Chemie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Halogene: Eigenschaften, Trends und Reaktionen
Vergleiche Halogene von Fluor bis Iod: Außenelektronen, Stofftrends, Salzbildung und Reaktionen.
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Kurz gesagt
Halogene stehen in Gruppe 17. Fluor, Chlor, Brom und Iod besitzen sieben Außenelektronen und bilden als elementare Stoffe zweiatomige Moleküle. Sie können ein Elektron aufnehmen und mit Metallen Halogenidsalze bilden; ihre Reaktivität nimmt von Fluor nach Iod ab.
Die gut untersuchten Halogene Fluor, Chlor, Brom und Iod sind reaktionsfreudige Nichtmetalle der 7. Hauptgruppe beziehungsweise Gruppe 17. Ihre Atome besitzen sieben Außenelektronen und bilden mit Metallen häufig Salze. Von Fluor zu Iod sinkt die Reaktivität, während Schmelz- und Siedetemperaturen steigen. Auf dieser Seite lernst du, diese Gemeinsamkeiten und Trends zu erklären, Reaktionsgleichungen zu deuten und Vorhersagen zu treffen.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Zur Gruppe 17 gehören Fluor, Chlor, Brom, Iod, Astat und das künstlich erzeugte Tenness. Der Schulvergleich betrachtet vor allem Fluor bis Iod, weil sich ihre Eigenschaften zuverlässig vergleichen lassen. „Halogene“ bedeutet Salzbildner: Sie reagieren mit vielen Metallen zu Salzen.
Ein Halogenatom hat sieben Außenelektronen. Im einfachen Schalenmodell fehlt ein Elektron zur voll besetzten Außenschale. Nimmt es eines auf, entsteht ein einfach negativ geladenes Halogenidion. Für ein Halogenatom X gilt:
\ce{X + e- -> X-}
Die elementaren Stoffe Fluor, Chlor, Brom und Iod bestehen aus zweiatomigen Molekülen: \ce{F2}, \ce{Cl2}, \ce{Br2} und \ce{I2}.
Definition
Außenelektronen
Außenelektronen sind die Elektronen in der äußersten besetzten Schale eines Atoms. Sie beeinflussen wesentlich, wie das Atom reagiert.
Definition
Halogenidion und Halogenid
Ein Halogenidion ist ein einfach negativ geladenes Halogenion, zum Beispiel \ce{Cl-} oder \ce{Br-}. Verbindungen mit solchen Ionen heißen Halogenide, etwa Natriumchlorid \ce{NaCl}.
Merke: Sieben Außenelektronen erklären die gemeinsame Tendenz der Halogene, ein Elektron aufzunehmen. Der Modellgedanke beschreibt eine Tendenz und nicht den vollständigen Ablauf jeder Reaktion.
Teste dich
Die Tabelle vergleicht Fluor, Chlor, Brom und Iod im üblichen Schulvergleich bei Raumtemperatur. Von Fluor nach Iod nehmen Reaktivität und Elektronegativität ab. Elektronegativität beschreibt, wie stark ein Atom die Elektronen in einer chemischen Bindung anzieht. Farbintensität, Dichte sowie Schmelz- und Siedetemperaturen nehmen zu. Die Stoffe wechseln von Gasen über eine Flüssigkeit zum Feststoff.
Zwischen den Molekülen wirken Anziehungskräfte, die Van-der-Waals-Kräfte. Von Fluor nach Iod nimmt die Molekülmasse zu. Mit zunehmender Molekülmasse werden die Van-der-Waals-Kräfte stärker. Deshalb ist mehr Energie nötig, um die Moleküle zu trennen; ihre Schmelz- und Siedetemperaturen steigen. Alle vier Elemente haben sieben Außenelektronen und reagieren daher auf ähnliche Weise. Diese Zahl allein erklärt den abnehmenden Reaktivitätstrend aber nicht.
Astat ist radioaktiv, sehr selten und wenig untersucht. Für künstlich erzeugtes Tenness fehlen ebenfalls vergleichbare Stoffdaten. Beide gehören deshalb nicht in denselben einfachen Stoffvergleich wie Fluor bis Iod.
| Elementarer Stoff | Farbe | Aggregatzustand im üblichen Schulvergleich | Reaktivität innerhalb der Reihe |
|---|---|---|---|
| \ce{F2} | blass gelbgrün | gasförmig | am höchsten |
| \ce{Cl2} | gelbgrün | gasförmig | hoch |
| \ce{Br2} | rotbraun | flüssig | geringer |
| \ce{I2} | grauschwarz; Dampf violett | fest | am geringsten |
Teste dich
Halogene reagieren mit vielen Metallen zu Halogenidsalzen. Bei der Bildung von Natriumchlorid gilt:
\ce{2 Na + Cl2 -> 2 NaCl}
Ein Chlormolekül enthält zwei Chloratome. Deshalb müssen links zwei Natriumatome stehen, damit auf beiden Seiten gleich viele Atome jeder Sorte vorkommen. Die Verbindung Natriumchlorid hat andere Eigenschaften als das reaktionsfreudige Natrium und das giftige elementare Chlor.
Halogene reagieren auch mit Wasserstoff zu Halogenwasserstoffen. Für Chlor gilt:
\ce{H2 + Cl2 -> 2 HCl}
Die Heftigkeit dieser Elementreaktionen nimmt von Fluor zu Iod ab. Fluor, Chlor und Brom sind beim Einatmen lebensgefährlich. Fluor und Brom verätzen Haut und Augen schwer; Chlor reizt Augen, Haut und Atemwege. Iod ist gesundheitsschädlich beim Verschlucken, beim Einatmen und bei Hautkontakt und kann bei längerer oder wiederholter Aufnahme die Schilddrüse schädigen. Reaktionen mit elementaren Halogenen gehören nur in ein dafür ausgestattetes Labor unter fachkundiger Aufsicht. Hier werden sie nur anhand von Stoffdaten und Gleichungen betrachtet; sie sind keine Versuchsanleitung.
Beispiel
- 1Ein Chlormolekül enthält zwei Chloratome. Jedes Chloratom nimmt ein Elektron auf. Deshalb werden zwei Natriumatome benötigt, die jeweils ein Elektron abgeben.
- 2Zwei Natriumatome geben zusammen zwei Elektronen ab.
- 3Die beiden Chloratome des Moleküls nehmen je ein Elektron auf.
- 4Es entstehen Natriumionen und Chloridionen.
- 5Diese entgegengesetzt geladenen Ionen bilden das Salz Natriumchlorid.
- 6Die Koeffizienten 2 : 1 : 2 sorgen dafür, dass auf beiden Seiten zwei Natrium- und zwei Chloratome vorkommen.
Teste dich
Wegen ihrer hohen Reaktivität kommen Halogene in der Natur überwiegend gebunden vor. Fluorid steckt etwa in Calciumfluorid \ce{CaF2} in Mineralien, Chlorid in Natriumchlorid \ce{NaCl} in Meerwasser und Salzlagerstätten. Dort kommt auch Bromid vor; Iodid findet man in Meeresorganismen.
Um elementare Halogene zu gewinnen, müssen Halogenidionen Elektronen abgeben. Eine Elektronenabgabe heißt Oxidation, eine Elektronenaufnahme Reduktion. Für Fluor ist eine Elektrolyse nötig. Als Teilgleichung gilt:
\ce{2 F- -> F2 + 2 e-}
Bei den hier betrachteten Verdrängungen in wässriger Lösung gilt für Chlor, Brom und Iod: Ein höher stehendes Halogen kann Halogenidionen eines tiefer stehenden Halogens oxidieren. Chlor setzt etwa Brom aus Bromid frei:
\ce{Cl2 + 2 Br- -> 2 Cl- + Br2}
Dabei wird Bromid zu Brom oxidiert und Chlor zu Chlorid reduziert. Diese Vorhersage gilt für den betrachteten Verdrängungstyp, nicht für jede denkbare Reaktion.
Beispiel: Gegeben ist die Reaktivitätsfolge:
- 1\ce{F2} > \ce{Cl2} > \ce{Br2} > \ce{I2}
- 2Beobachtung: Chlor setzt Brom aus Bromid frei.
- 3Trend: In wässriger Lösung kann Chlor Bromid und Iodid oxidieren; Brom kann Iodid oxidieren.
- 4Vorhersage: Chlor kann auch Iodid zu Iod oxidieren. Iod ist dagegen weniger reaktiv als Brom und kann Bromid nach diesem Trend nicht zu Brom oxidieren.
- 5Die Vorhersage gilt innerhalb des hier betrachteten Reaktionstyps. Sie ist keine Behauptung, dass Chlor unter allen Bedingungen mit jedem Stoff heftiger reagiert.
Merke: Beschreibe zuerst die Daten, formuliere dann den begrenzten Trend und begründe erst danach mit einem Modell. So verwechselst du Beobachtung und Erklärung nicht.
Beispiel: Beim Auswerten von Daten trennst du drei Ebenen
- 1Beobachtung: Was zeigen Farbe, Aggregatzustand oder Reaktionsverlauf?
- 2Trend: Wie verändert sich eine Eigenschaft innerhalb der Gruppe?
- 3Modellbegründung: Welche Teilchenvorstellung erklärt Gemeinsamkeiten oder Veränderungen?
Teste dich
Alles auf einen Blick
Halogene
Atombau
sieben Außenelektronen; Bildung von \ce{X-}
Elementare Stoffe
zweiatomige Moleküle \ce{X2}; Fluor und Chlor gasförmig, Brom flüssig, Iod fest
Gruppentrends
Von Fluor bis Iod nimmt die Reaktivität ab; Schmelz- und Siedetemperaturen nehmen zu
Reaktionen
mit Metallen zu Halogeniden; mit Wasserstoff zu Halogenwasserstoffen; bei der betrachteten Verdrängung in wässriger Lösung oxidiert Chlor Bromid und Iodid, Brom oxidiert Iodid
Vorkommen und Gewinnung
überwiegend gebunden in Salzen; Elektrolyse oder Oxidation von Halogeniden
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine Halogenid-Reaktion vorhersagen
- 1Gegeben ist die Reaktivitätsfolge Fluor > Chlor > Brom > Iod. Betrachte Chlor und Iodidionen in wässriger Lösung nur als Stoffvergleich, nicht als Versuchsanleitung.
- 2Chlor steht über Iod. In diesem Reaktionstyp kann es Iodidionen Elektronen entziehen.
- 3Die Produkte sind Chloridionen und elementares Iod: \ce{Cl2 + 2 I- -> 2 Cl- + I2}.
- 4Links und rechts stehen je zwei Chloratome und zwei Iodatome. Die Gesamtladung beträgt auf beiden Seiten −2.
Fehler finden
Eine Vorhersage aus der Reihenfolge prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile kehrt die Reihenfolge um: In wässriger Lösung kann Brom Iodidionen zu Iod oxidieren; Iod kann Bromidionen in diesem Reaktionstyp nicht zu Brom oxidieren.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Halogene kommen in der Natur überwiegend vor. Ein einfach negativ geladenes Halogenion heißt . Bei der Reaktion von Chlor mit Bromid entsteht elementares .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback