Chemie · Klasse 12–13 · aktualisiert
Reaktionsgeschwindigkeit berechnen und erklären
Du berechnest mittlere Reaktionsgeschwindigkeiten und deutest Kurven und Einflussgrößen.
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Kurz gesagt
Die mittlere Reaktionsgeschwindigkeit beschreibt, wie stark sich die Konzentration eines beobachteten Stoffes pro Zeit ändert. Für diesen Stoff teilst du den Betrag der Konzentrationsänderung durch die Dauer. Temperatur, Konzentration, Oberfläche und Katalysatoren können das Tempo beeinflussen.
Die Reaktionsgeschwindigkeit beschreibt, wie stark sich die Konzentration, Stoffmenge oder Masse eines Stoffes pro Zeit verändert. Je mehr Stoff in derselben Zeit umgesetzt wird, desto schneller läuft die Reaktion.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Bei einer chemischen Reaktion werden Edukte, also Ausgangsstoffe, verbraucht und Produkte gebildet. Deshalb kannst du beobachten, wie eine Eduktkonzentration sinkt oder eine Produktkonzentration steigt. Für die mittlere Geschwindigkeit bezogen auf einen beobachteten Stoff gilt:
v=\frac{|\Delta c|}{\Delta t}
Dabei ist \Delta c die Konzentrationsänderung und \Delta t die Dauer des betrachteten Zeitintervalls. Der Betrag |\Delta c| liefert eine positive Zahl für die Schnelligkeit. Bei einer Produktbildung ist \Delta c positiv. Bei einer Eduktabnahme ist die rechnerische Änderung negativ. Dann wird für die positive Reaktionsgeschwindigkeit ein Minuszeichen vor den Quotienten gesetzt oder der Betrag verwendet. Eine typische Einheit ist \mathrm{mol/(L\cdot s)} oder \mathrm{mmol/(L\cdot s)}.
Definition
Reaktionsgeschwindigkeit
Die Reaktionsgeschwindigkeit gibt an, wie stark sich eine messbare Stoffgröße während eines bestimmten Zeitintervalls verändert. Häufig verwendet man die Konzentrationsänderung pro Zeit.
Beispiel
- 1Bei einer Reaktion steigt die Konzentration von Magnesium-Ionen in 40\,\mathrm{s} von 0 auf 25\,\mathrm{mmol/L}.
- 2Bestimme zuerst die Konzentrationsänderung:
- 3\Delta c=25\,\mathrm{mmol/L}-0\,\mathrm{mmol/L}
- 4\Delta c=25\,\mathrm{mmol/L}
- 5Die verstrichene Zeit beträgt 40\,\mathrm{s}.
- 6v=\frac{25\,\mathrm{mmol/L}}{40\,\mathrm{s}}
- 7v=0{,}625\,\mathrm{mmol/(L\cdot s)}
- 8In den ersten 40\,\mathrm{s} werden im Mittel pro Sekunde 0{,}625\,\mathrm{mmol/L} Magnesium-Ionen gebildet.
Merke: Berechne immer zuerst Endwert minus Anfangswert und prüfe anschließend Vorzeichen, Einheit und Bedeutung des Ergebnisses.
Teste dich
Die Geschwindigkeit einer Reaktion bleibt häufig nicht konstant. Am Anfang sind oft viele Eduktteilchen vorhanden. Mit ihrem Verbrauch werden erfolgreiche Zusammenstöße seltener, sodass die Reaktion langsamer werden kann. Für die Magnesium-Ionen zeigt die Messreihe nach 20\,\mathrm{s} eine Konzentration von 15\,\mathrm{mmol/L} und nach 40\,\mathrm{s} von 25\,\mathrm{mmol/L}. In diesem Abschnitt wächst die Konzentration also um 10\,\mathrm{mmol/L} in 20\,\mathrm{s}. Daraus folgt:
v=\frac{10\,\mathrm{mmol/L}}{20\,\mathrm{s}}
v=0{,}5\,\mathrm{mmol/(L\cdot s)}
Dieser Wert ist kleiner als der Mittelwert der ersten 40 Sekunden. Die Produktkonzentration wächst im späteren Abschnitt also langsamer. Je kürzer das untersuchte Zeitintervall wird, desto besser nähert seine Sekante die Tangente und damit die momentane Geschwindigkeit an.
Definition
Mittlere Reaktionsgeschwindigkeit
Die mittlere Reaktionsgeschwindigkeit beschreibt die durchschnittliche Änderung während eines endlichen Zeitintervalls. In einem Konzentrations-Zeit-Diagramm entspricht sie der Steigung einer Sekante durch zwei Messpunkte.
| Zeit t | Konzentration c(\mathrm{Mg^{2+}}) |
|---|---|
| 0\,\mathrm{s} | 0\,\mathrm{mmol/L} |
| 20\,\mathrm{s} | 15\,\mathrm{mmol/L} |
| 40\,\mathrm{s} | 25\,\mathrm{mmol/L} |
Definition
Momentane Reaktionsgeschwindigkeit
Die momentane Reaktionsgeschwindigkeit gilt für einen bestimmten Zeitpunkt. Im Konzentrations-Zeit-Diagramm entspricht sie der Steigung der Tangente an die Kurve in diesem Punkt.
Teste dich
Nach dem Kollisionsmodell müssen Teilchen zusammenstoßen, damit sie reagieren können. Nicht jeder Zusammenstoß ist erfolgreich: Die Teilchen müssen genügend Energie besitzen und passend aufeinandertreffen. Mehr erfolgreiche Kollisionen pro Zeit bedeuten eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit.
Bei höherer Temperatur bewegen sich die Teilchen energiereicher. Mehr Zusammenstöße erreichen die Aktivierungsenergie.
Bei höherer Eduktkonzentration befinden sich im gleichen Volumen mehr Teilchen. Begegnungen und mögliche wirksame Kollisionen werden häufiger.
Bei höherem Druck in Gasen liegen die Teilchen dichter zusammen, wenn das Volumen kleiner wird und die Stoffmenge gleich bleibt. Sie begegnen sich häufiger.
Eine größere Oberfläche bietet mehr Kontaktstellen: Ein fein zerteilter Feststoff hat bei gleicher Masse mehr davon als ein großes Stück.
Ein Katalysator eröffnet einen Reaktionsweg mit geringerer Aktivierungsenergie. Bei gleichen Bedingungen können dadurch mehr Kollisionen erfolgreich sein. Er wird im idealen Zyklus zurückgebildet und verändert weder die Gesamtenergiebilanz noch die Gleichgewichtslage.
Eine stark exotherme Reaktion setzt viel Energie frei, kann aber wegen einer großen Startbarriere zunächst langsam sein. Die Reaktionsenthalpie \Delta H beschreibt den Energieunterschied zwischen Produkten und Edukten:
\Delta H=H_{\mathrm{Produkte}}-H_{\mathrm{Edukte}}
Bei einer exothermen Reaktion ist \Delta H<0. Das Vorzeichen misst nicht das Reaktionstempo. Freigesetzte Wärme kann es nur indirekt erhöhen, wenn die Temperatur steigt.
Definition
Aktivierungsenergie
Die Aktivierungsenergie ist die Energiebarriere, die für eine erfolgreiche Reaktion überwunden werden muss.
Merke: Frage bei jedem Einfluss: Verändert er die Zahl der Teilchenbegegnungen, die Energie der Zusammenstöße, die zugängliche Kontaktfläche oder die Startbarriere?
Teste dich
Für eine kontrollierte Messreihe veränderst du nur die untersuchte Größe. Stoffmengen, Konzentrationen, Volumina, Oberflächen und Messverfahren hältst du sonst möglichst gleich. Vergleiche stets denselben Stoffumsatz: Eine kürzere Zeit bedeutet dann eine höhere mittlere Geschwindigkeit.
Beispiel
- 1Du willst prüfen, ob allein die Temperatur die Reaktionsgeschwindigkeit beeinflusst.
- 2Wenn du gleichzeitig die Konzentration erhöhst, kannst du die Ursache einer Veränderung nicht mehr eindeutig bestimmen.
- 3Deshalb muss die Konzentration in allen Ansätzen gleich bleiben.
Beispiel: Messreihe auf dem Papier
- 1Wähle mehrere Temperaturen als untersuchte Größe.
- 2Setze in jedem gedachten Versuch gleiche Stoffmengen, Konzentrationen, Volumina und Oberflächen an.
- 3Lege für alle Versuche denselben messbaren Endpunkt fest.
- 4Plane denselben Startpunkt für Reaktion und Zeitmessung.
- 5Notiere Messwerte in gleichen Zeitabständen oder die Zeit bis zum Endpunkt.
- 6Vergleiche wiederholte Messungen unter gleichen übrigen Bedingungen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Reaktionsgeschwindigkeit
Messung
Konzentrationsänderung pro Zeit; mittlere Geschwindigkeit als Sekantensteigung; momentane Geschwindigkeit als Tangentensteigung
Erklärung
erfolgreiche Kollisionen; Aktivierungsenergie
Einflüsse
Temperatur; Konzentration und Gasdruck; Oberfläche; Katalysator
Abgrenzung
Reaktionsenthalpie bestimmt nicht unmittelbar das Tempo; kontrollierte Messung verändert nur eine Einflussgröße
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Mittlere Geschwindigkeit einer Produktbildung
- 1In einer Messreihe steigt die Produktkonzentration in 30\,\mathrm{s} von 0{,}12\,\mathrm{mol/L} auf 0{,}27\,\mathrm{mol/L}.
- 2Die Konzentrationsänderung ist Endwert minus Anfangswert:
- 3\Delta c=0{,}27\,\mathrm{mol/L}-0{,}12\,\mathrm{mol/L}
- 4\Delta c=0{,}15\,\mathrm{mol/L}
- 5Teile die Änderung durch die Zeit: v=0{,}15\,\mathrm{mol/L}/30\,\mathrm{s}.
- 6Bezogen auf dieses Produkt gilt v=0{,}005\,\mathrm{mol/(L\cdot s)}.
Fehler finden
Eine Eduktabnahme auswerten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile vergisst die Division durch 50\,\mathrm{s}. Richtig ist v=0{,}20\,\mathrm{mol/L}/50\,\mathrm{s} und damit v=0{,}004\,\mathrm{mol/(L\cdot s)}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die mittlere Geschwindigkeit bezogen auf einen Stoff ist seine Konzentrationsänderung pro . Im Diagramm zeigt eine den Mittelwert eines Intervalls. Ein Katalysator senkt die .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback