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Die kartografische Darstellung der Welt | Mit offenen Karten | ARTE

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Transkriptautomatisch erstellt · 71 Zeilen
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  1. [Musik] herzlich willkommen zu einer neuen Folge von mit offenen Karten diese Aufnahme stammt aus einer Schule in China wie in
  2. allen Klassenräumen der Welt gibt es dort Landkarten erdkundebücher und Atlanten nur hängen dort nicht die gleichen
  3. Weltkarten wie in Deutschland oder in Frankreich denn die kartografischen Darstellungen hängen davon ab wo wir leben
  4. im Westen steht Europa im Zentrum während China sich natürlich als Reich der Mitte darstellt es gibt weitere Beispiele die sehr unterschiedlichen
  5. Karten der westpazifischen Randmeere in China und Japan oder die unterschiedlichen Karten der Westsahara in Marokko und in Algerien
  6. natürlich kann man sich dabei auf das Völkerrecht beziehen aber das kann nicht alle Probleme lösen beginnen wollen wir mit unserer eigenen
  7. Sendung eine typische Folge beginnt oft mit einer Weltkarte auf der der Norden oben ist und Europa in der Mitte liegt damit sich das Fernsehpublikum in
  8. Deutschland und Frankreich zu Recht findet im weiteren Verlauf der Sendung kommen Städtenamen hinzu Landesgrenzen
  9. Mitgliedsländer eines staatenverbundes wieder EU grafische Elemente wie die Angabe des beitrittsjahres sowie Toponyme das heißt Ortsnamen direkt auf
  10. der Karte all das klingt recht banal denn wir halten uns brav an gewisse Konventionen
  11. durch die kartografische Darstellungen praktisch weltweit verständlich sind hier sehen Sie zum Beispiel die älteste bekannte chinesische Weltkarte
  12. sie stammt aus dem Jahr 1602 und wurde von dem italienischen Missionar Matteo Ricci auf Verlangen von wann Lee gedruckt dem 13 Kaiser der Ming-Dynastie
  13. auch ohne Chinesischkenntnisse finden wir uns auf der Karte zurecht denn wir erkennen die gewohnten grafischen Elemente wie Punkte Striche und Flächen
  14. auch der Norden ist oben allerdings liegt hier nicht Europa im Zentrum sondern China gemäß der chinesischen kartografischen Tradition
  15. von der hier ein paar prächtige Beispiele zu sehen sind Matteo ricis Weltkarte ist ein geschickter Kompromiss aus europäischen
  16. also seinen Regeln und dem politischen Selbstverständnis Chinas bei dem das Reich der Mitte von jeher das Zentrum der Welt bildete bereits jetzt sehen wir
  17. also das kartografische Darstellungen oft eng zusammenhängen mit politischen wenn nicht sogar geopolitischen Ambitionen der Staaten und das zu allen
  18. Zeiten diese Weltkarte wurde 2002 von Rauscher Guang von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften angefertigt China
  19. wird natürlich auch da im Zentrum und der amerikanische Rivale für uns verkehrt herum dargestellt vor allem scheint wo China und USA ja relativ weit
  20. voneinander entfernt liegen bei dieser neuen Kartenprojektion eine direkte Linie zwischen Peking und Washington zu bestehen das Ziel Pekings ist also eine
  21. Legitimierung seiner Interessen rund um das Nordpolarmeer und in einer anderen strategisch wichtigen Region dem Indischen Ozean
  22. auf Rausch jaguangskarte kommen Chinas neue Machtansprüche auf den Weltmeeren klar zum Ausdruck und sie wurde offiziell von der chinesischen Arktis
  23. und Antarktis Behörde und von der Volksbefreiungsarmee übernommen diese kann so endlich den jahrhundertelang von den westlichen Staaten auferlegten
  24. Standpunkt abschütteln seit dem Zeitalter der Entdeckungen sicherte sich durch die Reisen der
  25. Seefahrer aus Portugal Spanien England und Frankreich die alte Welt nach und nach die Vorherrschaft über die gesamte übrige Welt und dabei setzten sich auch
  26. die Regeln der modernen Kartographie durch 1569 entwickelte der flämische Kartograph Gerhard Krämer besser bekannt
  27. unter seinem latinisierten Namen Mercator eine winkeltreue Zylinderprojektion mit der sich die Umrisse der Kontinente genau darstellen
  28. ließen diese Mercator Projektion erwies sich als äußerst nützlich für die Seefahrt und war deshalb sehr erfolgreich seine
  29. Weltkarte wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verwendet und setzte sich nach und nach als standard-weltkarte durch
  30. als der französische Geograph polvidal de la blasch Anfang des 20 Jahrhunderts auf einer schulkarte die französischen Kolonien darstellte verwendete er die
  31. Mercator Projektion Frankreich nimmt eine zentrale Stellung ein und die gesamte Welt ist am Längengrad von Paris ausgerichtet die Länder des Nordens
  32. thronen überdehnen des Südens und die anderen Nationen liegen in den Ecken der Karte rund um das zentrale Europa die Weltsicht von Generationen von
  33. Schülerinnen und Schülern in Europa ist von solchen Weltkarten geprägt und auch in unserer Sendung wird dieses Bild von Europa im Zentrum zumindest teilweise
  34. weiter gepflegt wie uns manchmal vorgeworfen wird diese Welt war die eines Mercator im 16 Jahrhundert und die der Geografen zu
  35. Beginn des 20 Jahrhunderts aber sie ist wohl nicht mehr so ganz die heutige die Geschichte der Kartographie ist also untrennbar verbunden mit diesen
  36. Konventionen die zum großen Teil von der von Mercator in der Renaissance erfundenen eurozentrischen Projektion her rühren aber seit den 1970er Jahren
  37. werden diese Konventionen in Frage gestellt der Schwerpunkt der internationalen Beziehungen verschiebt sich und die Konventionen ändern sich
  38. das hat auch Folgen für unsere Karten Anfang der 70er Jahre wurde die für die Seefahrt praktische mercator-Projektion
  39. vor allem deshalb kritisiert weil sie die Größe der Kontinente nicht angemessen wiedergab wenn je weiter die Landmassen vom
  40. Äquator entfernt liegen umso größer erscheinen sie wie diese verzerrungskreise zeigen die Methode wird seit dem 19 Jahrhundert angewandt
  41. um zu ermessen wie sich die Darstellung verzerrt wenn man die gekrümmte Oberfläche der Erde in zwei Dimensionen abbilden möchte
  42. dem deutschen Historiker Arno Peters zufolge wurden bei der Mercator Projektion die reichenländer des Nordens unverhältnismäßig groß im Verhältnis zu
  43. den ärmeren Ländern des Südens dargestellt Peters wollte die Geschichte der Dritten Welt gleichrangig neben der europäischen
  44. Geschichte behandeln und schlug 1974 die Verwendung einer Projektion vor die 1855 auch der schottische Kartograph James Gall entwickelt hatte um die
  45. Kontinente in ihrer wahren Größe darzustellen in unserer Sendung verwenden wir übrigens die Eckert vier Projektion sie ist ein Kompromiss
  46. zwischen der reinen mercator-Projektion mit ihrer mangelnden Flächen Treue und der reinen galpeters-projektion der 70er Jahre mit ihren starken formverzerrungen
  47. aber auch damit können wir nicht immer und wir sind uns dessen bewusst die heutigen geopolitischen Verhältnisse in grafischer Hinsicht angemessen
  48. darstellen auf unseren Weltkarten ist die Welt weiterhin rund um den Atlantik und seine anrainermächte dargestellt zu Ungunsten
  49. des asien-pazifikraums der immer mehr ins Zentrum der Interessen rückt wie also könnte man diese neue multipolare Welt in grafischer Hinsicht Objektiv
  50. darstellen sollten wir unsere Darstellung einfach verschieben und den sinozentrischen Standpunkt einnehmen wie es Matteo Ricci
  51. getan hatte damit würden wir wohl zu schnell dem Abstieg Europas vorgreifen das ja weiterhin eine bedeutende Machtstellung einnimmt vor allem aber
  52. würden wir uns den Standpunkt der chinesischen Führung zu eigen machen auf Kosten anderer ebenso wichtiger Positionen in erster Linie der der
  53. weiterhin mächtigen USA so weist jede Weltkarte die Mängel aller bildlichen Darstellungen auf sie versieht die Erde mit Rändern die eine Kugel ja nicht hat
  54. sie hat notwendigerweise ein Zentrum auf das sich der Blick richtet und rückt den Rest an den Rand und auch ohne Absicht haben die Bestandteile im oberen Teil
  55. mehr Bedeutung als die im unteren Teil was passiert eigentlich wenn wir die Karte einfach umdrehen
  56. das tat 1979 der australische Kartograph Stewart McArthur er war es leid sein Land immer in der unteren rechten Ecke der Weltkarte zu sehen aber für uns in
  57. Europa ist das ganz einfach eine verkehrte Welt manche NGOs verwenden solch eine Darstellung ganz bewusst um in
  58. Erinnerung zu rufen dass allen Darstellungen ein Diskurs innewohnt manchmal unbeabsichtigt manchmal ganz bewusst
  59. bei Google Earth können wir heutzutage jederzeit einen Blick auf die Halbinsel Krim werfen wenn man das in Frankreich oder Deutschland tut sieht man seit 2014
  60. einen ungeklärten Grenzverlauf zwischen der kaginiska Bucht und dem assowschen Meer in Russland sieht man dort eine normale
  61. Landesgrenze durch die die Krim vom Rest der Ukraine getrennt und somit faktisch als zu Russland gehörig dargestellt wird sein Staatsgebiet auf der Landkarte
  62. darzustellen ist oft eine Inszenierung der eigenen Macht in unserer Sendung haben wir beschlossen das Gebiet der Krim auf der Karte zu
  63. schraffieren da es sich um ein umstrittenes Gebiet handelt das bedeutet keineswegs dass wir die rechtswidrige Annexion der Halbinsel durch Russland
  64. anerkennen je nachdem wo man sich auf der Erde befindet sieht man also nicht unbedingt
  65. die gleichen Karten man stellt die Welt und den eigenen Platz in der Welt nicht auf die gleiche Weise da Maßstäbe geopolitische Ambitionen Einhaltung des
  66. Völkerrechts in unserer Sendung sind wir immer darum bemüht unterschiedliche Blickwinkel Quellen und Standpunkte zu kombinieren um kurz gesagt mit offenen
  67. Karten zu spielen zum heutigen Thema empfehlen wir islamische Karten der andere Blick auf die Welt ein Buch des
  68. islamwissenschaftlers und Historikers Josef raport und den Atlas de franciere und Frederic encel erschienen bei otramond
  69. damit endet unsere heutige Ausgabe wir sehen uns nächste Woche wieder am gleichen Ort und zur gleichen Zeit bis dahin finden Sie uns und unsere
  70. geopolitischen Aspekte auf arte.tv bis bald [Musik]
  71. [Musik]

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