Chemie · Klasse 12–13 · aktualisiert
Redoxtitration: Konzentration sicher berechnen
So nutzt du eine Redoxreaktion, um aus Maßlösung und verbrauchtem Volumen die Konzentration einer Probe zu bestimmen.
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Kurz gesagt
Bei einer Redoxtitration reagiert eine Probe mit einer Maßlösung bekannter Konzentration. Aus deren Verbrauch am Endpunkt und dem Stoffmengenverhältnis der ausgeglichenen Redoxgleichung berechnest du die unbekannte Konzentration.
Bei einer Redoxtitration bestimmst du die unbekannte Konzentration eines Stoffes mithilfe einer Redoxreaktion. Dazu gibst du eine Maßlösung bekannter Konzentration zur Probe, misst das verbrauchte Volumen und wertest die Reaktionsgleichung stöchiometrisch aus.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Bei einer Redoxreaktion werden Elektronen übertragen. Oxidation bedeutet Elektronenabgabe, Reduktion Elektronenaufnahme. Das Oxidationsmittel nimmt Elektronen auf und wird dabei reduziert. Das Reduktionsmittel gibt Elektronen ab und wird oxidiert.
Der Stoff in der Maßlösung kann beide Rollen übernehmen; die Rolle ergibt sich aus seinem Reaktionspartner. Für eine Titration muss die Reaktion schnell, stöchiometrisch eindeutig und praktisch vollständig ablaufen. Ihr Endpunkt muss zuverlässig erkennbar sein.
Definition
Redoxtitration
Eine Redoxtitration ist eine volumetrische Konzentrationsbestimmung auf der Grundlage einer stöchiometrischen Redoxreaktion. Eine Maßlösung bekannter Konzentration wird zur Probelösung gegeben, bis der Analyt entsprechend der Reaktionsgleichung vollständig umgesetzt ist.
Beispiel
- 1Bei der Bestimmung von Sulfit mit Iod wirkt Iod als Oxidationsmittel und Sulfit als Reduktionsmittel.
- 2Ein Iodmolekül und ein Sulfition reagieren im Verhältnis 1 : 1.
- 3Deshalb entspricht am Äquivalenzpunkt die Stoffmenge des verbrauchten Iods der Stoffmenge des Sulfits.
Teste dich
Die Maßlösung hat die bekannte Konzentration c_T. An der Bürette liest du den Anfangsstand und am Endpunkt den Endstand ab. Die Differenz Endstand minus Anfangsstand ist ihr verbrauchtes Volumen V_T. Die Stoffmenge des Titranten ist n_T=c_T\cdot V_T. Dabei hat n_T die Einheit mol, c_T mol/L und V_T L. Vor dem Einsetzen rechnest du Milliliter in Liter um: 1\,\mathrm{mL}=0{,}001\,\mathrm L.
Aus der ausgeglichenen Reaktionsgleichung liest du die Koeffizienten \nu_A des Analyten und \nu_T des Titranten ab. Am Äquivalenzpunkt gilt n_A/\nu_A=n_T/\nu_T. Nur bei 1:1 sind beide Stoffmengen gleich. Die gesuchte Konzentration ist danach c_A=n_A/V_A, wobei V_A das Volumen der untersuchten Probe in Litern ist.
Merke: Rechne immer in dieser Reihenfolge: Volumen umrechnen, Titrantstoffmenge berechnen, Stoffmengenverhältnis anwenden und erst danach die Analytkonzentration bestimmen.
Merke: Prüfe deine Auswertung am Ende: n hat die Einheit mol, c die Einheit mol/L. Für eine Masse gilt m=n\cdot M, nicht m=c\cdot M. Passt die Größenordnung? Ist ein Ergebnis etwa hundertmal zu groß, kontrolliere zuerst die Umrechnung von mL in L, das Stoffmengenverhältnis und das eingesetzte Probenvolumen.
Teste dich
Im Aufgabenmodell wird eine Weinprobe mit Iod-Kaliumiodid-Lösung titriert. Gegeben sind V_A=50\,\mathrm{mL}=0{,}050\,\mathrm L, c(\ce{I2})=0{,}005\,\mathrm{mol/L} und V(\ce{I2})=8{,}6\,\mathrm{mL}=0{,}0086\,\mathrm L. Mit M(\mathrm H)=1{,}008, M(\mathrm S)=32{,}06 und M(\mathrm O)=15{,}999\,\mathrm{g/mol} ist M(\ce{H2SO3})=82{,}07\,\mathrm{g/mol}. Das Modell setzt das Stoffmengenverhältnis n(\ce{H2SO3}):n(\ce{I2})=1:1 an.
Die ausgeglichene Modellreaktion lautet:
\ce{H2SO3 + I2 + H2O -> H2SO4 + 2 HI}
Für den Titranten gilt n(\ce{I2})=c(\ce{I2})\cdot V(\ce{I2}). Eingesetzt ergibt 0{,}005\,\mathrm{mol/L}\cdot0{,}0086\,\mathrm L die Stoffmenge 0{,}000043\,\mathrm{mol}. Wegen 1:1 ist n(\ce{H2SO3})=0{,}000043\,\mathrm{mol}.
Die Probenkonzentration folgt aus c(\ce{H2SO3})=n(\ce{H2SO3})/V_A: 0{,}000043\,\mathrm{mol}/0{,}050\,\mathrm L ergibt 0{,}00086\,\mathrm{mol/L}. Für einen Liter entspricht das n=0{,}00086\,\mathrm{mol}. Mit m=n\cdot M ergeben 0{,}00086\,\mathrm{mol}\cdot82{,}07\,\mathrm{g/mol} gerundet 0{,}0706\,\mathrm g oder 70{,}6\,\mathrm{mg}. Die Aussage gilt für das vereinfachte Aufgabenmodell, nicht für sämtliche Sulfitformen oder Begleitstoffe im Wein.
Beispiel
- 1Die Rechnung ergibt für das Aufgabenmodell eine Konzentration von 0{,}00086\,\mathrm{mol/L} und rund 70{,}6\,\mathrm{mg} schweflige Säure pro Liter Wein.
- 2Die Einheitenprobe bestätigt den Weg: Bei c · V kürzt sich Liter heraus, bei n · M kürzt sich Mol heraus.
Teste dich
Der Äquivalenzpunkt ist der Punkt, an dem Analyt und Titrant im Verhältnis der Reaktionsgleichung umgesetzt sind. Der Endpunkt ist das beobachtete oder gemessene Signal, bei dem die Zugabe endet. Beide sollen möglichst nahe beieinanderliegen.
Bei der Eigenindikation zeigt der farbige Titrant einen ersten bleibenden Überschuss: Bei einer geeigneten Permanganattitration bleibt eine schwache violette Farbe. Stärke färbt sich mit Iod tiefblau bis blauschwarz. Ein Redoxindikator ändert bei Oxidation oder Reduktion seine Farbe. Bei einer potentiometrischen Messung wird das Potential gegen das zugegebene Volumen aufgetragen; der Äquivalenzpunkt liegt im Bereich des stärksten Sprungs beziehungsweise am Wendepunkt.
Ein Blindversuch ohne Analyt kann die erwartete Endpunktfarbe zeigen. Eine Vortitration schätzt das benötigte Volumen; bei der Messung erfolgt die Zugabe nahe dem Endpunkt besonders vorsichtig. Eine Farbänderung allein ist nur ein Endpunktsignal. Sie muss den stöchiometrischen Umsatz zuverlässig und ohne größere Verzögerung anzeigen. Solche Titrationen sind hier nur als Messprinzip beschrieben; praktische Durchführung setzt eine eigene Gefährdungsbeurteilung voraus.
Merke: Ein korrekt abgelesenes Volumen genügt nicht. Das Ergebnis ist nur zuverlässig, wenn Reaktion, Stöchiometrie, Endpunkterkennung und Einheiten ebenfalls stimmen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Redoxtitration
Grundlage
gekoppelte Oxidation und Reduktion; eindeutige Stöchiometrie
Messung
Maßlösung bekannter Konzentration; verbrauchtes Volumen am Endpunkt
Auswertung
n_T = c_T · V_T; Stoffmengenverhältnis anwenden; c_A = n_A / V_A
Endpunkterkennung
Eigenfarbe oder Indikator; Potentialkurve
Qualitätskontrolle
Einheiten und Plausibilität; langsame Reaktion und Übertitration vermeiden
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Maßlösung und Stoffmengenverhältnis
- 1Ein Analyt A und ein Titrant T reagieren im Aufgabenmodell im Verhältnis 2:1. Die Probe hat V_A=25\,\mathrm{mL}; c_T=0{,}020\,\mathrm{mol/L} und V_T=10\,\mathrm{mL}.
- 2V_T=0{,}010\,\mathrm L und V_A=0{,}025\,\mathrm L.
- 3Aus n_T=c_T\cdot V_T folgt n_T=0{,}00020\,\mathrm{mol}; eingesetzt werden 0{,}020\,\mathrm{mol/L} und 0{,}010\,\mathrm L.
- 4Aus 2:1 folgt n_A=2\cdot0{,}00020\,\mathrm{mol}=0{,}00040\,\mathrm{mol}.
- 5c_A=n_A/V_A; 0{,}00040\,\mathrm{mol}/0{,}025\,\mathrm L ergibt 0{,}016\,\mathrm{mol/L}.
Fehler finden
Vertauschtes Stoffmengenverhältnis In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Bei Analyt:Titrant = 1:2 ist n_A=n_T/2=0{,}000060\,\mathrm{mol}. Die markierte Zeile kehrt das Verhältnis um; daraus folgt c_A=0{,}0015\,\mathrm{mol/L}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei einer Redoxtitration ist die Konzentration der Maßlösung . Vor n=c\cdot V wird das Volumen in umgerechnet. Das Verhältnis der Stoffmengen liefert die .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback