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Deutsch · Klasse 9–10 · aktualisiert

Wilhelm Tell: Handlung, Figuren und Deutung

Drei Handlungsstränge, fünf Aufzüge, die wichtigsten Figuren und Tells Tat im Vergleich mit Parricida – dazu eine Szenenanalyse zum Apfelschuss.

0 von 13 Aufgaben gelöst

Wilhelm Tell: Handlung, Figuren und Deutung

Kurz gesagt

„Wilhelm Tell“ ist Schillers letztes vollendetes Bühnenwerk, ein Schauspiel in fünf Aufzügen (uraufgeführt 1804). Es verbindet drei Handlungsstränge: Tells Konflikt mit dem Landvogt Gessler vom Apfelschuss bis zu Gesslers Tod, den Rütlibund der drei Länder und die Liebesgeschichte von Berta und Rudenz.

Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ zeigt, wie Menschen auf Willkürherrschaft reagieren. Das Schauspiel verbindet Tells persönlichen Konflikt mit Gessler, den gemeinsamen Befreiungskampf dreier Länder und die Liebesgeschichte von Berta und Rudenz. Auf dieser Seite lernst du, die Handlung zu ordnen, Figureninteressen zu erkennen und wichtige Szenen als Teil des Gesamtkonflikts zu deuten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Spoilerhinweis: Diese Seite erklärt die vollständige Handlung einschließlich des Endes. Schiller schrieb „Wilhelm Tell“ 1803 und 1804. Das Werk wurde am 17. März 1804 am Weimarer Hoftheater uraufgeführt. Es ist ein Schauspiel in fünf Aufzügen und Schillers letztes vollendetes Bühnenwerk. Die Handlung spielt in Uri, Schwyz und Unterwalden. Diese Länder leiden im Stück unter der Willkür habsburgischer Vögte. Das Drama verarbeitet dabei den Schweizer Nationalmythos um Wilhelm Tell. Es erzählt nicht nur von einem einzelnen Helden, sondern verbindet drei Handlungsstränge. In der Tell-Handlung zwingt Gessler Tell zum Apfelschuss; Tell wird verhaftet, entkommt und erschießt den Landvogt später in der hohlen Gasse. In der Bundeshandlung schließen Vertreter aus Uri, Schwyz und Unterwalden auf dem Rütli einen Bund und planen die Befreiung von der Fremdherrschaft. In der Liebeshandlung bewegt Berta von Bruneck Ulrich von Rudenz dazu, sich von Habsburg abzuwenden und für sein Volk einzutreten. Bundes- und Liebeshandlung werden am Ende eng verbunden: Rudenz schließt sich dem Bund an, Berta erklärt sich zur freien Schweizerin, und Rudenz gibt seinen Knechten die Freiheit. Tells persönliche Handlung bleibt lockerer mit dem organisierten Aufstand verbunden. Er nimmt nicht am Rütlischwur teil und lehnt zunächst planmäßigen Widerstand ab. Dennoch trifft sein Konflikt mit Gessler denselben Grundgegensatz: Freiheit steht gegen willkürliche Herrschaft. So stellt das Stück persönliche Freiheit, gemeinschaftlichen Widerstand und gesellschaftliche Versöhnung nebeneinander. Jeder Aufzug verschärft oder löst einen Konflikt: Unterdrückung wird sichtbar, Widerstand entsteht, Gessler greift Tells Familie an, Tell handelt, und das Ende prüft die moralische Bedeutung seiner Tat.

Definition

Schauspiel

Ein Schauspiel ist ein Text, der für die Aufführung auf einer Bühne bestimmt ist. Die Handlung entsteht hauptsächlich durch Dialoge, Handlungen der Figuren und Regieanweisungen. Ein Aufzug ist ein großer Abschnitt des Dramas.

AufzugWas geschieht
1. Unterdrückung wird sichtbarTell bringt den fliehenden Konrad Baumgarten trotz eines Sturms über den See. Gertrud Stauffacher überzeugt ihren zögernden Mann Werner, Verbündete zu suchen. In Altdorf entstehen die Zwingburg und die Stange mit Gesslers Hut, der wie der Landvogt gegrüßt werden soll. Stauffacher, Walter Fürst und Arnold von Melchthal schließen ein Bündnis.
2. Der Widerstand organisiert sichRudenz unterstützt aus Standes- und Karriereinteressen noch Habsburg. Auf dem Rütli gründen Vertreter aus Uri, Schwyz und Unterwalden eine politische Gemeinschaft und planen, die Besatzungsmacht möglichst ohne Blutvergießen zu vertreiben.
3. Der Konflikt trifft Tells FamilieBerta gewinnt Rudenz für die Sache seines Volkes. Tell grüßt den Hut nicht; Gessler zwingt ihn, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Walther zu schießen. Tell trifft. Einen zweiten Pfeil hatte er für Gessler bereitgelegt, falls er sein Kind getroffen hätte. Gessler lässt Tell fesseln.
4. Tell entscheidet sich zur Tötung GesslersIm Seesturm gelingt Tell die Flucht. Der sterbende Attinghausen mahnt zur Einigkeit; Rudenz schließt sich den Eidgenossen an. In der hohlen Gasse begründet Tell seine Entscheidung und erschießt Gessler, als dieser Armgard und ihre Kinder bedroht.
5. Befreiung und moralische PrüfungDie Zwingburg fällt. Die Nachricht vom Mord an Kaiser Albrecht kommt; dessen Neffe Johannes Parricida sucht bei Tell Verständnis. Tell weist die Gleichsetzung beider Taten zurück. Am Ende stehen die Befreiung, die Verbindung von Berta und Rudenz und die Freilassung von Rudenz’ Knechten.

Beispiel: Gemeinsames Thema, unterschiedliche Wege:

  1. 1Die Eidgenossen beraten und handeln gemeinsam.
  2. 2Berta verändert Rudenz durch ein Gespräch.
  3. 3Tell handelt zunächst als Einzelner, weil seine Familie unmittelbar bedroht wird.
  4. 4Alle drei Wege richten sich gegen Unfreiheit, aber sie sind nicht identisch. Wer Tell einfach zum Anführer des Rütlibundes erklärt, vermischt die Handlungsstränge.

Teste dich

LeichtWelche Aussage beschreibt die Textsorte richtig?
MittelWie ist Tells Verhältnis zum Rütlibund am treffendsten beschrieben?

Alles auf einen Blick

Wilhelm Tell (Schiller)

  • Werk

    Schauspiel in fünf Aufzügen, uraufgeführt 1804

  • Handlungsstränge

    Tell, Rütlibund, Berta und Rudenz

  • Grundkonflikt

    Freiheit gegen Willkürherrschaft, Widerstand als letztes Mittel

  • Frauenfiguren

    stoßen Bündnis, Seitenwechsel und Konfrontation an

  • Moralische Prüfung

    Tell grenzt seine Tat von Parricidas Mord ab

  • Szenenanalyse

    am Apfelschuss Beobachtung mit dramatischer Funktion verbinden

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Untersuche Gertruds Gespräch mit Werner Stauffacher: Wie bereitet es den organisierten Widerstand vor?

  1. 1Ausgangssituation: Werner Stauffacher erkennt die Bedrohung durch die Vögte, zögert aber noch. Gertrud beurteilt die Lage entschlossener.
  2. 2Verlauf: Sie fordert ihn auf, nicht allein zu bleiben, sondern Gleichgesinnte zu suchen. Das Gespräch verschiebt sich von Sorge zu möglichem gemeinsamem Handeln.
  3. 3Ergebnis: Stauffacher wird zum politischen Handeln bewegt und sucht Verbündete.
  4. 4Dramatische Funktion: Das Gespräch bereitet das Bündnis mit Walter Fürst und Melchthal und später den Rütlischwur vor. Gertrud ist damit eine Auslöserin der Bundeshandlung.

Fehler finden

Nele fasst die fünf Aufzüge in je einem Satz zusammen. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.

Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Im zweiten Aufzug entsteht auf dem der organisierte Bund. Der erzwungene bildet den Höhepunkt des dritten Aufzugs. Im fünften Aufzug grenzt Tell seine Tat von Parricidas ab.

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Wilhelm Tell (Schiller)

LeichtWelche drei Handlungsstränge verbindet das Drama?
MittelWelche Reihenfolge gibt den Lernweg einer Szenenanalyse sinnvoll wieder?
SchwerWelche These über das Drama ist am besten begründet?

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