Informatik · Klasse 5–10 · aktualisiert
Festplatte: Aufbau, Funktion und Datensicherung
Du lernst, wie eine Festplatte Daten magnetisch speichert, wie du ihre Kapazität und Latenzzeit berechnest und wie du Daten sicherst.
0 von 13 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Eine HDD speichert Daten magnetisch auf rotierenden Scheiben. Die Daten liegen in Blöcken auf Spuren. Die Kapazität ist Blockgröße mal Anzahl der Blöcke. Die mittlere Latenzzeit ist die Zeit für eine halbe Umdrehung. Wichtige Daten sicherst du nach der 3-2-1-Regel.
Fotos, Spiele und Hausaufgaben liegen oft auf einer Festplatte. Geht sie kaputt, ist vieles weg. Du lernst, wie sie Daten festhält, wie schnell sie ist und wie du dich vor Datenverlust schützt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
HDD ist die englische Abkürzung für „hard disk drive“, auf Deutsch Festplattenlaufwerk. Eine HDD ist ein magnetisches Speichermedium. Sie speichert Daten dauerhaft. Das ist wichtig, denn der Arbeitsspeicher eines Computers verliert seine Daten beim Abschalten. Deshalb haben Computer zusätzlich einen Festspeicher wie die Festplatte.
Eine HDD besteht aus mehreren Teilen: einer oder mehreren rotierenden Scheiben (englisch „Platter“), einer Achse (Spindel), auf der die Scheiben übereinander sitzen, einem Elektromotor, der die Spindel antreibt, und beweglichen Schreib-Lese-Köpfen.
Üblich ist es, alle Oberflächen der Scheiben zu nutzen. Jede Scheibe hat zwei Seiten, also zwei Oberflächen. Bei n Scheiben gibt es 2n Oberflächen und ebenso viele Schreib-Lese-Köpfe, denn zu jeder Oberfläche gehört ein Kopf. Zu zwei Scheiben gehören also vier Köpfe.
Beim Schreiben nutzt die HDD die magnetische Beschichtung der Scheibe. Der Schreib-Lese-Kopf ist im Prinzip ein winziger Elektromagnet. Je nach Wert des Bits (0 oder 1) fließt der Strom in die eine oder die andere Richtung. So magnetisiert der Kopf winzige Bereiche der Oberfläche unterschiedlich. Er berührt die Scheibe dabei nicht. Er schwebt auf einem Luftpolster, das durch die Reibung der Luft an der drehenden Scheibe entsteht.
Beim Lesen dreht sich die Scheibe am Kopf vorbei. Ändert sich die Magnetisierung, entsteht im Lesekopf ein kurzer Spannungsimpuls. Daran erkennt die HDD die gespeicherten Daten.
Dauerhaft bleiben die Daten, weil die Magnetisierung auch ohne Strom bestehen bleibt. Das nennt man Remanenz. Setzt der Kopf mechanisch auf der Scheibe auf, kann die Festplatte beschädigt werden (Head-Crash). Im laufenden Betrieb sollte man sie deshalb möglichst nicht bewegen und keinen Erschütterungen aussetzen.
Definition
Remanenz
Remanenz heißt „verbleibende Magnetisierung“. Die Scheibe bleibt magnetisiert, auch wenn kein Strom mehr fließt. So bleibt die Information gespeichert.
Beispiel: Die Bauteile einer HDD und ihre Aufgabe
- 1Scheiben (Platter): tragen die magnetische Schicht, in der die Daten stecken
- 2Spindel mit Elektromotor: dreht die Scheiben
- 3Schreib-Lese-Kopf: magnetisiert beim Schreiben und spürt beim Lesen die Änderungen der Magnetisierung
Merke: Schreiben heißt: Der Kopf magnetisiert die Scheibe. Lesen heißt: Der Kopf spürt Änderungen der Magnetisierung.
Teste dich
Der Kopf magnetisiert die Scheibe auf kreisförmigen Spuren. Das sind Ringe, die alle um dieselbe Mitte liegen. Eine Scheibe enthält typischerweise einige tausend Spuren, meist auf beiden Seiten. Alle übereinanderliegenden gleichen Spuren der Oberflächen heißen zusammen Zylinder.
Jede Spur ist in kleine Einheiten geteilt, die Blöcke heißen (auch Sektoren genannt). Ein Block enthält traditionell 512 Byte Nutzdaten. Üblich sind auch Blöcke mit 4096 Byte. Die Größe eines Blocks gibt man in Byte an. Ein Block ist die kleinste Datenmenge, die man ansprechen kann. Seine Adresse besteht aus Spur, Sektor und Oberfläche (Kopf). Die Festplatte liest und schreibt über die Schnittstelle immer nur ganze Blöcke, nicht einzelne Bytes.
Eine Festplatte hat wahlfreien Zugriff: Der Kopf muss nicht den ganzen Speicher von vorn durchlaufen. Er fährt direkt zur gesuchten Spur und wartet, bis der richtige Block darunter vorbeikommt. Ein Magnetband dagegen muss man der Reihe nach durchlaufen. Das nennt man sequentiellen Zugriff.
Schnell ist das nicht immer: Der Kopf muss bewegt werden und die Scheibe muss sich drehen. Diese Verzögerungen lagen Stand 2009 bei etwa 6–20 ms. Eine ms ist eine Millisekunde, also ein Tausendstel einer Sekunde. Wenn man viele Blöcke nacheinander liest, kann der sequentielle Zugriff schneller sein als viele wahlfreie Sprünge zu weit verteilten Adressen.
Definition
Wahlfreier Zugriff
Man erreicht jede Speicherstelle direkt, ohne den Speicher von vorn durchlaufen zu müssen. Man sagt auch direkter Zugriff oder Direktzugriff (englisch „random access“).
Beispiel: Buch und Pergamentrolle
- 1Buch: Du schlägst jede beliebige Seite direkt auf. Das ist wahlfreier Zugriff.
- 2Pergamentrolle: Du musst sie abrollen, bis du die Stelle erreichst. Das ist sequentieller Zugriff.
- 3Blätterst du im Buch einfach zur nächsten Seite, ist das so, als würdest du die Blöcke der Reihe nach lesen.
Merke: Eine Spur ist ein Ring auf der Scheibe. Sie ist in Blöcke geteilt. Gelesen und geschrieben werden nur ganze Blöcke.
Teste dich
Die Kapazität sagt, wie viele Daten auf die Festplatte passen. Du rechnest: Kapazität = Blockgröße · Anzahl der Blöcke. Die Blockgröße ist zum Beispiel 512 oder 4096 Byte.
Die Anzahl der Blöcke bekommst du aus der Bauweise: Anzahl der Blöcke = Köpfe · Zylinder · Sektoren pro Spur. Die Zahl der Zylinder entspricht den Spuren je Oberfläche. Die Zahl der Köpfe entspricht den Oberflächen.
Hersteller rechnen mit Zehnerpotenzen: Ein Terabyte sind 10¹² Byte. Windows und einige ältere Betriebssysteme benutzen dieselben Namen, rechnen aber mit Zweierpotenzen. Deshalb zeigen sie bei einer Festplatte mit einem Terabyte laut Hersteller nur 931 „Gigabyte“ an. Die Platte ist nicht kleiner. Es sind nur zwei Rechenweisen.
Beim Zugriff vergeht Zeit. Sie besteht aus der Spurwechselzeit (der Kopf fährt zur Spur), der Latenzzeit (die Scheibe dreht den Block unter den Kopf) und der Kommandolatenz. Das ist die Zeit, die der Controller der Festplatte braucht, um den Befehl zu verstehen und die nötigen Schritte zu steuern. Sie ist heute vernachlässigbar.
Die Latenzzeit hängt von der Drehzahl ab. Sie wird in U/min angegeben, das heißt Umdrehungen pro Minute. Im Mittel dauert es eine halbe Umdrehung, bis ein bestimmter Sektor unter dem Kopf ist. Du rechnest: mittlere Latenzzeit in ms = 30.000 : Drehzahl in U/min. Du kannst auch die Zeit für eine volle Umdrehung nehmen und sie halbieren.
Definition
Mittlere Latenzzeit
Die mittlere Latenzzeit ist die Wartezeit, bis ein gesuchter Sektor unter dem Kopf vorbeikommt. Im Mittel ist das eine halbe Umdrehung der Scheibe.
| Drehzahl | mittlere Latenzzeit |
|---|---|
| 5400 U/min | etwa 5,6 ms |
| 7200 U/min | etwa 4,2 ms |
| 10.000 U/min | 3 ms |
| 15.000 U/min | 2 ms |
Merke: Kapazität = Blockgröße · Anzahl der Blöcke. Mittlere Latenzzeit in ms = 30.000 : Drehzahl in U/min. Mehr Umdrehungen pro Minute bedeuten also eine kürzere Latenzzeit.
Teste dich
Die HDD speichert Daten magnetisch auf drehenden Scheiben mit beweglichen Teilen. Eine SSD (englisch „solid-state drive“) ist ein nichtflüchtiger Speicher, heute überwiegend aus Flash-Speicherzellen aufgebaut. Sie hat keine beweglichen Teile. Sie ist unempfindlich gegen Stöße und arbeitet geräuschlos. Sie hat wesentlich schnellere Zugriffszeiten. Ihre Speicherzellen halten aber nur eine beschränkte Anzahl von Schreibzyklen aus. Als Archiv ist sie nicht geeignet, weil sie nach einigen Jahren ohne Stromversorgung Daten verlieren kann.
Der Arbeitsspeicher (RAM) enthält die Programme und Daten, die der Computer gerade braucht. Er ist flüchtig: Beim Abschalten gehen seine Daten verloren. Dafür ist er sehr schnell. Der Zugriff dauert nur wenige Nanosekunden. Das sind Zeiten, die noch viel kürzer sind als Millisekunden, und es entspricht einem Millionstel der Zeit einer Festplatte. Reicht der Arbeitsspeicher nicht, lagert das Betriebssystem Teile auf die Festplatte aus. Das ist viel langsamer.
Datensicherung heißt: Du legst mindestens eine Kopie auf einem anderen Datenträger an. Gehen die Originale verloren, kannst du sie daraus wiederherstellen. Die 3-2-1-Regel hilft dabei: 3 Kopien der Daten, 2 verschiedene Medientypen (zum Beispiel Festplatte und Cloud) und 1 Kopie an einem anderen Standort. Die Cloud ist eine Online-Sicherung, meist in einem Rechenzentrum. Eine externe Festplatte kannst du nach dem Sichern vom Computer trennen, damit ein Angreifer die Kopie nicht löschen oder verschlüsseln kann.
Sichere regelmäßig. Für einen privaten PC kann eine monatliche Sicherung durchaus ausreichen. Teste auch, ob du die Daten wirklich zurückholen kannst. Die Festplatte überwacht sich außerdem selbst auf Zuverlässigkeit. Diese eingebaute Überwachung heißt S.M.A.R.T. Sie warnt aber nicht immer vor einem Ausfall: Das Wikibooks-Buch zur Computerhardware nennt, dass ein Drittel der Festplatten ohne vorherige S.M.A.R.T.-Warnung ausfällt. Verlass dich also nicht darauf.
| Speicher | Daten ohne Strom | Zugriffszeit |
|---|---|---|
| HDD | bleiben erhalten | mehrere Millisekunden |
| SSD | bleiben zunächst erhalten | wesentlich schneller als HDD |
| RAM | gehen verloren | wenige Nanosekunden |
Beispiel: Backup für den Hausaufgaben-Ordner (ausgedachtes Beispiel)
- 1Kopie 1: das Original auf dem PC
- 2Kopie 2: externe USB-Festplatte, nach dem Sichern vom PC getrennt und sicher aufbewahrt
- 3Kopie 3: Online-Sicherung in der Cloud, also außer Haus
- 4Medientypen: Festplatte und Cloud, also zwei verschiedene
- 5Danach: regelmäßig sichern und eine Datei zur Probe zurückholen
Definition
3-2-1-Regel
Die 3-2-1-Regel schützt vor Datenverlust: 3 Kopien, 2 verschiedene Medientypen, 1 Kopie an einem anderen Standort.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Festplatte
HDD
Magnetisches Speichermedium. Der Kopf magnetisiert die rotierende Scheibe, die Remanenz hält die Daten fest.
Spuren und Blöcke
Spuren sind Ringe, Blöcke sind ihre kleinen Einheiten. Es werden nur ganze Blöcke gelesen oder geschrieben.
Wahlfreier Zugriff
Man erreicht jede Stelle direkt, ohne den Speicher von vorn zu durchlaufen.
Kapazität
Blockgröße mal Anzahl der Blöcke, Blöcke gleich Köpfe mal Zylinder mal Sektoren pro Spur.
Latenzzeit
Im Mittel eine halbe Umdrehung, in ms gleich 30.000 geteilt durch die Drehzahl in U/min.
Backup
3 Kopien, 2 Medientypen, 1 anderer Standort, regelmäßig sichern und Rücksicherung testen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Kapazität und Latenzzeit einer ausgedachten Festplatte (erfundenes Beispiel)
- 1Ausgedacht: 2 Köpfe, 1000 Zylinder (Spuren je Oberfläche), 100 Sektoren pro Spur, 512 Byte pro Block
- 2Blöcke: 2 · 1000 · 100 = 200.000
- 3Kapazität: 200.000 · 512 Byte = 102.400.000 Byte
- 4Ausgedacht: Drehzahl 10.000 U/min
- 5Mittlere Latenzzeit: 30.000 : 10.000 = 3 ms
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Latenzzeit bei 7200 U/min In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die mittlere Latenzzeit ist nur die Zeit für eine halbe Umdrehung, nicht für eine ganze. Richtig: 8,3 ms : 2, also etwa 4,2 ms. Mit der Formel: 30.000 : 7200 ≈ 4,2 ms.
Lückentext
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Über die Schnittstelle liest und schreibt die Festplatte immer nur ganze . Nach der 3-2-1-Regel liegen die Daten in Ausführung vor, und eine Kopie liegt an einem anderen Standort. Eine Festplatte mit 7200 U/min braucht für eine volle Umdrehung etwa .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback