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Kann Geld aus dem Nichts entstehen? | 42 - Die Antwort auf fast alles Reupload | ARTE
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 194 Zeilen
- [Musik] Stellt euch vor, Freunde von euch brauchen ein Auto und ihr leid ihnen eins, habt aber gar kein Auto, sondern
- nur, sagen wir einen Scheibenwischer. Wäre das nicht völlig absurd, denn man kann doch nicht verleihen, was man nicht hat. Nicht ganz. Banken können das.
- Wenn ich mir 500.000 € von einer Bank leihe, um z.B. will eine Wohnung zu kaufen, dann muss die Bank dieses Geld gar nicht besitzen.
- [Musik] Banken vergeben Kredite aus dem Nichts. Sie erschaffen Geld in dem Moment, in dem sie es verleihen. Ähnlich wie eine
- Regierung Geld erzeugt, indem sie es ausgibt. Es muss gar nicht vorhanden sein, wie auf einem Bankkonto oder ähnlichem.
- Geld aus dem Nichts, das klingt irgendwie genial, aber kann das gut gehen? Die Möglichkeit Geld immer auf Bedarf
- schöpfen zu können, hat natürlich immer die Gefahr, dass zu viel Geld oder zu viel Geld für die falschen Dinge geschaffen wird. Und man hat sich mit
- der Deregulierung in seit 80er Jahren entschieden, die Geldschöpfung alleine privaten Profitkalkulationen überlassen und damit sind wir in eine Richtung
- zunehmender Krisenanfälligkeit und steigender Ungleichheit gegangen. Also, wie läuft das jetzt genau mit dem Geld und welche Rolle spielen Banken
- dabei? [Musik]
- [Musik] Okay, wir alle hätten es gern, aber was genau ist Geld und woher hat es eigentlich seinen Wert?
- Geld ist ein Versprechen. Geld ist eine soziale Institution und auch eine soziale Beziehung. Also, es ist nicht etwas, das aus der natürlichen
- Welt kommt, wie jetzt einen Baum oder irgendein Gegenstand. Könnte es sein, dass Geld mysteriöser ist, als wir annehmen?
- Wie die Grinsekatze aus dem Märchen? Die Grinsekatze aus Alice im Wunderland ist schwer fassbar. Sie ist
- geheimnisvoll und verwirrend. Je mehr man sie anschaut, desto weniger ist klar, was sie ist. Sie ist irgendwie mit Wahnsinn verbunden.
- [Musik] Mit Geld ist es ähnlich. Wir rennen ihm immer hinterher. Aber was ist dieses
- etwas, von dem wir immer mehr wollen? Es ist schwer, das zu begreifen. Vor der Entstehung des modernen Geldes wurde mit Waren und Tauschmitteln wie
- Gold, Schmuck oder Salz bezahlt. Der Wert dieser Dinge lag in ihnen selbst. Aber Waren und Münzen waren schwer und mühsam zu transportieren. So tauchten
- 1661 die ersten Banknoten in Europa auf. Um die Banknoten zu decken, gab es den Goldstandard. Er bedeutete, dass das
- Geld mit einem Gegenwert abgesichert war, Gold. Doch es gab da ein Problem. Die Menge an Gold reichte nicht aus für das viele Geld.
- Was wir aus der Geschichte gelernt haben, ist, dass der Goldstandard den Wirtschaftssystemen nicht wirklich gedient hat. Ob Minenarbeiter genügend
- Goldschirfen werden, ist zu willkürlich und hängt vom Glück ab. Deshalb ist unser Geld heute vom Goldstandard befreit und basiert auf
- Zahlungsversprechen. Wie das Versprechen einer Bank uns das sogenannte Buchgeld auf dem Konto in Bargeld auszuzahlen, wenn wir es
- brauchen. Die Scheine an sich sind wertlos. Unser Geld nennen wir deswegen Fiatgeld. Fiat lateinisch heißt es werde. Fiat
- Geld. Es werde Geld. Okay, klingt nach Magie. Und wer zaubert es her? Die meisten denken, dass es so läuft. Der eine spart Geld, der andere
- braucht es. Das passt gut zusammen, muss allerdings organisiert werden. Dafür gibt es Banken und so einfach ist das. Aber in Wirklichkeit läuft das ganz
- anders. [Musik] Also, wir haben jetzt z.B. den Herrn äh Müller und der hat äh ein bisschen
- gespart und dieses Spargut haben, das bringt er zur Bank. Und dann haben wir z.B. will eine Unternehmerin, Frau Tyg, die braucht einen Kredit, äh weil sie
- eine neue Produktionsstraße in ihrer Firma bauen möchte. Und diesen Kredit, den schafft jetzt die Bank, indem sie Frau Turgii auf ihrem Konto Geld äh gut
- schreibt. Also, das Wichtige ist, die Bank muss nicht erst irgendwie ganz viele Einlagen äh einsammeln, bis sie einen Kredit weitergeben kann, sondern
- diese beiden Dinge sind getrennt voneinander. Die Bank erschafft das Geld für den Kredit also einfach so. Sie braucht
- dafür gar nicht das Sparguthaben von Herrn Müller. Klingt erstmal verrückt, ist aber ein Vorgehen, von dem viele Menschen und Unternehmen profitieren.
- Es ist der große Vorteil unseres Geldsystems, dass immer Geld da ist, wenn man es braucht, solange eine Bank ein für Kreditwürdig hält.
- [Musik] Die Bank erschafft dieses Geld dann einfach neu. entsteht im Prinzip aus dem Nichts.
- Dieses Geld auf meinem Konto ist dann natürlich auch ein Kredit, den ich irgendwann zurückzahlen muss. Wie von Zauberhand entsteht so neues
- Geld. Die Bank verdient durch die Zinsen für die Kredite. So weit so gut. Was aber, wenn das gar nicht mehr das Hauptgeschäft der Banken ist, wenn es
- mehr um Spekulation geht als darum, dort Geld zur Verfügung zu stellen, wo es wirklich gebraucht wird für Kleinunternehmen z.B.
- Banken haben aufgehört, ihre Hauptaufgabe nachzugehen und das ist die Kreditwürdigkeit zu prüfen. Sie sind immer mehr in Spekulationsgeschäfte
- eingestiegen. Somit haben sie immer weniger Geld mit Kreditzinsen verdient und immer mehr mit Spekulationen, indem sie auf fallende oder steigende Preise
- setzten. Das neu geschaffene Geld fließt also dahin, wo hohe Gewinne winken, also in
- Spekulationen und globale Konzerne. Könnte es sein, dass Kleinprojekte, regionale Unternehmen und das Gemeinwohl dadurch zu kurz kommen? Um
- herauszufinden, wohin wie viel Geld fließt, lohnt ein Blick auf einzelne Geldformen wie Bargeld, Kredite, Aktien oder Anleihen.
- Los geht's mit Bargeld. Das dürfen nur die Zentralbanken drucken und das ist die kleinste Menge äh vom im Umlauf befindlichen Geld äh in
- Deutschland ungefähr 7% und nach diesem souveränen Geld folgt dann eben in der Pyramide ähm normale Bankenkredite, die die Geldmenge erhöhen oder dann z.B.
- eine Anleihe, die ein Unternehmen vergeben kann oder auch sogenannte Derivate, die dann kompliziertere Finanzprodukte sind. Und was wir damit
- sehen, ist, dass einerseits die Geldmenge steigt, also das, was an Geld zum Wirtschaften in zur Verfügung steht, wird größer.
- Das Problem, je weiter oben das Finanzprodukt in der Pyramide ist, desto unsicherer ist es und desto gefährlicher sind die Zahlungsversprechen.
- [Musik] Das heißt, mit der Pyramide steigt nicht nur die Menge des Geldes, sondern auch das Risiko von jeder einzelnen
- Finanzprodukt oder Geldform, die wir haben. Oben sitzt also die riesige Geldmenge, die nicht von Zentralbanken, sondern von Banken mit komplizierten
- Finanzprodukten produziert wird. Und die kann zur Bedrohung werden, wenn immer mehr von Geschäftsbanken geliehendes Geld im Umlauf ist. Dann bildet sich
- eine Kredit oder Finanzblase. Wenn Zahlungsversprechen nicht eingelöst werden, wenn Banken sich verspekulieren oder Kredite nicht zurückgezahlt werden,
- kann so eine Blase platzen wie ein Ballon. Und es kommt zu einer Finanzkrise.
- So war es bei der letzten Finanzkrise im Jahr 2008. Damals verloren viele Menschen ihr Zuhause und ihren Job. Verursacht wurde die Misere von den
- Banken. Doch nach der Krise änderte sich wenig. Der Graben zwischen Armen und Reichen ist sogar noch größer geworden.
- [Musik] Die Kluft zwischen arm und Reich entsteht schon allein durch die Art und Weise unseres Bankensystems. Es ist
- nämlich nicht so konstruiert, dass neues Geld in die gesellschaftlich produktivste Richtung fließt. Und auf diese Weise sind Banken am Versagen
- unserer Gesellschaftsverträge beteiligt, die eigentlich für alle steigende Löhne und wachsenden Wohlstand vorsehen. beispielsweise unsere Kinder es einmal
- besser im Leben haben. Eine Sache aber änderte sich nach der Finanzkrise 2008 doch Experten begannen
- sich Gedanken zu machen, wo liegt der Fehler im System? [Musik] Die Krise von 2008 half vielen Menschen
- auch mir aufzuwachen und wirklich noch mal nachzudenken über die fundamentalen Dinge, denen man keine Beachtung mehr schenkte und die nicht mehr in Frage
- gestellt wurden. Und eines der Dinge war die grundlegende Beziehung zwischen Geschäftsbanken, die das Recht haben, Geld zu schaffen und
- der Zentralbank, die irgendwie darüber steht. Diese Beziehung funktionierte nicht mehr so, wie sie funktionieren sollte.
- Eine Beziehung, also die mal eine Partherapie bräuchte. Wo genau hakt es zwischen den beiden? Um das zu verstehen, müssen wir die Rolle der
- Zentralbank betrachten. Sie ist irgendwie unabhängig, öffentlich, aber was macht sie genau? Um dieses System zu stabilisieren, haben
- wir eben die Zentralbank. Wenn ein Versprechen eingelöst werden soll, von einer Bank Geld zurück äh zu bezahlen und sie aber nicht genügend hätte, in
- dem Moment, kann sie zur Zentralbank gehen und sich über Nacht Geld von der Zentralbank leihen, um so weiterhin liquide zu bleiben. Also die Zentralbank
- ist dann sozusagen hier ähm das stabilisierende Element in äh dem nationalen äh Finanzsystem. Okay, sie stabilisiert das Finanzsystem,
- doch kontrolliert die Europäische Zentralbank auch die Geldschöpfung und Menge und jetzt wird es ein bisschen komplizierter.
- Die Banken müssen 1% ihrer Kundeneinlagen als Mindestreserve bei der EZB halten, aber dieser Mindestreservesatz ist nicht mehr
- relevant für die Steuerung der Geldmenge. Dafür hat die EZB andere Instrumente und das ist vor allem der Lizens.
- Über den LINS kontrolliert die Izb die gesamte Geldschöpfung, weil zum einen bestimmt sie damit den Zinssatz, zu dem die Bankenkredit bei der EZB bekommen
- und zum anderen bestimmt sie damit indirekt auch den Zinsatz, den die Banken ihren Kunden ihrerseits wieder berechnen. Also darüber wird die Menge
- an Kredit bestimmt und damit wird auch die Geldschöpfung gesteuert. Aha. Wie die Queen tront über den Banken und diktiert mit dem Leizins die
- Geschäfte. Vor der Krise 2008 funktionierte die Beziehung zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken. Der Leizins lag mal bei
- 4,25%. Seit Jahren jedoch fahren Zentralbanken weltweit eine lockere Geldpolitik. Stand Mai 2022 liegt der Leitzins seit 6
- Jahren bei 0%. Die Menge des neueschöpften Geldes steigt im Euroraum seit Jahren viel schneller als das Bruttoinlandsprodukt. Erleben wir eine
- Geldschwämme? Die Geldmenge wird letztendlich von privaten Banken bestimmt. Ja, also private Banken bestimmen ihrer
- Geschäftstätigkeit, wie viel Geld es gibt und für wen es geschaffen wird. Die Zentralbanken haben gar nicht mehr die Aufgabe, diese Geldmenge zu
- kontrollieren, sondern sie haben die Aufgabe, einerseits den Geldpreis stabil zu halten und das Finanzsystem am Laufen zu halten.
- Tatsächlich haben die Geschäftsbanken ca. 90% des Geldes geschaffen, das sich gerade in der Europäischen Union im Umlauf befindet. nur 10% die
- Zentralbank. Dadurch werden die Banken selbst zum Akteur. Sie beeinflussen, wie viel investiert wird und wohin sich die Wirtschaft bewegt. Also ob Geld z.B. in
- Nahrungsmittelspekulation fließt und nicht in die Bekämpfung des Klimawandels. [Musik]
- Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Denn eigentlich war das doch eine gute Idee mit der Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Seit dem 18.
- Jahrhundert musste schnell eine Menge Kapital etwa für den Bau von Fabriken oder Eisenbahnen bereit stehen.
- Geld auf Bedarf zur Verfügung zu stellen. Ja, also dass man immer zu einer Bank gehen kann, um sich auf Kredit neues Geld zu holen, dass man
- nicht vorher erwirtschaften oder ansparen muss. Das ist die Grundlage moderner Wachstumsdynamik. Ja, also das hat uns letztlich diese ökonomische Welt
- beschert mit all ihren Annehmlichkeiten auch, von der wir heute noch zähren. Das die Kreditschöpfung, also Geld vom Bankensystem produzieren zu lassen, war
- also an sich eine wunderbare Idee. Die Spareinlagen hätten dafür nicht ausgereicht. So entwickelten sich Genossenschaftsbanken,
- die den Agrarsektor finanzierten, Sparkassen für die kleinen Unternehmen und Geschäftsbanken für die Industrialisierung.
- Eine Zeit lang lief das wie am Schnürchen. Doch dann wollten die Geschäftsbanken mehr als nur Kredite vergeben. Sie
- hatten es auf höhere Gewinne abgesehen und stiegen in Finanzspekulationen und Aktiengeschäfte ein. Denn all das ist viel lukrativer, nur leider eben auch
- viel risikoreicher. [Musik] Die globale Wirtschaft hat sich in den 1980er Jahren grundlegend gewandelt.
- Unternehmen, das heißt eben auch z.B. Industrieunternehmen, haben anteilig immer mehr Geld durch Investition in Finanzlagen, das heißt
- z.B. Aktien und Schuldpapiere und immer weniger Geld durch ihre eigentliche Produktion verdient. Das heißt eben auch, sie waren immer weniger abhängig
- davon mehr Leute anzustellen oder höhere Löhne zu zahlen. Und das hat zur Verschärfung der Ungleichheit genauso beigetragen wie zu der
- Krisenanfälligkeit der globalen Ökonomie. Das geschaffene Geld fließt tendenziell zu den Menschen, die bereits Geld haben
- und nicht dorthin, wo Menschen für Lohn arbeiten. Die Kluft zwischen arm und Reich, zwischen Angestellten Arbeitern,
- Erwerbslosen einerseits und Aktionären und Konzernen andererseits wird größer und das liegt auch an der Art der Geldschöpfung.
- 2013 hatte Apple ein Vermögen von 102 Milliarden Dollar. Trotzdem nahm die Firma einen Kredit über 17 Milliarden Dollar auf und kaufte damit einen Teil
- ihrer eigenen Aktien vom Markt zurück. Es war für Apple günstiger, sich Geld zu leihen, als das Geld zu verwenden, was sie schon hatten. Und damit konnten sie
- also durch neu geschaffenes Geld ihren eigenen Aktienkurs in die Höhe treiben. Das verdeutlicht sehr gut die Fallst eines Geldsystems, in dem Geld verfügbar
- ist, wenn jemand einen Kredit aufnimmt. Es geht auf die schnelle. Ein Tastendruck am Computer und es werde Geld. Das macht Dinge, die nicht ganz so
- einfach vermehrbar sind, wie Aktien oder Immobilien wertvoller. In unserem Fall spart die Firma sogar noch Steuern, wenn sie den Kredit
- absetzt und die Gewinne in Steueroasen schiebt. Die Firma macht also durch Kreditaufnahme Gewinn. Die Allgemeinheit geht leer aus, weil das Unternehmen so
- gut wie keine Steuern zahlt. Und das zeigt, dass dieses System, obwohl es für die Dynamik moderner Wirtschaft verantwortlich ist, eben auch
- immer anfällig dafür ist, missbraucht zu werden. Ganz außerhalb der Kontrolle von Zentralbanken liegen Steueroasen.
- Klar, dort agieren Reiche, um ihr Geld zu verstecken, das ist bekannt, aber doch keine Geschäftsbanken. Doch und zwar schon seit langem, denn in
- Steueroasen lässt sich Geld schöpfen. Wie das funktioniert? Deutsche oder französische Banken vergeben über eine Filiale, etwa auf den
- Caymen Inseln, einen Kredit in US-Dollar an eine internationale Firma. Sie schaffen also neues Geld, sogenannte Eurodollar. Warum aber gerade dort?
- Es entstehen den Banken keine Transaktionskosten. Sie können dieses Geld schöpfen ähm ohne zusätzliche Kosten zu haben.
- Und damit kann man also Regulierungen umgehen und für Banken ist es also möglich äh Geld zu schöpfen in diesen Offshore Centrenuliert.
- Um wie viel Geld es geht, ist schwer zu sagen, denn es reguliert ja keiner. Es lässt sich nur schätzen. Man weiß das nicht, weil das ja in den
- Statistiken äh nicht so richtig sichtbar ist. Es gibt eine Studie von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, die sagt, sie vermuten, dass es um 20
- Billionen Dollar geht, die nicht in den Statistiken auf tauchen. Wo bleibt dieses viele Geld und wer profitiert davon?
- Eurodollar Märkte sind sogenannte Interbankenmärkte oder auch Wholesale Markets. Äh zu denen kamen nur groß sehr große Unternehmen, sehr große globale
- Banken äh Zugang. Also ein normales äh mittelständisches Unternehmen hat in diesen Märkten keine Möglichkeit Kredite aufzunehmen.
- Einerseits also profitiert die Allgemeinheit nicht von solchen Praktiken. Wenn die Banken aber in eine Schieflage geraten, werden wir alle
- mitgerissen. Die Finanzkrise 2008 wurde zum Teil auch von Eurodollarmärkten ausgelöst. Warum aber kommt das ganze System ins
- Straucheln, wenn etwa die Deutsche Bank einen Kredit in US-Dollar vergibt? Vereinfacht kann man es so erklären. Wenn die Deutsche Bank jetzt nicht
- genügend Liquidität hat, kann sie nicht zu Federal Reserve gehen und US-Dollar leihen über Nacht, wie das eine amerikanische Bank könnte. Und dazu
- sehen wir jetzt schon, dass dieses ganze System sehr viel instabiler ist. Was sich jetzt entwickelt hat, was man dazu sagen muss, um das System gesamt zu
- beschreiben, ist, dass ja das, was ich jetzt hier mit den Steinchen gemacht habe in der Finanzkrise passiert ist. Ein großer Teil der Finanzkrise hat sich
- in diesen Eurodollar äh Märkten abgespielt. Wenn die Deutsche Bank auf faulen Dollarkrediten sitzt und ihr keine
- andere Bank mehr Geld leid, muss der Staat sie retten. Das Risiko ist verallgemeinert. Die Gewinne aber behalten die Banken für sich.
- Wir stellen uns die Weltwirtschaft manchmal als ein Feld vor, wo viele einzelne Unternehmen miteinander sozusagen isoliert voneinander
- konkurrieren. Also z.B. für eine Bank, eine Holinggesellschaft oder Industrieunternehmen. Aber wenn wir uns die großen Spieler
- anschauen, dann sind das eigentlich komplexe Strukturen, in denen ganz verschiedene Firmen zu einer verbunden werden, also zu einer Art Netzwerk von
- Unternehmen, die denselben Eigentümer haben und zudem dann eben das Industrieunternehmen, aber auch die Bank gehört. In solchen Firmennetzwerken
- kann es dann sehr wohl vorkommen, dass die Bank Kredite auch an die eigene Holdinggesellschaft vergibt. Warum ist das ein Problem? Stellen Sie sich vor,
- Sie würden die ganze Zeit Kredite an Ihren eigenen Chef vergeben. Da sind Sie vielleicht nicht ganz so kritisch, was die Laufzeit oder die Zinsen angeht. Und
- so kommt es zu einer starken Konzentration von Banken, die Wettbewerb und Regulierung weitesgehend ausgehebelt haben. Vor allem Großbanken und
- Finanzdienstleister aus den USA haben die Welt fest im Griff. Die großen drei sind State Street, Vangard und Blackrock, die über 1500 amerikanische
- Firmen mehrheitlich kontrollieren. Doch auch Barclays, die Deutsche Bank und Societ General sitzen wie Spinnen in einem Netz von Abhängigkeiten und
- Kontrolle. Geldschöpfung ist ein gesellschaftliches Privileg. Also wem wir erlauben Geld zu schöpfen, der hat enorme ökonomische
- Macht. Das heißt, wer für sich selber quasi oder für ein Unternehmen, das denselben Eigentümer hat, Geld erschafft, der nutzt eigentlich ein
- gesellschaftliches Privileg aus oder plündert dieses Privileg. Nicht reguliert, in die eigene Tasche, Plünderung. Klingt ein bisschen wie
- Piraterie. Geschäftsbanken waren eine gute Idee, aber seit den 1980er Jahren haben sie sich teilweise schlecht entwickelt. Okay. Und jetzt was sollen
- wir tun? Wie schaffen wir es, dass Kredite nicht an Profit, sondern an Produktivität und gesellschaftlichen Nutzen geknüpft sind?
- Es ist heute fast in Vergessenheit geraten, aber bis in die 1980er Jahre hinein war es durchaus üblich, dass Staaten ihren Banken ganz konkrete
- Vorgaben dafür gemacht haben, wofür sie Geld schaffen dürfen. Also z.B. indem sie die Geldschöpfung für manche Sektoren einfach begrenzt haben oder nur
- für bestimmte regulierte Banken vorgesehen haben. Die Regeln für Kreditvergabe waren also einmal viel strenger.
- Doch dann sind die Staaten zum Wetta übergegangen. Wieso? Weil man immer versucht hat, den anderen einen Schritt vorauszusein darin, wie
- frei der eigene Finanzmarkt ist. man gehofft hat, damit die Renditen für die Unternehmen zu erzeugen, die dann am Ende durch Investition wieder zum
- Wachstum führen. Das war ein ganz fataler Wettbewerb um den freisten, möglichst freien Finanzmarkt. Also zurück zu den Good old Days oder
- sollen wir die Banken abschaffen, sie weniger benutzen? Ginge das überhaupt? Und wie sinnvoll wäre es? Stellen wir uns Geld für einen Moment wie einen
- Burger vor? Genau wie die Bürger einer Kette überall gleich sind, ist auch Geld, egal aus welchem Automaten und egal von welcher Bank, überall gleich.
- Wir, die Bürgerinnen und Bürger haben den Banken die Lizenz für unser Geld gegeben. Und egal zu welcher Bank oder zu welcher Kette wir gehen, wir erwarten
- eine gewisse Qualität. Sie sollen Burger immer mit dem gleichen Qualitätsstandard produzieren und wenn Sie das nicht tun, kann ihnen die Lizenz
- entzogen werden. Eine Burgerkette kann also einzelne Restaurants schließen, die schlechte
- Burger produzieren und wir können Banken schließen, wenn sie ihre Aufgabe nicht erfüllen.
- Ähnlich ist es mit den Banken. Privatbanken haben die Lizenz, unser Geld zu schöpfen. Sie müssen sich an Zulassungsvoraussetzungen halten und
- wenn sie Missbrauch betreiben mit öffentlichem Geld oder sich nicht an die Regeln halten, dann können die Finanzbehörden sagen: "Sorry, aber mit
- euch arbeiten wir nicht mehr zusammen. Ihr dürft kein öffentliches Geld mehr schöpfen." Was wäre, wenn wir Burgerketten
- schließen? Würden wir dann verhungern? Kaum, wir könnten woanders hingehen oder selbst kochen. Ähnlich mit Geschäftsbanken, die wir eigentlich für
- Unverzicht behalten. Vielleicht sind wir gar nicht so sehr abhängig von ihnen, wie wir denken.
- Den Mittelsmann herausnehmen, das ist ein Slogan, um darüber nachzudenken, wie wir das System reformieren können. Im Prinzip könnte alles durch eine
- öffentliche Bank erledigt werden. öffentliche Banken, also wie die Zentralbanken, die nicht spekulieren und nicht auf Profit angelegt sind und die
- anderen Banken gäbe es dann nicht mehr. Jeder Bürger, jedes Mitglied der Europäischen Union könnte ein Konto bei
- der Zentralbank haben. Die Privatbanken könnten immer noch als Darlehensgeber innerhalb bestimmter Vorgaben operieren und so produktiv arbeiten, ohne die
- Tendenz zu exzessiven Spekulationen. Das System wäre demokratischer, denn Geldpolitik wäre dann etwas, in das wir
- als Bürger alle involviert sind. Ärzte sind. Das klingt irgendwie revolutionär, aber würden sich die Zentralbanken auf
- so etwas überhaupt einlassen? Eine Geschäftsbank hat ein großes Interesse daran, nur Gläubigern Kredit zu geben, die auch kreditwürdig sind.
- Und ob eine Kleinunternehmerin in Südfrankreich oder ein Häuslebauer in Schwaben kreditwürdig sind, das entscheidet am besten eine Geschäftsbank
- und nicht die EZB. Zugegeben, Banken abzuschaffen ist nicht so einfach wie eine Bürgerkette zu schließen. Dennoch, stärkere
- Zentralbanken wünschen sich einige Ökonomen schon seit langem. Während der Weltwirtschaftskrise 1933 forderten Wissenschaftler der Universität Chicago,
- dass Banken ihre Kredite zu 100% bei der Zentralbank absichern. Das wäre so, als ob die Bank für jeden Autokredit ein ganzes Auto bei der
- Zentralbank einlagern müsste und nicht nur einen Scheibenwischer. Der damalige US-Präsident Franklin Roosevelt prüfte die Idee, die am
- Widerstand der Banken scheiterte. Die Schweizer Vollgeldinitiative versuchte 2018 Vollgeld einzuführen. Nur noch die Zentralbank hätte Geld schöpfen können.
- In Banken wäre es verboten gewesen. Die Volksabstimmung scheiterte. War die Idee doch nicht so gut. Doch wie wäre es, wenn wir weltweit die Zentralbanken
- stärken? Zentralbanken treten immer mehr als Retter in Krisen auf und mischen sich neuerdings in gesellschaftliche, ökologische und soziale Themen ein. Also
- doch eine Bank für alle. Wir reden jetzt auch mit in äh Themen wie Klimawandel, Gleichberechtigung, weil diese Themen einen Einfluss auf die
- Preistabilität haben. Und Studien haben gezeigt, dass Frauen weniger riskant investieren als Männer. Und wenn wir mehr Frauen in Führungsposition im
- Finanzsektor hätten, dann hätten wir vielleicht auch eine andere Art von Finanzstabilität. Dies sind also alles ähm
- Themen, wo die EZB im Interesse der Bürger und Bürgerinnen mit reden muss. Die Zentralbank ist ähnlich unabhängig wie Gerichte und Reforma sehen Sie als
- mögliche vierte Instanz neben legislative, Exekutive und Judikative, eine unabhängige monet. Umfragen zeigen, dass sich vor allem
- gebildete linksliberale Bürger und Bürgerinnen eine stärkere Rolle der Zentralbanken wünschen. Gegner fürchten sich vor dieser Idee. Ihr Argument: Was,
- wenn uns die nächste Regierung nicht gefällt und auch nicht die von ihr eingesetzte Führung der Zentralbank. Manche Leute fordern ja, dass eine
- unabhängige Zentralbank alleine bestimmen sollte, wie viel Geld es gibt nach objektiven Kriterien wie dem prognostizierten Wirtschaftswachstum.
- Das wird aber auch bedeuten, dass die Frage, wie viel Geld da ist, völlig unabhängig davon ist, wie viel Geld wir brauchen. Es ist mehr oder weniger
- verrückt, die Geldversorgung von irgendeiner abstrakten Berechnung abhängig zu machen, während auf der anderen Seite ein enormer
- gesellschaftlicher Geldbedarf besteht. Das halte ich einfach für eine fatale und völlig falsche Lösung. Welche Möglichkeiten haben wir noch? Wie
- war das gleich mit den Obergrenzen für Kredite in den Good Days? Und wie wäre es mit verschiedenen Zinssätzen? Z.B. günstige Zinsen für
- Windräder, nachhaltige Transportmittel, hohe Zinsen für Spekulationen? Die Banken müssten in diesem System der Zentralbank sagen, für was sie das Geld
- verwenden wollen und daran orientiert sich dann der Zins. [Musik] Wir haben schon akzeptiert, dass manche
- mehr haben als andere und dann stellen wir die Frage, sollen wir das denen, die sehr viel haben, wegnehmen durch z.B. eine Vermögenssteuer und es denjenigen
- geben, die es brauchen. Was wir dabei ausgeblendet haben, ist das, was vor der Verteilung kommt, nämlich der Eintritt des Geldes in die Wirtschaft. Die Frage,
- wie wird überhaupt erstmal das Geld, das wir verteilen wollen, geschaffen? Für wen und nach welchen Kriterien? Und diese Frage müssen wir ins Zentrum
- rücken, wenn wir die sozialen Schieflagen der Gegenwart angehen wollen. Wir sollten das Thema Geld rausholen aus
- seinem nebulösen Schattendasein, denn so märchenhaft ist es gar nicht. Wie unser Geld erschaffen wird, wie viel und wofür, betrifft uns schließlich alle.
- Schon allein deswegen, weil unser Geldsystem z.B. die endlichen Ressourcen unseres Planetens überhaupt nicht berücksichtigt. Und es gibt keinen
- Grund, warum das so ist. Geld kann da auch eine sehr positive Rolle in Veränderung spielen, wenn wir anfangen uns zu fragen, ob diese Institution, die
- wir historisch gebaut haben, noch dem entspricht, was wir heute als Gesellschaft brauchen und wollen. Wir müssen ja nicht leicht die Banken
- abschaffen, aber wieder besser regulieren, denn dann haben wir vielleicht eine Chance, dass die Erschaffung von Geld nicht nur einigen
- wenigen zugute kommt, sondern der ganzen Gesellschaft. [Musik]
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