Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Wie sah die Antike tatsächlich aus? Homer vs. Hesiod // Kontroverse Geschichte

Kontroverse Geschichte14:43 333 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 100 Zeilen
Herunterladen
  1. [Musik] Die griechische Antike wird oft als Zeit heroischer Kämpfe, göttlicher Prophezeiung und großer Kriege
  2. dargestellt. Diese Vorstellung kommt vor allem von Homea, dem bekanntesten antiken griechischen Autor, dessen Werke Ilias und Odysseée das Bild einer
  3. kämpferischen und sagenhaften Welt zeichnen. Doch es gibt eine Diskussion darüber, ob Homeras Werke wirklich die ältesten literarischen Zeugnisse der
  4. Antike sind. Denn der Dichter Hesiot, ein Dichter, der er die alltäglichen Szenen des altgriechischen Lebens beschreibt, könnte ebenfalls der Ältere
  5. sein. Durch die Jahrhunderte haben Historiker die beiden Dichter unterschiedlich datiert. Von manchen in späte 7 bzw. 8. Jahrhundert vor
  6. Christus, von manchen in die Zeit des trojanischen Krieges. Hesiots Werke, Theonie und Werke und Tage zeichnen ein anderes Bild der Gesellschaft. Wenn
  7. Hesiot tatsächlich der ältere Autor wäre, würde das unsere heutige Vorstellung von Herr Antike nachhaltig verändern. Wir würden beim alten
  8. Griechenland nicht an eine konservative von Kriegen geprägte Zeit denken, sondern eine liberale Friedenszeit. Diese Frage ist nicht nur für die
  9. Forschung interessant, sondern auch für die Wahrnehmung der Antike in der breiten Öffentlichkeit. Die Frage, ob Homer oder Hesiot der
  10. ältere und wichtigere Dichter der Antike ist, scheint auf den ersten Blick klar zu sein. Der Pauli, dem einstiegigen Lexikon zur Altertumswissenschaft von
  11. 1970 erklärt die Debatte für nichtig, indem er feststellt, dass Hesiot ohne jeden Zweifel jünger sei als Homer. In diesem Video wollen wir die
  12. verschiedenen Argumente, die der Pauli in dieser Kontroverse um die zeitliche Priorität der beiden Dichter vorbringt, vorstellen und mit Argumenten aus der
  13. neueren Forschung widerlegen. Homer, Homer, Homer, immer Homer. Aber warum eigentlich? Ich habe neulich in
  14. einem Seminar einiges über Hesiot und sein Werk Ärger gelernt. Das war wirklich aufschlussreich. Trotzdem kennt ihn kaum jemand. Eigentlich hast du
  15. recht. Das Studium soll uns doch zum kritischen Denken motivieren. Lass uns doch mal nachschauen, ob es nicht auch Argumente für Hesiot als älteren und
  16. prägenderen Autoren gibt. Sollte Hesiot tatsächlich der ältere von beiden sein, dann würde das unsere Vorstellung der Antike total verändern.
  17. Z.B. das mit der Büchse der Pandora. Was hat denn Pandora mit Hesiot zu tun? Darüber können wir ja später noch reden. Lass uns erstmal die antiken Gelehrten
  18. fragen, die auch in Pauli als Quellen angeführt werden. Ich bin Era Tosines von Kirene, gelehrter und bibliothekar an der
  19. berühmten Bibliothek von Alexandria im dritten Jahrhundert vor Christus. Ich habe mir ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, ein Buch über die Geschichte der
  20. Geografie zu schreiben. Und wie beginnt man am besten so ein Werk? Natürlich ganz am Anfang. Also stellte ich mir die Frage, wer als erstes unsere Welt
  21. geographisch beschrieb, Homer oder Hisiot? Als Bibliothekar mit Zugang zu unzähligen Schriften konnte ich die Werke beide Autoren genau untersuchen.
  22. Dabei fiel mir etwas spannendes auf. In der Geschichte gibt es immer wieder einen wissenschaftlichen Fortschritt. So auch in der Geografie. Ich vergliche
  23. also, wer von beiden mehr wußte und wer Begriffe verwendete, die zu meiner Zeit noch geläufiger waren. Mein Gedanke, derjenige, dessen Wissen
  24. weiterentwickelter ist, muss der Jüngere sein. Ein Beispiel: In Humers Odyssee wird der Fluss in Ägypten als Ägyptus bezeichnet. Hiot hingegen verwendet
  25. bereits das Wort Neil, ein Begriff, der auch in meiner Zeit noch üblich ist. Das spricht dafür, dass Hesiot später lebte. Auch bei den geographischen Kenntnissen
  26. gibt es Unterschiede. Omer erwähnt in seinen Werken Ilias und Odyssee nicht einmal die Inseln Italiens. Hiot dagegen kennt nicht nur Syrakus auf Sizilien,
  27. sondern auch die kleine vorgelagerte Insel Ortygia und sogar den NER, den gewaltigen Vulkan. Und noch etwas. Romer beschreibt das Volk der Sküten lediglich
  28. als treffliche Rossemelker. Hesiot dagegen bezeichnet sie bereits als Rossemelkende Sküten. Ein richtiger Volksstamm mit Namen. Also schon mein
  29. Fazit: Homer ist der ältere der beiden, denn Hisiot besitzt ein deutlich umfassenderes geographisches Wissen. Er verwendet die moderneren Begriffe und
  30. schie zeitlich näher an meiner eigenen Gegenwart. Moment mal, die Entwicklungstheorie von Erathostenis, dass die Menge an Wissen
  31. stetig ansteigt, ergibt zwar Sinn, reicht alleine als Argument, aber nicht. Stimmt. Er argumentiert die gesamte Zeit so, was Humer nicht nennt, kennt er auch
  32. nicht. Wenn das stimmt, muss er ja in einer schrecklichen Welt gelebt haben, wenn er nichts als Zorn, Kampf und Irrfaden kannte.
  33. Genau. Nur weil Hesiot mehr erwähnt als mehr und ihm auch einiges an Wissen voraus hat, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er jünger war.
  34. Eratosten scheint bei seiner Ausführung wohl die Tatsache übersehen zu haben, dass er in die Entwicklung von Wissen abhängig von etnooziokulturellen
  35. Faktoren ist. Der Historiker Walter Burgard hat z.B. für Hesiots genaue Kenntnisse des Mittelmeers damit begründet, dass Hesiots Vater Seefahrer
  36. war und er somit das Mittelmeer genauer kannte. Nur weil Hesiot umfassendere Kenntnisse als Hom mehr hat, muss das nicht bedeuten, dass er jünger ist. Er
  37. ist schlichtwg in einem anderen Umfeld groß geworden. Daraus ergeben sich seine im Vergleich zu Homer höher entwickelten Kenntnisse über den Nil sowie die
  38. anderen Namensgebung als auch die Kenntnis der Rossemelkendens Güen. Mit Eras Behauptung, was Humer nicht erwähnt, kennt ihr auch nicht, würden
  39. Autor und Werk zu einer bedenklichen Einheit verschmelzen. Das würde bedeuten, Humer müsste alles niederschreiben, was er weiß. Doch wenn
  40. der Tner für die Irrfahten des Odysseus einfach nicht relevant ist, wieso sollte Humen dann erwähnen, selbst wenn er ihn nicht kennen würde? Das Verschweigen
  41. einer Information bedeutet nicht, dass Homer es nicht wusste. Es war schlicht einfach nicht relevant für seine Erzählwelt.
  42. Hm, also ihrer Tostenis hat mich jetzt nicht überzeugt. Was sagt denn Aristach? Ich
  43. bin Aristach von Samutrake und war im 2. Jahrhundert vor Christus Bibliothekar in Alexandria. Ich bin Philologe, also ein Sprach und Literaturwissenschaftler
  44. und beschäftige mich vor allem mit der Grammatik und Textkritik. auch der Ilias, die als ältestes Werk der Dichtkunst gilt. Ich wollte beweisen,
  45. dass Homea älter sei als Hesiot, indem ich systematisch Parallelstellen aus Homas und Hesiots Werken gesammelt habe, um belegen zu können, dass Hesiot von
  46. Homea abgeschrieben hat. Wie Eratostin es schon feststellte, hatte Hesiot ein moderneres Wissen als Omea. So nennt Hesiot Dionisos als Erfinder des Weins
  47. Omea überlieferte gegen Maron als Erfinder. Hesiot präzisiert folglich die homerische Angabe, um die spätergängigen Verbindung von Weiden und Jisers in
  48. Einklang zu bringen. Und dazu muss er die homerische Stelle gekannt haben. Homer dichtet in der Elias ein Vers amivalent, das heißt uneindeutig. Ares
  49. befahl Fobos und Daimos die Pferde zu zäumen. So könnte man Fobos und Daimos für die Namen der Pferde halten. Hesiot habe die Amivalenz aufgelöst, indem er
  50. sie in der Tegonie ausdrücklich als seine Sünde bezeichnete. Hesiot hat den Vers bei Homer also genau erklären wollen und dazu muss er die
  51. entsprechenden Verse genaustens gekannt haben. Deshalb muss er jünger sein. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Hesiot Homeas Stellen, die lückenhaft sind,
  52. nutzt, um sie mit seinem Inhalt zu füllen, zeigt sich auch am Beispiel der Gorgo Medusa. Home berichtet nur, Medusa habe einen erschreckenden Blick. Hesiot
  53. macht aus dem erschreckenden Blick ein versteinernen Blick und dichtet alle damit verbundenen Sagen inklusive der Enthauptung.
  54. Wie auch der Gorgo Medusa erging es dem Zyklopen Polyfilm aus der Odyssee. Hesiot dichtet, sie heißen Pyklopen mit Beinamen, weil ihnen ein einziges
  55. kreisrundes Auge in der Stirn lag. Homer beschreibt die Größe und das Wesen der Zyklopen ganz genau, erwähnt aber nie, dass sie nur einäugig sind. Hesiot habe
  56. sich erneut in die Irre füllen lassen, weil Polyfilm durch das Blenden eines Auges blind wurde. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass Polyfilm das andere
  57. Auge bereits vor der Ankunft des Odysseus verloren hat. Anderfalls hätte Homea so ein wichtiges Detail nicht verschwiegen. Meine Textkritik kommt zu
  58. dem Ergebnis, dass Hesiot von Homer abschrieb. Er dichtete Verse um, die er nicht verstand oder die seiner Meinung nach lückenhaft waren. Um so genau auf
  59. die homerischen Verse Bezug nehmen zu können, muss er die Texte präsent gehabt haben. Hiot muss also zwangsweise der jüngere von beiden Dichtern sein.
  60. Alle Achtung vor dem Aufspüren von intertextuellen Bezügen, aber aus den Parallelstellen ergibt sich keine zeitliche Datierung. Die Abweichung um
  61. die Erfindung des Weines oder Genealogie des Zeus kann auch darin begründet sein, dass Hesiot für seine Theogonie eine andere Quelle als Homer hatte. Aus einer
  62. Parallelstelle ergibt sich nicht zwangsläufig ein zeitliches Verhältnis. Es sind ja nicht mal wirklich parallelstellen, war Aristraich vom
  63. Beginnern Humer als in älteren betrachtet. Die Priorität von Homer gegenüber Hisiot ist Verortsetzung und Ergebnis seiner Untersuchung zugleich.
  64. Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch und notwendig, dass Hesiot das Abschreiben von Homer vorwirft. Wenn ein Versiot inhaltlich sinnvoller und
  65. verständlicher formuliert ist, weder zu den Söhnen des Ares, dann muss Aristrachen als Anspielung auf Homer interpretieren, ansonsten würde seine
  66. Argumentation keinen Sinn ergeben. Genau. Die schwache Argumentation von Aristach wird auch am Zyklopen Polyphem deutlich. Aristach argumentiert ja, dass
  67. Hesiot jünger sei, weil er die wage Formulierung über die Anzahl der Augen bei Homer präzisiert hat und alle Zyklopen einäugig macht. Hesiot nimmt
  68. also indirekt auf Homer Bezug. Bereits in der Antike wurde diese Argumentation kritisch gesehen, weil sie umkehrbar ist. So betont der römische Philologe
  69. Akius: Homer schweigt hier war die Anzahl der Augen, weil diese Eigenschaft von Zyklopen bereits vorher schon landläufig durch Hesiot bekannt ist.
  70. Akius dreht den Spieß also um. Jedes Mal, wenn Humer nur Waage oder kurz formuliert, wie bei den vermeintlichen Pferden des Ares oder den Blick der
  71. Medusa, macht er das, weil die ausführliche Erklärung bereits vorher bei Hesiot erfolgt ist. Dann sind aber viele Argumente der griechischen
  72. Gelehrten einfach umkehrbar. Ich glaube, die alten Gelehrten wußten einfach selbst nicht, wer älter war und hatten schlichtweg keine besseren Methoden.
  73. Umso erstaunlicher ist es, dass ich trotzdem die Behauptung durchgesetzt hat, Homer sei der Ältere von beiden. Wie sehe wohl unser Bild der
  74. griechischen Mythen aus, wenn sich Hiot als ältester Dichter durchgesetzt hätte? Ich meine, offenbar verdankt Meduse erst ihm ihren versteinernden Blick.
  75. Hast du nicht vorhin auch noch den Pandoraamythos angesprochen? Vielen Dank, Herr Schmidt, dass Sie hergekommen sind, um uns bei unserer
  76. Recherche zu helfen. Sie haben einen Aufsatz zum Pandora Mythos geschrieben und darin machten sie deutlich, wie sehr wir heute davon beeinflusst sind, dass
  77. mehr ältes ist. Können Sie uns und dem Publikum bitte das einmal genauer erklären? Na klar, gerne. Freut mich ja, wenn
  78. Studenten sich mit den Auswirkungen der Antike bis in die Gegenwart beschäftigen. Der Mythos Pandora geht auf Hesiot zurück. In der Tegonie wird
  79. die Geschichte von Prometus, der das Feuer stielt, um es den Menschen zu schenken, erzählt. Zeus bestraft Prometus mit ewiger Folter, doch auch
  80. die Menschen sollen leiden. Er schickt ihn die erste Frau, Pandora. Diese sei deshalb ein so furchtbares Übel, so Hesiot, weil sie sich wie eine
  81. Bienkönigin vom Mann ernähren lässt und weil er weder mit ihr noch ohne sie richtig leben kann. Pandora nimmt den Deckel eines übergroßen Tongefäßes ab
  82. und verstreut dessen Inhalt. Nur die Hoffnung bleibt im Gefäß zurück. Die Deutung, dass der Inhalt des sogenannten Pittos alles übel sei, von dem die Welt
  83. voll ist, ist kanonisch geworden. Dabei lässt Hesiot selbst die Frage des Inhalts, der Herkunft des Pittos und die Motive Pandoras unbeantwortet.
  84. Aber war es nicht so, dass ausgerechnet Aristach, der sonst Hesiot vorwirft, er habe lückenhafte Verse von Homer genutzt, um seine eigene Dichtung darauf
  85. aufzubauen, nun Homer heranzieht, um die missverständlichen Verse von Hesiot zu füllen? Das stimmt, denn auch wenn Homeani von
  86. Padora berichtet, dichtet er im letzten Buch der Elias eine Allegorie von zwei Peti, aus den Zeus gutes und übles austeilt. Aristach war durch seine
  87. eigene vorangenommene Meinung Hesiot müsse von Humer abgeschrieben haben, geblendet. Diese Einstellung führt ihn zu der Bewertung, daß das Pythos,
  88. welches Pandora öffnet, das Gefäß sei von Zeus, indem sich das Übel befindet. Das Interessante ist, Aristas Erklärung hatte durchschlagenden Erfolg. Niemand
  89. nach ihm in der Antike, im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit scheint den Mythos grundsätzlich anders verstanden zu haben, als vor dem Hintergrund der
  90. zwei homerischen Pettoi. Dieser Hintergrund verkompliziert die Mythos allerdings und ließ ihn der Art glückenhaft erscheinen, dass neue Motive
  91. zusätzlich eingeführt werden mussten, um den Sinn beibehalten zu können. So kann Zeus einer schmächtigen Frau kein übergroßes Vorratsgefäß mit auf dem Weg
  92. geben. aus dem Pitus wird eine Büchse. Diese Entwicklung ist wirklich spannend und auch für uns heute noch total aktuell, denn wirklich jeder kann mit
  93. dem Begriff Pandoraamythos etwas anfangen. Die Büchse der Pandora ist sinnbildlich zum geflügelten Wort geworden und die Assoziation, dass es
  94. sich dabei um etwas Schlechtes handelt, stammt ausschließlich von Homer. Genau. Kaum jemand kennt den wahren Ursprung. Durch die Zusammenführung der
  95. beiden Ansätze von Hesiot und Homer entstand ein neuer Mythos. der Pandoraamythos der europäischen Tradition, dessen Geburtsstunde
  96. eigentlich bei Aristach zu suchen ist. Man könnte sagen, der Pandoraamythus, wie wir ihn kennen, ist nicht von Hesiot, sondern von Aristaich und Schuld
  97. daran ist die Priorisierung von Homer gegenüber Hesiot. Wenn Humer also nicht von jeher priorisiert betrachtet worden wäre,
  98. hätte Aristrach die Mythos nicht auf diese Weise interpretiert und die Geschichte, wie wir sie heute kennen, wäre eine gänzlich andere.
  99. Ihr habt es erfasst. Vielen Dank für die Hilfe. Es war wirklich spannend zu sehen, wie die vermeintlich abgeschlossene Debatte um
  100. die Frage nach der Priorisierung von Homer und Hesiot noch mal auflammt und welche Relevanz das Ganze bis heute hat.

Zum Nachlesen