Chemie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Erdalkalimetalle: Eigenschaften und Reaktivität
Beryllium bis Radium: zwei Außenelektronen, zweifach positive Ionen, der Reaktivitätstrend, schützende Oxidschichten, Flammenfarben und Wasserhärte.
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Kurz gesagt
Erdalkalimetalle sind die Metalle der 2. Hauptgruppe: Beryllium, Magnesium, Calcium, Strontium, Barium und Radium. Ihre Atome besitzen zwei Außenelektronen, geben beide meist ab und bilden zweifach positive Ionen wie Mg²⁺. Von oben nach unten nimmt ihre Reaktivität zu.
Erdalkalimetalle bilden die 2. Hauptgruppe des Periodensystems. Ihre Atome besitzen zwei Außenelektronen und bilden meist zweifach positiv geladene Ionen. Innerhalb der Gruppe nimmt die Reaktivität von oben nach unten zu.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Magnesium aus Mineralwasser, Calcium in Knochen und Bariumverbindungen im Labor gehören zur gleichen Elementfamilie. Im Periodensystem stehen ihre Elemente untereinander in der 2. Hauptgruppe: Beryllium (Be), Magnesium (Mg), Calcium (Ca), Strontium (Sr), Barium (Ba) und Radium (Ra).
Radium ist radioaktiv. Alle Erdalkalimetalle sind bei Raumtemperatur feste Metalle. Reine Erdalkalimetalle kommen wegen ihrer Reaktionsfreudigkeit in der Natur nicht ungebunden, sondern in Verbindungen vor.
Bei einer Reaktion kann ein Erdalkalimetallatom beide Valenzelektronen abgeben. Dadurch entsteht ein Ion mit zwei positiven Ladungen, zum Beispiel \ce{Mg^2+} oder \ce{Ca^2+}. Die hochgestellte Angabe 2+ nennt die Ladung des Ions.
Eine Elektronenanordnung wie bei einem Edelgas, meist mit acht Außenelektronen, bei Helium mit zwei, heißt Edelgaskonfiguration. Nach der Abgabe ihrer beiden Valenzelektronen besitzen Erdalkalimetallionen die Elektronenanordnung des vorhergehenden Edelgases.
Definition
Valenzelektronen
Valenzelektronen sind die Elektronen auf der äußersten besetzten Schale eines Atoms. Sie bestimmen wesentlich, wie das Atom chemisch reagiert. Jedes Erdalkalimetallatom besitzt zwei Valenzelektronen.
Beispiel: Vom Magnesiumatom zum Magnesiumion
- 1Ein neutrales Magnesiumatom besitzt 12 Protonen und 12 Elektronen, zwei davon auf der äußersten Schale.
- 2Es gibt diese zwei Elektronen ab. Danach hat es noch 10 Elektronen, also zwei negative Ladungen weniger als positive Kernladungen.
- 3Es entsteht deshalb das zweifach positiv geladene Magnesiumion \ce{Mg^2+}.
- 4Mit 10 Elektronen hat es dieselbe Elektronenanordnung wie das Edelgas Neon.
Merke: Zwei Außenelektronen führen bei Erdalkalimetallen meist zu Ionen der Form M²⁺. M steht dabei für ein beliebiges Erdalkalimetall.
Teste dich
Calcium reagiert leichter als Magnesium, Barium leichter als Calcium. Das ist ein beobachteter Gruppentrend: Die Reaktivität der Erdalkalimetalle nimmt von Beryllium zu Barium zu.
Das Schalenmodell liefert dafür eine Erklärung. Von oben nach unten kommt bei jedem Element eine weitere Elektronenschale hinzu. Die Außenelektronen befinden sich dadurch weiter vom positiv geladenen Atomkern entfernt. Innere Elektronen schirmen die Anziehung des Kerns zusätzlich ab. Die beiden Außenelektronen lassen sich deshalb leichter abgeben. Das Element reagiert leichter und damit meist heftiger.
Diese Erklärung ist ein Modell. Sie deutet den beobachteten Trend mithilfe von Abstand und Abschirmung.
Beispiel: Magnesium und Calcium im Modell
- 1Magnesium steht oberhalb von Calcium.
- 2Bei Calcium sind die Außenelektronen weiter vom Kern entfernt und stärker durch innere Elektronen abgeschirmt.
- 3Deshalb gibt Calcium seine Außenelektronen leichter ab und ist reaktiver als Magnesium.
Merke: Je weiter unten ein Erdalkalimetall in der Gruppe steht, desto leichter gibt es seine beiden Außenelektronen ab und desto reaktiver ist es.
Teste dich
Ein Trend beschreibt die allgemeine Richtung. Die sichtbare Reaktion hängt aber auch von Temperatur, Oberfläche und schützenden Schichten auf der Oberfläche ab.
Beryllium und Magnesium bilden an der Oberfläche eine dichte Oxidschicht. Sie trennt das darunterliegende Metall von seiner Umgebung und verlangsamt weitere Reaktionen.
Magnesium reagiert mit kaltem Wasser nur langsam: Seine Oxidschicht und das schwer lösliche Magnesiumhydroxid, das sich dabei bildet, bedecken die Oberfläche. Dünnes Magnesiumband lässt sich jedoch entzünden und brennt mit sehr hellem Licht. Calcium, Strontium und Barium reagieren bei Raumtemperatur deutlich stärker mit Wasser. Dabei entstehen Hydroxide und Wasserstoff. Die Hydroxide bilden basisch reagierende Lösungen.
Wie reaktiv ein Metall grundsätzlich ist und wie schnell eine Reaktion sichtbar abläuft, ist nicht dasselbe. Eine Schutzschicht kann eine grundsätzlich mögliche Reaktion zunächst bremsen.
Versuche mit Erdalkalimetallen führt die Lehrkraft im Schullabor vor oder beaufsichtigt sie; probiere sie nie zu Hause aus. In brennendes Magnesium darf man nicht direkt hineinsehen: Das grelle Licht enthält UV-Strahlung und kann die Augen schädigen. Brennende Erdalkalimetalle dürfen nicht mit Wasser und auch nicht mit Kohlenstoffdioxid gelöscht werden; die Lehrkraft verwendet trockenen Sand oder einen Metallbrandlöscher. Fein verteilte Metalle können sich besonders leicht entzünden; Berylliumverbindungen, lösliche Bariumverbindungen sowie radioaktives Radium sind gesundheitlich gefährlich.
Definition
Passivierung
Passivierung bedeutet, dass eine schützende Oberflächenschicht die weitere Reaktion eines Stoffes stark verlangsamt. Das Metall ist dadurch nicht grundsätzlich unreaktiv.
Beispiel: Magnesium und Calcium in Wasser
- 1Magnesium steht über Calcium und ist nach dem Gruppentrend weniger reaktiv.
- 2Zusätzlich schützt eine Schicht aus Oxid und schwer löslichem Hydroxid seine Oberfläche.
- 3Calcium gibt seine Außenelektronen leichter ab und reagiert bei Raumtemperatur deutlich stärker mit Wasser.
Merke: Eine schwache sichtbare Reaktion beweist nicht immer eine geringe grundsätzliche Reaktivität: Eine Passivierungsschicht kann das Metall abschirmen.
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Salze bestimmter Erdalkalimetalle färben eine Flamme charakteristisch. So lassen sich diese Ionen unterscheiden. Bei der Flammenprobe wird eine Verbindung beziehungsweise ein Salz untersucht, nicht ein Stück des reinen Metalls.
Der entscheidende Vorgang läuft so ab: Die Flamme überträgt Energie auf Elektronen. Die Elektronen gelangen kurzzeitig in energiereichere Zustände, im Schalenmodell auf eine weiter außen liegende Schale; man sagt, sie werden angeregt. Beim Zurückfallen geben sie Energie als Licht ab. Je nach Element ist die abgegebene Energieportion verschieden groß. Deshalb leuchtet das Licht in einer anderen Farbe.
Im Alltag spielen meist nicht die reinen Metalle, sondern ihre Verbindungen eine Rolle. Calciumverbindungen sind Bestandteile von Knochen und Zähnen. Calciumcarbonat kommt unter anderem in Kalkstein, Kreide und Marmor vor. Magnesium ist für die Muskelfunktion wichtig; in Pflanzen sitzt es in der Mitte jedes Moleküls des grünen Blattfarbstoffs Chlorophyll. Magnesiumlegierungen verbinden eine geringe Dichte mit technischer Nutzbarkeit, etwa im Fahrzeug- und Flugzeugbau.
Calcium- und Magnesiumionen verursachen wesentlich die Wasserhärte. Hartes Wasser enthält oft gelöstes Calciumhydrogencarbonat. Es entsteht, wenn kohlenstoffdioxidhaltiges Wasser Kalk (Calciumcarbonat) löst. Beim Erhitzen kann daraus wieder schwer lösliches Calciumcarbonat ausfallen. Es lagert sich als Kesselstein ab. Calcium- und Magnesiumionen können außerdem mit den negativ geladenen Teilchen der Seife schwer lösliche Kalkseifen bilden.
| Ion | Flammenfärbung | Verwendung der Verbindungen |
|---|---|---|
| Calcium | ziegel- bis orangerot | Knochen, Kalkstein, Kreide |
| Strontium | intensiv rot | rote Feuerwerkseffekte |
| Barium | gelb-grün | grüne Feuerwerkseffekte |
| Beryllium, Magnesium | keine charakteristische sichtbare Färbung | Magnesium: Legierungen, Chlorophyll |
Beispiel: Eine rote Flamme deuten
- 1Färbt eine Probe die Flamme intensiv rot, spricht das unter den Erdalkalimetallen für Strontiumionen; auch Lithiumsalze färben die Flamme rot.
- 2Die Farbe allein erklärt den Vorgang noch nicht.
- 3Erst das Modell aus Anregung und Rückfall der Elektronen deutet die Lichtentstehung.
Beispiel: Kesselstein im Wasserkocher
- 1In einem Wasserkocher verdampft beim Erhitzen Wasser, und Kohlenstoffdioxid entweicht.
- 2Dadurch kann aus dem gelösten Calciumhydrogencarbonat wieder schwer lösliches Calciumcarbonat werden.
- 3Der feste Belag ist Kesselstein.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Erdalkalimetalle
Atombau
zwei Valenzelektronen
Ionenbildung
Abgabe von zwei Elektronen zu M²⁺
Gruppentrend
Reaktivität nimmt nach unten zu
Passivierung
Oxidschicht bremst Reaktionen
Nachweis
charakteristische Flammenfärbung
Alltag
Knochen, Chlorophyll, Wasserhärte und Werkstoffe
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Calcium und Wasser: Produkte und Formel
- 1Aufgabe: Calcium reagiert bei Raumtemperatur mit Wasser. Nenne die Produkte und stelle die ausgeglichene Reaktionsgleichung auf.
- 2Wortgleichung: Calcium + Wasser → Calciumhydroxid + Wasserstoff
- 3Calcium gibt zwei Elektronen ab und bildet \ce{Ca^2+}. Ein Hydroxid-Ion \ce{OH-} trägt die Ladung 1−.
- 4Für eine neutrale Verbindung brauchst du zwei \ce{OH-} pro \ce{Ca^2+}. Die Klammer in \ce{Ca(OH)2} zeigt: Die kleine 2 gilt für die ganze OH-Gruppe, also für 2 O- und 2 H-Atome.
- 5\ce{Ca + 2 H2O -> Ca(OH)2 + H2}
- 6Probe: links 1 Ca, 4 H und 2 O; rechts 1 Ca, 4 H (je 2 im Hydroxid und im Wasserstoff) und 2 O. Die Gleichung ist ausgeglichen.
Fehler finden
Die Formel von Strontiumchlorid In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die vierte Zeile ist falsch: Die Ladungen 2+ und 1− ergeben zusammen 1+, die Verbindung wäre nicht neutral. Ein \ce{Sr^2+} braucht zwei \ce{Cl-}. Die Formel lautet \ce{SrCl2}.
Lückentext
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Erdalkalimetallatome besitzen Valenzelektronen. Geben sie diese ab, entstehen Ionen mit der Ladung . Nach unten in der Gruppe wird die Reaktivität .
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