Chemie · Klasse 10–13 · aktualisiert
Säure-Base-Titration: Ablauf und Berechnung
Mit Maßlösung, Bürette und Reaktionsverhältnis bestimmst du die unbekannte Säure- oder Basenkonzentration.
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Kurz gesagt
Bei einer Säure-Base-Titration gibst du eine Maßlösung bekannter Konzentration zu einer Probe. Am Äquivalenzpunkt passen die umgesetzten Stoffmengen zur Reaktionsgleichung. Aus verbrauchtem Volumen und Probenvolumen berechnest du die unbekannte Konzentration.
Mit einer Säure-Base-Titration bestimmst du die unbekannte Konzentration einer Säure oder Base. Dazu gibst du eine Maßlösung bekannter Konzentration zur Probe, ermittelst den Äquivalenzpunkt und wertest das verbrauchte Volumen stöchiometrisch aus.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Die Probelösung enthält die unbekannte Konzentration. Die Maßlösung hat eine bekannte Konzentration und fließt aus einer Bürette zur Probe. Bei einer sauren Probe wählst du eine basische Maßlösung, bei einer basischen Probe eine saure. Starke Säuren und starke Basen werden hier als vollständig in Ionen zerfallen behandelt. Für ihre Neutralisation gilt:
\ce{H3O+ + OH- -> 2 H2O}
Bei einer gedanklich beschriebenen Messung wird zuerst ein bekanntes Probenvolumen mit einer Pipette und Pipettierhilfe abgemessen und in einen Erlenmeyerkolben oder ein Becherglas gegeben. Die Bürette wird mit der Maßlösung gefüllt und ihr Anfangsstand notiert. Während die Maßlösung unter Mischen zur Probe fließt, zeigt ein geeigneter Indikator oder eine pH-Elektrode den Verlauf. Nahe dem erwarteten Endpunkt erfolgt die Zugabe tropfenweise. Der Verbrauch ist Endstand minus Anfangsstand. Wird die abgemessene Probe zuvor mit Wasser verdünnt, bleibt ihre Stoffmenge gleich; für die ursprüngliche Konzentration zählt weiter das vor der Verdünnung abgemessene Volumen. Die praktische Durchführung richtet sich nach einer stoff- und konzentrationsbezogenen Gefährdungsbeurteilung.
Definition
Probelösung und Maßlösung
Die Probelösung enthält die Säure oder Base mit unbekannter Konzentration. Die Maßlösung besitzt eine genau bekannte Konzentration und wird aus der Bürette zugegeben.
Definition
Äquivalenzpunkt
Am Äquivalenzpunkt liegen Probe und Maßlösung genau in dem Stoffmengenverhältnis vor, das die ausgeglichene Reaktionsgleichung verlangt. Keiner der Reaktionspartner bleibt entsprechend dieser Stöchiometrie im Überschuss.
Merke: Am Äquivalenzpunkt sind die Stoffmengen im Verhältnis der ausgeglichenen Reaktionsgleichung umgesetzt. Gleiche Stoffmengen gelten nur bei einem Verhältnis von 1:1.
Teste dich
Zuerst wird die Reaktionsgleichung ausgeglichen. Für die bekannte Maßlösung gilt n_\mathrm M=c_\mathrm M V_\mathrm M: n ist die Stoffmenge in mol, c die Stoffmengenkonzentration in mol/L und V das Volumen in L. Haben Probe und Maßlösung die Koeffizienten \nu_\mathrm P und \nu_\mathrm M, dann gilt am Äquivalenzpunkt:
\frac{n_\mathrm P}{\nu_\mathrm P}=\frac{n_\mathrm M}{\nu_\mathrm M}
Daraus folgt für die ursprüngliche Probe:
c_\mathrm P=\frac{\nu_\mathrm P}{\nu_\mathrm M}\frac{c_\mathrm M V_\mathrm M}{V_\mathrm P}
Der Äquivalenzpunkt beschreibt das Reaktionsverhältnis. Der Neutralpunkt bezeichnet bei etwa 25 °C pH 7. Der Umschlagspunkt ist der beobachtete Farbumschlag des Indikators. Bei einer starken Säure mit starker Base fallen Äquivalenz- und Neutralpunkt näherungsweise zusammen; bei einer schwachen Säure mit starker Base liegt der Äquivalenzpunkt im Basischen. Der Indikator soll im steilen pH-Sprung umschlagen. Bei Salpetersäure und Kalilauge liegt der Bereich von Bromthymolblau (etwa pH 6,0 bis 7,6) im Sprung. Für diese Paarung ist Bromthymolblau daher geeignet.
Beispiel: Schwefelsäure in einer Abwasserprobe
- 1Gegeben: 20\,\mathrm{mL}=0{,}020\,\mathrm L Probe; bis zum Äquivalenzpunkt 5\,\mathrm{mL}=0{,}005\,\mathrm L Natronlauge mit c=0{,}1\,\mathrm{mol/L}.
- 2Reaktion bei vollständiger Neutralisation: \ce{H2SO4 + 2 NaOH -> Na2SO4 + 2 H2O}.
- 3Maßlösungsmenge: n(\ce{NaOH})=0{,}1\,\mathrm{mol/L}\cdot0{,}005\,\mathrm L. Das ergibt n(\ce{NaOH})=0{,}0005\,\mathrm{mol}.
- 4Ein Mol Schwefelsäure benötigt zwei Mol Natriumhydroxid: n(\ce{H2SO4})=0{,}0005\,\mathrm{mol}/2=0{,}00025\,\mathrm{mol}.
- 5Probenkonzentration: c(\ce{H2SO4})=n/V. Eingesetzt: 0{,}00025\,\mathrm{mol}/0{,}020\,\mathrm L=0{,}0125\,\mathrm{mol/L}.
| Punkt | Bedeutung | Woran bestimmst du ihn? |
|---|---|---|
| Äquivalenzpunkt | Die Stoffmengen passen genau zur Reaktionsgleichung. | Aus Reaktionsverhältnis und Messkurve |
| Neutralpunkt | Bei etwa 25 °C hat die Lösung \mathrm{pH}=7. | Durch pH-Messung |
| Umschlagspunkt | Der Indikator zeigt seinen beobachtbaren Farbumschlag. | Durch die Farbänderung |
Merke: Der Koeffizient 2 vor Natriumhydroxid halbiert hier die berechnete Stoffmenge der Schwefelsäure. Der Farbumschlag selbst ändert das Reaktionsverhältnis nicht.
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Die Titrationskurve ordnet dem zugegebenen Maßlösungsvolumen den pH-Wert zu. Bei saurer Probe und basischer Maßlösung steigt sie, umgekehrt sinkt sie. Bei starker Säure und starker Base ist der Sprung um den Äquivalenzpunkt meist steil. Eine schwache Säure mit starker Base bildet davor einen Pufferbereich: Die Säure und ihre zugehörige Base dämpfen die pH-Änderung. Die Zahl pK_\mathrm S kennzeichnet die Stärke einer schwachen Säure. Eine Puffer-Näherung ist eine vereinfachte Rechnung und liefert hier einen ungefähren Wert. Bei einer einprotonigen schwachen Säure ist am Halbäquivalenzpunkt die Hälfte der Säure umgesetzt; Säure und zugehörige Base liegen gleich konzentriert vor. Unter der Puffer-Näherung gilt dort näherungsweise \mathrm{pH}=pK_\mathrm S. Am Äquivalenzpunkt liegt die zugehörige Base vor und die Lösung ist basisch. Mehrprotonige Säuren können mehrere Äquivalenzpunkte haben, deren Sprünge nicht alle deutlich erkennbar sind.
Ein Indikator ist passend, wenn sein Umschlagsbereich im steilen Kurvenabschnitt liegt. Eine pH-Elektrode liefert stattdessen Messwerte ohne Farbwahrnehmung. Bei einer Leitfähigkeitstitration wird Leitfähigkeit statt pH gegen das Maßlösungsvolumen aufgetragen. Für Salpetersäure mit Kalilauge sinkt sie vor dem Äquivalenzpunkt, weil bewegliche Oxonium-Ionen durch weniger bewegliche Kalium-Ionen ersetzt werden; danach steigt sie wegen überschüssiger Hydroxid-Ionen. Diese Form gilt nicht für jede Titration.
Merke: Der Indikator liefert einen experimentellen Endpunkt. Nur ein Umschlagsbereich im passenden pH-Sprung macht ihn zur guten Näherung des Äquivalenzpunkts.
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Alles auf einen Blick
Säure-Base-Titration
Aufbau
Probe mit unbekannter und Maßlösung mit bekannter Konzentration
Messung
Bürette zeigt zugegebenes Maßlösungsvolumen
Reaktion
Koeffizienten bestimmen das Stoffmengenverhältnis
Rechnung
n = c · V und ursprüngliches Probenvolumen
Endpunkt
Indikatorumschlag soll im pH-Sprung liegen
Kurve
pH oder Leitfähigkeit gegen Zugabevolumen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ersten Äquivalenzpunkt einer Phosphorsäureprobe auswerten
- 1Gegeben: 15\,\mathrm{mL}=0{,}015\,\mathrm L Phosphorsäureprobe; 30\,\mathrm{mL}=0{,}030\,\mathrm L Kalilauge mit c=0{,}150\,\mathrm{mol/L} bis zum ersten Äquivalenzpunkt.
- 2Für die erste Stufe gilt \ce{H3PO4 + KOH -> KH2PO4 + H2O}, also ein Stoffmengenverhältnis von 1:1.
- 3Maßlösungsmenge: n(\ce{KOH})=0{,}150\,\mathrm{mol/L}\cdot0{,}030\,\mathrm L. Das ergibt n(\ce{KOH})=0{,}00450\,\mathrm{mol}.
- 4Die anfängliche Phosphorsäuremenge beträgt damit 0{,}00450\,\mathrm{mol}.
- 5Konzentration: c(\ce{H3PO4})=n/V. Eingesetzt: 0{,}00450\,\mathrm{mol}/0{,}015\,\mathrm L=0{,}300\,\mathrm{mol/L}.
Fehler finden
Salpetersäure aus dem Verbrauch berechnen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Bei 1:1 gilt n(\ce{HNO3})=n(\ce{KOH})=0{,}0036\,\mathrm{mol}; ein Faktor 2 gehört nur zu einer 1:2-Gleichung. Damit ist c=0{,}0036\,\mathrm{mol}/0{,}012\,\mathrm L=0{,}30\,\mathrm{mol/L}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die unbekannte Konzentration gehört zur . Die bekannte Maßlösung wird aus der zugegeben. Der Verbrauch ist .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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