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Wie sah die Antike tatsächlich aus? Homer vs. Hesiod // Kontroverse Geschichte
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 100 Zeilen
- [Musik] Die griechische Antike wird oft als Zeit heroischer Kämpfe, göttlicher Prophezeiung und großer Kriege
- dargestellt. Diese Vorstellung kommt vor allem von Homea, dem bekanntesten antiken griechischen Autor, dessen Werke Ilias und Odysseée das Bild einer
- kämpferischen und sagenhaften Welt zeichnen. Doch es gibt eine Diskussion darüber, ob Homeras Werke wirklich die ältesten literarischen Zeugnisse der
- Antike sind. Denn der Dichter Hesiot, ein Dichter, der er die alltäglichen Szenen des altgriechischen Lebens beschreibt, könnte ebenfalls der Ältere
- sein. Durch die Jahrhunderte haben Historiker die beiden Dichter unterschiedlich datiert. Von manchen in späte 7 bzw. 8. Jahrhundert vor
- Christus, von manchen in die Zeit des trojanischen Krieges. Hesiots Werke, Theonie und Werke und Tage zeichnen ein anderes Bild der Gesellschaft. Wenn
- Hesiot tatsächlich der ältere Autor wäre, würde das unsere heutige Vorstellung von Herr Antike nachhaltig verändern. Wir würden beim alten
- Griechenland nicht an eine konservative von Kriegen geprägte Zeit denken, sondern eine liberale Friedenszeit. Diese Frage ist nicht nur für die
- Forschung interessant, sondern auch für die Wahrnehmung der Antike in der breiten Öffentlichkeit. Die Frage, ob Homer oder Hesiot der
- ältere und wichtigere Dichter der Antike ist, scheint auf den ersten Blick klar zu sein. Der Pauli, dem einstiegigen Lexikon zur Altertumswissenschaft von
- 1970 erklärt die Debatte für nichtig, indem er feststellt, dass Hesiot ohne jeden Zweifel jünger sei als Homer. In diesem Video wollen wir die
- verschiedenen Argumente, die der Pauli in dieser Kontroverse um die zeitliche Priorität der beiden Dichter vorbringt, vorstellen und mit Argumenten aus der
- neueren Forschung widerlegen. Homer, Homer, Homer, immer Homer. Aber warum eigentlich? Ich habe neulich in
- einem Seminar einiges über Hesiot und sein Werk Ärger gelernt. Das war wirklich aufschlussreich. Trotzdem kennt ihn kaum jemand. Eigentlich hast du
- recht. Das Studium soll uns doch zum kritischen Denken motivieren. Lass uns doch mal nachschauen, ob es nicht auch Argumente für Hesiot als älteren und
- prägenderen Autoren gibt. Sollte Hesiot tatsächlich der ältere von beiden sein, dann würde das unsere Vorstellung der Antike total verändern.
- Z.B. das mit der Büchse der Pandora. Was hat denn Pandora mit Hesiot zu tun? Darüber können wir ja später noch reden. Lass uns erstmal die antiken Gelehrten
- fragen, die auch in Pauli als Quellen angeführt werden. Ich bin Era Tosines von Kirene, gelehrter und bibliothekar an der
- berühmten Bibliothek von Alexandria im dritten Jahrhundert vor Christus. Ich habe mir ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, ein Buch über die Geschichte der
- Geografie zu schreiben. Und wie beginnt man am besten so ein Werk? Natürlich ganz am Anfang. Also stellte ich mir die Frage, wer als erstes unsere Welt
- geographisch beschrieb, Homer oder Hisiot? Als Bibliothekar mit Zugang zu unzähligen Schriften konnte ich die Werke beide Autoren genau untersuchen.
- Dabei fiel mir etwas spannendes auf. In der Geschichte gibt es immer wieder einen wissenschaftlichen Fortschritt. So auch in der Geografie. Ich vergliche
- also, wer von beiden mehr wußte und wer Begriffe verwendete, die zu meiner Zeit noch geläufiger waren. Mein Gedanke, derjenige, dessen Wissen
- weiterentwickelter ist, muss der Jüngere sein. Ein Beispiel: In Humers Odyssee wird der Fluss in Ägypten als Ägyptus bezeichnet. Hiot hingegen verwendet
- bereits das Wort Neil, ein Begriff, der auch in meiner Zeit noch üblich ist. Das spricht dafür, dass Hesiot später lebte. Auch bei den geographischen Kenntnissen
- gibt es Unterschiede. Omer erwähnt in seinen Werken Ilias und Odyssee nicht einmal die Inseln Italiens. Hiot dagegen kennt nicht nur Syrakus auf Sizilien,
- sondern auch die kleine vorgelagerte Insel Ortygia und sogar den NER, den gewaltigen Vulkan. Und noch etwas. Romer beschreibt das Volk der Sküten lediglich
- als treffliche Rossemelker. Hesiot dagegen bezeichnet sie bereits als Rossemelkende Sküten. Ein richtiger Volksstamm mit Namen. Also schon mein
- Fazit: Homer ist der ältere der beiden, denn Hisiot besitzt ein deutlich umfassenderes geographisches Wissen. Er verwendet die moderneren Begriffe und
- schie zeitlich näher an meiner eigenen Gegenwart. Moment mal, die Entwicklungstheorie von Erathostenis, dass die Menge an Wissen
- stetig ansteigt, ergibt zwar Sinn, reicht alleine als Argument, aber nicht. Stimmt. Er argumentiert die gesamte Zeit so, was Humer nicht nennt, kennt er auch
- nicht. Wenn das stimmt, muss er ja in einer schrecklichen Welt gelebt haben, wenn er nichts als Zorn, Kampf und Irrfaden kannte.
- Genau. Nur weil Hesiot mehr erwähnt als mehr und ihm auch einiges an Wissen voraus hat, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er jünger war.
- Eratosten scheint bei seiner Ausführung wohl die Tatsache übersehen zu haben, dass er in die Entwicklung von Wissen abhängig von etnooziokulturellen
- Faktoren ist. Der Historiker Walter Burgard hat z.B. für Hesiots genaue Kenntnisse des Mittelmeers damit begründet, dass Hesiots Vater Seefahrer
- war und er somit das Mittelmeer genauer kannte. Nur weil Hesiot umfassendere Kenntnisse als Hom mehr hat, muss das nicht bedeuten, dass er jünger ist. Er
- ist schlichtwg in einem anderen Umfeld groß geworden. Daraus ergeben sich seine im Vergleich zu Homer höher entwickelten Kenntnisse über den Nil sowie die
- anderen Namensgebung als auch die Kenntnis der Rossemelkendens Güen. Mit Eras Behauptung, was Humer nicht erwähnt, kennt ihr auch nicht, würden
- Autor und Werk zu einer bedenklichen Einheit verschmelzen. Das würde bedeuten, Humer müsste alles niederschreiben, was er weiß. Doch wenn
- der Tner für die Irrfahten des Odysseus einfach nicht relevant ist, wieso sollte Humen dann erwähnen, selbst wenn er ihn nicht kennen würde? Das Verschweigen
- einer Information bedeutet nicht, dass Homer es nicht wusste. Es war schlicht einfach nicht relevant für seine Erzählwelt.
- Hm, also ihrer Tostenis hat mich jetzt nicht überzeugt. Was sagt denn Aristach? Ich
- bin Aristach von Samutrake und war im 2. Jahrhundert vor Christus Bibliothekar in Alexandria. Ich bin Philologe, also ein Sprach und Literaturwissenschaftler
- und beschäftige mich vor allem mit der Grammatik und Textkritik. auch der Ilias, die als ältestes Werk der Dichtkunst gilt. Ich wollte beweisen,
- dass Homea älter sei als Hesiot, indem ich systematisch Parallelstellen aus Homas und Hesiots Werken gesammelt habe, um belegen zu können, dass Hesiot von
- Homea abgeschrieben hat. Wie Eratostin es schon feststellte, hatte Hesiot ein moderneres Wissen als Omea. So nennt Hesiot Dionisos als Erfinder des Weins
- Omea überlieferte gegen Maron als Erfinder. Hesiot präzisiert folglich die homerische Angabe, um die spätergängigen Verbindung von Weiden und Jisers in
- Einklang zu bringen. Und dazu muss er die homerische Stelle gekannt haben. Homer dichtet in der Elias ein Vers amivalent, das heißt uneindeutig. Ares
- befahl Fobos und Daimos die Pferde zu zäumen. So könnte man Fobos und Daimos für die Namen der Pferde halten. Hesiot habe die Amivalenz aufgelöst, indem er
- sie in der Tegonie ausdrücklich als seine Sünde bezeichnete. Hesiot hat den Vers bei Homer also genau erklären wollen und dazu muss er die
- entsprechenden Verse genaustens gekannt haben. Deshalb muss er jünger sein. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Hesiot Homeas Stellen, die lückenhaft sind,
- nutzt, um sie mit seinem Inhalt zu füllen, zeigt sich auch am Beispiel der Gorgo Medusa. Home berichtet nur, Medusa habe einen erschreckenden Blick. Hesiot
- macht aus dem erschreckenden Blick ein versteinernen Blick und dichtet alle damit verbundenen Sagen inklusive der Enthauptung.
- Wie auch der Gorgo Medusa erging es dem Zyklopen Polyfilm aus der Odyssee. Hesiot dichtet, sie heißen Pyklopen mit Beinamen, weil ihnen ein einziges
- kreisrundes Auge in der Stirn lag. Homer beschreibt die Größe und das Wesen der Zyklopen ganz genau, erwähnt aber nie, dass sie nur einäugig sind. Hesiot habe
- sich erneut in die Irre füllen lassen, weil Polyfilm durch das Blenden eines Auges blind wurde. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass Polyfilm das andere
- Auge bereits vor der Ankunft des Odysseus verloren hat. Anderfalls hätte Homea so ein wichtiges Detail nicht verschwiegen. Meine Textkritik kommt zu
- dem Ergebnis, dass Hesiot von Homer abschrieb. Er dichtete Verse um, die er nicht verstand oder die seiner Meinung nach lückenhaft waren. Um so genau auf
- die homerischen Verse Bezug nehmen zu können, muss er die Texte präsent gehabt haben. Hiot muss also zwangsweise der jüngere von beiden Dichtern sein.
- Alle Achtung vor dem Aufspüren von intertextuellen Bezügen, aber aus den Parallelstellen ergibt sich keine zeitliche Datierung. Die Abweichung um
- die Erfindung des Weines oder Genealogie des Zeus kann auch darin begründet sein, dass Hesiot für seine Theogonie eine andere Quelle als Homer hatte. Aus einer
- Parallelstelle ergibt sich nicht zwangsläufig ein zeitliches Verhältnis. Es sind ja nicht mal wirklich parallelstellen, war Aristraich vom
- Beginnern Humer als in älteren betrachtet. Die Priorität von Homer gegenüber Hisiot ist Verortsetzung und Ergebnis seiner Untersuchung zugleich.
- Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch und notwendig, dass Hesiot das Abschreiben von Homer vorwirft. Wenn ein Versiot inhaltlich sinnvoller und
- verständlicher formuliert ist, weder zu den Söhnen des Ares, dann muss Aristrachen als Anspielung auf Homer interpretieren, ansonsten würde seine
- Argumentation keinen Sinn ergeben. Genau. Die schwache Argumentation von Aristach wird auch am Zyklopen Polyphem deutlich. Aristach argumentiert ja, dass
- Hesiot jünger sei, weil er die wage Formulierung über die Anzahl der Augen bei Homer präzisiert hat und alle Zyklopen einäugig macht. Hesiot nimmt
- also indirekt auf Homer Bezug. Bereits in der Antike wurde diese Argumentation kritisch gesehen, weil sie umkehrbar ist. So betont der römische Philologe
- Akius: Homer schweigt hier war die Anzahl der Augen, weil diese Eigenschaft von Zyklopen bereits vorher schon landläufig durch Hesiot bekannt ist.
- Akius dreht den Spieß also um. Jedes Mal, wenn Humer nur Waage oder kurz formuliert, wie bei den vermeintlichen Pferden des Ares oder den Blick der
- Medusa, macht er das, weil die ausführliche Erklärung bereits vorher bei Hesiot erfolgt ist. Dann sind aber viele Argumente der griechischen
- Gelehrten einfach umkehrbar. Ich glaube, die alten Gelehrten wußten einfach selbst nicht, wer älter war und hatten schlichtweg keine besseren Methoden.
- Umso erstaunlicher ist es, dass ich trotzdem die Behauptung durchgesetzt hat, Homer sei der Ältere von beiden. Wie sehe wohl unser Bild der
- griechischen Mythen aus, wenn sich Hiot als ältester Dichter durchgesetzt hätte? Ich meine, offenbar verdankt Meduse erst ihm ihren versteinernden Blick.
- Hast du nicht vorhin auch noch den Pandoraamythos angesprochen? Vielen Dank, Herr Schmidt, dass Sie hergekommen sind, um uns bei unserer
- Recherche zu helfen. Sie haben einen Aufsatz zum Pandora Mythos geschrieben und darin machten sie deutlich, wie sehr wir heute davon beeinflusst sind, dass
- mehr ältes ist. Können Sie uns und dem Publikum bitte das einmal genauer erklären? Na klar, gerne. Freut mich ja, wenn
- Studenten sich mit den Auswirkungen der Antike bis in die Gegenwart beschäftigen. Der Mythos Pandora geht auf Hesiot zurück. In der Tegonie wird
- die Geschichte von Prometus, der das Feuer stielt, um es den Menschen zu schenken, erzählt. Zeus bestraft Prometus mit ewiger Folter, doch auch
- die Menschen sollen leiden. Er schickt ihn die erste Frau, Pandora. Diese sei deshalb ein so furchtbares Übel, so Hesiot, weil sie sich wie eine
- Bienkönigin vom Mann ernähren lässt und weil er weder mit ihr noch ohne sie richtig leben kann. Pandora nimmt den Deckel eines übergroßen Tongefäßes ab
- und verstreut dessen Inhalt. Nur die Hoffnung bleibt im Gefäß zurück. Die Deutung, dass der Inhalt des sogenannten Pittos alles übel sei, von dem die Welt
- voll ist, ist kanonisch geworden. Dabei lässt Hesiot selbst die Frage des Inhalts, der Herkunft des Pittos und die Motive Pandoras unbeantwortet.
- Aber war es nicht so, dass ausgerechnet Aristach, der sonst Hesiot vorwirft, er habe lückenhafte Verse von Homer genutzt, um seine eigene Dichtung darauf
- aufzubauen, nun Homer heranzieht, um die missverständlichen Verse von Hesiot zu füllen? Das stimmt, denn auch wenn Homeani von
- Padora berichtet, dichtet er im letzten Buch der Elias eine Allegorie von zwei Peti, aus den Zeus gutes und übles austeilt. Aristach war durch seine
- eigene vorangenommene Meinung Hesiot müsse von Humer abgeschrieben haben, geblendet. Diese Einstellung führt ihn zu der Bewertung, daß das Pythos,
- welches Pandora öffnet, das Gefäß sei von Zeus, indem sich das Übel befindet. Das Interessante ist, Aristas Erklärung hatte durchschlagenden Erfolg. Niemand
- nach ihm in der Antike, im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit scheint den Mythos grundsätzlich anders verstanden zu haben, als vor dem Hintergrund der
- zwei homerischen Pettoi. Dieser Hintergrund verkompliziert die Mythos allerdings und ließ ihn der Art glückenhaft erscheinen, dass neue Motive
- zusätzlich eingeführt werden mussten, um den Sinn beibehalten zu können. So kann Zeus einer schmächtigen Frau kein übergroßes Vorratsgefäß mit auf dem Weg
- geben. aus dem Pitus wird eine Büchse. Diese Entwicklung ist wirklich spannend und auch für uns heute noch total aktuell, denn wirklich jeder kann mit
- dem Begriff Pandoraamythos etwas anfangen. Die Büchse der Pandora ist sinnbildlich zum geflügelten Wort geworden und die Assoziation, dass es
- sich dabei um etwas Schlechtes handelt, stammt ausschließlich von Homer. Genau. Kaum jemand kennt den wahren Ursprung. Durch die Zusammenführung der
- beiden Ansätze von Hesiot und Homer entstand ein neuer Mythos. der Pandoraamythos der europäischen Tradition, dessen Geburtsstunde
- eigentlich bei Aristach zu suchen ist. Man könnte sagen, der Pandoraamythus, wie wir ihn kennen, ist nicht von Hesiot, sondern von Aristaich und Schuld
- daran ist die Priorisierung von Homer gegenüber Hesiot. Wenn Humer also nicht von jeher priorisiert betrachtet worden wäre,
- hätte Aristrach die Mythos nicht auf diese Weise interpretiert und die Geschichte, wie wir sie heute kennen, wäre eine gänzlich andere.
- Ihr habt es erfasst. Vielen Dank für die Hilfe. Es war wirklich spannend zu sehen, wie die vermeintlich abgeschlossene Debatte um
- die Frage nach der Priorisierung von Homer und Hesiot noch mal auflammt und welche Relevanz das Ganze bis heute hat.
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