Chemie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Neutralisation: Säuren und Basen verstehen
Du lernst, wie saure und basische Teilchen Wasser bilden, Zuschauerionen zu erkennen und den End-pH zu beurteilen.
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Kurz gesagt
Bei einer Neutralisation reagieren saure und basische Teilchen. Bei starker Säure und Hydroxidlauge bilden Oxonium- und Hydroxidionen Wasser. Am Äquivalenzpunkt sind die Mengen passend umgesetzt; der pH-Wert hängt auch von den entstandenen Teilchen ab.
Bei einer Neutralisation reagieren saure und basische Teilchen miteinander. Bei starker Säure und einer Hydroxidlauge bilden Oxoniumionen und Hydroxidionen Wasser. Schwache Säuren oder Basen übertragen das Proton auf anderem Weg. Am Äquivalenzpunkt sind die eingesetzten Mengen passend umgesetzt; dabei können entstandene Ionen den pH-Wert verschieben. Der pH-Wert beträgt deshalb nicht automatisch 7. Auf dieser Seite lernst du, Neutralisationen auf Stoff- und Teilchenebene darzustellen, beteiligte Ionen zu unterscheiden und den möglichen End-pH zu beurteilen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ionen sind elektrisch geladene Teilchen. Die Formel \ce{H3O+} steht für drei H-Atome, ein O-Atom und eine positive Ladung. \ce{OH-} enthält ein O- und ein H-Atom und ist negativ geladen.
Eine saure Lösung enthält mehr Oxonium- als Hydroxidionen, also einen Überschuss an Oxoniumionen \ce{H3O+}. Eine Hydroxidlauge enthält umgekehrt einen Überschuss an Hydroxidionen \ce{OH-}. Bei einer starken Säure und einer Hydroxidlauge reagieren sie im passenden Mengenverhältnis zu Wasser:
\ce{H3O+ + OH- -> 2 H2O}
Die große 2 vor \ce{H2O} zählt zwei ganze Wassermoleküle; insgesamt sind das vier H- und zwei O-Atome.
Bei schwachen Partnern gilt diese kurze Gleichung nicht allgemein. Ammoniak nimmt zum Beispiel das Proton direkt vom Oxoniumion auf:
\ce{NH3 + H3O+ -> NH4+ + H2O}
Bei der Reaktion einer starken Säure mit einer Hydroxidlauge wird Wärme frei: Sie ist exotherm. Mol ist eine Einheit für die Stoffmenge: Gleiche Molzahlen stehen für gleich viele Teilchen. kJ (Kilojoule) ist eine Energieeinheit. Unter üblichen Schulbedingungen werden dabei ungefähr 57 kJ frei. Der Wert gilt, wenn ein Mol Oxoniumionen mit einem Mol Hydroxidionen reagiert – also für die Gleichung, wie sie dasteht. \Delta H steht für die abgegebene oder aufgenommene Wärme. Das Minuszeichen in \Delta H\approx-57\,\mathrm{kJ/mol} zeigt die Abgabe an.
Definition
Äquivalenzpunkt
Am Äquivalenzpunkt sind Säure und Base in dem Verhältnis umgesetzt, das ihre Reaktionsgleichung verlangt. Entscheidend ist die passende Anzahl übertragener Protonen beziehungsweise umgesetzter Oxonium- und Hydroxidionen.
Merke: Bei einer Neutralisation reagieren saure und basische Teilchen. Erst am Äquivalenzpunkt sind die eingesetzten Mengen genau passend umgesetzt. Auch dort hängt der pH-Wert von den entstandenen Teilchen ab.
Teste dich
Das bekannte Standardbeispiel Salzsäure mit Natronlauge hat die Stoffgleichung \ce{HCl + NaOH -> NaCl + H2O}. Zum Üben betrachten wir Iodwasserstoffsäure, also \ce{HI} gelöst in Wasser, mit Kalilauge. Ihre Stoffgleichung lautet:
\ce{HI + KOH -> KI + H2O}
In wässriger Lösung zeigt die vollständige Ionengleichung die beteiligten Ionen:
\ce{H3O+ + I- + K+ + OH- -> K+ + I- + 2 H2O}
\ce{K+} und \ce{I-} stehen links und rechts in gleicher Anzahl und Form. Sie sind Zuschauerionen und bleiben in Lösung. Nach dem Kürzen erhältst du die Nettogleichung:
\ce{H3O+ + OH- -> 2 H2O}
Prüfe beim Kürzen Atome und Gesamtladung. Auf beiden Seiten der Nettogleichung stehen vier H-Atome, zwei O-Atome und Gesamtladung null.
Beispiel: Von der Ionen- zur Nettogleichung
- 1Schreibe für Iodwasserstoffsäure und Kalilauge alle gelösten Ionen auf beiden Seiten auf.
- 2Suche Ionen, die auf beiden Seiten unverändert vorkommen.
- 3Streiche diese Zuschauerionen auf beiden Seiten.
- 4Prüfe, ob Atomsorten und elektrische Gesamtladung ausgeglichen sind.
- 5Beim Beispiel stehen Kalium- und Iodidionen beidseits gleich und unverändert. In der Nettogleichung sind links und rechts die Gesamtladungen ausgeglichen. Außerdem stehen auf beiden Seiten vier Wasserstoffatome und zwei Sauerstoffatome.
Teste dich
Eine starke Säure gibt in Wasser ihre Protonen nahezu vollständig ab, eine schwache wie Essigsäure nur teilweise. Starke Hydroxidlaugen liefern Hydroxidionen; schwache Basen wie Ammoniak nehmen Protonen von Wasser nur teilweise auf. „Stark“ beschreibt hier das Reaktionsverhalten, nicht die eingesetzte Menge.
Am Äquivalenzpunkt sind Säure und Base im Verhältnis ihrer Reaktionsgleichung umgesetzt. Bei starker Säure und starker Base liegt der pH-Wert in verdünnter wässriger Lösung um 25 °C ungefähr bei 7. Das Beispiel Salzsäure mit Natronlauge gehört dazu.
Bei einer schwachen Säure und einer starken Base kann die Lösung dagegen basisch sein. Nach der Umsetzung von Essigsäure liegt Acetat vor. Es reagiert teilweise mit Wasser:
\ce{CH3COO- + H2O <=> CH3COOH + OH-}
Die Hydroxidionen führen zu einem pH-Wert über 7. Eine starke Säure mit einer schwachen Base kann am Äquivalenzpunkt einen pH-Wert unter 7 ergeben. Bei zwei schwachen Partnern hängt das Ergebnis von ihren Stärken ab.
| Reaktionspartner bei etwa 25 °C | möglicher pH am Äquivalenzpunkt |
|---|---|
| starke Säure und starke Base | ungefähr 7 |
| schwache Säure und starke Base | über 7 |
| starke Säure und schwache Base | unter 7 |
Definition
Neutralpunkt
Am Neutralpunkt enthält die verdünnte wässrige Lösung gleich viele Oxonium- und Hydroxidionen pro gleichem Volumen. Der Äquivalenzpunkt bezeichnet dagegen das passende Mengenverhältnis der eingesetzten Reaktionspartner. Beide Punkte können auseinanderliegen.
Teste dich
Ein Universalindikator zeigt grob, wie sich der pH-Bereich bei Zugabe einer Lauge zu einer sauren Lösung verändert. Eine Skizze oder ein Film zeigt die mögliche Farbänderung. Daraus allein folgt weder ein ungefährlicher Stoff noch eine erlaubte Entsorgung. Wir betrachten hier nur das Prinzip: Gegen Ende können schon wenige weitere Tropfen einen Überschuss und damit einen starken pH-Wechsel bewirken. Eine praktische Vorführung müsste die Lehrkraft erst für die konkreten Stoffe und Konzentrationen nach den geltenden Schulregeln prüfen und Schutz sowie Entsorgung festlegen.
Bei einer Säure-Base-Titration wird eine Lösung bekannter Konzentration zu einer mit unbekannter Konzentration gegeben. Aus der bis zum Äquivalenzpunkt verbrauchten Menge kann man die unbekannte Konzentration bestimmen. Neutralisation wird auch zur pH-Einstellung von Abwasser verwendet. Antazida vermindern die saure Wirkung von Magensäure durch basisch reagierende Inhaltsstoffe. Natriumhydrogencarbonat bildet dabei zusätzlich Kohlenstoffdioxid, das ein Völlegefühl verursachen kann.
Merke: Ein passender pH-Wert beweist nicht, dass eine Lösung gefahrlos ist. Andere gelöste Stoffe können weiterhin gefährlich sein. Chemikalien dürfen deshalb nur nach Laboranweisung geprüft und entsorgt werden.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Neutralisation
Teilchenebene
Bei starker Säure und Lauge bilden Oxonium- und Hydroxidionen Wasser
Stoffebene
Beim Standardbeispiel entstehen Salz und Wasser
Gleichungen
Zuschauerionen entfallen in der Nettogleichung
Energie
Starke Säure und Hydroxidlauge setzen bei ihrer Reaktion Wärme frei
Äquivalenzpunkt
Der pH-Wert hängt von den Partnern ab
Kontrolle
Indikator oder genaue Mengenmessung; Entsorgung nach Laboranweisung
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Zuschauerionen in einer neuen Gleichung erkennen
- 1Salpetersäure und Kalilauge reagieren in wässriger Lösung.
- 2\ce{HNO3 + KOH -> KNO3 + H2O}
- 3In Wasser lautet die vollständige Ionengleichung:
- 4\ce{H3O+ + NO3- + K+ + OH- -> K+ + NO3- + 2 H2O}
- 5\ce{K+} und \ce{NO3-} stehen links und rechts unverändert. Sie sind Zuschauerionen.
- 6Nach dem Kürzen bleibt \ce{H3O+ + OH- -> 2 H2O}. Atome und Gesamtladung sind ausgeglichen.
Fehler finden
Welche Ionen dürfen weg? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die vierte Zeile ist falsch: \ce{H3O+} und \ce{OH-} reagieren zu Wasser. Zuschauerionen sind hier \ce{Li+} und \ce{ClO4-}. Richtig ist \ce{H3O+ + OH- -> 2 H2O}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Oxoniumionen und Hydroxidionen bilden bei der Neutralisation . Ionen, die links und rechts unverändert stehen, heißen . Am Äquivalenzpunkt muss der pH-Wert .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback