Physik · Klasse 9–10 · aktualisiert
Wechselstrom: Frequenz, Effektivwert und Stromnetz
Wechselstrom verstehen: Richtungswechsel, Frequenz, Effektivwert und praktische Umwandlungen zwischen AC und DC.
0 von 13 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Wechselstrom kehrt seine Richtung periodisch um; bei 50 Hz dauert eine Periode 20 ms. Der Effektivwert einer Wechselspannung gibt dieselbe Heizwirkung wie eine Gleichspannung am ohmschen Widerstand an. Transformatoren erhöhen die Spannung für den Transport und senken sie vor der Nutzung.
Wechselstrom ändert seine Richtung periodisch. Im europäischen Stromnetz beträgt die Nennfrequenz 50\,\mathrm{Hz}. Weil Wechselspannung periodisch wechselt, können Transformatoren sie für den Transport erhöhen und vor der Nutzung senken. Auf dieser Seite lernst du, Wechselstrom von Gleichstrom zu unterscheiden, einen sinusförmigen Verlauf zu lesen, den Effektivwert zu nutzen und die Rolle hoher Spannungen im Stromnetz zu erklären.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Elektrischer Strom beschreibt die gerichtete Bewegung elektrischer Ladung. Entscheidend für die Unterscheidung ist, ob die Richtung gleich bleibt oder regelmäßig wechselt. Strom und Spannung sind verschiedene Größen: Die Spannung treibt die Ladungsbewegung an, die Stromstärke beschreibt den Ladungsfluss. Deshalb solltest du „Strom“ und „Spannung“ nicht gleichsetzen. Wechselgrößen müssen nicht sinusförmig sein. Auch Rechteck- oder Sägezahnverläufe sind möglich. Im Stromnetz und in den folgenden Rechnungen betrachten wir den besonders wichtigen sinusförmigen Verlauf.
Definition
Wechselstrom
Bei Wechselstrom, kurz AC für „Alternating Current“, ändert sich die Stromrichtung periodisch. Die zugehörige Wechselspannung wechselt regelmäßig ihre Polarität.
Definition
Gleichstrom
Bei Gleichstrom, kurz DC für „Direct Current“, bleibt die Stromrichtung gleich. Eine Batterie oder ein Akku stellt Gleichspannung bereit. Die technische Stromrichtung wird vom Plus- zum Minuspol angegeben; Elektronen bewegen sich im äußeren Stromkreis entgegengesetzt.
Teste dich
Eine sinusförmige Wechselspannung lässt sich beschreiben durch
u(t)=u_{\max}\sin(2\pi f t)
u(t) ist der momentane Spannungswert, u_{\max} der positive Scheitelwert, f die Frequenz und t die Zeit. Für die Stromstärke gilt entsprechend i(t)=i_{\max}\sin(2\pi f t).
Die Periodendauer T ist die Zeit für eine vollständige Wiederholung. Frequenz und Periodendauer sind Kehrwerte:
T=\frac{1}{f}
Umgekehrt gilt:
f=\frac{1}{T}
Sind Spannung und Strom gleichzeitig bei Maxima, Minima und Nulldurchgängen, heißen sie gleichphasig. Eine Phasenverschiebung liegt vor, wenn diese Punkte zu verschiedenen Zeiten eintreten, etwa bei Spulen oder Kondensatoren. Für die Leistungsrechnung betrachten wir einen ohmschen Widerstand mit gleichphasigen Sinusgrößen.
Beispiel: Netzwechselstrom mit einer Nennfrequenz von 50\,\mathrm{Hz}
- 1T=\frac{1}{50\,\mathrm{s}^{-1}}
- 2T=0{,}02\,\mathrm{s}=20\,\mathrm{ms}
- 3Der Verlauf braucht also 20\,\mathrm{ms} für eine vollständige Periode. In einer Sekunde entstehen 50 vollständige Perioden. Da jede Periode aus einer positiven und einer negativen Halbwelle besteht, wechselt die Polarität alle 10\,\mathrm{ms}, also 100-mal pro Sekunde.
Merke: 50\,\mathrm{Hz} bedeutet 50 vollständige Perioden pro Sekunde. Eine positive und eine negative Halbwelle bilden zusammen eine Periode.
Teste dich
Ein sinusförmiger Wechselstrom hat über eine ganze Periode den Mittelwert null: Positive und negative Werte heben sich auf. Trotzdem kann er einen Widerstand erwärmen und Energie übertragen. Diese Wirkung beschreibt der Effektivwert. Für sinusförmige Spannung gilt:
U_{\mathrm{eff}}=\frac{u_{\max}}{\sqrt{2}}
Für sinusförmige Stromstärke gilt:
I_{\mathrm{eff}}=\frac{i_{\max}}{\sqrt{2}}
U_{\mathrm{eff}} ist die effektive Spannung und I_{\mathrm{eff}} die effektive Stromstärke. Umgekehrt erhältst du den Spannungsscheitelwert:
u_{\max}=\sqrt{2}\,U_{\mathrm{eff}}
An einem ohmschen Widerstand sind sinusförmige Spannung und Stromstärke gleichphasig. Dann gilt für die momentane Leistung:
p(t)=u(t)i(t)=u_{\max}i_{\max}\sin^2(2\pi f t)
Weil das Quadrat nicht negativ ist, bleibt p(t) in diesem Modell nichtnegativ. Die Leistung schwankt zwischen null und ihrem Höchstwert. Ihr zeitlicher Mittelwert ist:
\overline{P}=U_{\mathrm{eff}}I_{\mathrm{eff}}=\frac{1}{2}u_{\max}i_{\max}
Bei einer Phasenverschiebung muss die Leistungsbetrachtung erweitert werden.
Definition
Effektivwert
Der Effektivwert einer Wechselspannung oder Wechselstromstärke gibt an, welcher Gleichspannungs- beziehungsweise Gleichstromwert an einem ohmschen Widerstand dieselbe mittlere Leistung erzeugen würde.
Beispiel
- 1Die Angabe 230\,\mathrm{V} an einer Haushaltssteckdose bezeichnet den Effektivwert. Für einen sinusförmigen Verlauf ist der Scheitelwert
- 2u_{\max}=\sqrt{2}\cdot230\,\mathrm{V}\approx325\,\mathrm{V}
- 3Die momentane Spannung erreicht also ungefähr +325\,\mathrm{V} und -325\,\mathrm{V}. Die Angabe 230\,\mathrm{V} ist nicht der Scheitelwert.
Teste dich
Elektrische Energie wird über mehrere Spannungsebenen verteilt. Die Generatoren des Wechselstromnetzes liefern Wechselspannung. Transformatoren erhöhen sie für den Transport und senken sie später stufenweise bis zur Haushaltsversorgung. Der große Vorteil von Wechselspannung ist, dass sich ihre Spannung mit Transformatoren vergleichsweise einfach verändern lässt.
Warum hilft eine hohe Spannung? In einem vereinfachten Modell gilt für die übertragene Leistung
P=UI
Soll dieselbe Leistung P übertragen werden, folgt
I=\frac{P}{U}
Eine höhere Spannung U bedeutet dann eine kleinere Stromstärke I. Für eine Leitung mit dem Widerstand R werden die Wärmeverluste durch
P_{\mathrm{Verlust}}=I^2R
beschrieben. Weil die Stromstärke quadriert wird, wirkt ihre Verringerung besonders stark.
Das Modell vergleicht dieselbe Leistung und dieselbe Leitung. Reale Netze enthalten zusätzlich Transformatoren, Phasenverschiebungen und weitere Verlustquellen. Der grundlegende Zusammenhang bleibt: Für die Fernübertragung wird die Spannung hochgesetzt, damit die Stromstärke und damit die Leitungsverluste kleiner werden.
Im Alltag treffen AC und DC oft in einer Umwandlungskette aufeinander.
Haushaltsgerät: Aus der Steckdose kommen 230\,\mathrm{V} Wechselspannung. Manche Geräte nutzen AC direkt; viele elektronische Geräte wandeln den Wechselstrom im Netzteil in DC um.
Photovoltaik: Solarzellen erzeugen Gleichstrom. Ein Wechselrichter wandelt ihn für die Nutzung im Wechselstromnetz um.
Elektroauto: Der Akku wird mit Gleichstrom geladen. Beim AC-Laden wandelt das Ladegerät im Fahrzeug AC in DC. Beim DC-Schnellladen geschieht die Umwandlung bereits in der Ladesäule.
Sehr lange Übertragungsstrecke: Konverterstationen können Netz-AC in Hochspannungs-Gleichstrom umwandeln und am Ende wieder AC bereitstellen.
Drehstrom ist Wechselstrom mit drei sinusförmigen Phasen, die um 120^\circ gegeneinander verschoben sind. Er wird unter anderem für leistungsstarke Geräte und in der Energieversorgung eingesetzt. Die normale Haushaltssteckdose liefert einphasige Wechselspannung mit 230\,\mathrm{V}; Drehstromanschlüsse werden häufig mit 400\,\mathrm{V} angegeben.
Beispiel: Vervierfachte Übertragungsspannung
- 1Im vereinfachten gleichphasigen Einphasenmodell werden 3{,}6\,\mathrm{kW} übertragen. Die Leitung hat R=0{,}8\,\Omega. Vergleiche 120\,\mathrm{V} mit 480\,\mathrm{V}.
- 2Bei 120\,\mathrm{V} gilt:
- 3I_1=\frac{3\,600\,\mathrm{W}}{120\,\mathrm{V}}=30\,\mathrm{A}
- 4P_{V,1}=0{,}8\,\Omega\cdot(30\,\mathrm{A})^2=720\,\mathrm{W}
- 5Bei 480\,\mathrm{V} gilt:
- 6I_2=\frac{3\,600\,\mathrm{W}}{480\,\mathrm{V}}=7{,}5\,\mathrm{A}
- 7P_{V,2}=0{,}8\,\Omega\cdot(7{,}5\,\mathrm{A})^2=45\,\mathrm{W}
- 8Die Spannung ist viermal so groß, der Strom viermal so klein. Bei gleichem Leitungswiderstand sinkt die Verlustleistung auf ein Sechzehntel.
Merke: Bei gleicher übertragener Leistung gilt: Spannung höher, Stromstärke kleiner und ohmsche Leitungsverluste geringer.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Wechselstrom
Verlauf
periodischer Richtungswechsel; 50\,\mathrm{Hz} bedeutet 50 Perioden pro Sekunde
Kennwerte
T=1/f; U_{\mathrm{eff}}=u_{\max}/\sqrt{2}
Leistung
am ohmschen Widerstand \overline{P}=U_{\mathrm{eff}}I_{\mathrm{eff}}; momentane Leistung schwankt
Stromnetz
Transformatoren verändern die Spannung; hohe Spannung senkt Stromstärke und Leitungsverluste
Umwandlungen
Netzteil wandelt AC in DC; Wechselrichter wandelt DC in AC
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Dauer einer Periode bestimmen
- 1Eine Modell-Wechselspannung hat die Frequenz f=40\,\mathrm{Hz}. Gesucht ist die Dauer einer vollen Periode.
- 2T=\frac{1}{40\,\mathrm{s}^{-1}}=0{,}025\,\mathrm{s}=25\,\mathrm{ms}.
- 3Eine positive und eine negative Halbwelle bilden die Periode. Bei diesem symmetrischen Sinusverlauf dauert jede Halbwelle 12{,}5\,\mathrm{ms}.
Fehler finden
Scheitelwert aus dem Effektivwert In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Es wurde dividiert statt multipliziert. Richtig ist u_{\max}=\sqrt{2}\cdot80\,\mathrm{V}\approx113\,\mathrm{V}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei Wechselstrom ändert sich die Richtung . Die Frequenz zählt vollständige pro Sekunde. Der Effektivwert einer sinusförmigen Wechselspannung ist als ihr Scheitelwert.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback