Dividenden: Kluge Strategie oder überschätzter Finanz-Mythos? 🤔 I 50k HR ARD Marktcheck https://www.youtube.com/watch?v=0h3FopWg8_I Transkript (automatisch erstellt) 0:00 UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk Stell dir vor, du kaufst ne Aktie 0:02 und dafür gibt's jedes Jahr 5 kg Lindt-Schokolade. Klingt nach Scam? Ist es aber nicht. Lindt & Sprüngli macht das wirklich. 0:10 Aber für die Lindt und Sprüngli-Aktie musst du über 120.000 Euro hinlegen und als Aktionär im Schweizer Aktienregister eingetragen sein. 0:18 Ziemlich teures Süßigkeiten-Abo. Dahinter steckt ne spannende Frage: 0:23 Kann man mit Dividenden eine gute Rendite machen? Oder ist das nur eine hübsch verpackte Illusion? 0:28 Das klären wir heute. UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk 0:33 Dividende klingt kompliziert, ist aber simpel: Ein Unternehmen macht Gewinn und kann sich entscheiden, 0:39 einen Teil an dich als Aktionär auszuschütten. Cash aufs Konto, ohne dass du die Aktie verkaufen musst. 0:45 Dividende ist der Anteil am Gewinn, den die Aktionäre tatsächlich in Cash überwiesen bekommen. 0:51 Das ist unser Experte für dieses Video, Christian Röhl. Er ist Chief Economist von Scalable Capital. 0:57 Manche Firmen machen's regelmäßig, andere gar nicht. Wieder andere schicken Naturaldividenden: 1:03 Lindt mit Schokolade, Swatch mit einer Uhr, Carnival mit Bordguthaben. 1:08 Klingt fancy, aber am Ende geht's ums Geld. Die Naturaldividenden gibt's hauptsächlich 1:14 in der Schweiz und den USA. In Europa gibt's Dividendenausschüttungen 1:18 meist 1-mal pro Jahr, in den USA oft 4-mal. Die Dividendenrendite zeigt, 1:22 wie viel "Zinsen" du im Verhältnis zum Kurs bekommst. Die Aktie kostet 100 Euro, die Dividende ist 5 Euro, 1:29 sind 5 % Rendite. Man hat durch die Dividende eine direkte Partizipation an dem, 1:35 was das Unternehmen realwirtschaftlich erreicht. Die Dividende ist unabhängig vom Kursverlauf an der Börse, 1:43 sondern rein an dem orientiert, was das Unternehmen erwirtschaftet. Die Höhe ist nicht fix. 1:48 Sie hängt ab vom Unternehmensgewinn und wird jedes Jahr neu beschlossen. Dividenden werden zunächst vorgeschlagen 1:56 vom Vorstand mit Unterstützung des Aufsichtsrates. Der Vorschlag geht dann an die Hauptversammlung, 2:03 also die Vollversammlung der Aktionäre. Die müssen diese Gewinnverwendung insgesamt beschließen. 2:09 Es kann auch manchmal vorkommen, dass die Hauptversammlung eine andere Gewinnverwendung beschließt. 2:15 In der Regel wird man dem Gewinnverwendungsvorschlag des Unternehmens folgen, dann wird die Dividende ausgezahlt. 2:21 Dieses Prozedere wiederholt sich in Deutschland nach jedem Geschäftsjahr. 2:26 Ein Beispiel: Die Münchener Rück-Versicherung, an der Börse als Munich Re bekannt, 2:32 ist eine DER deutschen Dividendenaktien. Wenn du vor 20 Jahren Anteile gekauft hast, 2:36 dann hast du heute mehr als den doppelten Einsatz pro Aktie allein durch die Dividende wieder zurückbekommen 2:43 und besitzt die Aktie quasi gratis! 2005 kostete die Aktie ca. 85 Euro. 2:49 An Dividenden wären bis heute 172,75 Euro zu dir zurückgekommen. Schon krass! 2:55 Dazu kommt, dass die Aktie heute nahe Allzeithoch steht und ungefähr 575 Euro wert ist (Stand 5.8.2025). 3:01 Es ist nicht das einzige Beispiel dieser Art. Unternehmen wie Allianz zahlen seit Jahrzehnten Dividende. 3:09 Das ist fast Teil ihrer Identität: "Wir sind stabil, wir haben Cash und wir geben's euch." 3:15 Für Anleger ist das ein Vertrauenssignal. Gerade in Krisenzeiten, wenn der Kurs schwankt, 3:20 aber die Dividende trotzdem kommt. Genauso kann es ein Warnsignal für dich als Aktionär sein. 3:25 Wenn es einen Stopp von Dividendenzahlungen gibt, kann es ein Zeichen sein, dass das Unternehmen Schwierigkeiten hat. 3:32 Es gibt Unternehmen wie Amazon, die noch nie Dividende gezahlt haben. Die Philosophie ist: 3:37 Jeder Dollar bleibt im Unternehmen und wird fürs Wachstum eingesetzt. Forschung, Innovation, Expansion. 3:43 Davon profitieren die Aktionäre indirekt, weil der Kurs steigt. Solche Unternehmen nennt man Wachstumswerte. 3:50 Es gibt die spannende Entwicklung: Selbst Riesen wie Alphabet oder Meta, die jahrzehntelang 3:55 keine Dividenden ausgeschüttet haben, zahlen kleine Beträge. Unternehmen, die erfolgreich wirtschaften, 4:01 werden zu Dividenden-Zahlern, egal, in welcher Branche sie tätig sind. Wir haben das in der Tech-Branche schon früher gesehen. 4:09 Microsoft zahlt seit über zwei Jahrzehnten Dividende, Apple seit über einem Jahrzehnt. 4:15 Jetzt kommen andere Unternehmen dazu, die ebenfalls kontinuierlich hohe Cashflows erwirtschaftet 4:21 und Teile davon reinvestieren, Teile davon auch in Aktienrückkäufe stecken. 4:27 Aber es bleibt trotzdem noch etwas übrig, was man auch an die Aktionäre in Cash weiterreichen möchte. 4:33 Das ist auch eine gewisse Form des Erwachsenwerdens im Unternehmen. Reinvestieren, das macht man opportunistisch, 4:41 so wie man gerade Chancen sieht. Aktienrückkäufe sind in vielen Unternehmen eher etwas, 4:48 was etwas unverbindlicher ist. Aber gerade wenn ein großes amerikanisches Unternehmen sagt: 4:54 "Wir wollen zum ersten Mal Dividende zahlen", dann steckt da drin das implizite Versprechen: 5:00 "Wir gehen davon aus, dass wir diese Dividende im nächsten, übernächsten und im überübernächsten Jahr 5:06 nicht nur zahlen können, sondern auch sukzessive steigern können." Das ist ja auch bei Meta oder bei Alphabet 5:13 oder auch bei Booking.com genau der Fall. Dividende ist aber nicht automatisch gut oder schlecht. 5:20 Sie ist eine strategische Entscheidung. Dividenden klingen wie "Geld fürs Nichtstun". 5:26 Aber so einfach ist es nicht. Der Betrag der ausgezahlten Dividende 5:30 wird am Auszahlungs-Tag vom Kurs abgezogen. 5 Euro Dividende, Kurs minus 5 Euro. 5:35 Das wirkt wie ein Nullsummenspiel. Eine Dividende macht ja den Aktionär oder das Unternehmen nicht reicher, 5:43 sondern es ist eher wie wenn man zum Geldautomaten geht. Geld, was vorher im Unternehmen steckt, fließt raus an den Aktionär. 5:52 Es wird ja nicht mehr, es wechselt nur den Besitzer. Der Eigentümer war vorher auch schon der Aktionär, der Miteigentümer. 6:00 Folglich wird es rechnerisch vom Kurswert abgezogen. Man sieht das bei Unternehmen, die signifikante Dividenden zahlen, 6:07 von 5 Prozent des Kurswertes, Versicherer oder die Automobilwerte, dass der Kurs dann da erst mal entsprechend runtergeht. 6:15 Deswegen: Dividende einmalig. Das ist wirklich wie Geldwechseln. Eine Strategie kann daraus erst werden, wenn kontinuierlich 6:23 der Gewinn wieder erwirtschaftet wird und kontinuierlich der Anteil der Aktionäre auch entsprechend mit steigt. 6:31 Eine Dividende zu zahlen kann ein Zeichen für Stärke sein. Damit können Unternehmen zeigen: 6:36 "Wir haben Cash, selbst nach einem miesen Jahr." Vorsicht: Wenn die Kohle nicht aus echten Gewinnen kommt, 6:43 sondern aus der Substanz, ist das wie feiern gehen auf Pump. Kurz macht's Spaß, aber langfristig killt's dich. 6:49 Nur weil eine Aktie Dividende zahlt, heißt das lange nicht, dass sie ein gutes Investment ist. 6:54 Bei Einzelaktien ist das Ausfallrisiko hoch, egal wie lang die Historie ist. 6:59 Das macht die Einnahmen durch Dividenden schwer berechenbar. Das Industrieunternehmen 3M, bekannt für die Post-it-Zettel, 7:06 hat 65 Jahre lang die Dividende jedes Jahr erhöht. Dann gabs Probleme, unter anderem durch diverse Klagen. 7:13 Und zack, kürzte 3M 2024 plötzlich die Dividende. Damit waren die scheinbar sicheren jährlichen Einnahmen weg 7:20 bzw. deutlich geringer als erwartet, also auch ein Minuspunkt. Die andere Seite sagt: Halt, so einfach ist es nicht. 7:26 Historisch sind Dividenden ein massiver Renditetreiber. Im DAX stammen mehr als 60% der Gesamtrendite aus Dividenden. 7:34 Wenn man nur die Kursentwicklung anschaut, wär die Performance deutlich schlechter. 7:39 Über Jahre kann das Teil deiner Altersvorsorge werden. Gerade wenn Zinsen mau sind, 7:44 sehen viele Dividenden als bessere Alternative. 3%, 4% Rendite schlagen jedes Tagesgeldkonto. 7:50 Spannend wird's, wenn die Dividende ständig steigt. Nehmen wir Munich Re: Wer 2005 zu 85 Euro eingestiegen ist, 7:56 bekam damals 2 Euro Dividende pro Aktie, Rendite 2,3 Prozent. 8:02 2025 sind es schon 20 Euro. Bezogen auf den Einstiegskurs 8:06 bedeutet das eine persönliche Rendite von 23,5 Prozent. Fast ein Viertel des investierten Geldes pro Jahr zurück 8:14 und das seit 31 Jahren ohne Senkung. Als Aktionär ist der Vorteil, dass man gerade mit einer Strategie, 8:22 die auf Dividenden-Stabilität ausgerichtet ist, wirklich Qualitäts-Aktien herausfiltern kann. 8:29 Solche Qualitätsaktien entwickeln sich über lange Zeiträume tatsächlich auch besser als der breite Markt. 8:36 Dafür muss man ausreichend lang dabei sein. Aber Quality Investing ist einer der entscheidenden Faktoren, 8:43 die auch Märkte treiben. Der andere Faktor ist natürlich ein psychologischer Faktor, 8:49 denn die Dividende ist ein Rückfluss. Man bekommt eine kleine Belohnung dafür, dass man investiert hat. 8:56 Das ist gerade in Phasen, wenn die Kurse mal sinken, Ein wichtiger Impuls, um durchzuhalten und nicht sagen: 9:04 "Ach, nee, das mit den Aktien, das war sowieso nichts." Sondern man sieht: "Aha, ich habe investiert. 9:10 Es ist gerade ein bisschen weniger wert an der Börse, aber ich kriege etwas zurück." 9:15 Es ist ein Stück Souveränität. Mit dem Geld, 9:18 das ich als mein Gewinnanteil vom Unternehmen überwiesen bekommen, kann ich überlegen: Was möchte ich damit machen? 9:24 Ich kann entscheiden, möchte ich es sofort wieder in das Unternehmen investieren, weil ich es gut finde, 9:30 weil ich daran glaube, dass die viel aus dem Geld machen? Möchte ich es in ein anderes Unternehmen investieren, 9:36 was ich besser finde oder um Risiko zu verteilen? Oder möchte ich die Dividende 9:41 oder muss ich die Dividende sogar verkonsumieren? Am Ende musst du selber entscheiden, welche Punkte für dich mehr gewichten 9:48 und wie viel Risiko du verträgst. Okay, du bist überzeugt und willst eine Dividendenstrategie fahren. 9:57 Wie geht's los? Du solltest nicht wahllos Dividendenaktien kaufen. Das bringt nichts. Es gibt ein paar entscheidende Faktoren: 10:06 Zum einen die Höhe der Rendite. Hohe Renditen klingen verlockend. Firmen wie Büroeinrichter Takkt oder Schmuckhersteller Bijou Brigitte 10:15 zahlen z.T. über 10% Dividendenrendite. Auch Banken, Versicherungen, Energie- oder Chemiekonzerne 10:21 wie Allianz, RWE oder BASF gehören zu denen, die viel zahlen. Viel hilft nicht immer viel. 10:26 Während manche Konzerne wegen steigender Margen Ausschüttungen erhöhen, 10:31 kämpfen andere mit sinkenden Gewinnen und müssen die Dividendenpolitik überdenken. 10:36 Oft ist die Dividendenrendite besonders hoch, weil der Kurs stark gefallen ist. 10:41 Der Kurs sinkt, aber die Dividendenrendite sieht gut aus, weil sie prozentual zum Kaufpreis steigt. 10:48 Das kann auf eine bevorstehende Dividendenkürzung hindeuten. Wenn eine Firma Dividende ausschüttet, 10:54 obwohl sie keinen Gewinn macht, ist das pures Risiko. Eine Ausschüttung aus der Substanz hält nie lange. 11:00 Wichtig außerdem: Stabilität und Kontinuität. Wie lange zahlt ein Unternehmen Dividende, 11:05 wie lief's in Krisen, wurde sie über die Jahre gesteigert? Im Idealfall ist das keine Eintagsfliege, 11:11 sondern was, auf das du dich verlassen kannst. Man kann das Prinzip anwenden, was auch bei der Schufa angewendet wird, 11:18 um die Qualität von Schuldnern abzuschätzen. Wenn jemand in der Vergangenheit seinen Verpflichtungen 11:24 ordentlich nachgekommen ist, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, 11:28 dass er auch in Zukunft alles daransetzen wird, das weiter zu tun. Wer in der Vergangenheit ab und zu 11:34 eine Zahlung schuldig geblieben ist, der wird auch in Zukunft unzuverlässig sein. 11:39 Ähnlich ist es bei Unternehmen. Es ist ein Hinweis darauf, dass Dividenden stabil 11:44 und kontinuierlich sind, wenn ein Unternehmen in der Vergangenheit kontinuierlich gezahlt hat, 11:50 also die Dividende meistens erhöht und häufig stabil gehalten hat. Aber gleichwohl auch das ist, ganz wichtig, keine Garantie. 12:00 Denn es können sich geschäftliche Parameter ändern. Auch die Strategie des Unternehmens kann sich ändern. 12:06 Vielleicht möchte ein Unternehmen mehr investieren vom Gewinn, sodass man mehr Geld in der Firma hält 12:12 und weniger an die Aktionäre ausreichen möchte. Wer nur auf hohe Rendite aus ist, muss bei Stabilität 12:18 und Kontinuität meistens Abstriche machen. Coca-Cola hat seine Dividende 63 Jahre in Folge erhöht. 12:24 Deshalb werden sie "Dividendenaristokraten" genannt, ab 25 Jahren spricht man davon. 12:29 Ab 50 Jahren spricht man vom "Dividendenkönig". Dazu später mehr. Die Ausschüttungsquote, wie viel Prozent des Gewinns 12:37 ausgeschüttet wird, sollte im Idealfall moderat sein. Unter 50% gilt als gesund, bei reifen Konzernen auch mal 70 bis 80%. 12:44 Alles nahe 100% ist ein Warnsignal, weil nichts fürs Wachstum bleibt. Was die Basis ist für Dividendenzahlungen. 12:53 Das ist auf der Bilanzseite der Gewinn. Das ist auf der Liquiditäts-Seite der Cashflow. 12:59 Sprich: Wird das, was das Unternehmen ausschüttet, auch bilanziell und operativ immer erwirtschaftet, 13:05 bleibt ein Puffer, das das Unternehmen reinvestieren kann. Ganz wichtig: Wie sieht es auf der Verschuldungs-Seite aus? 13:15 Muss das Unternehmen seine Verschuldung etwas runternehmen, gerade in Zeiten steigender Zinsen, dann wäre es sinnvoll, 13:24 eine Dividende nicht zu ausufernd steigen zu lassen. Denn Zinskosten lasten ja irgendwann auch auf dem Gewinn. 13:31 Auch ohne Dividende zählt, ob das Geschäftsmodell trägt, die Schulden im Rahmen bleiben und genug Kapital fürs Wachstum da ist. 13:38 Wenn du die Faktoren beachtet hast, gibt es verschiedene Wege, um dein Dividenden-Portfolio aufzubauen. 13:44 Ein Weg: einzelne Dividenden-Aktien, nicht alles auf ein Pferd setzen! Nicht nur Auto-Aktien. 13:50 Wenn die Branche crasht, fallen die Kurse und auch die Dividenden. Beispiel Mercedes: 13:56 2020 kürzte die Firma ihre Dividende von 3,25 Euro auf nur 90 Cent. Zwei Jahre später gab's wieder 5 Euro, 2025 dann 4,30 Euro. 14:04 Hoch und runter und keine Verlässlichkeit. Vergangenheitswerte helfen als Orientierung, 14:11 sind aber keine Garantie. Bei Einzelaktien hast du mehr Risiko, musst Zeit und Know-how mitbringen, 14:17 um die richtigen Titel auszuwählen. Eine Alternative: Dividenden-ETFs. 14:21 Du bekommst Dividendenaktien für geringe Gebühren. Der einfachste Weg, eine Balance zu finden zwischen Dividenden 14:28 und Wachstumswerten, wenn man da eine Unterscheidung treffen will: Man kauft gleich den ganzen Markt, weil da ist beides drin. 14:35 Das einfachste Dividenden-Investment ist ein ETF auf den MSCI All Country World Index. 14:41 Der kann ja thesaurierend sein. Da werden die Dividenden, die der Fonds bekommt, 14:46 automatisch wieder angelegt. Oder wenn man auf den Belohnungseffekt setzen möchte, 14:52 dann lässt man sich die Dividenden ausschütten. Dann kann man 4-mal im Jahr sich über Geld auf dem Konto freuen, 14:58 das aggregiert. Das ist, was von über 2000 Unternehmen 15:03 an Dividenden ausgezahlt wurde. Wie immer keine Anlageberatung. 15:08 Vorteil ist hier die automatische Diversifikation. Du musst dir die Titel nicht zusammenstellen. 15:14 Typisch drin sind Konsumgüter- und Pharmakonzerne wie Coca-Cola, Unilever oder Pfizer. 15:19 Was fehlt: Tech-Werte wie Amazon oder Tesla, weil die keine oder kaum Dividenden zahlen. 15:24 Viele ETFs schütten die Dividende aus und liefern so passives Einkommen. 15:29 Es gibt aber auch thesaurierende Varianten. Klar ist: Ausschüttungen sind nie garantiert. 15:34 Dann geht es noch über Dividenden-Fonds. Aktiv gemanagte Fonds funktionieren wie ETFs, sind aber teurer. 15:40 Hier wählen Fondsmanager die Aktien aus, dafür zahlst du höhere Gebühren und oft einen Ausgabeaufschlag. 15:46 Die sind bedingt zu empfehlen. Was willst du mit deiner Dividenden-Strategie erreichen 15:53 und in welchem Zeitraum? Willst du schnell viel laufendes Einkommen, 15:57 greifst du eher zu Hochdividenden-Titeln bzw. High-Dividend-ETFs. 16:02 Geht's dir um langfristigen Vermögensaufbau, dann ist Dividendenwachstum der Schlüssel. 16:08 Wer schnell viel Dividende kassieren will, landet oft bei Hochdividenden-Aktien oder den passenden ETFs. 16:14 Klingt verlockend: Viel Cash zurück, teilweise nach kurzer Zeit. In einer aktuellen Analyse hat das Handelsblatt mit Daten 16:22 der Geldanlageplattform "Extra ETF" mehr als 2000 ETFs verglichen und rechnet vor. 16:40 In der Kombination aus Dividenden und Kursentwicklung erzielte der beste Fonds sogar in den vergangenen 5,5 Jahren 16:47 eine Rendite von mehr als 120%. Aber eine hohe Dividendenrendite ist nicht automatisch gut. 16:53 Sie kann auf Gewinnen beruhen, aber auch auf Problemen, etwa wenn der Kurs gefallen ist 16:58 oder das Unternehmen kaum investieren kann. Davor warnt Christian Röhl: 17:02 Dividendenrendite ist natürlich ein wunderbarer Indikator, weil er so einfach ist, es steht ein Prozentzeichen dahinter. 17:10 Man ist immer versucht, das Ganze zu verbinden mit dem Gedanken an Zinsen. 17:14 Das darf man natürlich nicht. Denn Dividenden sind anders als Zinsen 17:19 eine Beteiligung am unternehmerischen Erfolg, während es Zinsen immer gibt, solange das Unternehmen 17:26 in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. Solange es also nicht pleitegeht. 17:33 Das ist ein ganz anderer Erwartungshorizont. Faustformel ist, alles oberhalb von 5% kann ein Warnsignal sein, 17:41 dass die Dividende, die vielleicht im vergangenen Jahr gezahlt wurde oder die für das laufende Geschäftsjahr erwartet wird, 17:50 nicht nachhaltig ist, sondern dass die Geschäftsentwicklung nicht so gut ist, dass man das wiederholen kann, 17:58 Dass die nächste Dividende niedriger ist oder dass Sondereffekte drin waren. 18:04 Da sollte man sehr gut hingucken. Bestes Beispiel: 18:08 Der DAXplus Maximum Dividend ETF sollte die dicksten Zahler bündeln, hat aber über 10 Jahre schlechter performt als DAX, MDAX und TecDAX. 18:16 Fette Prozente allein sind also kein Qualitätsmerkmal. High-Dividend, das fokussiert sich auf diese Unternehmen 18:24 mit einer hohen Dividendenrendite, die dann hoffentlich so ist die Erwartung von Anlegern, die eine solche Strategie umsetzen, 18:34 günstig bewertet sind und zumindest ihren Kurs halten können, den Dividendenertrag abwerfen oder vielleicht sogar steigen. 18:44 Während eine Strategie, die sich auf Dividendenwachstum fokussiert, stärker diesen Qualitätsaspekt in den Vordergrund rückt. 18:55 Typische Branchen sind Konsum, Gesundheit, Versorger und Tech. Microsoft erhöht seit 21 Jahren, Apple seit 12 Jahren. 19:02 Orientierung geben Kategorien wie Dividenden-Aristokraten, also 25 Jahre Steigerung, 19:08 Dividenden-Könige, 50 Jahre oder Contender, also 10 Jahre Steigerung. 19:13 Das sind keine Garantien, aber ein starkes Zeichen für Stabilität. In Deutschland gibt's keinen Aristokraten. 19:20 Am nächsten dran ist der Schmierstoff-Weltmarktführer Fuchs Petrolub mit 23 Jahren. 19:25 Fresenius hat den Status 2023 nach Problemen verloren. Munich Re hat seit über 30 Jahren nie gesenkt, Allianz seit 16 Jahren. 19:34 Du hast die besten Dividenden-Titel oder ETFs rausgesucht. Aber da ist noch was: die Steuern. 19:39 Dividenden sind Kapitaleinkünfte und steuerpflichtig. Immerhin gibt's den Sparer-Pauschbetrag: 19:45 1000 Euro pro Person, 2000 Euro für Verheiratete. Bis dahin bleibt es steuerfrei, 19:49 ob Dividenden, Zinsen oder Aktiengewinne. Aber Achtung: 19:53 nur, wenn du bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag stellst. Du kannst dir die Kohle über die Steuererklärung zurückholen, 20:00 aber das macht's unnötig kompliziert. Alles, was drüber liegt, wird automatisch besteuert: 20:06 25% Abgeltungssteuer, dazu 5,5% Soli auf diese Steuer und gegebenenfalls 8 bis 9% Kirchensteuer. 20:12 Macht unterm Strich 26—28%, je nachdem ob du in der Kirche bist und in welchem Bundesland du wohnst. 20:19 Wenn du Aktien aus dem Ausland hältst, kommt oft Quellensteuer obendrauf. 20:23 Da gehen wir aber nicht drauf ein. Bei ETFs gibt's noch einen Kniff: 20:27 Liegt der Aktienanteil über 50%, sind 30% der Erträge steuerfrei. Bedeutet: Bei 100 Euro Gewinn musst du nur 70 versteuern. 20:35 Die Abgeltungssteuer sinkt von 25 auf 17,50 Euro. Das gilt für Dividenden und auch für Kursgewinne beim Verkauf. 20:42 Ein wichtiges Argument gegen Dividenden ist: Man wechselt mit der Dividende Geld, Geld vom Unternehmen, 20:48 wechselt zum Aktionär, und dazwischen kriegt einer was. Das ist der Finanzminister. Da gehen also erst mal Steuern ab. 20:55 Wenn ich sofort wieder reinvestiere, habe ich 25% zuzüglich Soli weniger. 21:03 Insofern wäre es in dem Fall zunächst mal besser gewesen, wenn das Unternehmen keine Dividende gezahlt hätte, 21:10 wenn man das Geld hätte drin lassen können. Viele feiern Dividenden. Unser Experte heute auch. 21:18 Aber Kritiker sehen das anders. Sie sagen, Dividenden bremsen den Vermögensaufbau. 21:23 Denn das ausgezahlte Geld musst du sofort wieder investieren, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren. 21:29 Tust du das nicht, stehst du schlechter da als mit einem thesaurierenden ETF, der die Gewinne reinvestiert. 21:36 Dazu sparst du dir Transaktionskosten. Kritiker betonen außerdem, 21:40 dass Dividendenrendite die Gesamtrendite oft drückt. Geld, das an Aktionäre ausgezahlt wird, 21:46 steht dem Unternehmen nicht mehr für Investitionen zur Verfügung. Und Dividenden sind nie garantiert. 21:52 Unternehmen wie Mercedes, Fresenius oder 3M haben gezeigt, wie schnell gekürzt werden kann. 21:58 Wer sich auf Ausschüttungen verlässt, kann böse überrascht werden. Der Vergleich mit Zinsen hinkt. 22:03 Die sind für einen Zeitraum festgeschrieben, Dividenden nicht. Nach all den Fallstricken muss man sagen, 22:09 nur auf Dividenden zu setzen ist keine gute Idee. Aber sie können Sinn machen. 22:14 Kommt drauf an, wie du es angehst. Bestes Beispiel: Warren Buffett. Der Typ ist nicht nur der erfolgreichste Investor der Welt, 22:21 er kassiert mit seiner Investment-Firma 2025 allein durch Dividenden, haltet euch fest: 22:27 4,5 Milliarden Dollar von Firmen wie Apple, American Express oder dem Öl- und Gasunternehmen Occidental Petroleum. 22:35 Seine Lieblingsaktie ist Coca-Cola. Da ist er seit 1988 dabei, also seit 37 Jahren. 22:40 Damals hat er, man sagt, je nach Quelle, eine Milliarde Dollar investiert. 22:45 Heute bringt ihm diese Position jedes Jahr 776 Millionen Dollar Dividende. Weil Coca-Cola die Dividende 63 Jahre in Folge erhöht hat, 22:54 liegt seine persönliche Rendite inzwischen bei 60%. Von jedem Dollar, den er reingesteckt hat, 23:00 kriegt er heute jedes Jahr 60 Cent zurück. Runtergerechnet auf einen normalen Aktionär heißt das: 23:06 Hättest du 1988 1000 Dollar investiert und die Dividenden angelegt, wären daraus heute über 36.000 geworden. 23:14 Buffett hat nicht nur Dividenden-Titel im Depot, aber er zeigt, mit Zeit, Geduld und den richtigen Firmen 23:20 können Dividenden mächtig werden. Sein Unternehmen zahlt keine Dividende. 23:24 Copyright Untertitel: hr 2025