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Nudging: Kennst du diese Psychotricks? | Terra Xplore mit Thora Schubert

Terra Xplore16:37 42.045 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 277 Zeilen
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  1. Manchmal bin ich ein bisschen bequem und faul - und ich wette, ihr auch.
  2. Aber mit nur einem kleinen Stups in die richtige Richtung macht man dann doch das Richtige.
  3. Das Richtige tun heißt zum Beispiel, seinen Müll in so einen Mülleimer
  4. zu werfen und nicht einfach irgendwo in die Gegend.
  5. Das würde ich jetzt auch nicht machen, aber mit so einem lustigen Spruch macht es doch gleich viel mehr Spaß.
  6. Wir alle erleben jeden Tag mehrere solcher Anstupser und oft sogar
  7. ohne sie zu bemerken. Wie genau funktioniert dieses
  8. Anstupsen. Und wie stark lassen wir uns in unseren Entscheidungen
  9. davon beeinflussen? Das will ich heute rausfinden.
  10. Der Fachbegriff für dieses Anstupsen ist Nudging.
  11. Nudging kommt aus dem Englischen und bedeutet schubsen, stupsen
  12. oder anstoßen. Und es soll ohne Regeln und Verbote
  13. unsere Entscheidungen in eine positive Richtung beeinflussen.
  14. In der menschlichen Verhaltensökonomie geht es darum, dass wir unsere
  15. Entscheidungen nicht immer ganz rational treffen.
  16. Wir mögen zwar gute Vorsätze haben, so was wie unseren Müll immer in den
  17. Abfalleimer zu werfen oder uns gesund zu ernähren, aber das reicht
  18. nicht unbedingt aus. Um Entscheidungsfehler und schlechte
  19. Angewohnheiten auszugleichen kommen diese Nudges, diese Anstupser, zum
  20. Einsatz. Teilweise, ohne dass wir es bemerken.
  21. Geprägt haben den Begriff Nudging der US-amerikanische
  22. Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler und der ebenfalls aus den USA
  23. stammende Rechtswissenschaftler Cass Sunstein.
  24. Wichtig ist ihnen, dass ein Nudge kein Verbot ist und keine Anordnung,
  25. sondern eben ein Stups. Wo begegnen uns Nudges in unserem
  26. Alltag? Wer nutzt Nudging?
  27. Und ist das überhaupt okay, wenn unsere Entscheidungen durch Nudges
  28. beeinflusst werden? Um diese Fragen zu klären, treffe
  29. ich Falk Uebernickel. Er ist Professor für "Design
  30. Thinking" hier am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam.
  31. Als "Design Thinker" sucht er nach Lösungen für verschiedene Probleme
  32. und schaut dabei aus der Perspektive des Nutzers.
  33. Dafür beschäftigt er sich auch mit der Wirkung von Nudging.
  34. Wurdest du heute schon genudged? Ja, mit Sicherheit.
  35. Hast du irgendwas bemerkt? Ja, also wenn man sich mit dem Thema
  36. beschäftigt, sieht man überall Nudges. Das fängt zum Beispiel
  37. an Bahnsteigen an oder an Bahnhöfen mit kleinen Zeichen, die einen
  38. lenken, die einem sagen, wo man überhaupt langlaufen sollte.
  39. Wo wird man denn so in seinem Leben genudged? Kannst du ein paar
  40. Beispiele geben? Ja klar. Also in der digitalen Welt
  41. fängt es zum Beispiel an mit Smartwatches.
  42. Es gibt viele indirekte Nudges, zum Beispiel, dass man mal
  43. aufstehen soll. Man saß zu lang und man
  44. wird dort geprimt, dass man zum Beispiel aufstehen
  45. kann. Ein anderes Beispiel ist meine
  46. Fitness- Tracker App. Ich werde dann hin und wieder
  47. benachrichtigt, mehr zu tun oder vielleicht auch ausgezeichnet, wenn
  48. ich gerade besonders viel getan habe an sportlicher Bewegung.
  49. Wer nudged denn? Gute Frage.
  50. Ich denke – jeder kann nudgen. Okay. Und wer tut es?
  51. Ja, auf jeden Fall mal Unternehmen. Das können zum Beispiel Airlines
  52. sein, die einem zum Beispiel anzeigen, dass angeblich nur noch
  53. zwei Plätze verfügbar sind zu einem bestimmten Preis.
  54. Ich kann mich also trotzdem noch entscheiden, einen anderen Sitzplatz
  55. zu nehmen, ich kann mich auch entscheiden, später zu buchen
  56. als zu dem Zeitpunkt. Aber die versuchen natürlich durch
  57. eine gezielte Manipulation in dem Fall, einen dazu zu
  58. bewegen, jetzt zu buchen, weil angeblich noch zwei Plätze frei
  59. sind. Wie kann man denn Nudging von
  60. Manipulation abgrenzen? Oder ist Nudging eine Form
  61. der Manipulation? Nutzer, und das ist die Definition
  62. von Nudging, haben die volle Wahlfreiheit. Sie können also sich
  63. für das eine als auch das andere entscheiden. Man versucht nur durch
  64. diesen Anstupser, den Nudge, Menschen in eine bestimmte
  65. Richtung zu bekommen. Und das differenziert
  66. es, denke ich, schon mal zunächst von der Manipulation.
  67. Denn die Manipulation schränkt auch ein, sie hält
  68. vor. Nun ist es aber so, dass es auch
  69. Nudges gibt, die im Grenzbereich mit Sicherheit liegen können, die
  70. also sowohl Nudges sind als auch manipulativ.
  71. Ich will euch mal ein paar wissenschaftlich untersuchte
  72. Erfolgsgeschichten von Nudging erzählen.
  73. Ein US-amerikanisches Forscherteam hat in einem Supermarkt mit buntem
  74. Klebeband die Einkaufswagen sauber in zwei Hälften geteilt und
  75. Flugblätter verteilt, auf denen steht, dass man sein Obst und Gemüse
  76. in den vorderen Teil des Wagens legen soll.
  77. Dadurch konnte pro Kunde der durchschnittliche Obst- und
  78. Gemüseeinkaufswert von 3,99 auf 8,85 gesteigert
  79. werden. Am Bahnhof Berlin Zoologischer
  80. Garten wurden die Treppen mit lustigen Sprüchen beklebt.
  81. So was wie "A TREPPE A DAY KEEPS THE DOCTOR AWAY".
  82. Und diese simple Maßnahme hat dazu geführt, dass 14 Prozent mehr
  83. Menschen die Treppe genommen haben. Mich hat dieser Trinkbrunnen gerade
  84. ganz plump dazu genudged, Wasser zu trinken.
  85. Welche Nudges sind euch schon in eurem Alltag aufgefallen? Schreibt
  86. uns das gerne unten in die Kommentare.
  87. Und wenn ihr einmal da seid, lasst uns auch noch ein Abo da.
  88. Es sind ja nicht nur Unternehmen die nudgen, sondern auch Regierungen.
  89. Ist das dann nicht problematisch? Ja, es gibt Teile von
  90. Regierungsorganisationen, die mit diesem Auftrag befasst sind,
  91. Nudging durchzuführen. Im Vereinigten Königreich gab es zum
  92. Beispiel eine solche Unit, diese "Behavioural Insights Teams". Und deren Auftrag ist, erst einmal
  93. grundsätzlich sich mehr damit zu befassen, wie Bürgerinnen und
  94. Bürger ein besseres Leben in dem Land erzielen können.
  95. Und solche Organisationen, egal ob sie jetzt zur Regierung
  96. gehören oder ob sie regierungsnah sind, sollten natürlich
  97. aus meiner persönlichen Sicht kontrolliert, überwacht werden.
  98. Und auch diese Standards, die sie einsetzen und anwenden,
  99. regelmäßig überprüft werden. Würdest du sagen, es ist erstrebenswert,
  100. dass mehr Leute auch sensibilisiert werden dafür, dass es Nudging gibt,
  101. wie das funktioniert und auch erkennen, wenn sie genudged werden?
  102. Ja, absolut. Also aus meiner Sicht ist es
  103. eine Thematik, die ganz früh ansetzen muss, bereits in der
  104. Schule. Das Ziel muss halt sein, dass
  105. das Menschen das eben im täglichen Leben erkennen können und dann in
  106. ihren eigenen Kontext einordnen und darüber dann auch sinnvolle
  107. Entscheidungen für sich selbst treffen können.
  108. Ich treffe gleich einen Kollegen von Falk Uebernickel – nämlich Vincent
  109. Bermann. Er ist auch ein "Design Thinker" und
  110. hat ein Experiment entwickelt, das hier gerade seit einer Woche läuft.
  111. Es geht um Nudging und Nachhaltigkeit.
  112. Echt bequeme Stühle. Ja.
  113. Ihr habt ja jetzt extra für uns ein kleines Experiment gestartet.
  114. Ja. Erzähl mal, was genau läuft
  115. da? Also, wir sind jetzt hier neu
  116. ins Haus eingezogen und unten drunter hat eine Cafeteria
  117. aufgemacht. Und aus Nachhaltigkeitsaspekten
  118. dachten wir, den veganen und vegetarischen Lebensstil etwas in
  119. den Mittelpunkt zu heben und zu schauen, ob wir es schaffen,
  120. den Prozentanteil der vegetarischen und veganen Gerichte in dieser Woche
  121. zu steigern. Durch Nudges.
  122. Durch Nudges. Okay, wie sehen die aus?
  123. Wir haben uns für einfache Plakate entschieden.
  124. Sind das die hier? Genau das die. Es ist so,
  125. dass 60 Prozent aller Gerichte,
  126. die unten verkauft werden, vegetarische oder vegane Gerichte
  127. sind. Das ist schon eine Menge.
  128. Das ist verdammt viel. Meist ist es in der
  129. Verhaltensforschung so, dass, wenn man Ziele von 15 bis
  130. 20 Prozent vorgibt, sie erreichbar scheinen und
  131. den Leuten sozusagen auch etwas realistisches vorgeben.
  132. Also dachten wir, okay, wie können wir es gemeinsam schaffen,
  133. diese Anzahl von 60 Prozent auf 80 Prozent anzuheben?
  134. Zum einen ist ein Nudge eben Feedback.
  135. Und zum anderen ist ein Nudge, ein Ziel zu setzen, und
  136. das haben wir sozusagen in dem oberen Teil abgedeckt.
  137. Kann man die Ergebnisse dann irgendwie verallgemeinern?
  138. Da wäre ich vorsichtig. Wenn wir es als vollwertiges
  139. Experiment veröffentlichen wollen würden, dann müssen wir viele
  140. Faktoren kontrollieren. Dann bin ich mal gespannt, was bei
  141. dem Versuch hier in der Cafeteria rauskommt. Die Ergebnisse zeigen wir
  142. euch später. Warum funktioniert Nudging
  143. überhaupt? Dafür müssen wir uns einmal
  144. anschauen, wie wir eigentlich Entscheidungen treffen.
  145. Es wird geschätzt, dass wir ungefähr 20.000 Entscheidungen am Tag
  146. treffen, also im Durchschnitt eine alle drei Sekunden.
  147. Das meiste davon sind natürlich Kleinigkeiten, so was wie, ob
  148. ich mir jetzt noch mal Wasser nachschenke oder ob ich beim
  149. Autofahren jetzt hochschalte oder ob ich beim Telefonieren liege,
  150. sitze oder durch den Raum laufe. Aber wir treffen freilich auch
  151. komplexere Entscheidungen. Dafür haben wir, zumindest geht die
  152. Psychologie aktuell davon aus, zwei konkurrierende Denksysteme.
  153. Das eine arbeitet intuitiv und schnell.
  154. Das andere arbeitet analytischer und erlaubt es uns, rationalere
  155. Entscheidungen zu treffen und auch längerfristige Ziele zu verfolgen.
  156. Oft machen uns dann aber spontane Impulse und Umweltreize doch
  157. einen Strich durch die Rechnung. Ganz oft entscheiden wir uns für die
  158. kurzfristige Freude und nicht für das, was wir längerfristig
  159. eigentlich wollen. Und hier setzt Nudging an,
  160. wenn wir unsere Umwelt so gestalten, dass wir auch mit dem impulshaften,
  161. spontanen Denken zu dem Ergebnis kommen, dass wir auch
  162. längerfristig analytisch haben wollen, dann haben wir was gewonnen.
  163. Hier ist jetzt die Cafeteria, wo das Experiment gerade läuft.
  164. Die Plakate hängen schon hier an den Türen – überall.
  165. Und das Essen, das klingt eigentlich auch ganz lecker.
  166. Und Vincent hat noch etwas geändert. Er hat die Fleischgerichte ans Ende
  167. der Essensausgabe verbannt. Die Studierenden entdecken also
  168. zuerst das vegetarische und vegane Gericht.
  169. Mal sehen, wie der Nudge so ankommt. Für welches Essen hast du dich entschieden?
  170. Ich habe mich für das Gemüsecurry entschieden.
  171. Das ist vegan. Das ist sogar vegan, ja.
  172. Hast du beim Reinkommen diese Plakate gesehen?
  173. Ich habe die schon vor ein paar Tagen gesehen und fand das sehr
  174. interessant. Und an dem Tag, als ich es zum ersten Mal gesehen habe, habe
  175. ich mich auch noch mal für das vegane enschieden, glaube ich.
  176. Ich hab mich für die Spätzle mit Steinpilzen entschieden. Gute Wahl, würde ich sagen.
  177. Hast du beim Reinkommen diese Plakate gesehen?
  178. Ja. Hat dich das in deiner Entscheidungen irgendwie beeinflusst?
  179. Nein. Do you think they influenced your decision today?
  180. Definitly! I feel like I am more conscious about my choices rather then being someone else. Maybe I do know and dont have this knowledge I
  181. wouldn’t be that conscious about it. Guten. Guten Hunger, guten Appetit.
  182. Wir habe jetzt mit ein paar Leuten geredet, ob sie die Plakate mitbekommen haben
  183. und so weiter. Und.
  184. Ich hatte mir mehr, mehr Effekt tatsächlich vorgestellt.
  185. Was haben sie denn so gesagt? Viele haben so was gesagt wie: Ich
  186. habe halt die Käsespätzle genommen, weil Käsespätzle fantastisch sind. Und…sieh her.
  187. Ja, und auch Leute, die meinten sie haben es überhaupt nicht gesehen.
  188. Das hat mich überrascht. Dann kannst du auch nicht wirklich
  189. vom Effekt sprechen, wenn die Leute sich das noch nicht mal durchlesen.
  190. Einfach zu sehen, da hängt ein Plakat, okay, das bewirkt ja nichts
  191. in mir. Ja, das stimmt.
  192. Ich habe gehört, du hast Zahlen für uns, wie es jetzt die Woche gelaufen ist mit
  193. den fleischlichen und veggie Gerichten?
  194. Ja, schauen wir uns mal die Tendenzen an.
  195. Und was jetzt hier rausgekommen ist, ist, dass wir
  196. Mittwoch und Freitag über 80 Prozent vegane und vegetarische Gerichte
  197. haben. Das ist eine Menge.
  198. Also die Werte über 80 Prozent hatten wir in den
  199. Vergleichswochen, also KW 21, KW 20, KW
  200. 19, KW 17, da hatten wir kein einziges
  201. Mal über 80 Prozent. Wenn wir es wissenschaftlich machen
  202. wollten, dann bedarf das noch ein paar Runden der genaueren
  203. Überprüfung, worauf die Effekte nun wirklich zurückzuführen sind.
  204. Eine vielversprechende Tendenz ist aber auf jeden Fall schon mal dagewesen.
  205. Ja Aber sind diese kleinen Schubser
  206. wirklich so effektiv? Oder gehen die Leute jetzt einfach
  207. raus und holen sich eine Currywurst in der nächsten Straßenecke?
  208. Und ist Nudging vielleicht doch problematisch?
  209. Zunächst mal ein paar Zahlen: Eine Studie wollte herausfinden, wie
  210. Menschen eigentlich zum Konzept Nudging denken.
  211. Das Ergebnis war: 70 Prozent der Befragten finden das Konzept des
  212. Anstupsens eigentlich ganz gut. Und das, obwohl die meisten von
  213. ihnen den Begriff Nudging vorher noch nie gehört hatten.
  214. 75 Prozent der Befragten befürworten das Konzept, weil es ohne Verbote
  215. auskommt. Aber 49 Prozent
  216. der Befragten stimmen auch der Aussage zu, durch Nudging könnten
  217. Menschen manipuliert werden. In der Studie stehen noch jede Menge
  218. andere spannende Sachen drin. Wir verlinken sie euch unten, schaut
  219. da gerne mal rein und wenn ihr noch spannende Infos findet, dann
  220. schreibt uns in die Kommentare. Hallo!
  221. Schön, dass du da bist. Du musst Ralph sein.
  222. Der bin ich. In der Wissenschaft ist Nudging
  223. nicht unumstritten. Ralph Hertwig ist einer der
  224. schärfsten Kritiker. Er ist Psychologe am
  225. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin.
  226. Klingt interessant. Jetzt hast du ja in deiner Arbeit
  227. das Konzept Nudging kritisiert. Was genau ist die Kritik?
  228. Einer der Kritikpunkte ist eigentlich das Menschenbild, was dem
  229. Nudging zugrunde liegt, weil das Menschenbild unterstellt ja,
  230. dass Menschen träge sind und dass Menschen auch ständig
  231. Fehler in ihren Entscheidungen machen, was möglicherweise
  232. völlig unbestritten ist. Aber die Annahme ist ja, wir können
  233. den Leuten nicht helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Das
  234. heißt, wir können sie nicht zu besseren Entscheidern machen.
  235. Und weil wir das nicht tun können, versuchen wir die Umwelt zu ändern
  236. und sie anstupsen. Das ist ja die Idee dabei.
  237. Ein anderer großer Kritikpunkt des Nudging ist, dass Nudging
  238. bevormundend ist, weil es ja irgend jemand gibt, in der Regel die
  239. Regierung oder irgendwelche öffentlichen Stellen, die wissen,
  240. wie wir uns verhalten sollten und dann die Architektur, die
  241. Entscheidungsarchitektur und die Umwelt so bauen, dass sie uns in
  242. die richtige Richtung stupst. Und es muss nicht immer richtig
  243. sein, dass die Regierung weiß, wie wir uns richtig verhalten sollten.
  244. Was wäre denn dann dein Ansatz, um das Verhalten von Menschen zu
  245. lenken, statt Nudging zu nutzen? Das ist das, was wir Boosting
  246. nennen. Wir haben alle Ziele, wie zum Beispiel: Ich möchte nicht
  247. ständig Süßigkeiten kaufen oder ständig Süßigkeiten konsumieren.
  248. Und was könnte ich denn tun, um mich davon abzulenken?
  249. Oder was könnte ich denn tun, um diesen Impuls zu überwinden?
  250. Das heißt, es genügt nicht das allgemeine Ziel, sondern du brauchst
  251. eine konkrete Wenn-dann-Anweisung. Also, wenn wir das passiert,
  252. dass ich danach greifen möchte, werde ich an etwas anderes versuchen
  253. zu denken. Oder ich werde mein Handy rausnehmen, also sozusagen
  254. mich ablenken von der Versuchung, die da vor meinen Augen ist und
  255. versuchen dadurch die, diesen Impuls zu überwinden.
  256. Mir ist jetzt bei der Recherche auch noch der Begriff Self-Nudging
  257. begegnet. Was hat es damit auf sich?
  258. Ein ganz großes Objekt, was ständig Einfluss auf uns hat,
  259. ist unser Handy. Richtig?
  260. Und zum Beispiel, wenn ich meine Schulaufgaben mache oder am
  261. Schreibtisch sitze, dass das Handy eben nicht neben mir liegt und
  262. ich nicht ständig versucht bin, da nach zu greifen, um zu gucken, ob
  263. dann auf den sozialen Medien irgend sich was verändert hat, sondern ich
  264. leg das ganz woanders hin oder tu es in eine Schublade, so dass ich das
  265. Handy gar nicht sehe. Und das wäre ein ganz anderes
  266. Beispiel, wie ich als Entscheidungsarchitekt meine Umwelt
  267. verändern kann, so dass es mir leichter fällt, die Dinge zu
  268. tun, die ich tun möchte. Nudging ist insgesamt also weder
  269. Fluch noch Segen, sondern in erster Linie ein Werkzeug.
  270. Wir können damit in eine Richtung gestupst werden, die gut für uns
  271. ist. Und wir können uns auch selbst in diese Richtung beeinflussen.
  272. Aber nicht immer werden wir in unserem Sinne genudged.
  273. Es lohnt also, die Augen offen zu halten.
  274. Habt ihr Lust, noch mehr mit uns zu Terra xplorieren?
  275. Dann schaut doch hier vorbei. Da ist noch ein Video von uns und
  276. hier unten das noch ein anderes aus dem ZDF-Kosmos.
  277. Und wenn ihr einmal hier seid, lasst uns doch ein Abo da.

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