Geographie · Klasse 5–7 · aktualisiert
Polartag und Polarnacht einfach erklärt
Du lernst, was Polartag und Polarnacht sind, warum sie entstehen, wie lang sie dauern und was lange Dunkelheit für Menschen bedeuten kann.
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Kurz gesagt
Polartag heißt: Die Sonne geht mindestens einen Tag lang nicht unter. Polarnacht heißt: Die Sonne ist mehrere Tage bis Monate nicht direkt zu sehen. Ursache ist die Neigung der Erdachse von etwa 23,4°. Je näher ein Ort am Pol liegt, desto länger dauern beide.
Stell dir vor, die Sonne geht im Sommer an manchen Tagen gar nicht unter. Im Winter ist sie dafür mehrere Tage bis Monate nicht direkt zu sehen. Im hohen Norden und im hohen Süden ist das Wirklichkeit. Warum ist das so, und was kann so viel Dunkelheit für Menschen bedeuten?
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Im hohen Norden und im hohen Süden sieht der Lauf der Sonne anders aus als bei uns. Dort musst du drei Begriffe auseinanderhalten. Sie hängen zusammen, bedeuten aber nicht dasselbe.
Der Polartag ist ein Zeitraum in den Polargebieten. Dabei sinkt die Sonne während mindestens eines Tages nicht unter den Horizont. Es ist dann den ganzen Tag hell. Am Rand der Polargebiete gibt es um Mitternacht eine kleine Dämmerung (das schwache Licht wie kurz vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang). Die Polargebiete werden von den Polarkreisen begrenzt.
Die Polarnacht ist das Gegenteil des Polartages. Sie ist ein Zeitraum im Winter, in dem die Sonne mehrere Tage bis Monate nicht direkt zu sehen ist.
Die Mitternachtssonne ist die Sonne, die im Sommer sogar um Mitternacht noch über dem Horizont steht. Sie gehört also zum Polartag. Am Polarkreis geht die Sonne im Sommer an einem Tag gerade nicht unter. Auf der Nordhalbkugel fällt das meist auf den 21. Juni, auf der Südhalbkugel auf den 21. oder 22. Dezember.
Achtung, das Wort täuscht: Die Sonne steht nicht immer genau um 24:00 Uhr am tiefsten. Das stimmt an einem Ort nur näherungsweise.
Definition
Mitternachtssonne
Als Mitternachtssonne bezeichnet man die Sonne, wenn sie nördlich des nördlichen oder südlich des südlichen Polarkreises im jeweiligen Sommer auch um Mitternacht noch oberhalb des Horizonts zu sehen ist.
Beispiel: Das Nordkap in Norwegen
- 1Am Nordkap ist die Mitternachtssonne vom 11. Mai bis zum 31. Juli zu beobachten.
- 2Dort steht die Sonne am tiefsten durchschnittlich um 23:17 Uhr MEZ (mitteleuropäische Zeit).
- 3Das ist nicht genau 24:00 Uhr. Der Name „Mitternachtssonne“ stimmt also nur näherungsweise.
Merke: Polartag: Die Sonne geht mindestens einen Tag lang nicht unter. Polarnacht: Die Sonne ist mehrere Tage bis Monate nicht direkt zu sehen. Mitternachtssonne: die Sonne im Sommer um Mitternacht.
Teste dich
Die Erde dreht sich um eine Achse und läuft in einem Jahr einmal um die Sonne. Die Achse steht nicht senkrecht zur Ebene ihrer Bahn um die Sonne. Sie ist geneigt, derzeit um etwa 23,4°.
Wie bei einem Kreisel behält die Erdachse ihre Richtung im Raum bei, während die Erde um die Sonne läuft. Deshalb sind die Pole im jeweiligen Sommer der Sonne zugewandt und im Winter von ihr abgewandt. Die Sonne steht an den geografischen Polen darum für etwa ein halbes Jahr unter dem Horizont. Auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten denen im Norden entgegengesetzt: Ist im Süden Sommer, ist im Norden Winter.
Nicht der Abstand zur Sonne ist die Ursache. Die Erde ist der Sonne in der ersten Juliwoche am fernsten, und dann ist im Norden Sommer. Entscheidend ist die Lage der Erdachse.
Zum Vergleich: Stünde die Erdachse senkrecht, würde die Sonne das ganze Jahr an beiden Polen am Horizont entlang wandern. In Wirklichkeit passiert das nur für kurze Zeit, zweimal im Jahr, zum astronomischen Herbst- und Frühlingsbeginn.
Definition
Neigung der Erdachse
Die Erdachse steht nicht senkrecht zur Bahn der Erde um die Sonne. Sie ist derzeit um etwa 23,4° geneigt und behält diese Neigung auf dem ganzen Weg um die Sonne bei.
Merke: Die Neigung der Erdachse lässt die Pole im Sommer zur Sonne und im Winter von ihr weg zeigen. Der Abstand zur Sonne ist nicht die Ursache.
Teste dich
Ob es Polartag und Polarnacht gibt und wie lange sie dauern, hängt von der Breitenlage ab. Gemeint ist, wie weit ein Ort vom Äquator Richtung Pol liegt.
Die Polarkreise sind besondere Breitenkreise bei 66° 33′ 55″ (66,565°) nördlicher und südlicher Breite. Am Polarkreis dauert die Polarnacht genau einen Tag. Je näher man dem Nord- oder Südpol kommt, desto länger dauert sie. Am geografischen Nordpol und Südpol dauert sie fast ein halbes Jahr. Ein halbes Jahr später gibt es an denselben Orten Polartag, und zwar für die gleiche Anzahl von Tagen. Am Pol müsste der Polartag ein halbes Jahr dauern.
Die Tabelle zeigt es an drei Orten (Norwegen, Spitzbergen und Nordpol): Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto länger ist die Zeit, in der die ganze Sonne 24 Stunden täglich zu sehen ist.
Eine Besonderheit ist die Lichtbrechung in der Lufthülle der Erde. Sie lässt die Sonne nahe am Horizont höher erscheinen, als sie wirklich steht. Deshalb dauert der Polartag überall einige Tage länger als die Polarnacht. In der norwegischen Stadt Bodø, einige Kilometer nördlich des Polarkreises, gibt es einen Polartag, aber keine Polarnacht.
| Ort | Breite (nördlich) | Ganze Sonne 24 Stunden täglich sichtbar |
|---|---|---|
| Svolvær | 68° 14′ | 28. Mai – 14. Juli |
| Longyearbyen | 78° 13′ | 20. April – 22. Aug. |
| Nordpol | 90° 00′ | 20. März – 23. Sept. |
Merke: Je näher ein Ort am Pol liegt, desto länger dauern Polartag und Polarnacht. Am Polarkreis ist es ein Tag Polarnacht, am Pol fast ein halbes Jahr.
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Lange Dunkelheit verändert, wie Menschen den Tag erleben. Zwei Beispiele helfen: das Lesen bei Tageslicht und die Stimmung.
Lesen bei Tageslicht: Je näher man dem Pol kommt, desto tiefer steht die Sonne im Winter unter dem Horizont. Ab einer bestimmten Breite ist es dann ständig zu dunkel zum Zeitunglesen. Genannt werden etwa 72,6° bis 73,2° Breite, die Angaben unterscheiden sich leicht. Noch näher am Pol sind ständig die hellsten Sterne zu sehen. Ganz nah am Pol kommt gar kein Dämmerschein der Sonne mehr an. Knapp hinter dem Polarkreis ist es dagegen zur dunkelsten Zeit hell dämmrig, weil die Sonne nur knapp unter dem Horizont steht.
Menschen leben am nördlichen Polarkreis und auf Spitzbergen auch weit darüber hinaus, über 78° nördlicher Breite. In der Nähe oder südlich des südlichen Polarkreises gibt es keine Zivilbevölkerung.
Stimmung: Die Winterdepression ist eine Erkrankung, die in Herbst und Winter auftritt. Typisch sind eine veränderte Stimmung, weniger Energie, mehr Schlaf und mehr Appetit auf Süßes. Als eine Ursache nimmt man Verschiebungen des biologischen Tagesrhythmus an. In höheren Breiten führen die längeren Dunkelphasen im Winter bei einigen Menschen dazu. Nicht jeder ist betroffen. Zum Vergleich: In Deutschland (50° Breite) schwankt die Tageslänge zwischen rund 8 Stunden am 1. Januar und 17 Stunden am 1. Juli.
Das gilt für höhere Breiten allgemein, nicht nur für Polargebiete. Wie oft Menschen in den Polargebieten betroffen sind, wissen wir hier nicht. Wie Schule, Arbeit oder Bräuche dort aussehen, wird hier nicht behandelt.
Was hilft? Es gibt Hinweise, dass mehr Licht im Winter helfen kann. Die aktuelle Behandlungsleitlinie empfiehlt Lichttherapie (Behandlung mit viel Licht) bei Depressionen, die mit der Jahreszeit zusammenhängen. Auch ein Spaziergang bei Helligkeit kann ebenso hilfreich sein. Wenn du dich länger schlecht fühlst, sprich mit deinen Eltern oder einem Arzt.
Definition
Winterdepression
Die Winterdepression ist eine Erkrankung, die in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Sie ist eine Form der Störung, die von der Jahreszeit abhängt.
Merke: Je näher am Pol, desto tiefer steht die Sonne im Winter unter dem Horizont und desto dunkler wird es. Lange Dunkelphasen führen bei einigen Menschen zu einer Winterdepression.
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Alles auf einen Blick
Polartag und Polarnacht
Begriffe
Polartag heißt, die Sonne geht mindestens einen Tag nicht unter; Polarnacht heißt, sie ist mehrere Tage bis Monate nicht direkt zu sehen
Ursache
die Neigung der Erdachse von etwa 23,4°, nicht der Abstand zur Sonne
Dauer
je näher am Pol, desto länger Polartag und Polarnacht; am Pol fast ein halbes Jahr, am Polarkreis genau einen Tag
Licht
je näher am Pol, desto tiefer steht die Sonne im Winter; ab einer Breite ist es ständig zu dunkel zum Zeitunglesen
Stimmung
Lange Dunkelphasen im Winter führen in höheren Breiten bei einigen Menschen zu einer Winterdepression; mehr Licht kann helfen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Drei ausgedachte Orte vergleichen (Beispiel, ausgedacht)
- 1Ausgedacht, nur zum Üben: Ort A liegt bei 60° nördlicher Breite, Ort B bei 70° und Ort C am geografischen Nordpol (90°).
- 2Schritt 1: Der Polarkreis liegt bei 66° 33′ 55″ (66,565°). Nördlich davon beginnt das Polargebiet.
- 3Schritt 2: Ort A (60°) liegt südlich des Polarkreises. Dort gibt es nach dieser Regel keinen Polartag und keine Polarnacht.
- 4Schritt 3: Ort B (70°) liegt nördlich des Polarkreises. Im Winter gibt es dort mindestens einen Tag Polarnacht, im Sommer mindestens einen Tag Mitternachtssonne.
- 5Schritt 4: Ort C liegt am Pol. Die Polarnacht dauert fast ein halbes Jahr, der Polartag etwa ein halbes Jahr.
- 6Ergebnis: Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto länger sind Polartag und Polarnacht. Ort C hat die längsten, Ort B kürzere, Ort A keine.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Südpol und zum südlichen Polarkreis In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 5Der Abstand zur Sonne ist nicht die Ursache. Richtig: Die Neigung der Erdachse sorgt dafür, dass der Pol im Sommer der Sonne zugewandt ist.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Am Nordpol dauert die Polarnacht fast . Im Winter ist ein Pol der Sonne . Die Winterdepression tritt in den auf.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback