Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Quantenmechanisches Atommodell: Orbitale verstehen
Du unterscheidest Orbitale von Bahnen und ordnest Elektronenzustände mit Wellenfunktion, Quantenzahlen und Besetzungsregeln.
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Kurz gesagt
Das quantenmechanische Atommodell beschreibt Elektronen durch Zustände statt durch feste Bahnen. Das Betragsquadrat der Wellenfunktion gibt die räumliche Wahrscheinlichkeitsdichte an. Orbitale und Quantenzahlen ordnen die Zustände; Pauli- und Hundsche Regel begrenzen ihre Besetzung.
Im quantenmechanischen Atommodell bewegen sich Elektronen nicht auf festgelegten Bahnen um den Kern. Eine Wellenfunktion beschreibt den Quantenzustand. Für ein einzelnes Elektron ergibt sich aus ihrem Betragsquadrat die räumliche Wahrscheinlichkeitsdichte. Gebundene Energiezustände besitzen nur bestimmte Energiewerte. Auf dieser Seite lernst du, wie diese Beschreibung entsteht, was Orbitale und Quantenzahlen bedeuten und wie Elektronenzustände besetzt werden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Elektron auf einer Kreisbahn wäre nach klassischer Physik ständig beschleunigt, weil sich seine Bewegungsrichtung ändert. Es müsste elektromagnetische Strahlung abgeben, Energie verlieren und schließlich in den Kern stürzen. Stabile Atome wären so nicht erklärbar.
Auch die beobachteten diskreten Energieniveaus widersprechen beliebigen klassischen Bahnen: Für gebundene Energiezustände eines Atoms sind nur bestimmte Energiewerte möglich. Die charakteristischen Linienspektren der Elemente zeigen solche Energieunterschiede. Ein Linienspektrum zeigt Strahlung bei einzelnen Wellenlängen. Im sichtbaren Bereich erkennst du einzelne farbige Linien statt eines lückenlosen Farbstreifens.
Das quantenmechanische Modell ersetzt deshalb die Frage „Auf welcher Bahn fliegt das Elektron?“ durch die Frage „Mit welcher Wahrscheinlichkeit kann es an einem Ort nachgewiesen werden?“
Die Wellenfunktion \psi ist eine mathematische Beschreibung eines Quantenzustands. Sie ist nicht selbst die Wahrscheinlichkeit.
Nach der Bornschen Deutung gibt das Betragsquadrat |\psi|^2 die Wahrscheinlichkeitsdichte an. Vergleichst du gleich große, sehr kleine Raumbereiche, ist ein Nachweis dort wahrscheinlicher, wo die Dichte größer ist. Die Wahrscheinlichkeit für einen größeren Bereich erhältst du, indem du die Dichte über dessen Volumen aufsummierst, mathematisch: integrierst.
Die Verteilung muss normiert sein. Das bedeutet: Addiert man die Wahrscheinlichkeiten für alle möglichen Aufenthaltsorte, ergibt sich insgesamt 1, also 100\,\%.
Farben in Orbitalbildern können verschiedene Vorzeichen der Wellenfunktion darstellen. Sie bedeuten nicht automatisch verschiedene Aufenthaltswahrscheinlichkeiten, denn für diese wird |\psi|^2 betrachtet.
Merke: Ein Orbital ist keine Flugbahn und keine Aufnahme eines kreisenden Elektrons. Es beschreibt einen möglichen räumlichen Elektronenzustand.
Definition
Orbital
Im einfachen Orbitalmodell ist ein Orbital eine räumliche Wellenfunktion für ein Elektron und beschreibt einen möglichen Ein-Elektronen-Zustand. Bilder zeigen häufig eine Grenzfläche, innerhalb der ein festgelegter Anteil der Aufenthaltswahrscheinlichkeit liegt, zum Beispiel 90\,\%. Die Grenzfläche ist keine feste Wand.
Beispiel: Zwei Farben in einem Orbitalbild
- 1Zeigt ein Orbitalbild zwei verschieden gefärbte Bereiche, folgt daraus nicht, dass das Elektron zwei Farben oder Ladungen besitzt.
- 2Die Farben können die Vorzeichen von \psi kennzeichnen.
- 3Erst |\psi|^2 beschreibt die Wahrscheinlichkeitsdichte.
Teste dich
Eine Begrenzung stellt Bedingungen an mögliche Wellen. Ähnlich wie bei einer eingespannten Saite passen nur bestimmte stehende Wellen in den verfügbaren Bereich. Für Energiezustände im folgenden Modell ergeben sich dadurch getrennte, also diskrete, Energiewerte.
Der eindimensionale unendliche Potentialtopf macht diese Idee besonders deutlich. Im Topf der Breite a ist die potenzielle Energie null; an den Rändern ist sie unendlich groß. Das Teilchen kann den Topf nicht verlassen. An beiden Rändern muss die Wellenfunktion null sein; dort verschwindet auch die Wahrscheinlichkeitsdichte. Diese Vorgaben heißen Randbedingungen.
Zwischen die Ränder muss eine ganze Zahl halber Wellenlängen passen: a=n\lambda/2. Dabei ist \lambda die Wellenlänge. Mit der De-Broglie-Beziehung p=h/\lambda für den aus der Wellenlänge abgeleiteten Rechenwert p und der Bewegungsenergie E=p^2/(2m) erhältst du für ein Teilchen der Masse m die erlaubten Energien. Diese Energieformel gilt bei Geschwindigkeiten deutlich unter der Lichtgeschwindigkeit; dann gilt für eine frei laufende Teilwelle p=mv mit dem Geschwindigkeitsbetrag v. Der stehende Topfzustand hat keinen festen messbaren Impuls. Setze zunächst \lambda=2a/n in p=h/\lambda ein. Damit ist p=hn/(2a); quadrieren und durch 2m teilen liefert:
E_n=\frac{h^2n^2}{8ma^2}
Hier sind n=1,2,3,\ldots die möglichen Zustandsnummern. Dabei ist h das Plancksche Wirkungsquantum.
Der unendliche Potentialtopf ist ein eindimensionales Lernmodell, nicht die vollständige Beschreibung eines Atoms. Er zeigt aber den Zusammenhang zwischen Randbedingungen und diskreten Energien. Ein Atom hat keine unendlich hohen Topfwände. Auch seine gebundenen Energiezustände haben diskrete Energien, doch die hier angegebene Topfformel gilt dafür nicht.
Beispiel: Ein anderer erlaubter Topfzustand
- 1Für denselben idealen Topf gilt E_n\propto n^2. Für den Zustand n=5 folgt E_5=5^2E_1=25E_1.
- 2Die höhere Quantenzahl erlaubt einen anderen stehenden Wellenzustand. Ein Zustand mit n=0 ist unzulässig: Seine Wellenfunktion wäre überall null und nicht normierbar.
Teste dich
Im einfachen Orbitalmodell verwendest du vier Quantenzahlen, um Elektronenzustände zu ordnen. Sie geben bestimmte erlaubte Werte von Zustandsgrößen an. Die Tabelle zeigt ihre Wertebereiche.
Die Hauptquantenzahl wird traditionell einer Schale zugeordnet: n=1 heißt K-Schale, n=2 L-Schale, n=3 M-Schale und n=4 N-Schale.
Eine Unterschale umfasst die Orbitale mit gleichem n und l. Die Nebenquantenzahl erhält Buchstaben: l=0 entspricht einer s-Unterschale, l=1 einer p-Unterschale. s-Orbitale werden häufig kugelförmig, p-Orbitale hantelförmig dargestellt.
Der Spin ist ein innerer Drehimpuls des Elektrons, keine Drehung einer kleinen Kugel. m_s unterscheidet seine beiden möglichen Ausrichtungen bezüglich einer gewählten Achse. Für eine p-Unterschale gilt l=1: Die drei Werte m_l=-1,0,+1 liefern drei räumliche Orbitale.
| Quantenzahl | Bedeutung | Zulässige Werte |
|---|---|---|
| n | Hauptquantenzahl | 1,2,3,\ldots |
| l | Drehimpuls- oder Nebenquantenzahl | 0,1,\ldots,n-1 |
| m_l | magnetische Bahnquantenzahl | -l,\ldots,0,\ldots,+l |
| m_s | magnetische Spinquantenzahl, kurz Spinquantenzahl | -\frac12 oder +\frac12 |
Definition
Energieniveau
Ein Energieniveau ist ein erlaubter Energiewert. Es ist weder ein räumlicher Bereich noch eine Bahn. Mehrere Zustände können dieselbe Energie besitzen.
Merke: Schale und Energieniveau sind nicht dasselbe: Die Schale wird über n bezeichnet. Die tatsächliche Energieordnung kann dazu führen, dass ein Orbital einer höheren Schale energetisch unter einem Orbital einer niedrigeren Schale liegt.
Teste dich
Nach dem Pauli-Ausschließungsprinzip dürfen zwei Elektronen eines Atoms nicht in allen vier Quantenzahlen übereinstimmen. Weil für ein räumliches Orbital zwei Spinwerte möglich sind, kann es höchstens zwei Elektronen mit unterschiedlichem Spin aufnehmen.
Für den Grundzustand, also den Zustand niedrigster Gesamtenergie, hilft das Aufbauprinzip: Du besetzt zunächst die verfügbaren Orbitale niedriger Energie und beachtest das Pauli-Prinzip. Bei komplizierteren Atomen hat die einfache Besetzungsfolge Ausnahmen.
Nach der Hundschen Regel werden gleichenergetische Orbitale derselben Unterschale zunächst einzeln mit parallelen Spins besetzt. Das bedeutet: Diese Elektronen haben den gleichen Wert von m_s. Erst danach entstehen Paare mit entgegengesetzten Spinwerten.
Beispiel: Kalium im Grundzustand
- 1Ein neutrales Kaliumatom besitzt 19 Elektronen. Im Grundzustand werden die Zustände in der hier benötigten Energieordnung besetzt:
- 21s^2\,2s^2\,2p^6\,3s^2\,3p^6\,4s^1
- 3Die Hochzahl nennt die Zahl der Elektronen in der jeweiligen Unterschale. Die Unterschalen bis einschließlich 3p enthalten 2+2+6+2+6=18 Elektronen. Von den 19 Elektronen bleibt also 19-18=1 übrig. Es kommt in den 4s-Zustand, der in dieser Besetzungsfolge energetisch vor 3d liegt.
Beispiel: Sauerstoff und die Hundsche Regel
- 1Ein neutrales Sauerstoffatom hat acht Elektronen.
- 2Im Grundzustand füllen vier davon die beiden Orbitale 1s und 2s.
- 3Es bleiben 8-2-2=4 Elektronen für die drei gleichenergetischen 2p-Orbitale.
- 4Zuerst erhält jedes davon ein Elektron mit gleichem Spinwert.
- 5Erst das vierte Elektron bildet mit entgegengesetztem Spinwert ein Paar.
- 6Die Besetzung ist damit 2,1,1: Zwei Elektronen bleiben ungepaart.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Quantenmechanisches Atommodell
Bahnmodell
Klassische Kreisbahnen erklären stabile Atome nicht.
Wellenfunktion
Sie beschreibt einen Quantenzustand.
Wahrscheinlichkeit
Für ein einzelnes Elektron gibt das Betragsquadrat die räumliche Nachweisdichte an.
Orbital
Ein räumlicher Ein-Elektronen-Zustand ist keine Flugbahn.
Quantenzahlen
Vier Werte ordnen einen Elektronenzustand.
Besetzung
Pauli-Prinzip und Hundsche Regel begrenzen und ordnen Elektronen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ein Orbital mit Quantenzahlen prüfen
- 1Gegeben ist ein Elektronenzustand mit n=2, l=1 und m_l=-1.
- 2Für n=2 sind l=0 oder l=1 erlaubt. Bei l=1 sind m_l=-1,0,+1 möglich; der gegebene Wert passt.
- 3Für den Spin sind m_s=-\frac12 oder m_s=+\frac12 zulässig. Beide Möglichkeiten gehören zum selben räumlichen Orbital.
- 4Befinden sich dort zwei Elektronen, müssen sie nach Pauli verschiedene Spinwerte haben.
Fehler finden
Ein Orbitalbild lesen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Außerhalb verbleiben 20\,\% Aufenthaltswahrscheinlichkeit, denn 100\,\%-80\,\%=20\,\%. Die Grenzfläche ist keine Wand.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein Orbital beschreibt einen . Das Betragsquadrat der Wellenfunktion gibt die an. Zwei Elektronen im selben räumlichen Orbital müssen Spinwerte haben.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback