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Sofort bessere Texte schreiben: Meine Tipps (Deutsch B2-C2)

Deutsch plus13:03 12.647 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 95 Zeilen
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  1. Heute geht es hier bei Deutsch Plus um den Feindschliff. In diesem Video stehen Ausdruck und Stil im Vordergrund. Das
  2. sind zwei Kriterien, die wir auf keinen Fall unterschätzen dürfen, wenn wir gute Texte schreiben wollen. Es reicht leider
  3. nicht, wenn der Text grammatisch perfekt ist. Und auch ein großer Wortschatz ist erst die halbe Miete. Man muss ihn auch
  4. geschickt einsetzen. Unser Ziel sind lebendige Texte, klare Texte, Texte, die ihr Publikum erreichen und die fesseln,
  5. statt zu langweilen. Hier kommen fünf Tipps, wie das besser gelingt. Tipp Nummer 1: Sei konkret.
  6. Ein Text wird anschaulich und einprägsam, wenn er konkret ist. Deshalb sollten wir bei unserer Wortwahl
  7. möglichst präzise sein und das gilt für alle Wortarten, z.B. für die Nomen. Häufig wählen wir Sammelbegriffe wie
  8. Dinge, Zeug oder Sachen, obwohl wir bestimmte Gegenstände auch genauer benennen könnten. Hier ein Beispiel.
  9. Statt in Pauls Zimmer lagen viele Dinge herum. Könnten wir schreiben: "In Pauls Zimmer lagen Kartons, Zeitschriften und
  10. Klamotten herum." Dann haben wir eine viel bessere Vorstellung von Pauls Zimmer. Noch ein Beispiel.
  11. Anne hatte ihr ganzes Zeug im Auto. Bei Zeug wissen wir nicht, was gemeint ist. Wir könnten auch schreiben, Anne hatte
  12. ihren Laptop, ihr Ladekabel und ihre Bücher im Auto. Wir bleiben noch kurz bei den Nomen.
  13. Hier können wir in vielen Fällen selbst dann konkreter schreiben, wenn wir keine Sammelbegriffe verwenden. Das ist vor
  14. allem dann wichtig, wenn wir einen Gegenstand oder einen Begriff mehrmals nennen und uns nicht ständig wiederholen
  15. wollen. Stellt euch z.B. vor, ihr schreibt über ein Haus. Es gibt unzählige Arten von Häusern. Und damit
  16. die Leser und Leserinnen eures Textes eine klarere Vorstellung bekommen, ist es sinnvoll, das Haus auch genau zu
  17. beschreiben. Was ist das also für ein Haus? Ein Einfamilienhaus, ein Mietshaus, ein Reihenhaus, ein
  18. Hochhaus? Oder stellt euch vor, in eurem Text geht es um einen Zahn. Um welchen Zahn geht
  19. es hier? um einen Backenzahn, einen Schneidezahn, einen Eckzahn oder um einen Milchzahn.
  20. Es lohnt sich immer, sich die Nomen in seinem Text noch einmal anzuschauern und zu überlegen, ob es eine genauere
  21. Bezeichnung gibt. Das gilt auch für die Verben. Es gibt so ein paar Verben, die wir ständig
  22. benutzen, z.B. sagen und machen. Die sind aber sehr Waage und langweilig und wir können bestimmte Äußerungen oder
  23. Handlungen viel besser mit aussagekräftigeren und passenderen Verben beschreiben. Hier
  24. ein paar Beispiele. Sie sagt, dass die drückende Hitze anstrengend ist. Wenn wir Sagen hier
  25. ersetzen wollen, passt z.B. das Verb klagen. Sie klagt über die drückende Hitze.
  26. Noch ein Beispiel. Er sagte, dass er Hilfe braucht. Er bat um Hilfe.
  27. Wir schauen uns auch einen Beispielsatz mit dem Verb an. Auch dieses Verb können wir ersetzen mit den konkreten
  28. Tätigkeiten, die ausgeführt werden. Statt er machte das Frühstück, könnten wir ganz genau schreiben. Er schnitt
  29. Obst auf, kochte Eier und legte die Brötchen vom Vortag auf den Toaster. Ihr seht hier, wenn wir ein allgemeines
  30. nichts sagendes Verb ersetzen, wird der Satz manchmal länger. Da müsst ihr abwägen, ob das zu eurem Text passt. In
  31. jedem Fall wird er dadurch anschaulicher. Genau wie mit den Verben, ist es auch
  32. mit den Adjektiven. Es gibt Wörter, die wir immer und immer wieder benutzen. Dabei gibt es viel bessere Optionen.
  33. Überlegt euch also unbedingt Alternativen zu häufig gebrauchten Adjektiven wie gut, schlecht oder schön.
  34. Statt gut kann man je nach Kontext, z.B. gelungen, vorteilhaft oder überzeugend sagen. Statt schlecht passt eventuell
  35. unzureichend, enttäuschend oder miserabel. Und statt schön könntet ihr, wenn es zu
  36. eurem Text passt, vielleicht eine der folgenden Alternativen wählen. Prachtvoll, attraktiv,
  37. elegant. Zu guter Letzt gilt der Tipp möglichst konkret zu schreiben auch für sogenannte
  38. Indefinitpronomen wie einige, viele oder ein paar. Wenn wir die genaue Anzahl oder Menge kennen, über die wir da
  39. schreiben, dann sollten wir sie auch benennen. Dann wird es glaubwürdiger und anschaulicher.
  40. Statt auf dem Hof versammelten sich viele Schüler, könnten wir z.B. schreiben. Auf dem Hof standen mehr als
  41. 50 Schüler in kleinen Gruppen beisammen. Genaue Angaben und Transparenz sind häufig sehr wichtig, weil wir nur so das
  42. Ausmaß von etwas einschätzen können, etwa im medizinischen Kontext. Hier ein Beispiel. Statt bei einigen Patienten
  43. traten Nebenwirkungen auf, wäre es natürlich vertrauenserweckender, wenn da Stünde bei 1000 Patienten traten
  44. Nebenwirkungen auf. Jetzt kommen wir zum nächsten Tipp und der lautet: Streiche Modalverben.
  45. Die folgenden Verben sind Modalverben. Können, müssen, dürfen, sollen, mögen, wollen. Diese Verben sind oft notwendig.
  46. In einigen Fällen sind sie aber auch überflüssig, weil sie eine gewisse Distanz erzeugen und eine Aussage
  47. unnötig, indirekt und kompliziert machen. Die gewünschte Aussage wird häufig auch ohne sie klar. Hier ein paar
  48. Beispiele. Er brach den Urlaub ab, um bei ihr sein zu können. Können impliziert eine Möglichkeit. Etwas ist
  49. möglich, aber in einem Satz mit um zu sind der Zweck und das Ziel. der Handlung sowieso klar, da brauchen wir
  50. die implizierte Möglichkeit nicht. Stilistisch besser und direkter ist. Er brach den Urlaub ab, um bei ihr zu sein.
  51. Hier gibt es keinen Informationsverlust, wenn wir das Modalverb streichen. Anderes Beispiel: Sie übte jeden Tag, um
  52. bei der Prüfung nicht nervös sein zu müssen. Auch hier haben wir einen Finalsatz mit um zu und auch hier ist
  53. das Ziel klar und wir brauchen das Modalverb nicht. besser klingt, sie übte jeden Tag, um bei der Prüfung nicht
  54. nervös zu sein. Das Modalverb ist aber nicht nur in umzusetzen häufig überflüssig. Hier mal
  55. ein anderes Beispiel. Sie wollte nicht antworten, weil sie unsicher war. Auch dieser Satz klingt
  56. ohne Modalverbesser. Sie antwortete nicht, weil sie unsicher war. Der Nebensatz, weil sie unsicher
  57. war, impliziert schon, dass sie nicht antworten wollte. Es gibt natürlich auch Sätze, in denen
  58. wir das Modalverb nicht einfach weglassen können. Modalverwerben sind notwendig, wenn wir z.B. eine
  59. Notwendigkeit oder Pflicht, eine Fähigkeit oder Möglichkeit, eine Erlaubnis oder einen Wunsch oder einen
  60. Willen betonen möchten. Ihr müsst also gut unterscheiden, ist die Aussage eures Satzes ohne Modalverb klar, dann lasst
  61. es weg. Ist die Bedeutung des Modalverbs entscheidend? Dann lasst es drin. Kommen wir zu Tipp Nummer 3 für
  62. lebendige Texte und der heißt: Vermeide das Passiv. Es gibt Situationen, in denen das Passiv
  63. sinnvoll ist, nämlich immer dann, wenn der Handelnde unbekannt oder unswichtig ist oder wenn der Fokus auf dem Ergebnis
  64. liegt, z.B. in einem Satz wie das Gebäude wurde 1806 errichtet. Hier interessiert uns die Entstehungszeit und
  65. nicht wer das Gebäude errichtet hat. In vielen anderen Fällen macht das Passiv einen Text unpersönlich und
  66. schwerfällig, vor allem, wenn man es oft gebraucht. Wenn ich sage oder schreibe, bei der Planung wurden Fehler gemacht,
  67. dann weiß ich nicht, wer die Fehler gemacht hat. Wenn man die handelnde Person oder Personen nicht nennt, dann
  68. wirkt es so, als wolle man eine Information verbergen. Noch ein Beispiel.
  69. Bei der Versammlung wurden wichtige Entscheidungen getroffen. Das klingt kühl und Waage und ungenau. Besser ist,
  70. bei der Versammlung trafen die Teilnehmenden wichtige Entscheidungen. Das klingt viel dynamischer und wir
  71. haben diesen Entscheidungsprozess besser vor Augen. Tipp Nummer 4 lautet: Nutze Verben statt
  72. Nomen. Konkret geht es hier um den Nominalstil, den man besser vermeidet. Im Deutschen
  73. ist er aber häufiger in offiziellen Texten zu finden und als Fortgeschrittene müsst ihr ihn kennen
  74. und beherrschen. Es ist insgesamt dennoch besser ihn zu vermeiden, weil er Texte schwer verständlich macht und
  75. bürokratisch wirkt. Ich gebe euch ein Beispiel. Nach Erhalt der Lieferung erfolgt die
  76. Qualitätsprüfung der Ware. So ein Satz verlangsamt das Lesen. Wenn wir stattdessen Verben wählen, wird er
  77. klarer und aktiver. Z.B. so. Nachdem unsere Mitarbeiter die Lieferung erhalten haben, prüfen Sie die Qualität
  78. der Ware. Wenn sich also in euren Text so eine komplexe Formulierung mit Substantiven
  79. eingeschlichen hat, dann überlegt, ob ihr sie nicht mit Verben vereinfachen und verbessern könnt.
  80. Unser nächster Tipp heißt Streiche Füllwörter. Füllwörter sind Wörter wie eigentlich
  81. irgendwie einfach halt total vielleicht ziemlich eben mal sozusagen oder wirklich. Das sind also Wörter, die wir
  82. in unserer Alltagssprache einfließen lassen. In der Umgangssprache sind sie auch völlig in Ordnung, weil sie für
  83. eine gewisse Emotionalität sorgen, weil sie unsere Sätze manchmal höflicher und weicher machen. Hier ein Beispiel. Wir
  84. sollten das vielleicht einfach mal versuchen. Hier haben wir gleich drei Füllwörter, vielleicht einfach mal.
  85. Diese Wörter fügen dem Satz keinen Informationsgehalt hinzu, aber das ist ein Satz, den wir in einem Gespräch oder
  86. als literarisches Stilmittel durchaus hören oder lesen könnten und er klingt weicher als wir sollten das versuchen.
  87. In Sachtexten verzichtet man besser auf Füllwörter. Ein Text ohne Füllwörter ist klarer und wirkungsvoller. Hier ein
  88. Beispiel. Die Gruppe fand die Bewerbung eigentlich ganz gelungen.
  89. Das klingt unsicher. Es klingt so, als sei die Gruppe nicht richtig überzeugt gewesen. Klarer ist, die Gruppe fand die
  90. Bewerbung gelungen. Und auch der folgende Satz entfaltet: Ohne Füllwort mehr Wirkung.
  91. Es ist ziemlich besorgniserregend, dass immer mehr junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen.
  92. Ohne Füllwort. Es ist besorgniserregend, daß immer mehr junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen.
  93. Wenn ihr das nächste Mal einen Text schreibt, könnt ihr ihn ja mal auf diese fünf Punkte hin untersuchen. Lasst mich
  94. in den Kommentaren unbedingt wissen, ob ihr einen oder mehrere dieser Tipps angewendet habt. Darüber würde ich mich
  95. sehr freuen. Und jetzt sage ich tschüss bis zum nächsten Video. [Musik]

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