Informatik · Klasse 6–10 · aktualisiert
Lochkarte: Funktionsweise, Code und Geschichte
Lochkarten speicherten Daten als Löcher. Du lernst, wie man Buchstaben im IBM-Code liest und welchen Weg eine Karte bis zum Rechner nahm.
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Kurz gesagt
Eine Lochkarte ist ein dünner Karton, auf dem Daten als Löcher stehen. Welches Zeichen gemeint ist, ergibt sich aus der Position der Löcher in einer Spalte. Eine Karte wurde gelocht, auf Wunsch geprüft, meist zum Rechenzentrum gebracht und mit dem Lochkartenleser eingelesen.
Stell dir vor, deine Hausaufgabe wäre ein Stapel Karton mit Löchern. So gaben Menschen früher Computern Programme und Daten. Du lernst, wie aus Löchern Buchstaben werden. Und du siehst, warum eine kleine abgeschrägte Ecke eine große Hilfe war.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Lochkarte ist ein Datenträger aus stabilem, dünnem Karton. Ein Datenträger ist ein Gegenstand, auf dem man Daten aufbewahrt. Auf Lochkarten speicherte man früher vor allem Daten und Programme. Die Informationen stehen als Löcher in der Karte. Diese Löcher nennt man zusammen den Lochcode.
Entscheidend ist die Position der Löcher. Welches Zeichen gemeint ist, ergibt sich aus der Stelle, an der gelocht wurde, und aus der Kombination mehrerer Löcher in einer Spalte. Die weit verbreitete Karte im 80-Spalten-Format von IBM hat 80 Spalten und 12 Zeilen. Eine Spalte steht für eine Zeichenposition, also für einen Buchstaben oder eine Ziffer.
Ursprünglich war nur ein Loch pro Spalte erlaubt. Das bedeutete eine Ziffer. Später war ein zweites Loch erlaubt, das beschrieb dann Großbuchstaben. Eine dritte Lochung fügte Sonderzeichen hinzu.
Oben auf der Karte stand oft der Inhalt als gedruckter Text, damit Menschen ihn lesen konnten. Für den Computer zählten nur die Löcher.
Man kann die Karte auch wie Einsen und Nullen sehen: Loch → 1, kein Loch → 0. Darum gelten Lochkarten als frühe Form digitaler Datenträger. Digital heißt hier: Jede Stelle hat nur zwei Zustände. Ihr Vorteil lag weniger in der Menge der Daten. Er lag darin, dass man sie einfach vervielfältigen und nutzen konnte und dass Maschinen sie lesen konnten.
Was eine Lochkombination bedeutet, wurde in einem Code vereinbart. Je nach Kartenart und Hersteller der Geräte waren unterschiedliche Codes im Einsatz.
Definition
Lochcode
Der Lochcode ist die Art, wie eine Lochkarte Inhalte abbildet: Die Bedeutung ergibt sich aus der Position der Löcher in den Spalten.
| Löcher in einer Spalte | Was sie bedeuten |
|---|---|
| 1 Loch | Eine Ziffer (so war es ursprünglich) |
| 2 Löcher | Ein Großbuchstabe (später erlaubt) |
| 3 Löcher | Ein Sonderzeichen (eine dritte Lochung kam hinzu) |
Merke: Nicht das Loch allein zählt, sondern die Position: In welcher Spalte und in welcher Zeile es sitzt.
Teste dich
Hier lernst du einen Code für Karten mit 80 Spalten, die unter anderem auf Systemen der Serie 360 benutzt wurden. In jeder Spalte steht ein Zeichen. Die 12 Zeilen übereinander haben Namen: Die unteren 10 Zeilen sind die Ziffernzeilen 0 bis 9. Die obersten zwei Zeilen heißen Zonen, die 12er Zone und die 11er Zone. Die dritte Zeile von oben ist die Null-Reihe. Wird sie bei mehreren Löchern als Überlochung benutzt, heißt sie 10er Zone.
Eine Ziffer von 0 bis 9 braucht nur ein Loch in ihrer Ziffernzeile. Ein Buchstabe braucht zwei Löcher: eine Zone und eine Ziffernzeile. Das zeigt die Tabelle.
Die Einzelzuordnung folgt aus der Reihenfolge des Alphabets. Bei J bis R gehört die Ziffernzeile 1 zu J, die 2 zu K, die 3 zu L und die 4 zu M. Ausdrücklich bekannt ist M: 11er Zone und 4. Bei S bis Z fängst du bei 2 an: Die 2 gehört zu S, die 3 zu T, die 4 zu U und so weiter.
Achtung: Dieselbe Lochung kann zwei Bedeutungen haben. Die negative Zahl −4 wird mit einer 11er Überlochung und der 4 gelocht, genau wie M. Ob M oder „minus 4“ gilt, hängt davon ab, ob das Programm die Spalte als Text oder als Zahl liest.
Kleinbuchstaben, Umlaute und Sonderzeichen brauchen weitere Lochkombinationen mit bis zu 6 Lochungen je Spalte. Die kennst du hier noch nicht. Du übst nur die Großbuchstaben A bis Z.
Definition
Zone
Eine Zone ist eine der obersten Zeilen der Karte. Ein Loch dort (Überlochung) zeigt, dass die Spalte ein Buchstabe oder Sonderzeichen ist oder eine negative Zahl.
| Buchstaben | Zone | Ziffernzeile |
|---|---|---|
| A bis I | 12er Zone | 1 bis 9 |
| J bis R | 11er Zone | 1 bis 9 |
| S bis Z | 10er Zone | 2 bis 9 |
Beispiel: Zwei Spalten lesen (ausgedachte Beispielkarte)
- 1Spalte 1: Loch in der 12er Zone und in Zeile 3 → A bis I, dritter Buchstabe → C
- 2Spalte 2: Loch in der 10er Zone und in Zeile 5 → S bis Z, S ist 2, T ist 3, U ist 4, V ist 5 → V
Teste dich
Schritt 1, Lochen: Eine Person tippte aus Vorlagen die Daten an einem Lochkartenlocher. Das Gerät hatte eine Schreibmaschinentastatur. Es stanzte die Löcher spaltenweise in die Karte. Neuere Geräte druckten den Inhalt zusätzlich oben als Text auf die Karte.
Schritt 2, Prüfen (optional): Auf einer zweiten Maschine, dem Lochkartenprüfer, konnte man die Daten nochmals eingeben. Stimmten die Lochungen überein, wurde die Karte als geprüft gekennzeichnet. Sonst musste sie korrigiert werden. Eine geprüfte Karte bekam nach der 80. Spalte eine Prüfkerbe am rechten Kartenrand.
Schritt 3, Transport: Lochkarten wurden meist nicht dort verarbeitet, wo man sie erzeugte, zum Beispiel im „Lochsaal“. Verarbeitet wurden sie meist in einem Rechenzentrum, also einem Ort mit Rechnern. Dafür mussten sie körperlich transportiert werden. Dort wurden sie geprüft und ergänzt und in den Maschinensaal gebracht. Vor der Verarbeitung konnte ein Lochkartensortierer die Karten in eine Reihenfolge bringen.
Schritt 4, Einlesen: Der Lochkartenleser ist ein Gerät am Rechner. Der Stapel kam in einen Leseschacht und wurde mit einem Gewicht beschwert. Auf Knopfdruck startete der Lesevorgang. Ein Gebläse lockerte den Stapel auf, dann wurde eine Karte nach der anderen eingelesen. An einer Abfühlstation erkannte das Gerät die Löcher und wandelte sie in einen elektronischen Code um. Das ging zum Beispiel mit Stiften, mit Bürsten oder mit Licht und Fotozellen.
| Schritt | Gerät | Was geschieht? |
|---|---|---|
| Lochen | Lochkartenlocher | Per Tastatur werden spaltenweise Löcher in die Karte gestanzt. |
| Prüfen (optional) | Lochkartenprüfer | Die Daten werden nochmals eingegeben. Stimmen die Lochungen überein, gilt die Karte als geprüft. |
| Sortieren (möglich) | Lochkartensortierer | Die Karten werden vor der Verarbeitung in eine Reihenfolge gebracht. |
| Einlesen | Lochkartenleser | Der Stapel wird Karte für Karte abgetastet und in einen elektronischen Code umgewandelt. |
Merke: Der Weg: Lochen, auf Wunsch prüfen, meist zum Rechenzentrum bringen und dort Karte für Karte einlesen.
Teste dich
Die Hollerith-Lochkarte, wie sie zur Hochzeit der Lochkarte am meisten verbreitet war, hat eine besondere Ecke. Die linke obere Ecke ist ca. 1 cm hoch flach abgeschrägt. Die anderen drei Ecken sind gerundet oder eckig.
Die Ecke ist eine technische Eigenschaft der Karte. Sie ermöglichte die manuelle Orientierung: Man erkannte von Hand, was vorne und hinten und was unten und oben ist. Dafür musste man keine Löcher lesen. Ein Blick auf die Ecke genügte.
Das half zum Beispiel am Lochkartenleser. Dort legte der bedienende Operator, also die Person am Rechner, den Stapel in den Leseschacht. Für die korrekte Orientierung sorgte die abgeschrägte linke obere Ecke der Karten.
Die Ecke sagte dem Computer nichts. Er beachtete nur den Bereich mit den Lochungen. Sie half dem Menschen bei der Arbeit mit den Karten.
Andere Kartenarten sahen anders aus. Die Karte der Volkszählung von 1890 hatte den Eckabschnitt zum Beispiel noch rechts unten. Bei einer Randlochkarte war die obere rechte Ecke abgeschrägt, damit man bei einem Stapel erkannte, dass alle Karten mit der richtigen Seite in eine Richtung lagen.
Definition
Abgeschrägte Ecke
Die abgeschrägte Ecke ist die flach abgeschnittene linke obere Ecke der Hollerith-Lochkarte. Sie zeigt von Hand, wie die Karte liegt.
Merke: Eine kleine technische Eigenschaft der Karte, die Ecke, machte die Handarbeit leichter: Man erkannte die Lage der Karte mit einem Blick.
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Alles auf einen Blick
Lochkarte
Lochcode
Die Position der Löcher in einer Spalte bestimmt das Zeichen.
Format
80 Spalten und 12 Zeilen. Loch → 1, kein Loch → 0.
Buchstaben
A bis I mit 12er Zone, J bis R mit 11er Zone, S bis Z mit 10er Zone und Ziffernzeile ab 2.
Weg
Lochen, auf Wunsch prüfen, meist zum Rechenzentrum bringen, einlesen.
Ecke
Die abgeschrägte linke obere Ecke zeigte von Hand, wie die Karte lag.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Das Wort KAT von einer ausgedachten Karte lesen (ausgedachtes Beispiel)
- 1Ausgedachte Karte mit drei Spalten. Spalte 1: Loch in der 11er Zone und in Zeile 2.
- 211er Zone gehört zu J bis R. Zeile 1 ist J, Zeile 2 ist K → K
- 3Spalte 2: Loch in der 12er Zone und in Zeile 1. 12er Zone gehört zu A bis I, Zeile 1 ist der erste Buchstabe → A
- 4Spalte 3: Loch in der 10er Zone und in Zeile 3. Bei S bis Z ist Zeile 2 das S, Zeile 3 das T → T
- 5Ergebnis: KAT. Probe: K liegt in J bis R, A in A bis I, T in S bis Z. Die Zonen passen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Lochen und Prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Eine Karte mit abweichender Lochung galt nicht als geprüft. Richtig: Stimmten die Lochungen nicht überein, musste die Karte korrigiert werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein Buchstabe von J bis R wird mit der Zone und einer Ziffernzeile von 1 bis 9 gelocht. Bei den Buchstaben S bis Z beginnt die Ziffernzeile bei . Die linke obere Ecke einer Hollerith-Lochkarte ist ca. cm hoch flach abgeschrägt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback