bringt dein Leben hier am meisten Frucht? 5:49 Am Nachmittag die nächste Gebetszeit: der Rosenkranz. Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, 5:58 der Herr ist mit dir. Der Rosenkranz ist Beten im Kreis. 6:02 Fünf Vaterunser und 50 Ave Maria. Und damit man nicht durcheinander kommt, hat man diese Perlenkette. 6:09 (Sie beten.) Durch das ständige Wiederholen 6:14 komme ich überraschenderweise in eine Art innere Ruhe. Das ist ja wie eine gesprochene Meditation, eine Art Mantra. 6:21 Still werden, Ruhe finden - damit kann ich etwas anfangen. (betend:) Und gebenedeit die Frucht deines Leibes, Jesus. 6:32 (Sie beten.) (Melancholische Musik) 6:41 Das Durchschnittsalter der Schwestern liegt hier im Mutterhaus bei 81 Jahren. 6:46 Schwester Ursula ist mit ihren 44 die jüngste. Wir sind im gleichen Alter, und unser Leben, so denke ich, 6:53 kann unterschiedlicher nicht sein. Warst du mal verliebt? - Ja, auch. 6:59 (lachend:) Ja, doch. Also, es war jetzt nicht der, wo ich gleich gesagt hätte, 7:03 den heirate ich auf jeden Fall. Ordentlich verliebt war ich schon. Diese Gefühle kenne ich gut. 7:09 Aber es ist mir in meinem jetzigen Leben nicht fremd. Es gibt halt Momente, 7:13 wo ich total hingerissen bin und überwältigt bin und ... Das finde ich, hat sehr ähnliche Qualitäten, 7:19 wie wenn es auf einen Menschen gerichtet ist. Und ich finde auch so Kontrollverlust, 7:24 also, auch das ist irgendwie so schön, dieses ... Du gibst ein Stück von dir ab. - Ja. 7:29 Das finde ich so faszinierend. Das ist für mich auch Liebe. 7:32 Ich mache mich verletzlich, ich gebe ein Stück von mir. Das finde ich was ganz Heiliges. 7:37 Das ist wirklich was, das mich total ... Das ist interessant. Da hätte ich gedacht, dass das gar nicht so ... 7:43 dass man diese Kontrolle gar nicht so verlieren will. Nee, im Gegenteil. - Ja. 7:49 Ich finde, unsere Lebensform ist totaler Kontrollverlust. Also, total! Weil im Grunde geben wir ja alles aus der Hand. 7:57 Also, im Grunde ist einerseits sich ergreifen zu lassen ein Kontrollverlust, du gibst aus der Hand, wo wohne ich, 8:04 du gibst aus der Hand, wie lebe ich, in welcher Gemeinschaft lebe ich? Du gibst aus der Hand, wie sieht es in 20 Jahre aus. So. 8:11 Du kannst im anderen Leben, sage ich mal, viel mehr bewusst gestalten. Du kannst sagen: Okay, ich bin 30, jetzt kriege ich Kinder. 8:18 Das ist bei uns gar nicht. Aber das hat auch mit Verliebtsein zu tun, finde ich, 8:23 aber als ich merkte, ich kann es, wusste ich, ich bin hier richtig. So habe ich das noch nie gesehen. 8:28 Stimmt, eigentlich geben sie alles ab. Sind sie ohne Job, Status, Vermögen 8:34 vielleicht doch die freieren Menschen? Abendessen in der Stille. 8:42 wobei Stille bedeutet, dass wir schweigen, während Ursula etwas vorliest. 8:50 "Zu der ihn sein bisheriges Studium geführt hatte." Ich weiß nicht, worauf ich mich konzentrieren soll, 8:57 auf den Text, das Essen, auf die Menschen um mich herum? Innere Einkehr spüre ich nicht, eher ein Unbehagen, 9:04 mit fremden Menschen zusammen zu sitzen und nicht zu sprechen. Das bin ich nicht gewohnt, sonst stelle ich immer Fragen. 9:11 Damit nerve ich sogar im Freundeskreis. (Sie beten.) 9:17 Vor und nach dem Essen wird auch gebetet. Gott wird ständig angerufen. 9:21 Na ja, ist ja auch ihr Job, die Verbindung nach oben zu halten. (alle:) ♪ Herr, eile mir zur Hilfe. 9:33 Das letzte Stundengebet meines ersten Klostertages. Die Komplet, das Nachtgebet. 9:39 ♪ Herr, du bist ein gnädiger Gott. (Sakraler Gesang) 9:48 Vermutlich habe ich heute netto zweieinhalb Stunden gebetet. So viel wie in meinem ganzen Leben nicht. 9:54 (Im Hintergrund:) Herr, schenke uns eine ruhige Nacht und erholsamen Schlaf. 10:06 6.00 Uhr morgens. Klöster sind gute Orte ... 10:11 für Frühaufsteher. Auf leeren Magen: die Laudes, das Morgengebet. 10:25 ♪ Herr, wecke meine Lippen. (alle:) Damit mein Mund dein Lob verkünde. 10:33 Und mit Lob wird bei der Laudes nicht gespart. Gott zu loben, ihm zu jubeln, zu jauchzen, ihn richtig anzuhimmeln, 10:40 darum drehen sich die Texte des Morgengebets. Nicht nur wegen der frühen Stunde kommt mir das schwer über die Lippen. 10:48 Warum braucht Gott die Bestätigung, dass er groß ist - und ich klein? (Sakraler Gesang) 10:56 ♪ Ehre dem Vater. ♪ Ehre dem Sohn. 11:02 ♪ Ehre dem Heiligen Geist. Frühstück in kleiner Runde im Noviziat. 11:08 Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes 11:14 komme auf uns herab und bleibe bei uns alle Zeit. 6.00 Uhr aufstehen find ich ja fies, 11:19 aber die Schwestern sind schon viel länger auf den Beinen. Wir mögen das so früh, wir sind so bekloppt. 11:26 Wann steht ihr denn auf? Um 4.00? Ja, auf jeden Fall. - Spätestens. 11:31 Nee, wirklich! - Ernsthaft. Ich habe auch für euch schon gebetet heute Morgen 11:37 und habe schon Kerzchen angemacht. Also, ich kriege am Tag nicht die Zeit für mich zum Beten. 11:45 Die brauche ich, und die bedeutet mir auch was. Und die Gebete dann ... also, beim Vesper und ... 11:52 Die kommen dazu. - Ach so., Das eine ist privat, Meditation, Schriftlesung. 11:59 Guten Morgen, liebe Christa. - Christa, geh bitte da ... Wie viele Gebete machst du denn am Tag? 12:08 Ach so ... Ganz schön viele, oder? 12:12 Muss keiner wissen, mach ich für mich alleine. Ich stehe um 5.00 auf, weil ich auch morgens meine Kontemplation mache. 12:19 Also auch Meditation? Das ist mir sehr wichtig. 12:25 Schmeckt es? - Sehr gut, danke. Bin auch ganz glücklich gerade mit dem Kaffee und so. 12:33 So 'ne Messe auf leeren Magen finde ich schon ... (Sie unterhalten sich.) 12:42 Ich erhoffe mir in dem Kreis Antworten, wie die Schwestern zu Gott gefunden haben. 12:47 Von Schwester Christa etwa, sie ist 90 Jahre alt und mit 25 in den Orden eingetreten. 12:54 Wie so 'ne Eingebung? Oder ... Ich wusste es. - Mhm. 12:59 War klar. - Ja. Da habe ich gemerkt, nichts was man im Leben tut, ist umsonst. - Ja. 13:06 Meinst du? - Ja. Selbst das Negative nicht. - Mhm. 13:12 Hat alles seinen Sinn, meinst du? - Ja. Das ist ein sehr tröstlicher Gedanke. - Ja. 13:18 Doch. Aus dem Negativen, man hat immer die Erfahrung. Mhm, das stimmt. 13:24 Oder man lernt ja vielleicht. - Man lernt ja. Christa war lange als Missionarin und Entwicklungshelferin in Bolivien. 13:36 Und war das eine schöne Zeit für dich in Bolivien? Es war für mich die beste Zeit. - Ja? 13:42 Ich bin erst mit 50 rübergegangen. - Ja. Das war die beste Zeit. 13:47 Wie lang warst du da? - 28 Jahre. Oh, wow. 13:51 Dann hat mich das verrückt gemacht, dass die Leute keine Hoffnung mehr hatten. - Ja. 13:56 Die waren wie ... tot. Die sind vom Land gekommen wegen ihrer Kinder, weil sie arm waren. 14:04 Was sagst du dann solchen Menschen? - Gar nichts. Mhm. - Gar nichts. 14:09 Wie hat sich denn die Rolle der Kirche verändert? Kirche ist ja nicht mehr so wichtig im Alltag der Menschen. 14:15 Ich finde, die Kirche hat sich ... ist befreiter geworden. 14:20 Ja? - Ja, doch. Also, ich war die erste Generation im Kloster, 14:26 wo unsere Novizinnenmeisterin sagte: "Ihr fragt alle immer nur warum." Ja. - Ja. Ich bin '52 eingetreten. 14:36 Die ältere Generation sind deutlich mehr, da kommen ja nicht so viele nach, ist das nicht traurig? 14:42 Nein, hm ... Ich sehe das auch als einen ... 14:52 Prozess. Also, ich lerne immer viel von der Geschichte. Wenn etwas negativ ist, dann gucke ich in die Geschichte. 15:00 Immer in der Geschichte ... wenn ... 15:05 wenn es so stürmische Zeiten gab, dann ging es zurück. 15:11 Auf wenige. - Mhm. Aber wenn diese wenigen wirklich echt leben, 15:18 dann kommt auch neues Leben. - Mhm. Wann ist man denn eine echte Nonne? 15:24 Gut, das ist 'ne Frage. Also, die kann ich nicht beantworten. 15:30 Echte Nonne ... Du bist echt ... 15:34 Du bist immer ein Suchender - Mhm. Ja. - Und wenn du ein Suchender bleibst, 15:42 bist du echt, dann bist du im Grunde immer verbunden Das ist auch etwas ... auf deine Frage heute Morgen: 15:52 Man ist Suchender. - Mhm. Es gibt meiner Ansicht nach keinen Menschen, 15:56 der nicht nach Gott sucht. Meinst du nicht? - Nein. 16:02 Tja, ich habe ihn ja auch lange nicht gesucht. Von Freunden oder Teilen meiner Familie weiß ich, 16:08 dass sie gar nicht erst suchen, weil sie auch nicht erwarten, etwas zu finden 16:13 (Melancholische Musik) Wer wie ich im Noviziat ist, kann im Kräutergarten mitarbeiten. 16:20 Die Mädels hier sind keine Novizinnen, sie machen ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Kloster. 16:27 Also kein Nachwuchs. Anders als Janina. 16:34 Sie ist ein regelmäßiger und gern gesehener Gast bei den Schwestern. Ja, mich fasziniert halt einfach, ja ... 16:43 die Suche nach dem, was das Leben ausmacht, was das Leben schön macht. 16:47 Das habe ich in der Religion gefunden oder in Gott. Wie stellst du dir den vor? Hast du ein Bild? - Nee, hm ... 16:55 Ich habe da mehr ein Gefühl eigentlich. Man merkt manchmal, vielleicht kennst du das, 17:00 wenn du in einem Raum stehst oder du bist alleine, du siehst nichts, und du weißt trotzdem, dass noch jemand da ist. 17:07 Kennst du das? - Ja, kenne ich. Spürst du so eine Präsenz? - Genau. 17:11 Wow. - Ja ... Ist nicht immer so, dass ich sage, okay, 17:15 hier ist der innere Schalter und ich weiß, wenn ich das und das mache, dann fühle ich diese Gegenwart. 17:22 Das ist mehr ein Geschenk eigentlich. - Cool. Diese Suche, dass man schaut, wo kann ich dem begegnen. 17:28 Ja. - Ich glaube ... Wo kann ich dem denn begegnen? 17:31 Ich glaube, am besten in dir selber. Hm. - Ja. 17:34 Das war jetzt wohl nicht die Antwort, die du dir gewünscht hast, Ich glaube, dass Gott einer ist, der begleitet. 17:42 Mhm. - Wenn man zu dem sagt, bitte geh mit, oder gib mir Kraft und unterstütz mich einfach dabei, 17:48 dass das dann schon so ein Mitgehen irgendwie ist. Das ist ... - Macht er das auch mit Ungetauften? 17:54 Definitiv! Genau. Auf jeden Fall. Genauso ein Geschöpf Gottes, genauso geliebt, auf jeden Fall. 18:02 Bin ich fest davon überzeugt. Ich meine ... So weit käm's noch! 18:08 Die Schwestern verkaufen die Kräutertees aus dem eigenen Garten im Klosterladen. 18:14 Wow. Total gut. 18:19 Janina sagt, Gott sei in mir. Diese Vorstellung gefällt mir besser als die, 18:23 dass er mich die ganze Zeit von oben kritisch beurteilt. So! Punktlandung. 18:31 Irgendwie beneide ich Janina, die sich von ihrem Gott geliebt und getragen fühlt. 18:36 (Rascheln) Das finde ich echt abgefahren, dass du da so eine Präsenz spürst. 18:44 Das ist toll, oder? - Auf jeden Fall. Also, ich weiß jetzt nicht, ob ... 18:49 Ich glaube, das ist durchaus für jeden zugänglich. - Ja? Ja, ich weiß nicht. Wo warst du damals mit dem Meditieren? 18:56 Ach so, ja, in Kambodscha. Mhm. Und wie ging's dir da ... - Also, da ... 19:01 Ja, da habe ich auch so abgefahrene Erfahrungen gemacht, dass ich so Energien gefühlt habe. 19:07 Ja, ist doch schon mal schön, oder? Ja, ja. Die Frau hat gesagt ... 19:13 Die macht so ein ... Heilen mit der Energie deines weiß ich nicht. - Ah. Kosmischen Körpers. - Der Körper hat ja Energie. 19:22 Ich habe das natürlich nicht so ganz geglaubt. und dann sagte sie: "Doch, doch, das spürst du." 19:29 Dann machte sie nur so. Dann haben wir beide so gemacht. Und wirklich, ohne Scheiß, ich bin eigentlich nicht so, 19:36 ich habe das gespürt. Ich habe das Ding hin- und hergehen gespürt. Und so Situationen gab's mehrere. 19:42 Dass ich mich durchflutet gefühlt habe von ... Liebe. 19:48 He, da haben wir's doch schon, oder? Sie hatte noch nie eine Gottesbegegnung 19:52 und fühlt sich durchflutet von Liebe. - Ja ... Jetzt weiß ich nicht, da muss man auch ... 19:58 Da muss man ... wie du sagst, da braucht es Raum dafür. Im Alltag finde ich es oft schwierig, 20:05 mich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Meistens bin ich abgelenkt vom Außen: 20:10 Job, Hobbys, Freunde, das nervige Handy, plus alle anderen Medien. Ich habe tatsächlich nie den Raum gefunden in meinem Alltag. 20:17 Vielleicht gab es bislang auch nicht den richtigen Moment? Am Nachmittag bin ich mit Schwester Anna verabredet. 20:26 Sie ist seit 1964 im Orden. Was ist das da? - Das ist ein Kinderlätzchen. 20:33 Ach so. - Guck mal, das kommt jetzt hier drauf. Dann habe ich hier noch was gemacht. Guck mal, hier. 20:40 Ein Flamingo! Wieso bist du in den Orden gegangen? - Warum? 20:43 Weil ich das einfach ... das hat mich gezogen. Du hast doch auch gefeiert. - Ja. 20:49 Ja. Tanzen, ich habe Karneval gefeiert bis in die Nacht rein. Aber ich hatte nie eine Beziehung zu einem Mann. 20:56 Nicht? Nie? Nie? Nie? - Nein. Auch nicht mal so geschwärmt? 21:01 Nee. Ich hatte mal einen, da hoffte ich, der geht schnell wieder. 21:05 So ein Nachbarjunge. Ich komme ja vom Land. - Ja. Der war auch hinter mir her. 21:11 Wenn der weg war, war ich glücklich, wenn der kam, sollte er gehen. Ich hatte gar kein Empfinden dafür. 21:18 Also meinst du ... - Das ist eine Gnade. Eine besondere Gnade, würde ich sagen. - Ja. 21:27 Ein Geschenk Gottes. (Lautes Lachen) 21:30 Da bist du einigen Ärger los. Da kommt vielleicht anderer dazu. - Ziemlich sicher. 21:35 (lachend:) Schön. Schwester Anna ist als junge Frau im Kloster schwer erkrankt. 21:41 Sie musste wieder nach Hause, um gesund zu werden. War wohl alles ziemlich knapp, und sie wäre fast daran gestorben. 21:50 Der wollte mich haben, das spüre ich. Also, durch die Krankheit, hast du da noch mal richtig hingefunden? 21:57 Also, er hat mich, wie soll ich das sagen. Er hat mich festgehalten. Meine Mutter sagte: "Was machst du jetzt?" 22:05 Ich gehe wieder, das ist mein Weg. Das habe ich einfach gespürt. 22:09 Und ich möchte für ihn und für die Rettung der Seele ... - Ja. Glaube an die Hölle und das Fegefeuer. Das gibt es. 22:18 Das glaubst du? - Natürlich! Das kann ich nicht glauben. 22:21 Du glaubst doch nicht, dass alles, was da draußen passiert, diese Bosheit ... - Ja, aber dann müssen doch da ... 22:28 Drei Viertel der Deutschen könnten dann ja in die Hölle wandern. Meinst du, die kämen in den Himmel? Noch nicht. 22:36 Die müssen sich erst reinigen lassen. - Ja. Wie geht das? - Das müssen wir ihm überlassen. 22:43 Barmherzigkeit und Liebe, das ist das A und O. Gott ist die Liebe und die Barmherzigkeit. 22:49 Und der hilft uns. Ihr habt ja euer Leben Gott oder Jesus gewidmet. 22:54 Wie ist es denn, wenn man sich verlieben sollte? Das hat es gegeben. 22:58 Die haben einen kennengelernt und sind ausgetreten. Anfangs, wie ich hier war, da waren viele. 23:05 Oder sie sind weggeschickt worden. Dann hatten wir auch Lesben. Die haben sie auch weggeschickt. 23:10 Das ist ja auch so ein Klischee, dass viele Lesben, die das früher nicht ausleben konnten, 23:15 dass die ins Kloster gingen. - Ja. Die wurden weggeschickt, weil das nicht zu ertragen war. - Okay. 23:22 Also ... - Ich habe es erlebt, also, ganz knapp, aber ... Mhm. Ja. - Ja? Was waren ... 23:27 Gibt es ja heute immer mehr. Ja, ich glaube, es wird einfach offener gelebt halt. 23:34 Aber ist man da abtrünnig? Nein! Das hat damit nix zu tun. 23:38 Den Glauben kann ich behalten. Hölle und Fegefeuer, das sind für mich antiquierte Begriffe. 23:45 An so was mag ich nicht glauben. Und das passt für mich auch nicht mit der Liebe zusammen, 23:51 von der sie hier immer sprechen. (Sakraler Gesang) 23:56 Wieder das Abendgebet. (alle:) ♪ Elende hat sie beherbergt. 24:01 ♪ Preiset die gläubige Frau, ♪ die im Vertrauen nicht wankte. 24:10 ♪ Nun ruht sie selig bei ihm. ♪ Amen. 24:23 Mit den Gebeten bin ich eher überfordert, auch die Texte klingen wie aus einer anderen Welt. 24:30 Mit meinem Leben hat das wenig zu tun. Aber trotz all der Dinge, die mich irritieren, 24:36 fühle ich mich überraschend wohl hier und gut aufgehoben in der Gemeinschaft der Schwestern. 24:42 (Regen prasselt.) (Nachdenkliche Musik) 25:01 Hallo, guten Morgen. Sind wir hier richtig? - Ich glaube schon, oder? 25:07 Ich weiß es nicht. - Doch, doch, wir sind hier richtig. Einmal im Jahr pilgern die Dominikanerinnen 25:13 aus Arenberg zum Marien-Wallfahrtsort Bornhofen am Rhein. Ich freue mich, mal rauszukommen. 25:20 (Sie unterhalten sich.) Wie lange bist du hier? - Hier bin ich jetzt erst seit Ende Juni. 25:27 Seit unser Kloster in Redenbach in der Schweiz jetzt ... zugemacht haben, ne. 25:33 Und wie ist das? Ist das wie so ein krasser Umzug dann auch? Ja, ist schon Abschied nehmen. 25:40 Ist schon auch ein kleines Sterben immer. Du hast eher einen kontemplativeren Ansatz, stimmt das? 25:48 Ja, aber das ist dann auch erst in ... sag ich mal, in der Lebensmitte dann so gewachsen. - Ja. 25:55 Ich war auch mal in einer sehr großen Krise, wo vieles zusammenkam, auch mein Traumata durch einen Unfall. 26:02 Es war so dunkel, dass ich nicht mehr wusste, ob es überhaupt noch einen Gott gibt. - Oh ja, okay. 26:07 Und dann war eigentlich mein Gebet da nur so ein ... so ein Schrei nach Licht. Nach Licht, ne? 26:15 Und da habe ich auch Physiotherapie gemacht, und nach ... 26:20 In diesem Prozess bin ich mehr dazu gekommen, zu diesem neuen Gottesbild, 26:24 dass also Gott nicht außen ist. natürlich ist er auch außen, aber auch in mir. 26:29 Meinst du? - Ja, ganz sicher. Man muss nur ... es ist bloß so viel verschüttet. - Ja. 26:37 So was hat ja schon Janina gesagt. Das ist für mich eine schönere Vorstellung 26:42 als ein Gott, der von oben alles richtet. Bist du die Chefin heute? Ah! 26:50 Ich heiße Sie alle herzlich willkommen. In ungefähr einer halben Stunde sind wir da. 26:55 Sobald wir jetzt am Rhein unten sind, dann werden wir gleich eine Gebetseinheit halten. 27:00 Sie müssen kräftig mitsingen! (Sie unterhalten sich.) 27:05 "Gott, du hast deinen Knecht Abraham auf allen Wegen unversehrt behütet." 27:11 "Geleite auch deine hier versammelten Gläubigen auf ihrer Wallfahrt." 27:16 "Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herren." ♪ Maria breite den Mantel aus. 27:27 (alle:) ♪ Patronin voller Güte ♪ uns alle Zeit behüte. 27:37 Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen. 27:45 (alle:) Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes, Amen. 27:55 Kamp-Bornhofen am Rhein, in der Nähe der Loreley. Schon seit dem 13. Jahrhundert sollen Menschen hierher gepilgert sein. 28:02 Maria, die Mutter Jesu, wird hier verehrt. Für Schwester Anna ist die Wallfahrt ein ganz besonderer Termin im Jahr. 28:11 (Orgelmusik) (Sie beten.) 28:19 Auch der Kaplan von Arenberg ist mitgekommen und hält die Messe. Christus, dein Sohn, unseren Herren und Gott. 28:30 Bei der Verteilung der Kommunion folge ich einem Impuls. Als nicht Getaufte darf ich ja keine Hostie bekommen, 28:37 aber ich darf mich segnen lassen. (Orgelmusik) 28:44 Und irgendwie bin ich ganz berührt. Ich kann nicht sagen warum, aber mir kommen fast die Tränen. 28:50 Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich mich für einen Moment als Teil dieser Gemeinschaft fühle? 28:55 Ganz überraschend für mich. (Sakraler Gesang, Orgelmusik) 29:38 Nach der Messe haben wir noch ein bisschen Zeit, bevor es zurück ins Kloster geht. 29:44 Janina, die aus Bayern ist, war noch nie am Rhein. Hat er so gesegnet hier? - Ja. 29:51 Das hat mich irgendwie ... - Überhaupt, ich finde immer, gibt es für manche Segen ... 29:57 Ich finde immer gut, wenn die Priester richtig die Hände auf den Kopf legen, damit man das spürt. - Ja. 30:03 Also, das hat schon was. Ich hätte heulen können danach. 30:09 Mhm. Ist doch schön. Es ist nicht schön, wenn du heulst, aber wenn es dich berührt. - Ja. 30:16 Hast du ernsthaft überlegt, auszutreten? Wir plaudern noch ein bisschen über ... 30:22 tja, Gott und die Welt. Ich habe den Eindruck, die Frauen hier sind erfüllt von einer Liebe, 30:28 sie würden das wohl die Liebe Gottes nennen. Und sie geben die mit ihrer Herzlichkeit auch an andere weiter. 30:35 Jedenfalls fühlt es sich bei mir so an. (Nachdenkliche Musik) 30:42 Es ist so interessant, ich ... Also, ihr seid alle so unterschiedlich. 30:46 Ihr habt alle so unterschiedliche Haltungen dazu. Das hast du ja umgesetzt. - Ja. 30:55 Jetzt kommt die "Tessa". - Guck mal. (Nachdenkliche Musik) 31:19 Zurück im Kloster Arenberg, im Kreis der Schwestern. (Gespräche im Hintergrund.) 31:28 Wenn man diese Einkleidung hat, ich stelle mir so vor, man gibt da seine Individualität, zumindest die optische, ab. 31:36 Klar, man sagt, Kleider machen Leute. merkt man ja, wie individuell wir sind und ganz unterschiedlich. 31:43 Das kommt halt danach anders zum Tragen und weniger durch die Kleidung. Das soll schon so sein. 31:49 Wir sind eine unter einer Gemeinschaft und nicht herausstechend und nicht ganz irgendwie ... 31:57 ähm ... was Besonderes. Und dann kommen wir auf das Elend der Flüchtlinge. 32:04 (Gespräch im Hintergrund.) Ich habe gehört, 160.000 Menschen sind schon im Mittelmeer ertrunken 32:11 in drei Jahren. Eigentlich war es ja klar, 32:14 dass man auch in einem Kloster am Weltgeschehen Anteil nimmt. Trotzdem hatte ich die Vorstellung, dass so etwas hier kein Thema ist. 32:22 Ein Klischee, das mir total peinlich ist. Diese Menschen fühlen sich wohl verlassen von Gott. - Ja. Aber total. 32:29 Tragischer geht's gar nicht. Und da kann man ... was sagt man da? 32:33 Man kann höchstens sagen, dass Gott keiner ist, der draußen ist und zuguckt, 32:38 sondern er ist ja in den Menschen, er leidet das mit mit den Tausenden. Also, das göttliche Leben ist ja in einem. 32:46 Aber so ein Gottesbild haben doch viele. Der liebe Gott, der Mann mit dem weißen Bart, der oben zuguckt. 32:52 Das ist so ein Beispiel, als unsere Generalpriorin an Krebs erkrankte, da sagten viele: "Warum schickt Gott uns das jetzt?" 33:00 Ah, so einen Gedanken, das finde ich absolut pervers. Also so, warum schickt der uns das. - Ja. 33:05 Als säße der da oben am Hebel: "Oh, den Dominikanerinnen, denen geht's ein bisschen gut." 33:10 "Schicken wir mal Krebs zur Generalpriorin." Weißt du, das finde ich absolut pervers. 33:16 Und wenn ich sehe, was in Familien manchmal los ist, wie viel Unheil da oft ist, 33:21 dass die sich komplett gestraft fühlen, finde ich völlig menschlich. Und das Gefühl kann man nicht einfach wegrationalisieren 33:29 und sagen, das ist nicht so. Aber wie gehst du damit um? 33:33 Ich merke, wenn du dann so ein Gottesbild kriegst, nach dem Motto, der muss dich strafen, 33:38 denkst du nur, was du falsch gemacht hast und lebst in der Vergangenheit. Die Frage ist für mich immer, 33:44 wie erkläre ich einem, der gar nichts glaubt? Das ... - Kann man nicht erklären. 33:49 Ja, eben. - Auch einem Gläubigen nicht. Ja. Aber ich kann einem Gläubigen irgendwie ... 33:55 von der Erfahrung her, oder was du so sagst, aber für einen Ungläubigen ist da ja ein Loch. 34:03 Ja! Ja, Leben ist nicht immer leicht. 34:12 (Musik: "Small Things von Ben Howard) Viel zu früh am Morgen. 34:31 Ich helfe beim Frühstücksdienst, alles vorbereiten, bevor die Schwestern kommen. 34:37 (Musik: "Small Things von Ben Howard) (alle:) Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn. 35:03 Und natürlich die Laudes mit anschließender Messe. Mit diesen Morgenmessen habe ich merkwürdigerweise größere Probleme, 35:13 als mit den Abendgebetsstunden. Als würde ich über den Tag hinweg offener für so was. Komisch. 35:21 (Sakraler Gesang) Ich bin mit Schwester Christa verabredet, 35:31 die ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Sie beeindruckt mich, nicht nur, weil sie in Bolivien 35:36 fast 30 lang Entwicklungsarbeit geleistet hat, sondern auch, weil sie einfach für klug halte. 35:41 Bei ihr fühle ich meine Gedanken und Fragen richtig aufgehoben. (Sie unterhalten sich.) 35:47 Wenn der Mensch ein bisschen denkt, die Natur ... 35:54 es blüht, es gibt Frucht, die Blätter fallen ab, sind wieder Dung fürs nächste Jahr, es wächst neues Leben. - Mhm. 36:03 Die ganze Schöpfung ist ... Das Fürchterliche ist, 36:08 dass der Mensch einen freien Willen hat. - Mhm. Das ist fürchterlich und das größte Geschenk. - Ja. 36:15 Denn ohne freien Willen kannst du nicht lieben. - Mhm. Und der Mensch ist für die Liebe geboren. 36:24 Das ist gar nicht so leicht. Wenn man sie nicht findet, was ist dann? Die ganze Natur, ich könnte auch sagen, ist für ... 36:39 Das Obst ist für, die Blätter, die fallen, sind für ... Ja, stimmt. 36:44 Ich bin nicht nur für mich. - Ja. Dann bin ich natürlich abgeschlossen. 36:51 Was würdest du jemandem raten, wenn er sucht, wenn er Gott sucht? "Umsonst fragst du die Schrift und Auskunft, frage die Erfahrung." 37:00 Mhm. Also, wenn ich merke, dass ich immer mit denselben Sachen immer dieselben Fehler mache ... 37:09 dann kann ich mich einfach an Gott wenden? Nö, du kannst dich immer an Gott wenden. 37:14 Ja. Meinst du, dann finde ich ihn? - Hm? 37:20 Meinst du, dann finde ich ihn? Ja? - Ja, aber ... 37:25 Er ist unverfügbar. Du kannst nicht sagen, ich muss ihn morgen finden. 37:31 Kann mich ja mit ihm verabreden. Gott macht das schon. Gott macht sich erfahrbar. - Mhm. 37:37 Genau, wie ich sage, ich wusste plötzlich, dass ich ins Kloster gehen muss. 37:42 Das war einfach da? - Ja. Du musst du selber sein. - Ja. 37:48 Du musst du selber sein. Also, wenn ich mich wirklich auf Gott einlasse, 37:55 dann muss ich so leben, wie er für die Menschen. Das ist kein Egoist. 38:04 Im christlichen Sinn ist es ja so: Eines der Gebote ist, du sollst dich lieben, 38:11 den anderen lieben wie dich selbst. Also, sich selbst auch lieben. 38:15 Wenn du dich selbst nicht liebst ... Wenn du dich als Geschöpf Gottes begreifst ... 38:22 Dann liebst du dich? Ja, also ... 38:26 Ich finde das ganz schön schwer mit dieser Selbstliebe immer, weil das wird einem immer gesagt. 38:32 Wenn du dich liebst, kannst du auch andere lieben und so. Manchmal ist das gar nicht so leicht. 38:38 Aber jede Person hängt auch von der Liebe eines anderen ab. Wenn ... 38:46 Wenn du weißt - oder daran glaubst, dass Gott dich liebt, wie du bist, 38:54 wie du bist ... dann kannst du auch einen anderen lieben. 39:02 Ja. - Wenn du glaubst, dass du nicht geliebt bist , ist es schwierig. 39:14 Ja. (Melancholische Musik) 39:41 Mein letzter Tag im Kloster Arenberg. (Melancholische Musik) 40:00 (Janina:) In der Pfarrei, da waren ältere Damen. Und, hast du dich an den Tagesrhythmus gewöhnt? 40:06 Es geht so. (Sie unterhalten sich.) 40:10 Ich muss immer noch daran denken, was Christa über Gottes Liebe gesagt hat. 40:15 Du spürst auch die Liebe Gottes in dir? - Ja, schon. Mal mehr, mal weniger. Ja, doch. 40:20 Und deswegen fühlst du dich auch geliebt und liebst dich selbst? Ja, genau. - Die Christa hat das auch gesagt. 40:28 Echt? - Ja, dass du dich durch die Liebe Gottes auch selbst liebst. 40:33 Ich habe da auch erst ... - Ich will jetzt auch ... Das ist ein Prozess. Ich dachte anfangs auch ... 40:40 Letztendlich ist das ein total schöner Gedanke. An sich würde ich das auch wollen. 40:46 Es wäre voll schön, wenn ich glauben könnte. Ich glaube, ich würde das gerne tun eigentlich. Ja. 40:53 Also, würde ist "ich will", theoretisch. Aber? Nix aber, ich warte jetzt. - Ah, du wartest. 40:59 Ich dachte, ich warte jetzt drauf. Eigentlich ist das vor allem durch die Begegnung ... hier mit euch. 41:06 Okay. - Weil ich finde, da ist wirklich, so wie du das sagst, oder diese Haltung allein: 41:13 Da ist so viel Liebe in mir, die will ich weitergeben. An mehrere Leute und nicht nur an seine Familie. 41:19 Und man spürt das hier so in den Begegnungen und den Gesprächen mit den Frauen, 41:24 dass da unglaubliche Herzlichkeit und Liebe und Wärme da ist. Und das beeindruckt mich total, 41:29 weniger diese ganzen Gebete und so. Aber das ist das Schöne. 41:34 (Melancholische Musik) Wie kann ich denn zu Gott finden? 41:41 Hehehe. Ich glaube, du bist total auf der falschen Spur, wenn du ihn außerhalb suchst. 41:47 Ich glaube, du kannst zu Gott finden, wenn du zu dir findest. 41:52 Ich bin absolut davon überzeugt, dass er in allem und vor allem in uns gegenwärtig ist. 41:58 Und sich auch in diese Welt hinein mitteilt durch uns Menschen. Das, was uns wirklich alle verbindet, 42:04 bei aller Unterschiedlichkeit, dass wir irgendwann mal alle sehr ergriffen worden sind, 42:10 von dieser Liebe, die ... alles Begreifen übersteigt, die stärker ist und größer ist. 42:17 Und wir versuchen, aus dieser Liebe heraus, auch weiterzugeben 42:21 und das Leben zu gestalten. (Sie unterhalten sich.) 42:30 Also, ich würde gerne glauben, glaube ich. Ja, schon mal eine super Voraussetzung. Haha. 42:37 (Gebetsglocke läutet) (Sie unterhalten sich, melancholische Musik) 42:47 (Sie beten.) Das letzte Tischgebet, bevor es zurück in mein normales Leben geht, 42:54 Mit all dem Trubel des Alltags, seinen Ablenkungen, und ja, auch Oberflächlichkeiten. 43:02 Mir ist echt ein wenig weh ums Herz. Ich habe selten so intensive Gespräche 43:07 über die großen Fragen des Lebens geführt. Hier waren Raum und Zeit dafür. 43:12 Das, so ist mein Eindruck nach der Woche, ist schließlich ihr Beruf, wenn man das so nennen will, 43:17 die Pflege der Gottesbeziehung, also ständiges Fragen und Suchen nach Antworten 43:22 (Sie unterhalten sich.) Zeit, tschüss zu sagen, und ich ahne schon, 43:27 das geht nicht ohne Tränen. Ich habe nämlich noch ein paar. 43:34 Und das leihst du mir? - Ich schenk's dir. Ich wollte sagen, du hast dich in mein Herz gestohlen, 43:41 und ich bete viel für dich. Es war so toll, dich kennenzulernen. - Ja. 43:49 Alles Liebe. Komm gut nach Hause. Lass dich noch mal drücken. 43:54 Oh Mann, ey. Wahnsinn. Ach. 44:00 Schön. Also, Gottes Segen ... der wird sich dir zeigen. Macht er schon. Macht dich schon unruhig. 44:08 Muss gleich heulen. Am Ende fallen mir Christas Worte ein. 44:12 "Du bist immer ein Suchender", hat sie gesagt. "Und wenn du ein Suchender bleibst, 44:17 dann bist du echt, dann bist du immer verbunden." (Melancholische Musik) 44:31 SWR 2020