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Sofort bessere Texte schreiben: Meine Tipps (Deutsch B2-C2)
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 95 Zeilen
- Heute geht es hier bei Deutsch Plus um den Feindschliff. In diesem Video stehen Ausdruck und Stil im Vordergrund. Das
- sind zwei Kriterien, die wir auf keinen Fall unterschätzen dürfen, wenn wir gute Texte schreiben wollen. Es reicht leider
- nicht, wenn der Text grammatisch perfekt ist. Und auch ein großer Wortschatz ist erst die halbe Miete. Man muss ihn auch
- geschickt einsetzen. Unser Ziel sind lebendige Texte, klare Texte, Texte, die ihr Publikum erreichen und die fesseln,
- statt zu langweilen. Hier kommen fünf Tipps, wie das besser gelingt. Tipp Nummer 1: Sei konkret.
- Ein Text wird anschaulich und einprägsam, wenn er konkret ist. Deshalb sollten wir bei unserer Wortwahl
- möglichst präzise sein und das gilt für alle Wortarten, z.B. für die Nomen. Häufig wählen wir Sammelbegriffe wie
- Dinge, Zeug oder Sachen, obwohl wir bestimmte Gegenstände auch genauer benennen könnten. Hier ein Beispiel.
- Statt in Pauls Zimmer lagen viele Dinge herum. Könnten wir schreiben: "In Pauls Zimmer lagen Kartons, Zeitschriften und
- Klamotten herum." Dann haben wir eine viel bessere Vorstellung von Pauls Zimmer. Noch ein Beispiel.
- Anne hatte ihr ganzes Zeug im Auto. Bei Zeug wissen wir nicht, was gemeint ist. Wir könnten auch schreiben, Anne hatte
- ihren Laptop, ihr Ladekabel und ihre Bücher im Auto. Wir bleiben noch kurz bei den Nomen.
- Hier können wir in vielen Fällen selbst dann konkreter schreiben, wenn wir keine Sammelbegriffe verwenden. Das ist vor
- allem dann wichtig, wenn wir einen Gegenstand oder einen Begriff mehrmals nennen und uns nicht ständig wiederholen
- wollen. Stellt euch z.B. vor, ihr schreibt über ein Haus. Es gibt unzählige Arten von Häusern. Und damit
- die Leser und Leserinnen eures Textes eine klarere Vorstellung bekommen, ist es sinnvoll, das Haus auch genau zu
- beschreiben. Was ist das also für ein Haus? Ein Einfamilienhaus, ein Mietshaus, ein Reihenhaus, ein
- Hochhaus? Oder stellt euch vor, in eurem Text geht es um einen Zahn. Um welchen Zahn geht
- es hier? um einen Backenzahn, einen Schneidezahn, einen Eckzahn oder um einen Milchzahn.
- Es lohnt sich immer, sich die Nomen in seinem Text noch einmal anzuschauern und zu überlegen, ob es eine genauere
- Bezeichnung gibt. Das gilt auch für die Verben. Es gibt so ein paar Verben, die wir ständig
- benutzen, z.B. sagen und machen. Die sind aber sehr Waage und langweilig und wir können bestimmte Äußerungen oder
- Handlungen viel besser mit aussagekräftigeren und passenderen Verben beschreiben. Hier
- ein paar Beispiele. Sie sagt, dass die drückende Hitze anstrengend ist. Wenn wir Sagen hier
- ersetzen wollen, passt z.B. das Verb klagen. Sie klagt über die drückende Hitze.
- Noch ein Beispiel. Er sagte, dass er Hilfe braucht. Er bat um Hilfe.
- Wir schauen uns auch einen Beispielsatz mit dem Verb an. Auch dieses Verb können wir ersetzen mit den konkreten
- Tätigkeiten, die ausgeführt werden. Statt er machte das Frühstück, könnten wir ganz genau schreiben. Er schnitt
- Obst auf, kochte Eier und legte die Brötchen vom Vortag auf den Toaster. Ihr seht hier, wenn wir ein allgemeines
- nichts sagendes Verb ersetzen, wird der Satz manchmal länger. Da müsst ihr abwägen, ob das zu eurem Text passt. In
- jedem Fall wird er dadurch anschaulicher. Genau wie mit den Verben, ist es auch
- mit den Adjektiven. Es gibt Wörter, die wir immer und immer wieder benutzen. Dabei gibt es viel bessere Optionen.
- Überlegt euch also unbedingt Alternativen zu häufig gebrauchten Adjektiven wie gut, schlecht oder schön.
- Statt gut kann man je nach Kontext, z.B. gelungen, vorteilhaft oder überzeugend sagen. Statt schlecht passt eventuell
- unzureichend, enttäuschend oder miserabel. Und statt schön könntet ihr, wenn es zu
- eurem Text passt, vielleicht eine der folgenden Alternativen wählen. Prachtvoll, attraktiv,
- elegant. Zu guter Letzt gilt der Tipp möglichst konkret zu schreiben auch für sogenannte
- Indefinitpronomen wie einige, viele oder ein paar. Wenn wir die genaue Anzahl oder Menge kennen, über die wir da
- schreiben, dann sollten wir sie auch benennen. Dann wird es glaubwürdiger und anschaulicher.
- Statt auf dem Hof versammelten sich viele Schüler, könnten wir z.B. schreiben. Auf dem Hof standen mehr als
- 50 Schüler in kleinen Gruppen beisammen. Genaue Angaben und Transparenz sind häufig sehr wichtig, weil wir nur so das
- Ausmaß von etwas einschätzen können, etwa im medizinischen Kontext. Hier ein Beispiel. Statt bei einigen Patienten
- traten Nebenwirkungen auf, wäre es natürlich vertrauenserweckender, wenn da Stünde bei 1000 Patienten traten
- Nebenwirkungen auf. Jetzt kommen wir zum nächsten Tipp und der lautet: Streiche Modalverben.
- Die folgenden Verben sind Modalverben. Können, müssen, dürfen, sollen, mögen, wollen. Diese Verben sind oft notwendig.
- In einigen Fällen sind sie aber auch überflüssig, weil sie eine gewisse Distanz erzeugen und eine Aussage
- unnötig, indirekt und kompliziert machen. Die gewünschte Aussage wird häufig auch ohne sie klar. Hier ein paar
- Beispiele. Er brach den Urlaub ab, um bei ihr sein zu können. Können impliziert eine Möglichkeit. Etwas ist
- möglich, aber in einem Satz mit um zu sind der Zweck und das Ziel. der Handlung sowieso klar, da brauchen wir
- die implizierte Möglichkeit nicht. Stilistisch besser und direkter ist. Er brach den Urlaub ab, um bei ihr zu sein.
- Hier gibt es keinen Informationsverlust, wenn wir das Modalverb streichen. Anderes Beispiel: Sie übte jeden Tag, um
- bei der Prüfung nicht nervös sein zu müssen. Auch hier haben wir einen Finalsatz mit um zu und auch hier ist
- das Ziel klar und wir brauchen das Modalverb nicht. besser klingt, sie übte jeden Tag, um bei der Prüfung nicht
- nervös zu sein. Das Modalverb ist aber nicht nur in umzusetzen häufig überflüssig. Hier mal
- ein anderes Beispiel. Sie wollte nicht antworten, weil sie unsicher war. Auch dieser Satz klingt
- ohne Modalverbesser. Sie antwortete nicht, weil sie unsicher war. Der Nebensatz, weil sie unsicher
- war, impliziert schon, dass sie nicht antworten wollte. Es gibt natürlich auch Sätze, in denen
- wir das Modalverb nicht einfach weglassen können. Modalverwerben sind notwendig, wenn wir z.B. eine
- Notwendigkeit oder Pflicht, eine Fähigkeit oder Möglichkeit, eine Erlaubnis oder einen Wunsch oder einen
- Willen betonen möchten. Ihr müsst also gut unterscheiden, ist die Aussage eures Satzes ohne Modalverb klar, dann lasst
- es weg. Ist die Bedeutung des Modalverbs entscheidend? Dann lasst es drin. Kommen wir zu Tipp Nummer 3 für
- lebendige Texte und der heißt: Vermeide das Passiv. Es gibt Situationen, in denen das Passiv
- sinnvoll ist, nämlich immer dann, wenn der Handelnde unbekannt oder unswichtig ist oder wenn der Fokus auf dem Ergebnis
- liegt, z.B. in einem Satz wie das Gebäude wurde 1806 errichtet. Hier interessiert uns die Entstehungszeit und
- nicht wer das Gebäude errichtet hat. In vielen anderen Fällen macht das Passiv einen Text unpersönlich und
- schwerfällig, vor allem, wenn man es oft gebraucht. Wenn ich sage oder schreibe, bei der Planung wurden Fehler gemacht,
- dann weiß ich nicht, wer die Fehler gemacht hat. Wenn man die handelnde Person oder Personen nicht nennt, dann
- wirkt es so, als wolle man eine Information verbergen. Noch ein Beispiel.
- Bei der Versammlung wurden wichtige Entscheidungen getroffen. Das klingt kühl und Waage und ungenau. Besser ist,
- bei der Versammlung trafen die Teilnehmenden wichtige Entscheidungen. Das klingt viel dynamischer und wir
- haben diesen Entscheidungsprozess besser vor Augen. Tipp Nummer 4 lautet: Nutze Verben statt
- Nomen. Konkret geht es hier um den Nominalstil, den man besser vermeidet. Im Deutschen
- ist er aber häufiger in offiziellen Texten zu finden und als Fortgeschrittene müsst ihr ihn kennen
- und beherrschen. Es ist insgesamt dennoch besser ihn zu vermeiden, weil er Texte schwer verständlich macht und
- bürokratisch wirkt. Ich gebe euch ein Beispiel. Nach Erhalt der Lieferung erfolgt die
- Qualitätsprüfung der Ware. So ein Satz verlangsamt das Lesen. Wenn wir stattdessen Verben wählen, wird er
- klarer und aktiver. Z.B. so. Nachdem unsere Mitarbeiter die Lieferung erhalten haben, prüfen Sie die Qualität
- der Ware. Wenn sich also in euren Text so eine komplexe Formulierung mit Substantiven
- eingeschlichen hat, dann überlegt, ob ihr sie nicht mit Verben vereinfachen und verbessern könnt.
- Unser nächster Tipp heißt Streiche Füllwörter. Füllwörter sind Wörter wie eigentlich
- irgendwie einfach halt total vielleicht ziemlich eben mal sozusagen oder wirklich. Das sind also Wörter, die wir
- in unserer Alltagssprache einfließen lassen. In der Umgangssprache sind sie auch völlig in Ordnung, weil sie für
- eine gewisse Emotionalität sorgen, weil sie unsere Sätze manchmal höflicher und weicher machen. Hier ein Beispiel. Wir
- sollten das vielleicht einfach mal versuchen. Hier haben wir gleich drei Füllwörter, vielleicht einfach mal.
- Diese Wörter fügen dem Satz keinen Informationsgehalt hinzu, aber das ist ein Satz, den wir in einem Gespräch oder
- als literarisches Stilmittel durchaus hören oder lesen könnten und er klingt weicher als wir sollten das versuchen.
- In Sachtexten verzichtet man besser auf Füllwörter. Ein Text ohne Füllwörter ist klarer und wirkungsvoller. Hier ein
- Beispiel. Die Gruppe fand die Bewerbung eigentlich ganz gelungen.
- Das klingt unsicher. Es klingt so, als sei die Gruppe nicht richtig überzeugt gewesen. Klarer ist, die Gruppe fand die
- Bewerbung gelungen. Und auch der folgende Satz entfaltet: Ohne Füllwort mehr Wirkung.
- Es ist ziemlich besorgniserregend, dass immer mehr junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen.
- Ohne Füllwort. Es ist besorgniserregend, daß immer mehr junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen.
- Wenn ihr das nächste Mal einen Text schreibt, könnt ihr ihn ja mal auf diese fünf Punkte hin untersuchen. Lasst mich
- in den Kommentaren unbedingt wissen, ob ihr einen oder mehrere dieser Tipps angewendet habt. Darüber würde ich mich
- sehr freuen. Und jetzt sage ich tschüss bis zum nächsten Video. [Musik]
Zum Nachlesen
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