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Dividenden: Kluge Strategie oder überschätzter Finanz-Mythos? 🤔 I 50k HR

ARD Marktcheck23:26 170.083 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 223 Zeilen
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  1. UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk Stell dir vor, du kaufst ne Aktie
  2. und dafür gibt's jedes Jahr 5 kg Lindt-Schokolade. Klingt nach Scam? Ist es aber nicht. Lindt & Sprüngli macht das wirklich.
  3. Aber für die Lindt und Sprüngli-Aktie musst du über 120.000 Euro hinlegen und als Aktionär im Schweizer Aktienregister eingetragen sein.
  4. Ziemlich teures Süßigkeiten-Abo. Dahinter steckt ne spannende Frage:
  5. Kann man mit Dividenden eine gute Rendite machen? Oder ist das nur eine hübsch verpackte Illusion?
  6. Das klären wir heute. UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk
  7. Dividende klingt kompliziert, ist aber simpel: Ein Unternehmen macht Gewinn und kann sich entscheiden,
  8. einen Teil an dich als Aktionär auszuschütten. Cash aufs Konto, ohne dass du die Aktie verkaufen musst.
  9. Dividende ist der Anteil am Gewinn, den die Aktionäre tatsächlich in Cash überwiesen bekommen.
  10. Das ist unser Experte für dieses Video, Christian Röhl. Er ist Chief Economist von Scalable Capital.
  11. Manche Firmen machen's regelmäßig, andere gar nicht. Wieder andere schicken Naturaldividenden:
  12. Lindt mit Schokolade, Swatch mit einer Uhr, Carnival mit Bordguthaben.
  13. Klingt fancy, aber am Ende geht's ums Geld. Die Naturaldividenden gibt's hauptsächlich
  14. in der Schweiz und den USA. In Europa gibt's Dividendenausschüttungen
  15. meist 1-mal pro Jahr, in den USA oft 4-mal. Die Dividendenrendite zeigt,
  16. wie viel "Zinsen" du im Verhältnis zum Kurs bekommst. Die Aktie kostet 100 Euro, die Dividende ist 5 Euro,
  17. sind 5 % Rendite. Man hat durch die Dividende eine direkte Partizipation an dem,
  18. was das Unternehmen realwirtschaftlich erreicht. Die Dividende ist unabhängig vom Kursverlauf an der Börse,
  19. sondern rein an dem orientiert, was das Unternehmen erwirtschaftet. Die Höhe ist nicht fix.
  20. Sie hängt ab vom Unternehmensgewinn und wird jedes Jahr neu beschlossen. Dividenden werden zunächst vorgeschlagen
  21. vom Vorstand mit Unterstützung des Aufsichtsrates. Der Vorschlag geht dann an die Hauptversammlung,
  22. also die Vollversammlung der Aktionäre. Die müssen diese Gewinnverwendung insgesamt beschließen.
  23. Es kann auch manchmal vorkommen, dass die Hauptversammlung eine andere Gewinnverwendung beschließt.
  24. In der Regel wird man dem Gewinnverwendungsvorschlag des Unternehmens folgen, dann wird die Dividende ausgezahlt.
  25. Dieses Prozedere wiederholt sich in Deutschland nach jedem Geschäftsjahr.
  26. Ein Beispiel: Die Münchener Rück-Versicherung, an der Börse als Munich Re bekannt,
  27. ist eine DER deutschen Dividendenaktien. Wenn du vor 20 Jahren Anteile gekauft hast,
  28. dann hast du heute mehr als den doppelten Einsatz pro Aktie allein durch die Dividende wieder zurückbekommen
  29. und besitzt die Aktie quasi gratis! 2005 kostete die Aktie ca. 85 Euro.
  30. An Dividenden wären bis heute 172,75 Euro zu dir zurückgekommen. Schon krass!
  31. Dazu kommt, dass die Aktie heute nahe Allzeithoch steht und ungefähr 575 Euro wert ist (Stand 5.8.2025).
  32. Es ist nicht das einzige Beispiel dieser Art. Unternehmen wie Allianz zahlen seit Jahrzehnten Dividende.
  33. Das ist fast Teil ihrer Identität: "Wir sind stabil, wir haben Cash und wir geben's euch."
  34. Für Anleger ist das ein Vertrauenssignal. Gerade in Krisenzeiten, wenn der Kurs schwankt,
  35. aber die Dividende trotzdem kommt. Genauso kann es ein Warnsignal für dich als Aktionär sein.
  36. Wenn es einen Stopp von Dividendenzahlungen gibt, kann es ein Zeichen sein, dass das Unternehmen Schwierigkeiten hat.
  37. Es gibt Unternehmen wie Amazon, die noch nie Dividende gezahlt haben. Die Philosophie ist:
  38. Jeder Dollar bleibt im Unternehmen und wird fürs Wachstum eingesetzt. Forschung, Innovation, Expansion.
  39. Davon profitieren die Aktionäre indirekt, weil der Kurs steigt. Solche Unternehmen nennt man Wachstumswerte.
  40. Es gibt die spannende Entwicklung: Selbst Riesen wie Alphabet oder Meta, die jahrzehntelang
  41. keine Dividenden ausgeschüttet haben, zahlen kleine Beträge. Unternehmen, die erfolgreich wirtschaften,
  42. werden zu Dividenden-Zahlern, egal, in welcher Branche sie tätig sind. Wir haben das in der Tech-Branche schon früher gesehen.
  43. Microsoft zahlt seit über zwei Jahrzehnten Dividende, Apple seit über einem Jahrzehnt.
  44. Jetzt kommen andere Unternehmen dazu, die ebenfalls kontinuierlich hohe Cashflows erwirtschaftet
  45. und Teile davon reinvestieren, Teile davon auch in Aktienrückkäufe stecken.
  46. Aber es bleibt trotzdem noch etwas übrig, was man auch an die Aktionäre in Cash weiterreichen möchte.
  47. Das ist auch eine gewisse Form des Erwachsenwerdens im Unternehmen. Reinvestieren, das macht man opportunistisch,
  48. so wie man gerade Chancen sieht. Aktienrückkäufe sind in vielen Unternehmen eher etwas,
  49. was etwas unverbindlicher ist. Aber gerade wenn ein großes amerikanisches Unternehmen sagt:
  50. "Wir wollen zum ersten Mal Dividende zahlen", dann steckt da drin das implizite Versprechen:
  51. "Wir gehen davon aus, dass wir diese Dividende im nächsten, übernächsten und im überübernächsten Jahr
  52. nicht nur zahlen können, sondern auch sukzessive steigern können." Das ist ja auch bei Meta oder bei Alphabet
  53. oder auch bei Booking.com genau der Fall. Dividende ist aber nicht automatisch gut oder schlecht.
  54. Sie ist eine strategische Entscheidung. Dividenden klingen wie "Geld fürs Nichtstun".
  55. Aber so einfach ist es nicht. Der Betrag der ausgezahlten Dividende
  56. wird am Auszahlungs-Tag vom Kurs abgezogen. 5 Euro Dividende, Kurs minus 5 Euro.
  57. Das wirkt wie ein Nullsummenspiel. Eine Dividende macht ja den Aktionär oder das Unternehmen nicht reicher,
  58. sondern es ist eher wie wenn man zum Geldautomaten geht. Geld, was vorher im Unternehmen steckt, fließt raus an den Aktionär.
  59. Es wird ja nicht mehr, es wechselt nur den Besitzer. Der Eigentümer war vorher auch schon der Aktionär, der Miteigentümer.
  60. Folglich wird es rechnerisch vom Kurswert abgezogen. Man sieht das bei Unternehmen, die signifikante Dividenden zahlen,
  61. von 5 Prozent des Kurswertes, Versicherer oder die Automobilwerte, dass der Kurs dann da erst mal entsprechend runtergeht.
  62. Deswegen: Dividende einmalig. Das ist wirklich wie Geldwechseln. Eine Strategie kann daraus erst werden, wenn kontinuierlich
  63. der Gewinn wieder erwirtschaftet wird und kontinuierlich der Anteil der Aktionäre auch entsprechend mit steigt.
  64. Eine Dividende zu zahlen kann ein Zeichen für Stärke sein. Damit können Unternehmen zeigen:
  65. "Wir haben Cash, selbst nach einem miesen Jahr." Vorsicht: Wenn die Kohle nicht aus echten Gewinnen kommt,
  66. sondern aus der Substanz, ist das wie feiern gehen auf Pump. Kurz macht's Spaß, aber langfristig killt's dich.
  67. Nur weil eine Aktie Dividende zahlt, heißt das lange nicht, dass sie ein gutes Investment ist.
  68. Bei Einzelaktien ist das Ausfallrisiko hoch, egal wie lang die Historie ist.
  69. Das macht die Einnahmen durch Dividenden schwer berechenbar. Das Industrieunternehmen 3M, bekannt für die Post-it-Zettel,
  70. hat 65 Jahre lang die Dividende jedes Jahr erhöht. Dann gabs Probleme, unter anderem durch diverse Klagen.
  71. Und zack, kürzte 3M 2024 plötzlich die Dividende. Damit waren die scheinbar sicheren jährlichen Einnahmen weg
  72. bzw. deutlich geringer als erwartet, also auch ein Minuspunkt. Die andere Seite sagt: Halt, so einfach ist es nicht.
  73. Historisch sind Dividenden ein massiver Renditetreiber. Im DAX stammen mehr als 60% der Gesamtrendite aus Dividenden.
  74. Wenn man nur die Kursentwicklung anschaut, wär die Performance deutlich schlechter.
  75. Über Jahre kann das Teil deiner Altersvorsorge werden. Gerade wenn Zinsen mau sind,
  76. sehen viele Dividenden als bessere Alternative. 3%, 4% Rendite schlagen jedes Tagesgeldkonto.
  77. Spannend wird's, wenn die Dividende ständig steigt. Nehmen wir Munich Re: Wer 2005 zu 85 Euro eingestiegen ist,
  78. bekam damals 2 Euro Dividende pro Aktie, Rendite 2,3 Prozent.
  79. 2025 sind es schon 20 Euro. Bezogen auf den Einstiegskurs
  80. bedeutet das eine persönliche Rendite von 23,5 Prozent. Fast ein Viertel des investierten Geldes pro Jahr zurück
  81. und das seit 31 Jahren ohne Senkung. Als Aktionär ist der Vorteil, dass man gerade mit einer Strategie,
  82. die auf Dividenden-Stabilität ausgerichtet ist, wirklich Qualitäts-Aktien herausfiltern kann.
  83. Solche Qualitätsaktien entwickeln sich über lange Zeiträume tatsächlich auch besser als der breite Markt.
  84. Dafür muss man ausreichend lang dabei sein. Aber Quality Investing ist einer der entscheidenden Faktoren,
  85. die auch Märkte treiben. Der andere Faktor ist natürlich ein psychologischer Faktor,
  86. denn die Dividende ist ein Rückfluss. Man bekommt eine kleine Belohnung dafür, dass man investiert hat.
  87. Das ist gerade in Phasen, wenn die Kurse mal sinken, Ein wichtiger Impuls, um durchzuhalten und nicht sagen:
  88. "Ach, nee, das mit den Aktien, das war sowieso nichts." Sondern man sieht: "Aha, ich habe investiert.
  89. Es ist gerade ein bisschen weniger wert an der Börse, aber ich kriege etwas zurück."
  90. Es ist ein Stück Souveränität. Mit dem Geld,
  91. das ich als mein Gewinnanteil vom Unternehmen überwiesen bekommen, kann ich überlegen: Was möchte ich damit machen?
  92. Ich kann entscheiden, möchte ich es sofort wieder in das Unternehmen investieren, weil ich es gut finde,
  93. weil ich daran glaube, dass die viel aus dem Geld machen? Möchte ich es in ein anderes Unternehmen investieren,
  94. was ich besser finde oder um Risiko zu verteilen? Oder möchte ich die Dividende
  95. oder muss ich die Dividende sogar verkonsumieren? Am Ende musst du selber entscheiden, welche Punkte für dich mehr gewichten
  96. und wie viel Risiko du verträgst. Okay, du bist überzeugt und willst eine Dividendenstrategie fahren.
  97. Wie geht's los? Du solltest nicht wahllos Dividendenaktien kaufen. Das bringt nichts. Es gibt ein paar entscheidende Faktoren:
  98. Zum einen die Höhe der Rendite. Hohe Renditen klingen verlockend. Firmen wie Büroeinrichter Takkt oder Schmuckhersteller Bijou Brigitte
  99. zahlen z.T. über 10% Dividendenrendite. Auch Banken, Versicherungen, Energie- oder Chemiekonzerne
  100. wie Allianz, RWE oder BASF gehören zu denen, die viel zahlen. Viel hilft nicht immer viel.
  101. Während manche Konzerne wegen steigender Margen Ausschüttungen erhöhen,
  102. kämpfen andere mit sinkenden Gewinnen und müssen die Dividendenpolitik überdenken.
  103. Oft ist die Dividendenrendite besonders hoch, weil der Kurs stark gefallen ist.
  104. Der Kurs sinkt, aber die Dividendenrendite sieht gut aus, weil sie prozentual zum Kaufpreis steigt.
  105. Das kann auf eine bevorstehende Dividendenkürzung hindeuten. Wenn eine Firma Dividende ausschüttet,
  106. obwohl sie keinen Gewinn macht, ist das pures Risiko. Eine Ausschüttung aus der Substanz hält nie lange.
  107. Wichtig außerdem: Stabilität und Kontinuität. Wie lange zahlt ein Unternehmen Dividende,
  108. wie lief's in Krisen, wurde sie über die Jahre gesteigert? Im Idealfall ist das keine Eintagsfliege,
  109. sondern was, auf das du dich verlassen kannst. Man kann das Prinzip anwenden, was auch bei der Schufa angewendet wird,
  110. um die Qualität von Schuldnern abzuschätzen. Wenn jemand in der Vergangenheit seinen Verpflichtungen
  111. ordentlich nachgekommen ist, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch,
  112. dass er auch in Zukunft alles daransetzen wird, das weiter zu tun. Wer in der Vergangenheit ab und zu
  113. eine Zahlung schuldig geblieben ist, der wird auch in Zukunft unzuverlässig sein.
  114. Ähnlich ist es bei Unternehmen. Es ist ein Hinweis darauf, dass Dividenden stabil
  115. und kontinuierlich sind, wenn ein Unternehmen in der Vergangenheit kontinuierlich gezahlt hat,
  116. also die Dividende meistens erhöht und häufig stabil gehalten hat. Aber gleichwohl auch das ist, ganz wichtig, keine Garantie.
  117. Denn es können sich geschäftliche Parameter ändern. Auch die Strategie des Unternehmens kann sich ändern.
  118. Vielleicht möchte ein Unternehmen mehr investieren vom Gewinn, sodass man mehr Geld in der Firma hält
  119. und weniger an die Aktionäre ausreichen möchte. Wer nur auf hohe Rendite aus ist, muss bei Stabilität
  120. und Kontinuität meistens Abstriche machen. Coca-Cola hat seine Dividende 63 Jahre in Folge erhöht.
  121. Deshalb werden sie "Dividendenaristokraten" genannt, ab 25 Jahren spricht man davon.
  122. Ab 50 Jahren spricht man vom "Dividendenkönig". Dazu später mehr. Die Ausschüttungsquote, wie viel Prozent des Gewinns
  123. ausgeschüttet wird, sollte im Idealfall moderat sein. Unter 50% gilt als gesund, bei reifen Konzernen auch mal 70 bis 80%.
  124. Alles nahe 100% ist ein Warnsignal, weil nichts fürs Wachstum bleibt. Was die Basis ist für Dividendenzahlungen.
  125. Das ist auf der Bilanzseite der Gewinn. Das ist auf der Liquiditäts-Seite der Cashflow.
  126. Sprich: Wird das, was das Unternehmen ausschüttet, auch bilanziell und operativ immer erwirtschaftet,
  127. bleibt ein Puffer, das das Unternehmen reinvestieren kann. Ganz wichtig: Wie sieht es auf der Verschuldungs-Seite aus?
  128. Muss das Unternehmen seine Verschuldung etwas runternehmen, gerade in Zeiten steigender Zinsen, dann wäre es sinnvoll,
  129. eine Dividende nicht zu ausufernd steigen zu lassen. Denn Zinskosten lasten ja irgendwann auch auf dem Gewinn.
  130. Auch ohne Dividende zählt, ob das Geschäftsmodell trägt, die Schulden im Rahmen bleiben und genug Kapital fürs Wachstum da ist.
  131. Wenn du die Faktoren beachtet hast, gibt es verschiedene Wege, um dein Dividenden-Portfolio aufzubauen.
  132. Ein Weg: einzelne Dividenden-Aktien, nicht alles auf ein Pferd setzen! Nicht nur Auto-Aktien.
  133. Wenn die Branche crasht, fallen die Kurse und auch die Dividenden. Beispiel Mercedes:
  134. 2020 kürzte die Firma ihre Dividende von 3,25 Euro auf nur 90 Cent. Zwei Jahre später gab's wieder 5 Euro, 2025 dann 4,30 Euro.
  135. Hoch und runter und keine Verlässlichkeit. Vergangenheitswerte helfen als Orientierung,
  136. sind aber keine Garantie. Bei Einzelaktien hast du mehr Risiko, musst Zeit und Know-how mitbringen,
  137. um die richtigen Titel auszuwählen. Eine Alternative: Dividenden-ETFs.
  138. Du bekommst Dividendenaktien für geringe Gebühren. Der einfachste Weg, eine Balance zu finden zwischen Dividenden
  139. und Wachstumswerten, wenn man da eine Unterscheidung treffen will: Man kauft gleich den ganzen Markt, weil da ist beides drin.
  140. Das einfachste Dividenden-Investment ist ein ETF auf den MSCI All Country World Index.
  141. Der kann ja thesaurierend sein. Da werden die Dividenden, die der Fonds bekommt,
  142. automatisch wieder angelegt. Oder wenn man auf den Belohnungseffekt setzen möchte,
  143. dann lässt man sich die Dividenden ausschütten. Dann kann man 4-mal im Jahr sich über Geld auf dem Konto freuen,
  144. das aggregiert. Das ist, was von über 2000 Unternehmen
  145. an Dividenden ausgezahlt wurde. Wie immer keine Anlageberatung.
  146. Vorteil ist hier die automatische Diversifikation. Du musst dir die Titel nicht zusammenstellen.
  147. Typisch drin sind Konsumgüter- und Pharmakonzerne wie Coca-Cola, Unilever oder Pfizer.
  148. Was fehlt: Tech-Werte wie Amazon oder Tesla, weil die keine oder kaum Dividenden zahlen.
  149. Viele ETFs schütten die Dividende aus und liefern so passives Einkommen.
  150. Es gibt aber auch thesaurierende Varianten. Klar ist: Ausschüttungen sind nie garantiert.
  151. Dann geht es noch über Dividenden-Fonds. Aktiv gemanagte Fonds funktionieren wie ETFs, sind aber teurer.
  152. Hier wählen Fondsmanager die Aktien aus, dafür zahlst du höhere Gebühren und oft einen Ausgabeaufschlag.
  153. Die sind bedingt zu empfehlen. Was willst du mit deiner Dividenden-Strategie erreichen
  154. und in welchem Zeitraum? Willst du schnell viel laufendes Einkommen,
  155. greifst du eher zu Hochdividenden-Titeln bzw. High-Dividend-ETFs.
  156. Geht's dir um langfristigen Vermögensaufbau, dann ist Dividendenwachstum der Schlüssel.
  157. Wer schnell viel Dividende kassieren will, landet oft bei Hochdividenden-Aktien oder den passenden ETFs.
  158. Klingt verlockend: Viel Cash zurück, teilweise nach kurzer Zeit. In einer aktuellen Analyse hat das Handelsblatt mit Daten
  159. der Geldanlageplattform "Extra ETF" mehr als 2000 ETFs verglichen und rechnet vor.
  160. In der Kombination aus Dividenden und Kursentwicklung erzielte der beste Fonds sogar in den vergangenen 5,5 Jahren
  161. eine Rendite von mehr als 120%. Aber eine hohe Dividendenrendite ist nicht automatisch gut.
  162. Sie kann auf Gewinnen beruhen, aber auch auf Problemen, etwa wenn der Kurs gefallen ist
  163. oder das Unternehmen kaum investieren kann. Davor warnt Christian Röhl:
  164. Dividendenrendite ist natürlich ein wunderbarer Indikator, weil er so einfach ist, es steht ein Prozentzeichen dahinter.
  165. Man ist immer versucht, das Ganze zu verbinden mit dem Gedanken an Zinsen.
  166. Das darf man natürlich nicht. Denn Dividenden sind anders als Zinsen
  167. eine Beteiligung am unternehmerischen Erfolg, während es Zinsen immer gibt, solange das Unternehmen
  168. in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. Solange es also nicht pleitegeht.
  169. Das ist ein ganz anderer Erwartungshorizont. Faustformel ist, alles oberhalb von 5% kann ein Warnsignal sein,
  170. dass die Dividende, die vielleicht im vergangenen Jahr gezahlt wurde oder die für das laufende Geschäftsjahr erwartet wird,
  171. nicht nachhaltig ist, sondern dass die Geschäftsentwicklung nicht so gut ist, dass man das wiederholen kann,
  172. Dass die nächste Dividende niedriger ist oder dass Sondereffekte drin waren.
  173. Da sollte man sehr gut hingucken. Bestes Beispiel:
  174. Der DAXplus Maximum Dividend ETF sollte die dicksten Zahler bündeln, hat aber über 10 Jahre schlechter performt als DAX, MDAX und TecDAX.
  175. Fette Prozente allein sind also kein Qualitätsmerkmal. High-Dividend, das fokussiert sich auf diese Unternehmen
  176. mit einer hohen Dividendenrendite, die dann hoffentlich so ist die Erwartung von Anlegern, die eine solche Strategie umsetzen,
  177. günstig bewertet sind und zumindest ihren Kurs halten können, den Dividendenertrag abwerfen oder vielleicht sogar steigen.
  178. Während eine Strategie, die sich auf Dividendenwachstum fokussiert, stärker diesen Qualitätsaspekt in den Vordergrund rückt.
  179. Typische Branchen sind Konsum, Gesundheit, Versorger und Tech. Microsoft erhöht seit 21 Jahren, Apple seit 12 Jahren.
  180. Orientierung geben Kategorien wie Dividenden-Aristokraten, also 25 Jahre Steigerung,
  181. Dividenden-Könige, 50 Jahre oder Contender, also 10 Jahre Steigerung.
  182. Das sind keine Garantien, aber ein starkes Zeichen für Stabilität. In Deutschland gibt's keinen Aristokraten.
  183. Am nächsten dran ist der Schmierstoff-Weltmarktführer Fuchs Petrolub mit 23 Jahren.
  184. Fresenius hat den Status 2023 nach Problemen verloren. Munich Re hat seit über 30 Jahren nie gesenkt, Allianz seit 16 Jahren.
  185. Du hast die besten Dividenden-Titel oder ETFs rausgesucht. Aber da ist noch was: die Steuern.
  186. Dividenden sind Kapitaleinkünfte und steuerpflichtig. Immerhin gibt's den Sparer-Pauschbetrag:
  187. 1000 Euro pro Person, 2000 Euro für Verheiratete. Bis dahin bleibt es steuerfrei,
  188. ob Dividenden, Zinsen oder Aktiengewinne. Aber Achtung:
  189. nur, wenn du bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag stellst. Du kannst dir die Kohle über die Steuererklärung zurückholen,
  190. aber das macht's unnötig kompliziert. Alles, was drüber liegt, wird automatisch besteuert:
  191. 25% Abgeltungssteuer, dazu 5,5% Soli auf diese Steuer und gegebenenfalls 8 bis 9% Kirchensteuer.
  192. Macht unterm Strich 26—28%, je nachdem ob du in der Kirche bist und in welchem Bundesland du wohnst.
  193. Wenn du Aktien aus dem Ausland hältst, kommt oft Quellensteuer obendrauf.
  194. Da gehen wir aber nicht drauf ein. Bei ETFs gibt's noch einen Kniff:
  195. Liegt der Aktienanteil über 50%, sind 30% der Erträge steuerfrei. Bedeutet: Bei 100 Euro Gewinn musst du nur 70 versteuern.
  196. Die Abgeltungssteuer sinkt von 25 auf 17,50 Euro. Das gilt für Dividenden und auch für Kursgewinne beim Verkauf.
  197. Ein wichtiges Argument gegen Dividenden ist: Man wechselt mit der Dividende Geld, Geld vom Unternehmen,
  198. wechselt zum Aktionär, und dazwischen kriegt einer was. Das ist der Finanzminister. Da gehen also erst mal Steuern ab.
  199. Wenn ich sofort wieder reinvestiere, habe ich 25% zuzüglich Soli weniger.
  200. Insofern wäre es in dem Fall zunächst mal besser gewesen, wenn das Unternehmen keine Dividende gezahlt hätte,
  201. wenn man das Geld hätte drin lassen können. Viele feiern Dividenden. Unser Experte heute auch.
  202. Aber Kritiker sehen das anders. Sie sagen, Dividenden bremsen den Vermögensaufbau.
  203. Denn das ausgezahlte Geld musst du sofort wieder investieren, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren.
  204. Tust du das nicht, stehst du schlechter da als mit einem thesaurierenden ETF, der die Gewinne reinvestiert.
  205. Dazu sparst du dir Transaktionskosten. Kritiker betonen außerdem,
  206. dass Dividendenrendite die Gesamtrendite oft drückt. Geld, das an Aktionäre ausgezahlt wird,
  207. steht dem Unternehmen nicht mehr für Investitionen zur Verfügung. Und Dividenden sind nie garantiert.
  208. Unternehmen wie Mercedes, Fresenius oder 3M haben gezeigt, wie schnell gekürzt werden kann.
  209. Wer sich auf Ausschüttungen verlässt, kann böse überrascht werden. Der Vergleich mit Zinsen hinkt.
  210. Die sind für einen Zeitraum festgeschrieben, Dividenden nicht. Nach all den Fallstricken muss man sagen,
  211. nur auf Dividenden zu setzen ist keine gute Idee. Aber sie können Sinn machen.
  212. Kommt drauf an, wie du es angehst. Bestes Beispiel: Warren Buffett. Der Typ ist nicht nur der erfolgreichste Investor der Welt,
  213. er kassiert mit seiner Investment-Firma 2025 allein durch Dividenden, haltet euch fest:
  214. 4,5 Milliarden Dollar von Firmen wie Apple, American Express oder dem Öl- und Gasunternehmen Occidental Petroleum.
  215. Seine Lieblingsaktie ist Coca-Cola. Da ist er seit 1988 dabei, also seit 37 Jahren.
  216. Damals hat er, man sagt, je nach Quelle, eine Milliarde Dollar investiert.
  217. Heute bringt ihm diese Position jedes Jahr 776 Millionen Dollar Dividende. Weil Coca-Cola die Dividende 63 Jahre in Folge erhöht hat,
  218. liegt seine persönliche Rendite inzwischen bei 60%. Von jedem Dollar, den er reingesteckt hat,
  219. kriegt er heute jedes Jahr 60 Cent zurück. Runtergerechnet auf einen normalen Aktionär heißt das:
  220. Hättest du 1988 1000 Dollar investiert und die Dividenden angelegt, wären daraus heute über 36.000 geworden.
  221. Buffett hat nicht nur Dividenden-Titel im Depot, aber er zeigt, mit Zeit, Geduld und den richtigen Firmen
  222. können Dividenden mächtig werden. Sein Unternehmen zahlt keine Dividende.
  223. Copyright Untertitel: hr 2025

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