Geschichte · Klasse 9–11 · aktualisiert
Schengener Abkommen: offene Grenzen verstehen
Du lernst, wie Schengen entstand, welche Grenzen es öffnet und wie Reisefreiheit, Sicherheit und Menschenrechte zusammenhängen.
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Kurz gesagt
Die Schengener Abkommen ermöglichen grundsätzlich Reisen ohne feste Personenkontrollen zwischen den Teilnehmerstaaten. Dafür gelten gemeinsame Regeln an den Außengrenzen und eine engere Polizeizusammenarbeit. Zollkontrollen können bestehen bleiben.
Eine Grenze zu überqueren bedeutet im Schengen-Raum oft, ohne Passkontrolle weiterzureisen. Trotzdem können Waren kontrolliert werden. Du erfährst, warum das zusammenpasst und welche Konflikte offene Grenzen mit sich bringen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Am 14. Juni 1985 unterzeichneten Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg das erste Schengener Abkommen. Diese fünf Länder gehörten zu den Europäischen Gemeinschaften, kurz EG, dem damaligen europäischen Zusammenschluss. Der Name stammt vom Unterzeichnungsort Schengen in Luxemburg. Das Abkommen sollte vor allem den europäischen Binnenmarkt voranbringen, also einen gemeinsamen Wirtschaftsraum.
Die Unterschrift bedeutete noch nicht, dass die Grenzkontrollen sofort entfielen. Am 19. Juni 1990 vereinbarten die fünf Staaten im Schengener Durchführungsübereinkommen die konkreten rechtlichen und technischen Verfahren zur Umsetzung.
Der Vertrag von Amsterdam vom 2. Oktober 1997 legte fest, die Schengen-Regeln in das Recht der Europäischen Union, kurz EU, aufzunehmen. Die EU ist ein Zusammenschluss europäischer Staaten. Diese Änderung trat am 1. Mai 1999 in Kraft. Seitdem entwickeln die Einrichtungen der EU das Schengenrecht weiter.
Für neu beitretende EU-Staaten ist das Schengenrecht bindend. Der tatsächliche Wegfall der Grenzkontrollen braucht aber eine gesonderte Prüfung: Die Kontrolle der Außengrenzen und das gemeinsame Informationssystem müssen die Anforderungen erfüllen. Irland setzte bei der Einbindung in das EU-Recht eine Ausnahme durch und wendet nur einen Randbereich der Regeln an.
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 14. Juni 1985 | Fünf EG-Staaten unterzeichnen das erste Abkommen. |
| 19. Juni 1990 | Die fünf Staaten vereinbaren konkrete Verfahren zur Umsetzung. |
| 2. Oktober 1997 | Der Vertrag von Amsterdam legt die Aufnahme in das EU-Recht fest. |
| 1. Mai 1999 | Die Aufnahme in das EU-Recht tritt in Kraft. |
Merke: Eine rechtliche Vereinbarung und ihre vollständige praktische Umsetzung sind unterschiedliche Schritte.
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Der Schengen-Raum umfasst die Gebiete, in denen die gemeinsamen Regeln vollständig angewendet werden. Binnengrenzen liegen zwischen den teilnehmenden Staaten. Dort entfallen grundsätzlich die festen Personenkontrollen beim Grenzübertritt. Stichproben hinter der Grenze bleiben möglich. Außengrenzen trennen den Schengen-Raum von Staaten außerhalb dieses Raums. Dort werden Personen nach gemeinsamen Standards kontrolliert.
Eine Zollgrenze betrifft dagegen Waren. Eine Zollunion verbindet Staaten durch gemeinsame Zollregeln. Schengen hat Zollkontrollen nicht abgeschafft. Bei der Einreise in einen Schengen-Staat außerhalb der Europäischen Zollunion müssen Reisende Waren anmelden, wenn diese die dort geltenden Freigrenzen überschreiten. Freigrenzen legen fest, bis zu welchen Mengen oder Werten Waren ohne diese Anmeldung mitgeführt werden dürfen.
Die Schweiz gehört zum Schengen-Raum, aber nicht zur EU. Sie bildet mit der EU auch keine Zollunion. Deshalb bleiben Warenkontrollen bestehen. Dabei sind weiterhin stichprobenartige Personenkontrollen möglich. Auch Island, Norwegen und Liechtenstein nehmen ohne EU-Mitgliedschaft an Schengen teil. Umgekehrt gehört das EU-Mitglied Zypern noch nicht zum Raum ohne Binnengrenzkontrollen. EU-Mitgliedschaft und volle Schengen-Teilnahme sind also nicht dasselbe. Für bestimmte Gebiete außerhalb Europas gelten Sonderregeln.
Der Wegfall der Kontrollen konnte nach Verkehrswegen gestaffelt sein. In Polen und weiteren damals neu hinzukommenden Ländern wurden die Land- und Seegrenzen am 21. Dezember 2007 geöffnet. An den Flughäfen wurden die Kontrollen am 30. März 2008 umgestellt. Bei Rumänien und Bulgarien entfielen die Passkontrollen zu anderen Schengen-Staaten auf dem Luft- und Seeweg am 31. März 2024. Auf dem Landweg entfielen sie am 1. Januar 2025.
Definition
Personenkontrolle und Zollkontrolle
Eine Personenkontrolle prüft die reisende Person und ihre Einreiseberechtigung. Eine Zollkontrolle betrifft mitgeführte Waren. Deshalb können beide Arten von Kontrollen unterschiedlichen Regeln folgen.
Beispiel: Die Schweiz: Schengen und Zoll unterscheiden
- 1Die Schweiz nimmt an Schengen teil, ohne Mitglied der EU zu sein.
- 2Mit der EU bildet sie keine Zollunion. Warenkontrollen bleiben deshalb bestehen.
- 3Aus der Schengen-Teilnahme folgt somit nicht, dass Waren ohne Zollregeln über die Grenze gebracht werden dürfen.
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Schengen verbindet den Abbau fester Personenkontrollen im Inneren mit gemeinsamen Sicherheitsmaßnahmen. An den Außengrenzen gelten einheitliche Standards für Personenkontrollen.
Die Teilnehmer nutzen das Schengener Informationssystem, kurz SIS. In diesem elektronischen Fahndungsverbund können Behörden Informationen für ihre Suche nach Personen austauschen. Das System enthält auch Einträge zur Verweigerung der Einreise, die auf einer nationalen Entscheidung beruhen. Eine solche Entscheidung kann damit für den gesamten Schengen-Raum Bedeutung haben.
Ohne feste Kontrollen an den Binnengrenzen können sich auch Straftäter leichter über Grenzen hinweg bewegen. Deshalb wurde die Zusammenarbeit der Polizei verstärkt. Dazu gehören leichterer Informationsaustausch, gemeinsame Streifen im Grenzraum sowie Möglichkeiten, Straftäter über Grenzen hinweg zu beobachten oder zu verfolgen. Einige Länder erweiterten außerdem die Kontrollbefugnisse ihrer Polizei im Inland.
Gemeinsame Regeln erleichtern zugleich erlaubte Reisen. Ein Visum ist eine behördliche Erlaubnis zur Einreise und zum Aufenthalt. Erteilt ein Teilnehmerstaat ein einheitliches Schengen-Visum, erlaubt dieses einen Kurzaufenthalt in allen Schengen-Staaten. Es muss dafür nicht in jedem Teilnehmerstaat ein eigenes Visum beantragt werden.
Definition
Schengener Informationssystem
Das SIS ist ein elektronischer Fahndungsverbund. Es unterstützt den Informationsaustausch zwischen den beteiligten Behörden.
Merke: Der Wegfall fester Personenkontrollen im Inneren wird mit gemeinsamen Kontrollen an den Außengrenzen und engerer Polizeizusammenarbeit verbunden.
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Ein Vorteil von Schengen ist die erleichterte Reise zwischen Teilnehmerstaaten. Schon das erste Abkommen sollte vor allem einen gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraum fördern. Dem steht die Aufgabe gegenüber, Sicherheit über Ländergrenzen hinweg zu organisieren. Für ein begründetes Urteil kannst du deshalb fragen: Wie gut werden Reisefreiheit und Sicherheit miteinander verbunden?
Seit der Flüchtlingskrise 2015/2016 führten mehrere europäische Länder wieder Kontrollen an Binnengrenzen durch. Einzelne Mitgliedstaaten sahen die Sicherung der Außengrenzen gefährdet. Wegen der COVID-19-Pandemie waren von März bis Juni 2020 zahlreiche Grenzen zwischen Mitgliedstaaten geschlossen. COVID-19 ist eine Erkrankung; eine Pandemie bezeichnet ihre Ausbreitung über viele Länder. Im Februar 2021 kam es erneut zu Grenzschließungen wegen der Pandemie.
Im Mai 2024 nahm der Rat der EU eine Reform der gemeinsamen Grenzregeln an. Danach bleiben Kontrollen an Binnengrenzen das letzte Mittel. Ein Staat muss vorher prüfen, ob etwa Polizeikontrollen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit sein Ziel ebenfalls erreichen. Angekündigte Kontrollen dürfen höchstens zwei Jahre dauern. Nur in besonderen Ausnahmefällen dürfen sie zweimal um sechs Monate verlängert werden.
Auch der Umgang mit Menschen an den Außengrenzen gehört zur Beurteilung. Staaten sollen diese Grenzen kontrollieren und unerlaubte Einreisen bekämpfen. Menschen, die sie dennoch unerlaubt überqueren wollen, nehmen teure kriminelle Schleuser in Anspruch oder riskieren ihr Leben. Schleuser organisieren unerlaubte Grenzübertritte. Nach Angaben von Pro Asyl kamen an der deutschen Ostgrenze von 1993 bis 2003 etwa 145 Personen beim versuchten Grenzübertritt ums Leben. An der Schengen-Südgrenze, insbesondere bei Gibraltar und in der Ägäis, kamen zwischen 1994 und 2004 über 5.000 Menschen um. Bürger- und Menschenrechtsinitiativen kritisieren die Folgen der Grenzsicherung. Streit besteht auch über die Rettung von Menschen in Seenot und die Verteilung von Flüchtlingen, die bleiben dürfen.
Ein begründetes Urteil nennt daher einen Maßstab und passende Belege. Du kannst die erleichterte Reise als Vorteil bewerten und zugleich fragen, wie Sicherheit und der Schutz von Menschenleben gewährleistet werden. Dass Kontrollen einem Sicherheitsziel dienen, beantwortet noch nicht jede Frage nach ihren Folgen.
Merke: Ein begründetes Urteil berücksichtigt Reisefreiheit, Sicherheitsziele und den Schutz von Menschenleben. Nenne, welchen Maßstab du verwendest und welche Tatsachen dein Urteil stützen.
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Alles auf einen Blick
Schengener Abkommen
Entwicklung
Auf das erste Abkommen folgten konkrete Umsetzungsregeln und die Aufnahme in das EU-Recht.
Grenzen
Der grundsätzliche Wegfall fester Personenkontrollen beseitigt keine Zollregeln für Waren.
Teilnahme
EU-Mitgliedschaft und volle Teilnahme am Schengen-Raum sind nicht dasselbe.
Sicherheit
Gemeinsame Außengrenzkontrollen und Polizeizusammenarbeit ergänzen die Reisefreiheit.
Urteil
Chancen für Reisende müssen zusammen mit Sicherheitsfragen und Gefahren für Menschen an den Außengrenzen betrachtet werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Grenzöffnung in Polen zeitlich einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, weshalb die Grenzöffnung in Polen nicht mit einem einzigen Datum vollständig beschrieben ist.
- 2Ersten Schritt bestimmen: Am 21. Dezember 2007 wurden die Land- und Seegrenzen geöffnet.
- 3Zweiten Schritt bestimmen: An den Flughäfen wurden die Kontrollen am 30. März 2008 umgestellt.
- 4Ergebnis formulieren: Die Umsetzung erfolgte nach Verkehrswegen gestaffelt. Für eine genaue zeitliche Aussage musst du den Verkehrsweg nennen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Rumänien und Bulgarien In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die letzte Aussage überträgt das Datum für Luft- und Seewege auf die Landwege. Richtig: Auf dem Landweg entfielen die Passkontrollen zu anderen Schengen-Staaten am 1. Januar 2025.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das erste Schengener Abkommen wurde am 14. Juni unterzeichnet. Die Aufnahme der Schengen-Regeln in das EU-Recht trat am 1. Mai in Kraft. Das EU-Mitglied gehört noch nicht zum Raum ohne Binnengrenzkontrollen.
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