Chemie · Klasse 5–13 · aktualisiert
Chemische Informationen prüfen und bewerten
Du lernst, chemische Behauptungen zu prüfen und Entscheidungen mit Belegen, klaren Gesichtspunkten und Unsicherheiten zu begründen.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Eine chemische Aussage bewertest du, indem du ihre Belege und Bedingungen prüfst. Danach vergleichst du mögliche Handlungen nach passenden Gesichtspunkten wie Kosten, Gesundheit oder Umwelt. Trenne dabei Sachurteil, persönliche Gewichtung und Entscheidung.
Eine chemische Information ist nicht schon deshalb verlässlich, weil sie nach Fachwörtern klingt oder eine einzelne richtige Angabe enthält. Du prüfst zuerst Aussage, Belege und Grenzen. Danach vergleichst du mögliche Handlungen nach Gesichtspunkten, die du offen nennst, und trennst dein Sachurteil von deiner persönlichen Gewichtung und Entscheidung.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Werbung sagt: „Dieser Stoff ist umweltfreundlich, weil er gut biologisch abbaubar ist.“ Die Abbaubarkeit kann stimmen. Für das Gesamturteil fehlen weitere Fragen: Ist der Stoff oder ein Abbauprodukt giftig? Wie viel gelangt in die Umwelt? Unter welchen Bedingungen und wie schnell baut er sich ab? Welche Lebewesen und Umweltbereiche sind betroffen? Welche Vorteile, Risiken und Alternativen gibt es?
Kläre zuerst den Gegenstand: Welcher Stoff, welches Gemisch oder Verfahren ist gemeint? Halte dann die genaue Aussage, ihre Bedingungen wie Menge und Umgebung sowie die Entscheidungsfrage fest.
Definition
Chemische Information
Eine chemische Information ist eine Aussage oder Angabe über Stoffe, Reaktionen, Eigenschaften, Messwerte, Modelle, Anwendungen oder Folgen. Sie kann richtig sein und dennoch für eine bestimmte Entscheidung nicht ausreichen.
Merke: Prüfe nicht nur, ob eine Aussage richtig ist. Prüfe auch, wofür sie gilt und ob sie die Entscheidungsfrage tatsächlich beantwortet.
Beispiel: Eine gute Prüfung beginnt deshalb mit vier Klärungen
- 1Gegenstand: Um welchen Stoff, welches Gemisch oder welches Verfahren geht es genau?
- 2Aussage: Was wird konkret behauptet?
- 3Bedingungen: Für welche Menge, Temperatur, Umgebung oder Anwendung soll die Aussage gelten?
- 4Entscheidungsfrage: Was soll mithilfe der Information beurteilt oder entschieden werden?
Teste dich
Prüfe den Inhalt: Sind Stoff, Messgröße, Einheit, Bedingungen und Schlussfolgerung genannt? Prüfe die Belege: Gibt es Messungen oder nachprüfbare Daten? Prüfe den Geltungsbereich: Für welche Stoffe und Situationen gilt das Ergebnis? Prüfe Interessen und Darstellung: Wer veröffentlicht es, für wen und mit welchem Ziel? Ein Interesse macht eine Aussage nicht falsch. Es ist ein Grund, die Belege genau anzusehen und zu fragen, was weggelassen wurde.
„Die Wasserprobe enthält Stoff X“ beschreibt einen Nachweis. „Die Probe ist gefährlich“ braucht weitere Angaben, etwa Menge, Kontakt mit dem Stoff, mögliche Wirkung und Unsicherheit. Ein Computermodell kann Eigenschaften aus der Stoffstruktur schätzen. Dazu gehören Modelle namens (Q)SAR. Sie können Hinweise auf Löslichkeit, Umweltverhalten oder schädliche Wirkungen geben und Untersuchungen ordnen. Prüfe, welche bekannten Stoffe als Vorbilder dienten, ob die Vorhersagen getestet wurden und ob das Modell zum untersuchten Stoff passt. Ein Modellverdacht ist kein Nachweis durch einen Versuch.
Beispiel: Ein Modellverdacht ist noch kein Beweis
- 1In einem Gewässer wird ein wenig untersuchter Stoff gefunden. Es ist noch nicht durch Versuche geklärt, ob er das Erbgut schädigen kann. Das nennt man Gentoxizität.
- 2Ein Modell aus der Stoffstruktur meldet einen Verdacht. Das Sachurteil lautet: Das Modell liefert für passende Stoffe einen Hinweis, aber noch keinen Nachweis durch einen Versuch.
- 3Darum kann der Stoff zuerst gezielt untersucht werden. Der Verdacht wird genutzt, aber nicht als bewiesene Schädigung ausgegeben.
Beispiel: Vier Fragen an ein Stoffmodell
- 1Wurde das Modell für diese Stoffgruppe entwickelt und an bekannten Fällen geprüft?
- 2Kannst du erkennen, auf welchen Daten und Schritten die Schätzung beruht?
- 3Passen weitere geeignete Modelle oder ähnliche Wirkungen zu dem Ergebnis?
- 4Reicht eine erste Orientierung oder braucht die Entscheidung einen Versuch?
Teste dich
Ein Sachurteil sagt, was Daten und chemisches Wissen unter genannten Bedingungen stützen. Ein Werturteil legt offen, wie du Gesundheit, Umwelt, Nutzen oder Kosten gewichtest. Kriterien sind Gesichtspunkte, nach denen du vergleichst, zum Beispiel Kosten, Gesundheit oder Umwelt. Danach wählst du eine Handlungsoption. Zwei Personen können bei denselben Fakten anders gewichten. Beide Entscheidungen müssen zu den geprüften Fakten und ihrer Begründung passen.
Definition
Sachurteil
Ein Sachurteil beantwortet eine fachlich prüfbare Frage. Es stützt sich auf chemische Kenntnisse, Daten und geeignete Modelle und nennt deren Bedingungen und Grenzen.
Beispiel: Ersatzstoff für denselben Zweck
- 1Ein Ersatzstoff erfüllt denselben technischen Zweck und baut sich leichter biologisch ab. Seine Herstellung kostet mehr.
- 2Sachurteil: Nach den gegebenen Angaben baut sich der Ersatzstoff leichter biologisch ab; seine Herstellung kostet mehr. Für ein Gesamturteil fehlen noch Daten zur Giftigkeit und dazu, wie viel vom Stoff in die Umwelt gelangt.
- 3Werturteil: In dieser Lage zählt Umweltschutz stärker als der höhere Preis, wenn keine neuen schweren Risiken auftreten.
- 4Entscheidung: Nach weiterer Prüfung der Sicherheit wird der Ersatzstoff bevorzugt.
- 5Diese Entscheidung nennt Fakten, fehlende Daten und die persönliche Gewichtung getrennt.
Merke: Chemische Fakten begrenzen sinnvolle Entscheidungen. Sie legen die Gewichtung von Umwelt, Gesundheit, Nutzen, Kosten und sozialen Folgen aber nicht allein fest.
Teste dich
Nenne mindestens zwei realistische Optionen. Auch vorerst weitere Daten zu sammeln ist eine Option, wenn du die Folgen der Verzögerung beachtest. Wähle passende Kriterien: Zweck, Sicherheit und Kontakt mit dem Stoff, Umweltfolgen von Herstellung bis Entsorgung, Rohstoffe und Energie, Kosten, Nutzen für Betroffene sowie fehlende Daten. Lege offen, welche Kriterien besonders zählen.
Bei einer Verunreinigung im Wasser kannst du sofort breit mit Versuchen untersuchen oder zunächst mit geeigneten Modellen sichten und auffällige Wirkungen danach mit Versuchen prüfen. Das Modell spart möglicherweise Zeit, bleibt aber eine Schätzung. Für eine endgültige Entwarnung reicht diese erste Sichtung nicht.
Ein begründeter Weg führt in sieben Schritten zu einer Entscheidung. Beachte dabei kurz- und langfristige sowie lokale und weitere Folgen.
| Bereich | Frage |
|---|---|
| Wirkung | Erfüllt die Möglichkeit ihren Zweck? |
| Gesundheit und Sicherheit | Welche Gefahren, Berührungen mit dem Stoff und Schutzmaßnahmen gibt es? |
| Umwelt | Welche Folgen haben Herstellung, Nutzung, Abbau und Entsorgung? |
| Rohstoffe und Energie | Welche Stoffe und wie viel Energie werden gebraucht? |
| Kosten | Was kostet die Möglichkeit und welchen Nutzen bringt sie? |
| Menschen | Wer hat den Nutzen, wer trägt Belastungen oder Risiken? |
| Fehlendes Wissen | Welche Daten fehlen und wie schlimm wäre ein Irrtum? |
Beispiel
- 1Zweck: Benötigt wird zuerst ein Überblick für weitere Untersuchungen, keine endgültige Bewertung des Stoffs.
- 2Optionen: Breite Tests liefern experimentelle Daten, brauchen aber Zeit und Geld. Ein geeignetes Modell kann schnell ordnen, bleibt aber eine Schätzung.
- 3Unsicherheit: Für das Modell sind die als Vorbilder genutzten Stoffe, sein passender Einsatzbereich und die Prüfung seiner Vorhersagen wichtig. Ein auffälliges Ergebnis ist ein Verdacht.
- 4Gewichtung: Für den ersten Überblick zählen Zeit und die Reihenfolge weiterer Untersuchungen. Wegen möglicher Folgen müssen auffällige Wirkungen später mit Versuchen geprüft werden.
- 5Entscheidung: Das Modell ist als erster Schritt angemessen, wenn es zu diesen Stoffen passt, geprüft ist und auffällige Ergebnisse anschließend untersucht werden.
Beispiel: Sieben Schritte zu einer begründeten Entscheidung
- 1Frage: Nenne zuerst die Entscheidungsfrage.
- 2Trennen: Trenne, was sich prüfen lässt, was jemand daraus schließt und was jemand fordert.
- 3Belege: Prüfe Belege und ihre Grenzen.
- 4Möglichkeiten: Vergleiche die Möglichkeiten, auch die Folgen, wenn niemand etwas tut.
- 5Gewichten: Gewichte Gesichtspunkte zu Chemie, Umwelt, Kosten und Menschen.
- 6Entscheiden: Entscheide unter Vorbehalt.
- 7Offen bleiben: Nenne, welche neue Information dein Urteil ändern würde.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Chemische Informationen bewerten
Frage
Gegenstand, Aussage und Entscheidung klären
Belege
Daten, Quelle und Modell prüfen
Grenzen
Bedingungen und fehlende Daten nennen
Sachurteil
fachlich gestützte Aussage formulieren
Werturteil
Gesichtspunkte und ihre Gewichtung offen nennen
Entscheidung
Optionen und Folgen abwägen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Sicherheitsaussage auf einer Verpackung prüfen
- 1Produkt P wirbt: „Bei sachgemäßer Anwendung wurde keine akute Reizung beobachtet. Deshalb ist es sicher.“
- 2Sachgemäß heißt: so genutzt, wie angegeben. Akut meint hier eine Reizung kurz nach dem Kontakt. Andere Wirkungen wurden damit nicht geprüft.
- 3Prüfe, wer womit und auf welchem Weg in Berührung kam, wie gut die Daten sind, wer die Werbung veröffentlicht und ob spätere Wirkungen bekannt sind.
- 4Vergleiche Nutzung wie vorgesehen, zusätzliche Schutzmaßnahmen, eine Alternative und das Klären fehlender Daten.
- 5Sachurteil: Unter diesen Bedingungen wurde keine akute Reizung beobachtet. Sicherheit in anderen Fällen ist damit nicht belegt.
- 6Wäge Nutzen, falsche Anwendung und mögliche Folgen ab. Triff eine Entscheidung mit Vorbehalt. Neue Daten zu späten Wirkungen, Umweltfolgen oder anderem Kontakt könnten sie ändern.
Fehler finden
Reicht eine Eigenschaft für ein Urteil? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile ist falsch: Wasserlöslichkeit sagt weder etwas Sicheres über Giftigkeit noch über Herstellung und Entsorgung. Diese Folgen brauchen eigene Belege.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein sagt, was Daten stützen. Was mir wichtiger ist, gehört zum . Eine Modellvorhersage ist eine . Fehlende Daten nenne ich bei der Entscheidung.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback