Informatik · Klasse 5–10 · aktualisiert
RAID einfach erklärt: Level, Schutz und Grenzen
Du lernst Striping, Spiegelung und Parität kennen, vergleichst RAID-Level und erfährst, warum ein RAID keine Datensicherung ersetzt.
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Kurz gesagt
RAID fasst mehrere Festplatten zu einem Laufwerk zusammen, für mehr Tempo oder mehr Ausfallsicherheit. Dafür gibt es Striping (Daten verteilen), Spiegelung (auf allen Platten dieselben Daten) und Parität (Zusatzinformation zum Rechnen). Ein RAID ersetzt aber keine Datensicherung.
Stell dir vor, deine Festplatte geht kaputt und alle Fotos sind weg. Mit mehreren Platten im Verbund kann ein Computer das manchmal verhindern oder schneller werden. Aber nicht jedes RAID schützt gleich gut, und kein RAID schützt vor allem. Hier lernst du, wie die Level funktionieren und wann du welches wählst.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein RAID fasst mehrere Festplatten zu einem logischen Laufwerk zusammen. „Logisch“ heißt: Für dich sieht der Verbund aus wie eine einzige Platte. Ein RAID soll mehr Ausfallsicherheit oder einen größeren Datendurchsatz (mehr Daten pro Sekunde) bieten als eine einzelne Platte.
Striping (englisch stripe: „Streifen“) kommt bei RAID 0 vor. Jede Platte wird in zusammenhängende Blöcke gleicher Größe aufgeteilt. Die Blöcke werden quasi im Reißverschlussverfahren angeordnet. Dadurch können alle Platten gleichzeitig arbeiten. Das macht das Lesen und Schreiben schneller. Bei RAID 0 gibt es aber keine Redundanz. Redundanz heißt: Informationen werden gezielt zusätzlich gespeichert.
Spiegelung gibt es bei RAID 1. Das RAID besteht aus mindestens zwei Platten, und auf allen Platten liegen die gleichen Daten. Das nennt man volle Redundanz. Fällt eine Platte aus, kann jede andere weiterhin alle Daten liefern. Wird die kaputte Platte ersetzt, stellt ein Rebuild (Wiederaufbau) den ursprünglichen Zustand wieder her.
Parität ist eine Zusatzinformation zum Rechnen. Ein Bit ist eine einzelne 0 oder 1. Beim Paritätsbit zählt man die 1-Bits in den Daten. Bei gerader Parität ergänzt das Zusatzbit diese Anzahl auf eine gerade Zahl: Ist die Anzahl der 1-Bits schon gerade, ist das Zusatzbit 0. Ist sie ungerade, ist es 1. Geht ein Bit verloren, kann man es aus den übrigen Bits und dem Zusatzbit berechnen. Bei RAID 5 liegt die Paritätsinformation verteilt auf allen Platten.
Definition
Parität
Eine Zusatzinformation, die angibt, ob die Anzahl der 1-Bits gerade oder ungerade ist. Bei gerader Parität ist das Zusatzbit 0, wenn die Anzahl der 1-Bits gerade ist, und 1, wenn sie ungerade ist.
Beispiel: Zwei Datenplatten und eine Platte für die Parität
- 1Die Datenplatten haben die Bits 0 und 1. Das ist eine 1, also eine ungerade Anzahl.
- 2Das Zusatzbit muss die Anzahl gerade machen. Es ist also 1.
- 3Jetzt geht das Bit der ersten Datenplatte verloren. Übrig sind: zweite Platte 1, Zusatzbit 1.
- 4Zwei 1-Bits sind schon eine gerade Anzahl. Das verlorene Bit kann keine 1 gewesen sein.
- 5Also war das verlorene Bit eine 0.
Merke: Striping verteilt die Daten für mehr Tempo. Spiegelung speichert überall dasselbe. Parität ist eine Zusatzinformation, mit der man ein verlorenes Bit berechnen kann.
Teste dich
Wir vergleichen zwei Dinge: den nutzbaren Platz (Kapazität) und die Ausfalltoleranz. Das ist die Zahl der Platten, die ausfallen dürfen, ohne dass Daten verloren gehen. Mit n meinen wir die Anzahl der Platten. TB (Terabyte) ist eine Einheit für Speicherplatz. Sind die Platten verschieden groß, zählt bei vielen Levels nur so viel wie die kleinste Platte.
RAID 0 nutzt alle n Platten für Daten. Es hat aber keine Redundanz. Fällt nur eine Platte aus, sind alle Daten verloren, auch die auf den anderen Platten. Je mehr Platten, desto höher die Ausfallwahrscheinlichkeit.
RAID 1 speichert auf jeder Platte dasselbe. Der nutzbare Platz ist höchstens so groß wie die kleinste Platte. Erst der Ausfall aller Platten führt zum Totalverlust.
RAID 5 nutzt Striping mit verteilter Parität. Der Platz beträgt (n − 1) × kleinste Platte. Beispiel: vier Platten à 1 TB ergeben (4 − 1) × 1 TB = 3 TB Nutzdaten und 1 TB Parität. Es darf höchstens eine Platte ausfallen. Bei intensivem Einsatz großer Platten kann der Wiederaufbau viele Stunden bis Tage dauern. Bei RAID 5 besteht währenddessen kein Schutz vor einem weiteren Ausfall.
RAID 6 funktioniert ähnlich wie RAID 5. Es verkraftet aber den gleichzeitigen Ausfall von bis zu zwei Platten. Der Platz beträgt n − 2 Platten, und es braucht mindestens vier Platten. Schreiben ist etwas langsamer als bei RAID 5.
RAID 10 ist ein RAID 0 über mehrere RAID 1. Es verbindet Sicherheit und mehr Tempo. Es braucht mindestens vier Platten und hat nur die Hälfte der gesamten Plattenkapazität zur Verfügung. Bei vier Platten übersteht es sicher den Ausfall einer Platte. Eine Wikibooks-Quelle nennt auch den Ausfall von zwei Platten ohne Datenverlust. Eine einfache Einzelzahl gibt es hier also nicht.
| Level | Nutzbarer Platz bei n gleich großen Platten | Ausfall ohne Datenverlust |
|---|---|---|
| RAID 0 | alle n Platten | keine Platte |
| RAID 1 | eine Platte (die kleinste) | bis zu n − 1 Platten |
| RAID 5 | n − 1 Platten | eine Platte |
| RAID 6 | n − 2 Platten (mindestens 4 Platten) | bis zu zwei Platten |
| RAID 10 | die Hälfte der Platten (mindestens 4) | bei 4 Platten sicher eine; eine Quelle nennt zwei |
Merke: Mehr Schutz kostet Platz: RAID 0 nutzt alle Platten, RAID 5 verliert eine, RAID 6 zwei, RAID 1 und RAID 10 etwa die Hälfte oder mehr.
Teste dich
Stelle dir zwei Fragen. Erstens: Wie wichtig ist es, dass bei einem Plattenausfall nichts verloren geht? Zweitens: Wie wird auf die Daten zugegriffen, also vor allem lesen, große Blöcke oder oft kleine Schreibvorgänge?
RAID 0 ist nur für Anwendungen zu empfehlen, bei denen Ausfallsicherheit nicht von Bedeutung ist. Es passt dort, wo in kurzer Zeit große Datenmengen vor allem gelesen werden, zum Beispiel bei Musik- oder Videowiedergabe.
RAID 1 passt, wo ein Ausfall teuer wäre, etwa in Firmen oder bei sicherheitskritischen Systemen. Es ist aber teuer: Für vier Platten mit Daten bräuchtest du vier weitere zum Spiegeln.
RAID 5 bietet mehr Lesetempo und Redundanz bei relativ geringen Kosten und ist deshalb sehr beliebt. RAID 5 und RAID 6 passen besonders gut, wenn Daten in großen Blöcken verarbeitet werden oder Lesezugriffe dominieren, etwa bei Bild- und Videobearbeitung und bei Archiven. Ein Archiv ist ein Speicher für Daten, die man lange aufbewahrt. RAID 6 nimmst du für noch höhere Ansprüche an die Sicherheit.
RAID 10 ist die bessere Wahl, wenn es häufig Schreibzugriffe auf kleine Datenmengen gibt, die nicht der Reihe nach laufen. Beispiele sind ein gut ausgelasteter Mailserver oder eine Datenbank, mit der Nutzer arbeiten. Ein Mailserver ist ein Computer, der E-Mails annimmt und speichert. Eine Datenbank ist eine geordnete Sammlung von Daten. Bei RAID 10 bleibt weniger nutzbarer Platz als bei RAID 5.
Das ist nur eine Auswahl nach der Anforderung. Eine Datensicherung brauchst du bei jedem Level zusätzlich (mehr dazu im nächsten Abschnitt).
Beispiel: Mailserver der Schule (ausgedachter Fall)
- 1Ausgedachter Fall: Ein Schulserver (ein Computer, der E-Mails speichert) nimmt den ganzen Tag viele kleine Nachrichten an.
- 2Frage 1: Ein Ausfall wäre ärgerlich, also soll Redundanz vorhanden sein. RAID 0 scheidet aus.
- 3Frage 2: Es gibt oft kleine Schreibzugriffe. Dafür ist RAID 10 die bessere Wahl.
- 4Preis dafür: RAID 10 braucht mindestens vier Platten und nutzt nur die Hälfte des Platzes.
Merke: Erst fragen: Wie wichtig ist Ausfallsicherheit? Dann: Wird vor allem gelesen oder oft klein geschrieben? Danach wählst du den Level.
Teste dich
Eine Datensicherung (englisch Backup) ist mindestens eine Kopie der Daten auf anderen Datenträgern. Mit ihr kann man die Originaldaten wiederherstellen, wenn sie verloren gehen. Ein RAID erzeugt zwar gezielt Redundanz, aber diese Redundanz darf nicht mit einer Datensicherung gleichgesetzt werden.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens: Fehler werden mitgespiegelt. Versehentliche oder fehlerhafte Schreibvorgänge (Viren, Stromausfall, Benutzerfehler) übertragen sich augenblicklich auf die Spiegelplatte. Zweitens: Ein Wikibooks-Autor schreibt, die meisten Daten gingen durch andere Ursachen verloren. Nach seiner Angabe werden weniger als 10 % aller Datenverluste durch einen Festplattenausfall verschuldet. Ein RAID schützt nur vor dem Ausfall einer Festplatte. Drittens: Ein Fehler im Netzteil oder ein Blitzeinschlag in der Nähe kann beide Platten gleichzeitig zerstören. Viertens: Platten aus fehlerhaften Serien können zeitnah mehrfach ausfallen. Solche Mehrfachfehler lassen sich üblicherweise nur durch das Zurückspielen von Datensicherungen ausgleichen.
Deshalb gilt: Bewahre Sicherungen räumlich getrennt vom Computer auf. So schützen sie auch bei Feuer oder Hochwasser. Die 3-2-1-Regel hilft: Du hast die Daten in dreifacher Ausführung (3), auf zwei verschiedenen Medientypen (2), eine Kopie an einem anderen Standort (1) und eine Kopie offline (1). Offline heißt: komplett vom Netzwerk getrennt, zum Beispiel eine externe Festplatte, die vom System getrennt wird. So kann kein Angreifer die Sicherung löschen oder verschlüsseln. Teste die Sicherung außerdem regelmäßig: Der sichere Beweis ist, dass sich die Daten vollständig zurückholen lassen.
Definition
Datensicherung
Das Anlegen mindestens einer Kopie der Daten auf anderen Datenträgern, damit man bei einem Datenverlust die Originaldaten wiederherstellen kann.
Merke: Ein RAID hält den Betrieb bei manchen Plattenausfällen am Laufen. Es schützt aber nur vor dem Ausfall einer Festplatte. Gegen Fehler, Viren und Feuer braucht man zusätzlich eine unabhängige Datensicherung.
Teste dich
Alles auf einen Blick
RAID
Striping
Daten in Blöcken auf mehrere Platten verteilen, für mehr Tempo
Spiegelung
Auf allen Platten liegen die gleichen Daten
Parität
Zusatzinformation, mit der ein verlorenes Bit berechnet werden kann
Vergleich
RAID 0 hat keinen Schutz, RAID 5 verkraftet eine Platte, RAID 6 bis zu zwei
Auswahl
Erst Sicherheit und Zugriffsart klären, dann den Level wählen
Backup
Ein RAID ersetzt keine Datensicherung, sie liegt am besten getrennt vom PC
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Archiv eines Vereins (ausgedachtes Beispiel)
- 1Ausgedachte Aufgabe: Ein Verein hat vier Platten à 2 TB für ein Archiv. Meist wird nur gelesen. Er möchte möglichst viel Platz und nur einen Plattenausfall verkraften.
- 2Schritt 1: Bei Archiven mit vielen Lesezugriffen passen RAID 5 und RAID 6.
- 3Schritt 2: RAID 5 bietet (4 − 1) × 2 TB = 6 TB nutzbaren Platz. Eine Platte darf ausfallen.
- 4Schritt 3: RAID 6 bietet (4 − 2) × 2 TB = 4 TB nutzbaren Platz. Zwei Platten dürfen gleichzeitig ausfallen. Vier Platten sind das Minimum, das reicht hier gerade.
- 5Schritt 4: Ein Ausfall genügt, und mehr Platz ist gewünscht. Also wählt der Verein RAID 5.
- 6Schritt 5: Eine Datensicherung bleibt trotzdem nötig.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu drei Platten à 1 TB In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Platten werden bei der Spiegelung nicht addiert. Richtig: RAID 1 hat höchstens so viel Platz wie die kleinste Platte, hier also 1 TB.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Fällt bei RAID 1 eine Platte aus, kann jede andere weiterhin liefern. Ein RAID 5 aus sechs gleich großen Platten à 1 TB bietet nutzbar . Bei Brand oder Hochwasser bleibt eine Sicherung am ehesten erhalten, wenn sie liegt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback