Chemie · Klasse 11–13 · aktualisiert
Nanomaterialien: Eigenschaften, Nutzen und Risiken
Was Nanoobjekte, Nanopartikel und Nanomaterialien sind, warum die Oberfläche zählt und wie du Nutzen und Risiken begründet abwägst.
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Kurz gesagt
Nanomaterialien besitzen Strukturen im Nanometerbereich, meist etwa 1 bis 100 nm (1 nm ist ein Milliardstel Meter). Kleine Teilchen haben im Verhältnis zum Volumen viel Oberfläche; zusammen mit ihrer Struktur kann das Eigenschaften verändern. Nutzen und Risiken prüft man für jedes Material einzeln.
Nanomaterialien besitzen Strukturen im Nanometerbereich. Durch ihre große Oberfläche und besondere Struktur können sie sich anders verhalten als größere Teilchen desselben Stoffes. Das ermöglicht neue Anwendungen, verlangt aber eine Prüfung jedes einzelnen Materials.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter:
1\,\mathrm{nm} = 10^{-9}\,\mathrm{m}
Als nanoskalig gilt der Größenbereich von etwa 1 bis 100 nm. Nanoobjekte sind in mindestens einer äußeren Dimension so klein. Entscheidend ist nicht nur die geringe Größe: Im Nanobereich können sich auch optische, elektrische oder chemische Eigenschaften ändern.
Nanomaterial ist der Oberbegriff. Er umfasst Nanoobjekte sowie Materialien mit inneren Nanostrukturen oder nanostrukturierten Oberflächen.
Nanopartikel können natürlich entstehen, etwa bei Waldbränden und Vulkanausbrüchen. Sie können auch unbeabsichtigt bei Verbrennungen freigesetzt oder für eine bestimmte Anwendung gezielt hergestellt werden.
Definition
Nanoobjekt
Ein Nanoobjekt ist in mindestens einer äußeren Dimension nanoskalig. Dazu kann beispielsweise eine sehr dünne Schicht oder eine sehr schmale Röhre gehören.
Definition
Nanopartikel
Ein Nanopartikel ist in allen drei äußeren Dimensionen nanoskalig. Je nach Größe kann er aus einigen Dutzend bis zu vielen Millionen Atomen oder Molekülen bestehen.
| Ebene | Was ist gemeint? |
|---|---|
| Atom | ein einzelner chemischer Baustein |
| Molekül | miteinander verbundene Atome |
| Nanopartikel | kann viele Atome oder Moleküle enthalten |
| Kristallgitter | regelmäßige räumliche Anordnung seiner Bausteine |
| makroskopische Stoffportion | ohne Hilfsmittel wahrnehmbar; enthält sehr viele Teilchen oder Struktureinheiten |
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Bei einem kleinen Körper liegt ein größerer Anteil seiner Bausteine an der Oberfläche. Dort können sie mit der Umgebung in Kontakt kommen. Deshalb können Adsorption, chemische Reaktivität und katalytische Wirkung zunehmen. Adsorption bedeutet, dass sich Teilchen an einer Oberfläche anlagern. Ein Katalysator ermöglicht oder beschleunigt eine Reaktion, ohne dabei dauerhaft verbraucht zu werden.
Ein Würfelmodell macht den Zusammenhang sichtbar. Für einen Würfel mit der Kantenlänge a gelten die Oberfläche A=6a^2 und das Volumen V=a^3. Für ihr Verhältnis folgt:
\frac{A}{V}=\frac{6a^2}{a^3}=\frac{6}{a}
Dieses Verhältnis von Oberfläche zu Volumen (oder zur Masse) nennt man spezifische Oberfläche. Wird die Kantenlänge von 100 nm auf 10 nm verkleinert, ist das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen zehnmal so groß. Das gilt für getrennte Würfel. Lagern sie sich zusammen, kann ein Teil der Oberfläche wieder unzugänglich werden.
Beispiel: Dieselbe Stoffportion, immer kleiner zerteilt
- 1Du zerteilst dieselbe Stoffportion gedanklich in immer kleinere, voneinander getrennte Würfel.
- 2Das gesamte Volumen bleibt gleich. Es entstehen jedoch zusätzliche Außenflächen.
- 3Mehr Stoff kann dadurch gleichzeitig mit der Umgebung in Kontakt treten.
- 4Das Modell erklärt den Einfluss der Größe. Es sagt allein noch nicht voraus, wie giftig, leitfähig oder stabil ein konkretes Material ist.
Merke: Kleiner bedeutet häufig mehr zugängliche Oberfläche pro Volumen – aber nicht automatisch eine bestimmte Wirkung.
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Kohlenstoff-Nanoröhren zeigen, warum das Wort „nano“ als Erklärung nicht genügt. Sie bestehen aus zylinderförmig angeordneten, graphitartigen Kohlenstofflagen. Es gibt einwandige und mehrwandige Röhren; ihre Durchmesser können im Nanometerbereich liegen.
Die röhrenförmige Struktur hängt mit hoher Elastizität und Reißfestigkeit zusammen. Je nach genauer Anordnung können Kohlenstoff-Nanoröhren elektrisch leitend oder halbleitend sein. Ein Halbleiter leitet Strom nur unter bestimmten Bedingungen besser als ein Isolator.
Eine makroskopische Kohlenstoffportion besitzt nicht automatisch dieselbe röhrenförmige Geometrie. Auch ihre zugängliche Oberfläche ist im Verhältnis zum Volumen meist kleiner. Deshalb können sich ihre Eigenschaften von denen einer Nanoröhre unterscheiden. Das Oberflächenmodell erklärt besonders gut Kontakt, Adsorption und Reaktivität. Für elektrische Eigenschaften muss zusätzlich die genaue Anordnung der Kohlenstoffatome betrachtet werden. Das ist eine Grenze des einfachen Oberflächenmodells.
Anwendungen nutzen jeweils eine bestimmte Eigenschaft. Eine bloße Produktliste erklärt deshalb noch keinen chemischen Zusammenhang. Nicht jede genannte Anwendung ist gleich weit entwickelt: Manche Angaben beschreiben etablierte Produkte, andere Forschungsansätze oder erwartete Vorteile.
| Anwendung | Genutzte Eigenschaft |
|---|---|
| Sonnencreme | Nanoskaliges Titandioxid oder Zinkoxid schirmt UV-Strahlung ab und ermöglicht transparentere Cremes. |
| Textilien | Silbernanopartikel hemmen Bakterien und sollen dadurch Gerüche vermindern. |
| Katalysatoren | Die große Oberfläche stellt viele mögliche Reaktionsorte bereit. |
| Oberflächen | Nanostrukturen können Wasser, Fett oder Schmutz schlechter haften lassen. |
| Wasseraufbereitung | Nanomembranen oder nanoskaliges Eisen sollen Verunreinigungen entfernen oder chemisch umwandeln. |
| Medizin | Oberflächen von Wirkstoffträgern können so verändert werden, dass bestimmte Zellen sie eher aufnehmen. |
Beispiel: Der Denkweg beim Nanokatalysator
- 1Kleine Teilchen besitzen viel Oberfläche im Verhältnis zu ihrem Volumen.
- 2Dadurch stehen viele Oberflächenplätze für den Kontakt mit Ausgangsstoffen bereit.
- 3An diesen Plätzen können Reaktionen ablaufen.
- 4Ob der Katalysator tatsächlich geeignet ist, hängt zusätzlich von Stoff, Struktur und Reaktionsbedingungen ab.
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Es gibt nicht „das“ Nanopartikel mit einer einheitlichen Wirkung. Eine Bewertung muss mindestens die acht Prüfpunkte der Tabelle berücksichtigen.
Eingeatmete sehr kleine Partikel können bis in tiefe Bereiche der Lunge gelangen. Deshalb rät das EU-Fachgremium für Verbrauchersicherheit (SCCS) von Nano-Titandioxid in Sprays ab. Über gesunde Haut gelangt dasselbe Nano-Titandioxid aus Sonnencreme nach seiner Bewertung dagegen kaum oder gar nicht in den Körper. Dieses Ergebnis gilt für den geprüften Stoff, nicht automatisch für jedes Nanomaterial. Auch mögliche Freisetzungen aus Lacken, Textilien, Filtern oder Reifen sind nicht für jedes Material ausreichend geklärt.
| Prüfpunkt | Leitfrage |
|---|---|
| Material | Aus welchem Stoff besteht das Nanoobjekt? |
| Größe und Form | Handelt es sich etwa um Partikel, Röhren oder Schichten? |
| Oberfläche | Ist sie beschichtet oder chemisch verändert? |
| Bindung | Liegt das Material frei vor oder ist es fest in ein umgebendes Material, eine sogenannte Matrix, eingebunden? |
| Freisetzung | Kann es durch Sprühen, Abrieb, Alterung oder Auswaschen in die Umgebung gelangen? |
| Exposition | Können Menschen oder andere Organismen es einatmen, verschlucken oder über andere Wege aufnehmen? |
| Verhalten | Ist es löslich, lagert es sich zusammen oder bleibt es beweglich? |
| Lebensweg | Was geschieht bei Herstellung, Nutzung und Entsorgung? |
Beispiel: Eine selbstreinigende Beschichtung bewerten
- 1Eine selbstreinigende Beschichtung könnte Wasser und Reinigungsmittel sparen. Für eine Umweltbewertung reicht dieser Vorteil nicht aus.
- 2Du musst zusätzlich fragen, wie die Beschichtung hergestellt wird, ob Partikel durch Abrieb freikommen, wie sie auf Organismen wirken und was bei der Entsorgung geschieht.
- 3Erst diese gemeinsame Betrachtung erlaubt ein begründetes Urteil.
Merke: Ein technischer Nutzen ist noch keine vollständige Sicherheits- oder Umweltbilanz. Fehlende Daten beweisen weder Unbedenklichkeit noch einen Schaden.
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Alles auf einen Blick
Nanomaterialien
Größe
1 nm ist ein Milliardstel Meter; nanoskalig heißt etwa 1 bis 100 nm
Begriffe
Nanoobjekt, Nanopartikel und Nanomaterial als Oberbegriff
Oberfläche
kleinere getrennte Teilchen haben mehr Oberfläche pro Volumen
Struktur
die Anordnung der Atome bestimmt etwa die Leitfähigkeit mit
Anwendungen
jede nutzt eine bestimmte Eigenschaft
Bewertung
Stoff, Freisetzung, Exposition und Lebensweg gemeinsam prüfen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie viel Oberfläche entsteht beim Zerteilen?
- 1Aufgabe: Ein getrennter Würfel hat die Kantenlänge a=50\,\mathrm{nm}. Er wird gedanklich in getrennte Würfel mit a=10\,\mathrm{nm} zerteilt. Vergleiche Oberfläche und Volumen vorher und nachher.
- 2Vorher: A=6\cdot(50\,\mathrm{nm})^2 =15\,000\,\mathrm{nm^2} und V=(50\,\mathrm{nm})^3 =125\,000\,\mathrm{nm^3}.
- 3Anzahl der kleinen Würfel: Pro Kante passen 50\,\mathrm{nm}:10\,\mathrm{nm}=5 Würfel, insgesamt also 5^3=125 Würfel.
- 4Nachher: A=125\cdot6\cdot(10\,\mathrm{nm})^2 =75\,000\,\mathrm{nm^2} und V=125\cdot(10\,\mathrm{nm})^3 =125\,000\,\mathrm{nm^3}.
- 5Ergebnis: Das Volumen bleibt gleich, die Oberfläche wird fünfmal so groß. Das passt zu A/V=6/a, denn die Kantenlänge ist fünfmal kleiner.
Fehler finden
Wie stark wächst das Verhältnis wirklich? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 5Zeile 5 ist falsch: 0{,}3\,\mathrm{nm^{-1}}:0{,}1\,\mathrm{nm^{-1}}=3. Das Quadrat aus A=6a^2 kürzt sich mit V=a^3; das Verhältnis ist nur dreimal so groß.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein Nanometer ist ein Meter. Ein Nanopartikel ist in allen drei äußeren Dimensionen nanoskalig, ein schon in mindestens einer. Kleinere, getrennte Teilchen haben im Verhältnis zum Volumen Oberfläche.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback