Ressource Wasser - unser wertvollster Rohstoff wird knapp! | Doku Hessischer Rundfunk https://www.youtube.com/watch?v=NqlHJ0BpOWY Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Untertitel: Hessischer Rundfunk Untertitel: Hessischer Rundfunk 0:03 * dramatische Musik * Hitze, Sonne, vor allem aber ausbleibender Regen 0:12 lassen die Pegelstände sinken. An einigen Orten war es so heiß, wie nie zuvor. 0:22 In weiten Teilen Deutschlands und auch hier bei uns in Hessen ist es einfach viel zu trocken. 0:28 Und es fiel nicht einmal halb so viel Regen. * Dramatische Musik wird fortgesetzt. * 0:36 Der Grundwasser-Pegel sinkt. Die Bevölkerung wird aufgefordert, die Entnahme von Trinkwasser 0:43 auf das absolut notwendige Maß zu reduzieren. Kein Wasser. Seit Wochen. 0:58 Fuldatal bei Kassel im Juli 2022. Gemüsefelder. 15 Hektar. 1:06 Nichts wächst, wie es könnte, auch nicht der Rosenkohl. Die Pflanze haben wir zwei Wochen vor dieser gepflanzt. 1:13 Da war noch Feuchtigkeit im Untergrund, in den tieferen Schichten 1:19 und das hat die Pflanze halt noch mitgenommen. Seitdem die kleine hier steht, hat es nicht mehr geregnet. 1:26 Das ist halt dieser Unterschied, den man hier ganz klar sehen kann. Wasser, jeder Tropfen bedeutet Leben. 1:36 Hier bekommen die Tomaten an die Wurzeln geträufelt, was sie brauchen. Wohl dosiert, pro Tag drei bis vier Liter. 1:43 So wachsen im Gewächshaus auf 200 Quadratmetern etwa 1200 Tomatenpflanzen. 1:48 Genug für eine wöchentliche Ernte von 350 Kilogramm. Das untere Wasser ist für das Wachstum der Pflanzen 1:56 und das obere Wasser ist der Sonnenschutz für die Pflanzen. Künstlicher Regen für die Gurken. Drei Mal täglich für eine Minute. 2:07 Diese Dosis verabreicht der Gemüsegärtnermeister seiner anderen Gewächshauskultur. 2:14 Die Gurke ist halt sehr empfindlich. Hier oben an diesem Kopf. 2:19 Das ist der Vegetationskopf, hier wächst sie immer weiter und bei ganz heißem Wetter bekommt die hier oben einen Schaden. 2:27 Als würden wir einen Sonnenstich bekommen und dann geht es uns ja auch nicht gut. 2:32 Deswegen haben wir hier oben diese Ober-Beregnung und damit machen wir die Pflanze nass, damit sie gekühlt wird. 2:44 Lebensspendendes Nass kann Pflanzen auch von unten, direkt an die Wurzeln, geliefert werden. 2:50 Wildkräuter etwa, wachsen in solchen Ebbe-Flut-Tischen. Dadurch saugen sich die Pflanzen voll. 2:58 Mit dem Wasser, das sie benötigen. Nach einer bestimmten Zeit, wenn die Tische voll sind, 3:03 läuft das ganze Wasser, das überschüssig ist, das auf dem freien Feld einfach verdunstet, 3:09 läuft hier wieder zurück und wir benutzen das nächste Mal wieder. Wir brauchen nur das Wasser, was die Pflanze benötigt. 3:16 Dadurch ist das sehr sparsam. Es gibt Betriebe, die Salat und Jungpflanzen so kultivieren. 3:25 Die haben dann große Gewächshäuser, wo der ganze Boden, das ist dann eine große Betonfläche, wo der ganze Boden angestaut wird. 3:33 Also, das gibt es auch. Das ist aber kostenintensiv. Und damit keine Alternative zum Feld. 3:41 Und hier, keine Feuchtigkeit. Wochenlang ist kein Regen gefallen. Wo über Jahrzehnte alles, was gepflanzt worden war, 3:50 üppig wuchs, kämpft der Gemüsebauer in der vierten Generation mit stetig zunehmender Trockenheit. 3:56 Wenn man so die Möhre anguckt, die sieht ja so aus, wie eine Möhre aussehen soll. 4:01 Aber dann guckt man sich das hier unten an. Da sieht man, es ist ja viel dünner, viel spitzer. 4:07 Und das ist ein Zeichen dafür, dass es viel zu trocken ist. Ohne Wasser gibt es keine Lebensmittel. 4:15 Da ist Gemüse sogar verhältnismäßig genügsam. Ein Kilo Möhren benötigt 130 Liter, Kartoffeln 210, 4:22 grüner Salat 240, ein Liter Milch braucht schon 600 Liter Wasser. Ein Kilo Eier mehr als das Fünffache, 4:29 ein Kilo Reis fast dreieinhalbtausend Liter, ein Kilo Schweinefleisch mehr als 4.700 und Rindfleisch gar mehr als 15.000 Liter Wasser. 4:40 Also: Wasser muss her! Ullrich hat ein Speicherbecken gebaut für 6000 Kubikmeter. 4:46 Dort hinein fördert ein Brunnen aus 50 Metern Tiefe Tag für Tag 40 Kubikmeter, etwa so viel wie 250 Badewannenfüllungen. 4:59 Die Investition, die wir hier gemacht haben, war im sechsstelligen Bereich nur für dieses Becken. 5:08 Dann kommt noch der Brunnen dazu. Und das ist quasi nur, um die Pflanzen am Leben zu erhalten. 5:14 Aber, dass wir an mehr Ertrag oder mehr Umsatz dadurch erzielen, das war eigentlich nicht. 5:22 Schon jetzt, und der Sommer ist längst nicht rum, ist absehbar, dass die aus dem Grundwasser herauf gepumpte Menge 5:28 für die Saison nicht reichen wird. Momentan ist er schon unter der Hälfte. 5:33 Wir haben jetzt erst die Möhren gesät, die späten, die jetzt zum Keimen viel Wasser brauchen. 5:40 Ohne Wasser keimt nichts. Da brauchen wir ordentlich Wasser. Also ist dieses Wasser, dass jetzt noch da ist, ganz schnell weg. 5:49 Ich habe jetzt schon Angst, dass es hinten und vorne nicht reicht. Pumpe und Becken hat Ullrich letztes Jahr in Betrieb genommen. 6:00 Nach dem Trockensommer 2018 endlich Grundwasser für die Felder. Doch wie lange wird es sich überhaupt fördern lassen? 6:07 Es gibt keine Garantie für die nächsten 20 Jahre: Kommt da Wasser? Niemand gibt einem die Garantie. 6:17 Das war eine Investition: "Ja, könnte was werden, vielleicht nur für ein Jahr, 6:25 vielleicht für die nächsten zehn." Man weiß es nicht. 6:29 Sein Vater, Stefan Ullrich, blickt zurück in eine Zeit, da zu wenig Regen kein Thema war. 6:35 Da reichte es, Regenwasser von den Dachflächen zu sammeln. 1000 Kubikmeter fasst dieser kleine Sammelteich, 6:41 den er einst angelegt hatte. 15 Jahre lang ging das ganz gut. 6:45 Die letzten 10-15 Jahre haben sich die Niederschläge stark verschoben auf Herbst und Winter, sodass im Frühjahr eher Trockenheit war 6:54 und das Becken zu früh leer war. So beregnen sie nun über Nacht, damit das kostbare Nass nicht verdunstet. 7:00 Allein ein Hektar schluckt etwa 150 Kubikmeter Wasser, fast 4 Mal so viel, wie der Brunnen an einem Tag fördern kann. 7:08 Ich kann jetzt noch 2-3 Mal Wasser geben, dann ist mein Wasser alle. Was dann danach passiert, weiß ich auch nicht. 7:16 Ich weiß auch nicht, wie die Zukunft sein soll. Was hier wächst, verkaufen die Ullrichs auf Wochenmärkten. 7:28 Den Großhandel beliefern sie längst nicht mehr. Dafür ist die Aufzucht ihrer Salate und Gemüse 7:34 mittlerweile viel zu teuer. Das Grün, taufrisch. Die Niddaquelle, kühl und klar. 7:43 Vogelsberg. Idylle eines wasserreichen Mittelgebirges. Rolf Frischmuth vom Naturpark Vulkanregion Vogelsberg aber weiß, 7:52 der Eindruck trügt. Der Naturpark Vogelsberg, gerade hier in den Höhenlagen, 7:58 der hat ansonsten, in Normaljahren, Niederschlagsmengen von 1500 bis 1800 Milimeter gehabt. 8:05 In den letzten Jahren erreichen wir mit Mühe und Not gerade 1000 Millimeter. 8:11 Es gibt sogar Jahre, da mussten wir mit 800 Milimetern auskommen. Das macht sich an ganz vielen Stellen bemerkbar. 8:17 Zum einen fallen viele Quellen trocken, die hier oben seit schon vielen hundert Jahren fließen. 8:23 Die Bäche trocknen aus. Alles, was in diesen Bächen, in diesen Feuchtgebieten lebt, 8:28 stirbt in unmittelbarem Anschluss danach. In den Hochlagen des Vogelsbergs vertrocknen die Fichten, 8:35 werden ein Raub der Borkenkäfer. Zu trocken und zu wenig Wasser 8:40 auch im größten Schatz des Naturparks, im Hochmoor. Wir haben hier ganz viel getan, um das Wasser zurückzuhalten. 8:48 Aber es gelingt uns nur sehr eingeschränkt. Wenn man in diese Fläche schaut, sieht man, 8:55 sie ist bereits bewachsen mit Binsen und anderen Gräsern. Das Buschwerk nimmt zu. 9:00 Für den Fachkundigen ist das ein deutliches Signal, dass der Moorkörper gestört ist 9:06 und in einigen Teilen wahrscheinlich irreparabel. Dann wird das CO2, 9:11 das sich über mehr als 10.000 Jahre gesammelt hat und gespeichert wurde, würde wieder freigesetzt. 9:17 Doch nicht nur die Natur leidet. Seit Jahren sorgen sich in Hessens höchstgelegener Stadt, 9:23 in Ulrichstein, die Bürger um ihr Trinkwasser. Seit sechs Jahren ist Edwin Schneider hier Bürgermeister. 9:30 Die trockensten Sommer fallen in seine Amtszeit. 2018 etwa musste fünf Monate lang 9:35 Trinkwasser mit Tankwagen heran gekarrt werden. Das vorhandene Wasser aus der Mitte der 90er Jahre, 9:44 ist leider nicht mehr da. Wir haben Pumpversuche gemacht. Leider ohne Ergebnis. 9:48 Weiterhin haben wir dann noch einen Brunnen gebohrt, auch in unmittelbarer Nähe dieser Versuchsbohrung, 9:55 120 Meter tief gebohrt, kein Wasser gefunden. Das liegt auch an der Geologie. 10:01 Im Basaltgestein verteilt sich Grundwasser wie Inseln auf verschiedenen Etagen. 10:06 Fündig wurden die Ulrichsteiner erst in größerer Tiefe. Wir haben 200 m tief gebohrt. 10:11 Wir haben drei Liter pro Sekunde Wasser gefunden. Die 10,8 Kubik, die das ergibt pro Stunde, reichen gerade so aus, 10:19 um die Trinkwasser-Versorgung sicherstellen zu können. Es gibt keine Grundwasserneubildung, kaum noch bei dieser Trockenheit, 10:28 bei diesem Klimawandel. Wir sind an der Wasserscheide Rhein-Weser. 10:32 Das Wasser läuft in alle Richtungen weg und wir sitzen hier oben fast auf dem Trockenen. 10:38 Der neue Brunnen hat Ulrichstein knapp 1 Million Euro gekostet. Er versorgt eintausend Einwohner in der Kernstadt mit Trinkwasser. 10:45 Der Mangel an Wasser, die Vogelsberger sehen nicht nur in der Trockenheit die Ursache, 10:50 sondern auch darin, dass aus ihrem Mittelgebirge große Mengen Wasser nach Frankfurt abgeleitet werden. 10:57 Man greift immer stärker auf das Wasser des Vogelsbergs und auch anderer Regionen zurück. 11:02 Es ist uns Vogelsbergern kaum nachvollziehbar, warum man sagt, der Bedarf wird auf der einen Seite immer höher, 11:10 während auf der anderen Seite die Grundwasserneubildung einfach schlechter geworden ist. 11:15 Gegen diese Praxis protestieren Menschen aus dem Vogelsberg immer wieder. 11:20 Auch dagegen, dass sie für den Kubikmeter Wasser fast vier Euro zahlen müssen, 11:25 die Menschen im Rhein-Main-Gebiet aber nur etwa die Hälfte. Wir sind viele, wir sind laut! Wir sind viele, wir sind laut! 11:34 Der Widerstand im Vogelsberg wird angeheizt von anhaltender Trockenheit. 11:39 Ende August 2022 fällt die Nidda bei Schotten auf einer Länge von vier Kilometern trocken. 11:45 Fische, Muscheln, Pflanzen, tot. So etwas sei hier noch nie vorgekommen. Dieses Ökosystem ist natürlich schwer geschädigt. 11:54 Man kann wirklich von einer Katastrophe sprechen. Alles, was hier in diesem kleinen Bach gelebt hat, 12:01 ist in den letzten 14 Tagen seit der absoluten Trockenheit gestorben. Es wird auch sehr lange dauern, bis diese Lebewelt wieder zurückkehrt. 12:10 Selbst wenn es nun regnete, erst einmal würde das gar nicht helfen, zu trocken, zu hart ist der Grund. 12:18 Das Wasser fließt einfach ab. Es fließt ungehindert ab, es dringt gar nicht in den Schwamm ein. 12:24 Wenn ich den Schwamm nehme und ihn ausdrücke, da kommt nix an, fast gar nichts. 12:30 Normalerweise steht die Nidda hier ein bis zwei Meter hoch. Nun ist alles trocken. Seit Wochen hat es nicht geregnet. 12:37 Das habe auch Folgen für das Grundwasser und die Trinkwasser-Versorgung: 12:43 Wir hier im Vogelsberg leiden bereits schon unter der Wassernot, weil die Brunnen, 12:48 aus denen sich die Vogelsberger bedienen, die sind nicht so tief. Dort ist nicht so viel Wasser vorhanden. 12:54 Das wird früher oder später auch mit dem Grundwasser geschehen, das derzeit nach Frankfurt gepumpt wird. 13:01 Hier sehen die Vogelsberger das Problem: Frankfurt. Es holt sich dreiviertel seines Wasserbedarfs aus dem Umland. 13:08 So wird Wasser aus dem Rhein ins Grundwasser unter dem Hessischen Ried gepumpt, 13:13 um von dort Wasser für die Stadt zu gewinnen. Auch aus dem Grundwasserleiter unter dem Stadtwald wird sich bedient. 13:20 Der wird immer wieder aufgefüllt mit Wasser aus dem Main. Schließlich zapft Frankfurt den Spessart an und den Vogelsberg. 13:28 Die Stadt am Main ist durstig, schluckt Jahr für Jahr 52 Millionen Kubikmeter Wasser. 13:36 Der Kritik, dass sie sich auch im Vogelsberg bedient, begegnet die Umweltdezernentin Frankfurts 13:42 mit trotziger Hilflosigkeit. Ich respektiere durchaus die Kritik aus dem Hessischen Ried 13:50 und vom Vogelsberg, dass sie sagen "Frankfurt säuft unser Wasser". Aber, Sie müssen berücksichtigen, wir tun das schon seit 150 Jahren. 13:58 Warum? Weil die Metropole Frankfurt und die Region wächst. Wir sind am Tag 1,5 Mio Menschen und in der Nacht 740 - 750.000. 14:09 Will damit sagen, wir sind eine Einpendler-Stadt, sind Arbeitgeberin. 14:14 Wir versorgen nicht nur die Frankfurter Bevölkerung, sondern auch alle, die bei uns am Tag arbeiten. 14:20 Wenn ich dafür eine Lösung hätte, wäre sie umgesetzt! Das Wasser aus dem Vogelsberg, wer darf es nutzen? 14:26 Wie viel davon darf die Großstadt schlucken? Ein Vorschlag aus dem Vogelsberg: 14:31 Wir wollen keine Vorwürfe formulieren, sondern wir wollen Verständnis erzeugen. 14:36 Wir wollen einfach die Frankfurter sensibilisieren für das Thema und das Rhein-Main-Gebiert vielleicht dazu motivieren 14:44 mehr Wasser zu sparen. Immerhin, ein Wasserkonzept hat die Mainmetropole vorgelegt. 14:50 Darin ist vor allem die Rede von "Prüfungen", "Studien", "Handlungsfeldern". 14:56 Was aber kann Frankfurt selbst unternehmen für sein Grundwasser? Zum Beispiel Flächen schaffen, die nicht asphaltiert, 15:04 nicht betoniert, nicht versiegelt sind. Hier kann Regenwasser versickern. Das kommt dem Grundwasser zugute. 15:11 Zugleich verhindern solche Flächen, dass bei Starkregen das Regenwasser nur abläuft in die Kanalisation oder gar, 15:18 wenn die Kanäle überlastet sind, Straßen und Plätze überflutet werden. Denn auch das ist die Zukunft. 15:24 Immer häufiger werden große Regenmengen in kurzer Zeit fallen. Dafür braucht das Wasser Raum, Auffangbecken, Überflutungsflächen. 15:32 Das schützt die Stadt und ihre Bewohner und hält wertvolles Wasser zurück, 15:37 das dann ins Grundwasser sickern kann. Das Stichwort für einen solchen Umbau lautet "Schwammstadt". 15:43 Wie die aussehen kann? Offenbach macht es beispielhaft vor. Mehr Wasserflächen, Schluss mit zu viel Asphalt und Beton! Mehr Grün. 15:53 Auch auf Dächern! Offenbach will Schwammstadt werden. Bürgermeisterin Sabine Groß treibt es voran. 15:59 Regen speichern, da wo er fällt. Denn eines sei doch sicher: Das Wetter werde extremer. 16:05 Extremwetter-Ereignisse heißt: Mehr Hitze, mehr Stürme, mehr Starkregen-Ereignisse. 16:11 Und wir müssen darauf reagieren, indem wir unsere Städte anders bauen mit weniger versiegelten Flächen. 16:19 Dass das Wasser nicht komplett in die Kanalisation abgeführt wird. Sondern, dass es vor Ort versickert oder verdunstet. 16:26 Auch Offenbach hat in den vergangenen Jahren erlebt, wohin es sonst führt, wenn Kanalisationen Regen nicht mehr aufnehmen können. 16:34 Eine Stadt wie ein Schwamm, das könnte die Lösung sein. Dieses begrünte Dach kann bis zu 80 Prozent 16:41 von starken Niederschlägen aufsaugen, erklären die Projektplaner. Eine Maßnahme Offenbachs auf dem Weg zur Stadt, die Wasser festhält. 16:50 Hier eine weitere: Große Gebäude, wie das neue Polizeipräsidium, 16:55 bekommen unterirdische Speicher fürs Regenwasser. Das läuft dann später über renaturierte Bachläufe ab, 17:01 statt die Kanalisation bei Unwettern überlaufen zu lassen. Das sind freiwillige Maßnahmen. Noch. 17:07 Unser Ziel ist eine Niederschlagswasser-Satzung in Offenbach zu erlassen, mit der wir Vorgaben bei Neubauten machen. 17:14 Wobei: Auch ohne Vorgaben lohne es sich schon jetzt, Regenwasser etwa in Teiche zu leiten. 17:20 Diese Kirchengemeinde hat sich bei einem Neubau dafür entschieden. Vorteil der Investition: 17:26 Die Gemeinde zahlt weniger Abwassergebühren, weil das Regenwasser vom Kirchendach 17:31 nicht mehr in die Kanalisation fließt. Seit Januar 2022 fördert Offenbach einen weiteren Schritt 17:36 auf dem Weg zur Schwammstadt. Wer Flächen durch solche Steine, durchlässig macht, 17:42 erhält bis zu 50 Euro pro Quadratmeter. Interessenten für diese Maßnahme gibt es viele. 17:48 Wir haben vorgesehen, wenn die Nachfrage hoch ist, füllen wir den Topf noch mal auf, 17:54 dass wir mehr Flächen zum entsiegeln fördern können. Schwammstadt werden gegen Starkregen-Fluten, 18:01 gegen sinkende Grundwasserspiegel. Doch nicht nur Regenwasser auffangen und versickern, 18:07 sondern auch, aufgefangenes Wasser besser nutzen. Zurück im Vogelsberg. 18:12 Eine Zisterne für jeden Neubau. Regenwasser sammeln ist im Neubaugebiet 18:17 von Freiensteinau Bauherren-Pflicht. Auch wenn es in der Gemeinde acht Brunnen 18:23 und genauso viele Hochbehälter und Leitungsnetze gibt. 3100 Einwohner müssen mit Trinkwasser versorgt werden. 18:30 Möglichst wenig davon für Bewässerung oder Toilettenspülung zu verschwenden, das hat sich Bürgermeister Sascha Spielberger 18:37 auf die Fahne geschrieben. Was bei uns seit Jahren an der Tagesordnung ist, 18:42 dass wir in Neubaugebieten die Regenwasser-Nutzung vorschreiben. Das ist ein Bestandteil, der bei uns traditionell in den Büchern steht, 18:51 um so einen Teil zur Schonung des Trinkwassers beizutragen. Das Problem im Vogelsberg wie andernorts: 19:00 Vom Regen, wenn er fällt, kommt zunehmend weniger im Grundwasser an. Im Sommer, bei hohen Temperaturen, verdunstet viel an der Oberfläche. 19:08 Zudem, weil die Böden trocken und hart sind, läuft das Regenwasser zum Teil sturzbachartig ab. 19:14 Der Grundwasserspiegel sinkt, vor allem dann, wenn in dieser Zeit viel entnommen wird. 19:20 Etwa für Frankfurt. Die Stadt deckt ihren Bedarf zu 35 Prozent aus dem Mittelgebirge 19:26 und geht damit nicht sehr achtsam um. Ein Drittel des in Frankfurt verbrauchten Trinkwassers 19:32 dient nicht als Lebensmittel, wird zur Bewässerung vergossen oder in Toiletten heruntergespült. 19:38 Die Stadt selbst, weitgehend versiegelte Fläche, kann nur zu einem Viertel ihren Trinkwasserbedarf selbst decken. 19:45 Das widerspricht dem Wasserhaushaltsgesetz: Müsste die Stadt nicht längst mit größtem Nachdruck nach Wegen suchen, 20:03 selbst mehr Trinkwasser zu gewinnen und bereitzustellen? Frage an Rosemarie Heilig, Frankfurts Umweltdezernentin: 20:10 Die Stadt Frankfurt hat natürlich erkannt, dass es so nicht weitergehen kann, dass wir aus der Region, 20:17 dem Vogelsberg, aus dem Hessischen Ried das Wasser nur importieren, aber nicht etwas dafür tun, unsere eigenen Brunnen zu verwenden. 20:25 Das ist der Inhalt des Wasserkonzeptes: Wir wollen erreichen, dass wir durch Infiltration von Main-Wasser 20:31 den Grundwasserstand wieder so anheben, dass wir in der Zukunft, obwohl wir wachsen, nicht noch mehr Wasser 20:38 aus dem Vogelsberg und dem Hessischen Ried verbrauchen. Das ist das Ziel des Wasserkonzeptes der Stadt Frankfurt. 20:45 Bereits seit Jahren zapft die Metropole den Rhein an, lässt das Flusswasser im Hessischen Ried ins Grundwasser sickern. 20:54 So gewinnt Frankfurt nach aufwändiger Aufbereitung 40 Prozent seines Trinkwassers. 21:01 Mehr als 20 Millionen Kubikmeter pro Jahr! Doch wie lange noch? Fallende Flusspegel in trockenen Sommern zeigen schon jetzt, 21:11 dass dieses Modell Grenzen hat. Auch hier, im Frankfurter Stadtwald, oder besser unter ihm, 21:20 liegt eines der Wasserreservoire der Stadt. Grundwasser, das mit Argusaugen beobachtet wird 21:28 von Hessenwasser-Mitarbeitern. 7,98 Meter sind es hier. Jetzt habe ich genau geguckt. 21:35 Also quasi acht Meter. Das ist für die Stelle mittlerer Grundwasserstand. 21:44 Dass das Grundwasser trotz anhaltender Trockenheit noch immer seinen mittleren Stand hält, verdankt es einem Trick. 21:52 Seit 1959 wird aus dem Main Wasser entnommen. Gereinigt und ein erstes Mal aufbereitet 21:57 wird es im Stadtwaldgebiet in den Untergrund geleitet, infiltriert. Im vergangenen Jahr waren es 2,2 Millionen Kubikmeter Main-Wasser, 22:07 die das Grundwasser auf diese Weise aufgefüllt haben. Durch die Anreicherung des Grundwassers 22:13 mit aufbereitetem Oberflächenwasser haben wir ein Drittel Brauchwasser in dem Trinkwasser, was nach Frankfurt geliefert wird. 22:21 Unsere Argumentation ist: 30 Prozent für die Toilettenspülung sind Brauchwasser, 22:26 frei Haus geliefert, ohne zweites Leitungs-System. Für Freiensteinaus Bürgermeister klingt das wie eine Ausrede. 22:34 Er vermisst ein Bekenntnis Frankfurts zu Regen- und Brauchwasser-Nutzung. So wie es seine Gemeinde vormacht. 22:41 Das Wasserkonzept Frankfurts reicht ihm nicht: Ich habe im Wasserkonzept der Stadt Frankfurt gelesen, 22:48 wenn größere Neubaugebiete entstehen, wird geprüft, ob das in Frage kommt oder ob das genutzt werden kann. 22:57 Bei uns wird es schon als selbstverständlich gesehen. Demnächst auch in Frankfurt? Die Umweltdezernentin beteuert das: 23:06 Wir müssen bei den neuen Baugebieten dafür sorgen, dass wir nicht mehr Trinkwasser durch die Toiletten spülen 23:12 oder fürs Waschen benutzen. Deswegen haben wir als neue Koalition entschieden, 23:17 dass wir Brauchwasserleitungen in die neuen Gebäude, die wir zukünftig bauen, einbauen werden. 23:23 Selbst wenn dieses Versprechen eingelöst wird, es wird nichts daran ändern, dass Frankfurt 23:29 immer am Trinkwasser-Tropf anderer Regionen hängt, über große Entfernungen Wasser heranschaffen muss. 23:36 So wie aus Inheiden im Landkreis Gießen. Hier fördern die Oberhessischen Versorgungsbetriebe, die OVAG, 23:44 im Jahr 14,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Grundwasserleiter. 23:50 Wenn man sehr viel entnommen hat, ganz extrem war es in den 70er-Jahren, 23:55 mit der Trockenperiode ging der Grundwasserstand nach unten. Dann haben wir angefangen, die Wassermenge zu reduzieren. 24:03 Dann ging das alles so. Ab 2003 betreiben wir 24:08 die umweltschonende Grundwassergewinnung. Da ist das Ziel, 24:13 dass der Grundwasserstand auf einem Stand im Prinzip gleich bleibt. Das können Sie nur erreichen, 24:20 wenn Sie die Entnahmemenge entsprechend reduzieren. Das ist der Trick dabei, dass wir uns immer genau überlegen, 24:29 wie viel Menge können wir an den einzelnen Stellen entnehmen, ohne dass wir oberflächennahe Biotope 24:35 und ohne dass wir den Grundwasserstand verändern? Aus insgesamt neun Gewinnungsgebieten 24:43 mit 21 Brunnen fördert die OVAG jährlich 33 Millionen Kubikmeter. Die verteilt sie über ein weites Leitungsnetz. 24:51 In Rohren mit einem Durchmesser von 1,20 Meter rauscht das Wasser aus Hochbehältern an die Zielorte. 24:57 Wir haben ein Leitungsnetz von 250 Kilometern. Das müssen Sie sich vorstellen, 25:03 diese 250 Kilometer sind permanent in Bewegung. Das sind Güterzüge, die da transportiert werden, 25:09 24 Stunden am Tag. Allein nach Frankfurt schickt der Wasserversorger 25:15 so jedes Jahr 19 Millionen Kubikmeter. Doch bei diesem Wasser-Schwerlast-Verkehr 25:22 mit 10 bar Druck kommt nicht immer alles an. So ein Wasserverlust ist auch mal schleichend. 25:30 weil diese Wasserleitungsrohre aneinander befestigt sind und wie bei allen Befestigungen, gibt es kleine Undichtigkeiten. 25:41 Das ist so wie bei Ihnen zu Hause, beim tropfenden Wasserhahn. Da denken Sie, ein Tropfen, 25:47 der macht doch nicht viel aus bei einem Wasserhahn. Aber stellen Sie mal unter einen tropfenden Wasserhahn ein Messgefäß. 25:55 Lassen Sie das mal eine Stunde lang messen dann stellen Sie fest, wie viel Wasser Sie durch Tröpfchen, 26:02 für Tröpfchen, an Wasser verlieren. Das rechnen Sie hoch auf den Tag, aufs Jahr, 26:07 dann sind Sie in größeren Kubikmeter-Bereichen. Die Rohrleitungsverluste sind gewaltig. 26:13 Deutschlandweit liefern öffentliche Wasserversorger 5,1 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. 26:19 Nach Angaben des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches bleiben davon auf dem Weg zum Verbraucher 26:26 im Durchschnitt 5,5 Prozent auf der Strecke. 280 Millionen Kubikmeter, mehr als fünfmal so viel, 26:32 wie Frankfurt jährlich an Trinkwasser verbraucht. Das meiste geht in den kommunalen Rohrleitungsnetzen verloren. 26:41 Ein Wasserrohrbruch in Kilianstädten. Das alte Guss-Rohr aus den 70ern hat ein Loch. 26:47 Nun sind die Männer vom Wasserversorger Main-Kinzig dran. Eine Leckage, wie das unter Fachleuten heißt, 26:54 muss sofort repariert werden. Wir haben circa 200 Störungen im Jahr. 26:59 Die größeren findet man oft direkt, weil der Wasseraustritt unmittelbar ist, auf die Straße läuft. 27:05 Die kleinen Rohrbrüche werden gesucht vom Lecksucheteam, was das ganze Jahr für uns im Einsatz ist, 27:11 alle Städte und Gemeinden nach und nach turnusmäßig absucht, die Rohrbrüche findet und somit repariert werden kann. 27:19 Bei mehr als 1000 Kilometern Leitungslänge in 12 Kommunen. Thorsten Lohfink ist Lecksucher. 27:27 In Niederdorffelden zeigte der Wasserverbrauch eine Anomalie. Seit Wochen sucht er deshalb hier nach dem möglichen Leck. 27:36 Mit speziellen Boden-Mikrofonen kann er die Rohre abhören. Ich mess jetzt die Strecke hier durch, mit zwei Sendern. 27:45 Da kann man feststellen, ob Geräusche in der Leitung sind. Wenn ein Hausbesitzer duscht, würde ich das mitbekommen. 27:53 Wenn eine Leckage in der Leitung ist, bleibt die dauerhaft. Dann mess ich die ein. 28:00 Ein kleiner Lauschangriff auf den unterirdischen Wasserfluss. Der s.g. Korrelator zeigt, wo genau das Leck ist. 28:06 Lohfinks Erfahrung: dass es weder eine Dusche ist, noch gerade ein Pool befüllt wird. 28:12 Überprüfung an der vermeintlichen Rohrbruch-Stelle. Ich hab jetzt durchgemessen 28:20 und bin im Bereich, wo mir der Korrelator das angezeigt hat. Jetzt hab ich die Leitung noch mal abgehört. 28:26 Die ist zu 100 Prozent an dieser Stelle. Ein Hausanschluss, den er für die Reparatur markiert. 28:32 Die Kreiswerke Main-Kinzig versorgen 35.000 Haushalte mit Trinkwasser. Knapp eine halbe Million Kubikmeter Wasser pro Jahr versickert. 28:43 Der Gegenwert von einer Million Euro. Wir sind sowieso in einer Phase, wo Trinkwasser knapp wird. 28:51 Deswegen ist auch die Leckageortung mittlerweile ein wichtigerer Faktor als es früher mal war. 28:57 Wir kommen von einem Wert bei den Wasser-Verlusten, der zehn Prozent beträgt. 29:02 Seitdem wir die Lecksuche haben, sind wir bei 6,7 Prozent. Das will ein Darmstädter Startup weiter verbessern. 29:09 Eine Gruppe ehemaliger Studenten hat ein System entwickelt, mit Daten zur Rohrbeschaffenheit, Länge und Alter usw. 29:17 Dazu kommen Daten aus Sensoren an den Rohren. Dafür haben sie einen Preis gewonnen. 29:22 Wir haben ein digitales Modell der Rohrnetze, was die digitale Version der Rohre abbildet. 29:30 Dann kommen die Echtzeitdaten dazu: Druck, Flussrate und akustische Sensordaten, 29:36 die wir kombinieren und damit das Rohrnetz in Echtzeit überwachen. Dafür werden die Sensoren an Hydranten gekoppelt. 29:43 Ein Druckmessgerät mit Datenlogger, das die Daten zum Wasserdurchfluss per Funk überträgt, bzw. die Unregelmäßigkeiten. 29:52 Das Leck soll damit live entdeckt werden können. Wir müssen mehrere Sensoren im Rohrnetz platzieren, 30:00 damit man das Rohrnetz überwachen und Leckagen präzise finden kann, damit man die Berechnung zwischen Flussrate und Druck 30:07 kombinieren kann und unsere Algorithmen das auswerten, um die Leckagen zu finden. 30:13 Solche Datenlogger hat das Startup auch bei den Kreiswerken Main-Kinzig eingebaut, als Test. 30:19 Für Wasserwerke lohnt es sich. Man muss Kosten für Sensoren aufbringen anfangs. 30:23 Wir haben eine Überwachungs-Fee. Pro Monat erheben wir eine Gebühr für das Überwachen. 30:29 Einsparen kann man damit Wasserverluste. Man kann die Reparaturen optimaler planen, indem man weiß, 30:35 wo man die Reparaturen durchführen muss. Man kann Personal sparen, was nicht raus muss, um Leckagen zu finden. 30:41 Jedes entdeckte Leck verhindert, dass Trinkwasser ungenutzt versickert. Ob Trink- oder Brauchwasser, sparsamer Umgang 30:48 mit dem kostenbaren Nass gewinnt in Zeiten der Trockenheit an Bedeutung. Auch das, was die Städte an Abwasser produzieren, 30:56 verdient mehr Aufmerksamkeit. Frankfurt: 750.00 Einwohner und 400.00 Pendler 31:03 hinterlassen täglich 300 Millionen Liter Abwasser. Das wird in Kläranlagen in Sindlingen und in Niederrad gereinigt. 31:11 Grober Dreck raus, Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen biologisch abbauen und in der chemischen Reinigungsstufe 31:18 Phosphor entfernen. So funktioniert das dreistufige Verfahren. 31:22 Roland Kammerer ist technischer Betriebsleiter der Frankfurter Stadtentwässerung. 31:27 Die muss der Bau-Ingenieur fit machen für die Zukunft: Frankfurt wächst. Wir kennen die Prognosen. 31:33 Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2035, 2040 100.000 Menschen mehr in Frankfurt leben. 31:39 Aber genau wissen wir das nicht. Wir wissen aber, dass die vorhandenen Abwassranlagen, 31:45 die Reinigungsanlagen, mit dem zusätzlichen Schmutzwasser nicht umgehen können. 31:50 Wir planen im Moment, wie wir die vorhandenen Anlagen ausbauen können, um nicht nur höhere Reinigungs- anforderungen erfüllen zu können, 31:58 sondern auch den Anforderungen der wachsenden Stadt gerecht zu werden. Mehr Abwasser reinigen und besser reinigen: 32:05 Das ist auch die Aufgabe 15 Kilometer südlich von Frankfurt in Mörfelden-Walldorf. 32:11 Hier erneuern und erweitern die Stadtwerke ihre Kläranlage. Sie ist eine der ersten in Hessen, 32:17 die eine vierte Reinigungsstufe erhält. Längst finden sich in den Abwässern Rückstände von Medikamenten, 32:23 Röntgenkontrastmitteln, Hormonen und Mikroplastik. Spurenstoffe, die nur diese Reinigungsstufe beseitigen kann. 32:30 Besonders wichtig für das Hessische Ried, Einzugsgebiet für das Trinkwasser der Rhein-Main-Region: 32:36 Wir haben eine intensive Landwirtschaft, und zugleich eine hohe Bevölkerungsdichte. 32:42 Dadurch entsteht eine große Belastung des Abwassers. Zugleich haben wir geringmächtige Deckschichten. 32:48 Das Wasser aus den Oberflächengewässern infiltriert zügig in das Grundwasser hinein, 32:55 wodurch das Grundwasser Belastungen mit Spurenstoffe aufweist. Das Grundwasser wird bekanntlich über das Rohwasser 33:02 zur Trinkwassergewinnung genutzt. Es ist eine besondere Situation im Hessischen Ried. 33:08 So funktioniert die vierte Stufe: Das bereits mechanisch, biologisch und chemisch vorgereinigte Abwasser 33:15 wird mit feinperligem Ozon versetzt. Das oxidiert die Spurenstoffe, entschärft sie damit schon mal. 33:21 Die lagern sich, unterstützt von einem "Fällmittel" an feinstgemahlener Aktivkohle an. 33:27 Anschließend wird ein "Flockungsmittel" zugegeben. Das lässt die mit den Spurenstoffen 33:33 beladenen Aktivkohlepartikel verklumpen. So lassen die sich feiner und immer feiner herausfiltern. 33:44 56 Millionen Euro investiert die Kommune in die Kläranlage. Auf technisch neuestem Stand wird sie das Abwasser von 48.000 Menschen 33:54 reinigen und die Gefahr der Spurenstoffe im Wasser bannen können. Es bleiben Spurenstoffe, Medikamente, Hormone 34:03 in der Kläranlage und sind in Fließgewässern nicht mehr zu finden. Die Fische freuen sich. 34:09 Und Frankfurt? Wäre es für eine vierte Reinigungsstufe 34:13 in der Abwasser-Reinigungsanlage Niederrad nicht auch höchste Zeit? Zumal man das so gut gereinigte Wasser nicht in den Main 34:22 abfließen lassen müsste, sondern es als Brauchwasser etwa zur Bewässerung von Grünanlagen nutzen könnte. 34:28 Die negativen Auswirkungen dieser Spurenstoffe, die aus den Haushalten, etwa aus den Arzneimittel-Resten kommen, 34:35 haben negative Auswirkungen auf die Gewässer, auf die Fische, auf andere Gewässer-Lebewesen: Da müssen wir gegensteuern. 34:43 Deshalb werden wir in Frankfurt eine vierte Reinigungsstufe bauen und betreiben müssen, die Planung dazu ist gestartet. 34:51 Also bald besser gereinigte und damit besser nutzbare Frankfurter Abwässer? 34:57 Wohl eher nicht, enttäuscht der Betriebsleiter der Stadtentwässerung: Wir gehen heute beim Umbau von Kläranlagen, egal ob in Frankfurt 35:05 oder anderswo, von Planungs- und Genehmigungszeiträumen in der Größenordnung von zehn Jahren aus. 35:11 Wir müssen vermeiden, wenn wir mit der Planung und dem Bau fertig sind, die Anforderungen überholt sind. 35:17 Heißt also fantasie- und ehrgeizlos: Bis Frankfurts Kläranlagen eine vierte Reinigungsstufe bekommen, 35:24 fließt noch viel Wasser den Main hinab. Hier gibt's bestes Wasser im Überfluss, im wörtlichen Sinne. 35:30 Wenn der Edersee, Deutschlands drittgrößte Talsperre, überläuft, haben sich 200 Millionen Kubikmeter Wasser angestaut. 35:39 Ein scheinbar unerschöpfliches Wasser-Reservoir. Erlebnisraum für Touristen, 35:46 zugleich Hochwasserschutz und Wasservorrat. Damit das ganze Jahr über auf Weser und Mittellandkanal 35:54 Schiffe fahren können. Doch im Juli 2022 ist der Edersee nicht mal mehr halb voll. 36:00 Das Bauwerk braucht wissenschaftlich- technischen Beistand: Wann kann und muss wie viel Wasser abgegeben werden? 36:08 Antworten auf diese Fragen hat Stephan Theobald erarbeitet. Im Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft 36:15 an der Uni Kassel erforscht er mit einem Team von Wasserbauingenieuren woher das Wasser in den See strömt, wann im Jahr und wie viel. 36:23 Basis für ein Computersystem, das hilft, die Abflussmengen des Edersees präziser und vorausschauender zu steuern. 36:30 Das Tool erarbeitet Vorschläge für die Abgabe des Wassers an der Eder-Talsperre. 36:36 Diese Vorschläge werden aufgrund mathematischer Formulierungen definiert. 36:42 Die sind relativ genau. Ziel ist, einen bestimmten Wasserstand am Pegel in Hann. Münden 36:49 einzuhalten, aber nur so viel Wasser abzugeben, dass wir das erreichen, Nicht zu viel Wasser abzugeben. 36:55 Das System verknüpft Abflussvorhersagen, Zuflussmengen in den See, gemessene Pegelstände 37:01 und die im Einzugsgebiet zurückgehaltenen Schneemengen. So lassen sich die Pegel unterhalb des Ederstausees 37:07 stundengenau regulieren. Die heikle Balance des Ederseewassers: 37:12 Für Jörg Böhner, der den Außenbezirk Edertal des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Weser leitet, ist das System eine große Hilfe: 37:20 Die Einschätzungen der Experten sagen, dass die trockenen Jahre immer häufiger werden. 37:26 Das heißt, die Talsperre voll kriegen wir eigentlich, weil die Niederschläge in den Wintermonaten ausreichen. 37:35 Aber die Sommer werden häufig so trocken, dass in der Weser der Bedarf frühzeitig und groß ist und wir gleichzeitig 37:43 das Wasser-Dargebot nur noch eingeschränkt haben. Es ist umso wichtiger, das Wasser, das da ist, sparsam einzusetzen. 37:51 Wasser ablassen, zur rechten Zeit und in der nötigen Menge. So viel Wasser wie möglich im See behalten. Dennoch: 37:59 Den Widerstreit von touristischem Interesse und dem der Schifffahrt kann das ausgeklügelte System nicht endgültig lösen: 38:07 Das Tool trägt dazu bei, dass der Konflikt minimal geringer wird. Dass etwa die wasserstützende Wirkung später beginnt, 38:15 oder wir die wasserstützende Wirkung effektiver umsetzen, dass der See sich nicht so schnell absenken muss. 38:25 Wenige Wochen später: Das System der kontrollierten Wasserabgabe stößt an seine Grenzen. 38:31 Der Edersee ist nur noch zu einem Fünftel gefüllt. Zwei Meter, mehr Wasser haben die Boote in Rehbach nicht unterm Kiel. 38:40 Höchste Zeit sie anzulanden. Bis zu 60 holt Thomas Hennig nun an einem Tag an Land. 38:47 Eigentlich Arbeit für den Herbst. Doch nun ist die Saison vorbei, im August! 38:51 So trifft der Wassermangel im Edersee nicht nur die Weser-Schifffahrt, sondern vor allem den Tourismus in der Region. 39:00 Hier hängen 3500 Arbeitsplätze dran. Wir sind 300 Betriebe, die überwiegend im Familienverband 39:06 unsere Geschäfte machen und uns wird die Grundlage entzogen. 22 Meter höher läge der Wasserstand, wäre der Edersee gefüllt. 39:18 Der Pegel ist zugleich Messlatte für das Geschäft mit den Touristen. Mit ihnen erwirtschaftete die Region im Jahr vor Corona 39:25 570 Millionen Euro Brutto-Jahresumsatz. Unerreichbar mit einem trockenfallenden Edersee. 39:32 Es ist tatsächlich so, dass die Freizeitbetriebe rund um den See, nicht nur Wassersportbetriebe, 39:38 sagen, dass der Tagesbesuch merklich nachgelassen hat. Da herrscht im Vergleich zu den letzten Jahren weniger Nachfrage. 39:47 Zudem bedroht Niedrigwasser auch die Wasserqualität, kann wie im Trocken- und Hitzesommer 2018 Algen übermäßig wachsen lassen. 39:58 Badevergnügen und Wassersport adé. Immer aber schränkt Niedrigwasser den Bootsverkehr auf dem Stausee ein. 40:08 Trockenheit und niedriger Wasserstand verderben das Urlaubsvergnügen: Es ist zu schade, die Natur ist so schön. 40:18 Die Gastronomie leidet, alles leidet unter der Situation. Erschreckend, erschreckend. Ich bin derart traurig. 40:30 Gegen solche Gefühle und einen Stausee, dem das Wasser ausgeht, können Stephan Theobald und seine Wasserbauingenieure 40:38 der Uni Kassel nur bedingt anarbeiten. Immerhin hat ihr Computer-System zu einem Kompromiss beigetragen: 40:44 In trockenen Jahren muss der Edersee weniger abgeben. Dafür wurde der Mindest-Pegel der Weser um fünf Zentimeter abgesenkt. 40:52 Statt 1,20 Meter müssen nur noch 1,15 Meter Wassertiefe gehalten werden. Im Winter kann die Mindestabgabe aus dem See 41:00 von sechs Kubikmetern pro Sekunde auf vier reduziert werden. Zudem macht das Kasseler System Schule. 41:07 Nach seinem Vorbild erarbeitete Theobald mit internationalen Wissenschafts-Kollegen einen Plan zur Wassernutzung des Sees Genezareth. 41:16 Da geht es um die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen in Jordanien. 41:21 Da stellen wir fest, dass das Tool sehr gute Arbeit leistet. In diesem konkreten Projekt war Nordhessen die Blaupause. 41:28 Wir haben da viel gelernt, von der Software her, auch von den Daten, die wir benötigen, 41:34 und haben das gut adaptiert auf den Nahen Osten. Noch mehr Stauwerke könnten sich eignen: 41:40 Immerhin gibt es davon weltweit 58.000. Die Edertalsperre, sie ist ein Beispiel dafür, 41:48 wie sich mit Wasser wirtschaften lässt in Zeiten der Klimakrise. Aber auch dafür, dass Wissenschaft und Technik an ihre Grenzen stoßen, 41:57 wenn Wasser Mangelware ist. Zwar lassen sich Verbräuche und Verluste reduzieren, 42:02 lassen sich Grund-, Regen- und Abwasser besser bewirtschaften. Aber die Ressource Wasser: Sie ist durch nichts zu ersetzen!