Die kartografische Darstellung der Welt | Mit offenen Karten | ARTE ARTEde https://www.youtube.com/watch?v=5UJ33QElhHQ Transkript (automatisch erstellt) 0:00 [Musik] herzlich willkommen zu einer neuen Folge von mit offenen Karten diese Aufnahme stammt aus einer Schule in China wie in 0:27 allen Klassenräumen der Welt gibt es dort Landkarten erdkundebücher und Atlanten nur hängen dort nicht die gleichen 0:36 Weltkarten wie in Deutschland oder in Frankreich denn die kartografischen Darstellungen hängen davon ab wo wir leben 0:44 im Westen steht Europa im Zentrum während China sich natürlich als Reich der Mitte darstellt es gibt weitere Beispiele die sehr unterschiedlichen 0:54 Karten der westpazifischen Randmeere in China und Japan oder die unterschiedlichen Karten der Westsahara in Marokko und in Algerien 1:03 natürlich kann man sich dabei auf das Völkerrecht beziehen aber das kann nicht alle Probleme lösen beginnen wollen wir mit unserer eigenen 1:14 Sendung eine typische Folge beginnt oft mit einer Weltkarte auf der der Norden oben ist und Europa in der Mitte liegt damit sich das Fernsehpublikum in 1:24 Deutschland und Frankreich zu Recht findet im weiteren Verlauf der Sendung kommen Städtenamen hinzu Landesgrenzen 1:33 Mitgliedsländer eines staatenverbundes wieder EU grafische Elemente wie die Angabe des beitrittsjahres sowie Toponyme das heißt Ortsnamen direkt auf 1:43 der Karte all das klingt recht banal denn wir halten uns brav an gewisse Konventionen 1:52 durch die kartografische Darstellungen praktisch weltweit verständlich sind hier sehen Sie zum Beispiel die älteste bekannte chinesische Weltkarte 2:02 sie stammt aus dem Jahr 1602 und wurde von dem italienischen Missionar Matteo Ricci auf Verlangen von wann Lee gedruckt dem 13 Kaiser der Ming-Dynastie 2:13 auch ohne Chinesischkenntnisse finden wir uns auf der Karte zurecht denn wir erkennen die gewohnten grafischen Elemente wie Punkte Striche und Flächen 2:22 auch der Norden ist oben allerdings liegt hier nicht Europa im Zentrum sondern China gemäß der chinesischen kartografischen Tradition 2:32 von der hier ein paar prächtige Beispiele zu sehen sind Matteo ricis Weltkarte ist ein geschickter Kompromiss aus europäischen 2:44 also seinen Regeln und dem politischen Selbstverständnis Chinas bei dem das Reich der Mitte von jeher das Zentrum der Welt bildete bereits jetzt sehen wir 2:55 also das kartografische Darstellungen oft eng zusammenhängen mit politischen wenn nicht sogar geopolitischen Ambitionen der Staaten und das zu allen 3:04 Zeiten diese Weltkarte wurde 2002 von Rauscher Guang von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften angefertigt China 3:15 wird natürlich auch da im Zentrum und der amerikanische Rivale für uns verkehrt herum dargestellt vor allem scheint wo China und USA ja relativ weit 3:25 voneinander entfernt liegen bei dieser neuen Kartenprojektion eine direkte Linie zwischen Peking und Washington zu bestehen das Ziel Pekings ist also eine 3:35 Legitimierung seiner Interessen rund um das Nordpolarmeer und in einer anderen strategisch wichtigen Region dem Indischen Ozean 3:44 auf Rausch jaguangskarte kommen Chinas neue Machtansprüche auf den Weltmeeren klar zum Ausdruck und sie wurde offiziell von der chinesischen Arktis 3:54 und Antarktis Behörde und von der Volksbefreiungsarmee übernommen diese kann so endlich den jahrhundertelang von den westlichen Staaten auferlegten 4:04 Standpunkt abschütteln seit dem Zeitalter der Entdeckungen sicherte sich durch die Reisen der 4:12 Seefahrer aus Portugal Spanien England und Frankreich die alte Welt nach und nach die Vorherrschaft über die gesamte übrige Welt und dabei setzten sich auch 4:23 die Regeln der modernen Kartographie durch 1569 entwickelte der flämische Kartograph Gerhard Krämer besser bekannt 4:32 unter seinem latinisierten Namen Mercator eine winkeltreue Zylinderprojektion mit der sich die Umrisse der Kontinente genau darstellen 4:41 ließen diese Mercator Projektion erwies sich als äußerst nützlich für die Seefahrt und war deshalb sehr erfolgreich seine 4:51 Weltkarte wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verwendet und setzte sich nach und nach als standard-weltkarte durch 5:00 als der französische Geograph polvidal de la blasch Anfang des 20 Jahrhunderts auf einer schulkarte die französischen Kolonien darstellte verwendete er die 5:10 Mercator Projektion Frankreich nimmt eine zentrale Stellung ein und die gesamte Welt ist am Längengrad von Paris ausgerichtet die Länder des Nordens 5:20 thronen überdehnen des Südens und die anderen Nationen liegen in den Ecken der Karte rund um das zentrale Europa die Weltsicht von Generationen von 5:31 Schülerinnen und Schülern in Europa ist von solchen Weltkarten geprägt und auch in unserer Sendung wird dieses Bild von Europa im Zentrum zumindest teilweise 5:41 weiter gepflegt wie uns manchmal vorgeworfen wird diese Welt war die eines Mercator im 16 Jahrhundert und die der Geografen zu 5:51 Beginn des 20 Jahrhunderts aber sie ist wohl nicht mehr so ganz die heutige die Geschichte der Kartographie ist also untrennbar verbunden mit diesen 6:04 Konventionen die zum großen Teil von der von Mercator in der Renaissance erfundenen eurozentrischen Projektion her rühren aber seit den 1970er Jahren 6:13 werden diese Konventionen in Frage gestellt der Schwerpunkt der internationalen Beziehungen verschiebt sich und die Konventionen ändern sich 6:22 das hat auch Folgen für unsere Karten Anfang der 70er Jahre wurde die für die Seefahrt praktische mercator-Projektion 6:32 vor allem deshalb kritisiert weil sie die Größe der Kontinente nicht angemessen wiedergab wenn je weiter die Landmassen vom 6:41 Äquator entfernt liegen umso größer erscheinen sie wie diese verzerrungskreise zeigen die Methode wird seit dem 19 Jahrhundert angewandt 6:49 um zu ermessen wie sich die Darstellung verzerrt wenn man die gekrümmte Oberfläche der Erde in zwei Dimensionen abbilden möchte 7:00 dem deutschen Historiker Arno Peters zufolge wurden bei der Mercator Projektion die reichenländer des Nordens unverhältnismäßig groß im Verhältnis zu 7:09 den ärmeren Ländern des Südens dargestellt Peters wollte die Geschichte der Dritten Welt gleichrangig neben der europäischen 7:17 Geschichte behandeln und schlug 1974 die Verwendung einer Projektion vor die 1855 auch der schottische Kartograph James Gall entwickelt hatte um die 7:29 Kontinente in ihrer wahren Größe darzustellen in unserer Sendung verwenden wir übrigens die Eckert vier Projektion sie ist ein Kompromiss 7:38 zwischen der reinen mercator-Projektion mit ihrer mangelnden Flächen Treue und der reinen galpeters-projektion der 70er Jahre mit ihren starken formverzerrungen 7:50 aber auch damit können wir nicht immer und wir sind uns dessen bewusst die heutigen geopolitischen Verhältnisse in grafischer Hinsicht angemessen 7:59 darstellen auf unseren Weltkarten ist die Welt weiterhin rund um den Atlantik und seine anrainermächte dargestellt zu Ungunsten 8:08 des asien-pazifikraums der immer mehr ins Zentrum der Interessen rückt wie also könnte man diese neue multipolare Welt in grafischer Hinsicht Objektiv 8:18 darstellen sollten wir unsere Darstellung einfach verschieben und den sinozentrischen Standpunkt einnehmen wie es Matteo Ricci 8:27 getan hatte damit würden wir wohl zu schnell dem Abstieg Europas vorgreifen das ja weiterhin eine bedeutende Machtstellung einnimmt vor allem aber 8:36 würden wir uns den Standpunkt der chinesischen Führung zu eigen machen auf Kosten anderer ebenso wichtiger Positionen in erster Linie der der 8:45 weiterhin mächtigen USA so weist jede Weltkarte die Mängel aller bildlichen Darstellungen auf sie versieht die Erde mit Rändern die eine Kugel ja nicht hat 8:55 sie hat notwendigerweise ein Zentrum auf das sich der Blick richtet und rückt den Rest an den Rand und auch ohne Absicht haben die Bestandteile im oberen Teil 9:05 mehr Bedeutung als die im unteren Teil was passiert eigentlich wenn wir die Karte einfach umdrehen 9:13 das tat 1979 der australische Kartograph Stewart McArthur er war es leid sein Land immer in der unteren rechten Ecke der Weltkarte zu sehen aber für uns in 9:25 Europa ist das ganz einfach eine verkehrte Welt manche NGOs verwenden solch eine Darstellung ganz bewusst um in 9:33 Erinnerung zu rufen dass allen Darstellungen ein Diskurs innewohnt manchmal unbeabsichtigt manchmal ganz bewusst 9:42 bei Google Earth können wir heutzutage jederzeit einen Blick auf die Halbinsel Krim werfen wenn man das in Frankreich oder Deutschland tut sieht man seit 2014 9:51 einen ungeklärten Grenzverlauf zwischen der kaginiska Bucht und dem assowschen Meer in Russland sieht man dort eine normale 10:00 Landesgrenze durch die die Krim vom Rest der Ukraine getrennt und somit faktisch als zu Russland gehörig dargestellt wird sein Staatsgebiet auf der Landkarte 10:10 darzustellen ist oft eine Inszenierung der eigenen Macht in unserer Sendung haben wir beschlossen das Gebiet der Krim auf der Karte zu 10:20 schraffieren da es sich um ein umstrittenes Gebiet handelt das bedeutet keineswegs dass wir die rechtswidrige Annexion der Halbinsel durch Russland 10:28 anerkennen je nachdem wo man sich auf der Erde befindet sieht man also nicht unbedingt 10:37 die gleichen Karten man stellt die Welt und den eigenen Platz in der Welt nicht auf die gleiche Weise da Maßstäbe geopolitische Ambitionen Einhaltung des 10:47 Völkerrechts in unserer Sendung sind wir immer darum bemüht unterschiedliche Blickwinkel Quellen und Standpunkte zu kombinieren um kurz gesagt mit offenen 10:57 Karten zu spielen zum heutigen Thema empfehlen wir islamische Karten der andere Blick auf die Welt ein Buch des 11:05 islamwissenschaftlers und Historikers Josef raport und den Atlas de franciere und Frederic encel erschienen bei otramond 11:20 damit endet unsere heutige Ausgabe wir sehen uns nächste Woche wieder am gleichen Ort und zur gleichen Zeit bis dahin finden Sie uns und unsere 11:28 geopolitischen Aspekte auf arte.tv bis bald [Musik] 11:49 [Musik]