Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Territorialstaat: Herrschaft über Gebiete verstehen
Du lernst, wie Herrschaft über Gebiete entstand, welche Rolle persönliche Bindungen spielten und warum ein Herrschaftsanspruch noch keine Durchsetzung beweist.
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Kurz gesagt
Ein Territorialstaat knüpft Herrschaft vor allem an ein Gebiet und dessen Bevölkerung. Regeln sollen innerhalb dieses Gebiets gelten. Persönliche Verpflichtungen und andere Rechte konnten dabei weiterbestehen.
Für wen soll eine Regel gelten: für die Bewohner eines Gebiets oder für Menschen, die einem Herrn persönlich verpflichtet sind? Diese Frage hilft dir, unterschiedliche Formen von Herrschaft zu verstehen. Dabei musst du auch prüfen, ob eine verlangte Regel tatsächlich durchgesetzt wurde.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Territorialstaat knüpft Herrschaft vor allem an ein bestimmtes Gebiet und dessen Bevölkerung. Ein Herrscher beansprucht, dass seine Regeln innerhalb dieses Gebiets gelten sollen. Das Wort „Territorium“ bedeutet Gebiet.
Diesen Bezug auf ein Gebiet nennt man Territorialitätsprinzip. Es beschreibt zunächst, für welchen Raum Regeln gelten sollen. Ob die Regeln dort tatsächlich durchgesetzt werden, ist eine weitere Frage.
Definition
Territorialstaat
Eine Form von Herrschaft, bei der vor allem ein Gebiet und dessen Bevölkerung im Mittelpunkt stehen.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Regel für ein Gebiet
- 1Ein Herrscher erklärt: Seine neue Regel soll für alle Bewohner seines Gebiets gelten.
- 2Der Anspruch bezieht sich auf ein Gebiet und dessen Bevölkerung.
- 3Damit ist noch nicht bewiesen, dass die Regel überall befolgt wird.
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Beim Personenverbandsstaat stehen persönliche Bindungen und Rechte gegenüber Personen im Mittelpunkt. Entscheidend ist etwa, wer einem Herrn persönlich verpflichtet ist. Beim Territorialstaat stehen dagegen vor allem ein Gebiet und dessen Bevölkerung im Mittelpunkt.
Beide Begriffe sind Denkmodelle: Sie helfen dir, Herrschaft zu beschreiben und zu vergleichen. Sie bedeuten nicht, dass persönliche Bindungen und Herrschaft über Gebiete sauber getrennt waren.
Auch spätere Landesherren verlangten von ihren Untertanen Eide. Landesherren waren die Herrscher eines Landes; Untertanen waren die Menschen unter ihrer Herrschaft. Ein Eid ist ein feierliches Versprechen. Gebietsbezogene Herrschaft und persönliche Verpflichtungen konnten nebeneinander bestehen.
| Denkmodell | Was steht im Mittelpunkt? |
|---|---|
| Territorialstaat | Vor allem ein Gebiet und dessen Bevölkerung |
| Personenverbandsstaat | Persönliche Bindungen und Rechte gegenüber Personen |
Merke: Die beiden Denkmodelle setzen unterschiedliche Schwerpunkte. In der Wirklichkeit konnten sich die beschriebenen Formen von Herrschaft verbinden.
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Seit dem Mittelalter wurden unterschiedliche Rechte stärker zusammengeführt. Dazu gehörten Rechte über Gerichte, über Abgaben und darüber, wer zum Kriegsdienst aufgerufen werden durfte. Abgaben waren Leistungen, die Menschen ihrem Herrn geben mussten. Wer solche Rechte bündelte, baute damit seine Herrschaft aus.
Nicht nur Fürsten, also hochrangige Herrscher, bauten Herrschaft über Gebiete aus. Auch Städte, Bischöfe als kirchliche Leiter und Klöster als religiöse Gemeinschaften taten dies.
Herrschaftsgebiete konnten durch Kauf, Erbe oder Eroberung größer werden.
Für die Verwaltung halfen schriftlich festgehaltene Rechte, Kanzleien und eingesetzte Amtsträger. Kanzleien waren Schreibstellen der Herrschaft. Amtsträger übernahmen bestimmte Aufgaben für den Herrn. Der Wunsch nach einheitlichen Regeln beseitigte andere Rechte jedoch nicht sofort.
| Aufgabe | Mögliche Mittel |
|---|---|
| Herrschaft ausbauen | Rechte über Gerichte, Abgaben und Kriegsdienst zusammenführen |
| Gebiete vergrößern | Kauf, Erbe oder Eroberung |
| Gebiete verwalten | Schriftliche Rechtsaufzeichnungen, Kanzleien und Amtsträger |
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Ein Herrschaftsanspruch sagt, was ein Herrscher bestimmen möchte. Tatsächliche Durchsetzung bedeutet, dass seine Regeln auch wirksam werden. Eine verkündete Regel allein beweist das noch nicht. Du musst zusätzlich prüfen, welche Amtsträger sie umsetzen sollten, welche anderen Rechte bestanden und ob es Widerstand gab.
Ein Beispiel ist die Stadt Bern in den Jahren 1469–1471. Bern wollte seine übergeordnete Herrschaft ausbauen. Örtliche Gerichtsherren, also Inhaber von Rechten über Gerichte vor Ort, verteidigten dagegen ihre eigenen Rechte.
Nach Konflikten kam es zu Vermittlung und einem neuen Vertrag. Bern konnte seinen Anspruch also nicht einfach mit seiner Durchsetzung gleichsetzen. Die Stadt musste sich mit anderen Inhabern von Rechten auseinandersetzen.
Definition
Herrschaftsanspruch
Der Anspruch, über bestimmte Menschen oder ein Gebiet bestimmen zu dürfen. Ob dieser Anspruch tatsächlich durchgesetzt wird, muss gesondert geprüft werden.
Merke: Frage getrennt: Was sollte gelten? Und was wurde tatsächlich umgesetzt?
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Alles auf einen Blick
Territorialstaat
Gebiet
Ein Territorialstaat knüpft Herrschaft vor allem an ein Gebiet und dessen Bevölkerung.
Personen
Beim Personenverbandsstaat stehen persönliche Bindungen und Rechte gegenüber Personen im Mittelpunkt.
Nebeneinander
Gebietsbezogene Herrschaft und persönliche Verpflichtungen konnten zusammen bestehen.
Ausbau
Das Bündeln von Rechten und die Verwaltung von Gebieten stärkten territoriale Herrschaft.
Durchsetzung
Ein Anspruch auf Herrschaft beweist noch nicht, dass die verlangten Regeln umgesetzt wurden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Berns Streit mit den Gerichtsherren erklären
- 1Aufgabe: Erkläre an Bern 1469–1471, warum ein Herrschaftsanspruch noch keine Durchsetzung beweist.
- 2Anspruch bestimmen: Die Stadt wollte ihre übergeordnete Herrschaft ausbauen.
- 3Gegenüber benennen: Örtliche Gerichtsherren verteidigten ihre eigenen Rechte.
- 4Verlauf beachten: Nach Konflikten kam es zu Vermittlung und einem neuen Vertrag.
- 5Ergebnis formulieren: Bern musste sich mit anderen Inhabern von Rechten auseinandersetzen. Der Anspruch allein beweist deshalb noch keine Durchsetzung.
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Fehler in Zeile 2Das Wort „nicht“ macht die Aussage falsch. Richtig: Gebietsbezogene Herrschaft und persönliche Verpflichtungen konnten nebeneinander bestehen.
Lückentext
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Territoriale Herrschaft wurde seit dem durch das Bündeln verschiedener Rechte ausgebaut. In Bern wollte 1469–1471 eine ihre übergeordnete Herrschaft ausbauen. Eine gedachte Regel nur für Menschen, die einem Herrn persönlich verpflichtet sind, passt zum Denkmodell .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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