Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Hexenverfolgung: Ursachen, Prozesse und Folgen
Du lernst, wann Hexenverfolgungen stattfanden, wie Krisen und Gerichtsverfahren sie verstärkten und welche verbreiteten Vorstellungen falsch sind.
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Kurz gesagt
Bei Hexenverfolgungen wurden Menschen wegen angeblicher Zauberei festgenommen, gefoltert und hingerichtet. In Europa fanden sie überwiegend von 1450 bis 1750 statt. Krisen, Streit und unter Folter erzwungene Aussagen konnten die Verfolgung ausweiten.
Ein Gerücht konnte Menschen vor Gericht bringen. Unter Folter nannten Beschuldigte weitere Namen, und neue Menschen gerieten in Gefahr. Du untersuchst, wie solche Verfolgungen entstanden und warum verbreitete Vorstellungen darüber nicht stimmen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Bei der Hexenverfolgung wurden Menschen festgenommen, gefoltert und hingerichtet. Ihre Verfolger glaubten, sie könnten zaubern oder hätten sich mit dem Teufel verbunden. Der Teufel galt in diesem religiösen Glauben als mächtiges böses Wesen. Ein solcher Vorwurf war kein Beweis für tatsächliche Zauberei.
Die europäischen Hexenverfolgungen fanden überwiegend von 1450 bis 1750 statt. Diese Zeit gehört zur Frühen Neuzeit, dem Zeitabschnitt nach dem Mittelalter. Die Vorstellung, die Verfolgungen hätten hauptsächlich im Mittelalter stattgefunden, ist falsch.
Ihre Höhepunkte erreichten die Verfolgungen zwischen 1550 und 1650, in Österreich bis 1680. Besonders stark betroffen waren das Heilige Römische Reich, ein damaliges Reich mit vielen einzelnen Herrschaftsgebieten, und seine Nachbargebiete. Um 1700 waren Hexenverfolgungen bereits selten geworden. Die Zeitangaben bedeuten also nicht, dass überall gleich viele Menschen verfolgt wurden.
Definition
Frühe Neuzeit
So heißt der Zeitabschnitt nach dem Mittelalter. In ihm lagen die meisten europäischen Hexenverfolgungen.
Merke: Unterscheide den längeren Zeitraum der Verfolgungen von ihren Höhepunkten. Auch die Unterschiede zwischen Gebieten sind wichtig.
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Es gab mehrere Ursachen, die zusammenwirken konnten. Ab dem 15. Jahrhundert trug die Kleine Eiszeit, eine Zeit ungünstigen Klimas in Europa, zur Verunsicherung bei. Unwetter, Probleme in der Landwirtschaft, steigende Preise und Hunger bedrohten Menschen. Auch Krankheiten und Kriege machten ihnen Angst. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 kam es in Mitteleuropa vermehrt zu Hexenprozessen. Ein Prozess ist ein Verfahren vor Gericht.
Religiöse Vorstellungen konnten dieser Angst eine Richtung geben. Manche Prediger verbreiteten Lehren über böse Geister und Hexen. Frauenfeindliche Vorstellungen ließen Frauen häufig als besonders anfällig für den Teufel erscheinen. Streit zwischen religiösen Gruppen, Streit in Familien oder um Besitz konnten Verfolgungen auslösen. Auch der Wunsch, einen ungeliebten Außenseiter loszuwerden, konnte dazu führen. Menschen suchten Sündenböcke: Sie machten andere für ihre Not verantwortlich.
Viele Verfolgungswellen gingen von Menschen aus der Bevölkerung aus. Doch die Herrscher mussten bereit sein, Verfahren zu fördern oder wenigstens zu dulden und ihre Gerichte dafür einzusetzen. Die Verfahren wurden in erster Linie von Stellen der Herrscher betrieben und vor staatlichen Gerichten verhandelt. In kleinen Herrschaftsgebieten waren Richter oft schlecht ausgebildet. Häufig fehlte dort ein geregelter Weg, ihre Urteile durch ein höheres Gericht prüfen zu lassen. So konnten Angst, Beschuldigungen und Schwächen der Gerichte zusammenwirken.
Ein Beispiel für einen Streit ist Katharina Kepler. Eine Nachbarin bezeichnete sie 1615 in Württemberg nach einem Streit als Hexe. Katharina Kepler wurde über ein Jahr gefangen gehalten und mit Folter bedroht. Ihr Sohn Johannes Kepler, ein Erforscher der Sterne, setzte sich für sie ein. Durch seine Bemühungen wurde sie schließlich freigesprochen.
Merke: Not konnte Menschen verunsichern. Religiöse Vorstellungen und persönliche Konflikte konnten Beschuldigungen fördern. Für Gerichtsverfahren mussten auch die Herrscher mitwirken oder sie dulden.
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Einer Anklage gingen oft jahrelange Gerüchte voraus. Vor Gericht war ein Geständnis wichtig: Der Beschuldigte sollte zugeben, die vorgeworfene Tat begangen zu haben. Richter ließen Menschen mit Folter bedrohen oder foltern. Folter bedeutet, einem Menschen absichtlich schwere Schmerzen zuzufügen. Damit wurden Aussagen erzwungen.
Richter fragten Beschuldigte auch nach weiteren angeblichen Beteiligten. Eine solche Beschuldigung anderer Menschen hieß Besagung. Unter Folter nannten Angeklagte Bekannte, um die Schmerzen zu beenden. Dadurch konnten weitere Menschen angeklagt werden. Wurden auch sie nach Namen gefragt und gefoltert, konnte die Liste weiter wachsen. So entstanden Kettenprozesse: Ein Verfahren zog weitere nach sich.
Gerichte nutzten solche Aussagen als Hinweise auf Schuld. Dabei widersprach diese Vorgehensweise den üblichen Regeln für Gerichtsverfahren. Auch verbotene Fragen, die bereits bestimmte Namen vorgaben, wurden häufig gestellt. Regeln zum Schutz der Beschuldigten wurden also in der Praxis missachtet.
Viele bisher Unbeteiligte hielten die erzwungenen Geständnisse für eine Bestätigung des Hexenglaubens. Je stärker die Verfolgung in einem Gebiet anwuchs, desto gefährlicher wurde es, die Verfahren zu kritisieren. Deshalb wurde weniger Kritik geübt. Neben den Hingerichteten gab es viele Menschen, die zu Haft verurteilt wurden oder deren Besitz eingezogen wurde.
Der Bürgermeister Johannes Junius wurde 1628 in Bamberg verbrannt. In einem Brief aus der Gefangenschaft berichtete er seiner Tochter Veronika, dass Helfer des Henkers ihn zu einem erfundenen Geständnis aufgefordert hatten. Er sollte etwas zugeben, auch wenn er unschuldig war.
Definition
Besagung
Ein bereits Beschuldigter nannte weitere Menschen als angebliche Beteiligte. Solche Aussagen wurden oft unter Folter erzwungen.
Beispiel: Was zeigt der Bericht von Johannes Junius?
- 1Johannes Junius berichtete seiner Tochter von der Aufforderung, etwas Ausgedachtes zu gestehen.
- 2Sein Bericht zeigt den Druck auf einen Gefangenen: Er sollte auch als Unschuldiger ein Geständnis ablegen.
- 3Ein unter solchem Druck entstandenes Geständnis beweist die behauptete Tat nicht.
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Häufig heißt es, nur Frauen seien verfolgt worden. Tatsächlich waren etwa 70 bis 80 Prozent der Opfer der europäischen Hexenverfolgung Frauen. Es gab also auch männliche Opfer. Die Verteilung unterschied sich nach Zeit und Gebiet. Auch die Zahl von neun Millionen Hingerichteten ist falsch. Nach heutigen Schätzungen auf Grundlage vieler Gerichtsakten forderten die Verfolgungen in ganz Europa etwa 40.000 bis 60.000 Todesopfer. Gerichtsakten sind schriftliche Aufzeichnungen über Verfahren. Frühere Angaben von mehreren Hunderttausend Todesopfern beruhten auf überhöhten Schätzungen.
Auch die Vorstellung, eine einzige kirchliche Stelle habe die Verfolgung überall gesteuert, stimmt nicht. Die Verfahren wurden in erster Linie von Stellen der Herrscher betrieben und vor staatlichen Gerichten verhandelt. Innerhalb der Kirchen gab es sowohl Unterstützer als auch Gegner der Verfolgung. Zwischen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten christlichen Glaubensrichtung und der Stärke der Verfolgung bestand kein eindeutiger Zusammenhang.
Heinrich Kramer war ein Geistlicher, also ein Mann mit einem religiösen Amt in der Kirche. Er veröffentlichte 1486 den „Hexenhammer“, ein Buch über seine Vorstellungen von Hexen. Das Werk erhielt keine kirchliche Anerkennung und ersetzte auch nicht die Entscheidungen der staatlichen Gerichte. Trotzdem beeinflusste es Vorstellungen und die Arbeit von Gerichten. Einfluss ist also nicht dasselbe wie die Anerkennung als verbindliche Regel.
Kritik gab es bereits seit dem Beginn der Verfolgungen in der Frühen Neuzeit. Der Arzt Johann Weyer wandte sich gegen den Hexenglauben. Er begründete seine Kritik mit seinem Glauben an Gottes umfassende Macht. Religiöser Glaube führte somit nicht bei jedem zur Unterstützung der Verfolgung.
Merke: Prüfe pauschale Behauptungen: Frauen waren die Mehrheit der Opfer, aber auch Männer wurden verfolgt. In den Kirchen gab es Unterstützer und Gegner.
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Alles auf einen Blick
Hexenverfolgung
Zeit
Die europäischen Hexenverfolgungen fanden überwiegend von 1450 bis 1750 statt.
Ursachen
Not, religiöse Vorstellungen und persönliche Konflikte konnten zusammenwirken.
Gerichte
Herrscher mussten Verfahren fördern oder wenigstens dulden.
Ausweitung
Unter Folter erzwungene Besagungen konnten weitere Verfahren auslösen.
Prüfung
Frauen waren die Mehrheit der Opfer; die Verfolgung betraf aber auch Männer.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Fall Katharina Kepler Schritt für Schritt erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie aus einem Streit eine Verfolgung wurde und wie das Verfahren ausging.
- 2Ausgangspunkt bestimmen: Eine Nachbarin bezeichnete Katharina Kepler 1615 in Württemberg nach einem Streit als Hexe.
- 3Folgen nennen: Katharina Kepler wurde über ein Jahr gefangen gehalten und mit Folter bedroht.
- 4Ausgang erklären: Ihr Sohn Johannes Kepler setzte sich für sie ein. Durch seine Bemühungen wurde sie schließlich freigesprochen.
- 5Ergebnis festhalten: Der Streit führte hier zu einer Beschuldigung. Die Beschuldigung war kein Beweis für Schuld.
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Fehler in Zeile 2Hier wird Einfluss mit offizieller Anerkennung verwechselt. Richtig: Der „Hexenhammer“ erhielt keine kirchliche Anerkennung.
Lückentext
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Die Höhepunkte der europäischen Hexenverfolgung lagen zwischen , in Österreich bis 1680. Katharina Kepler wurde in Württemberg von einer Nachbarin nach einem Streit als Hexe bezeichnet. Etwa Prozent der Opfer der europäischen Hexenverfolgung waren Frauen.
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