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Arktis und Antarktis, die Welt der Polargebiete | Mit offenen Karten | ARTE

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  1. [musik] [musik]
  2. [musik] Herzlich willkommen. Heute nehmen wir sie mit in zweiander gegenüberliegende
  3. Regionen der Erde. Zunächst einmal ins Nordpolarmeer in die Arktis mit Wasser, Gletschern und Packeis, soweit das Auge reicht und dann auf die andere Seite der
  4. Erde in die Antarktis rund um den Südpol. Dort sieht es ganz ähnlich aus, Meer, Gletscher und Packeis. Aber wir wollten die beiden Regionen
  5. rund um den Nordpol und den Südpol ein wenig genauer miteinander vergleichen. Denn abgesehen von gemeinsamen Eigenschaften und Herausforderungen,
  6. globale Erwärmung und geopolitische Interessen, sind sie sehr unterschiedlich in sozialer, wirtschaftlicher und juristischer
  7. Hinsicht. Der grundlegende geographische Unterschied ist natürlich, dass die Arktis ein von Kontinenten umgebenes
  8. Meer und die Antaris ein vom mehr umgebener Kontinent ist. Als Arktis bezeichnet man das Gebiet jenseits des nördlichen Polarkreises,
  9. das heißt 66° nördlicher Breite. Dazu gehören die nördlichen Ausläufer Amerikas, Europas und Asiens sowie im Zentrum das Nordpolarmeer. Das ist zum
  10. größten Teil von Packeis bedeckt, dessen Ausdehnung je nach Jahreszeit zu und abnimmt. Nordpolame, auch arktischer Ozean genannt ist, der kleinste Ozean
  11. der Erde und es verbindet den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean. Unter den zahlreichen Anreinerstaaten nimmt Russland über die Hälfte der
  12. arktischen Landfläche ein. Dadurch kommt ihm in der Region eine erhebliche Bedeutung zu. In der Arktis ist es sehr kalt. Im
  13. Sommer durchschnittlich +10°, im Winter -30° mit Temperaturen bis zu -67° im russischen Vierchojansk.
  14. Auf der gegenüberliegenden Seite der Erde liegt die Antaris. Dort befindet sich 1200 km von Argentinien entfernt zwischen dem
  15. Pazifischen, dem Atlantischen und dem Indischen Ozean der Kontinent Antarkläche von 14 Millionen Quadratkm.
  16. Dieser wird von einer bis zu 4 km dicken Eiskappe bedeckt und von bis zu 5000 m hohen Gebirgsketten durchzogen. Dort ist es noch kälter als in der Arktis.
  17. durchschnittlich -20° im Sommer, -50° im Winter und bis zu -90° auf dem Dome A im Jahr 2010. Wie in der Arktis gefriert das
  18. Meerwasser ab Winterbeginn im März, April zu Packeis, das bis zu 800 km ins Meer hineinreicht. Soweit zur geographischen
  19. Beschaffenheit. Ein Ozean im Norden, ein Kontinent im Süden. Beiden gemeinsam sind sehr niedrige Temperaturen und Packeis, dessen Fläche je nach
  20. Jahreszeit zu und abnimmt. Trotz der extrem rauen Lebensbedingungen sind beide Polargebiete besiedelt, aber auf sehr unterschiedliche Weise. In den
  21. Randgebieten der Arktis leben indigene Völker, Inuit, Ewenken, Dolganen, Nensen und Samen. Sie sind inzwischen in der Minderheit, denn die strategischen,
  22. logistischen und bergbaulichen Interessen der Region begünstigten den Zuzug anderer Bevölkerungsgruppen und die Entstehung von Städten wie Nuk,
  23. Kirüa, Murmansk und Norelsk, einem ehemaligen Straflager und inzwischen der nördlichsten Großstadt der Welt. In der Antarktis ist das ganz anders. In
  24. weniger als hundert Stationen führen Forscherinnen und Forscher wissenschaftliche Studien durch. Sie sind schwer zugänglich und es gibt
  25. keine Möglichkeit, sich Nahrungsmittel zu beschaffen. Der Kontinent ist also praktisch unbewohnbar. Wenn also doch Menschen unter extremen
  26. Bedingungen in den Polargebieten leben, dann natürlich, weil diese Ressourcen bergen und diese Ressourcen wecken immer mehr Begehrlichkeiten.
  27. An erster Stelle stehen die unterschiedlichen Meerestierarten. Der Fischfang, von dem große Teile der indigenen Volksgruppen in der Arktis
  28. leben, hat sich seit Ende des 20. Jahrhunderts erheblich ausgeweitet und sogenannte Fabrikschiffe bedrohen die Bestände, z.B. die des Kabeliaus.
  29. In der Antaris sind die in der Fischzucht verwendeten Grillschwärme von Überfischung bedroht, was dort die gesamte Marine Nahrungskette gefährdet.
  30. Die Polargebiete sind aber auch reich an energetischen und nichtenergetischen Rohstoffen Diamanten, Kupfer, Nickel, Kohle, Eisen, Gold, seltene Erden,
  31. Erdöl, Erdgas und Uran. Ihr Abbau führt zu zahlreichen Umweltproblemen in der Arktis, ist aber in der Antarktis verboten,
  32. denn auf dem antarischen Kontinent und im Südpolarmeer ruhen alle Gebietsansprüche. Verwaltet wird die Antarktis durch die
  33. Unterzeichnerstaaten des Antarktis Vertrags und 1991 unterzeichneten fast alle Länder der
  34. Welt das Madrider Protokoll, dem zufolge die Region als ein dem Frieden und der Wissenschaft gewidmetes Schutzgebiet ohne bergbauliche Ausbeutung oder
  35. militärische Nutzung ist. Allerdings könnten Länder wie China und Russland, deren Forschungspersonal in der Antarktis sehr aktiv ist, diesen
  36. Schutz eines Tages in Frage stellen. Zum Fischfang und den Boden schätzen kommt etwas hinzu, das für manche ebenfalls als eine wertvolle Ressource gilt.
  37. Süßwasser. Die Arktis birgt 10% der weltweiten Süßwasservorräte. Die Antarctis 80%. Dazu kommen die Einnahmen aus dem
  38. Tourismus. 10 Millionen Besucher in der Arktis und gut 100.000 in der Antarktis waren es 2022. Der Tourismus ist zwar eine
  39. Einnahmequelle, aber auch eine Bedrohung für das präre ökologische Gleichgewicht. Ein letzter Aspekt ist die logistische Bedeutung der Arktis. Die beiden
  40. Seewege, die es dort gibt, sind mehr und mehr befahrbar, denn durch die globale Erwärmung geht das Packeis immer weiter zurück. Aber die Schiffahrt ist dort
  41. weiterhin gefährlich, auch für Eisbrecher. Trotzdem nahm Peking die Nordostpassage in sein Seidenstraßenprojekt auf. Aber
  42. auch für die sogenannte transpolare Route interessiert man sich in China. Durch sie würde sich der Weg für Güter von Shanghai nach Europa um vierzig
  43. verkürzen und man würde die Piraten und die Engpässe auf dem Weg durch die Straße von Malaka vermeiden. Doch das Projekt macht wenig Fortschritte und
  44. steckt noch im Forschungsstadium. Nach der Vorstellung der Polargebiete, ihrer Ressourcen und der Begehrlichkeiten, die sie wecken,
  45. blicken wir nun auf die geopolitischen Rivalitäten in diesen untypischen Regionen. Im kalten Krieg war die Arktis für die Sowjetunion und die USA von
  46. großem Interesse. Nach dem Wegfall des eisernen Vorhangs kaum noch. Seit den 2000er Jahren ändert sich das vor allem seit Russlands Überfall auf die Ukraine.
  47. Russland baut dort seine Stützpunkte aus. In Severomors sind zwei Drittel seiner strategischen U-Boote stationiert und es führt große Manöver durch. Auch
  48. die NATOänder führen seit 2006 alle zwei Jahre Manöver namens Cold Response durch. 2022 nahmen 30.000 Soldatinnen und Soldaten daran teil. Russlands
  49. Überfall auf die Ukraine veranlasste übrigens Finnland, der NATO beizutreten und Schweden dürfte ihm bald folgen. Ganz anders ist die Lage in der
  50. Antarctis, denn ihr internationaler Status verbietet jegliche Präsenz von Militär und Atomwaffen. Nur die friedliche Nutzung ist erlaubt.
  51. Da aber die Länder, die mit der Verwaltung der Antarktis beauftragt sind, nicht wirklich in der Lage sind, diese Grundsätze durchzusetzen, ist es
  52. schwer Staaten wie China davon abzuhalten, dort Geräte zur Überwachung von Satelliten und Hochleistungsteleskop mit militärischen Anwendungen in Betrieb
  53. zu nehmen. Durch diese lässt sich unter anderem die Präzision von Raketenflugbahnen erhöhen. Die Haltung Chinas, seine Annäherung an
  54. Russland und die regionalen Ambitionen von Ländern wie Australien könnten den Schutz der antarischen Ökosysteme in Frage stellen. Aber das Madrider
  55. Protokoll beinhaltet rechtliche Bestimmungen, die eine Militarisierung und eine uneingeschränkte Nutzung verhindern. Das gilt auch für den Fall
  56. von Neuverhandlungen. Während die Polargebiete aufgrund ihrer Ressourcen und ihrer strategischen Bedeutung Begehrlichkeiten wecken, sind
  57. sie darüber hinaus der globalen Erwärmung ausgesetzt, deren Ausmaß dort noch schwerwegender ist als in anderen Regionen.
  58. Denn die Arktis erwärmt sich fast viermal so schnell wie der weltweite Durchschnitt, um 0,7° pro Jahrzehnt gegenüber 0,2°.
  59. Diese schnelle Erwärmung hat zahlreiche Folgen. Zunächst einmal schmelzen die Gletscher, von denen manche wie der Okoküttel bereits verschwunden sind.
  60. Insgesamt ist der grönländische Eisschild seit 2002 bereits um 4700 Milliarden Tonnen zurückgegangen. Durch die globale Erwärmung könnte das
  61. Packeis ab dem Jahr 2035 im Sommer ganz verschwinden. Außerdem tauen die Permafrostböten auf. Dadurch werden große Mengen an Methan freigesetzt, was
  62. in erheblichem Maße zum Treibhauseffekt und dadurch zur globalen Erwärmung beiträgt. In der Antarktis sieht es ähnlich aus. Dort ist der Eisschild seit
  63. 2002 um 2700 Milliarden Tonnen zurückgegangen und die Ausdehnung des Packeises war sowohl im Sommer als auch im Winter noch nie so gering wie 2023.
  64. Die Gletscherschmelze in den Polargebieten könnte dramatische Folgen haben, denn sie führt zu einem Anstieg des Meeresspiegels.
  65. Schätzungen zufolge könnte dieser bei einem vollständigen Schmelzen des grönländischen Eisschildes um 3 bis 6 m steigen. Beim Schmelzen der Gletscher in
  66. der West Antarktis um 10 bis 12 m. Bei solch einem Anstieg um insgesamt 13 bis 18 m könnten pessimistischen Prognosen zufolge der größte Teil der großen
  67. Ballungsgebiete bis zum Jahr 2300 überschwemmt werden. Soweit zu unserer Reise in die Polargebiete.
  68. Übrigens fand im November 2023 auf Initiative Frankreichs in Paris das erste Gipfeltreffen zu Gletschern und Polargebieten statt unter dem Vorsitz
  69. Frankreichs und Norwegens. Dort tauschten sich Vertreter aus Wissenschaft und Politik aus etwa 40 Ländern aus. Eine Milliarde Euro sollen
  70. in die Polarforschung fließen. Die Klimadiplomatie steht erst am Anfang. Zum heutigen Thema empfehlen wir der Kampf um den Nordpol. Ein Buch von
  71. Michael Paul über die Arktis, den Klimawandel und die Rivalität der Großmächte und in französischer Sprache den Atlas Depol von Erik Canobio ein
  72. Buch über die ungewisse Zukunft der Polarregionen. Damit endet unsere heutige Ausgabe. Wir sehen uns nächste Woche wieder am
  73. gleichen Ort und zur gleichen Zeit. Bis dahin finden Sie uns auf arte.tv und in den sozialen Netzwerken. Bis bald. [musik]

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