Deutsch · Klasse 6–7 · aktualisiert
Einstellungsgrößen im Film erkennen und analysieren
Von der Supertotalen bis zum Detail: Du erkennst acht Einstellungsgrößen und begründest, wie ein Bildausschnitt im Film wirken kann.
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Kurz gesagt
Die Einstellungsgröße beschreibt, wie viel vom Motiv und seiner Umgebung im Bild zu sehen ist. Sie reicht von der Supertotalen (viel Landschaft, Menschen winzig) über Totale, Halbtotale, amerikanische Einstellung, Halbnahe und Nahe bis zur Großaufnahme (Gesicht) und zur Detailaufnahme (Auge, Hand, Gegenstand).
Die Einstellungsgröße beschreibt, wie groß ein Motiv im Bild erscheint und wie viel von seiner Umgebung sichtbar ist. Weite Einstellungen geben vor allem Orientierung; nahe Einstellungen lenken den Blick stärker auf Mimik, Gefühle oder Einzelheiten. Diese Wirkungen sind Möglichkeiten, keine festen Regeln.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Filmszene zeigt eine Person winzig in einer Landschaft. Danach füllt ihr Gesicht fast das ganze Bild. Nicht die Person hat ihre tatsächliche Größe verändert, sondern der gewählte Bildausschnitt. Die Größe des Motivs im Bild hängt unter anderem vom Abstand zwischen Kamera und Motiv sowie von den Eigenschaften und Einstellungen des Objektivs ab. Die Übergänge zwischen den Einstellungsgrößen sind fließend. Deshalb können Bezeichnungen und Körpergrenzen je nach Lehrschema oder Filmproduktion etwas abweichen.
Definition
Einstellung
Eine Einstellung ist die ununterbrochene Aufnahme zwischen dem Start und dem Ende der Kamera beziehungsweise zwischen zwei Schnitten.
Definition
Einstellungsgröße
Die Einstellungsgröße bezeichnet das Verhältnis zwischen dem abgebildeten Motiv und der Bildfläche. Vereinfacht beantwortet sie die Frage: Wie viel vom Motiv und von seiner Umgebung sehe ich?
Merke: Mehr sichtbare Umgebung schafft meist mehr räumliche Orientierung. Ein größer abgebildetes Motiv lenkt die Aufmerksamkeit meist stärker auf Handlung, Mimik oder Details.
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Die ersten fünf Größen führen von sehr viel Umgebung zu einem stärkeren Fokus auf die Person. Die Supertotale wird häufig am Anfang einer Szene eingesetzt. Eine solche einführende Aufnahme des Handlungsortes nennt man Establishing Shot. Sie hilft dem Publikum zu verstehen, wo das Geschehen stattfindet. Die amerikanische Einstellung stammt aus dem Western. Sie zeigte den Cowboy zusammen mit Waffengurt oder Waffe. Ihre genaue Untergrenze wird nicht einheitlich angegeben; entscheidend ist der Ausschnitt, der Person und Hüftbereich gemeinsam sichtbar hält.
| Einstellungsgröße | Typischer sichtbarer Ausschnitt | Häufige Aufgabe im Film |
|---|---|---|
| Supertotale oder Weite | Landschaft oder großer Raum; Menschen erscheinen sehr klein | Handlungsort zeigen und räumlich orientieren |
| Totale | Person oder Gruppe vollständig mit deutlicher Umgebung | Überblick über Ort und Handlung geben |
| Halbtotale | Person von Kopf bis Fuß, mit weniger Umgebung | Bewegung, Körpersprache und Gruppen zeigen |
| Amerikanische Einstellung | ungefähr vom Kopf bis zu den Knien oder Oberschenkeln | Person und wichtige Handlung im Hüftbereich gemeinsam zeigen |
| Halbnahe | ungefähr vom Kopf bis zur Hüfte | Oberkörper, Gestik und Gesprächssituation verbinden |
Beispiel: Eine Fußballerin läuft über den Platz.
- 1In der Totalen erkennst du den Platz und die Position der Spielerinnen.
- 2In der Halbtotalen siehst du den ganzen Körper und kannst die Laufbewegung verfolgen.
- 3In der Halbnahen treten Oberkörper und Reaktion stärker hervor, während ein Teil der Umgebung erhalten bleibt.
- 4Die passende Wahl hängt also davon ab, ob Ort, Bewegung oder Reaktion im Mittelpunkt stehen soll.
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Je näher der Bildausschnitt wirkt, desto weniger Umgebung ist sichtbar. Dafür lassen sich Gesichtsausdruck, Blickrichtung und kleine Einzelheiten genauer erkennen. Die italienische Einstellung ist eine besondere Detailaufnahme, die ausschließlich die Augen zeigt. Sie ist vor allem aus Duellszenen des Italo-Westerns bekannt. Eine nahe Einstellung bedeutet nicht automatisch Nähe oder Mitgefühl. Ein sehr nahes Bild kann auch unangenehm, bedrohlich oder abstoßend wirken. Entscheidend sind der Bildinhalt und das Zusammenspiel mit weiteren Gestaltungsmitteln. Zwei Gestaltungsentscheidungen werden leicht verwechselt: Die Einstellungsgröße beantwortet: Wie viel ist sichtbar? Die Kameraperspektive beantwortet: Von wo blickt die Kamera? Sie ist der Betrachtungswinkel der Kamera auf eine Person oder einen Gegenstand. Einstellungsgröße und Perspektive lassen sich unabhängig kombinieren. Ein Gesicht kann beispielsweise als Großaufnahme in Normalsicht oder als Großaufnahme aus der Aufsicht gezeigt werden.
| Einstellungsgröße | Typischer sichtbarer Ausschnitt | Häufiger Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Nahe | Kopf bis etwa zur Mitte des Oberkörpers | Gespräch, Blick, Mimik und Reaktion |
| Großaufnahme | Gesicht oder Kopf, teilweise mit Schultern | Gefühle und feine Veränderungen der Mimik |
| Detailaufnahme | kleiner Ausschnitt wie Auge, Mund, Hand oder Gegenstand | Aufmerksamkeit auf eine wichtige Einzelheit lenken |
Beispiel: Eine Figur öffnet einen Brief und liest ihn.
- 1Eine Halbnahe zeigt die Figur, den Brief und ihre Körperhaltung.
- 2Eine Großaufnahme macht die Veränderung ihres Gesichtsausdrucks sichtbar.
- 3Eine Detailaufnahme kann ein einzelnes Wort auf dem Brief hervorheben.
- 4Der Wechsel führt vom Vorgang zur Reaktion und schließlich zu einer bedeutsamen Einzelheit.
| Perspektive | Kameraposition | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| Normalsicht | ungefähr auf Augenhöhe | gleichwertig, sachlich oder unmittelbar |
| Untersicht (extrem: Froschperspektive) | Kamera blickt von unten nach oben | Motiv kann größer, mächtiger oder überlegen wirken |
| Aufsicht (extrem: Vogelperspektive) | Kamera blickt von oben nach unten | Motiv kann kleiner, schwächer oder unterlegen wirken |
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Eine gute Analyse nennt nicht nur eine Einstellungsgröße. Sie verbindet eine genaue Beobachtung mit ihrer Funktion in der Szene und einer vorsichtig formulierten Wirkung. Dabei hilft ein Vorgehen in vier Schritten.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Beschreibe den Bildausschnitt: Was ist von der Person oder dem Gegenstand sichtbar? Wie viel Umgebung siehst du?
- 2Bestimme die Einstellungsgröße: Ordne den Ausschnitt einem passenden Fachbegriff zu. Erwähne bei einem Grenzfall, dass die Zuordnung nicht eindeutig ist.
- 3Nenne den Schwerpunkt: Lenkt das Bild eher auf Ort, Bewegung, Körpersprache, Mimik oder ein Detail?
- 4Deute die Wirkung: Formuliere eine mögliche Wirkung und belege sie mit der Beobachtung.
Beispiel: Situation: Nach einem lauten Geräusch steht eine Person allein in einer großen, leeren Halle. Zuerst ist die ganze Halle zu sehen. Danach folgt eine Aufnahme ihres Gesichts.
- 1Analyse: Die erste Aufnahme ist eine Supertotale oder sehr weite Totale, weil die Person klein in der großen Halle erscheint. Sie orientiert über den Ort und kann die Verlorenheit der Figur betonen. Die folgende Großaufnahme zeigt ihre Mimik und lenkt die Aufmerksamkeit auf ihre Reaktion. Der Größenwechsel verbindet dadurch räumliche Bedrohung mit persönlicher Angst.
Merke: Schreibe nicht nur: „Die Großaufnahme wirkt spannend.“ Begründe: „Die Großaufnahme schließt die Umgebung fast aus und hebt die erschrockene Mimik hervor. Dadurch kann die Anspannung der Figur besonders unmittelbar wirken.“
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Alles auf einen Blick
Einstellungsgrößen
Weite Größen
Orientierung und Umgebung
Mittlere Größen
Handlung, Körper und Gespräch
Nahe Größen
Mimik, Reaktion und Einzelheiten
Größenwechsel
Aufmerksamkeit und Rhythmus lenken
Kameraperspektive
Blickrichtung unabhängig wählen
Analyse
beobachten, bestimmen, begründen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine Schülerin wartet vor einer verschlossenen Tür. Zuerst sieht man sie vollständig mit dem langen, leeren Flur, danach nur ihre Hand, die zögernd zur Türklinke greift. Bestimme beide Einstellungsgrößen und erkläre den Wechsel.
- 1Erste Aufnahme: Die Schülerin ist vollständig und mit deutlicher Umgebung zu sehen – eine Totale.
- 2Die Totale stellt den Ort und die Situation vor.
- 3Zweite Aufnahme: Nur Hand und Türklinke sind zu sehen – eine Detailaufnahme.
- 4Der Wechsel lenkt die Aufmerksamkeit vom räumlichen Zusammenhang auf die zögernde Bewegung.
- 5Dadurch kann der Moment vor dem Öffnen besonders bedeutsam oder angespannt wirken.
Fehler finden
Mia analysiert eine Szene: Ein Junge steht allein auf einem großen Bahnsteig, danach sieht man sein Gesicht. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Aufsicht ist eine Kameraperspektive, keine Einstellungsgröße. Richtig: Einstellungsgröße: Großaufnahme, weil das Gesicht fast das ganze Bild füllt; gefilmt wird aus der Aufsicht.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die zeigt Personen vollständig mit deutlicher Umgebung. Die stellt das Gesicht in den Mittelpunkt. Wie viel im Bild sichtbar ist, bestimmt die .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback